Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel I.

Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel I.

Was wir in Adam verloren haben, finden wir ganz und vollkommen in Christo wieder.

Col. 2, 3.: In Christo sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntniß verborgen.

Der Mensch ist von Gott aus einem Erdenkloß geschaffen und gebildet, und durch lebendigen Odem 1 Mos. 2, 7. mit einer lebendigen, unsterblichen Seele begabt, welche geziert worden mit vollkommener Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Seligkeit, als mit dem Bilde Gottes. Denn wo die Weisheit Gottes ist, da ist auch die Seligkeit, und wo die Seligkeit ist, da ist auch die Weisheit Gottes, Weish. 7, 28.: „Es gefällt Gott Niemand, er bleibe denn in der Weisheit“. Also hat dem Menschen Nichts gemangelt im Paradies. Aber nachdem er sich durch Verführung der Schlange von Gott abgewandt, und in die Sünde gefallen, ist dies Bildniß Gottes im Menschen verblichen, und er ist solcher Weisheit beraubt worden, daneben auch in die Gewalt des Teufels, Todes und alles Elendes gerathen. Denn indem durch seine Uebertretung das göttliche Bild ganz verdorben, sah und befand der Mensch nach dem Fall Nichts mehr, denn seinen eigenen Schaden, Trübsal, Blindheit und Verdammniß.

2. Damit aber Adam, das ist, alle Menschen in Adam nicht ganz verdürben, ward Gott selber Mensch, das ist, er ließ seinen Sohn Mensch geboren werden von einer Jungfrau. Derselbe Sohn hat uns wiederum den Weg der Seligkeit und Weisheit gezeigt mit seiner Lehre und Leben, als mit seinem Vorbild und einer Form, welcher wir sollen nachfolgen. Denn indem er durch seinen bittern Tod uns erlöst hat von allen Sünden, befiehlt er auch daneben, daß „wir wandeln sollen, gleichwie er gewandelt hat“, 1 Joh. 2, 6.

3. Also werden wir durch den Glauben aus ihm wiedergeboren zu Kindern Gottes, und werden Söhne und Kinder in dem Sohn. „Denn gleichwie er ist, also sind auch wir in dieser Welt“, 1. Joh. 4, 17.

4. In diesem Sohn „sind verborgen alle Schätze der Weisheit Gottes“, Col. 2, 3. Denn was wir in Adam verlieren, finden wir in Christo ganz und vollkömmlich wieder, Röm. 5, 18. 19.

5. Wollen wir aber in dieser Zeit den Anfang solcher Schätze schmecken, und die Weisheit besitzen, so muß es durch Beten, Suchen, emsiges Anklopfen geschehen. Denn Niemand mag in das Reich Gottes kommen, er wandle denn in der neuen Geburt, und bitte denn darum. Niemand mag von Sünden los, vom Teufel errettet werden, er thue denn Buße, und bete im Namen Christi. Denn obschon alle Güter durch Christum zuvor erlangt und erworben sind; so mag doch keiner derselben theilhaftig werden, ohne durch den Glauben, durch welchen er auch muß beten, suchen und anklopfen. In Summa: es muß Alles von oben herab durch's Gebet erlangt werden, Jac. 1, 17.

Gebet um die Erlangung der verlornen Güter.

O ewiger Vater und Gott! lehre mich durch deinen Geist erkennen, daß gleichwie ich in Adam sterbe und Alles verliere, ich auch in Christo wieder lebendig werden, und Alles reichlich wieder erlangen möge. Hilf, daß ich mir selbst absterbe durch tägliche Reue und Buße, mich dir ganz lasse und ergebe; so werde ich gewiß in Christo, meinem Erlöser, alle verlornen Güter wieder erlangen und überkommen. Amen.

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