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Ahlfeld, Friedrich - Andachten - Matthäusevangelium
Zu der Zeit kam Johannes, der Täufer, und predigte in der Wüste des jüdischen Landes, und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
(Matth. 3,1.2. )
Wo Gott ein Neues macht, da räumt er zuvor auf unter dem Alten. Wenn der Frühling kommen soll, räumt er auf unter dem alten Eis und Schnee. Er räumt auf auf dem Feld, denn die dürren Stoppeln müssen zuvor verwesen. Auf den Wiesen muss das alte Gras verwelken, und auf den Bäumen bricht er die dürren Zacken durch die Frühlingsstürme weg. Anders macht er es in dem Menschengeschlecht auch nicht. Er pflüget ein Neues. Er will sein heiliges Samenkorn nicht unter die Hecken und Dornen werfen. Der Herr konnte nicht kommen, ohne dass ein Johannes voranging und in dem Herzen des Volkes aufräumte. Er musste erst mit der scharfen Axt des Gesetzes die alten Dornen abhauen. Auch heute noch muss Johannes vorangehen, wenn Christus bei dir einziehen soll. Der Herr kann dir nicht zum Segen kommen im heiligen Abendmahl, wenn dir nicht das Gesetz deine Sünde aufgedeckt und in dem armen Herzen Klarheit gemacht hat. Siehe, so kann er auch bei dir nicht einziehen zum heiligen Christfest, wenn Johannes nicht vorangegangen ist. Da ist keine Weihnachtsfeier, da ist das Herz keine Krippe, wo wir alle unsere Selbstsucht, alle unsere alte Sündenbequemlichkeit behalten haben.
O treuer Heiland, gib Gnade, dass wir recht angetan hinkommen vor deinen Herold Johannes. Behüte uns, dass wir nicht vornehm vor dem treuen Gesetzesprediger hintreten, als ob seine Predigt für uns überflüssig sei. Behüte uns, dass wir nicht denken: Wir haben Christum, was brauchen wir da Johannes? Wir haben den freundlichen Heiland, was brauchen wir den harten Mann? Wo wir an einem Tag das Gesetz nicht fühlen mit seinen Drohungen und mit seinem Gericht, da haben wir auch dich nicht recht. So erbarme dich unser, dass wir uns erst in der Wüste holen das zerbrochene und zerschlagene Herz, damit wir dann auch an deiner Wiege singen können: „Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilandes. Du hast angesehen das Elend deines Knechts, und hast seine Seele errettet von den Ketten des Todes, dir sei Preis und Dank und Anbetung in Ewigkeit!“ Amen. (Fr. Ahlfeld)
Er ist der, von dem der Prophet Jesajas gesagt hat: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste, bereitet dem Herrn den Weg und macht richtig seine Steige.
(Matth. 3,3.)
Als Predigtstätte hatte sich Johannes die Wüste erwählt. Warum denn diese? Warum predigte er denn nicht in der Nähe von Jerusalem oder etwa in einem Palmenhain bei Jericho? Konnte er denn dem Volk nicht ein Wenig entgegenkommen, dass sie es bequemer, dass sie eine gemütliche Beköstigung und gute Herberge in der Nähe gehabt hätten? dass es zugleich eine kleine Lustpartie gewesen wäre? Nein, das wollte er nicht, das sollte er nicht. Er wäre nicht Johannes, er wäre nicht der neue Elias gewesen, wenn er es anders gemacht hätte. Heraus sollte das Volk aus seinen Städten, heraus aus dem Tageslauf seiner Geschäfte, heraus aus der Bequemlichkeit des Sündenlebens, in welches es durch lange Gewohnheit hineingewachsen war. Zu Fuß musste es durch die lange Wüste gehen, da hatte es Zeit sich zu besinnen. Die Wüste sollte ihm ein Spiegel werden zur Erkenntnis des eignen Herzens, in ihr liegt Alles voll von totem Gestein, da die Sonnenglut jedes Kräutlein ausdorrt, welches seinen dürftigen Stängel emporrecken will. Da ist kein Quell, kein Baum, kein Schatten, keine Frucht. dieser Wüste strömt der Jordan von den Bergen hernieder. Name bedeutet ein Strom der von oben herniederwallt. sichtbaren Lettern hatte es Gott der Herr dahingeschrieben: „Du Volk bist in deinen Sünden eine Wüste, dürr und unfruchtbar und versengt von der Sonnenglut meiner Gerichte. Aber es wallt jetzt hernieder von den Bergen des Heils, hernieder in diese Wüste und in das tote Meer der Gnadenstrom, der Leben gibt, und der seine Ufer bekränzt mit Bäumen und Früchten der Gerechtigkeit.“
Lieber himmlischer Vater. Es ist heute Rüsttag auf den Sonntag, da gibt's zu rüsten und zu reinigen im Hause. Es sind aber auch Rüsttage auf dein Kommen im Sohne; das lass uns in aller äußeren Arbeit, in allen Welt- und Geschäftsgedanken nicht vergessen. Gib uns stille Stunden, wo wir unser Herz reinigen und rüsten. In seinen Sünden, seiner Decke, gleicht es der Wüste ohne Quell, ohne Schatten. Unsere Schuld brennt darin wie glühend Feuer. Doch du kannst dies Feuer löschen mit dem Blute Christi, du gießt Ströme auf die Wüste. Dein Tau ist wie der Tau des grünen Feldes. Der Durstige kann zur Quelle kommen. Lass deinen Gnadenstrom auch in meiner Herzenswüste fließen und lass es davon grünen und blühen, dass wenn du kommst du grüne Auen findest und richtige Steige. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
(Matth. 5,17. )
Es werfen sich viele zu Reformatoren auf, ohne von Gott einen Beruf dazu zu haben. Ihre erste Kunst besteht in der Regel darin, dass sie das Alte tadeln. Sie wollen es niederreißen und ein Neues nach ihrem eigenen Plan bauen. Bald aber zeigt es sich, dass sie auf falschem Grund begonnen haben, und ihr Bauwerk bleibt als ein Trümmerhaufen liegen. Ein solcher Neuerer war der Herr nimmer. Ja, er wollte Neues schaffen. Es sollte aber erbaut werden auf dem Grund, den Gott durch das Gesetz und die Propheten gelegt hat. Das von Gott gegebene Gesetz war gut und durchläutert wie reines Gold. Dennoch konnte es Niemand selig machen, denn Niemand hat es erfüllt. Er, der Gottes- und Menschensohn, der Heilige und Gerechte, der von keiner Sünde wusste, er hat es getan. Er hat es gemacht zu einem heiligen Ganzen; denn die Pharisäer hatten es in lauter einzelne Satzungen zersplittert. Er stellt in die Mitte aller Gebote das Wort: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“ Das ist der heilige Brunnen mit lebendigem Wasser. Um ihn stehen die zehn Gebote als Bäume, welche ihre Wurzeln da hineinsenken und Kraft und Leben in sich aufsaugen. So gibt Christus dem Gesetz die rechte Fülle. Doch auch aus seinem Leben heraus erfüllt er das ganze Gesetz, mit dem Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater. Sein ganzes Leben ist ein großer, heiliger Gottesdienst. Er erfüllt die Propheten. Von all ihrer Weissagung auf ihn ist auch nicht ein Tittelchen unerfüllt geblieben von ihm, dem großen Helfer, dem Gerechten, auf dessen Tag wir uns jetzt rüsten.
Lieber, barmherziger Herr, lass uns recht erkennen und innerlich erfahren, was du für uns getan hast. Du hast die ganze Last unsrer Pflicht auf dich genommen und das Gesetz erfüllt. Du hast dir die ganze Last unsrer Schuld aufgebürdet. Du bist der Freund der die Verlorenen vom Abgrund, der uns Alle wie einen Brand aus dem Feuer gerettet hat. So gib uns nun Gnade, dass wir uns auch diese deine Heilstat fest aneignen. Stärke, du Gottes- und Menschensohn den neuen Menschen in uns. Gib ihm Kraft im heiligen Geist, dass es ihm eine Freude sei, das Gesetz zu erfüllen und den Willen zu tun deines und unseres Vaters im Himmel. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tittel vom Gesetz, bis dass es Alles geschehe.
(Matth. 5,18.)
Seht diesen gewaltigen Gegensatz. Auf der einen Seite steht das große, ungemessene Weltgebäude, die Massen der Schöpfung, von denen sich Menschengedanken kein Bild machen können. Auf der andern Seite steht der kleinste Buchstabe vom Gesetz, das i. Das Weltgebäude, Himmel und Erde werden zergehen, aber jener Buchstabe vom Wort wird nicht zergehen. So groß ist der Abstand zwischen der wandelbaren Kreatur und dem ewigen Worte vom Vater.
Wenn sich denn dies i mit seinem Tippelchen vor dem ganzen Weltgebäude nicht zu fürchten hat, wenn es den Kampf mit ihm aufnehmen kann: dann hat sich sicher die Schrift auch nicht vor ihren Klugen Richtern zu fürchten, welche sie ganz auflösen, welche Christum, ihre Seele, herausnehmen, oder hier und dort mit dem Zahn menschlicher Klugheit ein Stück herausnagen möchten. Gesetz und Propheten werden aufgelöst mit Unglauben, mit falscher Lehre und Verflachung. Aber wer nur eins von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der kleinste heißen im Himmelreich. Da wird mancher große Gelehrte der kleinste heißen, oder kaum der kleinste; denn viele haben es nicht bei einem von diesen kleinsten Geboten bewenden lassen.
Herr, unser Gott, habe Dank für dein teures Wort, diese einzige feste Insel mitten in dem wogenden Meer des menschlichen Irrtums. Ach Herr, was hätten wir denn, wenn wir dein Wort nicht hätten? Aus einer Meinung und Vermutung würden wir der andern in die Arme geworfen. Unser Heil wäre verborgen und ungewiss, und der Weg dahin noch ungewisser. Aber du hast dich unserer erbarmt. Du hast auf die Klippe den Leuchtturm gebaut, der immer gleichen Schein gibt, und der uns deutlich die Straße nach der seligen Heimat zeigt. In deinem Lichte sehen wir das Licht. Nun gib uns nur Demut und Glauben, dass wir solches Licht auch für dein Licht nehmen, uns desselben freuen, und durch die tausend Irrlichter aus dem Pfuhl der Welt nicht irre machen lassen und endlich in Kraft dieses Lichtes als die Kinder des Lichtes auch im Lichte wandeln. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflöst, und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich.
(Matth. 5,19.)
Das Gesetz ist für die in dem Herrn Wiedergebornen eine Anweisung, wie sie zu seiner Ehre wandeln sollen. Da heißt es denn für uns: „Wir haben das Gesetz zu erfüllen!“ Es ist aber den Kindern Gottes kein Gesetz mehr, sondern es ist der gute und gnädige Wille ihres lieben Vaters im Himmel. Wir aber antworten in unserer Schwachheit: „Wie soll ich es erfüllen? Mag es ein Gesetz oder väterlicher Wille sein, ich bin, wenn auch ein Kind, doch ein armes schwaches Kind. Wer gibt mir Kraft zu solchem Leben in Gott?“ Hier stehen wir an den offnen Weihnachtspforten. Er, von dem es heißt: „Ich bin gekommen“, ist nicht allein gekommen, er kommt noch. Die Christzeit ist vor der Tür. Der Herr hat das Gesetz und die Propheten vor dir und für dich erfüllt, er erfüllt sie auch in dir und durch dich. Seine Kraft ist in dem Schwachen mächtig. Was dem Gesetz unmöglich war, nämlich ein neues Herz zu schaffen zu fröhlichem Gehorsam, das tut der Sohn Gottes, der heilige Erneuerer. Der Herr will es in dir tun, wenn du nur glaubst, wenn du nur seine Gnadenmittel fleißig brauchst, wenn du nur fleißig bittest um seinen heiligen Geist. Er ist deine Stärke. Er ist es, welcher in dir wirkt Beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.
Herr Jesu Christe, du bist der, der da kommen soll. Wir wollen und können keines Andern warten. Durch deine gnädige Zukunft soll das Land der Gerechtigkeit voll werden wie Wasser, die das Meer bedecken. So komm denn, zeuch ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast, Der du die ganze arme Erde nicht verschmähet hast, verschmähe auch diese arme Welt nicht. Erfülle unsere Herzen mit deinem köstlichsten Gut. Gib Gnade, dass wir dich im Glauben annehmen und in dir ergreifen die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Und dann feiere in uns deinen Advent auch damit, dass diese Gerechtigkeit immer mehr unsere eigne werde, und unser Leben erneuert und gestaltet werde in dein heiliges Leben. Ja komm, Herr, führe uns und die Unsern auch heute auf deinen Wegen. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe!
(Matth. 7, 15.)
HErr JEsus Christus, erbarme Dich über uns, dass wir herauskommen aus allerlei Schein, Lüge und Heuchelei! Pflanze und gründe uns in die Wahrheit: denn wir sind Dein, und Du bist die Wahrheit. HErr, gib uns eine gründliche Erkenntnis unseres Heils, gib uns auch einen rechten Ernst, Dich zu bekennen und Dir nachzuwandeln! Befreie Du uns von Menschenknechtschaft! Lass uns nicht mehr abhängen von der Meinung, vom Wort und dem Augenwinken der Leute! Gib uns in Dir die gottselige, evangelische Freiheit und Klarheit, welche hindurchschaut durch die Maske, welche mit dem Schwert des Wortes den Nebel aller Lüge und Heuchelei durchschneidet und unbeirrt vor Deinem heiligen Angesicht ihren Gang geht! „Hüter, wird die Nacht der Sünden Nicht verschwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsternis der Sinnen Bald zerrinnen, Darin ich verwickelt bin? Möcht ich, wie das Rund der Erden lichte werden! Seelensonne gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe: JEsu, Liebe, Komm, beschleunige den Lauf.“ Amen. (F. Ahlfeld.)
Da sagte Er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?
(Matth. 8,26.)
Ist der HErr Jesus der Steuermann in unserem Lebensschifflein, dann brauchen wir Sturm und Wellen nicht zu fürchten. Wie oft haben wir schon Seine rettende Macht erfahren dürfen! Wenn die kalten Nordwinde der Sorge durch dein Herz wehten, sind Sabbatsstunden gekommen, wo der Glaube dir sagt: „Er lebt und regiert ja noch.“ Da ward es ganz still. Wenn die Angst vor Gottes Gericht dein Herz durchwühlte, wie ein Sturm die Tiefen des Meeres durchwühlt, und du konntest Christum in dir aufwecken, konntest gläubig zurückkehren zu Ihm, der Sich um unserer Sünde willen dahingegeben hat, dann ward es ganz still. Sobald Er am Steuer steht, bekommt das Schiff die rechte Richtung. Er steuert mit den Jüngern dem Land zu. Das Land, das einzig feste Land ist die Gnadenheimat der Kinder Gottes. Keine Flut zerstört dieselbe. Vor dem Ufer dieses Landes müssen wir noch einmal durch eine harte Brandung schiffen. Hoch gehen da die Wellen. Doch habe nur Deinen HErrn im Schiff und auch hier wird es still werden! Wenn endlich die Stimmen der Angst in Dir schweigen, dann wird laut die Stimme des Lobes und Preises: „Was ist das für ein Mann, dem Wind und Meer gehorsam ist!“ Dann ist dein Herz erfüllt von dem Ruhm:
„Du hast mir die Bahn gebrochen,
Hast die Fluten überwunden,
Hast mich aus der Stürme Nacht
Sicher an das Land gebracht!
Preis sei Deiner Gnad und Macht!“ Amen. (Fr. Ahlfeld.)
Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.
(Matth. 21,5.)
Es ist ein eigener Königszug, den der heutige Sonntag uns vorstellt. Der Herr zieht von Jericho her nach Jerusalem. Es ist aber keine Gestalt noch Schöne, die uns gefallen hätte. Das Tier auf dem er einzieht ist ein geborgtes. Zwei Jünger müssen eine Eselin in Bethphage ablösen und zu ihm führen. So zieht er nicht ein auf prächtigem Königsrosse, sondern wie Sacharja es geweissagt hatte, auf verachtetem Tiere. Wenn sonst die Könige in ihre Stadt oder Burg zogen, wurden die Wege belegt mit köstlichem Tuch und Decken, dass sie darüber hinritten. Hier breitete das arme Volk seine Kleider, die wenig gemein hatten mit Königsteppichen, auf den Weg. Sonst gingen und ritten dem König seine Herolde voran. Hier ziehen arme Kinder voran, sie ziehen mit ihm zur Stadt und zum Tempel hinein, und verkündigen seine Ehre. Und doch, wer die stillen, verborgenen Züge aus diesem Bilde herauslesen kann, muss sagen: es war ein wunderbarer Zug. Was zog diese Haufen an ihn? Was scharte die Kinder um ihn? Was bewog jenen Mann, auf das bloße Wort: „der Herr bedarf ihrer“, sein Tier zu lassen? Es war die in Christo verborgene Fülle der Gotteskraft: die Alle fühlen ließ: Siehe, dein König kommt zu dir!
Herr, barmherziger Heiland, wir danken dir, dass du in solcher Niedrigkeit zu uns kommst. Du hast deine Herrlichkeit verlassen um unsertwillen. In deinem Leiden willst du ja meine Sünde tilgen und meine Schuld tragen, darum wählst du die Dornenkrone statt der Ehrenkrone. Du willst unsern Glauben an dich wecken, darum kommst du nicht in Macht und Herrlichkeit, nicht in der Majestät, die Welt und Herzen zerscheitert wie der Blitz einen dürren Baum, sondern sanftmütig. Du willst uns anzeigen, welcher Art dein Reich sei. Es ist nicht von dieser Welt. Hoch und groß kann darin nur sein, was um des Herrn willen klein geworden ist. Lass uns auch klein werden angesichts deiner Niedrigkeit, dass du auch uns mit sammelst zu deinen Untertanen und uns eine Stätte gibst in deinem ewigen Reich. Dazu segne diese Adventszeit, dazu das ganze heute beginnende Kirchenjahr aus Gnaden. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber das vorging und nachfolgte schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids; gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
(Matth. 21,8 u. 9.)
Gehe einmal in den Garten deines Herzens, da steht ein Palmenbaum mit hohem, schwanken Schaft, das ist dein Hochmut, deine Meinung von dir selbst, dein Stolz auf deine Tugend, auf deine Kunst, auf deine Güter. Da steig hinauf, brich ihm die Zweige ab, brich ihm die Krone aus, dass er nicht mehr wachsen kann. Und alles streue dem Herrn auf den Weg. Du trägst ein Staatskleid, das ist das Kleid deiner eigenen Gerechtigkeit. Es ist eine falsche Hülle. Ziehe es aus und wirf hin das alte Kleid. Und er wird über die abgerissenen Zweige, über das abgeworfene Kleid lieber einziehen in dein Herz, als er über Palmen und Kleider einzog in die alte Stadt Jerusalem. Dazu rufe dein Hosianna! das heißt: „Hilf doch.“ Hilf doch, denn ich kann mir selber nicht helfen; errette mich; denn ich kann mich nicht erretten! Dies Hosianna müssen wir erst rufen lernen, ehe wir Halleluja rufen dürfen. Und zum zweitenmal schallt es: Hosianna in der Höhe! Das ist der Ruf der Engel, die für dich den Herrn um Hilfe bitten. Ihm folgt das Loblied: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Singe es mit aus Herzensgrund und mit fröhlichem Mund. Brich weg des Hochmuts stolze Zweige; Dass sich dein Herz in Demut neige, Ruf deinen Heiland brünstig an, Er ist's allein der helfen kann. Und lobe freudig Jesum Christ, Der dir zum Heil gekommen ist. Bist du demütig, arm und klein, So zieht er in dein Herz hinein.
Herr Jesu Christe! Kein Menschenname kann mir helfen: denn an allen Menschennamen klebt Sünde und Schuld. Keiner kann mir helfen der in seinem eigenen Namen kommt. Er muss kommen in Gottes Namen; an ihm, an ihm allein hab' ich gesündigt; von ihm, von ihm allein kommt auch die Gnade. Und du, Gottessohn, hast einen Namen, der über alle Namen ist. Du kommst im Namen dessen, der die Handschrift zerreißen kann, der das Wehe des Gesetzes hinwegnehmen kann. Hab Dank für dein so heißes Lieben, das dich zu mir herabgetrieben. Lass mich dies Lieben nicht vergessen in der Arbeit und Unruhe des Tages, dass diese Zeit eine stille Rüstzeit werde auf dein heiliges Kommen. Amen. (Fr. Ahlfeld)