A Lasco, Johannes - Niederländisch-rheinisches Taufformular

A Lasco, Johannes - Niederländisch-rheinisches Taufformular

Unsere Hülfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Amen.

Dieweil unser Herr Jesus Christus sagt, daß wir anders nicht in das Reich Gottes mögen kommen, es sey denn, daß wir neu geboren werden, so giebt er uns eine gewissen Anzeigung, daß unsere Natur durchaus verkehrt und vermaledeit ist, und ermahnet uns deßhalb hiemit, daß wir uns vor Gott demüthigen, und ein Mißfallen haben an uns selbst, und bereitet uns also seine Gnade zu begehren, durch welche alle unsere Bosheit und aller Fluch und Vermaledeiung unserer alten Natur abgetilgt werde; denn wir der Gnade Gottes nicht fähig sind, es sey denn, daß zuvor alles Vertrauen auf unser eigen Vermögen, Weisheit und Gerechtigkeit aus unsern Herzen genommen sey, ja auch bis daß wir alles, was in uns ist, ganz und gar verdammen.

Nachdem uns aber Christus unser Elend also vor die Augen gestellt, so tröstet er uns auch vielmehr durch seine Barmherzigkeit, indem er uns und unsern Kindern verheißet, daß er uns von allen unsern Sünden waschen, das ist, uns dieselbigen wegen seines Blutvergießens nicht zurechnen, auch unsere Natur wieder zu seinem Ebenbild durch seinen heiligen Geist erneuern wolle. Und solche Verheißung unserm schwachen Glauben zu bestätigen und an unserm eigen Leib zu versiegeln, hat er befohlen, daß wir in dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes sollen getauft werden.

Zum ersten, da er will, daß wir mit Wasser, in dem Namen des Vaters getauft werden, bezeugt er uns, gleich als mit einem sichtbaren Eid, all unser Leben lang, daß Gott unser und unsers Samens Vater seyn will, uns mit aller Nothdurft des Leibes und der Seele versorgen und alles Uebel uns zu gut wenden. Dieweil alle Kreaturen wegen des Bundes, so wir mit Gott haben, uns nicht schaden können, sondern zu unserm Heil dienen müssen.

Zum andern, indem wir in dem Namen des Sohnes getauft werden, verspricht er uns, daß alles, was der Sohn Gottes gethan und gelitten hat, unser eigen sey, also, daß er unser und unserer Kinder Heiland sey, uns mit seiner heilsamen Gnade salbe, uns durch seine heilige Empfängniß, Geburt, Leiden und Sterben von aller Unreinigkeit und Sünden erlöset hat, und allen unsern Fluch und Vermaledeiung ans Kreuz genagelt, mit seinem Blut abgewaschen und mit ihm vergraben habe, und also uns von der höllischen Pein erledigt, auf daß er uns durch seine Auferstehung und Himmelfahrt mit seiner Gerechtigkeit bekleidet, und jetzt für dem himmlischen Vater vertrete, und am jüngsten Gericht herrlich und ohne Makel vor das Angesicht des Vaters darstelle.

Zum dritten, da wir in dem Namen des heiligen Geistes getauft werden, wird uns verheißen, daß der heilige Geist, unser und unserer Kinder Lehrer und Tröster in Ewigkeit sein werde, und uns zu wahren Gliedern des Leibes Jesu Christi mache, auf daß wir an Christo und allen seinen Gütern, sammt allen Gliedern der christlichen Kirchen, Gemeinschaft haben, also daß unserer Sünden in Ewigkeit nicht mehr gedacht, auch die Sünde und Schwachheit, die in uns noch übrig bleibt, je länger je mehr getödtet, und endlich in der seligen Auferstehung (da dieß unser Fleisch dem herrlichen Leib Christi gleichförmig seyn wird) in uns vollkommen offenbaret werden soll.

Nachdem aber in einem jeden Bund beide Theile sich verpflichten, so verheißen auch wir Gott dem Vater, Sohn und heiligen Geist, daß wir durch seine Gnade ihn allein für unsern einigen, wahren und lebendigen Gott erkennen und bekennen wollen, ihn allein in aller Noth anrufen, und als gehorsame Kinder leben, wie diese neue Geburt erfordert, welche in diesen zwei Stücken steht: Erstlich, daß wir aus wahrer Reue und Leid über unsere Sünden all unsere Vernunft und Lüste verleugnen und dem Willen Gottes unterwerfen, und alle Sünden von Herzen hassen und fliehen; darnach auch, daß wir anheben Lust und Lieb zu haben, nach dem Wort Gottes in aller Heiligkeit und Gerechtigkeit zu leben.

Wenn wir aber bisweilen aus Schwachheit in Sünden fallen, so sollen wir doch nicht darin bleiben liegen noch verzagen oder durch einige andere Mittel, denn durch Christum Vergebung der Sünden suchen, sondern allezeit durch unsere Taufe erinnert werden, davon abzustehen und fest zu vertrauen, daß derselbe um des Blutvergießens Christi willen für Gott nimmermehr solle gedacht werden, sintemal uns die heilige Taufe ein ungezweifelt Zeugniß ist, daß wir einen ewigen Bund mit Gott haben, und in den lebendigen Brunnen der ewigen Barmherzigkeit des Vaters, und des allerheiligsten Leidens und Sterbens Jesu Christi, durch die Kraft des heiligen Geistes getauft seyn.

Wiewohl aber unsere Kindlein diese Ursachen und Geheimnisse noch nicht verstehen, viel weniger können bekennen, so sollen sie doch von der heiligen Taufe keineswegs ausgeschlossen werden; dieweil sie von Gott zu seinem Bunde berufen sind, den Gott mit Abraham, dem Vater aller Gläubigen und seinem Samen, und also auch mit uns und unsern Kindern gemacht hat. Ich will, spricht der Herr, aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir, und deinem Samen nach dir, bei ihren Nachkommen, daß es ein ewiger Bund sey, also daß ich dein Gott sey und deines Samens nach dir.

Denn unser Herr Jesus Christus ist in die Welt gekommen, nicht die Gnade seines himmlischen Vaters zu schmälern, sondern vielmehr den Gnadenbund, so zuvor im Volk Israel eingeschlossen war, durch die ganze Welt auszubreiten, und hat anstatt der Beschneidung die heilige Taufe zum Wahrzeichen und Siegel dieses Bundes uns und unseren Kindern verordnet, wie der heilige Apostel Petrus solche Bestätigung des Bundes ausdrücklich lehret in den Geschichten der Apostel im 2. Kap., da er spricht: Thut Buße und lasse sich ein jeder taufen auf den Namen Jesu Christi, zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes, denn euer und euer Kinder ist diese Verheißung, und aller, die fern sind, welche Gott unser Herr herzurufen wird. Dazu heißet auch der Herr Christus selbst die unmündigen Kindelein zu sich bringen, und spricht ihnen mit Worten und Werken das Himmelreich zu, wie bei Marci am 10. geschrieben steht: Zu der Zeit brachten sie die Kindlein zu Jesu, daß er sie anrührete, die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sahe, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen, und herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. Aus diesen Worten ist offenbar, daß auch unsere Kinder im Reich und im Bund Gottes seyn, und deßhalb auch die Taufe als das Siegel des Bundes empfangen sollen, ob sie schon die Geheimnisse der Taufe Alters halber noch nicht verstehen, gleich wie die Kindlein von Jesu Christo selbst mit Worten und Werken gesegnet sind und in den alten Kirchen am achten Tage beschnitten wurden, wiewohl sie den Segen des Herrn, wie auch die Geheimnisse der Beschneidung, noch nicht verstanden.

Deßhalb so laßt uns Gott also anrufen.

O allmächtiger ewiger Gott, der du hast durch die Sündfluth nach deinem strengen Urtheil die ungläubige und unbußfertige Welt gestraft, und den gläubigen Noah aus deiner großen Barmherzigkeit erhalten und den verstockten Pharao mit all seinem Volke im rothen Meere ertränket, dein Volk Israel aber trockenen Fußes hindurch geführet, durch welches diese Taufe bedeutet ward. Wir bitten dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest dieß (diese) dein(e) Kind(er) gnädiglich ansehen und durch deinen heiligen Geist, deinem Jesum Christo einleiben, daß es mit ihm in seinen Tod begraben werde, mit ihm auch auferstehe in einem neuen Leben, indem es sein Kreuz, ihm täglich nachfolgend, fröhlich trage, ihm anhange mit wahrem Glauben, steifer Hoffnung und inbrünstiger Liebe, daß es dieses Leben, das doch nichts anders ist denn ein Tod, um deinetwillen getrost verlassen möge, und am jüngsten Tag für dem Richterstuhl Christi, deines Sohnes, unerschrocken erscheinen, durch denselben, unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir und dem heil. Geist ein einiger Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Unser Vater rc.

Bekennet auch mit mir die Artikel unsers alten allgemeinen ungezweifelten christlichen Glaubens, darauf dieß Kind getauft wird:

Ich glaube in Gott Vater, allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrauen, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Höllen, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten.

Ich glaube in den heiligen Geist, eine heilige, allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben. Amen.

Frage: Begehret ihr dann aus wahrem Glauben an die Verheißung Gottes in Jesu Christo, welche uns und unsern Kindern gegeben ist, daß er nicht allein unser, sondern auch unsers Samens Gott seyn wolle, bis ins tausendste Glied, daß dieses Kind darauf getauft werde und die Versiegelung der Kindschaft Gottes empfange?

Antwort: Ja.

(Hier ist nicht vonnöthen das Kind aufzuwickeln, sondern genug, daß ihm das Haupt entblößet werde.)

Alsdann sage der Kirchendiener, daß sie das Kind nennen und darnach begieße er es mit Wasser und spreche:

N. Ich taufe dich in dem Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

Laßt uns Gott dem Herrn danken:

Allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, wir sagen dir Lob und Dank, daß du uns und unsern Kindern durch das Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi alle unsere Sünden verzeihen und uns durch deinen heiligen Geist zu Gliedern deines eingebornen Sohnes, und also zu deinen Kindern angenommen hast, und dieß alles uns mit der heiligen Taufe versiegelt und bekräftiget. Wir bitten dich auch durch denselben deinen lieben Sohn, daß du dies (diese) Kind(er) mit deinem heiligen Geiste allezeit wollest regieren, auf daß es christlich und gottselig auferzogen werde, und in dem Herrn Jesu Christo wachse und zunehme, auf daß es deine väterliche Güte und Barmherzigkeit, die du ihm und uns allen bewiesen hast, bekennen und in aller Gerechtigkeit unter unserm einigen Lehrer, König und hohen Priester Christo Jesu leben und ritterlich wider die Sünde, den Teufel und sein ganzes Reich streiten und siegen möge, dich und deinen Sohn Jesum Christum, sammt dem heiligen Geiste, den einigen und wahren Gott ewiglich zu loben und zu preisen. Amen.

Ihr Geliebten in dem Herrn Jesu Christo, dieweil ihr euch dieses Kindes angenommen habt, so bedenket, daß unser Gott ein wahrhaftiger Gott ist, und will, daß wir ihm in der Wahrheit dienen, und deßhalb sollt ihr, Freunde und Verwandte, insonderheit aber ihr, Väter und Gevattern, allen Fleiß anwenden, daß dies Kind in rechter Erkenntniß und Furcht Gottes, laut den Artikeln des christlichen Glaubens und der Lehre, welche von Gott aus dem Himmel geoffenbaret und im alten und neuen Testament begriffen sind, dem Herrn Christo auferzogen werde, und wenn es zu Verstande kommt, ermahnen, daß es durch Empfangung dieses göttlichen Bundeszeichens und Siegels der heiligen Taufe öffentlich vor dem Angesichte Gottes, seinen heiligen Engeln und christlichen Gemeine, dem Teufel und der Welt mit allen ihren Werken und Lüsten abgesagt und sich dem Herrn ergeben und verpflichtet habe, ihm sein ganzes Leben lang in aller Heiligkeit und Gehorsam seines heiligen Evangeliums zu dienen. Das verleihe euch und ihm der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi. Amen.

Quelle: Ebrard, August - Reformirtes Kirchenbuch

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