Gerok, Karl - Die Apostelgeschichte in Bibelstunden – VII. Die erste apostolische Wundertat.

Gerok, Karl - Die Apostelgeschichte in Bibelstunden – VII. Die erste apostolische Wundertat.

Kap. 3, V. 1-10.
Petrus aber und Johannes gingen mit einander hinauf in den Tempel, um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten. Und es war ein Mann, lahm von Mutterleibe, der ließ sich tragen; und sie setzten ihn täglich vor des Tempels Tür, die da heißt die schöne, dass er bettelte das Almosen von denen, die in den Tempel gingen. Da er nun sah Petrum und Johannem, dass sie wollten zum Tempel hinein gehen, bar er um ein Almosen. Petrus aber sah ihn an mit Johanne und sprach: Siehe uns an. Und er sah sie an, wartete, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir; im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle. Und griff ihn bei der rechten Hand, und richtete ihn auf. Alsobald standen seine Schenkel und Knöchel fest; sprang auf, konnte gehen und stehen, und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang, und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk wandeln, und Gott loben. Sie kannten ihn auch, dass er es war, der um das Almosen gesessen hatte vor der schönen Tür des Tempels; und sie wurden voll Wunderns und Entsetzens über dem, das ihm widerfahren war.

Das erste apostolische Wort haben wir im vorigen Kapitel vernommen, nämlich die Pfingstpredigt des Petrus. Heute sehen wir die erste apostolische Tat. Wort und Tat - beides gehört zusammen im apostolischen Beruf. Mit Wort und Tat kündeten schon die Propheten des Alten Bundes sich an als Sendboten Gottes: ein Moses, Elias, Elisa und Andere. Als ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk, ist der Herr selber umhergegangen und hat nicht nur den Armen das Evangelium gepredigt, sondern auch wohlgetan Vielen. Zu Wort und Tat hat er selbst vor seinem Hingang auch seine Apostel angewiesen und angestellt, indem er sprach: „Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur; die Zeichen aber, die da folgen werden, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden.“ Mark. 16. Zu Wort und Tat sind sie am Pfingstfest ausgerüstet worden durch den Heiligen Geist, welcher ein Geist ist nicht nur göttlicher Weisheit, sondern auch himmlischer Kraft. Durch Wort und Tat haben sie von da an vor der Welt sich ausgewiesen als Knechte Gottes, als Botschafter an Christi Statt, der mit ihnen war und bekräftigte ihr Wort durch mitfolgende Zeichen. Mit Wort und Tat soll heute noch die Kirche Christi eingreifen in das Elend der sündigen Menschenwelt, soll nicht nur mit belehrendem Wort die Decke der Unwissenheit von den Seelen nehmen, sondern soll auch mit rettender Tat die Bande tausendfacher Erdennot lösen durch die Wunderkraft heiliger Liebe und evangelischen Erbarmens. Denn wenn auch die Wunderkräfte jener ersten schöpferischen apostolischen Zeit nach der Ordnung Gottes und dem Gang geschichtlicher Entwicklung nunmehr wieder in das Bett und Geleis gewöhnlicher menschlicher Tätigkeit zurückgetreten sind: die geistlichen Mirakel, wie Luther sie nennt, gehen deshalb ungeschwächt fort, so lange der Geist Christi noch auf Erden weht und wirkt, und wie das Volk dort zu Jerusalem, welches zur Gebetsstunde auf dem Tempelberg versammelt war, so sollen auch wir in dieser ersten Wundertat des Petrus erkennen, dass Jesus Christus sein armes gebundenes Volk mit derselben Wunderkraft herstellen und fröhlich machen kann und will, die er dort vor Aller Augen in der Heilung des lahmen Bettlers bewiesen hat. Dazu segne der Herr auch uns diese Betrachtung, die zum Gegenstand hat

die erste apostolische Wundertat.

1) Wer sie getan;
2) an wem sie geschehen;
3) wie es dabei zugegangen;
4) und was sie gewirkt habe?

Das sind die vier Punkte, die uns nacheinander vor Augen treten.

1. Wer sie getan?

Darüber gibt Aufschluss: V. 1. „Petrus und Johannes gingen mit einander hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten.“ Petrus und Johannes dieses edle Zeugenpaar sehen wir von nun an meist Hand in Hand miteinander gehen. Der feurige Petrus und der sanfte Johannes, der Mann der raschen Tat und der Mann des tiefen Gedankens, wie kommen gerade die zusammen? Waren sie einander nicht zu unähnlich, um mit einander auszukommen? Aber da seht die Macht des Heiligen Geistes, der auch das scheinbar Widerstreitende verbindet durch das Band gemeinsamer Liebe zum Herrn. Da seht die Weisheit des Herrn, der seine Rüstzeuge gern so zusammenstellt, dass sie einander ergänzen. Dieses Zusammenhalten und Zusammenwirken des Petrus und Johannes, wie gut mag's ihnen selber bekommen sein: Diamanten schleift man mit Diamanten, sagt ein alter Ausleger (Rieger). Diese zwei Edelsteine, Petrus und Johannes, jener gleichsam ein feuriger Rubin, dieser ähnlich einem himmelblauen Saphir, mögen einander heilsam geschliffen haben; an Johannes milder Ruhe mag sich manche schroffe Ecke des zufahrenden Petrus abgeschliffen, wiederum an des Petrus fester Felsennatur mag sich des Johannes weiche Seele gehärtet und gestählt haben. Und wie gut mochte dieses brüderliche Zusammenwirken beider großer Apostel auf die Gemeinde wirken! Wie manchmal mag Johannes den raschen Petrus vor allzuraschem Zufahren bewahrt, wie oft hinwiederum mag Petrus den sinnenden Johannes zu freudigem Zeugnis mit fortgerissen haben, und welch schönes Vorbild brüderlicher Verträglichkeit stellte dieses Apostelpaar der ganzen Gemeinde vor Augen! - Auch sonst manchmal, in der Geschichte des Reichs Gottes, wie in der weltlichen Geschichte, sehen wir solche Doppelgestirne leuchten. Wer von euch denkt nicht, um nur Eines anzuführen, bei dem Apostelpaar Petrus und Johannes an unser Reformatorenpaar Luther und Melanchthon, die Gott auch so zusammengestellt hat zum Heil seiner Gemeinde: Luther mit seiner Kraft: die feurige Petrusnatur, Melanchthon mit seiner Gelehrsamkeit und Milde: die sanfte Johannesseele. Muss man denn da Einen um des Andern willen herabsetzen, wie man oft tut und jetzt gerade wieder? Sollten wir da nicht vielmehr dankbar verehren die Weisheit Gottes und die Mannigfaltigkeit seiner Gaben? Sollten wir da nicht lernen, auch in unsrem geringen Teil uns freundlich zu vertragen mit ungleichen Berufsgenossen und Amtsbrüdern, mit anders gearteten Geschwistern, Gatten, Hausgenossen, und statt einander anzufeinden und zu beneiden, vielmehr jeder mit seinem Pfund einander brüderlich auszuhelfen, einander heilsam zu ergänzen nach dem Grundsatz: Eintracht macht stark, und vier Augen sehen weiter als zwei? - „Petrus und Johannes gingen mit einander hinauf in den Tempel.“ „Warum aber laufen sie wieder in den Tempel?“ fragt der alte Prediger Chrysostomus, „sind sie wieder in die jüdische Schwachheit verfallen? Das sei ferne, sondern sie richten sich nach den Schwachen.“ Wie ihr Herr und Meister nicht gekommen war aufzulösen, sondern zu erfüllen, so gingen auch sie nicht darauf aus, das alte Zion gewaltsam niederzureißen, sondern womöglich aus- und aufzubauen. Noch war es ja nicht entschieden, ob nicht vielleicht Israel noch das Evangelium annehme, noch lag es nicht am Tag, dass das Reich Gottes dem auserwählten Volk müsse genommen werden, und wie Luther Anfangs nichts weniger wollte als einen Riss durch die Christenheit machen und sich von der alten Kirche losreißen, so hofften auch die Apostel damals noch das alte Bundesvolk zu gewinnen für den neuen Bund und auf den Grundmauern des alten Zion den neuen Bau aufzuführen. Darum als rechte Israeliten gingen sie mit einander hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten“. Wie im Ort, so auch in der Zeit des Gebets richten sie sich noch folgsam nach der alten mosaischen Sitte. Um die neunte Stunde, d. h. nach unserer Uhr nachmittags drei Uhr, wenn die ermattende Hitze des Mittags vorüber ist und Geist und Körper sich wieder ermuntert, da war bei den Juden die Stunde des Abendgebets und Abendopfers; das war ja auch die Stunde des letzten Gebets und großen Opfers Jesu Christi, da er am Kreuz ausrief: es ist vollbracht! und: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! und neigte sein Haupt und verschied. - Um diese Zeit also, da gerade viel Volks zum Gebet um den Tempel versammelt war, die Zeugen werden sollten des ersten apostolischen Wunders, führte der Geist die beiden Apostel hinauf ins Heiligtum. Und dieser demütige Kirchgang des Petrus und Johannes zur Betstunde ward für die Kirche Christi ein Sieges- und Segensgang, eine unverhoffte Fest- und Freudenstunde. Denn nun seht

2. An wem sie geschehen, die erste apostolische Wundertat.

V. 2. „Und es war ein Mann, lahm von Mutterleibe, der ließ sich tragen; und sie setzten ihn täglich vor des Tempels Tür, die da heißet die schöne, dass er bettele das Almosen von denen, die in den Tempel gingen.“ Also ein unglücklicher Krüppel, von Mutterleibe lahm, ließ sich alle Tage an die Hauptpforte des Tempels tragen, welche die schöne hieß wegen ihrer schönen halberhabenen Arbeit in korinthischem Erz, die ein Geflecht von Lilien vorstellte, wie Josephus berichtet. An der Tempeltür, wo Gesetz und Propheten stärker an die Herzen der Aus- und Eintretenden schlugen, wo die Gemüter weicher und aufgeschlossener waren zum Wohltun, da bekam der Unglückliche manches Almosen seit Jahr und Tag. - Aber das herrlichste Almosen sollte er heute empfangen, ein Almosen, davon er sich nichts träumen ließ. Denn diesen elenden Bettler und Krüppel hatte der Herr ausersehen, um an ihm die Wunderkraft seines Geistes zu offenbaren, aus diesem schlechten, unförmlichen Klumpen Ton wollte der große Töpfer ein Gefäß seiner Gnade und Herrlichkeit bilden. Im Kleinsten zeigt er sich ja gern am größten, und je kläglicher das Elend, um so herrlicher die Gnade. Schaut aber auch an diesem armen, von Mutterleibe an lahmen Bettler ein Bild unsres natürlichen Unvermögens, unserer durch die Erbsünde gelähmten Natur. „So müssen wir auch getragen werden,“ sagt der fromme Gossner, „so lange die Schwachheit noch bei uns Füße hat. Wer uns aber vor die schönste Tempelpforte, die Jesus Christus heißt, hinlegt, der hat uns zur Pforte des Lebens und der Kraft Gottes gebracht, wo wir gewiss geheilt werden.“ Denn seht nun:

3. Wie es zugegangen bei der ersten apostolischen Wundertat.

V. 3-8.

V. 3. „Da er nun sah Petrum und Johannem, dass sie wollten zum Tempel hineingehen, bat er um ein Almosen.“ Freilich von seiner Seite kein Verdienst bei dieser Bitte. Seine arme gebundene Seele nimmt keinen hohen Flug. Er denkt nicht weiter als an ein Almosen, wie es ja solche Arme genug gibt, denen unter dem Druck des Elends jeder freie Flügelschlag der Seele gelähmt ist, die nicht höher denken, als wie sie von Tag zu Tag ihr elendes Dasein fristen. Er verlangt auch von den Aposteln nichts als ein Almosen, denn er kennt sie gar nicht, wie es ja Unglückliche genug gibt auch in der Christenheit, die von einem Predigtamt, das den Auftrag hat: tröstet, tröstet mein Volk! - nichts wissen und nichts wollen, oder die auch zum Pfarrer und zum Predigtamt höchstens um ein leiblich Almosen, um eine Geldunterstützung kommen. - Aber diese ganz gewöhnliche Bitte um ein Almosen die wird nun für die Apostel der Anlass zur ersten Wundertat. Sie waren freilich nicht mit dem Gedanken heraufgekommen: wir wollen heute ein Wunder tun, wir wollen uns heute sehen lassen vor allem Volk. Nichts weniger; demütig und still, mit gesenktem Haupt und in sich gekehrtem Gemüt stiegen sie die Tempelstaffel hinauf, ohne viel um sich zu sehen. Aber so geht's oft: wenn wir's am wenigsten denken, wirft uns der Herr einen Gegenstand unter die Füße, führt uns einen Menschen in die Hände, an dem wir unsre Kraft erproben, unsre Geduld beweisen, Gottes Herrlichkeit erfahren sollen. Wohl uns, wenn wir innerlich immer so gefasst wären, immer so mit Glaubenskraft, so mit Liebesfeuer gleichsam geladen, dass nur der äußere Anstoß und Anlass nötig ist, um unser inneres Feuer zu entbinden und zu entzünden, um uns zu einer Tat in dem Herrn zu wecken. So war's bei unserm Apostelpaar.

V. 4. „Petrus aber sah ihn an und sprach: siehe uns an!“ Wie lieblich dieses gegenseitige Anblicken, dieser Rapport zweier Seelen, die der Herr zusammenführt, durch die Augen! „Petrus sah ihn an.“ Aufgestört aus seinem stillen Sinnen blickt er den Bettler an, aber nicht mit Unwillen oder Verachtung, sondern mit herzlichem Erbarmen. O wenn wir nur immer Die recht ansehen würden, die uns um Hilfe bitten, statt so oberflächlich drüberhinzusehen und so schnell wieder wegzusehen das Herz müsste uns auch gegen sie aufgehen, der genauere Anblick ihres Elends, der Blick in so ein kummervolles Antlitz, oder in so eine zerrüttete Haushaltung, oder auch in so ein zerrüttetes Gemüt müsste uns rühren; ja auch der Strahl von Gutmütigkeit, der oft aus so einem verkommenen Antlitz doch noch leuchtet, das Fünklein göttlichen Ebenbilds, das oft in so einem verwilderten Herzen doch noch glimmt, müsste uns mit froher Verwunderung, mit neuem Glauben, neuer Liebe, neuer Hoffnung erfüllen. Darum, Menschen, Christen, Brüder, Schwestern, die ihr alle seid, blickt nicht so kalt voneinander weg! seht einander an!

Aber auch zum Lahmen spricht Petrus: „siehe uns an!“ Wie meint er das? soll das heißen: hab' Respekt vor uns, wir sind mehr als du glaubst? Ziehe den Hut vor uns ab, wir sind heilige Apostel? Gewiss nicht. Nein, Petrus will sich mit dem Armen nur in herzlichen, persönlichen Verkehr setzen; er will Zutrauen bei ihm erwecken; er will sein Auge emporrichten von der Erde; er will sein Gemüt vorbereiten auf etwas Großes. Gewiss ist dem Jünger da vorgeschwebt jene Kur des Meisters, als er den Taubstummen beiseite nahm. vom Volk, und rührte sein Ohr und seine Zunge an und deutete gen Himmel, ehe er das wundertätige Hephata rief. (Mark. 7.) Siehe uns an! so, meine Lieben, möchten auch wir manchmal einem Bittenden oder einem Zuhörer oder einem Feind und Widersacher zurufen, um sein Zutrauen zu erwecken Siehe uns an, liebes Kind, und sei nicht zerstreut, und merke, was wir dir sagen: es ist Gottes Wort. Sieh uns an, du Bettler, sagst du auch die Wahrheit; hast du auch ein gutes Gewissen; kannst du uns auch ins Auge sehen? Sieh uns an, du Feind und Widersacher! Hast du uns denn auch schon ein wenig kennen gelernt, ehe du uns verurteilst? Gib Acht, wir sind vielleicht nicht so schlimm, als du meinst und als man uns macht; wir sind zwar arme, unvollkommene, sündige Knechte, aber wir meinen's gut; und wir stehen im Dienst eines guten, großen Herrn, der auch dir durch uns helfen möchte. - So, Geliebte, Aug' in Aug', so lernt man einander kennen, und so kommt man durch einander und mit einander zum Herrn.

V. 5. „Und er sah sie an, wartete, dass er etwas von ihnen empfinge.“ Nun ist seine Seele gespannt, nun geht etwas in ihm vor, nun kann die Hilfe kommen, denn der Mensch hofft und wartet.

V. 6. „Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir; im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle.“ Fürwahr ein echt apostolisches Wort, voll apostolischer Armut und doch voll apostolischen Reichtums. „Als die Armen, die doch Viele reich machen, als die nichts haben und doch alles haben“, so stehen hier die beiden Apostel da. „Der goldarme Petrus,“ sagt Gossner, war doch reicher als alle Reichen, als alle Übergoldeten und Gutbesoldeten in Jerusalem. Er hatte Glauben an die Kraft des Namens Jesu Christi und damit richtete er mehr aus, als wenn ihm Christus ein Königreich zur Besoldung angewiesen hätte.“ - Der fromme Kirchenlehrer Thomas von Aquino sah einst, wie ein hoher Kirchenfürst sich die mit Ringen reichgeschmückten Hände in einem goldenen Wasserbecken wusch. Scherzend sagte dieser: Nun, mein Lieber, kann die Kirche nicht mehr sagen: Silber und Gold habe ich nicht. Ja wohl, hochwürdiger Vater, entgegnete Thomas, aber dafür kann sie auch nicht mehr sagen: Im Namen Jesu Christi stehe auf und wandle! Wie reich war dagegen der Apostel in all seiner Armut! Was ich habe, sprach er, das gebe ich dir, und das war mehr denn Silber und Gold, das Heil für Leib und Seele im Namen und in der Kraft Jesu Christi. „Im Namen Jesu.“ Also nicht in Petrus, nicht in Johannes, nicht in eines Menschen Namen, sie sind nur die Knechte, die Werkzeuge. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Gold und Silber habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir; so Gottlob kann auch heute noch die evangelische Kirche sprechen; sie ist zwar arm an weltlicher Macht und zeitlichem Gut; was sie aber hat und was sie gibt allen gläubigen und heilsbegierigen Seelen, das ist Jesu hochgelobter Name, Jesu lautes, kräftiges Wort, Jesu unvergängliches Heil. Und wenn wir das bekommen, meine Lieben, und wenn wir das haben: haben wir nicht mehr als Silber und Gold? Können wir nicht reich sein bei aller Armut, stark bei aller Schwachheit, getröstet in aller Trübsal, fröhlich in aller Schmach? Heißt's da nicht immer noch auch beim Schwachen und Gedrückten, beim Kranken und Betrübten: Stehe auf und wandle? Stehe auf aus deiner Schwachheit, wandle im neuen Leben, in der Kraft deines Gottes und Heilands?

V. 7. 8. „Und griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Alsobald standen seine Schenkel und Knöchel fest; sprang auf, konnte gehen und stehen, und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang und lobte Gott.“ O herrliche Genesung! An der treuen Apostelhand richtet der Krüppel sich auf. Zum ersten Mal in seinem Leben steht er aufrecht da wie ein Held. Und seine Gebeine stehen fest, seine Füße tragen ihn; es ist kein plötzliches Auffahren bloß, er sinkt nicht wieder zusammen, er ist gesund! Und er rührt seine Füße, und siehe er kann nicht nur stehen, sondern auch gehen, wie ein andrer Mensch. Und wohin ist sein erster Gang? Mit den Aposteln in den Tempel, um da Gott zu loben, der so Großes an ihm getan. O das war ein seliger Kirchgang! Ein seliger Kirchgang für den Geheilten, der nun von Grund des Herzens sein Loblied anstimmen durfte: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' und Dank für seine Gnade! Ein seliger Kirchgang für die Apostel, die einen solchen Begleiter mitbringen durften vor Gottes Angesicht. Das ist ja das schönste Gefolge eines Dieners Christi: Seelen, denen er durch Gottes Gnade vom Verderben geholfen; O Gott, wie muss das Glück erfreun, der Retter einer Seele sein! -

Nun seht noch

4. Was sie gewirkt hat, die erste apostolische Wundertat.

V. 9. „Und es sah ihn alles Volk wandeln und Gott loben.“ Sie sahen's und hörten's, die dabei waren; denn Gott zündet nicht ein Licht an und stellt's unter den Scheffel, sondern steckt's auf den Leuchter, dass es allen leuchte, die im Hause sind.

V. 10. „Sie kannten ihn auch, dass Er es war, der um das Almosen gesessen hatte vor der schönen Tür des Tempels; und sie wurden voll Wunderns und Entsetzens über dem, das ihm widerfahren war.“ Zu leugnen gab es da nichts, denn Jedermann kannte den Menschen, an dem die Kirchgänger seit Jahr und Tag vorbeigegangen waren als an einem Krüppel, und nun war er gesund. - Wegleugnen und wegdeuten lassen sie sich auch heut noch nicht die Wunder jener großen, heiligen Vorzeit. Darum Verwunderung und Entsetzen vor dem großen Gott, das muss mindestens die Frucht sein von solchen herrlichen Taten, wie es auch dort heißt: Sie wurden voll Wunderns und Entsetzens. Soll's aber bei uns nicht weiter kommen, als zu diesem kalten Staunen, zu diesem ängstlichen Entsetzen? Nein, wir wollen den Herrn auch preisen, der so große Dinge tut. Wir wollen an den Heiland glauben, in dessen Namen schon so viel Tausenden Heil gebracht worden seit jenem ersten apostolischen Gnadenwunder. Wir wollen den Herrn bitten, dass er an noch recht Vielen, auch an uns und den Unsern, seine geistlichen Wunder tue. Denn wie jener lahm war von Mutterleibe, so sind wir von Geburt an Knechte der Sünde. Wie sie jenen trugen vor des Tempels Tür, um Almosen zu empfangen, so hat er uns zur heiligen. Taufe getragen, um himmlische Gaben zu empfangen. Wie jener durch Petri Wort von Christo geheilt worden, so ist auch unsre Bekehrung ein Werk Gottes, gewirkt durch das Wort der Propheten und Apostel. Wie jener nach der Heilung wandelte und Gott lobte, so soll auch bei uns der Bekehrung ein echter Christenwandel folgen und ein fröhliches Lob Gottes mit Herz und Mund und Händen. Darum

Such wer da will Nothelfer viel,
Die uns doch nichts erworben:
Hier ist der Mann, Der helfen kann,
Bei dem nie was verdorben;
Uns wird das Heil Durch Ihn zu Teil,
Uns macht gerecht Der treue Knecht,
Der für uns ist gestorben.

Ach, sucht doch Den, Lasst Alles stehn,
Die ihr das Heil begehret.
Er ist der Herr, Und keiner mehr,
Der euch das Heil gewähret.
Sucht Ihn allstund Von Herzensgrund,
Sucht Ihn allein, Denn wohl wird sein
Dem, der Ihn herzlich ehret. (Georg Weissel.)

Amen.

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