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Calvin, Jean - Psalm 47.

Calvin, Jean - Psalm 47.

Inhaltsangabe:

Manche nehmen an, dieser Psalm sei aus Anlass der Tempelweihe gedichtet worden, als die Bundeslade ins Allerheiligste gebracht wurde. Da diese Bestimmung aber zu unsicher ist, wollen wir ohne Rücksicht darauf den Inhalt und die Bedeutung des Psalms darlegen. Zweifellos ist derselbe für festliche Gelegenheiten bestimmt: das geht aus seinem ganzen Inhalt hervor. Möglicherweise hat ihn David noch vor dem Tempelbau, als die Bundeslade noch im Zelte stand, für die Leviten verfasst. Aber mag der Verfasser heißen wie er will, wichtiger ist, dass nicht nur Israel, sondern alle Völker zum lauteren Dienst des einen wahren Gottes aufgefordert werden. Die Gnade, die Gott dem Geschlecht Abrahams vor jener Zeit zuteil werden ließ, wird gepriesen. Sollte doch aus dieser Quelle das Heil der ganzen Welt kommen. Doch enthält der Psalm auch eine Weissagung auf das künftige Reich Christi: denn es heißt, der Glanz, der damals im vorbildlichen Allerheiligsten erstrahlte, werde weit und breit sichtbar werden. Gott selbst werde die Strahlen seiner Gnade in die Ferne senden, um Könige und Völker mit Abrahams Samen zu vereinigen.

1 Dem Musikvorsteher: ein Psalm der Kinder Korah. 2 Frohlockt mit Händen, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der Herr, der Allerhöchste, ist erschrecklich, ein großer König auf dem ganzen Erdboden. 4 Er zwingt die Völker unter uns und die Leute unter unsere Füße. 5 Er erwählet uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebet. (Sela.)

V. 2. Frohlocket mit Händen usw. Die Völker sollen zum Zeichen ihrer fröhlichen Stimmung und ihrer Dankbarkeit gegen Gott in die Hände klatschen; ihre außergewöhnliche Freude soll sich sogar in schallendem Jauchzen äußern. Es muss also von ihrem Heil die Rede sein. Denn wenn Gott unter den Heiden ein schreckhaftes Reich errichtet, so würde das viel eher alle bedrücken und mit Verzweiflung erfüllen, als ihnen Anlass zum Siegesjauchzen geben. Und jedenfalls ist nicht von einer alltäglichen Gnadenerweisung des Herrn die Rede, sondern von einer solchen, die den ganzen Erdkreis mit unbeschreiblich fröhlicher Stimmung erfüllt und alle Herzen zum Lob und Ruhm Gottes begeistert. Wenn darum im Folgenden gesagt wird, alle Völker würden Israel unterworfen, so dürfen wir darunter nicht knechtische Unterweisung verstehen. Israel steht vielmehr mächtiger da als alle Reiche der Erde und nimmt deshalb von selbst eine führende Stellung unter den Völkern ein. Es wäre ja ganz widersinnig, dass die vor Freude jauchzen sollten, die, durch Gewalt und Schreckensherrschaft gebannt, Knechtsdienste leisteten. Wohl waren sehr viele Völker David und Salomo gegenüber tributpflichtig. Aber sie trugen das auferlegte Joch doch nur zähneknirschend und widerwillig. Eine Ehrung des Gottes Israels lag ihnen dabei fern. Nur Abhängigkeit von Gott beglückt und befriedigt. Da nun der Herr seine einstigen Feinde durch seinen Sohn Jesum Christum bezwingt und unterwirft, so muss dieses Jauchzen auf Christi Reich hinweisen. Christus wird aber nicht deshalb der Allerhöchste und erschrecklich genannt, weil er die armen Menschen mit tyrannischer Gewalt einschüchterte, sondern weil seine einst verachtete Majestät den Trotz der gesamten Welt völlig bricht. Gewiss will der heilige Geist auch darauf hinweisen, dass die Juden, die von ihren Nachbarn lange schimpflich behandelt und unterdrückt und von mancherlei Missgeschick heimgesucht waren, nach deren Bezwingung durch Gottes Barmherzigkeit ein Volk geworden, das unter Davids Herrscherstab zur größten Macht gelangte. Jedoch bleibt es nach dem ganzen Zusammenhang wahr, dass die Worte: der Herr ist erschrecklich, ein großer König auf dem ganzen Erdboden , dem Reiche Christi gelten. Es ist also ohne Zweifel, dass dieser rühmende Hinweis auf die Gnade Gottes den Frommen in der langen Wartezeit zur Stärkung dienen sollte. Das Ansehen des israelitischen Volkes war zusammengebrochen und das Volk selbst in tiefste Schande geraten. Da war es allein auf diese Verheißung angewiesen. Die Verdunklung der ruhmreichen Machtstellung währte bekanntlich vom Tode Salomos bis zu Christi Erscheinung. Dabei hätten fromme Gemüter ihren Glauben verlieren können. Ein Abbild des Messiasreiches hatte Gott ja bereits in Davids Herrschaft gegeben: aber schon bald nach dessen Regierung trat eine traurige, fast schimpfliche Schwächung der Macht ein, die schwersten Niederlagen, ja endlich die Wegführung in die Gefangenschaft und die jammervollste Zerstreuung folgte, die fast dem Untergang gleichkam. Darum kann der heilige Geist die Gläubigen zum Frohlocken nur im Hinblick auf die Zeit aufrufen, in welcher der verheißene Erlöser kommen wird.

V. 4. Er zwingt die Völker unter uns usw. Da die fröhliche und nützliche Unterwerfung, die hier schließlich gemeint ist, erst für später bevorsteht, so habe ich auch nichts dagegen, wenn manche Ausleger den Satz in der Zukunftsform übersetzen. Indessen behalte ich die gewöhnliche Übersetzung bei, weil diese zukünftige Gnadenwirkung Gottes immerhin schon in gegenwärtigen Tatsachen abbildlich dargestellt war. Wenn nun der Prophet auch in diesem Vers insonderheit seine Stammesgenossen zur Dankbarkeit ermahnt, weil sie nach Gottes Gnadenrat über alle Völker herrschen sollten, so ist es doch keine Frage, dass die einst Unterworfenen einmal die Freude der Kinder Israel teilen werden. Also wie der Schatten vom Körper, so unterscheidet sich das erzwungene Jauchzen, das einst die Heidenvölker dem David entgegenbrachten, von dem Jauchzen, mit dem die Gläubigen Christum aufnehmen. Denn dieses kommt aus freiem Herzensgehorsam. Wenn nach der Aufstellung der Bundeslade im Tempel keine höhere Offenbarung der Wahrheit mehr erschienen wäre, so wäre es freilich nur eine kindliche Spielerei gewesen, Gott in jenem engen Raume eingeschlossen zu denken. Aber als Gottes Majestät, die im Zelte gewohnt hatte, über den ganzen Erdkreis sich offenbarte und alle Völker unter ihrem Zepter vereinte, da erkannte man erst den glänzenden Vorzug des Geschlechts Abrahams. Wenn also der Prophet von der Unterwerfung der Völker redet, die dem auserwählten Volke willig gehorchen, so meint er damit das künftige Reich, dessen er schon vorher Erwähnung getan. Nicht von der heimlichen Vorsehung ist hier die Rede, nach der Gott das ganze Weltall leitet, sondern von der besonderen Macht, die er durch sein Wort ausübt. – Es fragt sich aber: wenn Christus die Kirche durch seine Fürsorge und himmlische Machtbefugnis wieder baut, wie kann dann gesagt werden, die Völker würden den Juden unterworfen sein? Ist denn nicht Christus das einige Haupt und alle Gläubigen vom obersten bis zum geringsten einfach seine Glieder? Stehen sie nicht brüderlich einander gleich und hoffen auf das gleiche Erbe, sodass für eine Bevorzugung Israels kein Raum mehr bleibt? Die Lösung ist leicht: als den Heiden das Joch des Gesetzes aufgelegt wurde, gewannen die Juden die geweissagte Herrschaft. Obwohl sie zu der Zeit, als Christi Reich ans Licht kam, unter dem jämmerlichen und schimpflichen Druck der Heidenvölker standen und ihnen wie Sklaven dienten, so wird ihnen dennoch und mit Recht die Herrschaft zugeschrieben, weil Zion die Stätte der Offenbarung der göttlichen Macht geworden ist. Da sie des Gesetzes Hüter waren, war es ihre Aufgabe, mit der Wucht des Gesetzes die Völker zu zügeln. Denn nur dadurch konnte der übrige Weltkreis Gott gehorsam werden, dass die Menschheit, durch Gottes Geist erneuert, sich freiwillig dem Unterricht der Juden unterwarf und es auf sich nahm, ihre Schüler zu werden, wie es Sach. 8, 23 heißt: „Zu der Zeit werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Heiden einen jüdischen Mann bei dem Zipfel ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir hören, dass Gott mit euch ist.“

V. 5. Er erwählet uns unser Erbteil usw. Jetzt beschreibt der Prophet die besondere herrliche Gnade noch deutlicher, deren Gott das erwählte und heilige Geschlecht Abrahams gewürdigt hatte. Wie er nämlich unter Hintansetzung der ganzen Welt wenigen, geringen Leuten die Kindschaft verliehen hatte, so musste er auch einen Unterschied machen zwischen diesem hervorragenden Pfand seiner väterlichen Liebe und der allgemeinen Huld, die er dem gesamten Menschengeschlecht zuteil werden lässt. Der Ausdruck, dass der Herr für Israel das Erbe „erwählet“ habe, will also nachdrücklich einprägen: Gott braucht die Söhne Abrahams ebenso wenig wie die andern Völker, sondern er gibt ihnen ihre Würde, die sie vor andern voraushaben, kraft des Erbrechts. Eben diese Würde ist unter der „Herrlichkeit Jakobs“ zu verstehen. Der Prophet mahnt also zu Dank gegen Gott, dass er in der Person Jakobs das erwählte Volk zur höchsten Ehre emporgehoben habe. Er sieht aber in dieser hervorragenden Stellung Jakobs einzig und allein eine freiwillige Gnadenerweisung Gottes. Bei jeder Erwähnung der Gnade Gottes gegen die Juden muss man festhalten, dass jedes Verdienst null und nichtig ist, weil er ja ihre Väter geliebt hat. Wenn schon die ganze Wertschätzung des heiligen Erzvaters von dem freien Wohlgefallen Gottes abhängt, wer dürfte es dann überhaupt wagen, sich irgendein eignes Verdienst anzumaßen? Wir sollen also lernen: alles, was Gott uns besonders vor andern schenkt, ist als ein Ausfluss seiner väterlichen Liebe anzusehen, denn er hat uns als Schafe seiner Weide erkoren. Wir entnehmen auch aus dieser Stelle, dass die Gnade, die er seinen Erwählten mitteilt, nicht gemeinhin allen offen steht, sondern ein Vorrecht für wenige ist, durch das er sie von der großen Masse scheidet.

6 Gott fähret auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott; lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König auf dem ganzen Erdboden; lobsinget ihm klüglich! 9 Gott ist König über die Heiden; Gott sitzt auf seinem heiligen Stuhl. 10 Die Fürsten unter den Völkern sind versammelt zu einem Volk dem Gott Abrahams; denn Gottes sind die Schilde auf Erden; er hat sich sehr erhöhet.

V. 6. Gott fähret auf mit Jauchzen usw. Das ist eine Anspielung auf einen alten Gesetzesbrauch. Bei den heiligen Festen wurde mit Posaunen geblasen. Wie durch den Schall der Posaune ein König bei seinem prächtigen Einzug um die Verehrung seines Volkes warb, so wurde dadurch die Festversammlung aufgefordert, in den begeisterten Lobpreis der göttlichen Macht auszubrechen. Indes weist der Prophet mit diesem vorbildlichen Brauch ohne Zweifel auf eine andere Auffahrt hin, nämlich auf die Auffahrt Christi, da er über alle Himmel sich erhoben, die Herrschaft über die ganze Welt erlangt und mit himmlischer Kraft allen Stolz und Hochmut gebeugt hat. Sehr bemerkenswert ist, dass der Gottesname „Jehovah“, oder wie wir ihn wiederzugeben pflegen: „Herr “, auf die Bundeslade übertragen wird. Wenn darin auch das Wesen oder die Majestät Gottes nicht eingeschlossen oder seine Kraft festgebunden war, so war sie doch auch kein leeres Symbol der göttlichen Gegenwart. Denn wie Gott verheißen hatte, inmitten des Volkes zu wohnen, so lange es nach dem Gesetz ihm diente, so bewies er auch in der Tat, dass er wahrhaft unter ihnen war und nicht vergeblich angerufen wurde. Noch mehr aber gilt das von der Offenbarung der Herrlichkeit, die zuletzt in Christi Person erstrahlte. Alles in allem: wenn die Hörner nach der Vorschrift des Gesetzes bei den Juden geblasen wurden, so war dies nicht ein leerer Schall, der bloß die Luft erfüllte; denn Gott, der in der Bundeslade ein Pfand und Wahrzeichen seiner Gegenwart gegeben hatte, war wahrhaftig in jener Versammlung zugegen. Das gibt dem Propheten Anlass, die Gläubigen zu ermahnen (V. 7.): Lobsinget Gott ! Sie würden das ja nicht ohne Erfolg tun, wie die Abergläubigen, die vergeblich vor ihren Götzenbildern heulen, weil sie keine Gewissheit haben. Die Gläubigen, so lehrt der Prophet, hätten also Grund genug, Gottes Lob mit Inbrunst ertönen zu lassen. Seine Gegenwart ist ihm so unerschütterlich gewiss, als wenn er seinen Königsthron unter ihnen errichtet hätte. Wenn Gott dann der König des auserwählten Volkes genannt und ihm (V. 8) eine Herrschaft auf dem ganzen Erdboden zugeschrieben wird, so ist auch dies ein Anzeichen für das Erstgeburtsrecht Israels, an welches die Heiden erst in zweiter Linie sich anschließen. Zugleich aber bringt der Prophet zum Ausdruck, dass das Gottesreich, das durch die Ankunft des Messias entsteht, infolge seiner Ausdehnung bis zu den fernsten Enden der Erde weit herrlicher sein werde als das, welches unter der Gesetzesform war. Darum fordert er fünfmal zum Lobsingen auf. Dass man aber klüglich singen soll, bezieht sich nicht bloß auf die kunstgemäße Ausführung, sondern auch darauf, dass ein Gesang zu Gottes Ehre eine rechte Sammlung der Gedanken fordert. Man soll nicht bloß mit den Lippen plärren, wie es unter dem Papsttum geschieht, damit Gottes Name nicht durch leeren Zungenschwall gelästert werde.

9. Gott ist König über die Heiden. Wenn der Prophet immer betont, dass Gott König über die Heiden sei, so dürfen wir annehmen, dass er von einer ganz neuen, noch nie da gewesenen Art der Herrschaft spricht. Es besteht ein Gegensatz zwischen der Zeit des Gesetzes, in der Gott seine Herrschaft innerhalb der jüdischen Grenzen ausgeübt, und der Zeit des Kommens Christi, da er sie über die ganze Welt ausgedehnt hat. Obwohl Gottes Majestät da und dort unter den Heiden wie ein Blitzstrahl aufleuchtete, als David sie sich untertan machte, so hätte doch der Prophet eigentlich nicht sagen können, Gott habe unter ihnen geherrscht. Denn sie verachteten ja seinen Dienst und ersehnten die völlige Vernichtung seiner Gemeinde. Darum muss man die Erfüllung dieser Verheißung in Christo suchen. Dass Gott auf seinem heiligen Stuhl sitzt, kann in einem doppelten Sinne verstanden werden, entweder von Stiftshütte und Tempel, oder vom Himmel. Nimmt man den Ausdruck im ersteren Sinne, so bedeutet der Satz: Gott herrscht über alle Welt und fasst alle Völker unter seinem Zepter zusammen, doch so, dass sein Hauptsitz in Jerusalem bleibt; von dort trat ja auch die Lehre des Evangeliums, durch die Gott alle Sterblichen unterwirft, ihren Zug an. Besser ist die zweite Auslegung: Sein heiliger Stuhl ist der Himmel, weil Gott mit seinem ausgereckten Arm die Menschen zum Gehorsam gegen ihn zwingt und dadurch offen kundtut, dass er sie vom himmlischen Throne herab beherrscht. Denn wenn er seine Macht nicht durch deutliche Zeichen beweist, wird er nicht als Lenker der Welt erkannt.

V. 10. Die Fürsten unter den Völkern usw. Zum Schluss führt der Verfasser noch einmal aus, wie Gott seine Herrschaft über die Heiden dadurch aufrichten werde, dass er die, welche einst ferne standen, mit den Juden demselben Gottesverbande zuführt. Und so wurden die verschiedenen Völker aus der jammervollen Zertrennung in einen Körper geeinigt. Denn als die Lehre des Evangeliums aufleuchtete, da schaltete sie die Juden nicht von dem alten Gottesbunde aus, sondern gliederte uns vielmehr ihnen an. Die Berufung der Heiden ist also nichts anderes, als eine Einpflanzung in die Familie Abrahams. Dann sagt aber auch der Prophet mit Recht, von allen Seiten seien die Fremden dem erwählten Volk einverleibt worden, sodass dieser Zuwachs das Reich Gottes über alle Weltteile hin verbreitete. In demselben Sinne sagt Paulus (Eph. 3, 6), die Heiden seien Miterben und den Juden einverleibt. Obwohl nun nach Beseitigung der Zeremonien des alten Bundes die trennende Zwischenwand gefallen ist, so bleibt es doch wahr, dass wir nur deshalb unter die Gotteskinder gezählt werden, weil wir in das Geschlecht Abrahams eingepflanzt worden sind. Aber nicht bloß vom Volk im allgemeinen redet der Prophet, sondern er sagt, auch den Fürsten werde nichts mehr an ihrem vollen Glück fehlen, als dass sie sich den Juden anschließen, wie es auch Ps. 87, 5 heißt: „Man wird zu Zion sagen, dass allerlei Leute drinnen geboren werden.“ Dass diese verheißene Versammlung dem Volke des Gottes Abrahams angegliedert wird, geschieht, um den Juden alle fleischliche Würdigkeit, die etwa an ihrer Person haften könnte, zu nehmen. Ihr ganzer Vorzug geht vielmehr darauf zurück, dass der reine Gottesdienst in ihrer Mitte blühte und die himmlische Lehre von ihnen ausging. Deshalb trifft diese Verheißung keineswegs die verworfenen Juden, die sich durch ihren Unglauben von der Gnade getrennt haben. Aber weil, wie Paulus (Röm. 11, 16) lehrt, auch die Zweige einer heiligen Wurzel von Natur heilig sind, so steht der Abfall der Mehrzahl dem nicht im Wege, dass dem Überrest diese Ehre vorbehalten bleibt. Daher wird jener Zusammenschluss „das Volk des Gottes Abrahams“ genannt. Diese Stelle enthält eine zwiefache nützliche Lehre. Erstlich lernen wir daraus, dass, wer unter die Gotteskinder gezählt werden will, einen Platz in der Gemeinde suchen muss, damit er der brüderlichen Einheit mit allen Frommen pflegen kann. Und dann: die Einheit der Gemeinde beruht darauf, dass sie sich in allen ihren Gliedern mit Ernst und Gehorsam unter das Gotteswort beugt, so dass nur ein Hirt und eine Herde ist. Auch werden alle die, welche in dieser Welt an Ehren und Mitteln reich sind, ermahnt, allen Stolz abzulegen und willig und bescheiden mit den andern das Joch zu tragen, auf dass sie sich als gehorsame Kinder der Gemeinde bewähren.

Gottes sind die Schilde auf Erden. Das verstehen viele von den Fürsten, welche in der Tat öfters in der Schrift bildlich als ein Schild bezeichnet werden, weil sie die Ihrigen schirmen (Ps. 89, 19). So wäre der Sinn: im Rate Gottes sei es beschlossen, die Vornehmen der Welt in seine Gemeinde einzureihen, weil er auch über sie Herr sei. Einfacher ist doch ein anderes Verständnis: allein Gottes Amt ist es, auf Erden Schutz und Schirm zu üben; darum soll man Gottes Erhabenheit bewundern, die allein solch schwierigem Werk gewachsen ist. Von Schilden in der Mehrzahl ist aber die Rede, weil es bei den mannigfachen und fast ungezählten Gefahren, in welchen beständig die einzelnen Teile der Welt schweben, Not tut, dass die Fürsorge Gottes in vielfacher Gestalt, gleichsam in vielen Schilden zur Hilfe bereit sei.

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