Henhöfer, Aloys - Das Wesen des Christentums
Das tätige Christentum ist nicht groß und mannigfaltig; sondern kurz und einfach, und so kurz als möglich es darzustellen ist meine Absicht, damit auch der gemeine Mann leicht eine Übersicht bekommen, und dasselbe mit Kopf und Herz fassen kann.
Der Mensch und der Acker werden oft, und selbst von Christus mit einander verglichen, und dies nicht ohne schönen erhabenen Sinn, denn wie der Acker, so der Mensch. Der Acker von Natur und ohne Bebauung trägt Distel und Dornen 1. Mosi 3, 17-18., so trägt der Mensch von Natur und ohne Bebauung Unkraut und Böses. Dies ist Folge des so bekannten Sündenfalles, der Erbsünde. Von dieser Sünde zeugt uns die Schrift Ps. 50. 51, 7 Matth. 15, 19. Röm. 1, 10, 18, 23 Eph. 2, 1-3. und eigene Erfahrung. Da aber die wenigsten Menschen dies Übel, und also die Schlange im eigenen Busen kennen, will ich hier nur einige Merkmale als Fingerzeige zum weitern Nachdenken und zu der so nötigen Selbstkenntnis angeben.
Aller Welt Sünde, spricht der heilige Johannes in seinem ersten Briefe 1 Joh. 2, 16., ist Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens, und hiervon findet jeder die Bestätigung in sich.
Unter allen aber am größten, tiefsten und dem Menschen am verborgensten ist Hoffart des Lebens, Hochmut, Stolz, oder wie man es sonst noch nennen mag. Die Äußerungen hiervon sind folgende:
Der Mensch will alles können und verstehen, besser können und verstehen als Andere; er kritisiert Alles, spricht über alles ab, verachtet Andere gegen sich, Joh. 7, 49. Er lobt sich, und ist gerne gelobt, erzählt seine Kenntnisse, Geschicklichkeit, und hat gerne, wenn andere davon reden; er rühmt das Gute, das er an Anderen getan, die Taten, die er verübt hat, und sucht oft Ehre in seiner Schande. Will jemand nicht glauben, sein Verdienst nicht anerkennen, so wird er zornig und böse, er ruft Gott zum Zeugen an, verschwört sich, oder klagt über die undankbare und ungerechte Welt; und dies alles ist nun weiter nichts als Äußerung des im Menschen wohnenden Stolzes.
Der Stolze bildet sich etwas ein auf seinen ehrbaren Wandel, rühmt bei jeder Gelegenheit, dass man ihm nichts Schlechtes nachsagen könne, dass er nicht gestohlen, nicht Ehe gebrochen oder sonst etwas Böses verübt, sondern Gott gegeben habe, was Gottes, und dem Nächsten, was des Nächsten ist, auch in seinem Leben noch nie vor Amt oder sonst einer Obrigkeit gestanden sei. Luk. 18, 11. 12. Er tut dagegen manches Gute, und unterlässt manches Böse. Matth. 6, 1-18, spricht oft in seinem Sinn und mit Worten: Es ist eine Schande, oder ich würde mich schämen, so zu handeln, was würden die Leute sagen! ist er gekränkt, so hört man oft die Sprache: Der Mensch ist mir zu schlecht, als dass ich mich mit ihm abgeben mag. Dies alles ist nun weiter nichts als Äußerung des im Menschen wohnenden Stolzes.
Der Stolze verbirgt seine Fehler, versteckt sie, gesteht sie nicht gerne ein, entschuldigt sie, lügt, und wird böse, wenn sie ihm Jemand aufdeckt Mark. 6, 19. oder auch nur das Geringste ihm nachsagt. Dagegen sucht er Fehler an Andern auf, macht sie bekannt, richtet Marc. 2, 24., tadelt, zuckt die Achseln, und sagt andern Böses nach. Mark. 3, 21-30. Matth. 11, 19 12, 24.
Er bildet sich etwas ein auf Amt und Macht, Joh. 19, 10. auf Abstammung Joh. 8, 39 auf Religion, verachtet Andere ihrer geringen Herkunft wegen Mark. 6, 3., ist gerne vorgezogen, trachtet nach Titeln, Rang und Amt Mark. 10, 37, will überall den ersten Platz haben, auf Straßen zuerst gegrüßt sein Matth. 23, 5-7 und kann nicht leiden, wenn andere Vorzüge verlangen Mark 10, 41, vorgezogen Luk. 15, 28 oder auch nur gelobt werden. Er befiehlt gerne, will aber Niemand gehorchen, unter Niemand stehen, und sich von Niemand befehlen lassen.
Er will überall in Ansehen stehen, gesehen sein, glänzen, Aufsehen erregen, und macht daher über Stand und Not Aufwand in Kleidung, in der Haushaltung, im Essen, mit Bedienten, mit Pferden, oder sonst auf eine Art.
Er will überall beliebt, als artiger, aufgeklärter Mann bekannt sein und gelten, und ist daher höflich, oft übertrieben höflich, nachgiebig, Christ bei Christen, Welt bei der Welt, lobt und schilt, bekennt Christum und verleugnet ihn wieder; gefällig, nur um nirgend zu verstoßen, oder von seinem Ruhm zu verlieren.
In allen Dingen hat er gerne Recht, das letzte Wort, kann keinen Widerspruch ertragen, ist schnell beleidigt, schnell zornig schilt, wenn er gescholten, schlägt, wenn er geschlagen wird, wie auch das Tier, wie auch der Hund beißt, wenn er gebissen wird; er fängt Händel an, flucht, schwört, verlangt überall Satisfaktion, trägt Feindschaft und sinnt auf Rache. Dies alles ist nun weiter nichts als Äußerung des im Menschen wohnenden Stolzes.
Der Stolze will Gott sein, wie sein Stammvater Adam. Und dies liegt nun nicht bloß in einem, oder dem andern Menschen, sondern es liegt in jedem Menschen ohne Ausnahme des Standes, Landes, Alters und Geschlechtes 1 Joh. 5, 19 Dies ist der Sündenfall, die Erbsünde. Darum o Mensch schau in dein Herz, und lerne dich selbst kennen.
Die zweite Hauptsünde des Menschen und menschlichen Verderbens ist: Augenlust, Anhänglichkeit an die Güter der Erde, Habsucht, Geiz oder wie man es nennen mag.
Die Äußerungen sind folgende:
Der Mensch will immer weiter haben, von 100 zu 100 fl., ist mit nichts zufrieden, klagt immer, fängt Streit und Händel an beim geringsten irdischen Verlust, macht immer Pläne, rechnet zusammen, zählt sein Geld, wechselts in schöne Stücke aus, rauft sich halb die Haare aus, wenn seine Pläne gescheitert, wohl gar mit Verlust gescheitert sind; er gönnt sich Tag und Nacht keine Ruhe, arbeitet über Kräfte, er getraut sich kaum zu essen, nichts zu trinken, er ist hartherzig, gibt nicht gern Almosen, tut nichts ohne Geld, lässt sich aber fürs Geld zu allem gebrauchen, er verlangt nach fremdem Gute, hat tausend Wünsche, beneidet andere, stiehlt und betrügt im Handel und Wandel, im Maß und Gewicht, ackert seinem Nachbar Furchen ab, er treibt Wucher, nimmt hohe Zinsen, macht viele und große Diäten, übersetzt seine Waren, sucht andere um Verdienst und Geld zu bringen, kurz wie Adam im Paradiese alle Bäume wollte, den letzten nicht ausgenommen, so will auch er allen Reichtum der Welt, will Herr der Welt sein, wie sein Stammvater Adam. Dies ist nun weiter nichts, als Äußerung des im Menschen wohnenden Geizes.
Und davon ist kein Mensch ausgenommen, vom Größten bis zum Kleinsten, vom Vornehmsten bis zum Geringsten, vom Fürsten bis zum Bettler, vom Papste bis zum ärmsten Mönche. Dies ist der Sündenfall, die so bekannte Erbsünde. Darum o Mensch merk auf dein Herz, und lerne dich selbst kennen.
Die dritte Hauptsünde des Menschen und menschlichen Verderbens ist: Fleischeslust.
Ihre Äußerungen sind folgende: Der Mensch wünscht und sucht nur das, was seinem Körper, seinem Fleische angenehm ist und schmeichelt, als: langes Schlafen, weiche Betten, kostbare Speisen, ausgesuchte Getränke, herrliche Mahlzeiten, Übermaß im Essen und Trinken, Unkeuschheit, Missbrauch der ehelichen Gemeinschaft, Ehebruch. Wie Adam im Paradiese nicht bloß Herr sein und alles haben, sondern den Apfel auch genießen wollte, ebenso trachtet der Mensch nach Sinnengenuss, und dies ist nun weiter nichts als Äußerung der in uns wohnenden Wollust.
Diese dreifache Sünde, des Stolzes, Geizes und der Wollust liegt nun in jedem Menschen, da alle Menschen in der Erbsünde gezeugt und empfangen sind, Ps. 50-51, 7., nur liegt es in dem einen mehr, in dem andern weniger ausgebildet, was viel auf Eltern, auf Erzeugung, Erziehung und andere Umstände ankommt. Ein Johannes der Täufer lebte vielleicht mit weniger Mühe strenger als viele andere, da er ein Kind des Gebets und der Verheißung war. Aber auch für ihn gilt das Wort: Was vom Fleisch geboren wird, dass ist Fleisch. Wer daher einen Menschen kennt, der kennt alle Menschen; wer sich kennt, der kennt die ganze Welt, hat den Schlüssel zu aller Menschen Herzen.
Dies ist nun das Verderben des Menschen, die Erbsünde; dies ist Satans Reich1).
So lange der Mensch darinnen lebt, so lange Stolz, Geiz und Wollust die Herrschaft im Menschen haben, im Menschen herrschen, so lange gehört er in Satans Reich, ins Reich der Sünde, der Finsternis und des Todes. Er ist nicht Christ, nicht Kind Gottes, nicht Erbe des ewigen Lebens, und wenn er auch gleich getauft ist, zur Kirche, Beichte und Abendmahl geht; er gehört mit allen Beichten und Kommunionen, mit allem Messlesen und Messhören, mit allen Prozessionen und Wallfahrten dennoch in Satans Reich, und wird ihm dies alles nichts nützen, Matth. 7, 16, 20. 24, 41, Luk. 13. 26, 27. Joh. 3, 6, Röm. 3, 28, 29. Gal. 5, 6. 6, 5. 1. Kor 10, 1-11.
Ganz anders ist und verhält es sich in Gottes Reich. Hier findet sich statt Stolz und Zorn Demut und Geduld; statt Gebundenheit und Geiz Lostrennung und Barmherzigkeit; statt Fleischeslust Abtötung und Kreuzigung seines Fleisches.
Am schönsten und deutlichsten sehen wir dies im Beispiele Jesu. Jesus war demütig und geduldig. Obgleich Gottes Sohn, der Höchste, Vornehmste und Gelehrteste, wurde er dennoch Mensch, und unter den Menschen der Geringste, Niedrigste und Verachtetste Jes. 53, Phil. 2, 6-8. Er suchte in nichts seine Ehre, obgleich ihm alle Ehre gebührte, sondern nur die seines Vaters Joh. 8, 49, 50. und schlug eigene Ehre aus Joh. 6, 15. Er wollte nicht glänzen, nicht Aufsehen erregen, sondern verbot sogar, dass man das Gute von ihm bekannt mache Matth. 8, 4-9, 30 12, 16-17,9 Mark. 3, 12 - 5, 43 7, 36. Er richtete niemand, tadelte niemand, tat niemand unrecht, verachtete niemand, auch war ihm niemand zu nieder, oder für seinen Umgang zu schlecht Luk 15, 1, 2. Joh. 8, 1-11. Seinen Jüngern wusch er die Füße, Joh. 13, und diente Allen Matth 20, 28. Gelästert, lästerte er nicht wieder, misshandelt, drohte er nicht, sondern gab sich seinen ungerechten Richtern hin 1. Petri 2, 22, 2, Für seine Feinde betete er noch am Kreuz. So war Jesus demütig und geduldig; und wie er niedrig geboren wurde, nieder lebte, so starb er auch niedrig Luk. 23, 33.
Jesus war losgetrennt und barmherzig. Als Gottes Sohn der reichste, der Herr Himmels und der Erde, wurde er dennoch arm, der ärmste, der nicht eine Scholle Erde Eigentums hatte Matth. 8, 20 2. Kor. 8, 9. Allen Menschen aber erwies er Barmherzigkeit und Gutes. Die Unwissenden belehrte er, die Irrenden führte er zurecht, und den Reumütigen verzieh er ihre Sünden. Er tröstete die Betrübten, stärkte die Schwachen, half den Gefallenen auf, ermunterte die Starken, heilte die Kranken, speiste die Hungrigen und erweckte die Toten; er gab endlich alles, was er hatte, sein Leben für die Menschen hin Matth. 4, 23 - 8 - 9 - 14,14-30 - Luk. 22, 24-30, 61 Joh. 11, 1-46.
Jesus war und lebte abgetötet und entstorben den Lüsten der Welt. Obgleich Gottes Sohn, und im Genuss aller Seligkeit im Schoße des Vaters, stieg er dennoch hernieder zur Erde und wurde der armseligste unter den Menschen. Er arbeitete viel, ward oft müde, aß wenig, fastete oft. schlief wenig, hungerte, dürstete, und litt viele Leiden an seinem heiligen Leibe. Dies ists Leben im Reiche Gottes, das Leben des Christentums.
Wie aber Jesus war und lebte, so sollten auch wir sein, und leben. Auch wir sollten. demütig und geduldig, losgetrennt und barmherzig, abgetötet und der Welt entstorben sein. Röm. 6-13, 12-14. Gal. 5, 24. Kol. 2, 6-13.
Sobald der Mensch anfängt sich selbst zu verleugnen, d. i. wider Stolz, Geiz und Wollust zu kämpfen, der Sünde die Herrschaft zu nehmen, und das Leben Jesu in allen seinen Teilen nachzuahmen, so fängt er an aus Satans Reich aus- und in Gottes Reich einzugehen. Matth 16. 24.
Sich selbst verleugnen, demütig und geduldig, barmherzig und wohltätig, keusch und enthaltsam sein, kann aber der Mensch für sich allein eben so wenig, als der Acker für sich allein Früchte tragen kann. Der Grund ist der Sündenfall, die Erbsünde, von der ich oben sprach, und wozu ich nichts mehr beizusehen habe, als die freundschaftliche Bitte, dass doch Jeder dies Übel nicht an andern, sondern an sich suchen, und die Fehler anderer nur zu seiner Erkenntnis anwenden möge. Wie aber der Acker, so muss auch der Mensch verbessert werden.
Soll nun aber der Acker gut werden und gute Früchte tragen, was doch immer Endzweck ist, so muss er bebaut werden.
Dazu aber sind drei Stücke nötig:
1) Etwas von Seiten des Sämanns, und das ist der Same. Der Sämann muss gemäß der Frucht, die er ernten will, den Samen geben, Korn, wenn er Korn; Hafer, wenn er Hafer ernten will.
2) Etwas von Seiten des Ackers, und das ist das Aufnehmen. Der Acker muss den Samen auch an- und aufnehmen, der ihm gegeben wird, und nicht auf der Oberfläche der Erde und unvereinigt liegen lassen.
Dazu aber ist Vorbereitung durch Umackern, und Wegräumung des Unkrauts nötig.
3) Etwas durch die Wirkung beider Teile, und das ist die neue Geburt. Durch die Aufnahme und Vereinigung des Samens mit dem Acker zieht das Samenkorn die Kraft des Ackers an sich, es bildet sich in der Erde eine neue Geburt, der Same keimt und schießt auf, die Erde trägt ihre Frucht, zuerst das Grasartige, dann den Halm mit der Ähre, zuletzt das volle Getreide in der Ähre. Mark. 4, 27. 28.
Wie beim Acker, so ist es bei dem Menschen. Soll der Mensch gut werden und gute Früchte tragen, was doch immer Endzweck aller Religion ist, so muss er zuerst bebaut werden, Matth 12, 34. 35. Luk. 6, 43-45.
Dazu sind aber obige drei Stücke nötig: 1) Etwas von Seiten Gottes, als des rechten Sämanns, oder von den Geistlichen als Mitarbeitern Gottes, und das ist der Same. Es muss nämlich ein solcher Same eingesät werden, dessen Frucht man ernten will; Demut, wenn man Demut; Geduld, wenn man Geduld; Liebe, wenn man Liebe ernten will. Gal. 6, 7.8
2) Etwas von Seiten des Menschen, und das ist das Annehmen oder der Glaube. Der Mensch muss den Samen auch in sich auf- und annehmen, und nicht oben aufliegen lassen. Hierzu ist Vorbereitung durch Erkenntnis der Sünden und der Verdorbenheit des Herzens und wahre Buße nötig, wodurch das Herz weich, zum Annehmen oder Glauben zubereitet und das Unkraut ausgerottet wird.
3) Etwas durch die Wirkung beider Teile, und das ist die neue Geburt, woraus die Früchte des Geistes hervorgehen, die man auch nach obigen beiden Punkten entweder Früchte der Liebe oder des Glaubens nennt.
Diese drei Haupt- und wesentliche Teile des Christentums will ich ausführlicher und deutlicher darlegen.
Soll der Mensch gut werden und gute Früchte tragen, so ist nötig:
1) Etwas von Seiten Gottes, als des rechten Sämanns, nämlich der Same, und das ist seine Liebe.
Es besteht aber diese Liebe Gottes, so wie sie sich in Christo uns offenbart hat, darin, dass Gott den Tod und die Verdammnis der Welt nach ihrem Falle nicht wollte, sondern Gnade für Gerechtigkeit ergehen ließ, und dem Sünderpaare, und in ihm der ganzen sündigen Welt einen Erlöser und Heiland versprach 1. Mos. 3, 15; der sie aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes befreien, und dem, der die Gewalt des Todes hatte, nämlich dem Teufel, die Macht nehmen, und diejenigen erlösen sollte, die in Furcht des Todes durch ihr ganzes Leben hin Sklaven waren. Heb. 2, 14. 15.
Es besteht diese Liebe Gottes darin, dass der Vater der gefallenen Menschheit zu lieb seinen eigenen eingeborenen Sohn, gezeugt von Ewigkeit, gleicher Natur und Wesenheit mit ihm, zur bestimmten Zeit in die Welt sandte, nicht zum Gericht, sondern zur Erlösung Joh. 12, 47, nicht zum bloßen Lehrer, sondern zum Erlöser und Heiland der Welt, der sich in unser Fleisch einkleidete Heb. 2, 14. Joh. 1, 14, Mensch ward, Knechtsgestalt annahm Phil, 2, 6-8, und in allem gleich wurde, die Sünde ausgenommen Heb. 4, 15, der als Mittler zwischen Gott und der Menschheit auftrat 1. Tim. 2, 5, die Sünden der Welt auf sich nahm Jes. 53, das rechte, von allen Menschen verlangte, von Gott verordnete Opfer wurde und brachte Joh. 1, 29, Gottes Gerechtigkeit befriedigte, und am Kreuze eine vollgültige Genugtuung leistete; der unsers Stolzes willen gedemütigt, um unsers Geizes willen arm, und für unsre Wollust geschlagen ward, der für uns und um unserer Sünden willen den Fußfall vor Gott getan, und gebüßt hat, was er nicht verschuldete; der für uns Blut geschwitzt hat, gegeißelt, gekrönt und gekreuzigt worden ist, der den Tod erlitt nicht bloß für die Wahrheit seiner Lehre sondern zur Tilgung unserer Sünden, an unserer Stelle das Gesetz erfüllte Heb. 10, 1-8, und Gott gehorsam war bis in den Tod, ja bis zum Tode des Kreuzes Phil. 2. 8, der, so wie er für uns starb, auch für uns auferstand, zum Himmel ging, und beim Vater uns vertritt. Joh. 3, 14-18, Röm. 4, 2. 10, 4. 1. Kor. 15, 3. 2 Kor. 5, 14-21. Galater 1, 4. 4, 4. 5. 1. Tim. 2, 5. 6. Tit. 2, 11-14. 3, 4-7. Heb. 2, 9. 7. 27. 9, 28. 1. Petri 1, 18. 19. 2, 24. 1. Joh. 2, 2. 4, 9. 10.
Es besteht diese Liebe Gottes darin, dass nun Gott unser Heiland will, dass alle Menschen vom größten bis zum kleinsten Sünder, ohne Unterschied der Person, des Landes, und der Religion gerettet werden, und zur Erkenntnis der Wahrheit, zur Gnade und zum Frieden, zur Kraft und Stärke, zur Kindschaft Gottes, zur Seligkeit und zum ewigen Leben durch unsern Herrn Jesum Christum gelangen mögen; deswegen der Heilige Geist vom Vater und Sohn ausgehend, gleicher Gott mit dem Vater und Sohn in die Welt gesandt wurde. Jes. 1, 18. Joh. 16, 14. Ezech 33. 1 Tim. 2 4. Eph. 1, 3-14. 2. Kor 1, 21, 22.
Diese Liebe Gottes, unsers Vaters, nennt man Gott in Christo, die Liebe Gottes in Christo Jesu Röm. 8, 39.2 Kor 5, 19, zum Unterschied von jener Liebe, die Gott in der Natur und durch die Schöpfung uns erzeigt hat; denn es hat sich Gottes Liebe doppelt uns offenbart, in der Natur oder Schöpfung, und in der Erlösung, oder in Christo Röm. 1, 19. 20, am allermeisten aber in Christo Joh. 3, 16. Röm. 5, 6-11. Eph. 3, 19.
Diese große Liebe Gottes, unsers Vaters der Sohn Gottes, für Sünder, für Feinde ins Fleisch und in den Tod gegeben Röm. 5, 6-10, Jesus Christus selbst, die gekreuzigte Liebe, ist nun die rechte wahre Weisheit 1. Kor. 1, 30, das wahre Licht der Seele, wonach alle Menschen mit Kopf und Herz trachten Joh. 1, 4. 3, 19. 8, 12. 12, 36, ist unsere Gerechtigkeit die vor Gott gilt, 1 Kor 1, 30. Jer. 23, 6 Röm. 3, 21. 22 Phil. 3, 9, die Versöhnung für unsere und aller Welt Sünde 1. Joh. 2, 1. 2 und nicht eigenes, noch der Heiligen Bußwerk und Verdienst; Er ist unser Opfer, unser Evangelium, unsere Gnade und hochzeitliches Kleid Matth 22, Tit. 2, 11, unsere Ruhe, unser Trost, und unser Friede, unsere Zuflucht und unsere Hilfe Röm. 5, 1. 2. Eph. 2, 14.
Jesus Christus, Gottes Sohn, für uns ins Fleisch und ans Kreuz gegeben, ist unsere Heiligung 1. Kor. 1, 30, unsere Liebe, unsere Gnade, Kraft und Stärke, unser Sieg, der die Welt überwindet Röm. 8, 35-39. Joh. 16, 33, unsere Erlösung 1. Kor. 1, 30 und endliche Befreiung von Sünde, Tod, Teufel und Hölle 1. Kor. 15, 55 57, unsere Auferstehung aus dem Grabe, unser Himmel und unsere Seligkeit, unser ewiges Leben und das Brot des ewigen Lebens Joh. 1, 4. 6, 35, 48. 11, 25. 14, 6. Phil. 1, 21.
Diese Liebe Gottes, unsers Vaters Jesus Christus soll, will und muss in unser Herz kommen Joh. 14, 23, Eph. 3, 17, Gal 2, 20. Röm. 8, 9. 2. Kor. 13, 5 durch den heiligen Geist in uns wohnen, leben, wirken, und von Tag zu Tag und immer mehr und mehr in uns verkläret werden Joh. 16, 14, 2. Kor. 3, 18. Wer diese Liebe, den Geist und die Kraft derselben kennt, und an seinem Herzen erfahren hat, der ist weise, gerecht, heilig und selig; der ist der wahre Christ, gesalbt mit dem Gnadenöle des heil. Geistes; er hat Religion, ist vereint mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ist Kind Gottes und Erbe des ewigen Lebens. Er hat das wahre Licht, den Frieden Gottes gefunden, und vom himmlischen Manna genossen Joh. 6. Um die Erkenntnis dieser Liebe, als des rechten Namens Gottes 2. Mos. 4, 5. 6. 7. 1 Joh. 4, 16, beten wir alle Tage für uns und andere in der Bitte des Vater Unsers: „Geheiligt werde dein Name.“
Diese große Liebe Gottes unsers Vaters, Jesus Christus, der sich selber hingegeben zur Erlösung für alle 1. Tim. 2, 6, ist nun auch das rechte Samenkorn, das von Gottes Mitarbeitern, von Geistlichen, Lehrern und Predigern als die Hauptsache ausgesät werden sollte 1. Kor. 3, 11, Eph. 2, 20. Wie viel darauf ankomme, will ich zur Verdeutlichung des Vorhergehenden nur kurz in einem Beispiele zeigen.
Vor noch nicht so langer Zeit kamen zwei Missionare auf eine Insel, um da die armen Heiden zum Christentum zu bekehren. Sie predigten längere Zeit, und nicht ohne Eifer, stellten den Heiden bald ihre Sünden, bald die Gerechtigkeit, dann wieder Jesum als Muster und Vorbild, kurz Gesetz, und Himmel und Hölle vor, aber vergebens. Niemand wollte sich zu dem gesetzlichen und strengen Herrn Jesus bekehren, und so mussten sie unverrichteter Dinge wieder weiter. Ihnen folgten zwei andere, die die Sache auf eine andere und bessere Weise unternahmen, und glücklich ausführten. Sie stellten zwar auch, wie die ersten, ihren Zuhörern die Sünde in ihrer Größe, Gott in seiner Gerechtigkeit, und Jesum als Vorbild und Muster dar; aber beim Gesetz allein blieben sie nicht stehen, sondern gingen nun auch weiter zum Evangelium, und zeigten ihnen, welche Liebe Gott dem verlorenen Sündergeschlechte in seinem Sohne erwiesen, wie Jesus auch für sie sein Blut vergossen, und am Kreuz den Tod gelitten habe und wie bereit nun Gott sei, mit aller Liebe sie aufzunehmen und ihnen Vergebung aller ihrer Sünden durch den Glauben an unsern Herrn Jesum Christum angedeihen zu lassen. Diese Liebe rührte und bewegte das Herz der armen Heiden, und siehe da, was die ersten Missionare ewig nie bewirkt haben würden, das bewirkten in kurzem die zweiten. Die Menschen wurden angezogen durch die Liebe Gottes und unsers Herrn Jesu Christi, beweinten ihre Sünden, nahmen Jesum als ihre Versöhnung an, ließen sich taufen auf seinen Namen, erfuhren die Kraft des Evangeliums an ihrem Herzen, und änderten ihr Leben. Aus diesem kurzen Beispiele sehen wir, wie viel auf das rechte Samenkorn ankomme. Die ersten predigten und die zweiten predigten, beide mit gleich viel Eifer, aber die ersten predigten bloß Gesetz und Moral, Jesum als. Vorbild, die zweiten predigten Gnade und Evangelium, Jesum als Sühneopfer. Liebe gewinnt die Herzen, die Liebe des Kreuzes zieht Sünder an, und macht neue. Menschen aus ihnen. Joh. 12, 32. 1 Kor. 1, 18. 24. Röm. 1, 16. 1. Tim. 1, 15.
Ich sage es daher noch einmal: Die Liebe Gottes und unsers Herrn Jesu Christi ist das rechte Samenkorn, das seine Kraft in sich trägt Röm. 1, 16, Hebr. 4, 12, und keiner Floskeln und künstlich überredender Worte menschlicher Weisheit bedarf 1. Kor. 2, 1-5, und welches von allen Geistlichen, in allen Kirchen und auf allen Kanzeln gepredigt werden sollte. Dazu ermahnet nun auch Jesus selbst Matth 22, 3. 3, wo er seine Knechte aussendet mit dem Auftrag, zum Abendmahle, wohl zu merken, zum Abendmahle, das ist zur Versöhnung durch den Tod Jesu einzuladen, und der Apostel sagt ausdrücklich 2. Kor. 5, 18. 19: Gott übertrug uns das Amt und die Lehre der Versöhnung, ich wiederhole es: das Amt und die Lehre der Versöhnung übertrug Gott seinen Knechten, und 2. Kor. 5, 20 ruft er laut aus: Wir sind also Gesandte an Christi Statt, als wenn Gott selbst durch uns ermahnte, bitten wir an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott, denn 2. Kor. 5, 21, wie hätte er den Beruf des Geistlichen und Seelsorgers deutlicher sagen, und mehr einschärfen können? So predigten aber auch Jesus und alle Apostel. Matth. 11, 28. 29 18,11-20, 28. Luk. 15. Joh. 3. Röm. 3. 4. - 5. 1. Kor. 15, 1-10. 2,5-7. 1. Pet. 1, 18. 19. 1 Tim. 1, 12-16. 11-15. 3, 4-8. 2, 24. 25. - 1. Joh. 2, 1.2 4, 9, 10. Dies ist die so bekannte, aber ebenso ärgerliche Lehre vom Kreuze 1. Kor. 1, 17-29. und Von dieser Lehre sind aber leider in unserer Zeit so viele Geistlichen und Kanzeln leer. Denn entweder haben sie die Kraft derselben noch nicht an ihrem Herzen erfahren, wie Gnade predigen, ohne Gnade erfahren zu haben? oder sie ist ihnen schon vorher zur Torheit und zum Ärgernis geworden 1. Kor. 1, 23 und nur des Amtes und Brotes wegen schleppen sie sie noch nach. Dagegen hört man gewöhnlich schöne und zierlich gewählte Worte ohne Inhalt und Geist 2 Tim. 4, 3, hochherfahrende Moralpredigten ohne Kraft und Salbung, Beweggründe zum Guthandeln aus Satans Schule. Durch Stolz und Ehrgeiz will man die Menschen gut machen, mit Beelzebub Teufel austreiben, mit Satans Macht Gottes Reich aufrichten, das ist das christliche Heidentum. Daher die schönen Früchte, daher so viel Uneinigkeit, Empörungssinn, Hass und Feindschaft, daher das ganze moralische Verderben. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten, wer Liebe säet, der wird Liebe mit ihren Früchten ernten, wer aber Eigenliebe und Selbstsucht säet, der wird auch Eigenliebe und Selbstsucht mit all ihren Früchten ernten. Christus ist aus seinem Weinberge vertrieben, und zwar von denjenigen vertrieben, denen er ihn zur Bewahrung und Pflege anvertraut hat, von seinen eigenen Gärtnern vertrieben Matth. 21, 33-44. So war es bei den Juden, daher klagen die Propheten so sehr Ezech. 34, 1-10. 13. Jes. 9, 16-56 - 10. - 12. Jerem 23, Hos. 4, Mich. 3, 5-7, und darum spricht auch Assaph Ps. 79, 80: „Wilde Säue, o Herr! haben deinen Weinberg gewühlt.“ Kein heidnisch Volk hat und kann einer Religion so viel schaden, als falsche Lehrer und Propheten, auch ist alle Immoralität der Geistlichkeit lange nicht so verderblich als falsche Lehre. Hier liegt nun das Elend der Kirche Jesu auf Erden in unserer Zeit, und hier sollte von den Wächtern Zions Abhülfe geschehen. Daher findet man auch bei jenen Kirchen, deren Glieder noch nicht ganz eingeschlafen und erstorben sind, und die auch noch Kraft und Freiheit genug haben, nicht nach Verlangen ihrer Wärter schlafen zu müssen, so viele Sekten und Trennung. O des erbärmlichen Zustandes, o des armen Volkes Matth. 9, 36-38. So viel nun über den ersten Punkt, oder über das rechte Samenkorn, das ausgestreut werden sollte.
Soll der Mensch gut werden und gute Früchte tragen, so ist nötig
2) Etwas von Seiten des Menschen als des Ackers, in welchen diese Liebe eingesät werden soll, und das ist das Annehmen oder der Glaube.
So wie es beim Acker nicht genug ist, dass man ihm einen guten Samen gibt, er muss ihn auch auf und annehmen, so ist es auch beim Menschen nicht genug, dass er die Liebe Gottes in Christo höret und liest, sondern er muss sie auch auf- und annehmen, und dieses Annehmen heißt man Glauben. Es ist also der Glaube der zweite notwendige Punkt des Christentums.
Der Glaube aber ist von zweierlei Art, entweder Kopf- oder Herzensglaube. Der Glaube des Kopfes besteht darin, dass der Mensch, der den obigen Punkt oder die Lehre vom Kreuze, von der Liebe Gottes und unsers Herrn Jesu Christi höret und kennen lernt, dieselbe zwar nicht verwirft, wie der Ungläubige tut, sondern sie für wahr hält, und ihr seinen Beifall schenket, so wie einer andern geschichtlichen Wahrheit, jedoch nicht so lebendig davon ergriffen wird, dass er seine Sünden bereut, den Frieden Gottes ernstlich sucht, und Herz und Leben ändert. Hier ist sein Glauben mehr ein Wissen, eine Erkenntnis der Lehre, eine Zuneigung und Beistimmung seines Verstandes, als Sache des Herzens; der Same ist auf den Weg, oder auf Felsen gesät Luk. 8, 5. 6. Diesen Glauben erlernt man von Eltern, in Predigten, aus dem Katechismus, in der Schule, daher man ihn auch den Schulglauben nennen könnte. Er ist zwar notwendig und muss immer dem Glauben des Herzens vorangehen, aber Seligkeit gibt er nicht, und schafft auch kein neues Leben. Wenn er nun aber auch gleich nicht Seligkeit gibt, so wäre doch sehr zu wünschen, dass einmal alle Menschen diesen Glauben d. i. vorderhand eine richtige Erkenntnis Gottes und unsers Herrn Jesu Christi hätten, und derselben ihren Beifall schenkten, indem dann das Herz unmöglich ganz leer von dieser Liebe bleiben könnte, oder doch früher oder später davon ergriffen und nach und nach angefüllt werden müsste. Allein auch hier fehlt es mehr als man vermutet, wie dieses leider nur zu leicht nachzuweisen wäre. Die Leute glauben, aber sie wissen eigentlich nicht recht „Was?“ allenfalls was die Kirche glaubt, damit sind sie am schnellsten fertig; was aber diese glaubt, das wissen sie wieder nicht 1 Petri 3, 15. Am Ende besteht der größte Teil ihres Glaubens in dem Halten an jenen äußerlichen Zeremonien und Gebräuchen, die sie täglich vor Augen sehen und die ihnen gleichsam mit angeboren sind, weswegen sie sich auch nichts dagegen sagen, noch den Buchstaben daran ändern lassen. Sie reden zwar auch von Christus auf ihn sind sie ja getauft und tragen seinen Namen, allein da sie seine Liebe nicht kennen, (und woher sie kennen, wenn sie nicht gepredigt wird?) und also auch die Kraft seines Geistes noch nicht am Herzen erfahren haben; so sind es leere Worte ohne Inhalt und Geist 2. Kor. 3, 17. 5, 16. Diesen Glauben könnte man den Maulglauben nennen. Die Zahl dieser Menschen ist bei weitem die größte. Von wahrhaft Ungläubigen, wie die Pharisäer und jüdischen Geistlichen es waren Matth. 12, 22-37, kann man nur dann reden, wenn Christus einmal rein und lauter gepredigt wird, dann aber wird auch manches Herz offenbar werden. Luk. 2, 35.
Die zweite Art des Glaubens ist der Glaube des Herzens, der den vorangehenden voraussetzt und daraus entsteht. Hierbei höret der Mensch die Liebe Gottes in Christo nicht bloß und schenkt ihr seinen Beifall; sondern er nimmt sie auch als edlen Samen in sein Herz auf, und legt sie als sein Eigentum darin nieder. Dieser Glaube ist nicht Menschensache, sondern Wirkung des Heiligen Geistes Phil. 1, 29, ist nicht angeboren, und kann in keiner Schule, und von keinem menschlichen Lehrer erlernt und mit aller Vernunft nicht erlangt werden Joh. 6, 45. Dieser Glaube nimmt den ganzen ersten Punkt, nimmt Christum auf, und gibt uns denselben, und alles was er erworben hat und was in ihm liegt, so zu eigen, wie das Samenkorn, und alles, was darin liegt, dem Acker eigen wird durch das Aufnehmen. Christi Leiden wird uns dadurch so angerechnet, als hätten wir gelitten; seine Geißelung, als wären wir für unsere Sünden gegeißelt; seine Krönung, als wären wir gekrönt; seine Kreuzigung, als wären wir gekreuzigt worden; seine Geduld, als wären wir geduldig; seine Demut, als wären wir demütig; seine Liebe, als wären wir liebevoll gewesen; sein Gebet, als hätten wir gebetet; seine Tränen, als hätten wir geweint; seine Verlassenheit, als wären wir verlassen worden; sein Tod, als wären wir gestorben; seine Auferstehung, als wären wir auferstanden. Mit und in ihm sind wir gegeißelt, gekrönt und gekreuzigt, in ihm gestorben, losgesprochen von Gott, und auferstanden, und gen Himmel gefahren, in ihm sind wir gerecht, heilig und selig. Denn was Christus auf Erden tat, tat er nicht seinet-, sondern unseretwegen, unsere Sünden hat er abgebüßt, uns hat er den Himmel verdient. Nicht also wir haben Sünden abzubüßen, nicht wir haben den Himmel zu verdienen, sondern annehmen sollen wir, was er uns erworben und durch liebevolle Erfüllung seines Willens ihm unsern Dank bezeugen. Joh. 3, 14-18. 6, 47. Apstg. 16, 31. Röm. 3, 4. 6. Gal. 2, 19. 3, 22-25. 5, 5. Röm. 5, 1. Eph. 2, 1-10. Kol. 1, 14 Kol. 2, 11-15, 3, 1. 2. Kor. 7, 5. 14. 15.
Dies ist der wahre katholische oder allgemeine und allein seligmachende Glaube, der Glaube, den Jesus verlangte Matth. 8, den die Apostel lehrten und mit ihren Gemeinden hielten Gal. 2, 20. Erst nachdem man die Erlösung ziemlich aus der Religion herausgeschoben, und das Christentum zur bloßen Moral und Vernunftreligion umgebildet, ein Schloss in die Luft gebaut, dem Menschen aber keine Flügel gegeben hatte, dahin zu kommen, modelte sich der Glaube in ein bloßes Beifallnicken der Vernunft um, wobei der Mensch tot und herzleer bleibt.
Dieser Glaube ist anfangs schwach, Kind, und soll stark, Mann werden Eph. 4, 13, wird oft wieder schwach, bedarf der täglichen Nahrung, lebt und wird gestärkt von der Liebe Gottes und kann durch Sünde wieder verloren gehen. Er macht den wahren Christen aus, und nicht Taufe, noch Beichte, noch Kirche, noch Abendmahl, indem er Christum als Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung aufnimmt und mit sich vereinigt, und ist daher von Seiten des Menschen die Hauptsache 1. Joh. 5, 4. Er ist nicht alltäglich, daher man denn auch nicht jeden, der Christ sich nennt, für einen wahren Christen halten muss, wie es wahre und falsche Münze gibt, so gibt es auch wahre und falsche Christen, und unter den Christen viele getaufte Heiden; er ist bei keinem Menschen und in keiner Gemeinde so gerade vorauszusetzen; verleugnet sich aber auch nicht, und kann durch Wort und Tat wohl erkannt werden; findet sich nur selten bei so vielen Beichtenden und Kommunizierenden, und ist von vielen neueren Aposteln gar nicht mehr gekannt, daher man ihn denn auch bald pietistisch, bald mystisch, schwärmerisch, wohl auch lutherisch heißt. Damit ist man am schnellsten fertig, und erwirbt sich wenigstens in der Welt noch den Namen eines aufgeklärten Kopfes. 1. Kor. 3, 18-21.1.18-31.
Um diesen Glauben und um das, was durch diesen Glauben in unser Herz kommt, bitten wir täglich für uns und andere in der Bitte des Vater Unseres: „Zukomme uns dein Reich.“
So wie aber der Acker, wenn er den Samen auf und annehmen soll, zuerst weich werden und das Unkraut verlieren muss; so muss auch der Mensch, wenn er die Liebe Gottes und unsers Herrn Jesu Christi auf- und annehmen soll, zuerst mürbe und weich gemacht werden, und das Unkraut verlieren. Dies geschieht beim Acker durch umackern, beim Menschen durch Buße. Buße ist also Mittel zum Glauben, wie das Ackern zum Aufnehmen, daher Christo ein Johannes voranging Matth 3. Es entsteht aber die Buße durch das Gesetz, welches dem Menschen nicht bloß seine äußerlichen Sünden, sondern auch, da es geistig ist, die inneren Vergehungen und das Verderben des Herzens, Stolz, Geiz und Wollust aufdeckt Röm. 3, 20, ihn als Übertreter anklagt, richtet und verurteilt, Himmel und Seligkeit ihm abspricht, so lange die Sünde in ihm herrschend ist. Durch diese Vorstellung wirket der Heilige Geist im Herzen des Sünders Angst und Unruhe, Furcht vor Tod, Gericht und Ewigkeit, Verlangen nach einer Errettung und dem Erretter Gal. 3, 24, und den Vorsatz des neuen Lebens die Buße. Durch diese Buße nun wird das Herz weich, und zur Aufnahme des Samens so zubereitet, wie durch das Umackern der Acker. Doch ist die Buße nur Mittel zum Glauben, wie das Umackern zur Aufnahme, und wer daher nur immer Buße predigen, das Gesetz vorhalten, das Laster strafen, und den Sünder mit der Sünde verurteilen wollte, der gliche einem Manne, der durch immerwährendes Umackern, ohne zu säen, den Acker gut machen, und gute Früchte von ihm gewinnen wollte. Höchstens mag er die Hervorkeimung und Überhandnehmung des Unkrauts verhindern, und da muss er noch sehr auf seiner Hut und immer in Arbeit sein; den Acker aber im Innerlichen umzuändern, um gute Früchte von ihm zu ziehen, dazu wird mehr erfordert. Hierher gehört das Beispiel der beiden Missionen. Die eine ackerte bloß, ohne zu säen, und daher konnte sie nicht ernten; die andere ackerte und säte zugleich, daher die reichliche Ernte. Mag vielleicht hierin ein Grund liegen, dass mancher eifrige Seelsorger zu keinem Segen in seiner Gemeinde kommen kann, weil er zu viel ackert, und zu wenig säet. Freilich ist uns gesetzlichen Menschen Gesetz leichter als Gnade zu predigen. Das Gesetz besteht mit Stolz, die Gnade verlangt ein demütig und zerknirschtes Herz. So viel nun über den Glauben und die damit verbundene Buße. Glauben ist die innerliche und einzig unumgänglich nötige Form des Christentums.
Soll der Mensch gut werden und gute Früchte tragen; so ist nötig: 3) Etwas von beiden Teilen, und das ist die neue Geburt, woraus die Früchte des Geistes hervorgehen.
Wie sich beim Acker durch die Aufnahme der Same mit der Erde vereinigt, die Kraft derselben an sich zieht, und eine neue Geburt bildet, die dann emporkeimt, und jene Früchte trägt, die eingesät worden sind, so vereiniget sich durch den Glauben die Liebe Gottes unsers Vaters Jesus Christus mit der menschlichen Seele, welche Vereinigung man innerliches Sakrament, oder Sakrament des Glaubens nennen könnte, da es Göttliches und Menschliches, Christum und die Seele miteinander verbindet zu Einem es bildet sich im Innerlichen durch den heiligen Geist die neue Geburt, der neue Mensch, der dann zunimmt, wächst, männlich wird, und seine Früchte trägt. Joh. 1, 13. 3. - Kol. 3, 10. Ein Sinnbild dieser innerlichen Vereinigung, von Christus mit seinen Gläubigen ist die Ehe, daher sie auch Mysterium, Sacramentum, Geheimnis heißt Eph. 5, 21-32 Die Früchte des neuen Menschen aber, oder der neuen Geburt sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Gütigkeit, Langmut, Sanftmut, Glaube, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit. Gal. 5, 22. 23. 1. Kor. 13, 4-7. Denn dies wurde in ihn eingesät. Liebe, göttliche Liebe wurde gesät, daher kann auch nur Liebe, göttliche Liebe geerntet werden. Es wurde in ihn eingesät Liebe, und zwar die höchste Liebe. Wenn ein Fürst einen seiner Diener, der ihm treu diente, begünstigte, und besonderer Auszeichnung ihn würdigte, so wäre dies Liebe, große Liebe und Gnade: Wenn aber der Diener zum Verbrecher an seinem Herrn würde, nach Thron und Leben ihm strebte, und den Tod verdient hätte, und der Fürst würde ihn begnadigen, um teures Pfand der Gerechtigkeit ihn auslösen, ja zum Miterben seines Reiches ihn einsehen, so wäre dies die größte Liebe und Gnade, die freilich kein Mensch am andern erweisen wird. Nun aber spricht der Apostel Röm. 5, 6-8: Da wir noch Elende waren, starb Christus zur bestimmten Zeit für Sünder; schwerlich stirbt jemand für einen Unschuldigen, für einen Wohltäter möchte vielleicht Jemand sein Leben wagen. Gott hat aber seine Liebe gegen uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns gestorben ist, da wir zur Zeit noch Sünder waren. Darum ist die Erlösung durch Christum der größte Beweis der Weisheit und Erbarmung, der Liebe Gottes, ganz unsers Gottes würdig. Ohne sie würde ich Gott meinen Vater nie ganz erkannt, nie ihm ganz vertrauen, und ihn lieben gelernt haben. Matth. 11, 27. Kol. 2, 3. Zwar predigt der Mensch, und die ganze Natur, Gottes Liebe und Weisheit, allein hundertmal würde ich an Gott ohne die Offenbarung seiner Liebe in Christo irre werden. Dann aber finde ich Ruhe bei allem Wechsel, und bei aller Veränderung der Zeit in dir, o Jesu, du Weisheit und Liebe Gottes und der Menschen. Wo nun diese Liebe - Christus - ins zerschlagene Sünderherz aufgenommen worden ist, da muss sie auch keimen, wachsen und ihre Früchte tragen. 1. Joh. 5, 18. Matth. 7, 18. Joh. 15, 5. Denn wer sollte den Gott nicht lieben, der ihn so sehr geliebt, und für ihn, den sündigen, der Verdammnis und des Todes schuldigen Menschen seinen eingeborenen Sohn zur Erlösung dahingegeben hat. Röm. 8, 35-39. Wer sollte Jesum nicht lieben, der Blut und Leben für uns hinopferte, der auf die Welt kam, damit er uns zum Himmel führte, niedrig ward, damit er uns erhöhte, arm wurde, damit er uns bereicherte 2. Kor. 8, 9., geschlagen ward, damit wir Friede hätten, der vor seinem Tode zitterte und bebte, und blutigen Schweiß vergoss, damit wir einst sanft und ruhig unsere Augen schließen, und zum Vater in eine bessere Welt heimgehen könnten, der gegeißelt ward, damit die ungehorsamen Knechte der Strafe entgingen, schimpflich gekrönt wurde, damit er uns die Krone der Gerechtigkeit und der Ehre erwürbe, der sein Kreuz nach Golgatha trug, damit er uns von unserm Kreuze, von der Last der Sünden befreite, der am Kreuze hing, weinte, betete Heb. 5, 7. und starb, damit er uns würde der Urheber und die Quelle der Ruhe, des Friedens, der Seligkeit und des ewigen Lebens; wer sollte Jesum nicht lieben, nicht willig sich ihm hingeben, da er doch uns so sehr geliebt, und willig sich für uns ans Kreuz und in den Tod gegeben hat? Wer sollte seine Mitmenschen, seine Brüder nicht lieben, die Jesus liebte, und liebt, und für die er, wie für ihn, sein heilig teures Blut vergossen hat; wer sich nicht demütigen, und seinen Stolz verleugnen, wenn er diese große Liebe betrachtet; nicht barmherzig sein, und allem Geiz entsagen, da ihm so große Barmherzigkeit wiederfahren, nicht vergeben, da ihm so viel vergeben worden ist? Nein, ein Herz, das diese Liebe erkannt und aufgenommen hat, kann nur gute Früchte, kann nur Demut, die Grundtugend aller Tugenden, Geduld, Barmherzigkeit und Liebe tragen, und diese Früchte sind dann auch der Beweis der Aufnahme des Glaubens Jak. 2, 14-26. Matth. 7, 16-21. Dies ist die wahre christliche Moral, hervorgehend aus der Dogmatik des Herzens, die Folge der beiden ersten Punkte und der Neugeburt2). Die reinste Vernunftlehre bringt die Früchte nicht zu Stande, und das reinste Vernunfthandeln, wenn es dem Menschen für sich je möglich wäre, reicht nicht hin zu jener Moral, die da spricht: die Liebe Christi dringet uns also 2. Kor. 5, 14. Freilich wo diese Frucht nicht gesät und aufgenommen ist, da kann sie auch nicht geerntet werden. Hier liegt, wie ich oben sagte, das Elend unserer Zeit. Die Predigt ist zu einer Art Komödie, die Kirche zum Theater geworden, wo man nur hingeht um schöne Worte für das Ohr zu hören 2. Tim. 4. 3, oder etwas für das Gesicht zu bekommen, und angenehm eine Zeitlang unterhalten, nicht aber in Glauben und Liebe eingeführt, oder erbaut zu werden, und wo man dann leider oft auch nur jenes findet. Mit lauter Moral in blumenreiche Sprache gefasst, speist man die armen Menschen mit Ehre; Stolz und Selbstvertrauen will man sie anflammen und begeistern. Dies heißt aber zu einem wilden Baume sagen, er soll zahme Früchte tragen, zum Holzapfelbaum er soll Renetten geben, oder zum unbesäten Acker, er soll Dinkel oder Korn bringen, da diese Früchte ihm herrlich stehen, und seinem Besitzer ihn lieb und wert machen würden. Veredle zuerst, säe zuerst. Daher die Früchte unserer Zeit, die ihrer Reise und Ernte nahe sind.
Um die Neugeburt, um Liebe und ihre Früchte beten wir täglich für uns und andere in der Bitte des Vater Unsers: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“
Dies ist nun das Wesen des Christentums, das innerliche und wahre Christentum selbst, das Eine was Not ist und Not tut, das Alleinige was uns Seligkeit gibt und zur Seligkeit führt. Alles andere ist nur Mittel zu diesem großen Einen. Gal. 5, 6. - 6, 15. 1. Tim. 1, 5. 1. Joh. 3, 23.4, 16. Luk. 10, 42.
Dieses Eine zu pflanzen und zu pflegen, ist des Geistlichen und Seelsorgers Pflicht, und ist seine Pflicht sowohl auf der Kanzel als am Krankenbette oder bei Erteilung eines Sakramentes. Die beste Pastoral ist Liebe zu den Seelen, die um so hohen Wert erkauft 1. Pet. 1, 18. 19., vom Oberhirten ihm vertraut, zum ewigen Leben bestimmt sind 1. Kor. 9, 16. 17. 1. Pet. 5, 1-4. Der Lohn auf Erden ist Verfolgung Matth. 10. 22, 6. Joh. 15, 18-21. 16, 1-4.21, 15-19. Jenseits der Liebe unverwelklicher Kranz 1. Kor. 9, 23-27. 1. Pet. 5, 4. In diesem Wesen sind nun auch alle christlichen Religionen und Kirchen eins, und nur in den Mitteln scheiden sie sich. Wer nach diesen Grundsätzen lebt, der ist der wahre Christ, er trage nun äußerliche Namen, welche er will; er ist katholisch, und ist auch evangelisch, er ist Glied am Leibe Jesu, er gehört zu seiner Kirche auf Erden. Eph. 4. 1. Joh. 4, 16. 2. Tim. 2, 19. In Christo Jesu, spricht der Apostel, gilt weder Beschneidung etwas, noch Vorhaut, sondern eine neue Schöpfung. Und die nach diesem Grundsatze sich richten, über sie komme Segen und Gnade als über die wahren Israeliten Gottes Gal. 6, 15. 16. Phil. 3, 3. 15, 16. Nur engherzige Menschen, die nie weder einen Blick ins Reich Gottes getan, noch einen Fuß hineingesetzt haben, Pharisäer, schließen andere davon aus, und doch sie selbst gehen nicht hinein Matth. 23, 13. Daher können auch bei einem Geistlichen, der wahres Christentum pflanzt, und das Äußerliche nur als Mittel dazu gebraucht, alle Religionen, Kirchen und Sekten anstehen, falls sie Wahrheit suchen, ohne dass weder er einer andern Kirche, denn der seinigen angehört, noch dass sich Zuhörer von andern Konfessionen deswegen von ihrer Kirche trennen 1 Kor. 3, 22. 23. Ausschließen, auf äußerliche Kirche setzen, eines äußerlichen Namens oder mehr und weniger Mittel wegen andere verurteilen, die mit uns auf einem Wege sind, und nach einem und dem nämlichen Ziele laufen, ist nicht nach Religion Jesu, und der Lehre der Apostel Matth. 2, 28. 1. Tim. 2, 3. 4. Eph. 4, 1-6. und dies heißt einen andern Jesum predigen einen engherzigen einen andern Geist empfangen den Sektengeist - und ein anders Evangelium annehmen, (das römischkatholische oder lutherische). als die Apostel und die ersten Gemeinden gepredigt, empfangen und angenommen haben. 2. Kor. 11, 4.
Alle diejenigen Menschen nun, die durch den Glauben an unsern Herrn Jesum Christum wiedergeboren, durch Gottes Liebe in die Liebe eingeführt sind, und darin wandeln, die machen die innerliche geistige oder unsichtbare Kirche aus sie seien nun Katholiken oder Protestanten oder einer Sekte zugetan.
Zu ihr gehören auch die Toten, die im Herrn verstorben sind. Ihr Haupt ist Christus, ihr Kennzeichen gute Werke Eph. 1, 22. 4, 15. 5, 23. Kol. 1, 18. Matth. 7, 16-23. Man nennt diese Kirche deswegen innerlich, geistig oder unsichtbar, weil das Band der gemeinschaftlichen Verbindung, die Liebe ein innerliches, geistiges oder unsichtbares ist. Diese Kirche ist einig, denn ihre Glieder haben alle einen Geist, eine Liebe Eph. 4., so verschieden auch die äußerlichen Kirchen sind, in denen sie stehen; sie ist heilig, denn alle ihre Glieder sind gereinigt, geheiligt und gerecht geworden, im Namen unsers Herrn Jesu Christi, und durch den Geist unsers Gottes 1. Kor. 6, 11., sie ist Die Gemeinschaft der Heiligen; sie ist allgemein oder katholisch, denn in allen Ländern, Religionen und Sekten gibt es Menschen, die ihr zugehören, und die ihre Kniee vor Baal nicht beugen Röm. 2, 3. 4., ja ihr Umfang erstreckt sich noch über die Zeit hinüber in die Ewigkeit, sie ist apostolisch, denn sie stammt von Christus und den Aposteln ab, und ist erbauet auf den lebendigen Glauben an Christum den Sohn Gottes, als den Felsen Petri, und den: Grund aller Apostel und Propheten Matth. 16, 16-18. Eph. 2, 20. Außer dieser Kirche ist kein Heil. Extra ecclesiam nulla Salus. Oft ist sie sehr klein, oft gehören ihr ganze Gemeinden an.
In ihr wohnt Gottes Geist und ihre Dauer ist in Ewigkeit. Matth. 28, 20. 16, 18.
Der Herr aber, der uns Alle mit seinem teuren Blute zu seinem Eigentum erkauft hat, wolle uns auch Alle zu seiner Erkenntnis, zum wahren und lebendigen Glauben und zu seiner Gemeinschaft bringen. Ach ja, Herr Jesu, dein Reich komme, komme bald zu uns Allen.
Amen.
Nachwort.
Die vorstehenden Blätter sind abgedruckt aus der sehr selten gewordenen Schrift: „Christliches Glaubensbekenntnis des Pfarrers Henhöfer von Mühlhausen.“ Tübingen 1822. Seite 1 bis 30.
Alois Henhöfer (geb. 1789, gest. 1862) war katholischer Priester in Baden. Weil er „das Wort von der Versöhnung und freien Gnade Gottes in Christo“ mit großem Eifer predigte forderte ihn das bischöfliche Vikariat in Bruchsal zur Verantwortung auf. Im Gewahrsam daselbst schrieb er dies Buch, in welchem er aus Liebe zu seiner Gemeinde, von der er nun getrennt war, „Das Wesen des Christentums“ aufs eindringlichste darstellte.
Dass er sich hierbei noch der katholischen Bibelübersetzung bediente, ist selbstverständlich. Ebenso wenig braucht man durch einige fremdartige Ausdrücke und zeitgeschichtliche Andeutungen sich stören zu lassen. Auf den Inhalt kommt es an. Derselbe ist keineswegs veraltet, sondern zeitgemäß und verständlich für jeden der verstehen will.