Passavant, Theophil - Abraham und Abraham's Kinder - 28. Ungeduld.

Passavant, Theophil - Abraham und Abraham's Kinder - 28. Ungeduld.

Ja, mein Freund, und wie wir's anfangs sagten und sahen, Abraham war dennoch groß vor Gott: s. §. 2. Freilich, unter uns gesagt, es wird Einem leicht und gerne einfallen, groß vor den Menschen zu werden; aber groß vor Gott zu werden, das fällt uns weit seltener ein; es sind auch - wenn's dies betrifft, ganz andere Sachen, dem lieben Fleisch und Blut so ziemlich fremd; ist auch nicht selten, als bringe uns das Eine so viel, das Andere so gar wenig ein, als liege an dem Einen Alles, an dem Anderen Wenig oder Nichts; auch mag man vielleicht den Leuten Vieles zu Liebe thun, übernimmt die schwersten Arbeiten, nimmt die größten Lasten auf sich, und bringt oft Opfer ohne Zahl und Namen; um des Anderen - das ist: um Gottes willen, thut man aber oft nichts, und übernimmt nichts; läßt sich nichts stören, nichts mangeln, nichts nehmen; das Auge siehet da keinen näheren Zweck und kein Ziel; das Herz ist müßig, die Gedanken schweigen, oder heißt es in des Herzens Stille: Was wird uns dafür? Darum urtheilet man auch leicht so unrichtig und unbillig, wenn's Die gilt, welche groß vor Gott gewesen, und haben nicht überall nach unsern feineren Begriffen von Sittlichkeit und Tugend gethan, haben in gewissen Stücken vielleicht ganz anders gelebt, als es heute billig Christen thun; wir thun oft, als wie die von dem Kinde fordern wollten, was dem Jünglinge gebühret, und dem Jünglinge zumuthen, was nur des Alters Erfahrung und Würde gewähren. So staunen wir auch bei den Erzvätern Sclaven zu sehen, und bei einem David, einem Jacob, selbst bei Abraham, die Vielweiberei als Sitte zu finden; wir sind um Jahrhunderte weiter in dieser Welt gekommen, und richten sie darnach. Sage: bei all diesem Staunen und Tadeln, bei allen unsern feineren Sitten und anständigen Geberden, sind wir darum Alle so viel freier und reiner im Verborgenen des Herzens, denn es Jene waren? Alle Gott angenehm und werth? Ich denke: es ist viel grober und feiner Schein in so mancher feinen Sitte und Tugend; es gibt viel Heuchelwesen in der Welt, auch in der edeln, feinen Welt; und ist all ihr schönes Thun und Leisten und Opfern, Gott nicht immer ein Opfer süßen Geruchs. Er aber kennt die Seinen. 2. Tim. 2,19.

Die Jahre verstrichen, Abraham harrte stille der großen Verheißung; er glaubte es fest, daß ein Sohn seines Leibes den irdischen und den überirdischen, ewigen Segen erben würde; Sara aber war nicht jeder Zeit gläubig und nicht immer gesinnet, wie ihr Mann gesinnet war. Diese Mutter Israel hat ein schönes Lob in der Schrift; sie war Eine unter jenen heiligen Weibern der Vorzeit, geschmückt mit jenem unvergänglichen Wesen des sanften und stillen Geistes, das köstlich ist vor Gott; die da ihre Hoffnung auf Gott setzten, und waren ihren Männern unterthan; so war sie Abraham unterthan, und hieß ihn Herr (l. Pet. 3,4. f.); sie war an Abraham's Leitung und Weise gewöhnet, und hat auch das Zeugniß, daß sie des Glaubens war. Aber sie trug's, mitten im fremden Lande, schwer, von so vielen Knechten und ihren Weibern, von deren Kindern und Kindeskindern, umgeben, - selber unfruchtbar und kinderlos zu sein. Des Hauses Fürstin und Mutter, hatte sie wohl Vieles zu lenken und regieren, zu rathen und ordnen, und mahnen, und wehren, wie's einem gottseligen Weibe geziemet; - je größeres Gut, je zahlreicher sind auch die Knechte, die Mägde; Reichthum bringet nicht immerdar Muße noch ruhige Stunden, und großer Raum mehret Arbeit und Sorgen. Aber Alles in ihren stillen Stunden, oder in allen Arbeiten, in den weiten Gemächern des Haushalts, erinnerte sie immer wieder und schmerzlich daran: es fehlet dir ein Kind. Kinderlosigkeit war in jenen rauhen Zeiten der Unwissenheit eine harte Heimsuchung. So gab's Leiden indem großen und gesegneten Zelte, und düstere Zeiten, Stunden der Traurigkeit, und auch der Ungeduld, des Unmuths. Die große Verheißung wurde zwischen Sara und ihrem Manne, als ihr großer, seliger Schatz, in ihren Herzen getragen; sie verlor aber leicht von ihrer Lebendigkeit und Freude in dem Einerlei des alltäglichen Wesens, und Mann und Frau mochten sich wohl nicht mit Knechten und Mägden, unverhohlenen Herzens, ihres heiligen Geheimnisses freuen. Da heißt es: Sarai, Abram's Weib, gebar ihm nichts. Sie hatte aber eine egyptische Magd, die heiß Hagar. Und sie sprach zu Abram: Siehe, der Herr hat mich verschlossen, daß ich nicht gebären kann; Lieber, lege dich zu meiner Magd, ob ich doch vielleicht aus ihr mich bauen könnte. 1. Mos. 16,1.2.

Sara meinete, sie würde Hagar's Kind an Kindes Statt annehmen, und so sich durch sie ein Haus, eine Familie, bauen. So sprach die kinderlose Rahel auch zu Jacob, ihrem Manne: Siehe, da ist meine Magd Bilha; lege dich zu ihr, daß sie auf meinem Schooß gebäre, und ich auch durch sie erbauet werde. 1. Mos. 30, 3. s. Ruth. 4, . - Sitten kindlich roher Menschen, um der Schwachheit alles Fleisches willen, damals unter göttlicher Geduld getragen. s. Matth. 19,7 f.

Und Abram gehorchte der Stimme Sarai. Es war ein Mitleiden mit Sara's Leid; es ging menschlich, allerdings, und wohl auch fleischlich zu; wir sehen's jedoch: ohne seines Weibes ungeduldiges Begehren hätte es der Mann Gottes nicht gethan; er war und blieb nachher, nach unserer Weise, getreu dem ehelichen Bunde gegen den Willen des Fleisches und die Sitte der Zeit.

Da nahm Sarai, Abram's Weib, ihre egyptische Magd, Hagar, und gab sie Abram, ihrem Manne, zum (Kebs) Weibe, nachdem er zehn Jahr im Lande Canaan gewohnt hatte. Und er legte sich zu Hagar: die ward schwanger. V 2 - 4.

Es gehet den lieben Leuten nach Wunsch; und wird doch Einem bange. Bist jung, und zählest noch nicht viele Jahre; hast es dennoch vielleicht schon in deinem Theile gelernet, wie Gott so Manches gewähret, oder es nur nicht immer ausdrücklich untersagt, und läßt uns frei unsere Wege gehen; - es kommen aber, früh und spät, Zeiten und Stunden, wo eintrifft was man nicht bedacht, und was man auch nicht begehret; d. i. unsere Werke folgen uns nach; nach jenem deutlich klaren Worte: Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist ernten ewiges Leben: Gal. 6,7.8.

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