Schrenk, Elias - Andachten über das Buch Jesaja

Schrenk, Elias - Andachten über das Buch Jesaja

Jesaja 33,22.

Der Herr ist unser Richter, der Herr ist unser Meister, der Herr ist unser König, er hilft uns.

Der Prophet Jesaias führt in diesen Worten eine heilige Sprache, eine Reichssprache. Er gibt in denselben dem Volk Gottes aller Zeiten seine eigentümliche, gottgewollte Stellung. Der gottlose Mensch redet ja ganz anders: er hat Angst vor Gott als Richter, will nicht unter ihm, als Meister und König stehen, er will sein eigener Meister sein. Es sollte sich zwar von selbst verstehen, dass Gott unser Richter sei; denn er ist ja auch der Gesetzgeber. So lange aber der Mensch die Ungerechtigkeit liebt, flieht er Gott als Richter. Erst dann, wenn wir die Ungerechtigkeit als solche erkennen und durch Gottes Gnade dieselbe verurteilen lernen, stellen wir uns willig unter Gottes Gericht. Wohl dem Menschen, der sich von seinem Gott durchrichten lässt! Er ist ein wunderbarer Richter: er nimmt die Partei aller, die sich unter sein Urteil stellen, und nachdem er sie verurteilt hat, erteilt er ihnen Begnadigung durch Christum, so dass nichts Verdammliches mehr an ihnen ist. So wird das Wort: Jehovah ist unser Richter, zu unserm Ruhm; wir freuen uns, einen solchen Richter zu haben, und stellen uns gerne unter ihn als Meister, dem wir dienen und der uns regiert als König. Wir haben ihn durch unsere Begnadigung so kennen gelernt, dass wir uns mit herzlichem Vertrauen unter ihn stellen und uns von ihm leiten lassen können. Er ist ein liebevoller, geduldiger Meister, der väterlich für seine Leute sorgt, von dem wir nie eine Unbilligkeit oder Lieblosigkeit erfahren dürfen. Er waltet königlich über uns und wir sind von Herzen dankbar, von unserem Selbstregiment erlöst zu sein, das uns so viel Leid bereitete und unter Seinem Zepter der Sanftmut zu stehen. Er schützt uns, hilft uns, auch allen Bedrängern gegenüber und in aller Not, so dass wir sicher wohnen können in seinem Reich. So war es Gottes Weise von Anfang an in Israel, bis sie ihn verwarfen. In Christo kommen mir wieder in Gottes ursprüngliche Ordnung und freuen uns auf die Zeit, wenn die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden sein werden. Offb. 11,13.

O Jesu! Dir nur dien' ich gern, denn Du hast mich erkauft. Ich weiß und will sonst keinen Herrn; auf Dich bin ich getauft. Amen.

Jesaja 40,9.

Siehe, da ist euer Gott.

In seinen letzten Reden warnt der Herr Jesus vor denen, die sagen: „siehe hier ist Christus, siehe da ist er,“ indem er spricht: glaubt nicht. Er will damit sagen: lasst euch von keiner Partei in die Tasche stecken, werdet keine Parteileute, die rufen: „zu uns müsst ihr kommen“, bei uns allein ist das Reich Gottes. In obigem Wort befiehlt aber Jehovah selber zu rufen: siehe, da ist euer Gott! Und eben weil der Herr diesen Ruf ergehen lässt, so ist es kein Ruf zu einer Partei, sondern zu ihm. Er will sagen: öffnet eure Augen und schaut mein Wirken, mein Tun, meine Offenbarung. Nach dem Zusammenhang unseres Textkapitels weisen uns die Worte: siehe, da ist euer Gott! zunächst auf die Zeit Johannis des Täufers hin. In der Wirksamkeit des Täufers sah man Gott. Das Volk wurde bewegt vom Geist Gottes, dem Geist der Buße. Jedem der sehen wollte, wurde es offenbar: Gott der Herr geht gewaltig durch das Volk, um ein Neues zu schaffen, und dieses Neue war, die Aufrichtigen vorzubereiten auf das große „Siehe“: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“. Vor allem bei Jesu Wirken galt das Wort: siehe, da ist euer Gott! Er kam als der Immanuel, Gott mit uns - und wo immer das Evangelium mit Geist und Kraft verkündigt wird, heißt es, siehe, da ist euer Gott! Man sieht die Kraftwirkungen Jesu Christi, des auferstandenen und erhöhten Herrn, und so wird der Ruf besonders erschallen, wenn der Herr wieder kommen wird für die Seinen: siehe, da ist euer Gott; er wird erschallen und durch alle Herzen gehen, wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit zum Schlussgericht. Möge der Herr sich doch auch in unseren Tagen so mächtig erweisen, dass man allerorten auf Sein gnadenvolles Wirken hinweisen könne: siehe, das tut Gott! Möchte man mehr göttliches Tun sehen, und weniger leeres Reden hören.

Erhöhter Heiland! Schenke uns allerorten einen Tag der Gnadenheimsuchung. Amen.

Jesaja 44,22.

Ich vertilge deine Missetat wie eine Wolke, und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir; denn ich erlöse dich.

Was wir gesündigt haben, können wir nicht austilgen, es ist geschehen und in unser Gewissen geschrieben. Auch andere Menschen sorgen dafür, dass unsere Missetat, soweit sie bekannt ist, nicht ausgetilgt wird, man vergisst sie einem schwer. Aber Gott vertilgt unsere Missetat wie eine Wolke und unsere Sünde wie den Nebel. Wie vor der Sonne Wolken und Nebel fliehen müssen und der Himmel wolkenlos und klar sich über uns ausbreitet, so müssen unsere Sünden und Missetaten vor der Sonne der Gnade verschwinden, wie sie in Christo dem Gekreuzigten uns leuchtet. Das ist ein Wunder; aber Gottlob! ein Wunder, das Tausende erfahren haben und das immer aufs Neue erfahren wird. Wir dürfen herzhaft Ernst machen mit diesen Worten. Wir verdunkeln und benebeln die Gnade, wenn wir meinen, es gehöre zum rechten Ernst, etwa zur Heiligung, immer wieder an vergangenen Sünden herum zu machen. Gewiss wird man ernst, wenn man über geschehenen Sünden brütet; aber dient solcher Ernst zur Ehre Gottes? gibt er uns Freudigkeit und Kraft? Nein, er macht uns elend, traurig und kraftlos. Das, was Jesu Blut getilgt hat, brauchen wir nicht immer wieder aufzufrischen, wir verunehren damit die Gnade Gottes. Wenn du die Sünde hasst und lassen willst, so darfst du sie für immer als getilgt ansehen im Blut des Lammes. Schaue auf den Herrn statt auf deine Sünde; in ihm ist Kraft und Stärke zur Erlösung, auch von der Herrschaft der Sünde für Alle, die ihr in Wahrheit entfliehen wollen. Durch Beschäftigung mit vergangener Sünde beflecken wir uns leicht wieder; durch Umgang mit Jesu ziehen wir Licht und Lebenskräfte an, so dass unser inwendiger Mensch erstarkt und wir völlig von unserer Vergangenheit losgelöst werden. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich, spricht der Herr! Lass Herz und Sinn auf ihn gerichtet sein.

Habe Dank! Dass Du auch mein Sündentilger bist. Habe Dank! Dass Du mich zu Dir gezogen hast und mein Erlöser bist. Amen.

Jesaja 50,4.5.

Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie ein Jünger. Der Herr Herr hat mir das Ohr geöffnet und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück.

Was ist bei uns jeden Morgen das Wichtigste? Ein für Gott offenes Ohr. Wie leicht kann ein körperliches Gebrechen, das auch am Morgen müde und matt macht, oder viel Arbeit, die vor Einem liegt, oder Unangenehmes, das unserer wartet, ein Hindernis sein, am Morgen zuerst auf Gott und sein Wort zu hören, ihn mit uns reden zu lassen, ehe wir reden, oder irgendetwas in die Hand nehmen. Nicht nur für den betreffenden Tag, sondern für unsere ganze Gemeinschaft mit Gott, für unsere Heiligung ist es von der allergrößten Bedeutung, dass wir jeden Morgen ein offenes Ohr haben für die Stimme des Herrn, uns von ihm weisen, Herz und Sinn von ihm stimmen zu lassen. Obige Worte redet der Heilige Geist in Beziehung auf unsern Heiland; sie lassen uns einen Blick tun in sein inneres Leben. Der Vater hat ihm jeden Morgen das Ohr geweckt; es war für ihn täglich das Erste, nach oben zu schauen und auf den Vater zu hören. Sein Reden mit dem Vater ist also nicht das Erste gewesen, sondern sein Hören auf den Vater. Alles musste schweigen in ihm und um ihn her; nur eine Stimme wollte er in der Morgenstille hören: des Vaters. Da richtete er Auge und Ohr auf den Vater für den ganzen Tag, und war auch dann gehorsam, als es galt den Todeskelch zu trinken, er wich nicht zurück. Das sind wichtige Winke für die Nachfolge Jesu; sie führen in das Heiligtum und zeigen uns, wo die Quelle unserer Kraft, das Vermögen zum Wachen und Beten zu finden ist, wie wir es lernen in der Gegenwart Gottes zu wandeln. Wie viele Klagen über Zerstreuung und über Schwachheit hört man! Ein großer Teil derselben würde sofort verstummen, wenn diese heilige Weise des Heilandes jeden Morgen die unsere wäre. Machen wir sie zu der unsern; der Herr helfe uns dazu!

Heiliger Jesu! Du weißt, wie viel ich versäumt habe in mancher Morgenstunde. Erbarme Dich meiner und stärke in mir das Verlangen, schon beim Erwachen unverrückt in Dir zu sein und den ganzen Tag in Dir zu bleiben. Amen.


Der Herr Herr hat mir eine gelehrte Zunge gegeben, dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.

Von unserem sanftmütigen und von Herzen demütigen Heiland sagt schon Jesajas in Kap. 42,2.3: Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Ja, unser Heiland hat mit den Müden und Elenden freundlich und tröstlich geredet und hat sie erquickt. Alle, die zu ihm kamen haben bei ihm Trost und Hilfe gefunden. Wie viele Elende und Müde gibt es nicht in dieser argen Welt! Für diese braucht der Herr Jünger, denen Er seine Zunge geben kann, die reden können, wie er. Wer ist hierzu tüchtig? Wie lernen wir solches Reden? Wir lernen mit den Müden nur dann mit Jüngerzungen reden, wenn der Herr zuerst mit uns, als mit Müden hat reden können. Wie lange muss der Heiland oft warten, bis wir recht müde geworden sind, bis unsere eigene Kraft gebrochen ist, und wir zugleich so gedemütigt sind, dass wir froh, herzlich froh sind, wenn er das müde, trostbedürftige Herz erquickt, und wir bei ihm Ruhe finden. Solche Menschen, die selber müde gewesen sind, die elend am Wege lagen, und von dem barmherzigen Samariter aufgehoben und getröstet wurden, bekommen, wie der Prophet wörtlich sagt, eine Jüngerzunge, mit den Müden zu rechter Zeit erquicklich zu reden, von dem, was der Herr an ihnen getan hat. Getröstete können trösten; Erquickte können erquicken; Gebeugte können sich freundlich neigen zu denen, die im Staub liegen. Wie bald merken es die Müden, wenn man aus Erfahrung zu ihnen redet! Wie leicht ist man hart, redet von oben herab und verletzt, stößt zurück! Wie wichtig ist schon der rechte Ton! Nur Jesu Geist kann uns die rechte Zunge, die rechten Worte und den rechten Ton geben.

Herr Jesu! Wo ich nicht sanftmütig, demütig und freundlich gewesen bin, da vergib mir. Gib mir ein Jüngerherz und eine Jüngerzunge zu reden wie Du. Amen.

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