Arndt, Friedrich - 38. Andachten zu Sacharia

Arndt, Friedrich - 38. Andachten zu Sacharia

Sacharja 11, 12.13.

Judas, Dein gewesener Jünger, o Herr, erhenkt sich, und verzweifelt an Deiner Gnade. So macht’s die Sünde. Erst gibt sie einen lieblichen Geschmack von sich; hernach, wenn sie genossen ist, wird sie der armen Seele zu Gift und Galle. So macht’s der Satan. Vor Begehung der Sünde verkleinert er dieselbe, hernach macht er große Berge daraus und malt sie dem ohnehin erschrockenen Gewissen größer vor, als die viel überschwänglichere Gnade Gottes. Laß mich an dem Exempel Judä die Abscheulichkeit und die entsetzlichen Folgen der Sünde erkennen und an seinem Schaden klug werden. – Judas bringt zuvor da Geld erst wieder, ehe er sich erhenkt: so wenig Ruhe läßt das ungerechte Gut einem aufgewachten Gewissen. Aber, mein unschätzbarer Heiland, wie wohlfeil bist Du, da Du doch der Schatz aller Schätze bist! Um dreißig Silberlinge gibt Dich Dein Jünger hin. Die Welt gibt Dich um eine schnöde Sündenlust. Und, o der Gnade! weil Dich Niemand besser zu schätzen weiß, als Dein himmlischer Vater, und Er siehet, daß ein armer Sünder nichts hat, womit er nur einen Blutstopfen von Dir bezahlen könnte, so gibt Er Dich umsonst Allen, die Dich begehren! O unverantwortliche Schande, wenn ich Dich nicht mit begierigem Glauben hinnehmen wollte aus den Händen Deines Vaters zu meinem ewigen Heil! Für die dreißig Silberlinge ward ein Acker, der den Namen Blutacker bekam, gekauft und das obige prophetische Wort erfüllt. Siehe, Herr Jesu, mein Herz ist auch ein Blutacker, und zwar Dein Blutacker bis auf den heutigen Tag; denn Du hast ihn Dir mit Deinem Blute erkauft, und er wird noch immer damit begossen und gedüngt. O daß er Dir nur auch zu etwas tauglich werde! Dafür sorge Du, mein Herr und Besitzer. Ich war verkäuflich, ja, wollte mich Niemand haben wegen meiner Unbrauchbarkeit, ja, wegen der vielen Dornen und Disteln, die ich trug: da erbarmetest Du Dich über mich und gabst millionenmal mehr für mich, als ich werth war. Diese Deine Gnade müsse mich vor aller Verzweiflung bewahren und mir immer neuen und mehreren Muth und Herz zu Dir machen. Amen.

Sacharja 12,8-11.

Johannes bezieht 19,32-37 diese Stelle ausdrücklich auf Jesum und weiset die Erfüllung dieser Weissagung an Jesu Kreuze nach. Was mit dem frommen Könige Josia geschah, daß er im Kriege mit dem Könige Necho von Aegypten auf dem Felde Megiddo von einem tödtlichen Geschosse verwundet starb, und sich nun daselbst eine große Klage über seinen Tod erhob, das war ein Vorbild eines andern frommen Königs, der nicht bloss Juda gereinigt hat von den Götzen der Heiden, sondern die ganze Welt von ihren Sünden, und hat einen Tempel gebauet, dessen Grund Er selbst ist, und hat ein viel besseres Passah gehalten als König Josia, denn Er hat als das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, eine ewige Erlösung gefunden, und als der rechte Friedensfürst nicht bloss für Juda den Friedensbund aufgerichtet, sondern hat Alles versöhnet, es sei auf Erden oder im Himmel, damit, daß Er Friede machte durch das Blut an seinem Kreuze durch sich selbst. (Col. 1,20.) Diesen König hätte sein Volk doch wohl mit Freuden aufnehmen sollen, aber sie haben ihn verworfen und haben zerstochen nicht allein mit giftigen Pfeilen ruchloser Lästerreden und falscher Zeugnisse sein Herz, sondern auch mit Dornen sein edles Haupt, mit Nägeln seine Füße und Hände, und mit dem Speer seine Seite, und haben Ihn also getödtet und umgebracht, gleichwie Josia und haben über ihren Frevel noch frohlockt. Doch es soll nicht so bleiben. Denn der Herr thut kund durch den Mund des Propheten, es werde eine Zeit kommen, da das ganze Land werde trauern, und Alle Ihn ansehen, den jene zerstochen haben, und sich betrüben, wie man sich betrübet um ein erstes Kind. Vor aller Welt Augen steht jetzt auf Golgatha das Kreuz, und an demselben hängt der Mann und König, den alle Menschen zerstochen haben mit ihren Sünden. Oeffne mir denn die Augen durch den heiligen Geist, daß ich darin auch meine Sünde und Schuld erkenne und tiefe Buße thue vor Dir; aber dann zeige mir auch den offnen, freien Born wider alle Unreinigkeit und Sünde, daß ich wieder getröstet werde, auf daß ich ewig lebe und nicht sterbe. Amen.

Sacharja 13.

Liebster Herr Jesu, wie soll ich Dich doch genugsam preisen für die unaussprechliche Liebe und Wohlthat, die Du an diesem heutigen Tage mir erwiesen hast. Du trittst heute an den schweren Gang, auf welchen Du Dich schlagen läßt im Hause Derer, die Dich lieben sollten, aber auch den offnen, freien Born öffnest wider alle Unreinigkeit und Sünde, zu dem alles, was Sünder heißt, Zutritt hat, und kann daraus schöpfen, so viel er Lust hat, denn dieser Quell des Trostes versieget nimmer. Und siehe, ehe Du hinzugehest, machst Du zuvor noch mit uns einen Bund, das ist das neue Testament in Deinem Blute, das für die Sünde der Welt vergossen ward. O heiliger Bund! O heiliges Testament! darin Du uns armen Sündern Deinen heiligen Leib und Dein theures Blut zum Pfande Deiner Liebe gibst, also daß, wer dies Dein Fleisch isset und trinket Dein Blut, in Dir bleiben soll und Du in ihm. Ja, Du verheißest, er solle das ewige Leben haben, und Du werdest ihn am jüngsten Tage auferwecken zum ewigen Leben. O gib, liebster Jesu, daß ich solch theures Liebesmahl stets in wahrem Glauben und herzlicher Andacht würdig gebrauche und genieße, damit auch ich, nach Deines Apostels Lehre, wenn ich von diesem Brode esse und von diesem Kelche trinke, Deinen Tod verkündige, bis Du kommst und mich aus dieser Jammerwelt einholest in Deine Herrlichkeit, da ich werde in Deinem Reiche zu Tische sitzen, und trunken werden von den reichen Gütern Deines Hauses ewiglich.

O Herr Jesu Christe, ob es wohl wahr ist, daß ich nicht würdig bin, daß Du unter mein Dach gehest: so bin ich doch bedürftig Deiner Hülfe und begierig Deiner Gnaden, daß ich möge selig und fromm werden. Nun komme ich in keiner andern Zuversicht, denn daß ich Deine süßen Worte gehört habe, damit Du mich zu Deinem Tische ladest, und sagest mir Unwürdigen zu, ich soll Vergebung der Sünden haben durch Deinen Leib und Dein Blut, so ich esse und trinke in diesem Sakrament. O lieber Herr, ich weiß, daß Deine göttlichen Zusagen und Worte wahrhaftig sind; daran zweifle ich nicht, und darauf esse und trinke ich mit Dir. Mir geschehe nach Deinen Worten. Amen.

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autoren/a/arndt_f/andachten/arndt-sacharia.txt · Zuletzt geändert: von aj