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1. Mose, Kapitel 41

1. Mose, Kapitel 41

41:1 Und nach zwei Jahren hatte Pharao einen Traum, wie er stünde am Nil

41:2 und sähe aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase.

41:3 Nach diesen sah er andere sieben Kühe aus dem Wasser aufsteigen; die waren häßlich und mager und traten neben die Kühe an das Ufer am Wasser.

41:4 Und die häßlichen und mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe. Da erwachte Pharao.
Pharaos Traum hat sich schon zu oft in den Erlebnissen meines wachenden Zustandes erfüllt. Meine Tage träger Ruhe haben alles, was ich in den Wochen emsigen Fleißes zustandegebracht hatte, schrecklich verwüstet; meine Zeiten frostiger Kühle haben die ganze belebende Glut meiner Begeisterung und meines Feuereifers zum Erstarren gebracht; und meine Anwandlungen weltlichen Sinnes haben mich aus den errungenen Fortschritten in einem göttlichen Leben wieder weit zurückgeschleudert. Ich erfuhr, wie nötig es sei, mich zu bewahren vor magern Gebeten, magern Lobliedern, magerem Gehorsam und magern Herzenserfahrungen; denn sie fressen das Fett meines Trostes und meines Friedens. Wenn ich das Gebet auch nur während der allerkürzesten Frist vernachlässige, so verliere ich alle geistige Frische, die ich schon erlangt habe; wenn ich nicht neue Vorräte vom Himmel beziehe, verzehrt sich das alte Korn meiner Scheune bald in der Hungersnot, die über meine Seele hereinbricht. Wenn die Raupen der Gleichgültigkeit, die Heuschrecken der Weltlust und die Blattläuse der Selbstgefälligkeit mein Herz ganz kahl und öde gemacht haben, und meine Seele deshalb anfängt zu welken, dann ist all mein früheres Gedeihen und Wachstum in der Gnade und all meine vorige Fruchtbarkeit in einem gottseligen Wesen umsonst. Wie sollte ich mich doch so ernstlich hüten vor den häßlichen, magern Tagen, vor den freßgierigen Stunden! Wenn ich Tag für Tag dem Ziel meiner Sehnsucht zueile, ich würde es bald, bald erreichen, aber häufige Verirrungen halten mich noch in weiter Ferne zurück von dem Preis meines erhabenen Berufs und berauben mich der Siegesfrüchte, die ich schon erkämpft hatte. Der einzige Weg, auf welchem alle meine Tage können zu „fetten Kühen“ werden, ist der, daß ich sie auf die rechte Weide führe, daß ich sie zubringe in der Gemeinschaft des Herrn, in seinem Dienst, unter seinen Augen, in seiner Furcht und auf seinen Wegen. Warum sollte nicht jedes folgende Jahr reicher sein an Labung, Leben, Liebe, Lob und Lust? Ich bin den himmlischen Hügeln näher, und sollte darum meinem Herrn ähnlicher werden. O Herr, halte den Fluch der Häßlichkeit ferne von mir; gib, daß ich nicht ausrufen müsse: „Wie mager, wie mager, wehe mir!“ sondern möge ich fett werden in Deinem Hause, damit ich Deinen Namen preise. (Charles Haddon Spurgeon)

41:5 Und er schlief wieder ein, und ihn träumte abermals, und er sah, daß sieben Ähren wuchsen an einem Halm, voll und dick.

41:6 Darnach sah er sieben dünnen Ähren aufgehen, die waren vom Ostwind versengt.

41:7 Und die sieben mageren Ähren verschlangen die sieben dicken und vollen Ähren. Da erwachte Pharao und merkte, daß es ein Traum war.

41:8 Und da es Morgen ward, war sein Geist bekümmert; und er schickte aus und ließ rufen alle Wahrsager in Ägypten und alle Weisen und erzählte ihnen seine Träume. Aber da war keiner, der sie dem Pharao deuten konnte.

41:9 Da redete der oberste Schenke zu Pharao und sprach: Ich gedenke heute an meine Sünden.

41:10 Da Pharao zornig ward über seine Knechte, und mich mit dem obersten Bäcker ins Gefängnis legte in des Hauptmanns Hause,

41:11 da träumte uns beiden in einer Nacht, einem jeglichen sein Traum, des Deutung ihn betraf.

41:12 Da war bei uns ein hebräischer Jüngling, des Hauptmanns Knecht, dem erzählten wir's. Und er deutete uns unsere Träume, einem jeglichen seinen Traum.

41:13 Und wie er uns deutete, so ist's ergangen; denn ich bin wieder in mein Amt gesetzt, und jener ist gehenkt.

41:14 Da sandte Pharao hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilend aus dem Gefängnis. Und er ließ sich scheren und zog andere Kleider an und kam hinein zu Pharao.

41:15 Da sprach Pharao zu ihm: Mir hat ein Traum geträumt, und ist niemand, der ihn deuten kann; ich habe aber gehört von dir sagen, wenn du einen Traum hörst, so kannst du ihn deuten.

41:16 Joseph antwortete Pharao und sprach: Das steht bei mir nicht; Gott wird doch Pharao Gutes weissagen.

41:17 Pharao sprach zu Joseph: Mir träumte ich stand am Ufer bei dem Wasser

41:18 und sah aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase.

41:19 Und nach ihnen sah ich andere sieben, dürre, sehr häßliche und magere Kühe heraussteigen. Ich habe in ganz Ägyptenland nicht so häßliche gesehen.

41:20 Und die sieben mageren und häßlichen Kühe fraßen auf die sieben ersten, fetten Kühe.

41:21 Und da sie sie hineingefressen hatten, merkte man's nicht an ihnen, daß sie die gefressen hatten, und waren häßlich gleich wie vorhin. Da wachte ich auf.

41:22 Und ich sah abermals in einen Traum sieben Ähren auf einem Halm wachsen, voll und dick.

41:23 Darnach gingen auf sieben dürre Ähren, dünn und versengt.

41:24 Und die sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben dicken Ähren. Und ich habe es den Wahrsagern gesagt; aber die können's mir nicht deuten.

41:25 Joseph antwortete Pharao: Beide Träume Pharaos sind einerlei. Gott verkündigt Pharao, was er vorhat.

41:26 Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre, und die sieben guten Ähren sind auch die sieben Jahre. Es ist einerlei Traum.

41:27 Die sieben mageren und häßlichen Kühe, die nach jenen aufgestiegen sind, das sind sieben Jahre; und die sieben mageren und versengten Ähren sind sieben Jahre teure Zeit.

41:28 Das ist nun, wie ich gesagt habe zu Pharao, daß Gott Pharao zeigt, was er vorhat.

41:29 Siehe, sieben reiche Jahre werden kommen in ganz Ägyptenland.

41:30 Und nach denselben werden sieben Jahre teure Zeit kommen, daß man vergessen wird aller solcher Fülle in Ägyptenland; und die teure Zeit wird das Land verzehren,

41:31 daß man nichts wissen wird von der Fülle im Lande vor der teuren Zeit, die hernach kommt; denn sie wird sehr schwer sein.

41:32 Daß aber dem Pharao zum andernmal geträumt hat, bedeutet, daß solches Gott gewiß und eilend tun wird.

41:33 Nun sehe Pharao nach einem verständigen und weisen Mann, den er über Ägyptenland setze,

41:34 und schaffe, daß er Amtleute verordne im Lande und nehme den Fünften in Ägyptenland in den sieben reichen Jahren

41:35 und sammle alle Speise der guten Jahre, die kommen werden, daß sie Getreide aufschütten in Pharaos Kornhäuser zum Vorrat in den Städten und es verwahren,

41:36 auf daß man Speise verordnet finde dem Lande in den sieben teuren Jahren, die über Ägyptenland kommen werden, daß nicht das Land vor Hunger verderbe.

41:37 Die Rede gefiel Pharao und allen seinen Knechten wohl.

41:38 Und Pharao sprach zu seinen Knechten: Wie könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der Geist Gottes sei?

41:39 Und sprach zu Joseph: Weil dir Gott solches alles hat kundgetan, ist keiner so verständig und weise wie du.

41:40 Du sollst über mein Haus sein, und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein; allein um den königlichen Stuhl will ich höher sein als du.

41:41 Und weiter sprach Pharao zu Joseph: Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt.

41:42 Und er tat seinen Ring von seiner Hand und gab ihn Joseph an seine Hand und kleidete ihn mit köstlicher Leinwand und hing eine goldene Kette an seinen Hals

41:43 und ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren und ließ vor ihm ausrufen: Der ist des Landes Vater! und setzte ihn über ganz Ägyptenland.

41:44 Und Pharao sprach zu Joseph: Ich bin Pharao; ohne deinen Willen soll niemand seine Hand und Fuß regen in ganz Ägyptenland.

41:45 Und nannte ihn den heimlichen Rat und gab ihm ein Weib, Asnath, die Tochter Potipheras, des Priesters zu On. Also zog Joseph aus, das Land Ägypten zu besehen.

41:46 Und er war dreißig Jahre alt, da er vor Pharao stand, dem König in Ägypten; und fuhr aus von Pharao und zog durch ganz Ägyptenland.

41:47 Und das Land trug in den sieben reichen Jahren die Fülle;

41:48 und sie sammelten alle Speise der sieben Jahre, so im Lande Ägypten waren, und taten sie in die Städte. Was für Speise auf dem Felde einer jeglichen Stadt umher wuchs, das taten sie hinein.

41:49 Also schüttete Joseph das Getreide auf, über die Maßen viel wie Sand am Meer, also daß er aufhörte es zu zählen; denn man konnte es nicht zählen.

41:50 Und Joseph wurden zwei Söhne geboren, ehe denn die teure Zeit kam, welche ihm gebar Asnath, Potipheras, des Priesters zu On, Tochter.

41:51 Und er hieß den ersten Manasse; denn Gott, sprach er, hat mich lassen vergessen alles meines Unglücks und all meines Vaters Hauses.

41:52 Den andern hieß er Ephraim; denn Gott, sprach er, hat mich lassen wachsen in dem Lande meines Elends.

41:53 Da nun die sieben reichen Jahre um waren in Ägypten,

41:54 da fingen an die sieben teuren Jahre zu kommen, davon Joseph gesagt hatte. Und es ward eine Teuerung in allen Landen; aber in ganz Ägyptenland war Brot.

41:55 Da nun das ganze Ägyptenland auch Hunger litt, schrie das Volk zu Pharao um Brot. Aber Pharao sprach zu allen Ägyptern: Gehet hin zu Joseph; was euch der sagt, das tut.

41:56 Als nun im ganzen Lande Teuerung war, tat Joseph allenthalben Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern. Denn die Teuerung ward je länger, je größer im Lande.

41:57 Und alle Lande kamen nach Ägypten, zu kaufen bei Joseph; denn die Teuerung war groß in allen Landen.

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