Petersen, Eginhard Friedrich - Philemon - 8. „Seid Niemand nichts schuldig!“
V. 18 und 19. So er aber dir etwas Schaden getan hat oder schuldig ist, das rechne mir zu. Ich Paulus habe es geschrieben mit meiner Hand, ich will es bezahlen. Ich schweige, dass du dich selbst mir schuldig bist.
Dass Du ihn ewig wieder hättest, nun nicht mehr als einen Knecht, sondern mehr denn einen Knecht, einen lieben Bruder, hat der Apostel geschrieben. Das könnte den Gedanken erwecken, als ob er in Folge der Bekehrung des Onesimus das Verhältnis der Unterordnung desselben zum Philemon für aufgehoben erachte, und dies auch dem Freunde zu verstehen geben wolle, dass er den Onesimus ferner nicht mehr als seinen Sklaven ansähe. Allein dieser Gedanke ist irrig. Damit, dass er den Onesimus an seinen Herrn zurückschickt, zeigt er ja, dass er dies Verhältnis als noch bestehend ansieht, und bestätigt er dasselbe. Ebenso ausdrücklich damit, dass er sagt, Philemon möchte nach göttlicher Absicht den Onesimus als einen lieben Bruder wieder haben sollen beides nach dem Fleisch und in dem Herrn. Warum denn nach dem Fleisch, als weil ihm Onesimus doch noch für den Knecht des Philemon gilt. Es liegt nicht in der Art des Evangeliums, die Unterschiede des Standes, insbesondere die Verhältnisse der Knechte zu ihren Herren äußerlich willkürlich aufzuheben. Auch hier gilt, was der Herr in Bezug auf das Gesetz und die Propheten gesagt hat (Matth. 5, 17): „Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Nicht gewaltsam aufgehoben sollen diese Unterschiede und Verhältnisse werden, sondern erfüllt mit dem Geist des Evangeliums und so zur Vollkommenheit ihres eigenen Wesens, zur Verwirklichung des ihnen innewohnenden Sinnes und Zweckes gebracht. Nicht von außen nach innen, sondern von Innen nach Außen soll die Umgestaltung der Welt unter dem Einfluss des Evangeliums geschehen. Darin besteht die wahre Freiheit. Was dann sich nicht aufrecht erhalten lässt, das mag fallen; das ist dann auch wert zu fallen, aber mit Gewalt und Willkür, nur damit bestehende Bande gelöst und unterschiedene Verhältnisse gleich gemacht werden, soll nichts geändert werden. Wie der Odem in der Natur soll das Evangelium wirken, welcher den Baum mit neuen Kräften durchdringt oder die in ihm schlummernden Triebe weckt und so ihm die altgewordene Hinde oder Zweige oder Blätter wie von selber abstreifen hilft. So schreibt der Apostel gerade in Bezug auf den Unterschied der Stände im ersten Briefe an die Korinther (7, 20 ff.): „Ein Jeglicher bleibe in dem Beruf, darinnen er berufen ist. Bist Du ein Knecht berufen, so sorge Dir nicht. Doch, kannst Du frei werden, so brauche das viel lieber. Denn wer ein Knecht berufen ist in dem Herrn, der ist ein Gefreiter des Herrn. Desselben gleichen wer ein Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi.“ Und so auch hier im Briefe an den Philemon. Kann Onesimus frei werden, will Philemon ihn frei geben, nun gut! Aber fordern will der Apostel es nicht. Im Gegenteil, es kommt ihm zunächst und vor allem darauf an, dass das Abhängigkeitsverhältnis, in welchem Onesimus zum Philemon stand, durch den Geist des Glaubens und der Liebe im Evangelium gemildert, verklärt und geheiligt werde. Ein lieber Bruder blieb Onesimus seinem Herrn, auch wenn er Sklave blieb. Ja mehr, er musste doppelt dem Philemon ein lieber Bruder sein, wenn diesem der Bruder dem Fleische nach ein Sklave und der Sklave in dem Herrn ein Bruder war.
Das merkt euch, ihr lieben Dienenden, Knechte und Mägde zumal! Es geschieht so leicht, dass Einer, der in einer untergeordneten Stellung ist, wenn er zum Bewusstsein seines Christentums kommt, meint, nun brauche er sich nicht mehr so viel gefallen und sagen zu lassen, nun könne er auch einmal aufbegehren und überhaupt sich seiner Herrschaft oder seinen Vorgesetzten gleichstellen. Ohnehin ist ja des Trachtens viel, aus seinem untergeordneten Stande herauszukommen und über seinen Stand hinaus zu kommen, reich sein zu wollen, vornehm sein zu wollen. Das ist nicht im Sinn des Christentums. Braucht immerhin eurer Freiheit, wenn ihr könnt, und suchet frei zu werden und suchet eine höhere Stufe des Lebens zu erlangen. Aber dass es in dem Herrn geschehe! Dass ihr nicht in dem Wahn es tut, als läge nur in der äußeren Freiheit und Macht und Ehre das Glück! Dass ihr euch bewusst bleibt, dass wahres Glück nur da ist, wo wahrer Friede ist, Friede mit Gott und Friede mit den Menschen! Dass ihr insbesondere es doch nicht für eine Schande anseht, zu dienen und einmal auch um des anderen willen sich etwas gefallen zu lassen, da es vielmehr eine Ehre ist! Denkt doch an euren Heiland, der gesagt hat: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.“ (Matth. 20, 28.) Denkt an seinen Apostel, der spricht (1. Petri 2, 18 ff.): „Ihr Knechte seid untertan mit aller Furcht dem Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so Jemand um des Gewissens zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht“, und seht vor allem zu, dass ihr euren Dienst mit dem Geist des Evangeliums erfüllt, mit dem Geist der Demut, der Sanftmut, der Geduld, der Gewissenhaftigkeit und der Treue in allen Dingen! So haben allezeit Christen es nach dem Sinn des Evangeliums gehalten, und als der Sinn des Evangeliums in der Reformation zu Zeiten Luthers wieder neu ward, da hat dieser Mann Gottes auch mit neuer Kraft in der Macht der Wahrheit und der Liebe also gemahnt: Dass doch Keiner glaube, das Äußere tue es, weder zum Guten noch zum Schlimmen, sondern der innere Sinn, der Glaube und die Liebe, womit man Alles treibt, und ein Jeder Gott in seinem Stande dient, der tut es!
Aber auch ihr, lieben Herrschaften! Wir alle, die wir über Andere zu befehlen gesetzt sind, tun auch wir das Unsere gegen sie! Vergessen wir nicht, dass auch wir einen Herrn im Himmel haben (Eph. 6, 9) und üben unsere Herrschaft so aus, wie es denen, die uns untergeben sind, zum wahren Heile ist! Mildern wir das oft schwere Los der Dienenden durch rechte Güte, Geduld und Nachsicht um des Herrn willen, dass den Klagen der Dienenden gegenüber den Herrschenden immer mehr die Spitze abgebrochen werde, und das Reich der Liebe und des Friedens sich mehre, da Hoch und Niedrig, Herr und Knecht allzumal Einer sind in Christo! Auch in diesem Sinne mahnt der Apostel Röm. 13,8: „Seid Niemand nichts schuldig!“
In gleichem Sinne fährt der Apostel fort: So er aber dir etwas Schaden getan hat oder schuldig ist, das rechne mir zu. Ich Paulus habe es geschrieben mit meiner Hand, ich will es bezahlen. Was für eine Treue und Gewissenhaftigkeit! Onesimus hat vielleicht einen Diebstahl an dem Eigentum des Philemon begangen, oder er hat Geld von ihm geliehen und ist damit heimlich fortgegangen, ohne es zu berichtigen, oder der Apostel meint auch sonst nur einen Schaden an Geld und Gut, der dem Philemon dadurch entstanden ist, dass Onesimus ihn und damit auch seine Arbeit für ihn verlassen hat. Da erbietet er sich, für den Onesimus zu zahlen, nachdem er sich in seiner Liebe ganz mit demselben eins gemacht, ihn sein eigen Herz genannt, den Philemon gebeten hat, ihn ganz an seiner Statt anzunehmen, und darum auch die Schulden der Sklaven als seine Schulden ansieht. Wahrlich, wenn der Apostel sich ein Zeugnis der Tiefe und Echtheit seines Christentums ausstellt, so ist es durch diese Gewissenhaftigkeit. Kein Stäubchen von Unrecht, auch nicht der Schein einer unberichtigten Schuld, einer ungelösten Verbindlichkeit darf auf ihm sitzen bleiben! So will es der Apostel und so befolgt er selbst seine Mahnung: „Seid Niemand nichts schuldig!“ Denn wenn wir Niemand etwas schuldig sein sollen, so müssen wir entweder keine Schulden machen, oder wir müssen, was wir Anderen schuldig sind oder schuldig zu sein meinen, ins Reine zu bringen suchen. Das Letztere tut der Apostel, indem er die Schulden des Onesimus, die er für seine eigenen ansieht, zu bezahlen verspricht, und er tut es mit solchem Ernst, dass er gewissermaßen in aller geschäftlichen Form darauf aufmerksam macht, er habe seine eigene Handschrift hergegeben, und im Anschluss daran noch einmal ausdrücklich versichert, er wolle zahlen.
Fühlt Keiner unter uns sein Gewissen schlagen, indem er von solcher Gewissenhaftigkeit des Apostels hört? Sind wir alle so gewissenhaft? Sind wir es immer und in jedem Stücke gewesen? Ich will nicht von solchen reden, welche sich gegen den Nächsten leichtfertig in Schulden setzen, die ihren Hausstand mit Schulden beginnen und auf Schulden gründen. Aber die bestehenden, vielleicht unvermeidlich bestehenden Schulden haben wir immer gefragt, ob solche bestehen, und welche das sind, und dann nicht geruht, als bis wir sie ganz und voll und auch in der gehörigen Form in Ordnung gebracht haben? Christen sollen doch nicht, weil sie Christen sind, weniger treu in Ausrichtung ihrer menschlichen irdischen Verpflichtungen sein, als andere Leute. Christen sollen doch beweisen, dass eben Christen die gewissenhaftesten Zahler und zuverlässigsten Geschäftsmenschen sind. Und doch! es ist wunderbar und traurig zugleich nehmen Christen, die im strengsten rechtgläubigen Glauben stehen, es mit ihren Verbindlichkeiten gegen andere oft am wenigsten genau. Sie setzen sich über gewisse Schuldigkeiten des äußeren Lebens oft vornehm hinweg, - als ob sie zu gut dafür wären, solche Kleinigkeiten zu erfüllen, als ob der Geist, der sie zu himmlischen Dingen weist, ihnen erlaube, in irdischen dafür ungebunden zu sein. Ich will nur eins für anderes namhaft machen. Wir haben den Zoll. Wir sollen für diese oder jene eingehende Ware oder mitgenommene Sache zahlen. O wie gern schleicht Mancher sich darum herum und scheut auch allerlei lügenhafte, unwahre oder halbwahre, Ausflüchte, allerlei verbotene heimliche Kunstgriffe nicht, um sich der Bezahlung für den besteuerten Gegenstand zu entziehen. Talerweise gibt man es, ohne dass Einen irgend Jemand nötigt, für Vergnügungen aus, aber hier, wo es obrigkeitliches Gebot ist, zu zahlen, geizt und marktet man um ein paar Groschen. Das darf nicht sein. Das ist einfach ein Mangel an Gewissenhaftigkeit und Treue. Da gilt es einfach, Zucht über sich selbst zu üben, Zucht, wie sie der Glaube, dem man angehören will, fordert. Wohl mag solche Steuerpflicht zu dem Kleinen im Leben gehören, aber wahre Treue ist immer nur eine Treue auch im Kleinen, und Christen, die Christen sein wollen, sollten am ersten mit der Treue im Kleinen vorangehen. Wohl gehört solche Pflicht zu der dem Gesetze zugewandten Seite des christlichen Lebens, und das Gesetz ist nicht genug, das Evangelium ist mehr. Aber darum dürfen wir uns doch des Gesetzes nicht entschlagen. Wir brauchen das Gesetz neben dem Evangelium, und Christen, gerade die es vorzugsweise sein wollen, sollen vorzugsweise die Verpflichtungen des Gesetzes erfüllen. Das ist, wenn es anders ist, auch ein Schade für das Christentum in den Augen der Welt. Was sollen denn Menschen, die ohnehin dem Glauben feind sind, oder die ihm zweifelhaft gegenüber stehen, vom Glauben denken, wenn sie sehen, dass solche, die den Glauben den Glauben, der immer als heilig und heiligmachend gepriesen wird, um des geringsten Vorteils willen die ersten Gebote der Heiligkeit übertreten? Wie können wir uns wundern, wie uns beklagen, wenn mit uns Christen der Name des Christentums und Christi zugleich immer wieder verlästert und ein Gegenstand des Angriffs wird? Nein: „Schafft, dass euer Schatz nicht verlästert werde!“ (Röm. 14,16) heißt es auch hier. „Schafft, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern!“ (Phil. 2,12) und „führt einen guten Wandel unter den Heiden (auch unter den Heiden der ungläubigen christlichen Welt), auf dass die, so von euch afterreden als von Übeltätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird!“ (1 Petri 2,12).
Und nun gibt es noch so viele Schulden, Schuldigkeiten und Verpflichtungen anderer Art! Wer ist denn seinem Nächsten nichts schuldig? Wer hat denn also nicht auch die Pflicht, seinem Nächsten Schulden zu bezahlen, Verpflichtungen zu erfüllen, dass er an seinem Teile der Mahnung nachkomme: „Seid Niemand nichts schuldig!“ Vater gegen Mutter, Bruder gegen Schwester, Kind gegen Eltern, Schüler gegen Lehrer, Fürst gegen Volk und umgekehrt wir alle haben die Mahnung des Apostels zu erfüllen!
Der Apostel weiß vielleicht gar nicht einmal bestimmt, ob Onesimus dem Philemon einen Schaden getan oder etwas schuldig ist, er nimmt es in seiner Gewissenhaftigkeit vielleicht nur an, er vermutet es nur, wie es denn ja auch nahe lag zu vermuten. Ebenso war er doch gar nicht genötigt, sich für verpflichtet anzusehen, für den Onesimus zu bezahlen. Es war nur das Ergebnis seiner so großen Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit und zugleich seiner Liebe. Das erinnert uns daran, es gibt eine Reihe von feineren Verpflichtungen, deren Erfüllung wir oft gern von uns abschöben. Das sind Verpflichtungen, die wir im strengsten Sinne des Worts nicht als Verpflichtungen zu nehmen brauchen, die aber, bei näherem Besehen, sich doch als Pflichten erweisen und die doch, wenn wir sie nicht erfüllen, einen Stachel in unserem Gewissen zurücklassen, Pflichten nicht sowohl des eigentlichen Amts und Berufs, als Pflichten der Höflichkeit, der Freundlichkeit und freundlichen Rücksichtnahme. Wir können vielleicht einen Besuch machen, mit dem wir Jemanden erfreuen; wir können für einen Andern etwas übernehmen, der abwesend ist und selbst es nicht besorgen kann, wir können ein Zeugnis für Jemanden ausstellen, das nicht von uns gefordert wird, mit dem wir aber doch dem Andern einen guten Dienst leisten würden. Da reden wir uns dann gerne ein, das seien keine Verpflichtungen, damit würden wir vielleicht gar, wenn wir es täten, dem Andern lästig fallen, oder wir würden die Grenzen der Bescheidenheit überschreiten oder in ein fremd Amt greifen, im Grunde aber sind es Pflichten, es ist nur unsere Bequemlichkeit, unsere Trägheit, dass wir sie für keine solche ansehen. wie beschämt uns da das Beispiel des Apostels! Wie sollten wir uns da prüfen, ob denn das, was wir für keine Verpflichtung ausgeben, nicht doch eine Verpflichtung, nach dem höheren Recht der Liebe eine Verpflichtung ist, und Gott bitten, dass wir unsere Bequemlichkeit und Trägheit überwinden.
Wie lernen wir diese Gewissenhaftigkeit und Treue? Ich will es euch sagen, obgleich ihr es wohl eigentlich wisst: Wenn wir bei dem in die Schule gehen, der gar nicht verpflichtet war, etwas für uns zu tun, der es aber doch getan hat, der nichts uns schuldig war, und der doch alle unsere Schuld auf sich genommen hat, unserem Herrn und Heiland, der für uns gelitten hat und gestorben ist. Der lehrt uns vor allem, Gott nichts schuldig zu sein; was wir Gott schuldig sind, entweder zu tun oder dadurch zu berichtigen, dass wir ihn um Erlass oder um Vergebung bitten, und damit lehrt er uns, es auch mit den Verpflichtungen gegen unseren Nächsten ernst zu nehmen. Er lehrt uns, treu sein auch im Kleinen, ja auch da uns verpflichtet fühlen, wo wir es dem Recht und Gesek nach vielleicht nicht sind. Er macht „das Gewissen eng und das Herz weit“ und ist selbst auch in uns der Erfüller des Worts „Seid Niemand nichts schuldig!“
Aber dann noch Eins! Der Apostel redet nicht nur von der Schuld des Onesimus, die er als seine eigene auf sich nimmt, sondern auch von einer Schuld des Philemon, die dieser gegen ihn hat. Ich schweige, schreibt er, aber eigentlich will er es doch dem Freunde gesagt haben es ist nur eine feine Wendung, um den Eindruck dieser Worte desto wirksamer zu machen -: dass du dich selbst mir schuldig bist. Nicht als ob er damit sagen wollte: ich habe ja eigentlich gar nicht nötig, für den Onesimus einzutreten, Du hast von mir nichts zu fordern, sondern nur mir etwas zu geben und zu leisten - sondern um den Philemon daran zu erinnern, wie sehr er Ursache habe, die Fürbitte für den entlaufenen Sklaven schon um seiner selbst und um des Apostels willen günstig aufzunehmen. Sich selbst ihm schuldig - das ist Philemon dem Apostel, weil der Apostel ihm durch die Predigt des Evangeliums das Leben gerettet: Wie sollte denn Philemon sich nicht beeilen, nun das zu tun, was der Apostel in Bezug auf den Onesimus so Natürliches bittet, wie nicht es als eine ganz geringe Abschlagzahlung gegen den Apostel und als eine Freude achten, den Onesimus gerne anzunehmen!
„Seid Niemand nichts schuldig!“ auch euch selber nicht! Sind wir denn nicht auch uns selbst dem anderen schuldig, uns selbst, nachdem Christus sich selbst für uns gegeben hat? Uns selbst darum vor allem unserem Herrn und Heiland schuldig, aber in ihm dann auch jedem unserem Nächsten? O gewiss, wir sind es, und wenn wir das bedächten, wie gering würden uns alle anderen Schuldigkeiten, die wir gegen unseren Nächsten haben, vorkommen! Aber „Seid Niemand nichts schuldig!“ Bezahlt euch selbst dem Nächsten! Gebt euch ihm selbst als das beste Geld, das ihr ihm geben könnt! wenn wir das täten, wie viel leichter würde uns dann die Erfüllung aller anderen Schuldigkeiten gegen unseren Nächsten werden! Uns selbst damit haben wir ihm dann ja schon eigentlich alles gegeben, was um und an uns ist. Gott helfe es uns! Er allein vermag es. Wir bitten ihn:
Regiere unser Wallen
Und lass aus Gnaden nun
Uns ganz dir wohl gefallen
Auch in dem kleinsten Tun!
Entzünde deine Liebe
In uns und täglich neu!
So führen deine Triebe
Uns zu der wahren Treu!
Amen.