Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Steure frühe der Lüge in deinen Kindern.

Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Steure frühe der Lüge in deinen Kindern.

Sprichwörter Salomonis, Cap. 13, v. 5:
Der Gerechte ist der Lüge feind; aber der Gottlose schändet und schmähet sich selbst.

Herr Jesu, lege uns die rechte Rüstung zum Kampfe mit der Lüge an. Du bist die Wahrheit, die ewige wesentliche Wahrheit. Dein Leben war auch lauter heilige Wahrheit bis in den Tod. Du hast von keiner Sünde gewusst, in deinem Munde ist auch kein Betrug erfunden worden. Wir sind dein, deine Jünger. Wir möchten gern rechte Jünger des rechten Meisters werden. O Herr, heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Heilige unsere Herzen, auf dass alles zweideutige und zwiespältige Wesen darinnen immer mehr sterbe. Wie du das eine und ganze und wahre Kind Gottes gewesen bist, so mache uns in dir ganz und fest und Eins. Hilf, dass wir nichts Anderes mehr denken können, als deine Ehre, und dass wir nichts Anderes mehr reden können, als was wahrhaftig, was gerecht, was ehrbar, was keusch und lieblich ist und wohllautet. Fange an, uns zu segnen mit der Gnade, welche die Seligen haben, die nicht mehr aus dem Willen und der Wahrheit Gottes herauskönnen, die an sein Herz gesunken auch so fest in seinen Wegen stehen, dass sie nichts Anderes mehr wissen und wollen, als ihn und was vor ihm recht ist. Gib uns auch ein rechtes Grauen vor der Lüge, die vom Teufel geboren überall nur Fluch bringen kann. Gib dies Alles uns und unsern Kindern aus Gnaden im heiligen Geist. Amen.

In dem Herrn geliebte Leser. Man redet so gern von unschuldigen Kindern. Man stellt die Kleinen oft dar, als ob ihr Herz durch und durch ohne Flecken wäre. Es ist wahr, in gewissem Sinne sind sie unschuldig. Tatsächliche Übertretungen der göttlichen Gebote können sie in dem ersten Jahre ihres Lebens kaum begehen. Auch von Gedankensünden mag da noch nicht viel die Rede sein, wo die Gedanken noch nicht zur Entwickelung gekommen und noch auf kein klares Ziel hingerichtet sind. Wir wollen das Wort gelten lassen, wenn es heißen soll: sie sind unschuldig, sie sind ohne Schuld, weil sie der Herr reingewaschen hat im Bade der Wiedergeburt mit seinem heiligen teuern Blute. Aber ohne Sünde sind sie darum doch nicht. Ein Kindlein, wenn es daliegt in seiner Wiege unter seinem weißen Bettlein ist wie ein mit Schnee überdecktes winterliches Feld. Es ist Alles eben, es ist noch keine Spur selbstständigen Lebens da. Der Herr treibet sein Werk noch drinnen in der Stille;. der Feind aber treibet, so weit er kann, das seine auch. Wie aber aus dem stillen weißen Felde, wenn der Frühling kommt, tausende von Pflanzen, gute und schlechte hervorbrechen, so aus diesem Kindesherzen auch. Vergleiche einmal das stille öde Feld mit dem, was es vier oder fünf Monate später ist! Vergleiche einmal das Kind in seiner Wiege mit dem, was es vier oder fünf Jahre später ist! Dort kann dann der Weizen Halm bei Halm stehen; dort kann ihn aber auch das im Boden verborgene Unkraut bereits fast erstickt haben. Hier können die ersten lieblichen Blumen des Glaubens in kindlicher Freude an dem Herrn und in kindlich gläubigem Gebet bereits aufgebrochen sein; hier kann aber auch die Sünde in frühen Jahren bereits das ganze junge Beet überwuchert haben. Und welches Unkraut breitet sich meist zuerst aus über dies Feld Gottes? Wir haben neulich des Eigensinns, Eigenwillens und Ungehorsams gedacht. Neben ihm steht oft schon in der Frühe des Lebens die Lüge. Die Lüge war die erste Sünde, welche die neue reine Erde betrat. Die Schlange fragte das Weib im Paradiese: „Ja, sollte Gott gesagt haben: “„Ihr sollt Nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?“„ In dieser Frage liegt die erste Lüge. Und weiter spricht sie: „Ihr werdet mit Nichten des Todes sterben.“ Da macht sie Gott zum Lügner, da ist die zweite Lüge. Wir kennen sie so recht als Lüge. Wir müssen Alle mit Augustinus sagen: „Du Nichtsnutz, du Nichtsnutz, wo ist nun dein „mit Nichten“, siehe doch, wir müssen Alle sterben.“ Die Lüge mag auch wohl die letzte Sünde auf Erden sein, denn bis zu der Stunde, wo das Gericht Gottes hereinfähret wie der Blitz und allen Selbstbetrug zerscheitert, werden Tausende sich einbilden und einreden, dass sie mit ihrem Unglauben und mit ihren toten Werken vor Gott bestehen können. So ist sie. nun nach dem gewöhnlichen Laufe der Dinge zumeist auch die erste und letzte Sünde im Leben des einzelnen Menschen. Die Zahl derer, welche mit Selbstbetrug von hinnen fahren, ist überaus groß. Und wenn wir in die Mitte des Lebens hineinsehen, so ist ja fast Alles von ihr umstrickt und durchwoben. Daher ist es eine große und heilige Aufgabe, einen tapfern Kampf ohne jeglichen Waffenstillstand gegen diese Verderberin zu kämpfen. Wir wollen auch heute mit einander in denselben hineinziehen. „Der Gerechte ist der Lüge feind“ sagt unser Text.

Ein Gerechter, in dem Herrn geliebte Gemeinde, ist jeder gläubige Christ. Wir sind Alle gerecht worden durch das Blut Jesu Christi und durch den Glauben an Jesum Christum. Wem diese Gnade kein Spott geworden ist, wer diese selige Erstgeburt nicht verkauft hat für die Linsengerichte dieser Welt, der muss der Lüge feind sein, der muss täglich gegen sie zu Felde liegen. Er muss sie bekämpfen in sich selber und in seinen Brüdern, vorzüglich aber in denen, welche Gott seiner Hut und Leitung anvertrauet hat. Unter diesen sind wiederum unsere Kinder uns die Nächsten. Um an ihnen diesen Kampf ja mit allem Ernst zu treiben, betrachten wir zuerst den Fluch der Lüge.

Frühe ist die Lüge in den Kindern da. Wenn sie sich kaum leidlich mit der Sprache behelfen können, dann nehmen sie auch schon zu dieser Verderberin ihre Zuflucht. Sie tun es flugs, und dafür haben wir noch Gott zu danken, mit solcher Einfalt, dass die Unwahrheit klar am Tage liegt. Es geht auch außer dem einen Heiligen Gottes kein Mensch über die Erde, der in diese Sünde nicht verstrickt würde. Und wenn gewisse Ältern sagen: „Mein Kind hat nie gelogen“, so lügen sie entweder selbst, oder sie haben das Leben des Kindes nie mit Treue beobachtet, oder sie fassen das Wort Lüge nur in ganz grobem und oberflächlichem Sinne. - Woher kommt aber die Lüge? Nicht von Gott, Gott ist die Wahrheit. Sie kommt von dem Pater der Lüge, der ein Lügner gewesen ist von Anbeginn, der nicht bestanden ist in der Wahrheit, der überall, wo er von dem Seinen redet, Lügen redet. Augustinus sagt in seiner Erklärung zu Ev. Johannis 8,44: „Wie Gott der Vater seinen Sohn zeugte als die Wahrheit, so zeugte gleichsam der Teufel die Lüge als seine Tochter.“ Aber wie kommt die denn in die jungen Kinder hinein? Wie nimmt sie denn so frühe Besitz von diesen Herzen? Lieber Leser, wer überall die Erbsünde leugnen möchte, der kann sie hier nicht leugnen. Gott hat die Sünde nicht in's Herz geschaffen. Gott kann nicht lügen, noch weniger kann er die Lüge schaffen und sie seinen Ebenbildern als Mitgift mitgeben. Es wäre ein Schandflecken auf dem Bilde. Ihr Ältern wollt es euch auch nicht nachsagen lassen, dass ihr den Kindern die Lüge frühe eingepflanzt hättet. Das so häufige Gerede, die Lüge sei eine Selbsthilfe der schwachen Kreatur, erklärt ihren Grund auch nicht. Die Wahrheit wäre doch sicher eine bessere Selbsthilfe. Auch als Selbsthilfe der schwachen Kreatur bleibt die Lüge Lüge. Wir suchen umsonst nach einem rechtlichen Grunde derselben. Es muss die Anlage, es muss der Hang dazu im Menschen ruhen. Ja es ist wahr, das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Die ersten Anlässe und auch die spätern und letzten gibt das verlegene, geängstete Gewissen. Die Lüge soll eine Zufluchtsstätte werden gegen Gottes Gericht, das er durch Menschen, durch Strafe oder Not über uns halten will. O lieber Leser, wie bedauern wir den, der bei den herannahenden Wettern des Winters unter einem Dache wohnen muss, dessen Balken und Latten von Würmern zernagt sind und zwischen dessen Ziegeln viele Risse heruntergehen. Aber wer sich unter die Lüge flüchtet, wer sie zu seinem Dache erwählt, der hat ein viel elenderes Obdach. Da sind alle Balken und Latten wurmfräßig, und Wind und Wetter, aber auch das helle Licht und Gericht Gottes brechen überall herein. - In der Lüge wird der Mensch ein doppelter Mensch. Sein Herz hört auf, ein ganzes zu sein. Sein Weg hört auf, einer zu sein. Seine Rede hört auf, eine zu sein. Er ist zerrissen und zerspalten in zwei Stücke, er hat ein Herz mit Gotte, ein Herz ohne Gott. Er hat einen Helfer im Himmel, und einen Helfer in der Luft, im Trüben und Unklaren. - Die Lüge ist aber um so gefährlicher, weil sie eben Lüge, weil sie eben eine heimliche Sünde ist. Auf dem Acker steht gemeiniglich zweierlei Unkraut, einmal großes, grobes mit einem starken Stengel und einer Wurzel. Dieses lässt sich leicht fassen und ausreißen. Daneben steht dann häufig auch feines, mit vielen Wurzeln, die in der Erde hin und her verschlungen sind. Da reißt man wohl hier oder dort einen Trieb ab; aber die Wurzel kriegt man nicht heraus. Darum brechen denn in wenigen Tagen an andern Stellen auch wieder neue Triebe hervor. Solch feines im Verborgenen verwurzeltes Unkraut ist die Lüge. Ach, sie ist schwer auszutilgen! An einer Stelle erfasst, deckt sie sich mit einer andern Lüge zu. Der Ungehorsam tritt klar und offen und grob heraus. Er gleicht einem Bären, der durch den Garten der Kindheit läuft. Die Lüge windet sich wie eine Schlange in demselben herum. Sie ist eine heimliche Krankheit, die in der Seele herumschleicht und den ganzen Menschen verderbet. Was wird dann endlich aus dem Lügner? Wer lügt, gehört nicht mehr seinem Gotte, denn Gott ist die Wahrheit. In jeder Lüge schleicht er sich um Gott herum. Er verlässet sich mehr auf seine krummen Wege als auf den lebendigen Gott. Lüge ist allewege Unglaube; man will sich eben nicht von Gott helfen lassen, sondern hilft sich selbst ohne Gott und wider Gott. .Alle Lüge ist auch Abgötterei. Daher bindet auch Salomo beide zusammen, indem er bittet: „Lüge und Abgötterei lass ferne von mir sein.“ Dass dann aus demselben Munde kein fröhliches Gebet mehr zu Gott aufsteigen kann, ist klar. Es kann ja nicht aus einem und demselben Loche süß und bitter quillen. - Wer sich der Lüge hingegeben hat, gehört auch nicht mehr sich selber an. Er hat sich nicht mehr in der Gewalt. Er weiß nicht, wie er sich morgen drehen und wenden, welchen Gedanken und welchen Worten er morgen Raum geben wird. Er hängt nicht mehr von sich, sondern von den Umständen ab. Er ist eine Ranke geworden, die der Wind hin- und herwebet. Ein Kind, welches sich der Lüge hingegeben hat, gehört auch nicht mehr seinen Ältern an. Es hat zwischen sich und sie einen Schleier gehängt, es hat sich mit einer Nebelhülle umzogen. Die Ältern können es nicht mehr greifen, sie sehen es nicht in seiner wahren Gestalt. Sie können auch nicht mehr an sein Herz heran. Sie glauben, dass sie gerades Weges mit ihrem Kinde handeln, und handeln mit einem Trugbilde, mit einer Maske, die das Kind vor sie gestellt hat. - Wie elend wird aber das Kind auf solchem Wege! Gedanken und Anschläge, Schritte und Tritte, Worte und Augen und das ganze Angesicht werden ungewiss. Ich habe Kinder gesehen, welche erst so klar, so fest und gewiss auftraten, und welche erst auf dem Gesichte und in dem Auge das volle Gepräge der Gewissheit trugen. Nach Jahr und Tag sah ich sie wieder. Der Vater der Lüge hatte indessen Macht über sie gewonnen. Sie waren ganz Andere. Das Gesicht, dieser Spiegel der Seele, war fahl und schwankend. Die Augen, diese Sterne Gottes am Haupte, versteckten sich, wie die am Himmel in den Herbsttagen hinter den Wolken. Das Wort, wenn es nicht frech geworden war, ging einher wie ein Schwankender, der überall erst proben muss, ob und wie er an der Stelle auftreten kann. Alles Zeugnisse eines armen zerrütteten Herzens, welches Anker und Grund verloren hat. Das ganze Angesicht sah aus wie eine Blume, über die der erste Herbstfrost gekommen ist. Seht weiter hinaus, geliebte Leser, welche Mühe, welche Kämpfe es macht, wenn Jemand später aus solchen Netzen herauskommen will! Es ist unsäglich, welches Beten und Wachen dazu gehört, wenn die heiligen Grenzsteine und der Zaun der Wahrheit in der Seele wieder festgestellt werden sollen. Wie viel Tränen kostet es, wenn man sich dann von der alten Gewohnheit doch wieder hat fortreißen lassen! Oft gehört ein halbes Mannesleben dazu, ehe man über diese Sünde der Jugend so weit hinwegkommt, dass man seiner selbst einigermaßen wieder Herr ist. Und Viele, Viele kommen nie wieder los, lügen noch mit grauem Haupte und sterben in Lüge dahin. Dass aus der Lüge auch noch allerlei andere Untreue erwächst, bedarf kaum der Erwähnung. Darum mahnt Gott der Herr in seinem Worte so dringlich von aller Lüge ab. Leget die Lügen ab und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. „Lügen bin ich gram, und habe Gräuel daran“, spricht Gott der Herr. „Die Lüge ist ein häßlicher Schandflecken an einem Menschen, und ist gemein bei ungezogenen Leuten“, sagt der alte Sirach. Und in unserem Texte heißt es: „Der Gerechte ist der Lüge feind.“ Ja sei ihr Feind in dir selbst, sei ihr feind in Anderen und sonderlich in deinen Kindern. Brauche ja die rechten Gegenmittel gegen die Lüge. -

Welche sind es denn? Führe auch deine Kleinen schon treulich dazu an, dass sie ihr kleines Leben vor dem Angesichte, in der Gegenwart Gottes führen. Sie müssen es wissen, dass der heilige Gott sie überall sieht und hört. Sie müssen es wissen, dass Beides, ihr Wort und ihr Herz, ihm offenbar ist. Sie müssen es wissen, dass er jeden Zwiespalt zwischen beiden auf's Klarste sieht. Um solchen Wandel vor dem Angesichte Gottes im Kinde recht fest zu machen, bete wenigstens täglich einmal mit ihm. Da sprich du des Kindes Sünde aus und gewöhne dein Kind, sie frühe selbst zu bekennen. Wenn es in ihm erst Ordnung geworden ist, dass es mit seinen begangenen Sünden vor das Angesicht des Herrn muss, dann wird es auch im Wandel vor demselben stehen und sich hüten vor der Sünde. Ja gerade im Gebete wird das Gewissen am Meisten geschärft. O wenn uns doch der Herr die Gnade gäbe, dass Kinder mit unbekannter Sünde, mit nicht bekannter Lüge keine Ruhe auf ihrem Lager hätten! Ein Mann, der unter den deutschen Gelehrten einen ehrenwerten Namen erlangt hat, erzählt in seiner Lebensbeschreibung Folgendes: Als Knabe von 5-6 Jahren war er eines Tages mit seiner Schwester bei einem Hausfreunde. Er sprach dort, wie Kinder zu tun pflegen, Viel und überschritt dabei einmal die Grenze der Wahrheit. Auf der Stelle strafte ihn sein Gewissen; aber sein Stolz erlaubte ihm nicht, die Lüge zu widerrufen. Nach Hause zurückgekehrt war er ängstlich und wollte nicht allein sein. Auf die Frage der Ältern, was ihm fehle, gab er keine Antwort. Er mochte nicht essen. Fieberhitze quälte ihn, er wurde zu Bett gebracht. „Bitte Gott ab“, sagte er bei sich selbst. Aber er konnte nicht beten. Der Geist des Herrn gab ihm Zeugnis, er müsse noch einmal zu der Familie gehen und widerrufen. Er ließ seine Mutter zu sich kommen und bat sie mit Händeringen, sie möge ihn jetzt noch einmal zu der Familie gehen lassen. Er kam hin, widerrief, und in diesem Augenblicke waren Angst und Fieberhitze weg. „Noch in diesem Augenblicke“, sagt er in seinem Mannesalter, „ist mir ein Lügner der abscheulichste Mensch, den ich mir denke, und eine Lüge ist eins der gröbsten Verbrechen.“ O liebe Freunde, wenn einmal solcher Ernst des Gewissens über Jung und Alt käme, wenn sich alle Lügner wie dieses Kind einmal aufmachten, um Abbitte zu tun, welch ein Gewimmel würde auf den Straßen sein! Es wäre wie Messe in der Stadt. Und Mancher würde den, welchen er suchte, nicht zu Hause treffen, weil er gerade denselben Gang gegangen wäre. - O halte vor deinen Kindern die Wahrheit recht hoch. Laß in die Mauern zwischen Wahrheit und Lüge keine Lücken kommen. Nimm es selbst recht genau mit deinem Wort und Wandel - Wo die Ältern lügen, da ist auch für die Kinder ein offener Weg zur Lüge. Rebekka hat den Jacob in der Lüge unterstützt. Sie hat ihm die Anschläge dazu gemacht, sie hat ihn dazu angekleidet und ausgerüstet, dass er von seinem blinden Vater auf fragliche Weise den Segen erlangte. Sie hat Nichts denn Elend und Herzeleid davon gehabt. Wer Wind säet, muss ja Sturm ernten. Lüge ist Wind. Jacob hat nach Mesopotamien fliehen müssen. Die Mutter wollte ihn holen lassen, wenn Esaus Zorn verraucht wäre. Sie hat ihn nicht können holen lassen. Sie hat bei ihren Lebzeiten keinen Mut dazu gehabt. Sie hat in's Grab gemusst, ohne den Sohn wieder zu sehen. Nach Jacobs Rückkehr aus Mesopotamien wird ihr Name nicht mehr genannt. - Ihr Armen, laßt eure Kinder nicht lügen um ein Stück Brot, um einen Dreier oder um ein Kleidungsstück, das sie durch die größer dargestellte Noch erlangen sollen. Ihr füttert sonst die Kinder mit ihrem eigenen Heile und Frieden, ihr kleidet sie in ihr eigenes zerrissenes Gewissen. Ihr Reichen, laßt eure Kinder nicht lügen aus Artigkeit; denkt daran, dass das Angenehme, was sie einem Andern sagen, erkauft wird mit einem verlockerten und zerstörten Gewissen, das nur sehr schwer wieder gefestigt und geordnet werden kann. - Wie aber, wenn die Lüge da ist? Wie haben wir sie dann zu behandeln? Teure Gemeinde, hier gibt es eine sehr schwere Cur. Nehmt es ja nicht leicht. Entschuldigt eure Kinder nicht. Denkt nicht, das verliert sich von selbst wieder. Wo über einen neugepflügten Acker die ersten Fußtapfen getreten sind, da geht man auch bald nach. Wo erst eine Lücke im Zaune ist, da geht man auch öfter durch. Dringt auf ein ehrliches Bekenntnis. Straft auch; aber vergeßt besonders hier die alte Regel nicht, dass die Rute mit dem Paternoster, dem Vaterunser, umwunden sein muss. Ja bekennet und betet mit den Kindern gemeinsam. Vor dem Angesicht des Herrn findet ihr die einzige Hilfe. Da werdet ihr auch vor der andern Klippe bewahrt. Paulus ermahnt: „Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf dass sie nicht scheu werden.“ Strafen, Schelten und Hadern ohne Gebet, ohne herzliche Trauer über den Fall der Kinder kann diese leicht in noch tieferes Verderben stürzen. Sie werden weggescheucht von den Ältern, sie schließen ihr Herz vollends vor ihnen zu, es ist kein wahrer Verkehr mehr da zwischen beiden. Die Lüge wird in solchem Falle nicht geheilt, sondern häufig noch gefördert. Der Herr gebe uns Weisheit, dass wir hier die gottselige Mittelstraße treffen, dass wir in der Liebe nicht weichlich, in der Strafe nicht kalt werden, und in der letztern die Herzen der Kinder nickt verlieren. - So laßt uns denn unsere Kinder in die Wahrheit ziehen mit steter Erinnerung an die heilige Nähe Gottes, und an die Liebe des Herrn, welche ihre Seelen retten will, mit fleißigem Gebet, mit Wandel in Wahrheit, mit Liebe und mit Strafe vor dem Herrn, wie es gerade Noch ist. Laßt uns nicht vergessen, dass Wahrheit der erste Schritt zum Heile ist. Wahrheit über uns selbst führt uns zur Wahrheit Gottes. - Herr unser Gott, all dein Thun ist Wahrheit, und alle deine Wege sind Recht. Heilige du deine Kinder in der Wahrheit, und entsündige unsere Herzen und Lippen, dass sie aufhören dem Feinde zu dienen, und dir die Ehre geben. Amen.

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