Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Vorwort.

Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Vorwort.

In dem Herrn geliebte Leser!

Das Licht hat in die Finsternis geschienen, und hat mit seinen lieblichen Strahlen viele Seelen aus dem Reiche der Finsternis heraus, und herüber in das Reich der Gnade - und die Gnade ist Licht - gelocket. Wer sich von den freundlichen Strahlen hat ziehen lassen, der ist berufen. Bei einem solchen Berufenen soll dann ferner sein ganzes Wesen und Leben durchleuchtet werden, damit aus ihm auch ein Erwählter weide. Jesus Christus muss das Leben in seinem Leben sein; Jesus Christus muss alle Abschnitte dieses armen Pilgerlebens verklären. Zuletzt soll der helle Schein seiner Gerechtigkeit, Liebe und Siegesmacht noch als Morgenstern in den Tod scheinen - Nur drei Jahre hat der Herr seinem großen Berufe auf Erden gelebt Es ist aber wunderbar, wie er in dieser kurzen Zeit das Himmelslicht in alle Phasen und Lagen menschlichen Lebens hat hineinfallen lassen. O, es ist in diesem scheinbar zufälligen Gehen, Reden, Handeln und Leiden ein so gewaltiger Plan, dass man immer wieder seine Knie beugen und anbetend davor stille liegen muss. Die kleinen Kinder nimmt er auf den Arm, herzet, küsset und segnet sie. Aus dem spielenden Kinderhaufen ruft er eins heraus, stellt es unter die Jünger, welche gerade mit Gedanken an sich selbst die Frage erörtern, wer der Größeste sei im Himmelreich, und sagt ihnen: „Es sei denn, dass ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Jünglinge, welche ein zwischen ihm und der Welt geteiltes Herz vor ihn bringen, weiset er hin auf das einzige Leben und Gut, auf die einzige tiefe und dauernde Freude. Den Männern und Frauen in der Arbeit und Sorge des Lebens zeigt er die hochnöthige Hauptsorge. Wer diese recht auf das Herz nimmt, den drücken die andern nicht mehr Wo er diesen Sorgenkindern nicht persönlich nachgegangen ist, da hat er es in seinen Gleichnissen getan. Sie enthalten die himmlische Verklärung jedes Christenberufs: des Ackerbaues, des Weinbaues, des Fischfanges, des Hirtenlebens, des Handels, des Comptoir - und Rechnungswesens, des Bergbaues, des Haushaltes, auch der Frauenarbeit rc. Der Herr führt uns zur Hochzeit und zur Leiche. Wir begegnen, wenn wir ihn begleiten, Kranken und Gesunden, Witwen, Armen und deichen. Unterchanen und Obrigkeiten werden durch ihn mit dem rechten Lichte beleuchtet. Wir sind mit ihm auf dem Lande und auf dem Wasser, wir wandern und sitzen wieder still. Ein lieber todesfroher Greis muss uns gleich in seiner ersten Kindheit begegnen, und endlich sehen wir ihn selbst sterben. - Innerlich angeschaut treten Menschen jeglicher Art vor ihn Stolze Gerechte, die keinen Heiland brauchen, Mittelleute, die Gott Einiges an sich tun lassen, aber einen guten Teil selbst machen wollen, und arme Sünder, die sich nicht wert achten, dass der Herr unter ihr Dach komme, schließen sich Jeder in seiner Art auf. Feinde des Evangeliums, Achselträger und hungerige Seelen treten in das Licht vor sein Angesicht.

In solcher Betrachtung hat es dem Unterzeichneten lange am Herzen gelegen, den Lebenslauf nach seinen äußern und innern Phasen einmal im Lichte des Wortes Gottes zu beleuchten, und alle Stadien desselben vor dem Angesichte des Herrn hindurchgehen zu lassen. Sein Gedanke war, das Leben in einen Jahresraum zusammenzufassen und nach der Zahl der Wochen mit 52 Andachten zu umschließen. Wenn man sie lieset, durchlebt man im Jahre vor dem Herrn sein Leben. Es wäre dies eine Rekapitulation des vergangenen Teiles und ein Fingerzeig für die Zukunft. Freilich kommen auch viele Lagen in den Betrachtungen vor, die nicht Jeder durchleben kann.

Der Grundgedanke mag wohl Vielen zusagen; aber die Ausführung wird recht Viel zu wünschen übrig lassen. Die Andachten sind zum Teil als Predigten gehalten, zum Teil in Stunden, wo der Drang des Amtes etwas Luft gewährte, frei gearbeitet. - Mögen sie an der einen oder der andern Seele einen Segen schaffen! Vielleicht schaffen sie auch den Segen, dass ein anderer Arbeiter den Gedanken noch einmal aufnimmt und tiefer und genügender ausführt. - Dem Herrn aber sei Preis und Ehre für Alles, was er dadurch tut.

Leipzig, den 16. Februar 1861.

D. Fr. Ahlfeld.

So der Herr will und wir leben, folgt bis Michaelis 1861 die zweite Hälfte.

Derselbe.

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