Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel X.

Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel X.

Ein wahrer Anbeter darf nicht zu Gott laufen an einen gewissen Ort, sondern er findet ihn allenthalben im Geist und in der Wahrheit.

Joh. 4, 21. 23.: Es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge, noch zu Jerusalem anbeten werdet. Denn die wahren Anrufer werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit.

Wo finde ich nun Gott? Jer. 23, 23. Bei St. Jacob? Am Ende der Erden? Zum finstern Stern? Zu Jerusalem? Auf dem Berge Thabor? Antwort: Joh. 4, 23.: „Im Geist und in der Wahrheit“. Zu Fürsten und Herren muß man weit reisen, seine Noth vorzubringen; aber Gott ist überall, „erfüllt Himmel und Erde“, Jer. 23, 24. ist allen Creaturen näher, denn sie ihnen selbst sind; ist in und außer Allen, durch Alle, Eph. 4, 6. Alle Oerter sind vor ihm ein einiger Ort, alle Zeiten Eine Zeit, Ps. 139, 7.

2. Wenn Einer am Tage im flachen Feld wandelt, so ist es licht um ihn, er sehe oder sei blind: also und näher ist Gott allen Creaturen. Denn sie sind das Wasser, darüber Gott schwebt; der „durchdringt alle Geister, wie pur, rein und lauter sie seien“, B. d. Weish. 7, 23. Gott ist uns Allen gegenwärtig; aber wir sind ihm nicht Alle gegenwärtig, das ist, wir befinden seine Gegenwart nicht, gleichwie ein Blinder das Tageslicht nicht sieht. Gott wendet sich nicht von uns; wir aber wenden uns von ihm. Dadurch fallen wir in Blindheit, daß wir sagen, Gott habe sich auch von uns gewandt; er sei zornig, ungnädig. Solche Aenderung geschieht nur in uns und in unsern Herzen; da befinden wir es also, und reden davon, wie wir's befinden.

3. Also straft und quält sich ein jeder Sünder selbst durch seine Abwendung von Gott. Er aber bleibt immer, wie er ist, gütig und unwandelbar, „gerecht in seinen Werken“, Ps. 145, 17. obschon der blinde, abgekehrte Mensch ihn für zornig, ungerecht und ungnädig achtet.

4. Hieraus werden recht verstanden die Sprüche vom Reich Gottes, wie dasselbe nicht außer, sondern in uns sei. Luc. 17, 21. Deßgleichen: „Was gehen mich die draußen an?“ 1 Cor. 5, 12. Dies wird nicht verstanden vom äußerlichen Ort, sondern nach dem Glauben im Geist oder innern Menschen. Sonst, wo man das Reich Gottes an äußerlichen Ort bindet, ist es antichristisch; wie der Herr geweissagt, daß man sagen werde: „Siehe, hier ist Christus, da ist Christus“, Matth. 24, 23.

5. Ort oder Stelle macht weder selig noch verdammt. Sonst wäre Lucifer kein Teufel im Himmel worden, an einem seligen Orte; auch wäre Adam im Paradies nicht in Sünde gefallen rc. Und so der Ort sollte verdammen, würde kein Mensch selig. Denn wir sind alle in der Welt unter des Teufels Reich, der ein Fürst der Welt ist. Also kann ein Mensch im Reich Gottes sein auch in der Tiefe des Meers, wie Jonas, so er nur glaubt. Dagegen kann einer in des Teufels Reich sein durch den Unglauben, ob er schon mitten in der Kirche wäre, Predigt hörte und Sacrament brauchte. Ein solcher ist dennoch vor den Augen Gottes draußen.

Gebet um Erkenntniß der Allgegenwart Gottes.

O Herr Jesu Christe, du einiger Weg, Licht und Pforte zum Himmel! ich preise dich von Herzen, daß du mich durch solche Betrachtung verständigst, wie ich in dir, und du in mir seist, ich sei gleich, an welchem Ende der Welt ich wolle. Ja, du lehrst mich, wie du wahrhaftiger, einiger Priester bei mir seiest, und absolvirest mich von Sünden, so oft ich seufze. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich mich nichts; denn du bist bei mir. Lehre mich, Herr, solches erkennen, daß ich solchen Schatz im Acker nicht mit der undankbaren Welt verleugne noch versäume, sondern denselben in wahrem Glauben erwarte, finde, fühle und in mir schmecke. Amen.

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