Kähler, Carl Nikolaus - Moses in Christo - X. Der Christ ein Leidträger
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Amen.
Sin Gottloser ist unglücklich, er mag traurig oder fröhlich sein. Ist er traurig, so wirkt seine Traurigkeit den Tod. Ist er fröhlich, so redet ihn Christus mit einem Wehe an, Luk. 6: Wehe euch, die ihr hier lacht; denn ihr werdet weinen und heulen. Der Anfang ist gut, er lebt herrlich und in Freuden, und zwar alle Tage, wie es von dem reichen Manne heißt im Evangelium. Das lautet angenehm. Aber bedenke, lieber Mann, dass dich Gott damit abfertigt wie ein Stiefkind; bedenke, dass du wie ein Ochse auf fetter Weide gemästet und auf den Schlachttag behalten wirst; bedenke, dass du eine Blume liebst, die verwelkt, und über einen Kürbis dich freust, der verdorret; bedenke, dass es übers Jahr ganz anders mit dir sein kann, als es jetzt ist. Ach, Bruder, nimm dich in Acht, dass du nicht auch kommest in die Hölle und in die Qual. Die Welt ist wie Mephiboseths Amme, 2. Sam. 4: sie eilte und floh, da fiel das Kind und ward hinkend. So flieht die Welt und lässt dich fallen, nachdem sie dich lange in ihren Armen gewiegt und mit der Süßigkeit ihres Glückes gespeist hat. Ein Gottloser ist unglücklich, er mag traurig oder fröhlich sein. Ein Christ dagegen ist glücklich, es gehe ihm wie es wolle. Ist er traurig, so wirkt seine Traurigkeit eine Neue, die ihn nie gereut. Er hat zwar Kreuz auf Erden; aber sein Kreuz ist eine Leiter, auf der er von einer Stufe der Herrlichkeit auf die andere steigt. Wenn von Lazarus die Rede ist, so denkt man meistens nur an den Lazarus, der vor der Tür des reichen Mannes lag, nicht aber an den, der von den Engeln in Abrahams Schoß getragen ward. Fürwahr, du bist der glücklichste Mensch, wenn du mit Wahrheit von dir sagen kannst: ich bin ein Lazarus. Der Himmel hat keine weite Tür; wer hinein will, der muss durch die enge Pforte der Trübsal gehen. Es will uns zwar mitunter bedünken, als wär' es besser, wenn uns Gott Gott zwei Himmel gäbe, einen vor dem Tode, wie der reiche Mann ihn hatte, einen nach dem Tode, wie der arme Lazarus ihn hat. Ist ein törichter Gedanke. Wo die Sünde ist, da kann der Himmel nicht sein. Der Verlust der Unschuld war auch der Verlust des Paradieses, und wir können nun nicht anders als durch Kampf und Trübsal wieder in den verlorenen Himmel kommen. Der Christ muss leiden, viel leiden, um in das Reich Gottes eingehen zu können. Aber bei allem Leid, das er trägt, ist er doch glücklich. Der Trost, den ihm Gott gibt, wiegt auch die schwerste Trübsal auf. Lasst uns hören was Christus sagt.
Matthäi 5, 4.
Welches Leid ist gemeint, geistiges oder leibliches, inneres oder äußeres? Beides. Von dem inneren Leiden eines Christen war die Rede am vorigen Sonntage; nehmen wir nun heute das äußere noch hinzu.
Der Christ ein Leidträger.
Wir betrachten
1. das Leid, das er trägt,
2. die Art, wie er es trägt,
3. den Trost, womit er es trägt.
1. Der Christ ein Leidträger?
Ja, den Christen such' ich vergebens, der kein Leid zu tragen hätte, und wenn jemand zu mir sagte, ich weiß von keinem Leid, so würde ich ihm antworten, entweder trägst du wirklich ein Leid, das du nur verschweigst, oder du bist kein Christ. Du hättest kein Leiden zu tragen? Dir wäre die Erde ein Paradies und jeder Tag ein Freudentag? O wahrlich, dann muss man sich vor dir entsetzen, mehr als vor einem Lazarus, der mit Schwären bedeckt ist, von der Fußsohle bis an den Scheitel. Wie wär' es doch möglich, dass ein Mensch ohne viel Trübsal in das Reich Gottes einginge? Christus, unser Herzog und unser Vorbild in allen Dingen, trug das Kreuz, er trug es an die drei und dreißig Jahre, bis er darunter niedersank, bis er daran starb. Du aber gingest hinter ihm her als sein Jünger, und trügest kein Kreuz? Er trug die Dornenkrone: du trügest die Freudenkrone? Er war betrübt und weinte: du wärest fröhlich und lachtest? O, da müsstest du dich schämen, seinen Namen zu führen. Wen der König ehren will, den macht er zum Ritter, und gibt ihm ein Kreuz. Gott tut ebenso. Wer seiner Gnade teilhaftig worden ist, dem gibt er das Kreuz Christi, und gibt ihm mehr als Ein Kreuz, gibt ihm zwei, gibt ihm vielleicht zehn Kreuze. Wer möchte nun, wenn ihm Gott ein Kreuz zu tragen gibt, dies als ein Zeichen der Ungnade betrachten? Die Kinder der Welt freuen sich, wenn der König ihnen das Kreuz gibt, und du wolltest traurig sein, wenn Gott es dir gibt? Wen der Herr lieb hat, den züchtiget er, er stäupet aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. Freue dich in dem Herrn, und abermals sage ich, freue dich, Phil. 4. Das Kreuz hat für den Christen einen unschätzbaren Wert. Es ist eine Zierde der Kirche, es ist eine Säule derselben; nehmt diese Zierde, diese Säule weg, so hört sie auf, eine Kirche Christi zu sein und stürzt zusammen. Das Kreuz ist eine Kanzel des Christen: ja, da hört er Gottes Stimme, die ihn ruft, die ihn bittet und vermahnt: Habe nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Das Kreuz ist ein Hirtenstab, den Christus, der gute Hirte, in seiner Hand hat, und geht damit hinter seinen Schafen her und hütet sie, dass sie nicht von den Wölfen gefressen werden. Das Kreuz ist ein Ruhebett der Seele, ist dich Bett auch hart, so schläft doch die Gott liebende Seele sanft darin, wie Jakob, da er mit seinem Haupt auf einem Steine ruhte. Das Kreuz ist eine Arche Noahs, die baut uns Gott und lässt uns einsteigen, damit die Sündflut uns nicht verderbe. Das Kreuz ist ein Baum des Lebens: o, betrachtet diesen Baum im Garten eines Christen; darauf wachsen weit schönere Früchte, als auf dem Lust- und Freuden-Baume. Das Kreuz ist ein Schlüssel zum Paradies, eine Brücke zum Himmel, ein Schiff, welches die Seele an das Ufer der Seligkeit bringt. - Seht, Christen, einen solchen Wert hat das Kreuz, welches Gott euch schickt. Nun lasst uns einmal umhergehen, und die Gestalt des Kreuzes betrachten. Bald finden wir eine Hagar, die in der Welt, wie in einer Wüste, lebt; sie muss Mangel leiden, und weiß oft am Abend nicht, woher sie für sich und ihr Kind das Brot, am nächsten Morgen nehmen soll. Wir gehen weiter, da treffen wir einen Hiskias, der auf dem Kranken- und Sterbebette liegt; er wendet das Angesicht zur Wand und betet zum Herrn, er winselt wie ein Kranich, und girrt wie eine Taube. Wir finden einen dritten, und worin besteht sein Leid? Ach, spricht er, ich bin so müde von Seufzen wie David, ich schwemme mein Bett die ganze Nacht, und netze mit meinen Tränen mein Lager. Was fehlt dir denn? Um meiner Kinder willen trage ich leid; der Sohn, auf den ich meine Hoffnung setzte, ist von Gott abgefallen, ist elend und jämmerlich; ach mein Sohn, mein Sohn, wollte Gott, ich könnte für dich sterben! Und du, liebe Schwester, die du in Trauerkleidern gehst, worüber weinest du? Ich bin wie die Witwe zu Nain, die ihr Kind verlor, und ging traurig hinter dem Sarge her. Ach! seufzte ich, da ich an dem Grabe stand, warum geht das Kind der Mutter, warum geht die Mutter nicht dem Kinde voran? Ja, dein Kreuz ist schwer, aber schwerer noch ist das Kreuz jenes Bruders, der wie Joseph, sich von den Brüdern verstoßen, der sich verleumdet und um seinen guten Namen gebracht sieht. Was habe ich euch zu Leide getan, spricht er, dass ihr mich so zurückseht und mir meinen guten Namen nicht lasst, der mir teurer ist als das tägliche Brot? Sollen wir noch weiter gehen, liebe Christen? Wir finden kein Haus, worin wir kein Leid finden, wohnt ein Christ darin, so wohnt auch ein Leid darin. Ich sah fürstliche Schlösser und Gemächer, und siehe, da waren Tränen; ich sah gräfliche Häuser, und siehe, da waren Tränen; ich sah Studierstuben, Kanzeln und Beichtstühle, Werkstätten der Handwerker, Hütten der Bauern, und siehe, da waren Tränen.
2. Der Christ ein Leidträger. Wie trägt er es?
Diese Frage führt uns in den zweiten Predigtteil. Wie der Christ sein Leid trägt? Anders als die Welt. Die läuft vor dem Leid weg, wie das Wild vor dem Jäger, schon wenn es ihn in der Ferne sieht. Ihr wisst, meine Lieben, welche Furcht die Welt vor dem Leiden hat. Sogar hört sie auf, den Weg der Wahrheit, den Weg der Ehrlichkeit zu gehen, sie verbindet sich mit der Lüge, mit der Falschheit, mit dem Betruge, wenn sie auf andere Weise nicht einer drohenden Not aus dem Wege gehen kann. Ein Leben ohne Ungemach, ohne Leid, ein Leben in beständigem Wohlergehen, das ist ihr Streben, das ist ihr Ziel. Brot die Fülle, so dass man sagen kann: Nun, liebe Seele, iss und trink' und habe guten Mut; denn du hast einen Vorrat auf viele Jahre; ohne Anfechtung, ohne Feindschaft von Seiten der Welt, so dass wir Andern entgegentreten können, keiner aber es wagt, uns entgegen zu treten; frei vom Schmerz der Trennung, selbst gesund und umgeben von den stets gesunden Unsrigen: - ein solcher Himmel auf Erden, darin kein Leid ist, kein Geschrei, kein Schmerz, das ist unser Ziel, sagen die Kinder der Welt. Dadurch unterscheiden sie sich von einem Christen. Der Christ trägt das Leid, noch ehe er es trägt. Er weiß in guten Tagen, dass es nicht bleiben kann wie es ist. Das heitere Wetter wird sich in trübes, der Sonnenschein in Regen verwandeln, es wird vielleicht so trübe und so dunkel werden, dass kaum hie und da ein Stern der Freude durch die Wolken blickt. So denkt der Christ, und dieser Gedanke schlägt ihn nicht nieder. Wie Gott will, ist seine Losung. Mach's mit mir Gott, wie's dir gefällt, gern will ich folgen lieber Herr.
Ich weiß ja, dass der Weg ins Himmelreich keine ebene Chaussee ist und sein kann. Selig sind die Leidtragenden - dies Wort weist mir den Weg, und macht mich auf Trübsal gefasst, die heute oder morgen kommen wird. Komme sie, ich bin auf sie gefasst, und lieber will ich wie ein Lazarus mit Schwären bedeckt vor der Himmelstür liegen, als wie der reiche Mann alle Tage herrlich und in Freuden leben vor der Höllentür. Dir befehle ich meine Wege, o Gott; sende mir Leiden, welche und wie viel du willst, nur bitte ich dich, sende mir zugleich Kraft, es zu tragen mit Geduld. So der Christ. Wie trägt er sein Leid? Anders als die Welt. Sie trägt es mit Ungeduld, mit Murren und Klagen wider Gott. Von einem Riesenvolk der alten Zeit erzählt die Fabel, dass sie Berg auf Berg gestellt hätten, um den Himmel zu erstürmen. Von einem andern Volk wird erzählt, dass sie, so oft ein Gewitter heranzog, ihre Bogen spannten und Pfeile gen Himmel schossen. Geschieht das noch jetzt? Ja, was anders als ein Pfeil, den du gen Himmel schießt, ist dein Unmut, den ich auf deiner Stirn sehe? ist die Sorge, in deren Klagen du ausbrichst? ist die Traurigkeit, die dein Herz verzehrt? Du bist mit Gott nicht zufrieden, du zürnest ihm, du forderst ihn vor dein Gericht und stellest ihn zur Rede wegen seines Tuns. Und da du siehst, dass du wider ihn nichts vermagst, so wirst du missmutig und wünschest dir den Tod. Wäre dein Tod gekommen, so oft du ihn riefst, du hättest schon hundertmal sterben müssen. Ach, wie trägt die Welt ihr Leid, wie jämmerlich! Geht in das Haus des Einen, da findet ihr ein Herz, das aller Freude die Tür verschließt, nur für die stille gefräßige Sorge steht der Tisch gedeckt, die isst allen Frieden, alle Ruhe, alle Freudigkeit hinweg. Geht in das Haus des Andern, da ist lärmender Unfriede zwischen Mann und Weib, zwischen Vater und Kind den ganzen Tag. Weil kein Brot auf dem Tische, so ist auch kein Friede im Hause, Einer verklagt den Andern, Einer schilt den Andern. Geht in ein drittes Haus, da sinnt man auf List und Trug, um das Unglück aus dem Wege zu räumen, da sind Ananias und Saphira eins geworden in der Bosheit, deren Mutter die Trübsal ist. Doch warum soll ich euch noch weiter führen? Wie ein Christ sein Leid trägt, davon ist die Rede. Er trägt es anders als die Welt, sein Vertrauen, seine Geduld, sein Friede ist das schöne Gemälde, wozu die Welt mit ihrem Misstrauen, Verzweiflung und andern Lastern, den schwarzen Nahmen hergibt. Der Christ ist geistlich arm, darum fällt es ihm nicht ein, mit Gott zu hadern. Hätte Gott, denkt er, mit mir handeln wollen nach meinem Verdienst, so hätte er mir die Hölle ausgeschlossen und mich in sie hinein gestoßen. Deine Gnade war es, o Gott, die meinen Namen in das Buch des Lebens schrieb, deine Gnade ist es, die mich auf raue Wege führt. So denkt und spricht der Christ, deswegen trägt er sein Leid mit Geduld und mit Vertrauen. Gehe in sein Haus, da findest du ihn nicht auf seinem Stuhl sitzen in stillem verzehrendem Gram, sondern die Heiterkeit und den Frieden siehst du ausgegossen über sein Angesicht und über sein ganzes Wesen. Gehe in sein Haus, da hörst du nicht Klagen, Streit und Scheltwort, sondern du hörst, wie der Gatte seine Gattin, die Gattin ihren Gatten tröstet und ist die Trübsal ein Band, das ihre Herzen fester und inniger aneinander knüpft. Gehe in sein Haus, da stehst du wohl Arbeit und Tätigkeit, aber dies Tun ist kein Bösestun, sondern ein Fleißigsein unter Beten, Loben und Danken.
3. Was ist es denn, das einem Christen sein Kreuz tragen hilft?
Es ist der Trost: Selig sind die Leidtragenden; denn sie sollen getröstet werden. Wir betrachten drittens den Trost, womit der Christ sein Leid trägt. Welches ist dieser Trost? Wir brauchen nicht lange zu suchen, um ihn zu finden. Sein Trost ist das Wort Gottes, darauf wirft er wie auf einen festen Grund den Anker seiner Hoffnung, seiner Zuversicht. Das Wort Gottes zeigt ihm die Frommen, welche vor ihm gelitten haben, zeigt ihm Christum, der für ihn das Kreuz trug wie sollte er es ihm nicht gerne nachtragen! zeigt ihm die Hand Gottes, die uns hält, lenkt, zeigt ihm die Hilfe, die nahe ist und nicht ausbleiben wird, zeigt ihm das Gebet, womit er sich stärken soll, und die Hoffnung, die nicht zu Schanden werden lässt. Wer nur das Wort Gottes hat, das liebt, damit umgeht, der hat einen Brunnen, woraus er in jedem Jahr, an jedem Tage, in jeder Stunde und Minute einen reichlichen Trost schöpfen kann. O ihr Leidtragenden, lasst euch auf das Wort Gottes hinweisen. Wie unglücklich seid ihr, wenn ihr an dies Wort euch nicht haltet, aus diesem Worte nicht euren Trost und Frieden schöpfen wollt! dagegen wie glücklich mitten im Unglück, wie reich mitten in der Armut, wie fröhlich mitten in der Traurigkeit, wenn ihr mit euren Weibern und Kindern um dies Wort euch sammelt wie um einen Jakobsbrunnen! - Des Christen Trost, welches der sei? Es ist der Glaube, der Glaube, dass wohlgetan sei was Gott tut, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Ich muss mit Sturm und Wetter kämpfen, wenn ich mit meinem Schiff einlaufen will in den Hafen der Ruhe. Oder soll ich mich mit einem Buch vergleichen? das bekommt den schönen Einband nicht und den goldenen Schnitt, bevor es unter der Presse gewesen und das Raue hinweggeschnitten ist; erst wenn es genug geschlagen, gepresst, geschnitten ist, bekommt es das Gold. So will ich denn den Leidhammer und die Kreuzpresse mir gefallen lassen, weil ich glaube, es muss also sein, wir können nicht anders, wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen. - Des Christen Trost, welches der sei? Das ist sein Friede, den er mit Gott, mit Christo hat. Nun die Sünde weg ist, die mich früher drückte und peinigte, nun der Kläger verstummt ist, der mich früher vor Gott verklagte, nun ich in der Gnade wandle, die mich auf- und angenommen und meinen Namen in das Buch des Lebens gezeichnet hat, nun hat das Kreuz sein Gewicht verloren, und was einen Zentner wog in der Ungnade, das wiegt ein Lot in der Gnade Gottes. Alles überwinde ich weit, wenn nur Christus mein eigen ist und ich Christi eigen bin, wenn ich mit ihm umgehe wie mit meinem lieben Freund und an seiner Liebe mich freue. Des Christen Trost, welches der sei? O, ich habe euch erst ein Buch genannt, die Bibel, ich will euch jetzt noch ein anderes Buch nennen, des Christen Leben und Erfahrung. Darin braucht er nur nachzuschlagen, um auf jeder Blattseite einen Trost zu finden. Wie oft, wie wunderbar hat mir Gott geholfen in meiner Trübsal! War ich krank, litt ich Mangel, erfuhr ich Kränkung, Zurücksetzung, Feindschaft, wie herrlich lenkte und leitete es Gott, dass mir auch da geholfen wurde, wo ich kaum die Möglichkeit einer Hülse sah! Wie oft hat er mich wunderbar gespeist! wie oft mir aus einer Verlegenheit geholfen! wie oft mir bewiesen, dass ein Leiden mir gut sei, auch wenn ich lange nicht begreifen konnte, warum er es mir schickte! Der Schatz an Erfahrungen, den ich mir gesammelt habe in. der Trübsal, er ist zehn Bände stark; ich brauche darin nur zu lesen, um mich mit reichlichem Trost auszurüsten für die Zukunft. - Christen, wundert's euch noch, dass Jesus sagt: Selig sind die Leidtragenden? Mich wundert's gar nicht; denn sie sind selig, sind es in der Tat. Sie rühmen sich mit Paulus der Trübsal, dieweil sie wissen, dass Trübsal Geduld bringt. Und wenn sie auch zuweilen der Trübsal sich nicht rühmen können, wenn das Fleisch sich krümmt, der Eigenwille sich sperrt, die Ungeduld sich regt, das Herz blutet, das Auge tränt, die Züchtigung ihnen nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein scheint, so sind sie doch selig. Warum? Sie sollen getröstet werden. Ihre Trübsal schaffet eine ewige, und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, 2. Kor. 4. Füllen sie nur ihre Krüge mit Tränen bis oben an; Christus wird sie in Wein verwandeln. Joh. 16 steht das Wort: Über ein Kleines. Die Ewigkeit wird ihren Kummer verschlingen, wie das Meer einen Essigtropfen verschlingt. In Jerusalem soll nicht mehr gehört werden die Stimme des Weinens und die Stimme des Klagens, Jes. 65, 19. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Tränen. Aber endlich kommt das Jahr, wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, da sie Garben machen; da wird all ihr Gram und Leid lauter Freude und Lachen. Nun, so nimm, o Christenherz, alle deine Schmerzen, wirf sie fröhlich unterwärts, lass des Trostes Kerzen dich entzünden mehr und mehr. Gib dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehre. Er wird helfen. Amen.