Rochat, Auguste - Luk. 18, 7.

Rochat, Auguste - Luk. 18, 7.

Sollte Gott nicht Recht schaffen Seinen Auserwählten, die zu Ihm Tag und Nacht rufen, ob Er auch Geduld über ihnen hat?

Wer sind Die, denen hier die gewisse Zusage der endlichen Erhörung gegeben ist? Es sind „Seine Auserwählten, die zu Ihm rufen Tag und Nacht.“ Da prüfe sich denn Jeder, ob er zu Denen gehört! Nur ihnen gilt die Verheißung der Erhörung; denn sie allein sind es, die wahrhaft beten; ihr Gebet ist ein „Rufen“, ein „Rufen zum Herrn“, ein beständiges Rufen; „sie rufen Tag und Nacht.“ Also das Gebet der Auserwählten Gottes ist zunächst ein Rufen oder Schreien. Es ist der Schrei des Herzens, der Schrei des Bedürfnisses, der Schrei einer Seele, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit und die von dem Vater im Himmel das Brod des Lebens begehrt. Es ist der Schrei des eben gebornen Kindes, das durch sein Bedürfniß oder auch durch seinen Schmerz sein Leben ankündigt. Es mag dies Schreien je nach den äußern und innern Umständen in dem Leben eines Kindes Gottes mehr oder weniger stark und dringend sein; aber das Gebet eines Erlöseten des Herrn wird sich von dem eines Menschen, der noch todt ist in Sünden und Uebertretungen, immer wesentlich dadurch unterscheiden, daß es in der That ein Schrei des Bedürfnisses genannt werden kann. Den natürlichen Menschen treibt nicht das Gefühl des Bedürfnisses zum Herrn hin; darum kann er auch nur Gebete hersagen, nicht aber wahrhaft, d.h. von Herzen, beten. Wer aber nur einen, wenn auch noch so schwachen Funken des Lebens aus Gott empfangen hat, der tritt, wenn er betet, mit seinem Herzen vor Den hin, der ihm in Seinem Worte sagen läßt: „Ihr sollt mein Antlitz suchen!“ Mag sein Glaube in mancher Beziehung noch unklar sein, mag er, wie jener blinde Bartimäus, mit Jesu reden, ohne ihn noch zu sehen; weil er ihn mehr mit dem Verlangen des Herzens, als mit der Erkenntniß des Verstandes erfaßt; mag es ihm schwer werden, sich Menschen gegenüber über das, was in ihm vorgeht, auszusprechen: sein Gebet ist dennoch das der Auserwählten, weil es aus dem Bedürfniß des Herzens kommt.

Quelle: Rochat, Auguste - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Jahres

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