Arndt, Friedrich - Der Sündenfall - Elfte Predigt. Der Fluch über die Schlange.

Arndt, Friedrich - Der Sündenfall - Elfte Predigt. Der Fluch über die Schlange.

Gott, vor dessen Angesichte
Nur ein reiner Wandel gilt!
Ew'ges Licht, aus dessen Lichte
Stets die reinste Klarheit quillt!
Deines Namens Heiligkeit
Werde stets von uns gescheut.
Lass sie uns doch kräftig bringen,
Nach der Heiligung zu ringen.

Amen.

Text: 1 Mose III. V. 14.15.
Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Feld. Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang; und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen.

Keine Sünde ohne Strafe, Geliebte in dem Herrn! Nicht nur ist diese Strafe der Sünde angedroht, sie kommt auch und bleibt niemals aus. Ein altes Sprichwort sagt: Tue nichts Böses, so widerfährt dir nichts Böses! und ein anderes wahres Wort lautet: Die Gottesstrafe geht auf wollenen Füßen, schlägt aber mit ehernen Händen. Sie zögert oft lange und lässt auf sich warten, um Zeit zur Buße zu lassen; bleibt aber die Buße aus, so offenbart sie sich in ihrer ganzen Strenge und Furchtbarkeit und beweist es, dass es schrecklich sei, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Selbst wir Menschen haben die Sünder nicht lieb, die Eltern strafen ihre unartigen Kinder, die Lehrer ihre faulen und unnützen Schüler, die Obrigkeiten ihre verbrecherischen Untertanen, in der ganzen Menschenwelt geht Sündigen und Gestraft werden Hand in Hand - und ist die Weltgeschichte oft schon ein Weltgericht, und der heilige und gerechte Gott sollte die Sünder als solche lieben und ungestraft lassen? Er kann es nicht, Er hat es nie getan, auch nicht nach dem Sündenfall im Paradies.

Unser Text erzählt uns heute das Gericht Gottes über die erste Sünde. Das Urteil war ja spruchreif: das Verhör hatte in aller Form Rechtens stattgefunden, Gott hatte Seine Anklage sehr bestimmt formuliert, Adam und Eva hatten ihre Verteidigungsreden gehalten, sie waren aber kläglich genug ausgefallen und hatten nur in leeren, umso schwerer sie anklagenden Entschuldigungen bestanden, - somit musste nun das Urteil gefällt werden. Gott sprach es über die Schuldigen aus, Er hob an mit der Schlange, Er verurteilte darauf das Weib, und zuletzt den Mann, je nach der Zeitfolge und dem Grad ihrer Schuld. Im Text liegt uns der Fluch Gottes über die Schlange, als die Hauptverführerin, vor. Es ist dieser Fluch, genauer betrachtet, ein vierfacher: 1) über die Schlange, 2) über die ganze Tierwelt, 3) über den Teufel, und 4) über alle Werkzeuge des Satans. Wir horchen auf und beten an vor der Gerechtigkeit Jehovahs, des Heiligen in Israel.

I. Die Schlange

Die Schlange war die Verführerin des Weibes gewesen, bei ihr hebt daher der Fluch des Richters an. Er lautet: „Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang“. Das Eine, wie das Andere ist in der Heiligen Schrift Bezeichnung der Erniedrigung und Überwindung; es wird von den besiegten Feinden gebraucht, z. B. Micha 7,17.: „Sie sollen Staub lecken wie die Schlangen und wie das Gewürm auf Erden erzittern in ihren Löchern“, Jes. 49,23.: „Sie werden vor Dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und Deiner Füße Staub lecken“. Indem Gott diesen Zustand als einen neuen, erst durch den Sündenfall hervorgebrachten bezeichnet und wir deshalb voraussetzen müssen, dass seit diesem Fluch mit der Schlange eine große Veränderung vorgegangen ist, so ist klar, dass sie vorher nicht auf dem Bauch gekrochen, nicht den Staub der Erde geleckt hat. Wie sie nun früher im Paradies ausgesehen, ob sie damals Füße gehabt hat, ob ihre Stellung eine aufrechte gewesen ist, - wer will das wissen und darüber irgendwelche Behauptung aufstellen, da die Schrift uns nichts Näheres angibt! Jedenfalls ist sie in Folge des göttlichen Fluches erniedrigt worden, herabgesunken von ihrer früheren Schönheit und Herrlichkeit, der Erde nähergekommen, als jedes andere Tier, so nahe, dass sie beinahe wie die Pflanzen an die Erde gebunden worden ist, am Boden ihre Nahrung sucht und nichts genießen kann, das nicht mit Staub befleckt oder verunreinigt wäre.

„Weil du solches getan hast“, spricht der Herr, „seist du verflucht vor allem Vieh, d. h. zahmem Tier, und vor allen wildlaufenden Tieren auf dem Feld“: die sollen nach wie vor fliegen oder gehen, schön ist der Flug des Adlers mit seinen beiden Flügelarmen, wie edel der Gang des Hirsches, wie stolz der Lauf des Rosses! - du aber sollst nicht fliegen, noch gehen, sondern auf deinem Bauch kriechen, dich winden und schleichen und fortschieben, ohne alle Füße und Bewegungswerkzeuge. Und in der Tat, Andächtige, ist es nicht so eingetreten? Der Fisch hat seine Flossen, die Insekten haben Einschnitte und Beine; die Schlange aber hat weder Dieses noch Jenes, keinen Hals, keine Brust, keine Füße, keine von außen bemerkbaren Glieder, vom Kopf bis zum Schwanz ist Alles eine einzige lange Wirbelsäule, eine lange Walze, mit Schuppen und Ringen bedeckt, die aber den Körper immer noch wie nackt, wie Einen gestreckten Muskel erscheinen lassen, und auf denen sie wie das niedrigste Gewürm sich fortbewegt. Dieses geheime, oft erst, wenn das Tier uns ganz nahe gekommen ist, wahrnehmbare sich Fortschlingen und Fortschleichen, ist es nicht das Zeichen von Tücke und Hinterlist? Erschreckt es uns nicht und fahren wir nicht zusammen, wenn wir je davon überrascht werden? Denken wir beim Anblick der Schlange nicht gleich an den furchtbaren Giftzahn, auch wenn die Art, auf die wir stoßen, ganz unschädlich, nur eine Blindschleiche ist, und fürchten für unser Leben? Mit voller treffender Wahrheit schreibt ein feiner Beobachter von diesem widerwärtigen Tier, „es sei ein Tier, das einem verkörperten, aus tiefer Nacht entsprungenen Blitzstrahl gleicht; bunt, wie im Feuer gemalt, oder schwarz und düster wie die Nacht, die Augen wie Funken, die gespaltene schwarze Zunge eine Flamme, der Rachen ein Abgrund, die Zähne Giftquellen, der Laut des Mundes ein Zischen, dazu die wundersame Bewegung, immer strebend, wie ein Blitz zu zucken und wie ein Pfeil zu fliegen, wenn nicht die Verkörperung es hinderte. Sie erscheint wie ein gefallener verdammter Engel unter den Tieren, ihre Klugheit wurde zum Sprichwort, ihr Name Benennung des Satans.“

Und wenn Gott der Herr im Text den Fluch über die Solange noch weiter ausdehnt und hinzufügt: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen“, und damit einen endlosen Hass, einen Krieg ohne Frieden zwischen dem Menschen- und Schlangengeschlecht festsetzt, dauert nicht auch dieses Verhältnis noch immer fort zwischen diesen Beiden? ist die Schlange nicht der geborene Feind der Menschen, und der Mensch der geborene Feind und Verfolger der Schlangen? Woher der allgemeine Abscheu und Widerwille, ja das Grauen und Entsetzen unserer Natur vor jenem heimtückischen Geschöpf, so dass wir uns erst müssen eine unnatürliche Gewalt antun, sie anfassen und halten zu können, und ihr niemals recht trauen? Woher, dass die alten Griechen ihre Furien und Rachegöttinnen mit Köpfen abbildeten, welche Schlangen anstatt der Haare haben? Woher, dass im mosaischen Gesetz vor Allem die Solange unrein war und in der christlichen Symbolik oder Zeichensprache von Anfang an nebst den Skorpionen als Feindin des Guten galt? Woher, dass das Bild des Drachen aus der alten Welt auch auf die christliche überging und die Kunst vierbeinige, geflügelte Schlangen abbildete, halb Eidechse, halb Schlange, in denen der Teufel sich versteckt haben sollte, weshalb der Drache, der Lindwurm, d. h. der linde, glatte, schlüpfrige Wurm, vorzugsweise von den Heiligen der Kirche, namentlich dem Ritter St. Georg, erlegt war? Woher, dass in der Heiligen Schrift die Schlange stehend das Bild des Truges und der Verleumdung ist und David von den Gottlosen sagt: „Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange, Otterngift ist unter ihren Lippen“ (Psalm 140,4.)? Dieser Widerwille gegen die Schlangenwelt ist keine bloße Überlieferung, sondern eine allgemeine, natürliche Empfindung, eine dunkle Erinnerung daran, dass von diesem Tier aus das Verderben seinen Ursprung genommen hat, und wir müssen es als eine Unnatur und als eine schaurige Verkennung der Idee der Geschichte ansehen, wenn es Völker gegeben hat und noch gibt, die die Schlange als guten Geist verehren und göttlich anbeten, die sie zum Symbol der Weltseele, der Ewigkeit, der Königsherrschaft machen und ihr in ihren Märchen goldene Kronen aufs Haupt setzen.

Eins ist aber noch bezeichnend in unserem Text, und wir dürfen es nicht übergehen, das ist der Umstand, dass Gott die Schlange nicht rief und Zeit zur Verantwortung gab, wie er es bei Adam und Eva getan, sondern sie gleich auf der Stelle verdammte: es bedurfte dessen nicht erst, da in zweier oder dreier Zeugen Mund die Wahrheit besteht, und zwei Zeugen der Verführung auf der Erde vorhanden, der dritte aber der allwissende Zeuge im Himmel war, und man auf die Rede eines anerkannten Lügners nicht weiter zu achten braucht. Daher verfluchte Er auch die Schlange, während Er die Menschen nur des strafte, und schloss jener die Gnadentür zu, während Er sie diesen noch öffnete,

II. Die ganze Tierwelt.

Weiter. Gott spricht: „Verflucht seist du vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Feld“; damit erklärt Er einerseits, dass die Schlange in einem ganz besonderen Maß, mehr als alle anderen Tiere, unter dem Fluch stehen solle, andererseits aber auch, dass mit ihr zugleich die ganze Tierwelt in denselben verwickelt und hineingerissen werden würde. Die vernunftlose Natur und Kreatur ist einmal für den Menschen bestimmt und er soll ihr Herr und Gebieter sein; tritt sie auf diesem untergeordneten Verhältnis heraus, wie es die Schlange als Repräsentantin der Tierwelt getan hatte, so verwirkt sie damit für sich und ihr ganzes Reich den Fluch. Als daher die Menschen ihren Weg verderbt hatten auf Erden und die Sündflut über sie kam, erlag mit ihr zugleich die Tierwelt demselben Strafgericht. Mit großem Nachdruck schreibt Paulus an die Römer (8,19-21.): „Wir wissen, dass alle Kreatur sehnt sich mit uns und ängstet sich noch immerdar und ist unterworfen der Eitelkeit, das ist, der Vergänglichkeit, ohne ihren Willen, sondern um des willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung.“ Seitdem der Sündenfall in die menschliche Natur vergiftend eingedrungen ist, hat sich die Sünde auch der Tierwelt mitgeteilt, so dass wir keine Leidenschaften und Laster unter den Menschen finden, die nicht ihr bestimmten Abbilder in der Tierwelt hätten, und die Falschheit, die List, der Neid, die Trägheit, die Eitelkeit, der Stolz, die Bosheit, die Unreinigkeit und Geilheit, die Mordlust und Raubgier ebenso unter den Tieren wie unter den Menschen zu Hause sind, es ebenso Diebe und Mörder, Lügner und Heuchler, Faulenzer und Filze unter diesen, wie unter jenen gibt, und gewisse Laster an bestimmten Tieren, wie z. B. am Fuchs, am Wolf, am Tiger, am Bock sprichwörtlich geworden sind. Dabei ist seit dem Sündenfall die Tierwelt entzweit mit der Menschenwelt und ein gewaltiger Riss zwischen Beiden eingetreten, so dass, wenn auch gewisse Tiere sich uns noch anschließen und anschmiegen, die wir zu zähmen und unseren Zwecken dienstbar zu machen wissen, doch die meisten eine natürliche Scheu und Furcht vor uns haben, in uns ihre Feinde, ihre Verfolger, ihre Peiniger sehen, uns ihre Zähne zeigen, gegen uns ihr Horn wetzen und ihren Huf erheben, uns fliehen, anfallen, stechen, verwunden, zerreißen und zerfleischen. Und das nicht allein: sie ist auch entzweit untereinander, ein Tier stellt dem andern nach dem Leben, legt ihm Fallstricke und Netze, sucht es zu verderben und zu morden, der Wolf würgt das Lamm, der Falke die schuldlose Taube, es herrscht da ein fortwährender Krieg Aller gegen Alle, in der Höhe und in der Tiefe, in den Lüften, im Wasser, auf der Erde und unter der Erde; manche können sogar noch spielen mit ihrer Beute und sich weiden an ihren Todesqualen. Genug, es geht ein Gefühl der Angst und Bangigkeit, des Schmerzes und der Sehnsucht durch die ganze niedere Schöpfung hindurch. Wie lebt das schwache Tier in steter Furcht vor dem stärkeren, das auf seinen Untergang lauert! Wie unruhig flattert der Vogel hin und her, wenn sich ein Räuber seinem Nest naht! Wie herzzerreißend sind die Klagetöne derer, denen die Jungen genommen worden sind! Wie krümmt sich der Wurm im Staub, wenn er vom Fuß des Wanderers zertreten werden soll! Wie krächzt und brüllt der Hunger und der Durst, wie malt sich der stumme Schmerz der von dem Menschen missbrauchten, misshandelten, gequälten und verstümmelten Tiere, wie spricht das erlöschende Auge der sterbenden oder der geschlachteten so wehmütig und anklagend! Ach, schaut einmal dem armen Vieh ins freudenlose und fragende Auge, bedenkt, wie ganz anders sein Lebenslauf sein würde, wenn es noch in Gottes Nähe leben dürfte, und wie es im Dienst der Vergänglichkeit sein Dasein beginnt und endet: versteht ihr da nicht das Seufzen und Sehnen der Kreatur, von welchem der Apostel so nachdrücklich redet? Ein großer Naturkundiger und ein Meister in diesem Fach bezeugt: „Ohne einen gewissen Misston ist keine, auch nicht die schönste ihrer Kreaturen“, und einer unserer Dichter singt: „Es geht ein allgemeines Weinen, soweit die stillen Sterne scheinen, durch alle Adern der Natur; es ringt und seufzt nach der Verklärung, entgegen schmachtend der Gewährung, in Liebesangst die Kreatur.“

Doch Gottlob, nicht immer soll die Kreatur zu diesem Leidensstande verurteilt bleiben, der Apostel setzt hinzu: „Auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“. Wie die Tierwelt mit uns gefallen ist, so wird sie auch einmal mit uns verklärt werden; eine Zeit wird kommen, wo das Verwesliche anziehen wird das Unverwesliche und das Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, wo auf der neuen Erde wieder werden Paradiesesbäume blühen und unschuldige Herden weiden, wo die Weissagung des Propheten sich erfüllen wird: „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Pardel bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben; Kühe und Bären werden auf der Weide gehen, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh essen wie die Ochsen; und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Otter und ein Entwöhnter wird seine Hand stecken in die Höhle des Basilisken“ (Jesaia 11,6-8.). Dann wird die Schlange ihr Gift und der Tiger seinen Grimm wieder verlieren, dann werden alle niederen Geschöpfe wieder gehorsam und sanftmütig, ja willig den Menschen dienen und die ganze Kreatur wird Teil haben an der Herrlichkeit der Kinder Gottes; nichts wird dann mehr sündhaft, sterblich und eitel sein, sondern das große Wort Wahrheit und Wirklichkeit werden: „Siehe, ich mache Alles neu! das Alte ist vergangen, siehe, es ist Alles neu geworden!“

III. Der Teufel.

Gott verflucht die Schlange; sollte er damit nicht zugleich den Satan, der mit der Schlange eng verbunden war, der durch sie die Menschen verführt hatte und der eigentliche Verderber der sichtbaren Schöpfung gewesen war, mit verflucht haben? Zwar nennt Er ihn nicht ausdrücklich; aber er wird ja in der ganzen Geschichte des Sündenfalls nicht genannt, und doch war er nach dem Wort des Herrn und Seiner Apostel im Hintergrund der allein Tätige. Er nennt ihn aber eben darum nicht, um dadurch für alle Ewigkeit anzudeuten, dass zwischen Ihm und dem Satan keine Gemeinschaft, keine Berührung stattfinde, dass vielmehr ein unerbittlicher Hass gegen ihn und sein Werk, die Sünde, Seine göttliche Heiligkeit und Majestät durchdringe für und für. Wenn Jesus über Jerusalem weint, hat er damit auch nicht nur die äußere sichtbare Stadt mit ihren Türmen und Mauern, sondern vor allem ihre Einwohner gemeint und hat die angedrohte Strafe diese vorzugsweise getroffen. So gilt auch der Fluch über die Schlange im Text vorzugsweise dem, der sich ihrer als Werkzeug bedient hatte, und lauten die Worte, zwischen den Zeilen gelesen, nunmehr also: „Weil du, böser Geist, durch die Schlange Solches getan hast, seist du vor allen Geschöpfen verflucht, du sollst deiner himmlischen Vorzüge beraubt, der äußersten Verachtung und tiefsten Schmach preisgegeben bleiben und immerfort deine Begierden auf die niedrigsten Gegenstände richten“. Gedacht, erfüllt! Je höher Satans Stellung in der Welt gewesen war, desto tiefer ist seit der Verführung und dem Fall der Menschen sein Sturz geworden. Er hatte gedacht, Gottes Absichten zu hintertreiben, dagegen die Macht und den Umfang seines eigenen Reiches zu vermehren, und nun hat er wider Willen und Wissen gerade dadurch dazu beigetragen, Gottes Oberherrschaft zu verherrlichen, seine eigenen boshaften Absichten aber zu vereiteln und zu vernichten. Bereits aus dem Chor und der Behausung der Engel gestürzt, wird er nun unter alle Geschöpfe als der Niedrigste und Verabscheuungswürdigste von allen herabgesetzt. Und wenn auch noch immer die Erde sein Aufenthaltsort ist, in den er gebannt ist, auf welchem er Gewalt hat und in den Kindern des Unglaubens und der Welt herrscht, so ist nicht nur seine Entlarvung, sondern auch seine Besiegung stufenweise im Lauf der Zeiten immer mehr hervorgetreten; wir hören insbesondere den Sohn Gottes, auf Sein erlösendes und versöhnendes Leiden und Sterben hinweisend, ausrufen: „Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden; ich sah den Satanas vom Himmel herabfahren wie einen Blitz; geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln“. (Joh. 12,31. Luk. 10,19. Matth. 25,41.). Wir hören den Apostel Paulus, vom heiligen Geist erleuchtet, bezeugen: „Jesus hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie zur Schau getragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst“. (Kol. 2,15:). Wir hören den Evangelisten Johannes vom Ende der Tage weissagen: „Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da das Tier und der falsche Prophet war, und werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit“. (Offenb. Joh. 20,10.). Kurz, der Teufel ist ohne alle Hoffnung der Gnade, keine einzige Verheißung ist ihm gegeben, nur Drohungen, nur Flüche, nur ewige Pein und Höllenqual.

IV. Alle Werkzeuge des Satans.

Hat aber damit der Fluch Gottes sein Ende erreicht? Mitnichten! Die Schlange war ja das Werkzeug gewesen, dessen sich Satan zum Fall der Menschen bedient hatte; indem sie verflucht wird, ist damit zugleich der Fluch Gottes ausgesprochen über alle Werkzeuge des Satan und der Sünde, sie mögen Namen haben, wie sie wollen. Kann ein Vater das Messer küssen, mit welchem sein geliebtes Kind ist ermordet worden? Unmöglich, er umarmte ja damit den Mörder seines Kindes selbst. Oder gereicht der Anblick des Dolches, mit welchem der Verbrecher einen Unglücklichen erstochen hat, demselben nicht jedes Mal zur Anklage und zum Gericht, so dass er oft sich gleich entfärbt und die fluchwürdige Tat ohne Weiteres gesteht? Waren die dreißig Silberlinge, für welche Judas den Herrn der Herrlichkeit verraten hatte, dem Kind des Verderbens nicht auch ein Blut- und Fluchgeld, das in seinen Händen brannte, dass er es zurückbringen und dem Hohen-Rat vor die Füße werfen musste? Floh nicht Kain den Ort, wo er seinen Bruder Abel erschlagen, und bebte nicht der Boden unter seinen Füßen, dass er unstet und flüchtig war auf Erden? Wenn die menschlichen Zungen schweigen, so sollen ja die Steine schreien und lebendig werden nach dem Wort des Herrn. Was vom Satan und von der Schlange. als seinem Werkzeug gilt, gilt demnach von allen Werkzeugen des Satans und der Schlange, auch von uns Menschen, sofern wir und zu ihren Werkzeugen hergeben und gebrauchen lassen, sofern wir im Dienst des Fürsten und des Reichs der Finsternis reden und wirken, sei es, dass wir die Ordnung Gottes in der Kirche, oder sei es, dass wir sie im Staat untergraben, und Partei nehmen für die verwüstenden und zerstörenden Kräfte des Abgrundes, die Sache des Zweifels, des Unglaubens, des Ehrgeizes, der Selbstsucht, ja der unreinen, niedrigen Lust und Sünde führen, gegen göttliche und menschliche Gesetze Aufruhr und Ungehorsam predigen und üben, Anstoß und Ärgernis den Frommen bereiten, und niederreißen, statt aufzubauen, und zerstreuen und trennen, statt zu sammeln und zu reinigen; und sofern uns jedes Mittel recht ist, auch das schlechteste und verwerflichste, um nur unsere höllischen Zwecke zu erreichen. Alle Kinder und Knechte der Schlange und des Satans, aller Schlangensame und alle Schlangennaturen, alle Schlangenwerke und Schlangenmittel stehen unter dem hier ausgesprochenen Fluche Gottes, und wirken wie ein Fluch auf Mitwelt und Nachwelt, ihr Erbe, ihr Name, ihr Andenken kann nur ein unheilbringende und verberbliches sein.

Ist das aber der Fall, Geliebte in dem Herrn, und hat der heilige und gerechte Gott durch solchen Fluch Seinen Hass und Abscheu gegen Alles, was in der unsichtbaren Welt Satan, in der sichtbaren Schlange ist und heißt, ausgesprochen, dann bleibt uns keine andere Wahl übrig: wollen wir Gottes Kinder sein und Seinen Segen ererben, dann müssen wir auch wie Er uns in Gesinnung und Wandel lossagen von allem satanischen und schlangenmäßigen Wesen und dasselbe für uns und die Unsrigen verfluchen mit Herz, Mund und Tat. So hat es David getan und nicht nur erklärt: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von Seinem Gesetz Tag und Nacht“; sondern hat auch in den sogenannten Rachepsalmen über alle Feinde des Herrn Gottes strafende Vergeltung und Zerstörung ihrer gottesfeindlichen Anschläge herabgefleht. So hat es Paulus getan, indem er im heiligen Eifer für des Herrn Ehre schreibt: „So auch wir, oder ein Engel vom Himmel, euch würden Evangelium predigen anders, denn das wir gepredigt haben, der sei verflucht“, und: „So Jemand den Herrn Jesum Christ nicht lieb hat, der sei anathema“. So hat Gott der Herr es selbst an unzähligen Stellen der Heiligen Schrift getan: „Verflucht sei, wer einen Götzen macht; verflucht sei, wer seinem Vater oder Mutter flucht; verflucht sei, wer seines Nächsten Grenze ändert, wer einen Blinden irre macht auf dem Weg, wer das Recht der Fremdlinge, der Waisen und der Witwen beuget, wer Geschenke nimmt und einem Unschuldigen zum Tode hilft; verflucht sei, wer des Herrn Werk lässig treibt! verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom Herrn weicht“. So haben es die Bekenntnisse unserer Kirche getan und alle falschen und gottlosen Lehren mit dem Fluch und Bann der allmächtigen Gottes belegt. Fürchten wir dadurch nicht den Vorwurf der Intoleranz, der Lieblosigkeit und Härte; denn zunächst werden wir doch nicht toleranter sein wollen, als Gott selber, und sodann gilt es in Sachen der Seligkeit Entschiedenheit und Rücksichtslosigkeit. Wer nicht mit dem Herrn ist, der ist wider Ihn; wer nicht mit Ihm sammelt, der zerstreut. Wer mit dem Herrn dem Bösen nicht fluchen kann, der kann auch mit ihm das Gute nicht segnen. Wer nicht spricht: Ich entsage dem Teufel in allem seinem Werk und in allem seinem Wesen, der kann auch nicht hinzufügen: und ergebe mich Dir, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, im Glauben und Gehorsam Dir treu zu sein bis an mein letztes Ende. Wer nicht reuig über sein Sündenleben klagt: „Verflucht, verflucht sei alle meine Freude, die mich gebracht zu solchem Herzeleide, verflucht, verflucht sei alle meine Zeit, die ich verlebt in sünd'ger Fröhlichkeit“, der kann auch nicht mit Ernst und Nachdruck geloben: „So nimm denn Alles hin, ich will mir nicht mehr leben, ich will mich ganz und gar in Deine Führung geben; ach, fasse mich nur fest, mach mich von Sünden frei, damit forthin mein Herz Dein reiner Tempel sei“. Wer nicht, gleichviel, ob er damit anstoße oder Beifall ernte, mit heiliger Entrüstung ausruft: Verflucht seien alle Schlangenlehren, alle Schlangenwerke und Schlangenwege, alle Reden und Vorträge, die für die Zwecke der Hölle gehalten werden, verflucht alle Orte, wo sich die Gottlosen, die Lasterhaften, die Spötter, die Menschen des Umsturzes und der Revolution versammeln, verflucht alle Bücher und Zeitungen, die in diesem Sinne geschrieben werden, verflucht alle Menschen, die sich zum Dienst des Teufels oder der Zerstörung hingeben in Politik oder Glaubenssachen, der kann auch nicht ganz auf der Seite des Herrn und Seiner Anhänger stehen, und wird durch seine Halbheit und Unentschlossenheit kein Segen, sondern ein Fluch sein für seine Umgebung. Darum hierher, wer dem Herrn angehört! Hier, Schwert des Herrn und Gideon! Wenn Paulus sagt: „So Jemand den Herrn Jesum Christ nicht lieb hat, der sei anathema“, so liegt darin zugleich der Gegensatz: „Und so Jemand den Satan nicht hasst“. Keine Liebe zu Christo ist möglich ohne solchen Hass gegen die Hölle, und keine Gemeinschaft mit Ihm ohne Trennung von allen Werken der Finsternis. Je glühender dieser Hass, desto glühender auch jene Liebe; je lauer aber das Eine, desto lauer und bald zum Ersterben auch das Andere. Darum, Herr Jesu, die dringende Bitte, mit der wir uns Alle zum Schluss nach solcher Betrachtung Dir nahen und nahen müssen: „Erfülle uns alle Tage mit neuer Liebe zu Dir, und mit neuem Hass gegen den Satan, gegen sein Werk, die Sünde, und sein Wesen, die gottlosen und unbußfertigen Sünder; dann werden wir durch Deine Macht allezeit ritterlich kämpfen und siegen und zuletzt das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit, davontragen.“ Schon hören wir im Geist Deine hoffnungsreiche, muteinflößende Verheißung: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Amen.

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