Kähler, Carl Nikolaus - Moses in Christo - IX. Des Christen Traurigkeit
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christe. Amen.
Es geschieht, wie ihr wisst, oft, dass einer zu dem andern sagt: Ich wünsche dir viel Vergnügen. Werdet mir nicht gram, wenn ich von dieser Regel heute eine Ausnahme mache und, statt euch viel Vergnügen zu wünschen, euch viel Traurigkeit wünsche. Ich wünsche euch viel Traurigkeit. Das ist ein abscheulicher Wunsch, hör' ich sagen. Nein, Christen, das ist es nicht. Ihr werdet mich ja soweit kennen, dass ihr wisst, dass ich kein Teufel bin. Wer seinem Nächsten Böses wünscht, auch wenn er von ihm beleidigt, von ihm übervorteilt wäre, auch wenn er von ihm viel Schmach und Herzeleid erfahren hätte, wer seinem Nächsten Böses wünscht, der ist ein Teufel. Gleichwohl bleibt es dabei: Ich wünsche euch viel Traurigkeit. Ja, ich wollte, dass von eurer Freude auch keine Spur bliebe, sondern dass ihr versinkt in die Traurigkeit, wie in eine tiefe Grube. - Nun hört! - sprecht ihr - sollen wir weggehen? - Bleibet, liebe Christen, bleibt, ich meine es herzlich gut mit euch. Christus sagt: selig sind die Leidtragenden! Wie kann ich denn nun anders, als das wünschen, was ich gewünscht habe? Wenn Christus die Leidtragenden, die Traurigen seligpreist, so wünschte ich euch ja die Hölle, wenn ich euch viel Vergnügen wünschte. Nein, ich wünsche euch den Himmel und die Seligkeit, darum wünsche ich euch die Traurigkeit, die in den Himmel führt. Man hat wahrlich wohl Ursache, die Fröhlichen einmal beim Arm zu fassen und mit Salomo zum Lachen zu sprechen: du bist toll, und zur Freude: was lachst du? Pred. 2. O, ich möchte viel darum geben, wenn ich manchen Lachenden zum Weinen bringen könnte. Das Weinen aus Rührung meine ich nicht, denn dahin kann man die Kinder der Welt leicht bringen, sie leichter, als die Kinder Gottes, dass sie eine Träne der Rührung vergießen. Sie wünschen sogar, gerührt zu werden und es wäre ihnen ganz lieb, wenn die Predigt immer auf Rührung ausginge. Aber das meine ich nicht. Ich meine die göttliche Traurigkeit, die zur Seligkeit eine Reue wirkt die Niemanden gereut. Wollt ihr diese Traurigkeit nicht, die andern könnt ihr euch ersparen; denn es ist völlig einerlei, ob ihr gerührt seid oder nicht, ob ihr weint oder lacht, wenn ihr nicht wollt Buße tun. Lasst uns nun heute ein Wort hören über die göttliche Traurigkeit. Das Wort, das wir zu Grunde legen, ist die zweite Seligpreisung unsers Erlösers.
Matthäi 5, 4.
Selig sind die Leidtragenden. Einige meinen, es seien die gemeint, die in leiblicher Trübsal gehen. Von der Seligkeit solcher Kreuzträger soll wenn Gott will am nächsten Sonntage die Rede sein. Wenn die Armen, die Christus im vorhergehenden Verse seligpreist, die geistlich Armen sind, so sind auch unter den Leidtragenden solche zu verstehen, die geistlich Leid tragen. Unser Thema ist:
Des Christen Traurigkeit.
Die ist:
1. eine Frucht der Armut.
2. ein Baum der Buße.
3. eine Quelle des Trostes.
4. ein Vorhof der Seligkeit.
1. Wo Armut ist, da ist auch Traurigkeit.
Der Christ ist geistlich arm, so muss er folglich auch geistlich traurig sein, seine Traurigkeit ist eine Frucht seiner Armut. Man muss sich wundern, dass es so viele fröhliche Menschen in der Welt gibt. Sie sind munter und vergnügt, nur wenn Ungemach, wenn Trübsal kommt, dann weinen sie und sind traurig. Dagegen um der Sünde willen, die in ihnen ist, tragen sie kein Leid. O verkehrter Mensch! Über einen verlorenen Freund weinst du und legst Trauerkleider an: dass du aber deine Seele verloren hast, dass du anfängst, dich selbst zu überleben, und trägst deine Leiche mit dir herum, darüber trauerst du nicht! Wisse, nur allein die Sünde ist es wert, dass man darüber Leid trage. Wenn wir gleich dürftig und krank sind, wenn wir gleich geschmäht und verfolgt werden, so heißt uns Christus nicht Leid tragen, sondern fröhlich sein und hüpfen. Seid fröhlich und getrost, es soll euch im Himmel wohl belohnt werden. Traurig, recht traurig sein sollst du nur über die Sünde; du kannst weder ein Christ werden, noch ein Christ bleiben ohne diese Traurigkeit. Weinend tritt der Mensch in die Welt, weinend tritt er in das Reich Gottes. Da kommt die Gnade Gottes über ihn wie ein Gewitter, da schießt das Gesetz Gottes in ihn hinein wie ein Blitz und erleuchtet den ganzen finsteren Grund seines Herzens. Er fängt an zu zittern und zu zagen, er fängt an betrübt zu sein bis in den Tod und zu beten: Vater, wenn's möglich ist, so gehe dieser Kelch vorüber. So zu Anfang, und bleibt der Christ nicht ein Anfänger sein Leben lang? Nicht dass ichs schon ergriffen habe oder vollkommen sei, ach nein! zu welcher Zeit ich auch mein Herz und mein Leben anblicke, da find ich immer Sünden in Menge und groß wie die Sünde Amaleks. Gemachte Versäumnisse, eingetretene Rückfälle, stumm oder kalt gewordene Gebete, verleugneter Glaube, verloschene Liebe und was es sonst sei, daran fehlt es nimmer, so fehlt es auch nimmer an Traurigkeit und Herzeleid. Wenn's bloß das wäre! Aber der Christ trägt nicht bloß sich auf dem Herzen, sondern die ganze Welt, er trägt Leid nicht bloß über seine Sünden, sondern auch über die Sünden der Welt. Wohin er blicken mag: überall sieht er Verwüstungen, die die Sünde angerichtet hat. Er hat den Grund gefunden, der seinen Anker hält, aber vielleicht ist die Seele seiner Gattin noch wie ein Schiff, das auf offener See von den Stürmen hin- und hergetrieben wird. Er liebt sie und muss doch fürchten, dass ihr Unglaube sie an die Klippe des Verderbens werfe: sollte er darüber nicht Leid tragen? Vielleicht hat er unter seinen Kindern einen verlorenen Sohn, eine verlorene Tochter; all' sein Bitten und Beten, all' sein Warnen und Ermahnen war vergeblich bisher, er sieht das Kind in des Löwen Nachen und kann es nicht retten: sollte er darüber nicht Leid tragen? Vielleicht ist es dahin noch nicht gekommen, seine vier oder acht Kinder oder wie viele ihrer sind, noch sind sie unverloren, aber wenn er an ihre Zukunft denkt und hält die Zukunft seiner Kinder an den Spiegel der Vergangenheit, wenn er die Versuchungen, die Gefahren, die Kämpfe zählt, denen sie entgegen gehen, Gefahren und Kämpfe, in denen so viele tausend Kinder verloren gegangen sind: sollte das seine Seele nicht traurig machen und eine Träne in sein Auge bringen? Nun hat er noch Brüder, noch Schwestern, hat Knechte und Mägde, die ja auch seine Geschwister sind, er blickt sie an, er fragt: wie steht's um eure Seele? wie wird es um sie stehen an jenem Tage? Ein enges Band knüpft euch an mich und mich an euch, ach, wird die Sünde dies Band zerreißen? wird sie den einen oder andern von euch in den Abgrund des Verderbens stürzen? Grund genug, Leid zu tragen und traurig zu sein. Aber die Welt ist groß, viel größer als sein Haus. Er öffnet die Tür, da steht vor ihm ein Mensch, der zerrissene Kleider trägt. Ach, wenn es bloß das wäre! Aber auch das Kleid der Seele ist zerrissen: Unglücklicher, deine Armut sollte mich nicht bekümmern, wenn nur deine Seele nicht verloren ginge! - Er geht über die Gasse, da begegnen ihm Kinder, deren Elternhaus eine Mördergrube ist, und sie gleichen jenem Manne, der von Jerusalem hinabging nach Jericho und fiel unter die Mörder. Ihm begegnet ein Mann, der zwar heiter ist, aber seine Heiterkeit ist die Tünche über dem Totengrab eines verlorenen Herzens. Er geht an einem Hause vorüber, da wohnt ein reicher Mann, der noch herrlich und in Freuden lebt; bald das ist voraus zu sehen - kommt er in die Hölle und in die Qual. Er kommt an ein anderes Haus, da wohnt die Armut und alles Elend, das nur die Armut im Gefolge hat, Unfriede, Misstrauen, Verzweiflung und Anderes. Er kommt an ein drittes Haus, da rauscht die Musik, da klingen die Becher, da tummeln sich die Sünden und Leidenschaften der Welt. Nein, er mag das Elend der Sünde nicht länger ansehen, es erfüllt ihn mit Wehmut, es zerreißt sein Herz. Er sucht die Einsamkeit, er tritt auf einen Kirchhof, da ist es still. O schauerliche Stille, du stimmst zur Freude nicht. Du bist wie das stille Wetter nach einem Sturm, der tausend Schiffe an Klippen warf. Er geht weiter und tritt auf einen Acker, auf eine Wiese; der Acker seufzt, die Wiese seufzt, worüber? Über die Eitelkeit, der sie unterworfen sind ohne ihren Willen, und es sehnt sich die Kreatur und ängstigt sich immerdar. Seht da, liebe Christen, überall findet ihr Stoff zur Traurigkeit. Wer die Sünde kennt und ihr Verderben, der kennt auch die Traurigkeit ihretwegen, er kann nicht anders, er muss Leid tragen über die Sünde.
2. Und doch preist Christus ihn selig?
Selig sind die Leidtragenden. Ja, das ist eine rechte Freude vor Gott und den Engeln, wenn in dieser Weise ein Mensch Leid trägt; denn es ist, wie Paulus sagt 2 Kor. 7, die göttliche Traurigkeit, die da wirket zur Seligkeit eine Neue, die Niemand gereut. Wir betrachten des Christen Traurigkeit zweitens als einen Baum der Buße. Es gibt Bäume, worauf Brot wächst, man nennt sie Brotbäume. Es gibt Bäume, worauf Nüsse wachsen, man nennt sie Nussbäume. Es gibt Bäume, worauf Obst wächst, man nennt sie Obstbäume. So gibt es auch einen Baum, worauf die Buße wächst, man könnte ihn den Bußbaum nennen, das ist des Christen Traurigkeit. Verwechselt sie nicht mit der Traurigkeit der Welt. Ein Esau weint, aber zur Buße findet er keinen Raum. Ein Amnon weint, so dass der Freund ihn fragt: Warum wirst du so mager, du Königssohn, von Tag zu Tag? Aber da ist keine Buße. Ein Ahab legt sich zu Bette und will kein Brot essen, da ist Traurigkeit, aber keine göttliche Traurigkeit. Die Israeliten weinen und wünschen sich den Tod, aber sie weinen nur über die Fleischtöpfe, die sie verloren haben. Was ist die göttliche Traurigkeit? Dieses, wenn der Sünder sich das Böse reuen lässt, nicht darum, weil er Strafe, Pein, Angst, Schande, Unruhe davon hat; denn auf solche Weise lässt auch die Welt sich das Böse reuen: sondern deswegen, weil er Gott beleidigt hat, seinen Gott, Wohltäter, Freund, darüber er gern Hölle und Tod leiden wollte, wenn nur die Sünde nicht geschehen wäre. Das ist die rechte Traurigkeit. Die findest du bei David, wenn er spricht: Ich habe gesündigt wider den Herrn. Die findest du bei dem Zöllner, wenn er an seine Brust schlägt und spricht: Gott sei mir Sünder gnädig! Du findest sie bei Petrus, wenn der Christi Angesicht sieht, wie eines Engels Angesicht und geht dann hinaus und weint bitterlich. Du findest sie bei der Sünderin, Luk. 7, wenn sie zu Jesu Füßen tritt und weint und fängt an, seine Füße zu netzen mit Tränen. Das ist eine Trauer, wodurch das Herz gebessert wird, Pred. 7. Das ist ein Baum, worauf die Buße wächst. Da findet sich der Fleiß, das Verlangen, der Eifer, wovon Petrus redet, 2 Kor. 7. Man befleißigt sich, aus der Sünde herauszukommen; man fühlt das Verlangen, der Gnade Gottes teilhaftig zu werden; man beeifert sich, es andern Christen nicht nur gleich, sondern zuvor zu tun und der erste zu sein auf den Mauern der feindlichen Burg. Da ist Furcht, Furcht vor dem Versucher in uns, der auf unser Verderben sinnt, Furcht vor der Welt, dass sie uns in ihre Netze verstricken und verderben möge, Furcht vor Gott, der Leib und Seele in die Hölle verdammen kann. Da ist Zorn - man wird den Sünden spinnefeind, so dass man sie niederwirft und von ihnen sagt, wie Simson von seinen erschlagenen Feinden: da liegen sie bei Haufen. Da ist Rache - man sucht die Sünden auf, wie Josua die verbannten Könige aus ihren Höhlen, wohin man sie versteckt, man zieht sie hervor, tritt sie auf den Hals, hängt sie auf zu Schau und Spott und spricht, weil ihr uns so betrübt und betrogen habt, so wollen wir denn euer auch nicht schonen, sondern was wir euch zu Leide tun können, das wollen wir tun. Man rufet Christum und legt in seine Hand ein heiliges Gelübde, dann ruft man auch den Teufel, heißt ihn sich neben Christum stellen und spricht: Siehe, du hast dir Mühe gegeben, meine Seele zu fangen und zu zerdrücken, wie man einen Vogel fängt und zerdrückt. Du triumphiertest schon und sprachst: Ich habe ihn. So wisse nun, dass du mich nicht hast, sondern Christus hat mich und soll mich behalten in Ewigkeit. Du willst gehen? Nein, stehe still und höre erst mein Gelübde. Dir gelob' ich's, mein Erlöser o nimm mein Gelübde an und segne es: so lange ich lebe in dieser Welt, will ich dein sein und in deinem Reiche unter dir leben und dir dienen! Seht, Christen, das ist die Frucht der göttlichen Traurigkeit, weshalb ich sie einen Bußbaum nenne.
3. Darum sagt auch Christus: Selig sind die Leidtragenden.
Lasst euch das nicht Wunder nehmen. Seligkeit, sagt ihr, ist Freude: wie können denn Freude und Traurigkeit beisammen sein? Ja, selig sind die Leidtragenden; denn sie sollen getröstet werden. Des Christen Traurigkeit ist eine Quelle des Trostes. Das ist freilich wahr, solange und soweit du traurig bist, kannst du nicht fröhlich sein. Aber trägst du Leid über deine und anderer Leute Sünde, so warte nur ein wenig, deine Leiden sind die Geburts-Wehen der Freude und des Trostes. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, dass der Mensch zur Welt geboren ist. In diesem Falle bist du, Leidtragender. Noch ängstigt deine Sünde dich, noch macht sie dich traurig, du bist vielleicht so traurig, dass dir mitunter ist, als solltest du versinken vor Traurigkeit. Aber du versinkest nicht, wenn nur deine Traurigkeit keine Ahabs-Traurigkeit ist. Schon blüht dein Baum, bald wird er Früchte tragen. Sind die Früchte da, von denen ich eben geredet habe, dann ist auch der Trost da. Wie? sollte es euch nicht trösten, wenn ihr weiland Traurigen nun seht, wie euch die Sünde verhasster wird mit jedem Tage? wie euer Eifer wächst in eurer Bekehrung und in der Bekehrung der Eurigen? wie ihr immer mehr vergesset, was dahinten ist, und strecket euch nach dem, was da vorne ist, und wie ihr zunehmet an Frieden mit Gott und an Freude im Heiligen Geiste? Sollt' es euch nicht trösten, wenn die Traurigkeit euch beten lehrt, und wenn das Gebet Stunden herbeiführt, wo ihr fühlt, dass Gottes Gnade in euch mächtig ist? Eine solche Stunde, darin man Gottes Frieden schmeckt und seinen Trost in sich fühlt, o, sie ist's wert, dass man ganze Tage und Wochen ihretwegen traurig ist. Und solche Stunden werden häufiger, je älter der Christ wird. Er hat sie zuletzt jeden Tag, und er ist unbeschreiblich glücklich, wenn er sie hat. Da bereut er nicht mehr seine Traurigkeit. Lässt sich doch ein Schiffer seinen Weg nicht gereuen, ob er wohl mit Sturm und Ungewitter gekämpft, wenn er nur mit einer reichen Beute heimkehrt. So wird euch auch eure Traurigkeit nicht gereuen, sie ist eine Quelle des Trostes.
4. Aber der Trost liegt nicht bloß auf dieser Seite des Grabes,
er liegt auch auf jener Seite und dort ist er Seligkeit. Des Christen Traurigkeit ist eine Quelle des Trostes und ein Vorhof der Seligkeit. Also durch Traurigkeit führt der Weg in den Himmel? Es muss wohl so sein, da Christus nicht die Fröhlichen seligpreist, sondern die Leidtragenden. O, da hab' ich ein Wort mit euch zu reden, ihr Weltkinder. Durch Traurigkeit geht man wie durch einen Vorhof in den Himmel. Wie wollt ihr denn hineinkommen, die ihr immer fröhlich seid? Dass es eine Sünde in der Welt gibt, ficht euch nicht weiter an, ja man kann wohl sagen, die Welt wäre für euch eine Hölle, wenn es keine Sünde mehr gäbe. Gerade das ist euer Leben, dass ihr tut, was euch beliebt, und wenn es auch ganz und gar wider Gottes Wort ist, so scherzt ihr gleichwohl und lacht darüber.
bedenket, was geschrieben steht Luk. 6: wehe euch, die ihr hier lacht; denn ihr werdet weinen und heulen. Wie? hör' ich antworten, wie? meinst du denn, dass wir nie traurig sind? Ja freilich seid ihr traurig und seid mitunter betrübt bis zum Sterben. Wenn ihr krank seid oder die Eurigen krank sind, wenn ihr mit Geld zu kurz kommt und kein Teufel euch aus der Not helfen will, wie ihr sagt; wenn die Kornpreise schlecht sind oder Dürre auf dem Acker ist, so dass die Kornähren ihr Haupt neigen und sterben, wenn dies und vergleichen geschieht, dann geht ihr traurig und betrübt und verhüllet eure Häupter. Aber das ist nicht der Vorhof des Himmels, sondern der Vorhof der Hölle, das ist eine Traurigkeit, die den Tod gebiert. - Nein, sagt ihr, nein, wir sind auch traurig wegen unserer Sünden. Allerdings! eine Jungfrau weint, wenn sie sich hat betören lassen von einem Mann, ein Mann ist traurig, wenn seine Sünde ihm Schande und Kosten bringt. Könntet ihr nur bei eurer Sünde in beständiger Gesundheit bleiben, in beständigem Wohlstande, hätte nur die Sünde keine Hölle, in deren Abgrund sie euch wirft: ihr würdet immer sündigen und immer fröhlich sein. Nein, sprecht ihr noch einmal, nein, wir sind auch mitunter traurig über unsere Sünde, ohne dass sie uns Schaden bringt. Mitunter! ihr habt Recht, mitunter seid ihr traurig. Aber euer Gewissen ist wie ein Vogel, der sich ans Fenster setzt und ein und zweimal hinpickt, weiter nichts. Ihr lacht und weint fast auf Einen Atem. Ihr hasst zuweilen eure Sünde und tut sie doch immer wieder. Wo sind die Früchte eurer Traurigkeit? Lasst die Buße sehen, zeigt mir euren Trost. Ihr zeigt ihn - aber was ist das? Lauter falscher Trost. Ihr tröstet euch mit künftigen bessern Tagen, statt dass ihr euch entsetzen solltet über die Hölle, in der ihr schon seid und über die viel tiefere Hölle, in die ihr kommen werdet. O wahrlich, wenn Jesus Christus kein Lügner ist, indem er sagt: Selig sind die Leidtragenden, so seid ihr Kinder der Hölle. So besinnt euch doch, wenn es möglich ist, schaut hinab in den tiefen Abgrund des Verderbens, worin ihr liegt, schlagt in euch und bedenket, kein anderer Vorhof führt in den Himmel, als die göttliche Traurigkeit. Ihr aber, die ihr göttlich traurig seid, freut euch, ihr kennet das Wort Psalm 126: die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Das eröffnet euch eine liebliche Aussicht, die Aussicht auf den Himmel, wo ihr wie Lazarus sollt getröstet werden. Ihr esst jetzt euer Brot in Tränen eingekrumt. Tut nichts. Lukas 14 steht geschrieben: Selig, der das Tränenbrot isst im Reiche Gottes, und in unserm Texte heißt es: Selig sind die Leidtragenden, denn sie sollen getröstet werden.