Braght, Thieleman Janz van - Andreas, der heilige Apostel

Andreas, ein Sohn Jona und ein Bruder Petri, gebürtig zu Bethsaida in Galiläa, war zuerst ein Jünger Johannis des Täufers; und da er älter war als Petrus und zuerst Christum kannte, so hat er seinen Bruder zu Christo, als dem wahren Messias gebracht. Und weil er eben wie auch Petrus, ein Fischer gewesen, so hat ihn der Herr berufen und verheißen, ihn zum Menschen-Fischer zu machen.

Dieweil er aber dem Herrn eifrig nachfolgte, und sich in der Lehre des Evangeliums unterrichten ließ, also daß er auch gewürdigt ward, mit dem Geist der Wundertaten erfüllt zu werden: darum hat ihn der Herr unter die Zahl seiner zwölf Apostel aufgenommen, welchen Dienst er auch mit den andern unter den Juden getreulich ausgerichtet hat.

Er war bei dem Herrn in einem nicht geringen Ansehen: denn, wie es scheint, so hatte er einen freimüthigern Zutritt zu Ihm, als wohl Philippus selbst.

Weiteres, obwohl er in eine Schwachheit gefallen, wie alle andern Apostel, in dem er seinen Meister verließ: so hat er sich doch wiederum aufgemacht und zu Christo und seinen übrigen Mitbrüdern verfügt.

Später hat er nebst allen seinen übrigen Mitknechten Befehl erhalten, das Evangelium allen Völkern auf dem ganzen Erdboden zu predigen, zu welchem Ende er am heiligen Pfingstfeste mit dem heiligen Geist begabt wurde, welchen er in aller Fülle empfangen hatte.

Nachdem ging er auf Reisen, um dem Befehl Christi zu gehorchen, und hat in vielen Ländern gelehrt: als in Pontus, Galatien, Bythinien, wie auch zu Antropophages und in Scytia.

Desgleichen reiste er auch in die Nord- und Süd-Länder, wie auch in das Land von Bizanz. Er durchreiste Thracien, Macedonien, Thessalien und Achaja, und predigte aller Orten Christum, wodurch er viele Menschen zum christlichen Glauben gebracht hat.

Auch bekräftigte er die Lehre seines Meisters Christi durch viele Wunderzeichen, nach dem was der Herr gesagt hatte: euch sollen diese Zeichen folgen etc. Weil aber andere Schreiber nicht aufrichtig davon handeln, wollen auch wir nachlassen von den besondern Begebenheiten derselben Zeichen.

Zuletzt, als er seinen Lauf vollendet hatte, nach dem Willen des ewigen Gottes, hat ihn Aegeas, der Landpfleger der Edessenen, auf Befehl des Römischen Rathes in der Stadt Patris in Achaia kreuzigen lassen.

Was die Ursache und Weise seines Todes ist, davon wird also geschrieben:
(In Apophthegm. Christian Baudart. Pag. 3)

Zu Patris, einer Stadt in Achaia, hat er nebst vielen anderen Personen auch Maximillam, die Hausfrau Aegei des Landpflegers, zu dem christlichen Glauben bekehrt, daher ist der Landpfleger sehr erbost über den Apostel Andreas, der ihm auch mit dem Tode des Kreuzes drohte: Hierauf hat der Apostel zu dem Landpfleger gesprochen: Hätte ich den Kreuzestod gefürchtet, ich würde die Majestät und Herrlichkeit des Kreuzes Christi nicht gepredigt haben.

Nachdem nun die Feinde der Wahrheit den Apostel Andreas gefangen und zum Kreuzestod verurteilt hatten: ist er nach dem Orte, wo man ihn kreuzigen wollte, mit Freuden und gleichsam lächelnd gegangen. Und als er nahe zum Kreuze kam, sprach er: O du liebes Kreuz! mich hat sehr nach dir verlangt, ich freue mich, dich hier aufgerichtet zu sehen, ich komme zu dir ganz wohlgemuth mit einem getrosten Gewissen und begehre, als ein Jünger desjenigen, welcher am Kreuze hing, daß ich auch möchte gekreuzigt werden.

Ferner sprach der Apostel: Je näher ich dem Kreuze komme, desto mehr ich mich zu Christo nahe, und je mehr ich mich von dem Kreuz entferne, desto mehr entferne ich mich auch von Gott.

Der heilige Apostel Andreas hat drei Tage lang an dem Kreuze gehängt; hat aber nicht stille geschwiegen, sondern so lang als er den Mund und die Zunge regen konnte, hat er das Volk, das bei dem Kreuze stand, unterwiesen in dem Wege der Wahrheit und hat nebst andern auch diese Worte gebraucht: Ich danke meinem Herrn Jesu Christo, der mich eine Zeit lang als einen Gesandten gebraucht, und nun mich läßt aus diesem Körper wandern, daß ich möge durch ein gutes Bekenntniß die Barmherzigkeit und Gnade erkennen, die da ewig währt. Bleibt standhaft in dem Wort der Lehre, welches ihr empfangen habt, und unterweiset euch unter einander, daß ihr auch dort in der Ewigkeit bei Gott wohnen möget, zu empfangen die Frucht seiner Verheißungen.

Die Christen und andere fromme Leute baten den Landpfleger, daß er Andream von dem Kreuze abnehmen und ihnen schenken wolle. (Denn es scheint, daß er nicht an das Kreuz genagelt, wie Christus, sondern gebunden gewesen.) Da solches der Apostel vernommen, hat er zu Gott gerufen und gesprochen: O Herr Jesu Christi! Laß doch nicht zu, daß Dein Diener, der um Deines Namens willen hier an dem Holze hängt, losgelassen werde, um wiederum bei den Menschen zu wohnen: sondern du wollest mich aufnehmen, O Du mein Herr, mein Gott! den ich gekannt habe und den ich geliebt habe, an welchen ich mich halte, welchen ich begehre zu sehen, und in welchem ich bin, was ich bin.

Da der heilige Apostel diese Worte geredet hatte, hat er seinen Geist aufgegeben in die Hände seines himmlischen Vaters.

Quelle: Braght, Thielem. J. van - Martyrer Spiegel

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