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Hiob - Kapitel 20

Hiob - Kapitel 20

(Leander van Eß)

Zophar redet zum zweiten Male, und wiederholt in verschiedenen Bildern; daß der Gottlose immer unglücklicher sey, wenn er auch eine Zeitlang Gottes Strafgericht entrinne.

1 Und Zophar, der Naamathite, hob an und sprach:
2 Gewiß! meine Gedanken lassen mich antworten, schon wegen meines innern Stürmens.
3 Den für mich schmählichen Verweis hörte ich; aber der Geist meiner Einsicht antwortete mir.
4 Weißt du das nicht? Es war von Ewigkeit her, seit der Mensch gesetzt ist auf die Erde,
5 daß kurz sey der Jubel der Bösen; und die Freude der Gottlosen augenblicklich währet.
6 Stiege bis zum Himmel seine Höhe; und berührte die Wolken sein Haupt;
7 wie sein Koth wird er auf ewig verschwinden; die ihn sahen, werden sprechen: Wo ist er?
8 Wie ein Traum verfliegt er; und man findet ihn nicht mehr; er wird entfliehen wie ein nächtliches Gesicht.
9 Das Auge, das ihn sah, sieht ihn nicht wieder; in erblicket nicht mehr seine Stätte.
10 Seine Söhne versöhnen die Armen; und ihre Hände erstatten wieder das geraubte Gut.
11 Mögen seine Gebeine voll Jugendkraft seyn; aber sie streckt sich hin mit ihm in den Staub.
12 Schmeckt auch süß in seinem Munde das Böse; birgt er es unter seiner Zunge;
13 liebkoset er damit, und will's nicht lassen, und hält's zurück in seinem Munde;
14 so wandelt sich doch seine Speise in seinen Eingeweiden; wird Schlangengift in seinem Innern.
15 Schätze verschlang er; und speiet sie wieder; aus seinem Bauch treibt sie Gott.
16 Schlangengift saugt er; ihn tödtet die Zunge der Otter.
17 Nie sehen wird er Bäche, Flüsse, strömend Honig und Milch.
18 Zurückgeben muß er das Erworbene, ohne es zu verschlingen; wie also gewonnen, so zerronnen; damit er nicht frohlocke.
19 Weil er unterdrückte, verließ die Armen; Häuser raubte, die er nicht gebauet.
20 Weil er nie sich befriedigt fühlte für seinen Bauch; seiner Gier nichts entgehen;
21 nichts entrinnen ließ seinem Verschlingen. D'rum ist seine Wohlstand nicht von Dauer.
22 Bei der Fülle seines Ueberflusses muß er darben; ihn trifft des Mühsals ganze Macht.
23 Es wird geschehen, um seinen Bauch zu füllen, sendet Er über ihn seines Zornes Gluth; und läßt auf sie regnen mit seiner Speise.
24 Flieht er vor der Eisenrüstung; so durchbohrt ihn der eherne Bogen.
25 Man zog heraus - und er drang durch seinen Körper, und der blitzende Stahl durch seine Galle; weg war er. Außerdem das Schreckliche:
26 Jedes Unheil ist aufgespart seinen Schätzen; ein Feuer zehrt es, das nicht ausgeblasen wird; übel geht's dem Zurückgelassenen in seinem Zelte.
27 Der Himmel decket auf seine Schuld; und die Erde empört sich wider ihn.
28 Es schwindet seines Hauses Gut; zerronnen ist's am Tage seines Zorns.
29 Das ist des bösen Menschen Loos von Gott; und das Erbe für ihn bestimmt vom Höchsten.

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