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Brenz, Johannes - Epiphanias-Fest.

Brenz, Johannes - Epiphanias-Fest.

1542.

Matth. 2,1-12.
Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk; und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also steht geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre. Und wies sie gen Bethlehem, und sprach: Zieht hin, und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so sagt mir's wieder, dass ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis dass er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und taten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, dass sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen anderen Weg wieder in ihr Land.

Da unser Herr Jesus Christus ein Schatz aller göttlichen und himmlischen Güter ist und in diese Welt gekommen, um uns des so großen Schatzes teilhaftig zu machen: so musste er sich notwendig bei seiner Ankunft deutlich offenbaren und öffentlich kundgeben; denn wozu ist ein versteckter und Allen verborgener Schatz nütze?

Als daher Anfangs bei Christi Geburt die Menschen schwiegen und Niemand ihn anerkannte, da verkündigen ihn die Engel den Hirten, und die Hirten gehen hinzu und beten ihn an. Und als abermals tiefes Schweigen über seine Geburt herrschte und auf Erden Niemand Christum verkündigte oder ihm nahte, um ihn anzubeten: da funkelte am Himmel der Stern, der den Weisen im Morgenland Kunde gab, Christus sei in Judäa geboren. Und bei dieser Gelegenheit ist er auch den Hohenpriestern zu Jerusalem und dem König Herodes offenbart worden, damit auch sie lernten Christum anerkennen und ihn anbeten. Denn von Christo ist geschrieben (Ps. 8,7): „Alles hast du unter seine Füße getan.“ Und (Ps. 72,11): „Alle Könige werden ihn anbeten, alle Heiden werden ihm dienen.“ Und (Jes. 60,14): „Es werden auch gebückt zu dir kommen, die dich unterdrückt haben, und Alle, die dich gelästert haben, werden niederfallen zu deinen Füßen.“ So lasst uns denn am heutigen Evangelium sehen, wie Christus, obschon er gar arm und elend scheint, dennoch begonnen hat, sich Alles zu unterwerfen, damit Alles ihm diente und dazu beitrüge, seine Majestät zu offenbaren und zu verherrlichen. Das heutige Evangelium nämlich bezeugt, dass die edelsten aller leiblichen Geschöpfe sowohl am Himmel, als auf Erden begonnen haben, Christum zu ehren, Christo zu dienen und seine Herrlichkeit zu rühmen.

Und erstens: was ist unter den leiblichen Geschöpfen edler und herrlicher am Himmel, als die Sterne? Siehe aber, ein Stern wird Christi Verkündiger und zeigt nach göttlicher Schickung den Weisen im Morgenlande an, dass Christus geboren ist, und führt sie gen Bethlehem. Hat also ein Stern angefangen, Christo bei seiner Geburt zu dienen, und den Weg gen Bethlehem den Weisen gezeigt: so ist offenbar, dass die Sterne von Gott vornehmlich dazu erschaffen sind, der Majestät Christi zu dienen. Viel gelehrte Männer haben mit großem Eifer die Bahnen der Sterne am Himmel erforscht, und haben Tag und Nacht alle Mühe darauf verwandt, die Bewegungen der Himmelskörper zu untersuchen. Haben sie aber auch einige Gewissheit über ihre Bahnen und Bewegungen erlangt, also, dass sie sogar viele Jahre voraus sagen können, wann eine Mond oder Sonnenfinsternis, wann Annäherungen oder Entfernungen der anderen Planeten erfolgen werden: so ist doch solche Wissenschaft noch nicht vollendet und vollkommen, bis wir zur Erkenntnis Christi gelangt sind. Denn auch diese Weisen waren in der Sternkunde sehr gelehrt, konnten jedoch niemals genug lernen, solange sie nicht durch jenen Stern Christum erkannt und ihn angebetet hatten. So müssen wir denn annehmen, dass in diesem Sterne, welcher Christum den Weisen offenbart hat, alle Sterne des Himmels Christum zu ehren und ihm ihren Gehorsam zu beweisen angefangen haben.

Zweitens sind unter den morgenländischen Völkern die Weisen als die Vornehmsten und Würdigsten angesehen worden. Aus ihnen wurden in Persien einst die Könige erwählt, und sie waren die Lehrer der Religion und der Heiligtümer bei den Heiden. Da sich nun Alles Christo unterwirft und ihm dient, kommen nach seiner Geburt auch die Weisen und tragen an ihrem Teil dazu bei, die Majestät Christi zu offenbaren. Denn sie predigen zu Jerusalem von Christo und tun öffentlich kund, dass sie ihn anbeten wollen. Überdies galten bei den Juden in Sachen der Religion die Priester und Hohenpriester als die Ersten und Angesehensten. Siehe aber! auch diese dienen Christo, auf dass seine Majestät offenbar werde. Von Herodes nämlich um den Geburtsort Christi befragt, führen sie die Weissagung Michas (5,1) an, obschon es diesen Hohenpriestern wie den sogenannten Merkursäulen ergeht, welche dahin den Weg zeigen, wohin sie selber niemals gelangen. Desgleichen geschieht ihnen, wie dem Wetzsteine, der das Eisen scharf macht, obgleich ihm selber zu schneiden versagt ist. Diese Hohenpriester zeigen eben zwar den Geburtsort Christi, doch keiner von ihnen begleitet die Weisen, um ihn selbst anzubeten. Mögen sie daher auch keine Frucht von Christo haben, so gereicht doch ihr Tun und ihre Rede zu Verherrlichung Christi und zur Offenbarung seiner Majestät; so dienen sie ihm denn selbst da, wo sie nicht wollen und ihn verachten. Der Hohenpriester Stand und Ordnung ward bei den Juden mit dem höchsten Aufwande erhalten: allein hätten sie auch sonst nichts Gutes getan, so wäre doch der Dienst, den sie dem heutigen Evangelium zufolge Christo erweisen, so großen Aufwandes vollkommen würdig gewesen. Außerdem ist unter allen Schriften keine herrlicher als die Heilige Schrift. Du siehst aber, dass auch diese allein auf Christum achte und ihm diene. Denn nicht bloß Micha, welchen die Hohenpriester anführen, redet von Christo, sondern die ganze Heilige Schrift zielt dahin, dass sie uns Christi Majestät zu unserem Heile offenbare.

Ehe wir indessen hier weitergehen, blicke einmal hin auf die Weise dieser Welt. Die Leute zu Jerusalem harrten bereits seit vielen Jahrhunderten auf Christum; nun aber, da seine Ankunft ihnen verkündigt wird, sucht Keiner von den Bürgern mit den Weisen ihn auf, weil Herodes Davids königliches Geschlecht verfolgte. Obschon also die Weisen seine Geburt, obschon die Hohenpriester aus der Schrift seinen Geburtsort kundtun: wollen Jene dennoch, da weder der König, noch die Hohenpriester sich gen Bethlehem aufmachen, sondern vielmehr Christum verfolgen, aus Furcht des Todes ihn lieber verachten, als ihr Heil suchen. Das ist die Art des großen Haufens: man folgt der Religion, welche sicher scheint. Allein Christus spricht (Matth. 10,32.33): „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“

Endlich scheint unter den Menschen Nichts herrlicher als königliche Macht und Majestät. Als darum Christus in diese Welt kam, begannen auch Könige ihm zu dienen, obgleich ohne ihr Wissen und sogar wider ihren Willen. Von Augustus haben wir jüngst geredet, wie er durch sein Gebot Christo darin gedient habe, dass Maria bei dieser Gelegenheit gen Bethlehem kam und Christum daselbst gebar, auf dass die Weissagung Michas erfüllt würde. Vom Könige Herodes aber lehrt das heutige Evangelium, wie er Christo gedient habe. Doch du sagst: Ist das sein Dienst, dass er Christum zu töten sucht und danach die bethlehemitischen Kinder tötet? Das ist freilich eine große und dem Herodes gar verderbliche Grausamkeit, und dennoch ist Christus so geschickt, dass er solcher Grausamkeit brauchen mochte zur Ehre seines Namens. Durch sein Wüten hat nämlich Herodes die Geburtszeit Christi bezeichnet; also geschah es, dass viel mehr auf jene Zeit achteten, als wenn Herodes durch ein Gebot den neugeborenen Christus empfohlen hätte. So ist denn offenbar, dass Christo, obschon er in der größten Armut und Not geboren ist, dennoch die edelsten Geschöpfe am Himmel und auf Erden bei seiner Geburt sofort zu dienen und zur Offenbarung seiner Majestät mitzuhelfen begonnen haben.

Allein wir dürfen auch das nicht übergehen, dass die Weisen aus dem Morgenlande Christo Gold, Weihrauch und Myrrhen darreichen. Eine wunderbare Sache! Um Christi willen war den Israeliten das Land Kanaan gegeben worden, und dennoch wird ihm bei seiner Geburt kein Winkel, geschweige eine würdige Stätte eingeräumt. Um Christi willen war das Hohepriesteramt und das levitische Priestertum eingesetzt, dem auch die Erstlinge der Früchte, die Zehnten und andere Erzeugnisse zukamen, und doch bieten sie dem neugeborenen Christus nicht einmal eine Ähre an. Um Christi willen war das Königreich Israel gestiftet, und doch fehlt bei seiner Ankunft so viel daran, dass der König ihm auch nur ein Landgut überlässt, dass er ihm vielmehr nach dem Leben trachtet. Heißt das etwa Christo dienen? Heißt das Christo Alles unterwerfen? Gewisslich heißt es das; denn um dieser Armut willen verdient Christus die Erhabenheit über alle Himmel und empfäht einen Namen, der über alle Namen ist. Diese Armut ist der Weg, um zur Unterwerfung aller Dinge zu gelangen. Und dennoch fehlt es ihm auch nicht an äußerlicher Ehre und an Nahrung. Als die Seinen und die Nachbarn säumen, kommen Fremde, nämlich die Weisen aus weiter Ferne und bringen ihm Geschenke, auf dass er seiner Dürftigkeit damit abhelfe.

Was übrigens von Christo gesagt ist, dass ihm eben Alles untertan sei, dass die edelsten Geschöpfe dieser Welt, ein jegliches in seiner Weise, ihm aus Anlass seiner ersten Ankunft Gehorsam geleistet haben: ebendasselbe ist auch von den Christen zu verstehen. Er hat ja erlangt, dass, wie Viele an ihn glauben, Gottes Kinder und seine Miterben werden. Wie Gott also ihm Alles untergeben. hat, so untergibt er Alles auch seinen Gläubigen. Keine solche Unterwerfung jedoch sollen wir verstehen, die in äußerlicher Herrlichkeit bestünde, sondern in wahrhaftigem Heil. Denn Alles heißt deswegen den Frommen unterworfen, weil ihnen, da sie in Christo sind, auch alles Böse zum Besten dient. Die Grausamkeit des Herodes, die Grausamkeit derer, die Christum kreuzigen, war allerdings verabscheuungswert und entsetzlich; und dennoch war sie ihm untertänig und gereichte zu seinem höchsten Heile. So müssen wir auch von uns sagen. Krankheit, Armut und Tod sind Übel und sind uns dennoch durch Christum unterwürfig und dienstbar; denn im Anfange sind alle Geschöpfe zur Ehre der Kinder Gottes erschaffen. Obschon aber die Sünde diese Ordnung verkehrt hat, dienen uns dennoch, weil Christus die Sünde hinweggenommen hat, wiederum alle Geschöpfe, ein jegliches in seiner Weise und nach Maßgabe des Glaubens, bis unsere wahre und ewige Herrlichkeit in Christo am jüngsten Tage offenbart wird. Dient denn nun Alles Christo, so müssen auch wir ihm dienen, auf dass Alles auch uns diene zu unserem ewigen Heile durch Jesum Christum unseren Herrn, der da samt dem Vater und dem Heiligen Geiste Gott ist, hochgelobt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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