Boeckh, Christian Friedrich - Am zweiten Pfingsttage

Boeckh, Christian Friedrich - Am zweiten Pfingsttage

von Dr. Chr. Fr. Boeckh,
zweitem Pfarrer an St. Lorenz in Nürnberg.

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sey mit euch. Amen.

Was schön und herrlich, was edel und vortrefflich ist im Reiche Gottes, das schreibt die Schrift der Kraft des heiligen Geistes zu. Die Erkenntniß unserer Sünden, die Sehnsucht nach der Gnade Gottes, der Glaube an den Erlöser, die Kraft zur Heiligung unseres Sinnes und Wandels, der Trost in den Tagen de? Trübsal, der Friede unter der Angst dieser Welt, die Hoffnung am Rande des Grabes, Alles wird von dem Geiste abgeleitet, der vom Vater und vom Sohne ausgeht. Wie unglücklich also, wie höchst beklagenswerth wäre unser Schicksal, wenn wir dieses Geistes nicht theilhaftig waren! Statt von einer lebendigen Erkenntniß unserer Sünden durchdrungen zu seyn, würden wir leichtsinnig über unser Verderben wegsehen und den breiten Weg zur Verdammniß wandeln; statt nach der Gnade Gottes zu dürsten, würden wir uns einer eitlen Selbstgerechtigkeit rühmen und Gefallen an uns selber haben; statt die Versöhnung, die durch Christum geschehen ist, mit voller Zuversicht unseres Herzens zu ergreifen, würden wir das dargeboten Heil zurückweisen und den Glauben an den Erlöser verläugnen; statt die Kraft von Oben im Geschäfte unserer Heiligung zu fühlen, würden wir ohnmächtig jeder Versuchung unterliegen, und dem Fürsten dieser Welt zur sichern Beute werden; statt eines sichern Trostes in den Tagen der Trübsal zu genießen, würden wir vor jedem Unfall erschrecken, und durch die Leiden dieser Zeit zu Boden gedrückt werden; statt mit dem Frieden Christi unter aller Angst erquickt zu werden, würden wir zeitlebens ein qualvolles Gewissen haben, und niemals zu einer bleibenden Ruhe des Herzens gelangen können; statt der seligsten Hoffnung-am Rande des Grabes uns zu erfreuen, würden wir beben vor dem nahenden Tode, und mit den bittersten Thränen unsere letzte Stunde beweinen. Was mehr also, meine Freunde, was inniger kann uns am Herzen liegen, als den Geist zu empfangen, dem eine Fülle der edelsten und seligsten Gaben entströmt und dessen Wirkungen entbehren zu müssen, in der That unser größtes Unglück wäre? Er hat sich vor achtzehn Jahrhunderten in mächtigen Strömen über die Jünger des Herrn ergossen, und wir freuen uns in diesen Tagen des heiligen Pfingstfestes eines Ereignisses, das die prophetische Verheissung: „Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch,“ für die ganze christliche Welt zu erfüllen begonnen hat. Lasset uns heute hören, wie wir auf diese Verheissung hoffen dürfen, lasset uns hören, wie wir des heiligen Geistes theilhaftig werden können. Vernehmet in dieser Absicht unsere festtägliche Epistel.

Epistel.

Apost. Gesch. 10,42-48.
Und er hat uns geboten zu predigen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro kommen waren, entsatzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleich wie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Da baten sie ihn, daß er etliche Tage da bliebe.

Zu Cäsarea, der Residenz des römischen Landpflegers, war bei der sogenannten italischen Schaar ein Hauptmann, Namens Cornelius. Dieser Mann hatte, obgleich er ein Heide war, im Umgang mit dem jüdischen Volke einige Erkenntniß des wahren Gottes gewonnen, und gab diese Erkenntniß durch aufrichtige Gottesfurcht, durch reichliches Almosengeben, und durch fleißiges Gebet (V. 2.) zu erkennen. Da geschah es eines Tages, daß ihm um die Nachmittagsstunde ein Engel Gottes erschien und ihm den Befehl überbrachte, er möchte Männer nach Joppen senden, und den dort verweilenden Petrus zu sich fordern lassen, um sofort aus dieses Apostels Munde den weitern Willen Gottes zu vernehmen Cornelius gehorchte, und da Petrus durch eine merkwürdige Erscheinung (V. 9- 16.) von dem Herrn selbst zu dieser Reise berufen, nach Cäsarea gekommen war, trat er sogleich in das Haus des römischen Hauptmanns, erkundigte sich, warum er hieher gefordert worden sey, und erhielt von Cornelius, nachdem dieser die Erscheinung des himmlischen Boten zuvor genau berichtet hatte, die Antwort: „Du hast wohlgethan, daß du gekommen bist. Nun sind wir Alle hier gegenwärtig vor Gott, zu hören Alles, was dir von Gott befohlen ist (V. 33.)“. - Auf diese Antwort begann der Apostel das Wort von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, das selige Evangelium von der Vergebung der Sünden dem Hauptmann und seinen versammelten Freunden zu verkündigen, und „da er noch diese Worte redete,“ sagt unsere heutige Epistel, „fiel der heilige Geist auf Alle, die dem Worte zuhöreten.“ Darüber verwunderten sich die Judenchristen, die mit Petrus aus Joppe gekommen waren; ihre bisher gehegte Meinung, die Heiden müßten sich erst beschneiden lassen, ehe sie in das Reich Christi aufgenommen und mit der Gabe des heiligen Geistes gesegnet werden könnten, mußte ihnen offenbar als ein jüdisches Vorurtheil erscheinen. Petrus aber, schon früher durch die erwähnte himmlische Erscheinung eines Anderen überzeugt, und in dieser Ueberzeugung durch die vor seinen Augen geschehene Ausgießung des heiligen Geistes noch mehr bestärkt, befahl die Versammelten zu taufen in dem Namen des Herrn, und blieb auf ihr Begehren noch etliche Tage bei ihnen.

Das ist die Erklärung unserer festtäglichen Epistel nach ihrem nächsten Zusammenhange und ihrem Hauptinhalte, und nach, beiden leitet sie uns von selbst auf die wichtige Frage, deren nähere Erörterung dem heutigen Tage besonders angemessen ist, auf die Frage:

wie können wir den heiligen Geist empfangen?

Unser Text, der uns auf diese Frage geführt hat, ertheilt uns auch ihre vollständige Beantwortung. Wir wollen ihm folgen; du aber, Geist des Herrn, erleuchte und stärke uns, daß diese wichtige Betrachtung, die wir jetzt anstellen, an unsern Herzen gesegnet seyn möge. Amen.

Wenn wir vom heiligen Geiste reden, meine Freunde, so verstehen wir unter demselbigen nicht eine bloße Eigenschaft oder Kraft Gottes, auch nicht den bloßen Geist des Evangeliums, oder das göttliche Leben, das von Christus den Gläubigen mitgetheilt wird, sondern wir verstehen unter demselbigen, im Einverständnisse mit der auf den Grund der Schrift gebauten Kirche, die dritte Person in der heiligen Dreieinigkeit, die, vom Vater und vom Sohne ausgehend, sich vornehmlich im Werke der Wiedergeburt und der Heiligung kräftig erweiset an den Seelen der Menschen. Die Gaben dieses Geistes sind mannichfach und verschieden. In den ersten Zeiten der christlichen Kirche hat er auf eine außerordentliche und wunderbare Weise gewirkt, wie am Tage der Pfingsten, wo er den versammelten Jüngern die Gabe der Zungen, das Vermögen mittheilte, in vorher nie erlernten Sprachen die Gnade Gottes in Christo zu preisen. Dasselbe sehen wir auch im Hause des Cornelius. Solcher und ähnlicher wunderbarer Wirkungen haben wir uns jetzt nicht mehr zu erfreuen; aber die ordentlichen Gaben des heiligen Geistes, die in der Mittheilung des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, und alles dessen bestehen, was aus diesen Dreien erwächst, kann noch heute Jeder empfangen, der die Bedingungen erfüllt, unter denen man überhaupt des Geistes theilhaftig werden kann. Wir fragen also jetzt: Wie können wir den heiligen Geist empfangen? - und antworten zuerst:

I.

Wenn wir ein ernstliches Verlangen nach ihm tragen. Nichts lag dem römischen Hauptmann, auf welchen unsere heutige Epistel hinweist, näher am Herzen, als daß er zu einer rechten Erkenntniß des wahren Gottes und zu einer ihm wohlgefälligen Gerechtigkeit des Lebens gelangen möge. Nach dem schwachen Lichte, welches ihm damals noch dämmerte, wußte er zwar noch nichts von dem Geiste, der vom Vater und vom Sohne ausgeht; aber sein aufrichtiges Streben nach Wahrheit und Gottesfurcht, sein ernstliches Bemühen, in Werken der Liebe und Barmherzigkeit sich thätig zu erweisen, sein andächtiges, ununterbrochenes Flehen zu dem Herrn war doch ein geheimes Dürsten, ein unbewußtes Verlangen nach dem Lichte und der Kraft dieses Geistes. Da kam der Herr, welcher schon diese ersten guten Regungen in ihm geweckt hatte, seinem Verlangen kräftig entgegen, und würdigte ihn einer Erleuchtung, wie er sie nicht hatte denken und erwarten können. Die Gabe des heiligen Geistes ward über ihn und sein ganzes Haus reichlich ausgegossen, und begnadigte ihn mit dem Edelsten und Köstlichsten, was einem redlichen Diener Gottes, einem aufrichtigen Freunde der Wahrheit zu Theil werden kann. Fraget nicht, meine Geliebten, warum so viele in unserer Zeit nichts wissen und erfahren von den seligen Wirkungen des heiligen Geistes. Wer kein ernstliches Verlangen darnach trägt, wem es um Erleuchtung und Heiligung seiner Seele noch wenig zu thun ist, wer seinen Blick noch gefesselt hält auf den vergänglichen Gütern dieser Zeit, wer die ernsthafteste aller Fragen: Was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? - noch nicht genugsam erwogen, wer den Herrn noch nicht suchen gelernt hat, ob er ihn doch fühlen und finden möchte, der bleibt ferne von ihm, und empfängt nichts von der Kraft seines heiligen Geistes. Es ergehet ihm, wie Jenen zu Ephesus, die auf die Frage des Apostels: Habt ihr den heiligen Geist empfangen? - betroffen antworteten: Wir haben auch nie gehöret, ob ein heiliger Geist sey. Dem redlichen Suchen aber kommt der Herr gnädig entgegen, dem aufrichtigen und ernstlichen Verlangen versagt er die Gewährung nicht, und das ist demnach die erste Bedingung, unter welcher wir des heiligen Geistes theilhaftig werden können, daß wir mit Cornelius an das Einzignothwendige zu denken anfangen, daß wir das Heil unserer unsterblichen, Seele zu schaffen suchen, daß wir nach der Wahrheit ernstlich fragen, daß wir uns erheben über den Staub der Erde, und dem, was von Oben stammt, das Verlangen unseres Geistes zuwenden. Das ist der erste Schritt auf dem Wege des Heils, aber eben darum der nothwendigste. Ich liebe, die mich lieben, - und die mich frühe suchen, die finden mich, spricht der Herr. Höret dieses Wort, ihr Gleichgültigen, die ihr Alles suchet in der Welt, nur nicht den, der Himmel und Erde, und Alles, was darinnen ist, geschaffen hat; höret dieses Wort, ihr Lauen, die ihr bekümmert seyd um Alles, was dieses irdische Leben verschönern und erheitern kann, aber unbekümmert seyd um das ewige Leben des Geistes. Eurer ungöttlichen Gesinnung, die Augen und Ohren nur hat für das Sichtbare, bleiben die Wirkungen des heiligen Geistes ferne; er wendet sich nur denen zu, die nach dem lebendigen Gotte dürsten, und nach der geahneten, aber noch nicht gefundenen Wahrheit, Gerechtigkeit und Seligkeit die Augen ihres Geistes aufschlagen. Aber dieses ernsthafte Verlangen nach dem Geiste Gottes muß unfehlbar zum Gebete werden; das ist also die zweite Bedingung, unter welcher wir den heiligen Geist empfangen können, daß wir: .

II.

Inbrünstig um ihn bitten. Von Cornelius wird im zweiten Verse des zehnten Kapitels der Apostelgeschichte ausdrücklich gesagt, er sey gottselig und gottesfürchtig gewesen sammt seinem ganzen Hause, und habe immer zu Gott gebetet. Wir wissen nicht genau, welches der Inhalt der frommen Gebete war, die dieser gottselige Mann so fleißig und andächtig vor den Herrn brachte; aber um Stärkung und Vermehrung seiner Gottesfurcht, um hellere Einsicht in den Willen des Herrn, um richtigere Erkenntniß der Wahrheit, um genauere Aufschlüsse über das Reich Christi, von welchem er ohne Zweifel schon manches gehört hatte, mag er den Gott aller Gnade angerufen haben. Und sein Gebet ward erhört. Ein Engel erschien ihm um die neunte Stunde, und sprach zu ihm: Corneli! dein Gebet und deine Almosen sind hinauf gekommen in das Gedächtniß vor Gott. Und nun sende Männer gen Joppen, und laß fordern Simon, mit dem Zunamen Petrus, welcher ist zur Herberge bei einem Gerber, Simon, deß Haus am Meere liegt; der wird dir sagen, was du thun sollst (V. 4 - 6.). Da kam der geforderte Apostel, und verkündigte den Willen Gottes, und der fromme Hauptmann empfing als selige Frucht seines inbrünstigen Gebets die Gabe des heiligen Geistes. Sehet daraus, Geliebte, was auch ihr thun müsset, um den Geist Gottes zu empfangen, ihr müsset beten um ihn. Leibliche Gaben tonnen wir empfangen auch ohne Gebet; wiewohl wir sie mit Gebet und Danksagung empfangen sollten; geistliche Gaben aber, die zur Auferbauung des Reiches Christi in oder ausser uns dienen, müssen von dem Vater des Lichtes, von dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben erbeten seyn. So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, spricht der Erlöser, so wird er's euch geben. Bittet also, so werdet ihr nehmen, suchet, so werdet ihr finden - klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der nimmt, und wer da suchet, der findet, und wer da anklopfet, dem wird aufgethan. So denn ihr, die ihr arg seyd, könnet euren Kindern gute Gaben geben, um wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten. Dein Gebet ist heraufkommen in das Gedächtniß vor Gott, wird es auch von euch heißen, wenn ihr gegen den Vater unseres Herrn Jesu Christi demüthig eure Kniee beuget, und ihn mit aller Inbrunst eures Herzens anrufet, daß er euch der besten Gabe, der Gabe des heiligen Geistes, nicht ermangeln lassen wolle. Schaffe in mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist, verwirf mich nicht vor deinem Angesichte und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; - dieses demüthige Gebet habt ihr demnach alle Tage, wenn auch nicht den Worten, doch dem Inhalte nach, vor Gott zu bringen, und nicht zu vergessen, daß der Himmel mit seinen seligsten Gaben für diejenigen verschlossen bleibt, die nicht mit Gebet zu ihm aufschauen mögen. In Wahrheit: viel reichlicher schon müßte sich der Geist des Herrn über die Christenheit ausgegossen haben; viel sichtbarer müßten überall seine herzlichen Wirkungen, sein Licht, seine Kraft, sein Trost und sein Friede, hervortreten, wenn unsere Gebete um ihn fleißiger, dringender, anhaltender, beweglicher wären. Zeitliche Gaben und Freuden erbitten wir uns oft mit der größten Inbrunst von Gott; wir liegen auf unsern Knieen vor ihm, und geben das sehnsuchtsvolle Verlangen des Herzens in jedem Worte, in jedem Blicke des Auges zu erkennen. Aber wie kalt, wie träge, wie verdrossen und unbewegt pflegen wir nicht selten zu seyn, wenn wir den Geist uns erflehen sollen, der ein Geist der Weisheit und des Verstandes, ein Geist des Rathes und der Stärke, ein Geist der Erkenntniß und der Furcht des Herrn ist! Bittet um den Geist, meine Freunde, und mit dem Gebete verbindet stets das Suchen in der Schrift, denn das ist das Dritte, wodurch wir den heiligen Geist empfangen können, daß wir:

III.

Die Predigt vom Glauben fleißig und aufmerksam hören. Kaum war Petrus in das Haus des frommen Hauptmanns eingetreten, so entgegnete ihm dieser schon: Du hast wohlgethan, daß du kommen bist. Nun sind wir hier alle gegenwärtig vor Gott, zu hören Alles, was dir von Gott befohlen ist (V. 33.). Und da nun Petrus seinen Mund aufthat, und von Jesus von Nazareth redete, der gesalbet ist mit dem heiligen Geiste und mit Kraft, der getödtet ist und am dritten Tage wieder auferwecket (V. 38 - 40.); da der erleuchtete Apostel in die Worte ausbrach: Und er hat uns geboten zu predigen de Volk, und zu zeigen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten (V. 42.); da er das gnadenvolle Evangelium predigte: Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen (V. 43.); da Cornelius und die in seinem Hause versammelten Verwandte und Freunde mit Begierde an den kippen des Apostels hingen und die selige Verkündigung von der Gnade Gottes in Christo Jesu mit Freuden aufnahmen: da, heißt es in unserem Texte, fiel der heilige Geist auf Alle, die dem Worte zuhöreten (V. 44). An das Wort also ist der heilige Geist gebunden, an das Wort des lebendigen Gottes. Zu Lehren irdischer Weisheit, zu Meinungen und Satzungen der Menschen, wie klug und scharfsinnig sie auch ausgedacht seyen, bekennt er sich niemals; im Worte lebt und wirkt er, und durch das Wort wird er empfangen. Das Wort aber predigt den Glauben, verkündigt die frohe Botschaft von Der Vergebung der Sünden, verheißt den Frieden in Christo Jesu. Höret also auf das Wort vom Glauben, neiget eure Ohren, wenn die Propheten und Apostel von dem zeugen, welcher der sündigen Welt Vergebung und ewiges Leben zu bringen erschienen ist. Nicht umsonst dringen wir so nachdrücklich auf das Lesen und Hören des göttlichen Wortes; nicht vergeblich ermuntern wir euch mit aller Kraft, das Wort Christi reichlich unter euch wohnen zu lassen; nicht ohne die wichtigste Absicht weisen wir immer und überall auf Christum als den glänzenden Mittelpunkt aller Offenbarungen hin; nicht ohne die tiefste Bedeutung versichern wir euch mit dem Apostel: Ich rühme mich nicht, daß ich etwas wüßte unter euch, ohne alleine Jesum Christum, den Gekreuzigten. Wir haben von dem Herrn diesen Auftrag empfangen, und, seinem Befehle gehorsam, wollen wir durch die Lehren, und Empfindung hören, und doch mit dem heiligen Geiste nicht gesalbt seyn. Glauben mußt du, und weil du nur in dem Maaße, als du glaubest, die ganze Kraft des heiligen Geistes empfängst, so sollst du um den Glauben bitten, und für den Glauben ringen und wachen und streik ten. Ich frage dich, christlicher Freund, der du schon etwas gekostet hast von den Kräften des Geistes: Hast du den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben (Gal. 3, 2.)? - und antwortest du mir: Durch die Predigt vom Glauben, der ich Vertrauen geschenkt, so sage ich dir: Gehe hin und lerne mit jenem weinenden Vater immer dringender rufen: Ich glaube, lieber Herr, aber hilf meinem Unglauben! Den heiligen Geist empfangen wir, meine Freunde, wenn wir glauben. Setzet dazu ferner noch, wenn wir:

IV.

Der heiligen Sacramente fleißig brauchen. Als der heilige Geist auf Alle, die in Cornelius Hause dem Worte des Apostels zuhörten, gekommen war, fingen sie an, mit Zungen, in fremden, vorher von ihnen nie gesprochenen Sprachen zu reden, und Gott hoch zu loben und zu preisen, so daß die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, sich entsetzten, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward (V. 45. 46.). Petrus aber entgegnete: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn (V. 47. 48.). Da wurden sie aufgenommen in das Reich Christi durch das heilige Wasserbad im Worte, und, gesegnet mit diesem gnadenvollen Sacramente, hatten sie von Neuem Anrecht auf die Kraft des heiligen Geistes empfangen. Sie hatten auf eine ausserordentliche Weise in fremden Sprachen geredet, sie hatten Gott hoch gepriesen in Kraft dieses Geistes; nun sollten sie durch ebendenselbigen Geist, mit welchem sie in der heiligen Taufe versiegelt worden waren, von Neuem geboren werden, und jenes reine Hetz, jenen neuen gewissen Geist empfangen, der gerne in Gottes Geboten wandelt, seine Zeugnisse hält und darnach thut. Wir haben es empfangen, meine Geliebten, wir haben es in den ersten Tagen unserer Kindheit schon empfangen, das gnadenreiche Sacrament der heiligen Taufe, und wenn wir fortwährend in bußfertiger und gläubiger Erneuerung unseres Taufbundes beharren, ist dieses Sacrament auch fortwährend kräftig an uns und theilt uns ohne Aufhören die Gaben des heiligen Geistes mit. Thuet Buße, spricht darum der Apostel Petrus zu den am Pfingstfeste versammelten Männern, die ihn fragten, was sie thun sollten, thuet Buße, und lasse sich ein Jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfahen die Gabe des heiligen Geistes. Denn Gott hat uns selig gemacht, schreibt Paulus an Titus, durch, das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ans gegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyen des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist gewißlich wahr. Mit der Taufe aber verbinde sich der Genuß des heiligen Abendmahls. Denn wie mächtig das Sacrament des Leibes und des Blutes Christi auf die Seelen der Menschen einwirke, wie reichlich es den Glauben stärke und die Liebe nähre und die Hoffnung begründe, wie innig es mit Christo, dem unsichtbaren Haupte, in Verbindung setze, wie vollständig es in jeder Hinsicht gewähre, was der Herr selbst in jenen bekannten Worten verheißt: Mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank; wer eure Seele beschweret, rufet sie zu eurem Troste herbei, wenn ihr von schweren Prüfungen heimgesucht werdet, und nahe daran seyd, in eurem Elende zu verschmachten. Der Geist Gottes wirket durch die Diener und Boten Jesu Christi; durch ihren Dienst will er euch erleuchten, will er euch heiligen, will er euch trösten, will er euch aufrichten, will er euch im Leben und im Sterben mit himmlischem Frieden erfüllen. Was wäre aus Cornelius und seinem Hause geworden, wenn nicht der Diener Christi bei ihm eingetreten wäre; wie viel der Lehre, der Ermahnung, der Warnung und des Trostes hätten er und seine Freunde entbehren müssen, wenn dieser nicht mehrere Tage bei ihnen geweilt hätte? Die also am Wort arbeiten und an der Lehre, die haltet um des Wortes willen, das sie bringen, zwiefacher Ehre werth, und nicht bloß in den Tagen der Jugend, sondern fortwährend lasset euch durch diejenigen in den Wegen Gottes unterweisen, die der Herr selbst zu Hirten und Lehrern gesetzt hat, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werke des Amtes, dadurch der Leib Christi erbauet werde, bis wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohnes Gottes, und ein vollkommener Mann werden, der da sey in der Maaße des vollkommenen Alters Christi.

Und so habt ihr denn gehört, meine Freunde, was ihr thun müsset, um des heiligen Geistes theilhaftig zu werden. Gehet nun hin und glaubet, was wir euch auf den Grund der Schrift gesagt haben, und bewahret es in einem feinen und guten Herzen. Was könnten wir euch sehnlicher wünschen, was inniger euch von Gott erflehen, als daß er euch immer reichlicher ausrüsten möge mit seinem heiligen Geiste, mit dem Geiste der Gnade, der des Verdienstes Christi euch theilhaftig macht, mit dem Geiste der Kindschaft, der euch Abba, lieber Vater, rufen lehrt, mit dem Geiste des Glaubens, der euch Vertrauen auf Gottes Verheissungen schenkt, mit dem Geiste der Erkenntniß, der euch in alle Wahrheit leitet, mit dem Geiste der Stärke, der euch zur Busse und zur Heiligung treibet, mit dem Geiste des Gebets, der eurer Schwachheit aufhilft, mit dem Geiste des Friedens, der in aller Angst und Unruhe euch tröstet und erquickt, mit dem Geiste der Freude, der euch fröhlich in Hoffnung und geduldig in Trübsal macht, mit dem Geiste der Herrlichkeit, der einst vor Gottes Angesicht von einer Klarheit zur andern euch verkläret! Ja, meine Geliebten, die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sey unter euch Allen. Der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung; der ewige Sohn Gottes sende euch seinen verheissenen Beistand und Tröster, und salbe und versiegle euch mit diesem theuren Pfande der Erlösung, und er selbst, der heilige Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhe auf euch, und werde gepreiset bei euch, jetzt und in Ewigkeit! Amen.

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