Luther, Martin - Tischreden - Von dem Heiligen Geist
1. Von dem Amt des Heiligen Geistes.
Der Heilige Geist hat zweierlei Amt. Zum Ersten, ist er ein Geist der Gnade, der uns Gott gnädig, und uns zu lieben und angenehmen Kindern Gottes macht. Zum Andern, ist er ein Geist des Gebets, der für uns und die ganze Welt bittet, dass alles Übel von uns abgewandt werde, und allerlei Gutes uns widerfahre. Der Gnadengeist lehrt andere Leute; aber der Geist des Gebets betet, dass Gottes Name geheiligt werde, Wunder ist's, dass ein Ding auf mancherlei Weise und Art geschieht und ausgerichtet wird. Ein ander Ding ist's, den Heiligen Geist haben; ein Anderes ist es, die Offenbarung des Heiligen Geistes, denn Viele haben den Heiligen Geist vor Christi Geburt gehabt, und ist ihnen doch nicht offenbart. Wir unterscheiden den Heiligen Geist nicht vom Glauben, er ist auch nicht dawider; denn er ist die Gewissheit selbst im Wort, der uns des Worts gewiss macht, dass wir daran nicht wanken, sondern ohne allen Zweifel auf das Allergewisseste glauben, es sei also und anders nicht, als wie uns Gottes Wort es vorträgt und sagt. Er wird aber Niemand ohne und außerhalb des Worts, sondern durch das Wort gegeben.
Da sprach Dr. Henning: Da ihr sagt, dass der Heilige Geist sei die Gewissheit gegen Gott, das ist, dass Einer seines Sinnes gewiss sei, so haben alle Sekten den Heiligen Geist, denn sie wollten trauen ihrer Religion und Lehre auf das Allergewisseste sein.
Dr. Martin Luther aber sagte: Mahomet, die Papisten, Sakramentierer, Wiedertäufer und andere Rottengeister haben keine Gewissheit, können auch ihres Dinges und Sinnes nicht gewiss sein; denn sie hängen nicht an Gottes Wort, sie haben auch Keines recht, sondern an ihrer Gerechtigkeit, da Das oder Jenes geschieht und getan wird, oder deuten und glossieren und verstehen Gottes Wort nach ihrer Vernunft. Und, wenn sie gleich viele und große Werke tun, sind sie doch stets im Zweifel, und müssen denken: Wer weiß, ob's Gott gefalle? ob ich genug getan habe? ich bin unwürdig. Aber ein rechter gottesfürchtiger Christ ist zwischen diesen zweien gewiss, und spricht: Ich frage Nichts danach, ich sehe nicht an weder meine Heiligkeit noch Unwürdigkeit, sondern ich glaube an Jesum Christum, der ist heilig und würdig, und gibt sich mir zu eigen mit aller seiner Heiligkeit, und mit Allem was er ist und hat, ich sei heilig oder unheilig; für meine Person bin ich ein armer Sünder, des bin ich gewiss aus seinem Wort. Darum kann allein der Heilige Geist sagen: Jesus Christus ist der Herr, er lehrt, predigt, preist und verklärt Christum, die Andern allzumal verfluchen Jesum.
Der Heilige Geist ist der Erste, was das Lehren anbelangt, aber was das Hören betrifft, so ist das Wort erst und geht vor, der Heilige Geist hernach das Erste; denn das Wort muss man am Ersten hören, dadurch wirkt der Heilige Geist im Herzen bei wem und wann er will, ohne das mündliche Wort wirkt der Heilige Geist nicht.
2. Wann der Heilige Geist angefangen hat sein Amt auszurichten.
Der Heilige Geist hat am Pfingsttage des Neuen Testaments angefangen, sein Amt und Werk öffentlich auszurichten; wie Christus ihn nennt einen Tröster und Geist der Wahrheit, Joh. 15, 26. Denn er hat den Aposteln und Jüngern einen rechten gewissen Trost in das Herz, und einen sichern, freudigen Mut gegeben, dass sie Nichts danach fragen, ob die Welt und der Teufel lustig oder unlustig, Freund oder Feind sei, zürne oder lache; sie gehen daher in aller Sicherheit auf den Gassen der Stadt, und denken also: Hier ist weder Hannas noch Caiphas, weder Pilatus noch Herodes Etwas, sondern wir aber sind Alles: Jene allzumal sind unsere Untertanen und Knechte, wir sind ihre Herren und Obersten. So treten sie daher aufs Allermutigste, ohne Urlaub, und fragen nicht zuvor, ob sie predigen sollen, oder ob die Priester und Leviten zu Jerusalem auch Ja dazu sagen, sondern treten frei hervor, und tun das Maul frisch auf, strafen und schelten alles Volk, Beide, Obersten und Untersten, als Mörder, Bösewichter und Verräter, die den Fürsten des Lebens getötet haben. Apg. 3., V. 15. Und solcher Geist ist den Aposteln und Jüngern zu der Zeit auch von Nöten gewesen, gleichwie er auch noch heutiges Tages uns von Nöten ist.
Denn man gibt uns auch Schuld, wie den Aposteln, dass wir Aufrührer seien, dass wir der Kirche Einigkeit trennen, und was nur Böses geschieht, das, sagt man, geschehe unserthalben und von uns. Zuvor, unter dem Papsttum, (schreien jetzt unsere Lästerer,) war es nicht so böse; jetzt aber, nun diese Lehrer gekommen sind, hat sich alles Unglück gefunden, teure Zeit, Krieg und der Türk. Das Alles geben sie unsrer Predigt Schuld, und wenn sie uns die Schuld auflegen könnten, dass der Teufel aus dem Himmel gefallen ist, ja, dass wir Christum gekreuzigt und getötet hatten, so würden sie es nicht lassen. Darum ist uns des Heiligen Geistes Pfingstpredigt auch von Nöten, auf dass wir können getrost sein, und solche Lästerung fröhlich verachten. Er macht uns ein Herz und Mut, dass wir hindurch reißen, es ärgere sich gleich wer da wolle, man lästere uns wie man wolle, und entstehen gleich Rotten und Sekten, kehren wir uns doch nicht daran. Solcher Mut muss da sein, der Nichts danach frage, sondern der Christum, welcher so schändlich gerichtet, verdammt und getötet ist, frei, unerschrocken bekenne und öffentlich predige. Denn das ist des Evangelii Art und Eigenschaft, dass es die törichte, ärgerliche Predigt ist, die allenthalben in der Welt verworfen und verdammt wird.
Wenn das Evangelium keinen Bürger noch Bauer, keinen Bischof noch Fürsten erzürnte, so wäre es eine feine, süße Predigt, wäre gut zu predigen, und die Leute würden sie gerne hören und mit Lust annehmen. Aber weil es eine solche Predigt ist, die die Leute erzürnt, sonderlich was hoch, gewaltig, weise und gelehrt ist und sein in der Welt, so gehört ein Mut und der Heilige Geist dazu, wer sie predigen und lehren soll, nämlich dazu, dass die armen Bettler und Fischer, die Apostel, auftreten und also predigen sollen, dass sie den ganzen Rat zu Jerusalem erzürnen, und das ganze Regiment, den geistlichen Stand und dazu den römischen Kaiser auf sich laden; ja, was noch mehr ist, das Maul so weit auftun und sagen: Ihr seid Verräter und Mörder rc., und warten, dass sie darüber auf das Maul geschlagen werden, das ist und kann nicht ohne den Heiligen Geist geschehen. Darum ist der Heilige Geist mit der Pfingstpredigt unser Trost und Freude, dass wir Nichts nach der Welt Zorn und Lästerung fragen. Dieselbige Predigt macht so fröhliche Leute in Christo, die um Christi willen Alles dürfen wagen, und bereit sind um seinetwillen zu leiden.
Es ist ja eine treffliche Kühnheit und großer Durst der Apostel und Jünger, dass sie Solches am Pfingsttage predigen dürfen öffentlich. Wer dürfte so kühn sein und so predigen? Als, wenn Einer von geistlicher und weltlicher Obrigkeit zum Tode verurteilt und öffentlich gerichtet wäre, und wäre dazu sieben Wochen lang in solcher Verdammnis des Todes geblieben, und ich sollte auftreten, und Dem ganzen Regiment, dem geistlichen und weltlichen widersprechen, den Verurteilten und Getöteten rechtfertigen, und den Richter und Das ganze Regiment verdammen, und sagen: Ihr habt gehandelt als die Verräter und Bösewichter, dass ihr den gerichtet und erwürgt habt, der vor Gott und der Welt allerdings unschuldig ist: ja, was noch mehr ist, ihr habt gehandelt als die Gottes Verräter, dass ihr euern Herrn Gott verleugnet und gekreuzigt habt. Das ist eine Kühnheit und Durst, wie Lukas klar anzeigt, Apg. 3, 14.
Wunder ist's, dass die Hohenpriester, samt dem Landpfleger Pontius Pilatus, nicht alsbald zugefahren sind, und diese Prediger alle zur selben Stunde erwürgt haben. Wenn unser Landesfürst Einen an den Galgen hängen ließe, und ich wollte etliche Wochen danach auftreten, und dem öffentlich-ergangenen Urteil und Gericht widersprechen, und sagen: Man hätte dem Erhenkten nicht allein Gewalt und Unrecht getan, sondern er wäre auch von den Toten auferstanden und lebte, ja, er wäre aller Welt Herr und Gott. Wenn ich so predigen wollte, möchte ich gewarten, was mir darüber begegnen würde.
Es lautet wohl aufrührerisch, dass die Apostel auftreten, und von dem gekreuzigten Jesu von Nazareth predigen, wider geistliche und weltliche Obrigkeit, dennoch müssen sie sich Beide, Hohepriester und Pilatus, fürchten, sind auch nichts Besseres wert, denn dass sie sich fürchten, da wo Nichts zu fürchten ist, auf dass Gott seine Kraft beweise in den Schwachen. Also, sage ich, geht die Christenheit an in öffentlicher Schwachheit, und ist doch in derselben Schwachheit so große mächtige Gewalt und Kraft, dass sich alle Weisen und Gewaltigen davor entsetzen und dieselbe fürchten müssen.
3. Was der Heilige Geist sei.
Die Heilige Schrift zeugt, und das Nicänische Symbolum bekennt und lehrt aus der Heiligen Schrift, dass der Heilige Geist sei, der da lebendig macht, und der mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und zugleich geehrt wird. Darum muss der Heilige Geist auch wahrer, ewiger Gott sein mit dem Vater und dem Sohn in einerlei Wesen. Denn, wenn er nicht wahrer, ewiger Gott wäre, so könnte ihm die göttliche Macht und Ehre, dass er lebendig macht und mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und geehrt wird, auch nicht zugeeignet werden; wie die heiligen Väter Solches aus der Schrift wider die Ketzer kräftiglich erstritten und erhalten haben.
4. Des Heiligen Geistes Amt.
Der Heilige Geist ist ein ewiger, allmächtiger Gott, wie wir in unserem christlichen Glauben glauben und bekennen; demselben gibt der Herr Christus sonderliche Namen, und heißt ihn 1) einen Strafer, der die Welt strafe, um der Sünde willen rc. 2) Einen Tröster. 3) Einen Geist der Wahrheit. 4) Dass er vom Vater ausgehe, und also wahrer, ewiger, allmächtiger Gott mit dem Vater und Sohne ist. 5) Dass er von Christo zeuge rc.
5. Womit tröstet der Heilige Geist? und warum heißt er ein Tröster?
Antwort: Die Welt, spricht Christus, wird euch als Ketzer und Aufrührer in Bann tun und würgen, und meint noch, sie tue Recht daran, ja Gott einen Dienst; Joh. 16, 2, 3., und ihr müsst Unrecht haben, dass Jedermann sprechen wird: Ei! dem Ketzer geschieht recht, man soll nicht wollen, dass es ihm anders, gehe. Da wird denn euer Gewissen auch schwach sein, dass ihr oft werdet denken: wer weiß, ob ich's auch recht gemacht habe? Ach! ich habe ihm zu viel getan. Müsset also vor der Welt und in euren Gewissen Unrecht haben.
Weil ich nun weiß, wie es euch gehen wird, dass ihr bei euch selbst wenig und in der Welt gar keinen Trost werdet finden, so will ich euch in solcher Not nicht stecken lassen, will euch nicht so in den Schlamm hinein führen, dass ihr darinnen ersaufen sollt; sondern wenn kein Trost mehr in der Welt ist, und ihr gar erschrocken und blöde send, will ich euch den Heiligen Geist senden, der ein Tröster heißt und ist. Derselbe soll euch im Herzen wider alles Verzagen zusprechen, und sagen: Sei getrost und unverzagt, kehre dich nicht an der Welt Urteil, auch nicht an deine Gedanken, sondern halte dich an das, das ich dir sage! Denn der Heilige Geist führt darum den Namen, dass er ein Tröster heißt, und nicht ein Betrüber; denn wo Traurigkeit und Betrübnis ist, da ist der Heilige Geist, der Tröster, nicht daheim: der Teufel ist ein Schreckgeist und Betrüber, aber der Heilige Geist ist ein Tröster.
6. Warum heißt er ein Geist der Wahrheit?
Antwort: Er soll nicht ein Tröster sein, wie in der Welt Trost ist, da keine Wahrheit noch Bestand ist, sondern soll ein wahrhaftiger, ewiger, beständiger Trost sein, ohne Falschheit und Lügen, der Niemand betrügen kann.
7. Warum heißt er ein Zeuge?
Antwort: Darum, dass er von Christo, und sonst von keinem Andern, zeugt; außer diesem Zeugnis des Heiligen Geistes von Christo ist kein gewisser, beständiger Trost. Darum liegt Alles an dem, dass man diesen Text gewiss fasse und fest halte, und sage: Ich glaube an Jesum Christum, der für mich gestorben ist, und weiß, dass der Heilige Geist, der ein Zeuge und Tröster heißt und ist, von Niemand predigt oder zeugt in der Christenheit, alle Betrübten zu trösten und zu stärken, als von Christo, dabei will ich auch bleiben, und mich sonst an keinen Trost mehr halten. Denn, sollte ein besserer oder gewisserer Trost sein, als dieser, der Heilige Geist würde ihn auch bringen; aber er soll nicht mehr tun, als von Christo zeugen. Der Trost soll nicht fehlen, wenn wir uns nur fest daran halten und glauben, dass es wahr und des heiliger. Geistes Zeugnis sei.
8. Zeugnisse aus der Heiligen Schrift, dass der Heilige Geist auch Gott, und doch eine andere Person, denn der Vater und Sohn sei.
Wir dürfen hier nicht Menschen glauben, Christus, unser Heiland und unsere Seligkeit selbst, bezeugt und predigt uns aufs Allerfeinste, dass der Heilige Geist ewiger, allmächtiger Gott sei, sonst würde er seinen Befehl von der heiligen Laufe nicht also stellen, da er spricht: Geht hin und lehrt alle Völker, und tauft sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes, und lehrt sie halten Alles, was ich euch befohlen habe, Matth. 28, 19, 20. Weil er aber den Befehl mit ausdrücklichen Worten also stellt, so muss folgen, dass der Heilige Geist rechter, ewiger Gott sei, in gleicher Macht und Gewalt mit dem Vater und Sohn von Ewigkeit her. Sonst würde ihn Christus in solchem Werk, darauf Vergebung der Sünde und ewiges Leben steht, neben sich und seinen Vater nicht setzen.
Also spricht er auch, Johann am 14., V. 16, 17: Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch bleibe ewig, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Diesen Spruch merkt ja wohl, denn da findet man den Unterschied zwischen allen drei Personen auf das Allerfeinste stehen. Ich, spricht er, will den Vater bitten, (hier hat man zwei Personen, Christum, den Sohn, der da bittet, und den Vater, der da gebeten wird), dass er einen andern Tröster geben soll. Soll nun solchen Tröster der Vater geben, so kann solcher Tröster nicht der Vater selbst sein. Christus, der um solchen Tröster bittet, kann auch derselbe Tröster nicht sein; wie er spricht: Er wird euch einen andern Tröster geben. Es sind also die drei Personen hier sehr deutlich abgemalt, dass man nicht vorüber kann. Eben wie der Vater und der Sohn zwei verschiedene Personen sind, also ist die dritte Person des Heiligen Geistes eine andere Person, denn des Vaters und Sohnes, und ist doch nur ein einiger, ewiger Gott.
Was aber solche dritte Person sei, lehrt Christus, Johann 15., B. 26., da er also sagt: Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir rc. Hier redet Christus nicht allein vom Amt und den Werken des Heiligen Geistes, sondern auch von seinem Wesen, und sagt: Er gehe vom Vater aus; das ist so viel gesagt, dass sein Ausgang ohne Anfang und ewig sei; denn der Vater, davon der Heilige Geist ausgeht, ist ohne Anfang, und ewig. Darum geben ihm die heiligen Propheten den Namen, und heißen ihn den Geist des Herrn. Joel 3., V. 1, 2.