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Calvin, Jean - Die Schrift

Calvin, Jean - Die Schrift

Ehe wir in der Lehre von Gott fortfahren, wird es aber nötig sein, einiges über die Autorität der Schrift zu sagen, nicht bloß um unser Gemüt vorläufig zur Ehrfurcht zu stimmen, sondern um jeden Zweifel zu heben. Wenn es ohne weiteres klar wäre, daß es sich um ein Wort aus Gottes Munde handelt, so würde kein Mensch von gesunden Sinnen die verzweifelte Frechheit aufbringen, den Glauben zu verweigern. Da nun aber nicht täglich Offenbarungssprüche vom Himmel ergehen, und wir allein die Bibel haben, welcher Gott seine Wahrheit zu bleibendem Gedächtnis anvertrauen wollte, so wird dieselbe Autorität bei den Gläubigen nur dann gewinnen können, wenn in ihnen die Überzeugung erwächst, daß sie vom Himmel stammt, und man in ihr lebendige Zusprachen Gottes vernimmt.

… Halten wir den Grundsatz ganz fest, daß nur Leute, welche der heilige Geist innerlich unterwiesen hat, sich klar und sicher auf die Bibel stellen. Die heilige Schrift trägt ihre Beglaubigung in sich selbst und ihre Autorität darf nicht auf vernünftige Schlußfolgerungen gegründet werden, sondern setzt sich selbst kraft des Zeugnisses des heiligen Geistes durch. Gewiß zwingt uns schon der majestätische Eindruck der Bibel zu einer gewissen Ehrfurcht, aber zu voller Überzeugung kommen wir erst, wenn der heilige Geist sein Siegel in unsre Herzen drückt. Wenn dessen Kraft uns erleuchtet, gründen wir den Glauben an den göttlichen Ursprung der Bibel nicht mehr auf unser oder anderer Menschen Urteil, sondern wir bewegen uns auf einer Höhe, die alles Menschenurteil weit überragt. So stellen wir mit vollster Gewißheit fest, daß die heilige Schrift, wenn auch durch den Dienst der Menschen, so doch aus Gottes eigenstem Munde zu uns gekommen ist, und wir sehen in ihr Gott selbst gegenwärtig vor uns stehen. Nicht Beweise oder Wahrscheinlichkeiten suchen wir, auf die wir unser Urteil stützen könnten, sondern wir unterwerfen unser Urteil und unser Denken einer unwidersprechlich gewissen Tatsache. Dieser Vorgang steht in keinem Vergleich mit der Leichtfertigkeit, mit welcher man vielleicht ohne genauere Untersuchung einer Sache zufallt, die man nach gründlicher Prüfung schließlich doch verwerfen muß: vielmehr haben wir die lautere Gewissensüberzeugung, daß wir die unerschütterliche Wahrheit besitzen. Es handelt sich nicht um einen Aberglauben, wie er den elenden Menschenverstand gefangenzunehmen pflegt: vielmehr machen wir die Erfahrung, daß in der Bibel die Kraft des göttlichen Wesens unwidersprechlich webt und waltet. So werden wir zwar mit klarem Wissen und Wollen, aber doch lebendiger und wirksamer als es jemals menschlicher Wille oder Verstand uns abgewinnen könnte, zum Gehorsam gezogen und entzündet.

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