Flügge, Carl August - Bitte unterrichten Sie sich.

Flügge, Carl August - Bitte unterrichten Sie sich.

A.: „Sie geben mir eine Einladung zu den Versammlungen der Baptisten. Was soll ich denn dort? Ich gehöre ja nicht dorthin; ich bin kein Baptist!“

B.: „Eben darum, wären Sie Glied unserer Gemeinde, brauchte ich Sie nicht einzuladen, dann kämen Sie von selbst.“

A.: „Ich nehme nicht an, dass Sie Proselyten machen wollen; aber ich frage, was bezwecken Sie, was wollen Sie von mir?“

B.: „Nichts! Wir möchten Ihnen etwas geben und sein. Wir selbst und Sie haben nicht nur Bedürfnisse des Magens und Kopfes, wir haben auch ein Herz und eine unsterbliche Seele, und für Ihr Herz möchten wir Ihnen etwas geben, und Ihrer Seele möchten wir uns als Freund beweisen.“

A.: „Darf denn jeder zu Ihnen in die Kapelle kommen?“

B.: „Jeder; darum haben wir sie gebaut, um allen, die kommen und hören wollen, das und Den zu verkündigen, in dem wir Leben und volles Genüge gefunden haben. Wir laden jeden ein, vornehmlich die, von denen wir annehmen, dass sie noch ohne persönliche Heilserfahrung seien. Unsere Zahl vermehrt sich nicht durch Geburten, sondern durch Wiedergeburten. Wir sind Missionsgemeinden.“

A.: „Ich weiß, dass Sie die nicht geringen Kosten an Kapellenbauten, Instandhaltung derselben, Abgaben, Predigergehalt, äußere und innere Mission ohne jede Staatsbeihilfe, allein aus eigenen Mitteln decken; wie können Sie das nur, da Sie doch in der Mehrzahl nicht zu den Reichen gehören?“

B.: „Oft ist's uns selbst ein Wunder. Wir sind alle fröhliche Geber, und solche sind von Gott gesegnet. Da ist niemand, der mit Unwillen oder aus Zwang gibt, ein jeder ganz nach seiner Willkür, nachdem Gott ihm gegeben und Christi Liebe ihn drängt.“

A.: „Wie kommen Sie eigentlich zu Ihrem merkwürdigen Namen?“

B.: „Diese von uns nicht selbstgewählte Benennung „Baptisten“, abgeleitet von dem griechischen Wort baptizo = untertauchen, ist uns beigelegt infolge unseres Festhaltens in Lehre und Praxis an der biblischen und altchristlichen Tauflehre. Luther sagt in seinem Sermon von der Taufe: Zum ersten: Die Taufe heißt auf Griechisch baptismos, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammengeht; darum sollte es sein und wäre recht, dass man jeglichen, der getauft wird, ganz hinein ins Wasser senkte oder taufte und wieder herauszöge. Das fordert die Bedeutung der Taufe. Darum sollte man der Bedeutung genugtun und ein recht vollkommenes Zeichen geben. Weil wir nun der Bedeutung genugtun und in echt apostolischer Weise durch Untertauchen die mit Christo Gestorbenen begraben durch die Taufe, darum nennt man uns, in der Meinung, als sei dies unsere wichtigste Unterscheidungslehre, Baptisten, d. h. Täufer.“

A.: „Was unterscheidet Sie eigentlich von der großen Staatskirche?“

B.: „Wir sind eine Gemeinde, d. h. eine Versammlung von solchen, die Jesus Christus aus der Welt herausgerufen hat, denen Jesus alles ist und die Ihm alles geweiht haben. Gläubige an Jesum, den Sohn Gottes, die Seine Bundesstiftungen, Taufe und Abendmahl, in Seinem Sinne verwalten und auf Seinen Befehl Mission treiben. In der Bibel finden wir nichts von Staats- oder Landes- oder anderen Kirchen, nichts von Gemeinschaften oder Vereinen. Das Wort ekklesia meint an einigen Stellen: Universalgemeinde, die unsichtbare Kirche oder Gemeinschaft der Heiligen, in den meisten Fällen ist damit jedoch eine örtlich abgegrenzte Lokalgemeinde bezeichnet, die die Geheiligten in Christo Jesu an einem Ort umfasst, wie z. B. die Gemeinde Gottes zu Korinth. (1 Kor. 1, 2.) Eine Gemeinde lässt sich schlechterdings mit nichts in der Welt vergleichen. Sie hat Ähnlichkeit mit einem religiösen Verein; soviel aber der Menschensohn mehr ist denn die Menschen, soviel ist die Gemeinde mehr denn ein Verein; denn sie ist vom Himmel, und die Macht der Hölle wird sie nicht überwältigen.“

A.: „Warum ist dann aber Ihre Bewegung noch so klein und zählt sowenig Geehrte, Gelehrte und Reiche in ihren Reihen?“

B.: „Nun gar so klein ist unsere Zahl nicht, wir können von sieben Millionen Baptisten reden, und zählten wir alle unsere Anhänger, kämen wir auf zwanzig Millionen. Ein Drittel aller bekehrten Heiden sind Baptisten. Baptisten haben die erste ausländische Missionsgesellschaft gegründet, zuerst die Bibel in heidnische Sprachen übersetzt, die Bibelgesellschaft und Sonntagschule mitgegründet. Spurgeon, der Fürst unter den Predigern; Carey, der Vater der Heidenmission; Bunyan, der Verfasser der Pilgerreises; Milton, der Dichter des Verlorenen Paradieses; Judson, der Apostel der Birmanen; Saker, der Bahnbrecher christlicher Kultur in Kamerun u. v. a. waren Baptisten. Aber es sei uns fern, uns dessen zu rühmen. Um den Wert einer christlichen Gemeinschaft zu ermitteln, muss sie nicht gezählt, sondern gewogen werden. Die Masse und das Große der Welt ist selten Träger evangelischer Wahrheit. Uns genügt es, auf dem Grunde der Bibel zu stehen.

A.: „Kann denn jeder bei Ihnen Mitglied werden; würden Sie mich z. B. taufen?“

B.: „Nur die, die bekehrt und von Herzen an den Herrn Jesum gläubig sind und dann ein glaubwürdiges Bekenntnis ihres Glaubens ablegen, können Mitglieder der Gemeinde werden. Was hilft es Ihnen auch, wenn Sie Baptist und kein Kind Gottes und Erbe des Himmelreichs wären! Auch haben wir nicht die Aufgabe, die Leute zu Baptisten zu machen, das ist vorerst nebensächlich. Hauptsache ist, ist, dass wir den Sündern den Heiland predigen und alle bitten: Lasst euch versöhnen mit Gott. (2 Kor. 5, 10-6, 1.) Ich wiederhole: Wir sind kein Verein. Bei der Aufnahme von Mitgliedern spielt die Gemeinde nur eine passive Rolle. Der Herr ist es, der hinzutut die, die Sein Wort und Jesum selbst aufnehmen, indem sie sich in wahrer Buße von der Welt abwenden. Wer so gläubig geworden ist, ist vom Herrn selbst hinzugetan zu der Gemeinde, d. h. Seinem Leibe eingefügt. In die sichtbare Gemeinde soll er dann durch die Taufe aufgenommen werden. Da das Abendmahl nur der Gemeinde gehört, die da ist der Leib des Herrn, und da man zu dem einen Leibe nur durch den einen Geist getauft wird (1 Kor. 12, 13), so ist es klar, dass, wer die Segnungen der Gemeinde mitgenießen, in und mit ihr das Abendmahl feiern will, zuvor in biblisch apostolischer Weise getauft sein muss.“

A.: „Darüber möchte ich gerne mehr hören und mich genauer unterrichten.“

B.: „Bitte, tun Sie es. Gehen Sie zu Jesu, beten Sie zu Ihm, suchen Sie Ihn selbst auf, flehen Sie um den Geist der Wahrheit, der Sie in alle Wahrheit leiten wird, studieren Sie die Bibel und das Leben und die Lehren derer, die Jesu Jünger sind.“ C. A. F.

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