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| - | Des heiligen Augustins | ||
| - | Soliloquien | ||
| - | oder | ||
| - | stille Stunden vor dem HErrn | ||
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| - | Nebst seinem | ||
| - | Manuale | ||
| - | oder | ||
| - | Handbüchlein zur heilsamen Betrachtung der Liebe | ||
| - | des HErrn | ||
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| - | Zwei Betbüchlein | ||
| - | dem evangelischen Volke dargereicht von | ||
| - | Christian Müller, | ||
| - | Pfarrer zu Beerfelden | ||
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| - | Stuttgart. | ||
| - | Verlag von Samuel Gottlieb Liesching. | ||
| - | 1857 | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Weil wir mitten unter des Satans Schlingen wohnen, so erkalten wir bald in den himmlischen Begierden. Darum bedürfen wir zur frischen Ermunterung und im Falle des Abweichens von unserm GOtt, dem wahren und höchsten Gute zur möglichst schnellen Wiederkehr eines steten Gedenkzeichens. Deshalb habe ich dies Büchlein zusammengetragen, | ||
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| - | So stehe mir nun bei, o mein GOtt, den ich suche, den ich liebe, den ich mit Herz und Mund und allen meinen Kräften lobe und anbete. Es gibt für mein Gemüt, welches sich Dir ergeben und mit Deiner Liebe entzündet ist, welches nach Dir seufzt, nach Dir trachtet und Dich allein zu schauen begehrt, nichts Süßeres und Angenehmeres, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du, HErr, erfüllst Himmel und Erde; Du trägst Alles ohne Last; Du erfüllst Alles unbeschlossen; | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Wenn die ganze Welt mit Büchern erfüllt wäre, so wäre damit noch nicht Dein unaussprechliches Wissen ausgesprochen. Denn weil Du unaussprechlich bist, so kannst Du auf keine Weise beschrieben oder umfasst werden. Du bist die Quelle des göttlichen Lichts und das Licht der ewigen Klarheit. Du bist groß ohne Maß und deshalb unermesslich; | ||
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| - | Wir haben Dich aller Orten ohne Ort, und Du umfasst Alles ohne sonderliches Mühen; Du bist allenthalben gegenwärtig ohne Ruhe und Bewegung. Du bist weder der Urheber der Sünde, weil Du nichts Böses tun kannst; noch hat Dich, der Du sonst Alles zu tun vermagst, je etwas gereut, was Du getan hast. Durch Deine Güte sind wir geschaffen; durch Deine Gerechtigkeit leiden wir; durch Deine Gnade werden wir erlöst. Deine Allmacht regiert, leitet und erfüllt Alles, was sie geschaffen hat. Wir behaupten aber nicht, dass Du deshalb alle Dinge erfüllst, als ob sie Dich umfassen oder zusammenhalten könnten, sondern sie werden vielmehr von Dir zusammengehalten; | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du allergnädigster GOtt, Dich rufe ich darum an, kehre ein in meine Seele, bereite sie Dir, dass sie Dich fassen möge mit dem begierlichen Verlangen, das Du ihr einflößt. Ich bitte Dich, tritt zu ihr ein und richte sie also Dir zu, damit Du sie besitzt, welche Du geschaffen und wieder geschaffen hast, damit ich Dich wie ein Siegel auf mein Herz drücken möge. Ich bitte Dich, wolle mich, der ich Dich aufs Herzlichste anrufe, nicht verlassen, sintemal ehe ich Dich anrief, Du mich schon gerufen und gesucht hast zu dem Ende, dass ich Dein Knecht Dich suchen, durch Suchen finden, und Dich den Gefundenen lieben sollte. Nun habe ich Dich gesucht und auch gefunden, o Herr, und begehre sehr, Dich zu lieben! Vermehre nun in mir mein begehrliches Verlangen und gib mir, was ich begehre; denn wenn Du gleich Alles, was Du gemacht hast, mir geben wolltest, so würde dies Deinem Knecht doch nicht genügen, wenn Du mir nicht Dich selbst gäbest. Gib mir also Dich selbst, o mein GOtt, gib Dich mir hin! Siehe, ich liebe Dich, und wenn es nur wenig ist, so will ich Dich stärker lieben. So bin ich nun von Deiner Liebe gefesselt, ich brenne vor Verlangen nach Dir, ich ergötze mich in Deinem süßen Gedächtnis. | ||
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| - | Siehe, indem meine Seele nach Dir seufzt, und Deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit gedenkt, beschwert sie die Bürde meines Fleisches nicht so hart, es legt sich die Unruhe der Gedanken, es lähmt mich die Last der Sterblichkeit und des Elends nicht wie sonst. Alles schweigt. Alles wird still. Das Herz glüht, das Gemüt jauchzt, das Gedächtnis grünt, und der vom Verlangen nach Deinem Anschauen entzündete Geist erfährt es, wie er von der Liebe zu den unsichtbaren Dingen entzückt wird. O dass mein Geist könnte an sich nehmen Flügel, wie Adlersflügel, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Ach, wehe der armen Seele, welche Christum nicht sucht, noch liebt; sie bleibt dürre und elend. Der verliert seine Lebenszeit, welcher Dich, GOtt, nicht liebt. Wer zu leben sucht nicht um Deinetwillen, | ||
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| - | Die Seele, welche Dich nicht sucht noch liebt, liebt die Welt, dient den Sünden und ist den Lastern unterworfen; | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | O GOtt, der Du das Licht bist der Herzen, die Dich schauen und das Leben der Seelen, die Dich lieben und die Kraft, der Gedanken, die Dich suchen, gib, dass ich Deiner heiligen Liebe anhange. Komme doch in mein Herz und mache es trunken mit der Fülle Deiner Wollust, dass ich dies Zeitliche vergesse. Ich schäme mich und scheue mich, solche Dinge mir gefallen zu lassen, wie sie diese Welt treibt. Traurig macht mich, was ich von den vergänglichen Dingen sehe, schwer fällt auf mich, was ich davon höre. Hilf mir, o HErr mein GOtt, und schenke meinem Herzen Freude, komme zu mir, dass ich Dich sehen möge. Aber so lange ist mir das Haus meiner Seele enge, als Du nicht in dasselbe kommst und es erweiterst; es ist baufällig, richte es auf. Es sind vielerlei Dinge darin, welche Deine Augen beleidigen, das bekenne und weiß ich; aber wer wird es reinigen und wem sonst kann ich es klagen denn Dir allein? Reinige mich, o HErr, von den verborgenen Fehlen und bewahre Deinen Knecht vor den Stolzen. | ||
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| - | Du süßer Christe, Du gütigster JEsu, hilf, ich bitte Dich, hilf mir durch Deine Liebe und sehnliches Verlangen abwerfen die Last der fleischlichen Lüste und irdischen Begierden. Lass über das Fleisch die Seele, über die Seele, die Vernunft, über die Vernunft Deine Gnade herrschen und unterwirf mich innerlich und äußerlich Deinem Willen. Verleihe mir, dass Dich mein Herz und meine Zunge und alle meine Gebeine loben! Erweitre mein Gemüt, und erhöhe den Anblick meines Herzens, dass mein Geist sogar mit einem schnell fliegenden Gedanken Dich, die ewige Weisheit, die da über Alles bleibt, erreiche. Ich bitte Dich, löse mich von den Banden, mit welchen ich umstrickt bin, dass ich dies Alles verlasse und Dir nacheile, Dir allein anhange und auf Dich allein achte. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Selig die Seele, welche, aus diesem irdischen Kerker erlöst, frei gen Himmel fährt, welche Dich, den holdseligsten HErrn von Angesicht zu Angesicht schaut, welche fürder von keiner Todesfurcht mehr befallen wird, sondern sich in der Unvergänglichkeit der ewigen Herrlichkeit erfreut. Stille und ruhig ist sie, fürchtet nunmehr weder Feind noch Tod. Denn sie hat nun Dich, den gnädigen HErrn, den sie lange suchte und immer liebte. Sie ist zugesellt den lobsingenden Chören und singt honigfließende Lieder bei ewigen Festen zum Lobe Deiner Herrlichkeit, | ||
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| - | Welche Gesänge, welch Saitenspiel, | ||
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| - | O wie glückselig werde ich sein, wenn ich die allerlieblichsten Gesänge Deiner Bürger hören werde, die honigfließenden Lieder, die erzählen das der höchsten Dreieinigkeit gebührende Lob. Ja, überselig werde ich sein, wenn ich selbst würdig erfunden werde, das hohe Lied dem HErrn JEsu Christo zu singen mit den süßen Klängen aus Zion. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du belebendes Leben, Du ewiges und ewig seliges Leben, bei Dir ist Freude ohne Trauer, Ruhe ohne Arbeit, Würde ohne Schrecken, Reichtum ohne Verlust, Gesundheit ohne Krankheit, Überfluss ohne Mangel, Leben ohne Tod, ewiger Bestand ohne Verderben, Seligkeit ohne Unglück. Bei Dir ist alles Gute in vollkommener Liebe, bei Dir Gestalt und Anschauen von Angesicht zu Angesicht, bei Dir völlige Erkenntnis in Allem und durch Alles; bei Dir wird die höchste göttliche Güte gesehen und das erleuchtende Licht von den Heiligen gefeiert; bei Dir wird die gegenwärtige Majestät GOttes erblickt und mit dieser Lebensspeise ohne Aufhören das Gemüt der Beschauenden gesättigt. Sie schauen immer und begehren immer zu schauen, sie begehren ohne alle Beängstigung und werden gesättigt ohne Überdruss. Bei Dir ist die wahre Sonne der Gerechtigkeit, | ||
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| - | Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du Reich der Himmel, Du höchstseliges Reich, Du Reich ohne Tod, und sonder Ende, dem keine Zeit mehr folgt in Ewigkeit: in Dir ist ewiger Tag ohne Nacht, ein Tag, der von keiner Zeit mehr weiß; in Dir wird der obsiegende Held mit unaussprechlichen Gnaden überschüttet, | ||
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| - | Sein edles Haupt wird zieren \\ | ||
| - | Die Siegesehrenkron, | ||
| - | Wird herrlich triumphieren \\ | ||
| - | Auf ewig schönem Thron! | ||
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| - | O möchte die göttliche Güte mich den geringsten Knecht Christi nach Vergebung aller meiner schweren Sünden diese Fleischesbürde ablegen heißen, damit ich hinziehen könnte und rasten in den ewigen Freuden ihrer Stadt! O, dass ich wandelte in den heiligsten oberen Chören und stünde mit den seligsten Geistern in der Herrlichkeit meines Schöpfers und anschaute das gegenwärtige Antlitz GOttes, unberührt von aller Todesfurcht, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du unser GOtt, was vermögen wir aber für Lob und Dank dagegen zu vergelten Dir, der Du nicht aufhörst, uns auch unter diesen so großen Bekümmernissen unserer Sterblichkeit mit Deiner wunderbaren Gnadenheimsuchung zu trösten? Siehe mich Elenden, der aller Trübsal voll ist! Wenn ich das Ende meines Lebens befürchte, wenn ich meine Sünden erwäge, wenn ich vor Deinem Gericht bebe, wenn ich die Todesstunde bedenke, wenn ich vor der Höllenpein erschrecke, wenn ich nicht weiß, mit welchem Ernst und genauer Ergründung meine Taten von Dir erwogen werden, wenn mir unbewusst ist, mit welchem Ende ich sie beschließen werde, und wenn ich dies und vieles Andre bei mir im Herzen hin und her überlege: so bist Du, mein HErr und GOtt, bereit mit Deiner gewohnten Gnade mich zu trösten und hebst mitten unter diesen Klagen, übermäßigem Weinen und tiefen Herzensseufzern, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Ich liebe Dich, o mein GOtt, ich liebe Dich und will Dich je länger, je mehr lieben. Gib mir, o HErr, mein GOtt, Du Schönster unter den Menschenkindern, | ||
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| - | Du stets brennende und unauslöschliche Liebe, Du süßer Christe, Du gütigster JEsu, Du werte Liebe, Du mein GOtt, entzünde mich mit all Deinem Feuer, Deiner Liebe, Deiner Süßigkeit, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du schönster HErr JEsu Christe, ich bitte Dich um des allerheiligsten Vergießens Deines köstlichen Blutes willen, damit wir erlöst sind, schenke mir Zerknirschung des Herzens und eine reichliche Tränenquelle, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du süße Liebe und Du liebe Süße, lass meinen Leib Dich genießen und meine Seele mit dem Wein Deiner Liebe getränkt werden; dann soll mein Herz eine feine Rede von sich geben. O Du Liebe, Du mein GOtt, Du süßer Honig, Du schneeweiße Milch, Du bist eine Speise der Starken! Lass mich in Dir erstarken, dass ich Dein mit gesundem Munde genießen könne. Du bist mein Leben, durch welches ich lebe, meine Hoffnung, der ich anhange, meine Ehre, die ich zu erlangen trachte, Halte Du mir mein Herz, regiere Du mein Gemüt, lenke Du den Sinn, richte Du meine Liebe an, erhebe meinen Geist und ziehe den Mund meines nach Dir dürstenden Geistes zu den droben fließenden Wassern. Stille doch die Unruhe des Fleisches. Lass verstummen die Phantasien über Erde, Wasser, Lust und Himmelslauf; | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Der HErr ist nicht so hart, dass Er nicht Sein Fleisch liebe, Seine Glieder und Sein Herz. Ich könnte verzagen wegen meiner allzuvielen Sünden und Laster, meiner Schulden und unendlichen Fahrlässigkeiten, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du gnädigster HErr, der Du uns also geliebt und beseligt, also lebendig gemacht und erhöht hast, o Du gnädigster HErr, wie süß ist Dein Gedächtnis! Je mehr ich Dich betrachte, desto süßer und holdseliger wirst Du mir. Deshalb ergötzen mich so sehr Deine Güter, wenn ich sie mit reinem Herzen und mit ganz süßer gottseliger Liebe anschaue im Land meiner Wallfahrt nach meinem Vermögen. So lange ich indessen in diesen meinen schwachen Gliedern bin, will ich Deine wunderbare Liebe und Schönheit unaufhörlich herzlich suchen und erwägen. Denn ich bin mit dem Pfeil Deiner Liebe verwundet, ich brenne von heftigem Verlangen zu Dir, ich wünsche zu Dir zu gelangen, ich begehre Dich zu schauen. Darum will ich auf meinem Wachtposten stehen und mit wachsamen Augen im Geiste singen, ich will Dir lobsingen aus dem Herzen und all meinen Kräften, ich will Dich, meinen Schöpfer und Erlöser zugleich loben, ich will mit meinem Herzen zum Himmel dringen, und mit sehnlichem Verlangen bei Dir sein. Also werde ich wohl in diesem gegenwärtigen Elend von dem Leib allein gefesselt, aber mit all meinen Gedanken, meiner Begierde und Sehnsucht bin ich stets bei Dir; denn da soll mein Herz sein, wo Du mein ersehnter, unvergleichlicher und vielgeliebter Schatz bist. | ||
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| - | Aber siehe, mein allergnädigster und allbarmherziger GOtt, wenn ich die Herrlichkeit Deiner unermesslichen Güte und Gnade betrachten will, so ist mein Herz viel zu gering dazu; denn Deine Zierde, Deine Schöne, Deine Stärke, Deine Herrlichkeit, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | O meine Seele, wenn wir täglich große Martern leiden, wenn wir selbst die Hölle geraume Zeit aushalten müssten, um Christum in Seiner Herrlichkeit schauen zu können und Genossen Seiner Heiligen zu werden: sollten wir nicht billig Alles leiden, was uns hart ankommt, um eines solchen Gutes und einer solchen Herrlichkeit teilhaftig zu werden? Wohlan, so mögen uns die bösen Geister nachstellen, | ||
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| - | Denn was wird das für eine Herrlichkeit der Gerechten sein und welche große Freude der Heiligen, wann ein jedes Antlitz leuchten wird, wie die Sonne; wann in geordneter Reihenfolge der HErr Sein Volk im Reich Seines Vaters zu zählen anheben und einem jeden nach Verdienst und Werken den verheißenen Gnadenlohn zustellen wird, für das Irdische das Himmlische, für das Zeitliche das Ewige, für das Geringe das Große? Fürwahr, das wird eine Freudenfülle sein, wenn der HErr Seine Heiligen zum Anschauen der väterlichen Herrlichkeit herzuführen und in die himmlischen Güter einsetzen wird, dass Er sei Alles in Allem. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du selige Freude und Du freudige Seligkeit, die Heiligen zu schauen, bei den Heiligen zu weilen und heilig zu sein, GOtt zu schauen und GOtt zu haben in alle Ewigkeit! Das wollen wir fleißig im Geist erwägen, das wollen wir mit allem herzlichen Verlangen suchen, dass wir zu Ihnen bald kommen mögen. Fragst Du, wie das geschehen könne, mit welchen Verdiensten und mit welcher Hilfe, so höre! Dieses steht in der Gewalt des Wirkenden; denn das Himmelreich leidet Gewalt. Das Himmelreich, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | O meine Seele, kehre wieder zu der himmlischen Stadt, darin wir als Bürger eingeschrieben und angenommen sind. Denn als Bürger mit den Heiligen und GOttes Hausgenossen, | ||
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| - | Gibt es etwas Seligeres als dieses Leben? Da ist keine Furcht der Armut, da ist keine Schwäche der Krankheit; da wird Niemand verletzt, Niemand erzürnt, Niemand beneidet; da brennt keine unreine Begierde, da ist kein Verlangen nach Speise, da pocht kein Ehrgeiz noch Machtverlangen; | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Die Seele, ausgezeichnet durch GOttes Bild, herrlich in Seinem Gleichnis findet durch GOtt in sich selbst das, wodurch sie fort und fort ermahnt wird, entweder bei Ihm festzustehen oder zu Ihm zurückzukehren, | ||
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| - | Solches Alles tut die Liebe, nachdem die Seele ihrem GOtt gleichförmig ist nach dem Willen, wie sie ihm gleich ist nach der Natur, und gesinnt ist, wie Er gesinnt ist. Denn die Liebe allein ist unter allen Seelenbewegungen, | ||
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| - | Die Liebe bewirkt zuerst sittliche Zucht, sodann eine solche Betrachtung aller vorhandenen Dinge, als wären sie nicht vorhanden, zum Dritten die Erwägung der himmlischen und innerlichen Dinge mit reiner Schärfe des Herzens. Durch die Liebe werden zuerst die ehrlichen zeitlichen Dinge recht ausgeführt, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | GOtt der Vater ist die Liebe, GOtt der Sohn ist die Liebe, der Heilige Geist ist die Liebe des Vaters und des Sohnes. Diese Liebe fordert etwas in uns, was dieser Liebe gleich ist, nämlich Gegenliebe, dadurch wir als durch eine Sippe und Verwandtschaft mit GOtt vereinigt und verbunden werden. Die Liebe kennt keine hohe Würde, noch Ehrerbietung. Der Liebende tritt selbst vertrauensvoll zu seinem GOtt herzu und redet mit Ihm ganz zutraulich; er fürchtet nichts, er zögert auch nicht. Wer nicht liebt, verliert seine Lebenszeit; des Liebenden Augen aber sind stets zu GOtt gerichtet, den er liebt, den er sehnlich begehrt, den er betrachtet, daran er sich ergötzt, daran er sich weidet und darin er stark wird. | ||
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| - | Eine solche GOtt andächtig ergebene Seele singt, liest und ist in allen Stücken so vorsichtig und achtsam, als ob GOtt selbst vor ihren Augen stünde, wie es denn wirklich ist. Sie betet so, als wäre sie aufgenommen und dargestellt vor dem Angesicht der Majestät auf dem hohen und erhabenen Thron, wo Tausend mal Tausend Ihm dienen und zehnmal hundert Tausend Ihm aufwarten. Welche Seele von dieser Liebe heimgesucht wird, die wird aufgeweckt, wenn sie schläft, die wird vermahnt, erweicht und ihr Herz verwundet, was darin finster ist, erleuchtet, was verschlossen ist, geöffnet, was kalt ist, erwärmt, der raue, unversöhnliche und ungeduldige Sinn gemindert, die Laster verscheucht, | ||
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| - | Dies Alles tut die Liebe, wo sie vorhanden ist; wo sie aber gewichen ist, da hebt die Seele an krank darniederzuliegen, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Es ist ein großes Geheimnis um die Liebe, kraft welcher die Seele durch sich vertraulich zu GOtt naht, GOtte beständig anhängt, GOtt freundlich befragt und bei GOtt für alle Dinge Rat sucht. Die GOtt liebende Seele kann nichts Anderes denken noch reden; alles Andre verachtet sie, ist ihr zum Ekel. Was sie denkt und redet, das schmeckt nach himmlischer Liebe, das riecht nach himmlischer Liebe; so ganz ist sie von der Liebe GOttes eingenommen und besessen. Wer GOtt kennen lernen will, muss lieben. Der geht vergeblich ans Lesen, ans Betrachten, ans Predigen, ans Beten, wer nicht liebt. GOttes Liebe erzeugt der Seelen Liebe und GOttes Liebe richtet der Seelen Liebe ganz zu Seiner Liebe. Er liebt, um geliebt zu werden; und indem Er liebt, will Er nur wieder geliebt werden, weil Er die Seligkeit derer kennet, die Ihn lieben. | ||
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| - | Eine liebende Seele entsagt allen ihren bösen Neigungen und legt sich einzig aufs Lieben, um Liebe mit Liebe zu vergelten. Und wenn sie sich schon ganz in die himmlische Liebe ergossen hat, was ist dies gegen jenen ewig fließenden Liebesborn? Im Überflusse halten beide keinerlei Vergleichung aus, nämlich die Liebe und der Liebende, die Seele und GOtt, der Schöpfer und das Geschöpf. Wenn aber dieses Ihn gänzlich liebt, so fehlt nichts; weil er das Ganze ist, da auch der Teil sein muss. Eine liebende Seele soll sich nicht fürchten, die aber nicht liebt, mag sich nur fürchten! | ||
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| - | Eine liebende Seele gelobt gerne, trägt herzliches Verlangen in sich, lässt es gar nicht merken, dass sie bei GOtt in Gnaden stehe, sie schließt der Hoheit die Augen zu und öffnet sie himmlischer Wollust; sie richtet sich in ihrem Heil auf und handelt getrost darauf hin. Durch die Liebe weicht die Seele von und aus den himmlischen Gefühlen, also dass sie sich selbst nicht fühlt, weil sie GOtt fühlt. Dies geschieht wenn das Gemüt von der unaussprechlichen Süßigkeit GOttes gelockt und gewissermaßen sich selbst entwendet wird; ja es wird von sich selbst weg also dahin gerissen und gezogen, dass es GOtt zu seiner Freude und Lust genieße. Nichts wäre so angenehm, wenn es nicht so kurze Zeit nur währte. Die Liebe gibt die Vertraulichkeit mit GOtt, die Vertraulichkeit die Kühnheit, die Kühnheit den Geschmack, der Geschmack den Hunger. Die von der Liebe GOttes berührte Seele kann nichts anders mehr denken noch sehnlich wünschen; vielmehr erseufzt sie häufig und spricht: Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele GOtt zu Dir! Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | GOtt kam aus Liebe zu den Menschen, Er kam in die Menschen, Er ward Mensch. Aus Liebe ward der unsichtbare GOtt Seinen Knechten gleich; aus Liebe ward er verwundet um unserer Sünden willen. Eine sichere und feste Ruhe ist geworden den Schwachen und Sündern in den Wunden ihres Seligmachers. Darin wohne ich sicher, offen steht mir Sein innerstes Herz durch Seine Wunden. Was durch mich in mir mangelt, das ziehe ich aus dem innersten Herzen meines HErrn an mich, weil reichliche Barmherzigkeit vorhanden ist, auch die Röhren nicht fehlen, durch welche sie mir zufließt. Durch die offenen Wunden Seines Leibes stehen mir offen die Geheimnisse Seines Herzens. Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis; offenbar ist die herzliche Barmherzigkeit unseres GOttes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe. | ||
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| - | Die Wunden JEsu Christi sind eitel Barmherzigkeit, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Wenn mich irgend ein sündlicher Gedanke plagt, so fliehe ich zu den Wunden Christi. Wenn mich mein Fleisch niederbeugt, | ||
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| - | Christus ist für uns gestorben. Nichts ist so todesbitter, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
| - | |||
| - | Ich habe schwer gesündigt und bin mir vieler Missetat bewusst. Dennoch verzweifle ich nicht, denn wo die Sünde ist mächtig worden, da ist die Gnade noch viel mächtiger worden. Wer an der Vergebung seiner Sünden verzweifelt, | ||
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| - | So kann mich denn die Menge meiner Sünden nicht erschrecken, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du meine Seele, die du ausgezeichnet bist durch das Bild GOttes, erlöst durch das Blut Christi, Ihm verlobt durch den Glauben, beschenkt mit dem heiligen Geist, geschmückt mit Seinen Tugenden, zugesellt den Engeln, o liebe den, von welchem du so sehr geliebt bist; strebe nach dem, der nach dir strebt; suche den, der dich sucht; liebe deinen Liebhaber, von dem du geliebt wirst, der dir mit Seiner Liebe zuvorgekommen, | ||
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| - | Erwähle Ihn zu Deinem Freund vor allen Deinen Freunden. Wenn Alles dir unter den Füßen gewichen sein wird, wird Er dir Glauben halten. Wenn mit dem Tage deines Begräbnisses alle deine Freunde von dir scheiden werden, wird Er dich nicht verlassen. Vielmehr wird Er dich beschützen vor dem Brüllen derer, die auf dein Fleisch lauern und dich leiten durch das unbekannte Land und hinführen zu den Straßen des himmlischen Zions und dich dort mit den Engeln stellen vor das Angesicht Seiner Majestät, wo du hören wirft jene Engelsmelodie: | ||
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| - | O meine Seele, erseufze inbrünstiglich, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
| - | |||
| - | Haftet das Menschenherz nicht mit sehnlichem Verlangen an der Ewigkeit, so bekommt es nie festen Bestand, ist vielmehr wankender als irgend ein andres Ding, Lauft nur von einem Ding zum andern, sucht Ruhe, wo keine Ruhe ist. In diesen hinfälligen und vergänglichen Dingen, darin seine Begierden gefesselt sind, kann es die wahre Ruhe nicht finden; denn es steht keiner in solch hoher Würde, dass irgend ein Gut ihm volle Genüge zu geben vermöge, es habe denn das höchste Gut. Es besitzt so viel Freiheit, dass es zu keinem Laster gezwungen werden kann. Darum ist der eigne Wille eines jeden Menschen die Ursache entweder seiner Verdammnis oder seiner Seligkeit und deshalb wird von GOtt nichts reichlicher angeboten als der gute Wille. Dieser gute Wille bringt GOtt den HErrn selbst zu uns und weist uns auf Ihn hin. Durch den guten Willen lieben wir Gott, erwählen wir Gott, laufen wir zu Gott, gelangen wir zu Ihm und besitzen Ihn. | ||
| - | |||
| - | O du guter Wille, durch welchen wir zum Ebenbild GOttes wiedergebracht und Ihm sogar gleich werden. So liebenswürdig erscheint der gute Wille vor GOtt, dass Er in keinem Herzen wohnen will, in welchem der gute Wille nicht gesunden wird. Der gute Wille zieht zu sich herein die Dreieinigkeit der allerhöchstens Majestät; denn die Weisheit erleuchtet ihn zur Erkenntnis der Wahrheit; die Liebe entflammt ihn zum Verlangen nach der Güte; die väterliche Natur bewahrt an ihm, was sie erschaffen hat, dass es nicht zu Grunde gehe. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Was ist die Erkenntnis der Wahrheit? Zuerst erkenne dich selbst, damit du allen Fleiß anwendest, das zu sein, was du sein sollst, und das verbesserst, | ||
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| - | Also hat Er als der grundgütige und allbarmherzige GOtt aus herzlichem Verlangen und Liebe zu uns Menschenkindern nicht nur das Seine, sondern auch sich selbst dahingegeben, | ||
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| - | Denn Gott ist um des Menschen willen Mensch geworden, damit der, welcher der Schöpfer ist, auch der Erlöser wäre und der Mensch also gleichsam von Seinesgleichen erlöst würde; und damit GOtt von den Menschen desto inniger geliebt werden möge, erschien Gott in der Gestalt eines Menschen, auch dazu, damit beide, der äußerliche und innerliche Sinn in Ihm beseligt würden, indem das Auge des Herzens in Seiner Gottheit und das Auge des Leibes in Seiner Menschheit Erquickung fände und die menschliche von Ihm selbst erschaffene Natur für ihren Eingang und Ausgang in Ihm ihre Weide hätte. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Ja, unser Heiland ist uns geboren, gekreuzigt und für uns gestorben, damit Er durch Seinen Tod unsern Tod zerstöre. Und weil Er die Weintraube Seines Fleisches zur Kelter des Kreuzes getragen und auf das Pressen der Wein Seiner Gottheit zu fließen begonnen hatte, so ward der Heilige Geist gesandt, auf dass die Gefäße der Herzen zubereitet und der neue Wein in neue Schläuche gefasst würde. Erst mussten die Herzen gereinigt werden, damit nicht der eingegossene Wein wieder unrein würde; sodann mussten sie fest zugemacht werden, damit er nicht verschüttet würde. Gereinigt mussten sie werden von der Freude an der Ungerechtigkeit, | ||
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| - | Die Freude an der Ungerechtigkeit ist das, wenn wir die Sünde lieben, und Freude an der Weltüppigkeit, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Ein mit GOttes Liebe erfülltes Herz denkt allewege: Wann werde ich einmal zu GOtt kommen? Wann werde ich die Welt verlassen? wann werde ich einmal von meiner sterblichen Hütte erlöst werden, dass ich den wahren Frieden finden möge? Dies Herz und sein Verlangen ist immer auf die himmlischen Dinge gerichtet. Ein solcher Mensch mag sitzen oder gehen oder ruhen oder sonst etwas tun, so ist doch sein Herz nimmer von GOtt abgewandt. Er vermahnt alle. Menschen zu der Liebe GOttes, er empfiehlt allen Menschen diese Liebe und erweist allen Menschen mit Herz, Hand und Mund, wie süß die Liebe GOttes sei, wie die Liebe dieser Welt aber bitter und schädlich sei. | ||
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| - | Er verachtet alle weltliche Pracht und schilt die zeitliche Bauchsorge und beweiset, wie närrisch es sei, wenn man das Vertrauen auf vergängliche Dinge sehe. Er verwundert sich über der Menschen Blindheit, die solche Dinge lieben, verwundert sich auch darob, dass nicht alle Menschen diese vergänglichen und unbeständigen Güter verlassen wollen. Er meint, es sollte Jedermann süß achten, was ihm schmeckt, Jedermann gefallen, was ihm lieb ist, allen Menschen bewusst und kund sein, was er erkennet. Er sieht stets den HErrn seinen Gott an mit Augen des Glaubens und von solch geistlicher Betrachtung wird er lieblich erquickt, je länger, je lieblicher. Denn wie ihm GOtt das liebenswürdigste und lobenswürdigste Gut ist, also ist Er ihm auch das Süßeste; und dies betrachtet er allezeit. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Fürwahr, das ist die wahre Ruhe des Herzens, wenn es sich ganz einsenkt und einlässt in die Liebe GOttes mit sehnlichem Verlangen und nichts anderes mehr begehrt, sondern seine selige süße Lust und lustige Freude hat an dem, das es fasst und findet. Wenn es aber durch eitle Gedanken oder sonst durch andere Geschäfte ein wenig von solcher Liebe abgezogen wird, so eilt es, so viel es eilen kann, wieder zurück, und hält es für ein Elend, wenn es sich anderswo verweilen soll. Denn wie der Mensch der göttlichen Gütigkeit jeden Augenblick genießt und ihrer gebraucht, also soll auch kein Augenblick vergehen, darin er nicht den lieben Gott in seinem Gedächtnis haben sollte. | ||
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| - | Darum fällt der in keine geringe Missetat, er sei auch, wer er wolle, welcher, wenn er mit GOtt im Gebet redet, sich geschwind von Seinem Angesicht abziehen lässt, als stände er vor Jemandes Augen und Ohren, die nicht sehen noch hörten. Dies geschieht aber, wenn der Mensch seinen bösen und ungestümen Gedanken nachhängt und vielleicht eine ganz geringe Kreatur GOtt dem HErrn vorzieht, indem er jene vielfältig hin und her betrachtet oder öfter an sie gedenkt, als an Gott, den er doch stets sollte bei sich betrachten als seinen Schöpfer, anbeten als seinen Erlöser, erharren als seinen Seligmacher, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Hab Acht auf deinen Gang,\\ | ||
| - | Der Du liebst diese Welt! \\ | ||
| - | Der Weg, darauf Du gehst, \\ | ||
| - | Ist ganz mit Sünd verstellt! | ||
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| - | Darum, o Mensch, fliehe zuweilen ein wenig von deinen Geschäften hinweg, und verbirg dich eine Weile vor deinen stürmischen Gedanken. Wirf einmal die beschwerliche Sorgenlast von dir ab und lass die mühseligen Streitsachen dahinten; nimm dir ein wenig Zeit für deinen GOtt und ruhe eine Weile in Ihm. Gehe ins Kämmerlein deines Herzens, schließe Alles hinaus außer Gott und was du brauchst, um Ihn zu suchen; schließe dann die Tür hinter dir zu und suche Ihn: Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt Mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, HErr, Dein Antlitz! | ||
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| - | Wohlan nun, o HErr, mein Gott, unterweise Du mein Herz, wo und wie es Dich suchen, wo und wie es Dich finden soll. O HErr, wenn Du nicht hier bist, wo soll ich Dich denn sonst suchen? Wenn Du aber allenthalben bist, warum sehe ich Dich denn hier nicht vor mir? Aber Du wohnst gewiss in einem Licht, da Niemand zukommen kann! Aber wie soll ich zu diesem Licht gelangen, da Niemand zukommen kann? Oder wer wird mich dahin geleiten und zu ihm einführen, dass ich Dich darin sehen möge? Ferner, durch welche Zeichen, in welcher Gestalt soll ich Dich suchen? O HErr, mein GOtt, ich habe Dich nie gesehen, habe Dein Angesicht nie erkannt. Was soll denn tun, allerhöchster HErr, was soll denn tun Dein so lange ins Elend verbannter Mensch? Was soll Dein in Liebe zu Dir bresthafter((gebrechlich, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | O HErr, Du bist mein Gott und mein HErr, und ich habe Dich nie gesehen. Du hast mich geschaffen und erlöst und hast mir alle Deine Güter mitgeteilt, und doch habe ich Dich nicht gesehen noch erkannt. Endlich bin ich erschaffen worden, um Dich zu sehen und bin noch nicht dazu gelangt, wozu ich doch erschaffen bin. O, elendes Loos des Menschen, da er das verloren hat, wozu er erschaffen ist! Das ist ein grauenhafter und harter Fall! Ach, was hat er verloren und was hat er gefunden? Was ist von ihm gewichen und was hat er behalten? Er hat die Seligkeit verloren, dazu er erschaffen ist und das Elend gesunden, dazu er nicht erschaffen ist. Von ihm ist das gewichen, ohne das es keine Seligkeit gibt und geblieben ist nur das, was an sich nichts als lauter Elend ist. Damals aß der Mensch das Engelsbrot, danach ihn jetzt hungert. Nun isst er Tränenbrot, | ||
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| - | Ach Du HErr, wie so lange? Wie lange willst Du denn unser vergessen, o HErr? wie lange wendest Du Dein Antlitz gar ab von uns? Wann wirst Du uns wieder ansehen in Gnaden und erhören? Wann wirst Du unsere Augen erleuchten und uns Dein Antlitz zeigen? Wann wirst Du Dich uns wieder zustellen? Schaue doch, HErr, darein, erhöre und erleuchte uns und zeige uns Dich selbst: stelle Dich wieder bei uns ein, dass es uns wohl werde; denn ohne Dich ist uns gar wehe! Nimm Dich an unserer Mühe und Not, die wir nichts ohne Dich vermögen. Komm zu uns und hilf uns. Ich flehe Dich an, o HErr, lass mich nicht in meinem Seufzen untergehen, sondern im Hoffen auferstehen! Ich bitte Dich flehentlich, | ||
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| - | HErr, ich bin krumm geworden und kann einzig unter mich sehen. O richte mich auf, dass ich hinaufsehen könne und dort hintrachten. Meine Missetaten gehen über mein Haupt, sie verwickeln und verwirren mich, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. O wickle mich heraus und hilf mir von der Last, dass die Lache nicht über mir zusammengehe. Unterweise mich, wie ich Dich suchen soll und stelle Dich mir dar, wann ich Dich suche; denn ich kann Dich nicht suchen, Du lehrst mich denn, kann Dich auch nicht finden, Du stellst dich denn mir dar! O lass mich Dich suchen mit herzlicher Begier, lass mich nach Dir verlangen mit herzlichem Suchen, lass mich Dich finden durch Lieben; lass mich Dich lieben durch Finden! Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Ich bekenne es, o HErr, und sage Dir Dank, dass Du mich zu Deinem Bild erschaffen hast, damit ich Deiner gedenken, Dich betrachten, Dich lieben möge. Aber dies Dein Bild ist durch das Sündenverderben ausgetilgt, ist auch durch den Rauch der Sünden ganz schwarz geworden, dass ich nicht mehr tun kann, dazu ich erschaffen bin, es sei denn, dass das Bild von Dir erneuert und wiedergebracht werde. Ich versuche nicht, o HErr, Deine Tiefe zu durchdringen, | ||
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| - | Aber wie kommt es, dass Du der Bösen verschonst, wenn Du ganz und im höchsten Grade gerecht bist? Geschieht es darum, weil Deine Güte unbegreiflich ist? Solches ist verborgen in dem Licht, darin Du wohnst, da Niemand zukommen kann. Fürwahr in der tiefsten und geheimsten Tiefe Deiner Güte ist die Quelle verborgen, daraus der Strom Deiner Erbarmung fließt. Und weil Du ganz und im höchsten Grade gerecht bist, darum bist Du auch den Bösen gütig, weil Du ganz und im höchsten Grade gut bist. Denn fehlte nur ein Weniges an Dir, dem Guten, so würdest Du gegen keinen Bösen gütig sein. Denn besser ist der, welcher ebenso wohl gegen die Guten wie die Bösen gut ist, als der allein den Guten gut ist. Und besser ist auch der, welcher gegen die Bösen mit Verschonen und Strafen gut ist, als der, welcher es mit Strafen allein ist. Darum bist Du denn also barmherzig, weil Du ganz und im höchsten Grade gut bist. Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du unermessene Güte, die alles Denken übersteigt, | ||
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| - | Denn wenn schon ein einzelnes gutes Ding gar lieblich ist, so erwäge mit Sorgfalt, wie lieblich erst jenes Gut sein muss, das die Lieblichkeit aller Dinge in sich schließt und keineswegs eine solche, wie wir sie in den erschaffenen Dingen gefunden haben, sondern soweit davon unterschieden, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Warum schweifst Du elender Mensch durch so viele und mancherlei Dinge und suchst die Güter deines Leibes und deiner Seele? Liebe das Eine Gut, in dem alle Güter gelegen sind und du wirst genug haben. Begehre sehnlich das einige Gut, welches alles Gut in sich begreift und du hast genug. Denn was liebst du, mein Fleisch? Was begehrst du, meine Seele? Dort, dort in jenem Gute ist Alles, was du liebst, was du sehnlich begehrst. Hast du Lust zur Schönheit: dort werden die Gerechten leuchten wie die Sonne. Begehrst du Schnelle oder Stärke oder Freiheit des Leibes ohne alles Hindernis und Aufenthalt: dort werden sie den Engeln gleich sein. Denn es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib, nicht geistlich am Wesen, sondern nach der Kraft. Verlangt dich nach langem und gesundem Leben, dort wird sein eine gesunde Ewigkeit und eine ewige Gesundheit. Denn die Gerechten werden ewiglich leben und das Heil der Gerechten steht bei dem HErrn. Wolltest du gerne satt sein: dort sollen sie gesättigt werden, wann die Herrlichkeit des HErrn erscheinen wird. Wolltest du gerne trunken sein: dort sollen sie trunken werden von den reichen Gütern des Hauses GOttes. Gefällt dir eine wohlklingende Melodie, dort werden die lieben Engel unserem GOtt ohne Unterlass singen. Willst du keine unreine, sondern eitel reine Wollust; dort wird sie der Herr tränken mit Wollust als mit einem Strom. | ||
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| - | Verlangt dich nach Weisheit: dort wird GOttes Weisheit sich ihnen erzeigen, als die wahre Weisheit. Verlangt dich nach Freundschaft: | ||
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| - | Verlangt dich nach Ehre und Reichtum: dort wird GOtt seine fromme und getreue Knechte über viel Güter setzen, ja sie sollen Kinder GOttes und Götter heißen und werden Seine Erben sein, nämlich Erben GOttes und Miterben Christi. Verlangt dich nach völliger Sicherheit: dort werden sie des sicher und gewiss sein, dass dieses Gut ihnen nie mehr fehlen wird, gleichwie sie sicher und gewiss sind, dass sie es nimmer verlieren werden und dass der leutselige GOtt eben solches Gut Seinen Liebhabern wider ihren Willen nimmer nehmen wird, auch dass Niemand stärker ist als GOtt und sie von einander trennen möge. Ist nun dieses Gut so fein und groß, wie fein und groß muss dann wohl die Freude sein? | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Du menschliches Herz, du dürftiges Herz, du armes Herz, das eitel Trübsal und Elend schmilzt und mit Elend beladen ist, wie hoch würdest du dich freuen, wenn du in der Fülle aller dieser Güter wärst. Frage deine innersten und allertiefsten. Gedanken, ob sie die Freude einer solchen Seligkeit zu erfassen vermögen? Nun denke, wenn Jemand aus deinen allerliebsten Freunden, der dir so lieb wäre, als du dir selbst bist, dergleichen Seligkeit hätte, so würde deine Freude verdoppelt; denn du würdest dich für ihn nicht weniger erfreuen als für dich selbst. Ebenso wenn zwei oder drei oder noch viel mehr von deinen besten Freunden eben desselben Gutes auch teilhaftig wären, so würdest du dich über einen jeden Einzeln eben so sehr erfreuen, als über dich selbst, weil du einen jeden so lieb hättest, als dich selbst. | ||
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| - | Was muss nun dies für eine Herrlichkeit sein in der vollkommenen Liebe so viel heiliger Engel und Menschen, wo Keiner den Andern weniger lieben wird als sich selbst! Denn ein Jeder wird über eines jeden Andern Freude sich nicht anders freuen als für sich selbst. Wenn nun das Menschenherz über sein eigen so großes Gut sich nicht genugsam erfreuen kann, wie wird es denn im Stande sein, die Menge und die Größe so vieler Freuden Andrer zu fassen? Und doch ists gewiss, so viel ein Jeder Jeden liebt, so viel erfreut er sich des Guten und der Wohlfahrt des Andern. Nun aber wird in jenem seligen Leben ein Jeder den lieben GOtt ohne alles Maß mehr lieben, als sich selbst und mehr als er alle seine Nächsten liebt. Daraus folgt, dass er sich auch über GOttes Seligkeit ohne alles Maß mehr erfreuen wird als über seine eigne und die aller seiner andern Mitgenossen. Und wenn diese GOtt also lieben werden von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, doch so, dass das ganze Herz, die ganze Seele und das ganze Gemüt für die Herrlichkeit solcher Liebe nicht ausreicht: so werden Sie sich in der Tat also von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte erfreuen, dass dennoch das ganze Herz, die ganze Seele und das ganze Gemüt nicht ausreicht für die Fülle solcher Freude! Amen. | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | Mein GOtt und mein HErr, meine Hoffnung und Freude meines Herzens, sprich zu meiner Seele, ob dies die Freude sei, von der Du uns durch Deinen Sohn sagst: Bittet, so werdet ihr nehmen, auf dass eure Freude vollkommen sei. Denn ich habe eine vollkommene Freude gesunden, ja eine mehr als vollkommene Freude, und zwar mit ganzem Herzen, mit ganzem Gemüt, mit ganzer Seele, mit meinem ganzen Menschen. Und dennoch wird über diese Freude noch eine andere über alle Maßen große Freude vorhanden sein. Daher wird jene völlige Freude noch nicht einführen in die Schar der Fröhlichen; | ||
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| - | Sprich, o HErr, sprich zu Deinem Knecht drinnen im Herzen, ob das die Freude ist, in welche Deine Knechte, welchen die Freude ihres HErrn verheißen ist, eingehen werden? Aber gewiss, die Freude, in welcher Deine Auserwählten sich erfreuen werden, hat kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, noch ist sie je in eines Menschen Herz gekommen. Darum hab ich es noch nie gedacht oder ausgesprochen, | ||
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| - | ======Augustinus, | ||
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| - | HErr, allmächtiger GOtt, König der ewigen Herrlichkeit, | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
| - | |||
| - | Diese Vorträge haben in einem engeren Kreise von Töchtern unserer Stadt eine so freundliche Aufnahme gefunden, dass ich hoffen darf, durch die Veröffentlichung nun auch einem weiteren Kreis Freude zu bereiten. Auf Vollständigkeit erhebt der Inhalt keinen Anspruch, wohl aber auf historische Treue, wenn gleich die gelehrten Anmerkungen fehlen. | ||
| - | |||
| - | Als Motto gebe ich dem Büchlein das schöne Wort des Dichters mit: | ||
| - | |||
| - | "Es sei der Frauen Leben so wie ein geistlich Lied, \\ | ||
| - | Das nicht mit eitlem Brausen am Ohr vorüberzieht, | ||
| - | Das sich in festem Takte nur langsam fortbewegt \\ | ||
| - | Und doch der Herzen viele mit sich zum Himmel trägt." | ||
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| - | Basel, den 25. Oktober 1883. | ||
| - | |||
| - | Bernhard Riggenbach. | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | Es ist selbstverständlich, | ||
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| - | Im Gegensatz zu all diesen Einseitigkeiten und Unvollständigkeiten menschlicher Darstellung und zu all diesen Schwachheiten und Torheiten menschlicher Absicht legitimiert sich die Bibel auch in Beziehung auf das weibliche Geschlecht als das Wort der Wahrheit, als das, wofür sie sich selbst ausgibt, wenn es im Brief an die Hebräer, Kap. 4, Vers 12 und 13, heißt: „Lebendig ist das Wort Gottes und kräftig und schneidender als ein zweischneidiges Messer und eindringend bis in die Fuge von Seele und Geist, Gelenk und Mark und kritisch für Gesinnungen und Gedanken des Herzens, und es gibt kein Geschöpf, das vor ihm verborgen wäre, alles ist bloß und offen gelegt für seine Augen.“ In der heiligen Schrift finden Sie weder eine schaumgeborene Venus umgeben von Amoretten, noch eine streitbare Pallas Athene mit ihrer Eule, dieser herrlichen Insignie des Blaustrumpfs, | ||
| - | |||
| - | Wenn wir daher die Ihnen Allen aus der biblischen Geschichte wohl bekannten Frauengestalten der heiligen Schrift zum Ausgangspunkt einer Reihe von Betrachtungen über den Anteil der Frauen am Bau des Reiches Gottes machen, so geschieht das nicht sowohl wegen der chronologischen Reihenfolge, | ||
| - | |||
| - | Es ist soeben von einem Anteil der Frauen an dem Bau des Reiches Gottes geredet worden. Steht diese Behauptung nicht im Widerspruch mit jenem bekannten Worte Pauli (1 Kor. 14,34): „Eure Weiber sollen schweigen in der Gemeinde; es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt.“ Werden hier nicht die Frauen von aller direkten Mitarbeit für das Reich Gottes ausgeschlossen? | ||
| - | |||
| - | Zur Gehilfin des Mannes bestimmte Gott das Weib, ehe es erschaffen war (1. Mose 2, 18). Als Gehilfin sollte Adam, zu deutsch: der Mensch oder, wie die Wissenschaft zu sagen liebt: der Urmensch das ihm von Gott zugeführte Weib betrachten und für seine doppelte Bestimmung der Bevölkerung und Beherrschung der Erde (1. Mose 1,28) gebrauchen und respektieren, | ||
| - | |||
| - | Als **Eva**, d. h. als Mutter aller Lebendigen soll sie, so lange menschliches Leben besteht, geehrt werden. Als Solche wird sie auch von Paulus selig gepriesen (1 Mose 3; vgl. 2 Kor. 11,4 und 1 Tim. 2, 13-15). | ||
| - | |||
| - | Ungleich höhere Ehre als die Menschenmutter Eva erfährt aber in der heiligen Schrift, welche immer das Natürliche dem Geistlichen unterordnet, | ||
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| - | So wenig Sara, so wenig erscheint auch die zweite Patriarchin im Nimbus einer Idealfigur. Von **Rebekka** ist uns kein Lebenslauf in aufsteigender Linie überliefert, | ||
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| - | Rebekkas Vorliebe für den durch seine stillere und zahmere Art zum Muttersöhnchen geeigneten Jakob (1 Mos. 25,27 u. 28) wurde dadurch noch erhöht, dass der ohnehin unbändige Esau ihr auch noch zwei unbotmäßige kanaanitische Schwiegertöchter und damit viel Herzeleid ins Haus brachte (1 Mos. 26,34 u. 35). Dennoch lässt sich ihr Benehmen in keiner Weise rechtfertigen. Die Bibel versucht das auch gar nicht. Rebekka muss, gerade wie die ersten Sünder, die buchstäbliche Wahrheit des Wortes fühlen: „welchen Tages (Gott hätte auch sagen können: zu welcher Stunde) du davon isst, wirst du des Todes sterben“. Darauf deuten auch als feine Beobachter die beiden bekannten Bibel-Illustratoren, | ||
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| - | Für Jakob aber kamen als bittere Frucht seiner Hinterlist lange und prüfungsvolle Dienstjahre, | ||
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| - | Das Verhältnis, | ||
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| - | Durch die merkwürdigen Schicksale von Rahels älterem Sohne Joseph kam Israel nach Ägypten, und durch einen Nachkommen der Lea, den durch Vater und Mutter von Levi stammenden Mose, wurde die zum Volk angewachsene Familie nach Kanaan zurückgeführt. Bei beiden Ereignissen brauchte Gott ägyptische Frauen zu Werkzeugen: dort die frivole **Frau des Potiphar**, hier die menschenfreundliche **Tochter Pharaos**. Dieser Letzteren sind wir schon darum eine dankbare Erwähnung schuldig, weil wir ihrem warmen Interesse für ein wimmerndes Kindlein die ältesten Stücke der heil. Schrift zu verdanken haben. Sie nämlich war es, die den glücklich geretteten und in ihrem Auftrag von der Mutter Jochebed und der Schwester Mirjam während der ersten Lebensjahre selbstverständlich treu besorgten Mose als ihren Adoptivsohn (2 Mos. 2,10) erziehen ließ und so unter providentieller Leitung diesen Sohn Israels weit über das Niveau seines in sklavischer Unwissenheit gehaltenen Volkes zu „aller Weisheit der Ägypter“ (Apostelg. 7,22), d. h. zur höchsten Höhe damaliger Bildung emporhob. Diese ägyptische Weisheit hat einerseits als der nicht zu unterschätzende menschliche Teil der Ausrüstung Moses ihn fähig gemacht, sein ganzes Volk auf die Dauer zu beherrschen. Und andererseits ermöglichte sie ihn, schriftliche Aufzeichnungen zu machen, welche ohne Zweifel einen ansehnlichen Bruchteil des Pentateuchs ausmachen, und um welcher willen derselbe den Namen der fünf Bücher Mose erhielt. | ||
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| - | Unter den Töchtern Israels aus der Zeit des Auszugs ragt nur eine hervor: Moses Schwester **Mirjam**. Seine Frau, die **Zippora**, | ||
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| - | Das mosaische Gesetz enthält zum Schutz des weiblichen Geschlechtes die schärfsten Strafbestimmungen. In Anlehnung an das fünfte Gebot und in unmittelbarem Anschluss an die zehn Gebote heißt es 2 Mos. 21,15 u. 17: „Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, der soll des Todes sterben“, und „wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben“. Neben der allgemeinen Einschärfung unbedingter Ehrerbietung gegen Vater und Mutter finden wir im ganzen Alten Testament die gehorsame und zärtliche Liebe zur Mutter mit besonderem Nachdruck gefordert. David z. B. weiß, um die Tiefe seiner Betrübnis und die Größe seines Elendes vor Gott zu bringen, in dem Gebet Ps. 35, V. 14 keinen plastischeren Ausdruck als den: „Ich ging traurig, wie Einer der Leid trägt über seine Mutter“; und Hesekiel (22,7) führt unter den ärgsten Gräueln der Vornehmen von Jerusalem mit größter Entrüstung auch den an: „Vater und Mutter verachten sie“. Den modernen Juden aber darf man das Ehrenzeugnis nicht versagen, dass sie in dieser Beziehung noch immer streng nach Gesetz und Propheten leben. Der großmächtigste israelitische Geldfürst unternimmt nichts von irgend welcher Wichtigkeit ohne den Segen seiner Mutter dazu geholt zu haben; die Mutter, und wenn sie das einfältigste Krämerweiblein wäre, sie und nicht die Frau, auch nicht die distinguierteste((sich durch Gewähltheit besonders in Kleidung, Formen des Umgangs u. Ä. von anderen abhebend, unterscheidend; | ||
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| - | Auch zu Gunsten der Witwen finden sich im mosaischen Gesetz und bei den dasselbe bestätigenden Propheten eine Reihe schöner Bestimmungen. Den Witwen zu ihrem Recht zu verhelfen gilt im ganzen Alten Testament als eine Gott besonders wohlgefällige und auch in den Augen der Gemeinde ehrenvolle Sache, das Gegenteil aber, namentlich das Bedrücken und Auspfänden von Witwen, als entsetzliche Versündigung, | ||
| - | |||
| - | Was aber die mosaische Ehegesetzgebung anbetrifft, so wird darin die Frau unverhältnismäßig strenger behandelt als der Mann; jedenfalls wird die Sittenreinheit der Ehefrau aufs Unerbittlichste gefordert. Jedoch wird unleugbar schon im Alten Testament die Ehe Eines Mannes mit Einer Frau als das Richtige betont und auch im Allgemeinen innegehalten, | ||
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| - | Manches, was uns Christen und besonders dem christlichen Zartgefühl der Frau höchst anstößig ist, kommt im Alten Testament ohne Rüge davon; doch wird nirgends der Zuchtlosigkeit irgendwie das Wort geredet, und unter den vielen hervorragenden Frauengestalten der ganzen alttestamentlichen Theokratie ist nur eine Einzige, deren guter Ruf mit Recht kann angegriffen werden: jene Buhlerin von Jericho, Namens **Rahab**. Von ihr berichtet das Buch Josua (Kap. 2), dass sie durch die Kunde von den Machttaten Jehovas zur Überzeugung gekommen sei, der Gott Himmels und der Erde habe das Land Kanaan den Israeliten zu eigen gegeben, dass sie diesen Glauben durch ihre Mitwirkung bei der Eroberung betätigt habe und dass sie samt ihrer ganzen Familie zum Lohn dafür bei der Zerstörung Jerichos und der Vertilgung seiner Einwohner verschont worden sei. Das Neue Testament führt sie deswegen wiederholt (Hebr. 11,31 u. Jak. 2,25) als Beispiel dafür an, dass und in wiefern der wahre, durch Werke tätige Glaube eine rettende, seligmachende Kraft besitzen könne. | ||
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| - | Aus der bewegten Zeit der Richter ist natürlich vor allen Anderen **Debora** hervorzuheben, | ||
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| - | Nicht so schrecklich dagegen, als Luther gemeint hat und als auch noch manche Zeitgenossen glauben annehmen zu müssen, ist die Geschichte von Jephtas Tochter (Richter 11). Da dieselbe auch ihnen vielleicht schon Mühe gemacht hat, so erlauben Sie mir mit einigen Worten darauf einzugehen. Jephta, einer der späteren Richter, hatte im Krieg gegen die Ammoniter das Gelübde getan: „wenn Gott gibt die Söhne Ammons in meine Hand, so wird Alles, was aus den Türen meines Hauses mir entgegenkommt, | ||
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| - | Sind die Frauengestalten, | ||
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| - | Davids geistlicher Vater aber, der reichgesegnete Samuel, bei dessen Tode Niemand in Israel sich dem Eindruck verschließen konnte, er sei ein großer Prophet gewesen, stand auf dem nämlichen festen Grund, auf dem so viele Säulen des Tempels Gottes ältester und neuester Zeit aufgebaut sind: auf den Gebeten einer frommen Mutter. Saul dagegen, auf welchen man das englische Sprichwort last not least in umgekehrter Weise anwenden kann, der erste und doch mitnichten der beste König in Israel, nahm seine letzte Zuflucht zu einer jener Mephistonaturen, | ||
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| - | In Hinsicht auf Frauenliebe und Frauenleben war bekanntlich das Zeitalter Salomos dichterisch besonders fruchtbar, zum Teil ein Beweis, wie die Menschen ihrem eigenen Leben zum Trotz die besten Einsichten haben können, zum Teil offenbar hervorgerufen durch den Gegensatz der Wirklichkeit und durch das Gefühl der Leere, das jeder bloß sinnliche Genuss zurücklässt. Doch liegt, wie gesagt, die Annahme sehr nahe, dass die Sprüche und das hohe Lied aus Salomos besserer Zeit stammen, jene mit ihren scharfen Sentenzen gegen schöne Frauen ohne Zucht und mit dem klassischen Lob eines tugendsamen Weibes, dieses das schönste und zarteste Minnelied aller Völker und aller Zeiten. Hoffentlich hat auch der vortreffliche Aufsatz unseres Herrn Prof. von Orelli, der Ihnen leider (weil in Herzogs theol. Encyklop. VI. 245 ff.) nicht zugänglich ist, etwas dazu beigetragen, | ||
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| - | Leider waren diese edleren Regungen der salomonischen Zeit nur das letzte Aufflackern vor dem gänzlichen Erlöschen. Die späteren Blätter der israelitischen Geschichte bringen neben den Schreckensgestalten von Königinnen wie Isebel und Athalia, nur noch sehr vereinzelte liebliche Bilder weiblichen Lebens: die frommen Frauen, mit denen Elias und Elisa verkehrten, das gottesfürchtige, | ||
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| - | Dasjenige Buch, das den Übergang zwischen Kanon und Apokryphen bildet, das Buch Esther, lehrt uns nach langer Unterbrechung wieder eine hochgestellte Frau kennen, welche andere Interessen hat als die der Üppigkeit. Schon der Mut, mit welchem **Esther** der höfischen Etikette Trotz bietet, erhebt sie zum Rang einer seltenen Frau. Ohne auf ihre eigene Sicherheit Rücksicht zu nehmen, wagt sie es, sich offen zu ihren schon dem Untergang geweihten Volksgenossen zu stellen und den Kampf mit dem allmächtigen Minister aufzunehmen, | ||
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| - | Was schließlich die Frauengestalten der Apokryphen anbetrifft, so erinnert die Erzählung von der tapferen **Judith**, welche den Holofernes meuchlings enthauptete, | ||
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| - | Auch ein leuchtendes Vorbild hehren Märtyrertums ist in den Apokryphen enthalten: jene Mutter mit ihren sieben Söhnen, von denen uns das zweite Makkabäerbuch (Kap. 7) erzählt. Dass die glaubensstarke Mutter mit ihren sieben Knaben gerade deshalb so qualvoll sterben muss, weil sie das Speisegebot des mosaischen Gesetzes nicht übertreten und kein Schweinefleisch essen wollte, berührt uns dagegen fast komisch. | ||
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| - | In dem viel zu wenig gelesenen Buche Sirach endlich, das den salomonischen Sprüchen an markiger Kraft nicht immer gleichkommt, | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | „Selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören. Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, das ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, das ihr hört, und haben es nicht gehört“ (Matth. 13,16 und 17): so redet unser Herr und Heiland selbst von seinen Zeitgenossen und weist damit namentlich seiner näheren Umgebung und also auch den Frauen derselben eine bedeutungsvolle Stellung an. Wie aus dem Zusammenhang (V. 18) hervorgeht, so ist jene Seligpreisung aufzufassen als eine ernste Mahnung an seine Jünger und Jüngerinnen, | ||
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| - | Jesus Christus ragt auch in der Hinsicht über alle anderen Berühmtheiten weit hinaus, dass er seine Umgebung nicht despotisch bei Seite geschoben und selbstgefällig verdunkelt, sondern im Gegenteil zur Mitwirkung an seiner großen Lebensaufgabe herbeigezogen und nach Maßgabe ihrer Treue sogar öffentlich anerkannt hat. Dies gilt namentlich auch von den Frauen, die ihm nahe standen, von seiner Mutter und seinen Jüngerinnen, | ||
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| - | Während sich die Apostel und ihre Schüler, wie wir nachher aus der Betrachtung der evangelischen Berichte deutlich sehen werden, in dieser Beziehung durchaus nüchtern verhielten, finden wir schon am Ende des zweiten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung die Tendenz, die Mutter Jesu ihrem Sohne gleichzustellen und ihr einen wesentlichen Anteil an dem Erlösungswerk zuzuschreiben. Es entstanden apokryphische Evangelien mit genauen Details über die ganze Lebensgeschichte der **Maria**, meist solchen, die den einzelnen Begebenheiten des Lebens Jesu in greifbarster Weise nachgedichtet sind. Dieselben haben namentlich insofern ein allgemeineres Interesse, weil sie von den hervorragendsten Künstlern des Mittelalters und der Renaissance zum Gegenstande von teilweise mit Recht berühmten Darstellungen gemacht worden sind.((Auch unser Münster besitzt in seiner Krypta einen ganzen Zyklus von Deckengemälden aus dem XIV. Jahrhundert, | ||
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| - | Der Gang der vielfach illustrierten Erzählung ist kurz folgender: Marias in den Evangelien ebenfalls nicht genannter Vater Joachim will im Tempel zu Jerusalem ein Opfer darbringen, wird aber vom Hohenpriester zurückgewiesen, | ||
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| - | Zwar fehlte es nicht an einzelnen Stimmen, welche gegen diesen Unfug, von den ich immerhin hier aus Rücksicht auf Ihr Zartgefühl verhältnismäßig nur sehr Weniges mitgeteilt habe, Einsprache erhoben. Allein dieselben wurden am Schlusse des vierten Jahrhunderts von der Gesamtkirche unter dem Namen der Antidikomarianiten(( arab. Sekte, welche gegen Ende des 4. Jahrhunderts gleich früheren Vorgängern, | ||
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| - | Inzwischen hatte aber die kirchliche Sitte der langsam fortschreitenden theologischen Entwicklung längst vorgegriffen, | ||
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| - | Die Unsitte, Maria um ihre Fürbitte anzurufen, wurde natürlich durch die gewaltige Aufregung, in welche die Kreuzzüge die ganze Christenheit versetzten, sehr begünstigt. Hat doch einer der edelsten Geister jener Tage, der Abt Bernhard von Clairvaux, erklärt, wer sich durch Christi hohe Majestät eingeschüchtert fühle, der solle getrost zur Jungfrau Maria beten; dann werde er sicher erhört; denn Maria nehme bei ihrem Sohne die gleiche hohepriesterliche Stellung ein, wie dieser beim Vater. Aus der Zeit der Kreuzzüge stammt auch der Gebrauch des Rosenkranzes. Nach dem bei den Mohammedanern gefundenen Vorbild der Gebetsschnüre verfertigten sich die Kreuzfahrer ähnliche, um mit deren Hilfe täglich eine gewisse Anzahl andächtiger Gebete als duftenden Rosengarten der Mutter Gottes zu weihen. Der regelrechte Rosenkranz, der noch jetzt von jedem echten Katholiken täglich zweimal absolviert wird, nämlich bei der Frühglocke und zur Vesperzeit, besteht aus 165 Perlen, fünfzehn großen für das Unservater und dazwischen jedesmal zehn, also im Ganzen 150 kleinen für das Ave Maria. Dieses bei den Katholiken weitaus populärste Gebet ist eine Erweiterung des sogenannten englischen Grußes (Luk. 1, 28) und der Worte, mit denen Elisabeth die Maria bei sich bewillkommte (Luk. 1, 42), und lautet in seiner vollständigen Form: „Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum, benedicta tu in mulieribus et benedictus fructus ventris tui Jesus Christus; Sancta Maria, Dei genitrix, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis, Amen.“ Zu deutsch: „Sei gegrüßt, Maria, Du Holdselige, der HErr ist mit Dir; gebenedeit, d. h. gesegnet bist Du unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus Christus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unsres Todes, Amen.“ | ||
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| - | So wurde Maria durch kirchliche Lehre und kirchliche Sitte immer mehr zwischen den HErrn und seine Gemeinde hineingeschoben. Dem gemeinen Mann ward sie zur „Gnadenmutter“, | ||
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| - | In den rußigen Spelunken des inneren Sizilien fand ich zwar weder Teller noch Löffel, wohl aber überall eine Madonna mit dem ewigen Licht, dem schönen Symbol immerwährender Andacht, und unsere Urkantönler bauen keine Sennhütte ohne den Talisman eines - und oft was für eines - Muttergottesbildes anzubringen. Aber schätzen denn nicht auch wir uns glücklich im Besitz der Nachbildungen von Meisterwerken, | ||
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| - | Wenn wir mit solch echt evangelischer Absicht die einzelnen aus dem Rahmen des Neuen Testamentes hervorragenden Frauengestalten näher ins Auge fassen, so fällt unser Blick allerdings in erster Linie auf **Maria von Nazareth**, die gewürdigt wurde, von der Kraft des Höchsten überschattet, | ||
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| - | Wäre sie einigermaßen bemittelt gewesen, der bethlehemitische Herbergsvater würde gewiss auch das Unmögliche möglich gemacht und ihr gegen entsprechende Bezahlung ein menschenwürdiges Unterkommen bereitet haben. Wie aber noch heute die reichen Bauern den armen Übernachter in den Stall weisen, so geschah es auch dort. Freilich sorgte Gott dafür, dass dieser ärmsten Mutter auch in ihrem armseligen Stallwinkel das Bewusstsein, | ||
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| - | Im Laufe der Jahre musste Maria die schmerzliche Erfahrung jeder Mutter, zumal jeder Knabenmutter machen: der Sohn entwächst ihr; und da jener Sohn noch in einem ganz andern Maßstab wuchs und sich entwickelte als andere Söhne, so musste auch Maria ungleich empfindlicher von diesem Wachstum berührt werden als gewöhnliche Mütter. Für sie galt es nicht nur, den natürlichen Konservativismus der Mutterliebe zu überwinden, | ||
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| - | Dass diese nationale Befangenheit es war, welche das ganze Verhalten der Maria gegenüber von Jesu öffentlichem Wirken bestimmt hat, zeigt am Besten das durchaus gleiche Benehmen ihrer Schwester **Salome**. Es kann nämlich, wenn man die evangelischen Berichte (Matth. 27,56; Mark. 15,46 u. Joh. 19,25) mit einander vergleicht, keinem Zweifel mehr unterliegen, | ||
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| - | So finden wir die Beiden miteinander als Hochzeitsgäste in dem kleinen galiläischen Flecken Kana, und bei dieser Gelegenheit eben musste auch Maria eine ernste Abweisung mütterlicher Eitelkeit und damit eine erste, aber sehr entschiedene Abfertigung mütterlicher Einmischung erfahren. Sie hatte längst und immer sehnlicher geharrt auf eine Offenbarung der Wundermacht ihres Sohnes, und ein feines, vielleicht durch Andeutungen Jesu (wie Joh. 1,51) gewecktes Ahnungsvermögen hatte ihr gesagt: jetzt ist die Stunde des ersten Zeichens gekommen. Aber anstatt nun demütig zu warten, lässt sie sich von echt weiblicher oder, wenn Sie lieber wollen, echt menschlicher Ungeduld zu der vorwitzigen Bemerkung verleiten: „es ist kein Wein mehr da“. Die Situation ist so naturwahr, dass es Einem ist, man sehe sie dem Sohn bei diesen Worten mit dem Ellenbogen einen sanften Stoß geben; und es kommt unserem natürlichen Gefühl vor, sie als seine Mutter habe sich einen solch ermutigenden, | ||
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| - | Die betreffende Begebenheit, | ||
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| - | So erfüllte Jesus, dessen Speise es war, d. h. dem es Lebensbedürfnis war, den Willen Gottes zu tun, das Gesetz Moses, wo es heißt (5 Mos. 33,9): „Wer zu seinem Vater und zu seiner Mutter spricht: ich sehe ihn nicht; und zu seinem Bruder: ich kenne ihn nicht; und zu seinem Sohne: ich weiß nicht, - die halten Gottes Gebot und bewahren seinen Bund.“ Indessen gab er seiner Gemeinde im Verhalten zu seiner Mutter durchaus nicht nur ein Vorbild, wie man die zartesten Bande des Fleisches um Gottes willen müsse verleugnen können, sondern sterbend hinterließ er uns noch ein herrliches Beispiel umfassendster und zartfühlendster Erfüllung des fünften Gebotes. Mit wahrem Heldenmut war seine Mutter bis auf Golgatha ihm nachgefolgt. „Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, | ||
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| - | Während diese dem Heiland äußerlich am nächsten stehende Maria von Nazareth in der aufs äußerliche besonderen Nachdruck legenden katholischen Kirche, wie wir oben gesehen haben, immer mehr zu teilweise sehr unverdienten und jedenfalls ihrem eigenen Sinn durchaus widerwärtigen Ehren gekommen ist, hat die evangelische Kirche, entsprechend ihrer Betonung der innerlichen Stellung zum HErrn, von jeher eine andere Maria mit einer gewissen Vorliebe ans Licht gezogen, und es pflegt namentlich die württembergische Kirche beim alljährlichen Reformationsfest die Lichtgestalt der **Maria von Bethanien** auf den Leuchter zu stellen. Dabei kommt dann freilich die geschäftige **Martha** als das Urbild der werkheiligen katholischen Kirche jeweilen noch viel schlechter weg als in dem Bericht des Evangeliums: | ||
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| - | Dieser führt uns in eine dem HErrn besonders innig befreundete Familie von Bethanien, dem stillen Weiler vor den Toren von Jerusalem, wohin sich Jesus gern am Abend zurückzog, nachdem er den Tag über in dem geräuschvollen Leben der Stadt seines Amtes gewartet hatte. Er fand dort in dem gastlichen Hause eines Mannes, Namens Simon, welcher früher einmal den Aussatz gehabt hatte und deshalb unter dem Namen Simon der Aussätzige bekannt war, drei Geschwister, | ||
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| - | Übrigens bilden die weiteren Züge, welche das Evangelium aus dem Leben der Maria von Bethanien überliefert, | ||
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| - | Eine ähnliche Anerkennung wie diese ward einer andern, uns dem Namen nach unbekannten Frau aus Jesu Munde zu Teil: der **Witwe am Gotteskasten**. Auch bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, dass der Sohn mit dem gleichen Maß richtete wie der Vater: ohne Ansehen der Person, d. h., ohne vom äußeren Schein sich blenden zu lassen. Die Reichen gaben wohl viel, Etliche Gold, Etliche Silber, aber ihrer Keiner gab so viel er geben konnte. Ein armes Weib aus dem Volk, eine Witwe, der es an besten Ausreden nicht gefehlt hätte, übertraf sie Ale: sie allein opferte ohne Bedenklichkeit Alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt (Mark. 12,42 f.; Luk. 21,2 ff.). | ||
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| - | Und wie Jesus hier die arme Frau über die Reichsten in Israel hinaushob, so hat er andererseits der bußfertigen Sünderin weitaus den Vorzug gegeben vor den unbußfertigen „Gerechten“. Ja, er liebte es sogar, solche Kontraste wirkungsvoll hervortreten zu lassen, freilich nicht, um ein für das bloße Gefühl oder gar für die Sentimentalität effektvolles Bild herzustellen, | ||
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| - | Viel Ähnlichkeit mit der großen Sünderin hat **Maria von Magdala**, und es wäre möglich, dass eben sie, die vom Heiland nicht nur für das Reich Gottes bekehrt, sondern auch auf die wunderbarste Weise von schrecklichen Körper- und Seelenzuständen geheilt worden war, es gewesen ist, welche ihrer überströmenden Dankbarkeit durch jene Fußwaschung Ausdruck verliehen hat. In Folge alter Tradition ist es sogar zur allgemeinen Ansicht geworden, dass Maria von Magdala und die große Sünderin eine und dieselbe Person seien. Ja diese Annahme hat sich durch Kunst und Sprachgebrauch so fest eingewurzelt, | ||
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| - | Lehrreiche Beiträge zur Kenntnis der weiblichen Natur und ihrer besondern Anlagen und Bedürfnisse geben uns auch die beiden Erzählungen von Jesu Zusammentreffen mit der **Samariterin** und mit dem **phönizischen Weib**. Die Samariterin wird nicht auf dem Wege des verstandesmäßigen Räsonnements((Beweisführung, | ||
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| - | Es darf überhaupt mit Fug und Recht einen erhebenden Eindruck auf Sie machen, dass an den so mannigfaltigen und schweren Leiden des Heilandes keine Frau auch nur die mindeste Schuld getragen hat. Der alttestamentliche Elias bekam die tödliche Feindschaft einer Isebel zu fühlen, und der neutestamentliche Elias musste der grimmigen Rache einer entmenschten Herodias und der frivolen Üppigkeit ihres Töchterleins zum Opfer fallen; Jesus hatte keine Feindin. Die Evangelisten durften bei der Zeichnung der in seinem Leben auftretenden Frauengestalten ihren Pinsel durchgängig in harmonische Farben tauchen. Zwar den vom Dichter für die Frauen in Anspruch genommenen Ruhm, himmlische Rosen ins irdische Leben zu bringen, erkennt das Evangelium ausschließlich dem HErrn selbst zu. Aber es verhehlt nicht, dass Jesus auf seinem dornenvollen Lebensweg immer wieder von weiblicher Hingebung und Treue Erquickung empfangen habe. Freilich war solch dienstfertige Handreichung in der Regel nur der Ausdruck des Dankes für empfangene leibliche oder geistliche Wohltat. Wenn wir bedenken, wie Jesus sich überall der Frauen und ihrer speziellen Körper- und Seelenleiden angenommen und sogar der mit formalem Recht verfolgten Schuld seinen Schutz gewährt hat, so verwundern wir uns nicht darüber, dass ihn noch auf seinem letzten Gang die Töchter von Jerusalem mit lautem Wehklagen begleitet haben (Luk. 23,27). | ||
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| - | Auch wo in den Gleichnissen Jesu Frauen vorkommen, sind es in der Regel vorbildliche Gestalten, z. B. die sparsame Hausfrau, die um des Einen Groschens willen, den sie verloren hat, im ganzen Hause das Unterste zu Oberst kehrt (Luk. 15,8.9). Doch zeigt uns gerade auch wieder ein Gleichnis, wie weit der HErr von allem Frauendienst und von aller Schönrednerei gegenüber den Frauen entfernt war, ich meine das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, von denen eben nur Fünfe klug gewesen sind (Matth. 25,1-10). | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt: gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“: diese Worte der Offenbarung (2,4 und 5) drängen sich uns unwillkürlich immer und immer wieder auf, wenn wir uns zurückversetzen in die Tage der ältesten christlichen Kirche; und je näher wir mit den einzelnen Erscheinungen derselben bekannt werden, um so schneidender kommt uns der Gegensatz zum Bewusstsein zwischen Einst und Jetzt. Während wir sonst die Rede von der „guten, alten Zeit“ im Ganzen und Großen als Muhmenweisheit((im Sinne von Naivität, Leichtgläubigkeit)) belächeln dürfen, sind wir gezwungen, das apostolische Zeitalter, das in so überwältigender Weise den Stempel des goldenen trägt, für das Reich Gottes so zu sagen schlechthin als ideales Urbild gelten zu lassen. Warum nicht die Zeit Jesu Christi selbst? werden Sie fragen und werden diese Einwendung mit dem Hinweis darauf begründen, dass jener kleine galiläische Kreis, bestehend aus dem Heiland und den ihn umgebenden Jüngern und Jüngerinnen, | ||
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| - | Von der Apostelgeschichte hat schon der württembergische Reformator Brenz erklärt, sie sollte eigentlich nicht die Überschrift tragen: „Acta apostolorum, | ||
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| - | Und je größer die natürliche Schwachheit des menschlichen Organs, um so größer ist auch die Verklärung der göttlichen Kraft. Daher ist es denn auch nicht zu verwundern, dass die Kirchengeschichte gerne bei Frauen verweilt, in deren Tun oder Leiden die Kraft Christi sich mächtig erwiesen hat. | ||
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| - | Die erste Frau, der wir in der Apostelgeschichte (5,1-10) begegnen, ist freilich kein erhebendes Beispiel der göttlichen Kraft, sondern ein ergreifendes Exempel der sündigen Schwachheit. Das göttliche Strafgericht, | ||
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| - | Ein vollständiges Gegenstück zu dieser so schrecklich endenden Erzählung bildet die anmutige Geschichte der Jüngerin zu Joppe (Apostelg. 9,36-42). Auch hier tritt Petrus auf, aber nicht um ein göttliches Todesurteil zu verkündigen, | ||
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| - | In Petri Lebensgeschichte, | ||
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| - | Ein allgemeines Interesse dagegen erweckt eine Frau, welcher im Leben des Apostels Paulus Erwähnung getan wird: **Lydia**, die Purpurkrämerin von Philippi (Apostelg. 16,14.15). Zwar was speziell von ihr erzählt wird, dass sie nämlich eine andächtige und heilsbegierige Zuhörerin des Apostels gewesen, dass sie von ihm getauft worden sei und hernach ihm und seinen Gefährten gastfreundliche Aufnahme angeboten und gewährt habe, das Alles, so erfreulich und erbaulich es ist, würde an sich von keinem weiteren Belang für die Geschichte des Reiches Gottes sein. Allein der Umstand, dass Lydia das erste Glied der christlichen Gemeinde auf europäischem Boden, und ihr Haus die erste Missionsstation unsers Erdteils war, sichert ihr für alle Zeiten eine ehrenvolle Erinnerung in der Kirchengeschichte. Auch in den beiden großen Hauptstädten der alten Welt, in Athen und Rom, waren Frauen unter den Ersten, die von der apostolischen Predigt gewonnen wurden: In Athen die **Damaris** (Apostelg. 17,34), in Rom die **Priscilla** (Apostelg. 18,2.18.26; Röm. 16,3; 1 Kor. 16,19 und 2 Tim. 4,19). | ||
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| - | Die letztgenannte Priscilla, welche in der Apostelgeschichte und in den paulinischen Briefen mehrfach erwähnt wird, verdient auch hier ausführlicher behandelt zu werden, ist sie doch gewürdigt worden, während achtzehn Monaten, also nicht nur vorübergehend wie Lydia, die Hauswirtin Pauli zu sein. Freilich nicht in Rom, wo Paulus ja nur als Gefangener geweilt hat, sondern in Korinth. Nach Korinth aber war Priscilla mit ihrem Manne, dem Zeltfabrikanten Aquila, von Rom aus gekommen, als eine um Christi willen Verfolgte. Die Eheleute hatten ursprünglich zur römischen Judenschaft gehört. In das römische Judenviertel aber, dessen Bewohner, wie alle Juden, mit der heiligen Stadt Jerusalem beständig Fühlung unterhielten, | ||
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| - | Über andere einzelne Frauen des apostolischen Zeitalters bietet uns das Neue Testament nur sehr spärliche Angaben; doch lassen uns dieselben immerhin Blicke tun in die spezifische Bedeutung der Frau für das christliche Familien- und Gemeindeleben. In ersterer Hinsicht ist die schöne Anerkennung hervorzuheben, | ||
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| - | Allein nicht nur bei der stillen privaten Tätigkeit für die Fortpflanzung evangelischen Glaubens und Lebens in den Familien treffen wir die frommen Frauen jener Zeit; wir gewinnen vielmehr, wenn wir eine Reihe vereinzelter Notizen aus den paulinischen Briefen zusammenstellen, | ||
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| - | Von dem, wenn Sie wollen, dunklen Grund dieser strengen Forderungen heben sich die kurzen Lobsprüche um so glänzender ab, welche Paulus einigen in öffentlichen Gemeindediensten stehenden Frauen (Röm. 16,6 u. 12) erteilt. Von einer uns sonst nicht weiter bekannten **Maria** sagt er, sie habe viel Mühe und Arbeit mit ihm gehabt, von einer **Tryphäna und Tryphosa**, sie hätten in dem HErrn gearbeitet, von einer **Persis** sogar, sie habe viel gearbeitet in dem HErrn, und von einer **Phöbe** (Röm. 16,1 u. 2), sie habe Vielen und auch ihm selbst Beistand getan. Zwar gibt er nur der Letztgenannten ausdrücklich den Namen Diakone (das Wort Diakonisse kommt im Neuen Testament gar nicht vor), allein wir dürfen annehmen, dass auch die Anderen in der Eigenschaft bestalter Gemeindedienerinnen da und dort den bekanntermaßen kränklichen und oft schwerleidenden Paulus gepflegt und auch wohl in seiner Missionsarbeit, | ||
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| - | Über die Bestellung der Diakonissen und den Umfang ihres Dienstes lässt sich dem neuen Testament nichts Bestimmtes entnehmen; dagegen gibt Paulus dem Timotheus (I. 3,11) die notwendigsten, | ||
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| - | Sämtliche drei Erscheinungsformen, | ||
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| - | Im Allgemeinen wiegen im Abendlande die Witwen, in der orientalischen Kirche die Diakonissen vor. Jedenfalls hat das Abendland nie ein so förmliches Diakonissenwesen gekannt wie das Morgenland, wo die weibliche Diakonie der männlichen vollkommen an die Seite gestellt war. Die Diakonisse wurde wie der Diakon vom Bischof mit Handauflegung geweiht. Mit dem Schleier trat sie vor den Altar, wo die feierliche Weihe stattfand mit dem schönen Gebet: „Ewiger Gott, Vater unseres HErrn Jesu Christi, der Du Mann und Weib geschaffen, der Du mit dem heiligen Geist erfüllt hast Mirjam und Debora und Hanna und Hulda, der Du es nicht für unwert geachtet hast, Deinen eingeborenen Sohn von einem Weibe geboren werden zu lassen, der Du auch in der Hütte des Zeugnisses und im Tempel Hüterinnen Deiner heiligen Pforten bestellt hast, sieh nun auf diese Deine Magd, die zum Dienste erwählt ist, gib ihr den heiligen Geist und reinige sie von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, würdig zu vollbringen das ihr aufgetragene Werk zu Deiner Ehre und zur Ehre Deines Christus, mit welchem Dir sei Ehre und Anbetung samt dem heiligen Geist in Ewigkeit. Amen“. Trotzdem so die Diakonisse großer Ehre gewürdigt wurde, gewann dennoch immer mehr die dritte Klasse der zur Ehelosigkeit und einer immerhin mit Wohltun verbundenen Beschaulichkeit sich verpflichtenden sogenannten „heiligen Jungfrauen“ den Vorrang und zuletzt dermaßen die Alleinherrschaft, | ||
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| - | Das lebensvollste und ein wirklich schönes Bild christlicher Liebestätigkeit tritt uns in **Olympias**, | ||
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| - | Während aus der Nähe des Chrysostomus bloß von dieser Einen hervorragenden Frau Kenntnis auf uns gekommen ist, wissen wir dagegen von einem andern, ebenfalls dem vierten Jahrhundert angehörenden Kirchenvater, | ||
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| - | Mit solch großartiger Selbstverleugnung haben denn auch jene christlichen Frauen der alten Kirche nach dem einstimmigen Zeugnis der Kirchenväter einen gewaltigen Eindruck hervorgebracht und der Ausbreitung des Christentums um so mehr Vorschub geleistet, weil diese hingebende Liebe dem unzugänglichsten Heiden imponieren musste. Auch an den Ehren der großen Blutsaat der ersten drei Jahrhunderte, | ||
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| - | Fünfzig Jahre später sollten unter Mark Aurel, ca. 180 nach Christo, zwei andere Frauen in Gallien, **Biblias** und **Blandina**, | ||
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| - | Eine besonders lebendige und ergreifende Anschauung gewähren uns die Akten von dem Märtyrertum dreier Afrikanerinnen: | ||
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| - | Im Jahre 202 nach Christo, also ungefähr zur gleichen Zeit wie Potamtäna, wurden in Karthago die beiden jungen Frauen Perpetua und Felicitas um ihres Glaubens willen hingerichtet. | ||
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| - | **Vivia Perpetua**, eine junge Frau von 21 Jahren, war die Tochter einer christlichen Mutter, aber eines heidnischen Vaters. Um sie zum Abfall vom Christentum und zur Rückkehr an die Altäre der Götter ihres Vaters zu bewegen, warf man sie in einen finstern, dumpfen Kerker. Dort war ihr neugebornes Kind, das sie stillte, ihr Trost, zugleich aber auch ihr Kummer. Vergeblich kam ihr Vater, um sie zu bitten, sie solle den Christenglauben abschwören, | ||
| - | |||
| - | Wir besitzen von den wenigsten der übrigen Märtyrerinnen ausführliche und zugleich glaubwürdige Nachrichten. Die Todesschicksale der in den schrecklichen diokletianischen Christenverfolgungen massenweise dahingeschlachteten Frauen und Jungfrauen sind so legendenhaft überliefert, | ||
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| - | Dass den Gräueln durch Konstantin ein entschiedenes Ende gemacht und das Christentum, | ||
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| - | Als Monika gestorben war, wehrte Augustin den lauten Klagen der Seinigen. Es schien ihm nicht billig, sie mit Geschrei und Tränen zu betrauern; „Sie ist,“ sprach er, „weder elend gestorben, noch überhaupt gänzlich gestorben. Mit Recht mag man an den Gräbern derer heulen, die unselig dahingefahren sind, oder deren gänzliche Vernichtung man beklagt. An dem Grab unserer Mutter, für deren Seligkeit ihre Tugend und ihr ungeheuchelter Glaube uns bürgen, lasst uns den Psalm anstimmen: Von Gnade und Gericht will ich singen und dir, HErr, Lob sagen.“ | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | Das Mittelalter, | ||
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| - | Die mittelalterliche Kirchengeschichte wird nämlich am richtigsten in drei Perioden zerlegt. Den ersten Abschnitt bildet die Zeit des Aufschwungs der päpstlichen Gewalt bis zu Gregor VII., den zweiten die Zeit der größten Macht und Herrlichkeit des Papsttums bis zu Bonifacius VIII. und den dritten die Zeit der Korruption der päpstlichen Kirche, wo einerseits die Notwendigkeit, | ||
| - | |||
| - | Dass Fürstinnen im Mittelalter entscheidenden Einfluss auf die Geschicke der Kirche ausgeübt haben, darf uns nicht verwundern; wurde doch zu jener Zeit alles öffentliche Leben von den Höfen aus in allein maßgebender Weise bestimmt. So sind die beiden intriganten byzantinischen Kaiserinnen Irene und Theodora es gewesen, welche am Ende des achten und am Anfang des neunten Jahrhunderts durch allerlei wenig rühmliche Weiberlist dem langen Streit wegen des Bilderdienstes ein Ende gemacht und den Bilderfreunden von oben herab zum verhängnisvollen Sieg geholfen haben. Dagegen haben zwei edle deutsche Kaiserinnen ihre hohe Stellung zu Besserem benützt. Die heilige **Mathildis** (+ 968), das hehre Vorbild einer christlichen Familienmutter, | ||
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| - | Von demütiger menschlicher Nachahmung jener wahren göttlichen Liebe gibt es aber in der ganzen reichen Geschichte der christlichen Kirche kaum ein ergreifenderes Beispiel als das, welches eine deutsche Fürstin des Mittelalters gegeben hat: die in Wort und Bild seit 650 Jahren mit Recht vielgepriesene, | ||
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| - | Elisabeth war die Tochter eines Kreuzfahrers, | ||
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| - | Die Ehe wurde 1221 vollzogen, als Ludwig 20, Elisabeth 14 Jahre zählte und erreichte in jeder Hinsicht das Ideal eines innigen, anmutigen Verhältnisses. Beide hatten eine untadelhafte Jugend hinter sich und blieben einander mit unwandelbarer Treue ergeben. Als zärtliches Weib begleitete Elisabeth ihren Gemahl auf allen seinen oft sehr beschwerlichen Reisen. Und wenn er in den Krieg zog, wohin sie ihm nicht folgen konnte, so legte sie allen Schmuck ab und kleidete sich wie eine Witwe. Erwartete sie ihn aber zurück, so schmückte sie sich wieder, nicht aus Prachtliebe, | ||
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| - | Eine übertrieben asketische Richtung entwickelte sich das gegen bei Elisabeth in den letzten Abschnitt ihres Lebens und zwar unter dem Einfluss des düstern Ketzermeisters Konrad von Marburg. Dieser, vom Papst zum Inquisitor Deutschlands ernannt, hatte seit Ende 1225 am Hof des so eminent kirchlich gesinnten Landgrafen einen geeigneten Mittelpunkt für seine schreckenerregende Tätigkeit und an der für religiöse Einwirkungen besonders empfänglichen Landgräfin ein leider nur zu fügsames Beichtkind gefunden. Meister Konrad war ohne Zweifel ein ungewöhnlicher Mann, der mit seltener Gelehrsamkeit, | ||
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| - | Schon zu Lebzeiten ihres Gemahls wusste Konrad es dahin zu bringen, dass Elisabeth ihm förmlich und feierlich Obedienz gelobte und das Versprechen ablegte, falls sie den Landgrafen überleben sollte, nicht wieder zu heiraten. Beides hat sie gewiss gerne versprochen. War es doch immer ihr Bestreben gewesen, Gott in möglichst vollkommener Weise zu dienen; dass sie dazu eines Gewissensrates bedurfte, war nach den Anschauungen ihrer Zeit im Allgemeinen und ihrer Kirche im Besondern selbstverständlich. Wie hätte sie nun einen bessern finden können als den vom heiligen Vater selbst der höchsten Aufträge gewürdigten Meister Konrad? Und dass sie niemals einem Andern als ihrem teuren Landgrafen angehören könnte, verstand sich bei ihrer Verehrung für diesen ebenso von selbst. Hingegen hat Elisabeth jedenfalls erst nach dem Tod Ludwigs und als sie ihre persönliche Selbständigkeit schon gänzlich dem eifernden Mönchsgeist Konrads preisgegeben hatte, in einer schwachen Stunde die überspannte Äußerung getan, sie bedaure, dass sie überhaupt je verheiratet gewesen sei und ihr Leben nicht als gottgeweihte Jungfrau habe beschließen können. | ||
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| - | So lange der Landgraf lebte, blieb sie ihm mit ganzer Liebe zugetan und zwar offenbarte sich diese ansprechende natürliche Seite ihres Wesens noch einmal in besonders ergreifender Weise. Ludwig hatte bei seinem Aufenthalt in Italien 1226, teils aus Eifer für das Reich Gottes, teils aus Anhänglichkeit an die Person des Kaisers Friedrich II., diesem versprochen, | ||
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| - | Auf die inständigen Bitten des Geleites, das die Leiche Ludwigs. nach Thüringen zurückbrachte, | ||
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| - | Aber im Großen und Ganzen war Konrads Absicht erreicht; er hatte aus ihr, wohl in geheimem Einverständnis mit der römischen Kurie, ein Meisterstück der christlichen Vollkommenheit im Sinn der päpstlichen Kirche gemacht. Als solches wurde sie noch bei ihren Lebzeiten von Nah und Fern bewundert und, nachdem sie im November 1231, erst vierundzwanzig Jahre alt, gestorben war, schon 1235 von Gregor IX. heilig gesprochen. Als Heilige soll sie auch uns gelten, aber nicht wegen ihrer grenzenlosen Fügsamkeit gegen die Tendenzen Roms, sondern wegen ihrer beispiellosen Energie in Demut und Barmherzigkeit. Lehrreich ist immerhin auch der letzte Abschnitt ihres Lebens, weil der Ketzermeister Konrad und die büßende Elisabeth äußerst charakteristisch sind für das ganze Mittelalter. | ||
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| - | Wenn schon eine Frau von dem äußeren Rang und der persönlichen Bedeutung einer Landgräfin Elisabeth zum willenlosen Werkzeug in der Hand des Klerus werden konnte, wie leicht mag da den zahllosen Geistlichen und Mönchen des Mittelalters die unbegrenzte Herrschaft über die große Menge der Weiber geworden sein! Der schwärmerische Zug der Zeit war ohnehin dem weiblichen Wesen ansprechend, | ||
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| - | Unter diesen Klosterfrauen treffen wir wiederum manche sehr bedeutende an. Schon Bonifacius (+ 755), der Apostel der Deutschen, hatte unter dem angelsächsischen Generalstab, | ||
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| - | Ebenso vertraut mit den alten römischen Autoren wie diese deutsche Nonne des zehnten Jahrhunderts war eine französische des zwölften, welche sich überdies mit den tiefsten philosophischen Problemen der scholastischen Theologie eingehend beschäftigte. Doch hatte sich die schöne und geistvolle **Heloise** in den Tagen der Rosen auch mit andrem abgegeben und das Denken des gelehrten Abelard auf bedenkliche Abwege gebracht. In den Unterrichtsstunden, | ||
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| - | Auch mit Abelards größtem theologischen Gegner, dem heiligen Bernhard von Clairvaux, stand eine merkwürdige Frau in Verbindung, freilich in durchaus anderer Weise. Hatte dort die gegenseitige Zuneigung die Grundlage des Verhältnisses gebildet, so war es hier der gemeinsame Zug zum Übernatürlichen, | ||
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| - | Was die Frauen betrifft, so hatte der fromme Mann von Assisi zuerst durchaus nicht beabsichtigt, | ||
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| - | Wie Franz von Assisi, so hat auch der andere große Ordensstifter des Mittelalters, | ||
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| - | „Wenn diejenigen, die dem Gekreuzigten zu dienen begehren, dies tun wollen nach eigenem Belieben und nicht nach Gottes Art, und wenn sie ungeduldig werden, dass Gott an ihren selbsterwählten Entsagungen kein Wohlgefallen hat, so ist das eben nur der sinnliche Wille, eingehüllt in den geistlichen Mantel.“ - „ Törichte Demut, wegzubleiben vom heiligen Mahl, sagend: ich bin dessen nicht würdig! wie lange willst du warten, um würdig zu sein? Mit all unserer Gerechtigkeit werden wir dessen nie würdig! Aber Gott ist es, der würdig ist, und mit seiner Würde macht Er uns würdig. Was denn sollen wir tun? Uns bereit machen unsern Teils und sein süßes Gebot: kommt! befolgen.“ Solche Sätze sind doch wahrlich lebendige Zeugnisse von Genie, und zwar von dem religiösen Genie, das Hase in seiner Lebensbeschreibung der hl. Katharina so schön bezeichnet als „eingepflanzt vom Schöpfer und getränkt mit dem Wasser, das Christus auch einem Weib am Jakobsbrunnen darbot.“ | ||
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| - | Übrigens hat die arme Färberstochter von Siena, welche so mystisch und innerlich lebte, so viel mit dem übersinnlichen Reich Gottes beschäftigt war und so intim mit dem Himmel verkehrte, doch nicht nur brieflich, sondern persönlich, | ||
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| - | Als die Verworrenheit jener Tage den Höhepunkt erreichte, und zwei Päpste einander als Rivalen gegenüberstanden, | ||
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| - | Vielfache Ähnlichkeit mit Katharina hat die nordische Prophetin aus der nämlichen Zeit: die heilige **Birgitta von Schweden**; doch ist dieselbe, schon weil sie nicht so viele und handgreifliche Visionen hatte, sondern eine ehrbare germanische Familienmutter war, uns ungleich sympathischer. Wie wir in der heil. Elisabeth die echteste Repräsentantin des eigentlichen mittelalterlichen Geistes und damaligen religiösen Lebens glauben erkennen zu dürfen, so ist uns die heil. Birgitta nicht nur die ansprechendste, | ||
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| - | Birgitta (so und nicht Brigitta lautet der Name ursprünglich) ist in dem schwedischen Hochland auf Finstad, einem Herrenhofe bei Upsala, im Jahre 1302 geboren, von väterlicher und mütterlicher Seite aus königlichem Blut stammend. Die Eltern waren beide, Birger und Ingeborg, von ernster und frommer Gesinnung, in dem Kind aber wurde besonders durch eine Schwester der Mutter der Zug zur Selbstbetrachtung, | ||
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| - | Uns kann dieser Orden namentlich deshalb interessieren, | ||
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| - | Birgitta selbst pilgerte nach Erfüllung ihres größten Wunsches mit mehreren ihrer Kinder über Zypern nach Jerusalem. Doch war die Reise, verbunden mit den ihr überall dargebrachten großartigen Huldigungen, | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | Für die Stimmung, in der sich die besten Elemente der Christenheit zu Ende des 15. Jahrhunderts befanden, weiß ich keinen bessern als den biblischen Ausdruck des Römerbriefes Kap. 8, V. 19, den Luther unrichtig als „ängstliches Harren“ aufgefasst hat, der vielmehr verstanden sein will als erwartungsvolles Ausschauen. Ja, in die Zukunft blickten sie hinaus all jene strebsamen Geister am Ausgang des Mittelalters, | ||
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| - | Schon früher hatten Einige das Verderbnis der Kirche erkannt, und im 14. Jahrhundert hatte sich ziemlich allgemein das klare Bewusstsein geltend gemacht, dass eine Erneuerung von Nöten sei. Allein wir haben an dem Beispiel der beiden Prophetinnen Katharina und Brigitta am besten sehen können, wie überall, im Norden und im Süden, auch die tiefste Einsicht der Schäden und Gebrechen in dem Wahn gefangen war, es könne die Heilung nirgends anders woher kommen als vom heiligen Vater zu. Rom. Erst als die wohlgemeinten Versuche, die päpstliche Kurie zu entscheidender Initiative zu treiben, an der phlegmatischen Apathie der besseren und an der entschiedenen Antipathie der geradezu schlechten Päpste gescheitert war, hatte man angefangen von der persönlichen Spitze an die allgemeine Vertretung der Kirche, an ökumenische Konzilien zu appellieren. Auch diese Instanz erwies sich als unzuverlässig und unfähig. Das Konzil zu Konstanz suchte das Sehnen aller derer, welche sich als Gottes zur Freiheit berufene Kinder fühlten und nicht bloße Kreaturen der Kirche sein wollten, in dem qualmenden Rauch zweier Scheiterhaufen zu ersticken, und das Konzil von Basel raffte sich aus seinen vielen schönen und langen Reden nur selten zu Taten auf und auch dann nur zu törichten und unheilvollen. So musste langsam die für jene Zeit schreckliche Überzeugung ausreifen, welche auch bei Luther nur allmählich die Oberhand gewonnen hat, dass es vergeblich sei, auf eine von den offiziellen Organen der Kirche selbst ausgehende Verbesserung zu hoffen, dass vielmehr eine große Umwälzung kommen müsse, welche auch vor einem Bruch mit Rom nicht zurückschrecke. Nur wenn wir diesen Umstand recht in Erwägung ziehen und daran denken, dass in allen Kreisen eine sehnsüchtige Spannung sich der Gemüter bemächtigt hatte, können wir begreifen, warum gleich die ersten Heroldsrufe Luthers so allgemeines Verständnis und so ungeheuren Anklang fanden. Überall, wo seine Schriften eindrangen, wurde mit Erleichterung empfunden, dass der Bann gehoben und jetzt endlich das lösende Wort, das längst Vielen auf der Zunge gelegen hatte, ausgesprochen sei. Kein Wunder, dass nun auch aller Orten der Frühlingsjubel laut wurde: „unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Stricke des Voglers; der Strick ist zerrissen, und wir sind los!“ (Ps. 124,7). Und je gehemmter und eingeengter ein Einzelner oder eine ganze Klasse von Menschen gewesen, je schmerzlicher irgendwo der Druck des römischen Joches empfunden worden, um so freudiger war die Zustimmung zu Luthers Vorgehen, um so unbedingter die Bereitwilligkeit ihm Heeresfolge zu leisten in dem gegen Rom eröffneten Kriegszug. | ||
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| - | Wo die Stimme der Reformatoren ein besonders williges Gehör und ein besonders lebhaftes Echo fand, das war sehr erklärlicher Weise in den Klöstern und zwar mindestens ebenso sehr in den Frauenklöstern als bei den Mönchen. Unter den Nonnen nämlich trieb der von Rom aus über den ganzen Erdkreis hin systematisch verbreitete geistliche Despotismus schon deshalb üppigere Blüten, weil er sich die eigentümliche natürliche Schwachheit und das Bedürfnis des weiblichen Geschlechtes, | ||
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| - | Eberlins soeben im Auszug mitgeteilte „Vermahnung aller Christen, dass sie sich erbarmen über die Klosterfrauen, | ||
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| - | Zwar hatte Luther im Oktober 1524 Gott zu Ehren, Vielen zur Freude, dem Satan zum Trotz die Kutte abgelegt, allein von der weiteren Konsequenz, welche von seinen Freunden daraus gezogen wurde, dass er nun auch zur Ehe schreiten werde, wollte er durchaus nichts wissen. Wohl stand auch ihm das Recht der Priesterehe unerschütterlich fest, und er gab jenem starken Wort Eberlins gewiss vollkommenen Beifall: „Wer das Verbot der Priesterehe so oder anders fordert, der sündigt mehr, als der ein Kruzifix verspeit“. Und so war es denn sehr natürlich, dass er von allen Seiten her aufgefordert wurde, das selbst zu tun, wozu er mit so vielen Gründen Andere getrieben. | ||
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| - | Mit besonderer Energie hatte eine Frau - man weiß ja, wie gerne die Frauen Ehen stiften! - in Luther gedrungen, und zwar eine Frau, die es wohl verdient, dass wir sie wenigstens vorübergehend ins Auge fassen: die bairische Edelfrau **Argula von Grumbach** geb. von Stauffen. Dieselbe stand seit geraumer Zeit mit Luther in Korrespondenz und war eine sehr tapfere Frau. Als z. B. die Universität Ingolstadt unter Ecks Anführung im Jahr 1523 einen armen Magister wegen seiner Hinneigung zu Luthers Lehre verfolgte, da protestierte Argula öffentlich gegen ein solches Verfahren. Dr. Johann Eck freilich sandte ihr als Antwort einen Spinnrocken und bedeutete ihr in einem höhnischen Begleitschreiben, | ||
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| - | Als nun aber mitten in den Aufregungen, | ||
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| - | An Katharina aber bewährten sich die Worte Eberlins über die Ehen der Pfaffen: „ es ist ein Zeichen trefflicher Gesinnung, wenn Eine sich um die Nachrede der Narren nicht bekümmert, und die Ehe wird gewiss wohl geraten, wenn sie ohne andere Ursachen, allein aus persönlicher Liebe geschlossen wird. Ich habe es jetzt an vieler Pfaffen Ehen erfahren, dass Gott mit ihnen ist.“ Luther sollte nie Anlass haben, jenen raschen Entschluss zu bereuen. Seine „liebe treue Hausfrau“ hat ihn, wie er in seinem Testament bezeugt, „als ein fromm, treu, ehelich Gemahl allezeit lieb, wert und schön gehalten“. Die Prophezeiungen der Feinde, die große Tragödie der Reformation sei eine bloße Komödie, an deren Ende Alle heiraten, haben sich ebenso wenig erfüllt, wie die Befürchtungen der Freunde, sogar eines Melanchthon, | ||
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| - | Wenn er unter Freunden scherzweise von seinem Herrn und seinem Moses Käthe redete oder Briefe an sie mit den Worten anfing: „Lieber Herr Rat“, so wollte er damit allerdings andeuten, dass Versuche zum Pantoffelregiment gemacht würden, allein auch diese betrafen gewiss nicht Luthers reformatorisches Wirken, sondern wohl nur seine grenzenlose Freigebigkeit, | ||
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| - | Die Sorgen des Hausstandes, | ||
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| - | Während der sieben Jahre ihrer Witwenzeit bot sich ihr reichlich Gelegenheit, | ||
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| - | Es wäre interessant zu wissen, ob Katharina von Bora, welche ohne Zweifel ihren Eheherrn oft und viel von den schweizerischen Reformatoren, | ||
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| - | Sonst erfahren wir von dem nüchternen Zwingli über sein häusliches Leben ungleich weniger als von dem poesievollen Luther. Übrigens war Zwinglis Ehe auch eine sehr kurze; der unglückselige Tag von Rappel machte schon 1531 dem glücklichen Bündnis ein jähes Ende. Den besten Einblick in Anna Reinharts Seelenleben gewährt uns das auf geschichtlichen Aufzeichnungen über Zwinglis Auszug zur Schlacht und über den mörderischen Ausgang derselben beruhende Gedicht von Martin Usteri: „Der armen Frow Zwinglin Klag.“ Zum Verständnis desselben muss vorausgeschickt werden, dass kurz vor der Schlacht bei Kappel in Zürich ein Komet war gesehen worden, dass ferner Zwinglis Pferd im Augenblick, da er von seiner Frau und seinen drei Kindern Regula, Wilhelm und Ulrich Abschied nahm, sich bäumte, und dass Frau Anna an jenem verhängnisvollen Tag außer dem Gatten auch den einzigen Sohn erster Ehe, zwei Tochtermänner, | ||
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| - | O Herre Gott, wie heftig schluog \\ | ||
| - | Mich dines Zornes Ruten! \\ | ||
| - | Du armes Herz, ists nit genuog, \\ | ||
| - | Kannst du noch nit verbluoten? \\ | ||
| - | Ich ring die Händ: käm doch myn End! \\ | ||
| - | Wer mag myn Elend fassen? \\ | ||
| - | Wer misst die Not? Myn Gott, myn Gott, \\ | ||
| - | Hast du mich gar verlassen? | ||
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| - | Ich fürcht die Nacht, ich fürcht den Tag, \\ | ||
| - | Ich schüch mich vor den Lüten; \\ | ||
| - | Ich hör nur Jammer, Angst und Klag, \\ | ||
| - | Nur Bschuldigen und Stryten, \\ | ||
| - | Man ficht mich an: Dyn Mann hats than! \\ | ||
| - | Les ich in vielen Ougen; \\ | ||
| - | Es bocht der Hohn: das Alt muoß koh'n! \\ | ||
| - | Bald offenbar, bald tougen. | ||
| - | |||
| - | Was klagt ihr mir der Üwern Todt? \\ | ||
| - | Hab ich nicht gnuog ze tragen? \\ | ||
| - | Ach, üwer Not ist ouch myn Not, \\ | ||
| - | Vnd meeret myne Klagen! \\ | ||
| - | Wer suocht das Korn am Schleyendorn? | ||
| - | Bym steinin Bild Erbarmen? \\ | ||
| - | Was suocht denn Ihr Trost, Hilf by mir? \\ | ||
| - | Ich bin die ärmst der Armen. | ||
| - | |||
| - | Vnd kumbt die lange Abendzyt, \\ | ||
| - | Wo Kopf vnd Oug ermatten, \\ | ||
| - | Erschreckt mich in der Einsamkeit \\ | ||
| - | Ein jeglich Ton und Schatten. \\ | ||
| - | Ich süftz: o Nacht, wärst du verbracht, \\ | ||
| - | Möcht doch dyn Dunkel wychen! \\ | ||
| - | Entschlafen koum, plagt mich der Troum \\ | ||
| - | Mit ytel Bluot und Lychen. | ||
| - | |||
| - | Ich renn in Stryt, ich suoch und kann \\ | ||
| - | Durch Spieß und Schwerter dringen, \\ | ||
| - | Find Mann, Sün, Bruoder, Schwestermann \\ | ||
| - | In Bluot und Tode ringen. \\ | ||
| - | Man zeigt mir ouch den schwarzen Rouch \\ | ||
| - | Sich hoch zum Himmel schwingen. \\ | ||
| - | Ich seh die Rott mit Hohn vnd Spott \\ | ||
| - | Ihr Greweltat vollbringen. | ||
| - | |||
| - | Es gellet ouch das Jammergschrey \\ | ||
| - | Mir stäticklich in Oren: \\ | ||
| - | Uf, Waffen, Waffen, Als herby! \\ | ||
| - | Ach Gott, wir hand verloren! \\ | ||
| - | Auf, Wyb vnd Mann! louf, louf wer kann! \\ | ||
| - | Der Feynd ist vor den Thoren. \\ | ||
| - | So helf vns Gott, Alls, Alls ist todt! \\ | ||
| - | Louft, louft zu Mur vnd Toren! | ||
| - | |||
| - | Ich rannt hinus, fragt wen ich sach; \\ | ||
| - | Vnd fürchtet doch die Märe. \\ | ||
| - | Ich Thörin, ach ich wusst es ja, \\ | ||
| - | Dass er nit widerkehre! \\ | ||
| - | Des Sternes Ruoth, die Luft in Bluot \\ | ||
| - | So grusamcklich entzündet, \\ | ||
| - | Die klag der Ewl, das Nachtgehewl \\ | ||
| - | Hatts sattsam schon verkündet. | ||
| - | |||
| - | Er wusst es ouch, doch wollt er mich - \\ | ||
| - | Ich wollt ihn nit erweichen. \\ | ||
| - | Doch da syn Ross so rücklings wich, \\ | ||
| - | Thät er wie wir erbleichen. \\ | ||
| - | Die Kind vnd mich, wie brünstiglich \\ | ||
| - | Hat er vns noch umbfangen! \\ | ||
| - | Sah stets zurück, syn letzter Blick \\ | ||
| - | Ist mir durchs Herz gegangen. | ||
| - | |||
| - | So schwinget sich wie ein Gekett \\ | ||
| - | Um mich nur Angst vnd Jammer. \\ | ||
| - | Entflüch ich dann der Lagerstett, \\ | ||
| - | Ze süfzen in der Kammer, \\ | ||
| - | So schlycht mir ach! das Regli nach, \\ | ||
| - | Vnd weint: kannst du nit schlafen? \\ | ||
| - | Zwingt mich ze Bett. - So bluoten stett \\ | ||
| - | Die Wunden, die mich trafen. | ||
| - | |||
| - | Hör ich das erste Hahnengschrey, | ||
| - | So prys ich mynen Herren: \\ | ||
| - | Gottlob die Nacht ist bald vorby, \\ | ||
| - | Der Tag will widerkehren! \\ | ||
| - | Er zeigt mir doch die Kindlein noch, \\ | ||
| - | Sy mindern doch die Läre. \\ | ||
| - | Wie oft voll Forcht hab ich gehorcht, \\ | ||
| - | Ob ich s‘ noch atmen höre! | ||
| - | |||
| - | Ein Engelskuss hat s‘ aufgeweckt, \\ | ||
| - | Drum sy so fründlich lachen. \\ | ||
| - | Ein jegklichs dann syn Köpflin streckt, \\ | ||
| - | Vnd spächt, ob ich erwachen. \\ | ||
| - | Dann henken s‘ sich mit Bitt an mich: \\ | ||
| - | Ach, hör doch uf ze schreyen! \\ | ||
| - | O Mutterherz, du armes Herz, \\ | ||
| - | Kann dich noch was erfrewen? | ||
| - | |||
| - | Du bindest mich ans Leben noch, \\ | ||
| - | Du trybst den Tod zerücke, \\ | ||
| - | Du lüpfst des Kumbers ysin Joch, \\ | ||
| - | Dass es mich nit erdrücke! \\ | ||
| - | Du ruofst: fortan luog d' Waislin an! \\ | ||
| - | Was soll us jnen werden? \\ | ||
| - | Sy sind ein Brand us Huldrychs Hand, \\ | ||
| - | Vnd hand nur dich uf Erden! | ||
| - | |||
| - | Ja, diesen Schatz, mir anvertruwt, \\ | ||
| - | Ich will in trüw verwalten! \\ | ||
| - | Den Tempel, den er ufgebuwt, \\ | ||
| - | Den sollend sy erhalten. \\ | ||
| - | Uf syner Bahn führ ich sie an, \\ | ||
| - | Daß er durch sie sich neuwe, \\ | ||
| - | Vnd Hulderych im Himmelrych \\ | ||
| - | Sich ihr und myner freuwe. | ||
| - | |||
| - | Komm du, o Buoch, du warst syn Hort, \\ | ||
| - | Syn Trost in allem Uebel. \\ | ||
| - | Ward er verfolgt mit Tat vnd Wort, \\ | ||
| - | So griff er nach der Bibel,\\ | ||
| - | Fand Hilf by ihr. - Herr, zeig ouch mir \\ | ||
| - | Die Hilf in Jesu Namen! \\ | ||
| - | Gib Muoth vnd Stärk zum schweren Werk \\ | ||
| - | Dem schwachen Wybe! Amen. | ||
| - | |||
| - | Übrigens erging es, was uns Schweizer auch freuen darf, der Witwe unseres großen Reformators, | ||
| - | |||
| - | Eine in seltenem Maß begehrenswerte Frau muss die Gattin Oekolampads gewesen sein; denn als dieser sie heiratete, war sie schon Witwe, und doch haben auch nach Oekolampad noch zwei andere Reformatoren sich glücklich geschätzt, sie als Ehefrau besitzen zu dürfen. Der Basler Chronist Wurstisen sieht diesen Umstand als ein ganz besonderes Glück dieser Frau an. Ich glaube kaum, dass diese Anschauung die richtige ist. Jedenfalls aber besitzen wir von keiner andern Frau der Vergangenheit eine so sichere Bezeugung ihrer Vorzüge wie von ihr, welche nacheinander von vier der besten Männer ihrer Zeit nicht nur begehrt, sondern wirklich geheiratet worden ist. | ||
| - | |||
| - | **Vibrandis Rosenblatt** war die Tochter eines Ritters und Feldobersten Kaiser Maximilians I. und verehelichte sich, wie es scheint in früher Jugend, zum ersten Mal mit dem Basler Gelehrten Cellarius. Derselbe war kränklich, und so wurde sie bei Zeiten im Kreuztragen geübt. Als Oekolampad, durch den Tod seiner Mutter veranlasst, sich zur Ehe mit ihr entschloss, fand er sie trotz ihrer Jugend sehr verständig. Er schrieb an Farel: „Gott hat mir eine Frau zugeführt, die den Herrn Jesum kennt und liebt und fleißig für mein Hauswesen sorgt,“ und an Capito: „Sie ist gerade so, wie ich mir eine Frau gewünscht habe, und ich wollte nicht, dass sie anders wäre; denn sie ist weder streitsüchtig noch klatschsüchtig, | ||
| - | |||
| - | Allein Vibrandis hat von dieser Freiheit keinen Gebrauch gemacht; auch nicht von den Gnaden des englischen Erzbischofs. Sie zog nach Basel, um bei dem Grab Oekolampads ihr wechselvolles Leben zu beschließen. Zwar musste sie im Jahr 1554 hören, dass die kirchliche Reaktion in England die Oberhand bekommen habe, und dass die blutige Maria selbst die Gebeine des frommen, friedliebenden Butzer aus ihrer Grabesruhe habe hervorreißen und verbrennen lassen. Vibrandis durfte aber auch noch erleben, dass Königin Elisabeth den englischen Thron bestieg, die Reformation wieder einführte und 1560 das Andenken des von König Eduard so sehr geliebten Butzer in ehrenvollster Weise erneuerte. Elisabeth von England ist überhaupt unverdientermaßen so sehr verpönt; sie hatte ohne Zweifel ihre großen Schwächen und hat namentlich ihre Eifersucht gegen die Schönheit der Maria Stuart auf die äußerste Spitze getrieben. Allein das berechtigt noch keineswegs, sie neben der frivolen und bigotten Maria Stuart in den Schatten zu stellen. Und namentlich darf die evangelische Christenheit sich nicht etwa durch Schillers ästhetische Sympathie für die schöne Gestalt und das tragische Geschick der schottischen Königin verleiten lassen, ihrer in der Einsamkeit einer freudelosen Jugend verbitterten Gegnerin die großen Verdienste um den englischen Protestantismus zu vergessen. Vibrandis Rosenblatt hat die englische Fürstin gewiss dankbar gesegnet für jenen Akt der Pietät, dessen Kunde ein Lichtstrahl war am Abend ihres vielgeprüften Lebens. Eine andere große Freude war für sie die Verheiratung ihrer zweiten Tochter, **Irene Oekolampad**, | ||
| - | |||
| - | Wie wenig zu jener Zeit, wo überhaupt die Häuslichkeit mehr in den Hintergrund treten musste, wo die treibenden und bewegenden Führer von ihrer öffentlichen Tätigkeit vollauf in Anspruch genommen waren, wie wenig damals beim Heiraten nach den Bedürfnissen des Herzens gefragt wurde, zeigt uns am besten das Beispiel Calvins. Als er während seines Aufenthaltes in Straßburg zur Überzeugung kam, dass er sich nun verehelichen sollte, da sah nicht er selbst sich um, sondern er überließ es den Freunden, Eine ausfindig zu machen, die für ihn passe. Calvin, welcher offenbar mehr Sinn hatte für Freundschaft mit Männern als für das Verhältnis zu Frauen, das man gewöhnlich „Liebe“ nennt, wollte nur ehelich werden, um mit den Äußerlichkeiten des Lebens sich nicht befassen zu müssen und mehr Ruhe für seine Studien zu gewinnen. Er betrieb deshalb die Angelegenheit ohne alles Feuer, ja so kühl, dass es uns nicht wundern darf, wenn nacheinander drei Versuche scheiterten. Die Erste schreckte zurück, weil ihr ein Brief Calvins gezeigt wurde, worin es hieß: „ich bin keiner von den verliebten Toren, die über einem hübschen Gesicht alles Andere vergessen und am Ende auch die Fehler ihrer Geliebten anbeten. Die einzige Schönheit die Eindruck auf mich macht, ist die, wenn eine Frau sanft sich zeigt, keusch, bescheiden, haushälterisch, | ||
| - | |||
| - | Calvin hat sich nicht wieder verehelicht. Ungehindert von irgend welcher familiären Rücksicht, die ohnehin bei ihm dem Interesse für Gottes Reich nie Eintrag getan, lag er bei zunehmenden Jahren mit immer intensiverem Ernste seiner Lebensaufgabe ob: Genf zu einem christlichen Musterstaat und zugleich zu einem Herzpunkt zu machen, aus dem allen Ländern romanischer Zunge stets neue Impulse zur Reformation zuströmten. | ||
| - | |||
| - | Der Kreis von Frauen, welche „Gehilfinnen der Reformatoren“ genannt zu werden verdienen, ließe sich noch weit ausdehnen. Gott gab den treuen Herolden seines Wortes nicht nur geistig und geistlich ebenbürtige Gefährtinnen des persönlichen Lebens, sondern er ließ sie unter allen Schichten ihrer Zeitgenossen treue Glaubens- und Arbeits-Genossinnen finden. Und die Reformatoren ihrerseits wussten das hoch zu schätzen. Zwar für fade Courtoisie fehlte ihnen sowohl Geschmack als Zeit vollständig, | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | Der Reformation folgte auf dem Fuße die Gegenreformation. Durch unzählige geheime oder offene Gewaltakte suchte die römische Kirche die ihr entrissenen Gebiete zurückzuerobern, | ||
| - | |||
| - | So hat denn auch die Gegenreformation in dieser Weise eine ganze Wolke von Zeugen für Christum hervorgebracht. Und gerade da, wo sie zuerst und mit dem meisten Erfolg ihre ganze Schreckensmacht entfaltete, in Frankreich und Italien, treten uns glänzende Beispiele von Frauen entgegen, welche um ihres evangelischen Glaubens willen die größten Anfechtungen zu bestehen hatten. Es ist wahrlich ein erhebender Anblick zu sehen, wie aus der französischen Herrscherfamilie, | ||
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| - | Ganz anders ihre Tochter, die Heilige des französischen Protestantismus, | ||
| - | |||
| - | Gleichwie Johanna hatte auch die Tochter König Ludwigs XII., die Prinzessin **Renata**, in ihrer Jugend unter dem heilsamen Einfluss der vorhin erwähnten Königin Margaretha gestanden. An Herkules von Este, Herzog von Ferrara, verheiratet, | ||
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| - | Als Renatas strengkatholischer Gatte starb, mussten die Inquisitionen zwar aufhören, allein in Frankreich, wohin sie zurückkehrte, | ||
| - | |||
| - | Renata hatte sich während jener Bedrängnis ihres Glaubens zu Lebzeiten ihres Gemahls namentlich dadurch als echte Märtyrerin erwiesen, dass sie sich auch dann nicht beugte, als man die raffinierteste Repressalie gegen sie anzuwenden wagte und ihr die eigenen Kinder wegnahm. | ||
| - | |||
| - | Das gleiche Mittel wollte zur gleichen Zeit der Kardinal Riverta gegen jene vornehmen Tessinerinnen zur Anwendung bringen, von welchen die Orelli, Pestalozzi und Muralto in Zürich herstammen. Doch muss zu Ehren der damaligen Eidgenossen gesagt werden, dass sie trotz aller Gefügigkeit gegen den päpstlichen Legaten zu dieser Barbarei nicht Hand boten. Als der schlaue Prälat, um den zur Reformation übergetretenen Tessiner Adel zurückzugewinnen, | ||
| - | |||
| - | Außer den vorhin erwähnten wenigen edlen Fürstinnen waren die Regentenhäuser im Süden und Westen Europas dem Katholizismus völlig zugetan, und eben deshalb hatte auch die Gegenreformation dort leichtes Spiel. Ganz anders in der Mitte, im Norden und im Osten unseres Erdteils. Da hatten ganze große Völkerschaften samt ihren Fürstenfamilien der Reformation sich angeschlossen und diese waren nun durchaus nicht gesonnen, sich die Segnungen des evangelischen Glaubens wieder entreißen zu lassen, sondern erwehrten sich der Angriffe einer von Österreich und Bayern im Interesse der römischen Kirche organisierten Liga mit größter Beharrlichkeit und führten schließlich in Verbindung mit dem großen Schwedenkönig für ihre Glaubens- und Gewissens-Freiheit einen dreißigjährigen Krieg. Unter solchen Umständen war natürlich die ganze Stellung und Aufgabe der deutschen protestantischen Fürstinnen eine ganz andere. Sie hinderte Niemand ihres Glaubens zu leben, sie hatten auch nicht nötig unter ihren Landeskindern für die Ausbreitung der reinen evangelischen Lehre tätig zu sein. Auf eine stillere Wirksamkeit angewiesen, haben sich aber dennoch Viele unter ihnen in ausgezeichneter Weise um das Reich Gottes verdient gemacht. | ||
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| - | Zunächst begegnen wir einer Urenkelin jener um ihres Glaubens willen von ihrem Gemahl verstoßenen, | ||
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| - | Wenn ihr Gemahl in Kriegsfällen oder in diplomatischen Angelegenheiten außer Landes gehen musste, so ernannte er jeweilen für die Zeit seiner Abwesenheit die Herzogin zu seiner Stellvertreterin. Und diese benützte solche Regierungsgewalt jedesmal zu einer von echt evangelischem Geist getragenen Verordnung. So schrieb sie, als sie bemerkte, wie widersinnig die Kranken behandelt wurden, einen gemeinnützigen Traktat, enthaltend Verhaltungsmaßregeln in gesunden und kranken Tagen, und ließ das Büchlein unentgeltlich verteilen. Sie erklärte, freilich zu geringer Erbauung der damaligen Ärzte und zum Teil auch noch der heutigen medizinischen Zunft, durch Gottvertrauen, | ||
| - | |||
| - | Hauptsächlich aber ist hier zu erwähnen das von Dorothea Sybilla im Jahre 1618 erlassene musterhafte und mit einer für jene Zeit geradezu staunenswerten Kühnheit an die betreffenden Pläne und Wünsche der Reformation anknüpfende Armengesetz. Um dem lästigen und schädlichen Unfug des Gassenbettels zu steuern, wies sie den Rat von Brieg an, aus jedem Stadtviertel zwei oder drei Bürger zu wählen, welche die Umstände der Armen untersuchen und solche Leute, die der Almosen bedürftig, auch wegen Siechheit, Altersschwachheit und sonstiger Gebrechen für sich selbst nicht zu sorgen vermögen, von dem gesunden, aber liederlichen, | ||
| - | |||
| - | Diese Mitteilungen aus dem Armengesetz der „lieben Dorel“ zeigen deutlich, dass ihre Fürsorge für die Armen von dem nämlichen Grundsatz getragen war, den 200 Jahre später die edle Elisabeth Fry aufgestellt hat, indem sie aller christlichen Liebestätigkeit das schöne Motto gab: „Die Liebe zur Seele ist die Seele der Liebe.“ Von solcher Christenliebe durchdrungen, | ||
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| - | Diese echt protestantische Freimütigkeit gegenüber der Hexensucht erscheint um so glorreicher, | ||
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| - | Die offizielle Rechtgläubigkeit des 17. Jahrhunderts, | ||
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| - | Derjenigen Reihe von Frauen, welche der kirchlichen Lehre ihres Landes treu blieben und nur daneben noch für sich andächtige Betrachtung des göttlichen Wortes, méditation, | ||
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| - | Die Älteste ist **Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg**, | ||
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| - | Neben diesem großen Sänger der lutherischen Kirche und neben seiner Beschützerin, | ||
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| - | **Anna Sophia**, Tochter des Hessischen Landgrafen Georg, geb. 1638, ließ zwar an Gelehrsamkeit nichts zu wünschen übrig. Es wird von ihr bezeugt, sie habe in der heiligen Schrift, in den morgenländischen Sprachen und in den Kirchenvätern so viel Kenntnisse gehabt, dass sie manchen Theologen hätte beschämen können; schon in ihrem 14. Jahre hatte sie die 7 Bußpsalmen in hochdeutsche Verse gebracht. Da sie an einem „kontinuierlichen Husten“ litt, so wurde sie bei Zeiten in das kaiserliche Stift Quedlinburg versorgt, wo für evangelische Fürstentöchter bald nach der Reformation eine Stätte des Gebets gegründet worden war. Hier hatte sie nicht nur mit ihren Leibesbeschwerden, | ||
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| - | Ebenso gelehrt wie diese war die ältere der beiden Dichterinnen aus dem Schwarzburg-Rudolstädtischen Grafenhause: | ||
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| - | Auch ihre Pflegeschwester und nachmalige Schwägerin, | ||
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| - | Eine andere deutsche Fürstentochter, | ||
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| - | Während Elisabeth wohl eben aus Rücksicht auf ihre Untertanen der Sekte nicht beitrat, schloss sich dagegen ihre Jugendfreundin, | ||
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| - | Im vollsten Gegensatz zu all diesen frommen Singetänzen des 17. und des 18. Jahrhunderts steht der nüchterne biblische Pietismus, wie ihn der ernste Spener und der eifrige Francke begründet haben. Dieser eigentliche Pietismus, der durchaus ehrwürdig und in seinen Grundzügen für alle Zeiten vorbildlich ist, tat und tut noch heute nichts Anderes, als dass er kräftig gegen die Meinung protestiert, | ||
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| - | „Ihr ganzes Leben bestand in Gebet und nützlichen Verrichtungen. Manche Stunde der Nacht brachte sie auf ihren Knien liegend zu, ja sie tat hierin so viel, dass ihre Angehörigen glaubten Einhalt tun zu müssen. Sie fand den Tag über tausenderlei Veranlassungen zum Gebet. Wollte sie in der Bibel lesen, so begann sie mit Gebet, so verwandelte sie, was sie las, in Gebete, so schloss sie mit Gebet. Wollte sie in die Kirche gehen oder in eine Erbauungsstunde, | ||
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| - | „Nächst ihren Anverwandten genossen ihre unermüdet treue Dienstfertigkeit insbesondere die verschämten Frauen, die kümmerlich sich nährend in Schulden steckten, die Angefochtenen, | ||
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| - | Von der Macht ihrer christlichen Persönlichkeit zeugt am Besten folgendes Beispiel. Ein neunjähriges Mädchen ihrer Bekanntschaft war während heftiger Krankheit zugleich in große Seelenangst wegen seiner Sünden geraten und wollte sich auf keine Weise beruhigen lassen. In gesunden Tagen hatte dieses nämliche Kind oft, wenn ihm etwas Auffallendes war mitgeteilt worden, erklärt: „erst wenn es die Jungfer Sturm auch sagt, dann will ich es glauben, denn sie lügt nicht.“ Als nun Beate von der Seelennot des kranken Töchterleins hörte, und wie seine Leibesschwäche in Folge davon stets überhand nehme, so eilte sie hin, trat zu dem Bett des Kindes und sprach: „Ich bin gesandt, dir etwas zu sagen, was dich sehr freuen wird, aber du musst es nun auch glauben.“. Sofort erwiderte das Mädchen: Ihnen glaube ich alles, ich weiß, dass Sie nicht lügen.“ „Nun denn,“ fuhr die fromme „Sturmin“ fort, „so sage ich dir: die Sünden, die du so herzlich bereust, dein Ungehorsam, deine Trägheit und deine Eitelkeit, sind dir alle verziehen und vergeben; du bist Gottes begnadigtes Kind und sollst es bleiben in Ewigkeit.“ Von Stund an gab sich die Kleine vollkommen zufrieden, erholte sich auch in kurzer Zeit gänzlich. | ||
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| - | Übrigens leuchtete dem württembergischen Volk in den Tagen der „Sturmin“ auch vom Throne her das Vorbild einer wahren Jüngerin des HErrn: die **Herzogin Magdalena Sibylla**, geboren als hessische Prinzessin 1652, gestorben 1712. Und auch als Witwe hat diese treffliche Frau, die nach bloß vierjährigem Ehestand im Alter von 26 Jahren wieder vom Thron hinabsteigen musste, unendlich viel Gutes gewirkt und Proben der herrlichsten Tapferkeit abgelegt. Als der für ihren unmündigen Sohn regierende Administrator beim Eindringen der Franzosen im Jahre 1688 feig entfloh, nahm sie die Zügel der Regierung wieder zur Hand, erreichte vom Marquis von Feuquieres gelindere Maßregeln für das Land und teilte die Not ihrer Untertanen. Auf ihrem Witwensitz zu Kirchheim u./T. verfasste sie Andachts-, Gebet- und Liederbücher, | ||
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| - | „Es bleibt in meinem Sarg verschlossen und begraben, \\ | ||
| - | Was heimlich in der Seel mich mag gequälet haben; \\ | ||
| - | Die Welt war meiner müd, ich vielmehr dein, o Welt! \\ | ||
| - | Dir war ich eine Last, - und du hast mich gequält.“ | ||
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| - | Solche „Stille im Lande“ ließen sich den gesetzlichen Ernst der pietistischen Schule gefallen und führten dabei mitten unter der Aufklärung des 18. Jahrhunderts ein frieden- und segensreiches Leben, verborgen mit Christo in Gott, gleich jener herzoglichen Tabitha Schlesiens und jenen frommen fürstlichen Dichterinnen. Ein großartiger, | ||
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| - | „Ein einzig Volk auf Erden \\ | ||
| - | Will mir anstößig werden \\ | ||
| - | Und ist mir ärgerlich: \\ | ||
| - | Die miserabeln Christen, \\ | ||
| - | Die kein Mensch Pietisten \\ | ||
| - | Betitelt, als sie selber sich! | ||
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| - | Trotzdem gleichen seine heute noch bestehenden Gemeinden, nachdem Zinzendorfs kühnste Absonderlichkeiten und tatendurstige Unternehmungsgelüste in den Hintergrund geschoben, um nicht zu sagen aufgegeben worden sind, den wahren pietistischen Kreisen wie ein Ei dem andern. So lässt sich eben die Entwicklung des Reiches Gottes, deren Fäden der Fürst des Lebens in den Händen hat, auch von dem frömmsten sächsischen Grafen nicht maßregeln. Übrigens ist Zinzendorf in seiner Gemeinde von seiner edlen Gemahlin, **Erdmut Dorothea**, einer gebornen Gräfin Reuß, welche glücklicherweise mehr Sinn für die Aufgaben der gemeinen Alltäglichkeit hatte und welche unter den vielen Reisen des Grafen unendlich litt, aufs Schönste ergänzt worden. | ||
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| - | ======Riggenbach, | ||
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| - | „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen“ (Matth. 25, 35 und 36). An dieses Wort des HErrn werden wir erinnert, wenn wir die reiche Fülle von Lebensäußerungen des christlichen Geistes überblicken, | ||
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| - | Es ist aber nicht zu leugnen, dass jene aus dem eigenen Prinzip heraus sich vollziehende Neubelebung des Christentums sich nach der Richtung der Liebestätigkeit in unserm Jahrhundert ungleich intensiver und extensiver als irgend früher entwickelt hat. Und in dieser Beziehung haben wir keinen Grund unsere Zeit anzuklagen. Es fließt durch unsere Tage durchaus nicht nur ein breiter, reißender und zerstörender Strom des Unglaubens und der materiellen Selbstsucht, | ||
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| - | Im achtzehnten Jahrhundert hatte der Rationalismus geherrscht, welcher aber keineswegs mit der heutigen, revolutionären Freisinnigkeit darf zusammengeworfen werden. Der alte Rationalismus hielt fest an den drei großen Wahrheiten: Gott, Tugend und Unsterblichkeit, | ||
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| - | Als Kaiser Alexander I. von Russland auf dem Zug nach Frankreich 1815 nach Heilbronn kam, wusste sich die Baronin, die ja sein Landeskind war, Zutritt zu ihm zu verschaffen. Die Unterredung, | ||
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| - | Als Alexander nach Russland zurückkehrte, | ||
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| - | In der Schweiz hinterließ ihr Aufenthalt im Allgemeinen nur segensreiche Spuren. Hier in Basel, wo ihr Bild noch in manchem alten Haus zu finden ist, muss namentlich auch die Gründung der Armenanstalt von Beuggen zu einem großen Teil auf den gewaltigen Eindruck zurückgeführt werden, den ihre grenzenlose Wohltätigkeit hinterlassen. Aus den ostschweizerischen Kreisen, in denen sie Eingang gefunden, ist u. A. die geistreiche **Anna Schlatter** hervorgegangen, | ||
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| - | In der Ostschweiz hatte die Erscheinung der Krüdener auch eine schreckliche Nachwirkung. In der Nähe von Schaffhausen, | ||
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| - | Zur gleichen Zeit, wo an der armen Margaretha von Wildenspuch solch arge Verirrung vom wahren Christentum und ein solch heilloses Verkennen dessen, was Gott von den Menschen verlangt, zu Tage trat, lebten und wirkten zwei edle Frauen, die auf gänzlich verschiedenem Boden aufgewachsen und in durchaus ungleicher gesellschaftlicher Stellung doch Beide, den Willen Gottes richtig auffassend, die Selbsthingabe im Sinn Christi übten und als leuchtende Vorbilder Bahn brachen für die innere Mission des 19. Jahrhunderts: | ||
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| - | **Elisabeth Gurney**, geb. zu Norwich den 21. Mai 1780, gehörte einer milden englischen Quäkerfamilie an. Die Eltern zogen sich zwar nicht von den heiteren Genüssen der Geselligkeit zurück, strebten aber doch ernstlich danach, in der Freude an den irdischen Gütern die ewigen nicht zu verlieren und den Sinn dafür bei ihren Kindern rege zu erhalten. So kam es, dass Elisabeth, ein durch Schönheit, Anmut und Talente ausgezeichnetes junges Mädchen, in dessen Leben viele Tage nur eben von Musik, Geselligkeit, | ||
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| - | Von diesem Moment an gehörte ein großer Teil der Zeit und Kraft von Elisabeth den Gefangenen; und doch hatte sie daneben als Gattin und als Mutter von 9 Kindern (zwei waren gestorben) Pflichten, welche einer andern Frau genügend erschienen wären, sich von jeder Tätigkeit für das öffentliche Wohl fernzuhalten. Freilich erlaubte ihr der Reichtum ihres Mannes, für manche häusliche Besorgung fremde Kräfte in Anspruch zu nehmen; auch ist das zu beachten, dass das Quäkertum überhaupt die Gemeindeinteressen den Familienrücksichten überordnet. Zudem besaß Mrs. Fry ein ungewöhnliches Organisationstalent, | ||
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| - | Welche Arbeitslast sie als Vorsteherin des neuen Gefängnisvereins zu bewältigen hatte, ersehen wir am besten aus dem ersten Bericht, den sie über den Erfolg ihres Verfahrens dem erstaunten Unterhaus Großbritanniens vorlegte: 20,000 Bekleidungsgegenstände hatten beschafft werden müssen. Dem nämlichen Bericht entnehmen wir mit Interesse die Notiz, dass Mrs. Fry es war, die zum ersten Mal den Versuch eines sogenannten konfessionslosen Religionsunterrichts wagte, indem sie in der Gefängnisschule sich auf die Lehren Jesu beschränkte, | ||
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| - | Da viele der in Newgate Eingeschlossenen zur Deportation nach den englischen Kolonien verurteilt wurden, so sorgte Mrs. Fry auch dafür, dass die Früchte ihrer Einwirkung während der Überfahrt nicht verloren gingen. Sie veranlasste die Verurteilten, | ||
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| - | Doch beschränkte Elisabeth ihre Tätigkeit nicht auf die weiblichen Gefangenen von Newgate, sie zog die Verbesserung des Loses aller Sträflinge und namentlich aller jugendlichen Verbrecher in den Kreis ihrer Bestrebungen. Und weiter gründete sie Bibliotheken für die vielen in der Einsamkeit und Eintönigkeit ihres Berufs an ihrer Seele vielfach Schaden Nehmenden, für die Schiffleute, | ||
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| - | Diese staunenswerte Tätigkeit hatte nun aber zur natürlichen Folge, dass Mrs. Fry mit der Zeit nicht nur in ihrem engern Vaterland eine Autorität, sondern geradezu eine europäische Berühmtheit wurde. Und dazu trug ohne Zweifel ihre äußere Erscheinung ein Wesentliches bei. Gewiss würde ihre Hingebung auch dann, schon der Kuriosität wegen, Anerkennung und Bewunderung gefunden haben, wenn sie bucklicht und unbeholfen gewesen wäre und wie Moses eine schwere Zunge gehabt hätte. Nun sie aber schön und anmutig, beredt und schlagfertig, | ||
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| - | Alle diese Huldigungen aber verdarben Elisabeth Fry nicht. Ihre eigene, oft geäußerte Besorgnis, der Beifall der Menschen könnte ihr zu lieb werden und könnte die reine Lust, Gott zu dienen, in ihrem Herzen beeinträchtigen, | ||
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| - | Eine ganz andere Physiognomie als das Leben dieser kinderreichen Tochter Albions trägt das Bild des deutschen Fräuleins, des Ideals einer alten Jungfer, auf welche mit bestem Recht im Hinblick auf Tausende von Kindermüttern das Wort des Propheten angewendet werden kann: „Die Einsame hat mehr Kinder, als die den Mann hat“ (Jes. 54,1). Doch finden wir auch bei ihr einen großen Kontrast zwischen der Jugend und der späteren Entwicklung: | ||
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| - | **Amalie Wilhelmine Sieveking** wurde geboren zu Hamburg im Jahre 1794. In ihrer angesehenen Familie war seit langem Tatkraft und Selbstbewusstsein, | ||
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| - | Es hatte sie nämlich schon in ihrer frühen Jugend der Gedanke oft beschäftigt, | ||
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| - | Dennoch ward es ihr nicht vergönnt, aus dieser glänzenden Prüfung ihrer eigenen Tüchtigkeit auch mit dem Entschluss hervorzugehen, | ||
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| - | Welchen Grad von Arbeitskraft sie entwickeln musste, um diesem vielseitigen Berufsleben genügen zu können, das wird uns durch einen Blick auf ihre Tagesordnung anschaulich gemacht. Sie selbst berichtet einer Freundin: „Am Dienstag stehe ich um 1/2 5 Uhr auf und habe dann bis gegen 6 Uhr für die Kinder zu arbeiten. Das Frühstück wird bei der Arbeit eingenommen. Um 6 Uhr gehe ich von dem Landhaus zur Stadt und komme etwa ein Viertel nach 7 im Stadthaus an. Hier warten schon Viele auf mich, bisweilen wohl 20 und darüber, die mich zu sprechen wünschen. Das dauert in der Regel bis 1/2 9, wo ich dann nach unserm Haus gehe, die eingegangenen Briefe durchsehe, Einiges für den Unterricht vorbereite und auch, wenn es die Zeit erlaubt, noch einen Gang für die Armen, zum Arzt, in die Apotheke oder zu den Armen selbst mache. Um 10 Uhr kommen meine Kleinen zu mir und bleiben bis gegen 1 Uhr. Von 1/2 3-1/2 4 erteile ich Religionsunterricht in der Armenschule. Die Zeit von 1/2 4-5 Uhr ist entweder durch Gänge oder schriftliche Arbeiten für den Verein ausgefüllt. Im 5 Uhr versammeln sich bei mir einige frühere Schülerinnen, | ||
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| - | Es war ihr vergönnt, schon im Jahre 1836 auch ihren ursprünglichen Gedanken eines förmlichen Ordens von Pflegerinnen durch die Gründung der Diakonissen-Anstalt in Kaiserswerth verwirklicht zu sehen. Auch die verwandten Bestrebungen der opferfreudigen Miss **Florence Nightingale** während des Krimkrieges 1855 begleitete sie mit freudiger Teilnahme. Als ihr eigener Verein im Mai 1857 sein 25jähriges Jubiläum feierte, war sie schon eine gebrochene Kraft, doch legte sie in ihrer einfach ergreifenden Weise nochmals Zeugnis ab des Glaubens und der Hoffnung, darauf sich ihr Liebeswerk erbaut und darauf es allein Bestand haben könne. Und ihr stilles Tagewerk setzte sie bis zum Winter 1858 fort; schleichend, | ||
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| - | Solch zarte persönliche Liebe, wie sie uns aus dem Leben der edlen Amalie Sieveking entgegenstrahlt, | ||
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| - | Für diesen göttlichen Beruf des weiblichen Geschlechts Junge und Alte anzuwerben, das haben sich in unserm Jahrhundert manche Schriftstellerinnen zur schönen Aufgabe gemacht. Diese gehören wahrlich auch zu den Arbeiterinnen der inneren Mission. Mit aller Anstrengung des Geistes haben edle Frauen die Schmach zu tilgen gesucht, welche eine frivole weibliche Büchermacherei auf ihr Geschlecht gehäuft. Von den Vielen, die hier zu nennen wären, will ich nur an Eine erinnern, bei welcher Wahrheit und Dichtung, Leben und Schriftstellerei in seltener Harmonie standen, an **Ottilie Wildermuth**, | ||
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| - | Ottilie Nooschütz, geb. 1817, gest. 1877 als viel betrauerte Gattin des Tübinger Professors David Wildermuth, hat vor Allem eine schöne Jugendzeit gehabt. Sie sagt selbst in ihren Jugenderinnerungen, | ||
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| - | Damit hat sie zugleich selbst die Grundfarbe ihrer zahlreichen Schriften angegeben. Ihr war mit ihrer ganzen Schriftstellerei bloß darum zu tun, die höchste Freude zu bereiten, die man Anderen bereiten kann, ihnen nämlich zu zeigen, wie man mit Gottes Hilfe seine Verhältnisse zu glücklichen gestalten könne. In diesem Fach war die selige Wildermuth mit ihren prächtig erzählten „Geschichten“ und ihren lebenswarm gemalten „Bildern“ eine wahre Lehrmeisterin. Bald leistet sie an einem traurigen Beispiel den besten Beweis, wie töricht es ist, dem lieben Gott aus der Schule zu laufen, sich selbst und Anderen durch unfügsames, | ||
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| - | Lebhaft bin ich an das Wildermuthsche Haus erinnert worden, als ich in einem Aufsatz über die Bedeutung des christlichen Hauses für die innere Mission folgende schöne Beschreibung der wahren Gastfreundschaft las: „Jesus ermahnt, mit Einladungen nicht zu markten, nicht zu geben, damit man wieder empfange, sondern Liebe an den Hilfsbedürftigen zu üben. Krüppel und Lahme finden zwar jetzt ein Gastrecht in dem Staatshaushalt. Doch gibt es noch allerwege Einsame, Fremdlinge und Schutzbedürftige genug, für welche die Einladung in ein gastliches Haus eine Barmherzigkeit ist. Da wohnt der Segen Gottes bei offenen Türen, wo arme alte Seelen den Fluch der Einsamkeit vergessen; wo verkühlte und verknöcherte Herzen sich erinnern, dass sie auch einst Kinder waren und Liebe genossen und darum auch immer noch Liebe schuldig sind; wo Witwen und Waisen merken, dass mit ihrer Häuslichkeit das Heimatsgefühl nicht zu Grab gegangen ist; wo die fremde Jugend das Heimweh nicht nur bekommt, sondern überwindet; | ||
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| - | Um solche Gastfreundschaft ausüben zu können, bedarf es keiner reichen Mittel, sondern nur eben des guten Willens, Anderen zu dienen und ihnen Freude zu bereiten. Wie viel eine einzelne Frau, von diesem Wollen beseelt, erreichen kann, das haben wir Alle an dem Beispiel einer erst vor wenigen Jahren aus unserer Mitte Hinweggenommenen sehen können. Sie wissen wohl Alle, wen ich meine: **Trinette Bindschedler**, | ||
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| - | Und so sind wir denn von unserer Kirchengeschichtlichen Reise durch alle Zeiten und durch alle Länder in die Gegenwart und vor die Tore unserer Stadt zurückgekehrt. Wir haben von jenem Schöpfungs-Tage, | ||
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| - | Die Ruhestätten des Menschensohnes. | ||
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| - | Sieben biblische Betrachtungen für sinnende Gemüter | ||
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| - | von | ||
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| - | E. Quandt, | ||
| - | Pastor der deutsch-evangelischen Gemeinde im Haag. | ||
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| - | Herausgegeben und verlegt | ||
| - | von dem | ||
| - | Haupt-Verein für christliche Erbauungsschriften | ||
| - | in den Preußischen Staaten. | ||
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| - | Berlin 1868. | ||
| - | Zu haben im Magazin des Haupt-Vereins, | ||
| - | Klosterstraße Nr. 67. | ||
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| - | |||
| - | ======Quandt, | ||
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| - | Des Menschen Sohn ist uns in allen Stücken, außer in der Sünde, gleich gewesen in den Tagen seines Fleisches, auch darin, dass er ein Gast und Fremdling gewesen ist auf Erden. Auch sein Leben war ein Pilgersstand und was für einer! Auch er hat hier keine bleibende Stadt gehabt, sondern die zukünftige gesucht; auch er ist ein Wanderer gewesen im Tal dieser Tränen; auch auf ihn passt das Verslein: Ich bin ein Gast auf Erden und hab' hier keinen Stand. O ihr Wanderer der Erde, wird euch die Pilgrimschaft hin und wieder schwer, so seht auf Jesum Christ, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der, ob er wohl Gottes Sohn war, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an und ward ein Mensch und ein Pilger auf Erden, gleich wie wir, und zog uns siegreich voran durch Wüstensand auf rauer Bahn nach Kanaan! Denn Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Er wurde geboren von einem Weib, aber er fand keinen Raum in der Herberge, sondern musste mit der Krippe eines Stalles vorlieb nehmen. Er ging zu sterben für die Erlösung der Welt, aber er fand kein Sterbekissen für sein Haupt voll Blut und Wunden, sondern angenagelt an ein Holz hat er sein Haupt geneigt und ist verschieden. Und auch zwischen Krippe und Kreuz ist er heimatlos auf dieser armen Erde umhergewandelt und hat klagen müssen: Die Füchse haben ihre Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben ihre Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege. Er ist umher gegangen von Dan bis Bersaba, alles Verlorene zu suchen und selig zu machen; er hat selbst Samaria und die Grenzen von Tyrus und Sidon nicht ausgeschlossen von seiner Segen spendenden Gegenwart: er hat bei alle dem für sich selbst keine Heimat gehabt auf Erden, er ist ein Pilgrim gewesen hienieden, ein Wanderer nach der Stadt mit den goldenen Gassen. „Meines Jesu Pilgerbahn durch das dunkle Tal der Tränen schau ich mit Verwundern an und mit großem Herzenssehnen. Selig, wer zum Himmel an wandeln geht auf Jesu Bahn.“ | ||
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| - | Dennoch gleichwie gewöhnliche Menschenkinder während ihres Pilgerlaufes auf Erden hie und da einige Rast- und Bleib-Stätten finden, wo sie für kürzere oder längere Zeit ihr Haupt hinlegen können, so hat es auch für den großen himmlischen Wanderer auf Erden zwischen Krippe und Kreuz, zwischen Bethlehem und Golgatha hin und her einige Häuser gegeben, in denen seines Bleibens länger war, als anderswo, Stätten der Ruhe und Rast, Reifestationen des Menschensohnes, | ||
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| - | Der Herr, unser Gott, wolle zu diesen Betrachtungen uns in Gnaden seinen Segen verleihen, dass von den Ruhestätten des Menschensohnes auf Erden Weihe ausströme für die Herbergen, die uns selber der himmlische Vater für unser Wanderleben hienieden geschenkt hat. | ||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Lukas 2,39.40. \\ | ||
| - | **Und da sie Alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.** | ||
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| - | Nach Nazareth wandern wir zuerst, in dasjenige Haus, in welchem unser Heiland nach seiner Geburt in Bethlehem und nach seiner Flucht gen Ägypten die erste und die längste gastliche Aufnahme gefunden hat. Es ist das Haus Josephs, des frommen Zimmermanns. Es bedarf vielleicht vorweg der Verteidigung, | ||
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| - | Es ist nicht viel, was uns die Heilige Schrift über dasjenige Haus mitteilt, in welchem des Menschen Sohn die längste Zeit seiner irdischen Wallfahrt hindurch gewohnt und geweilt hat. Menschlicher Vorwitz hat mit allerlei Legenden den geheimnisvollen Zeitraum der Kindheits- und Jugendgeschichte des Herrn ausgefüllt. Die Schrift aber führt uns diese Zeit fast wie einen verschlossenen Garten vor, und es sind nur wenige und kleine Öffnungen, die die Evangelisten brechen. Der Evangelist Lukas berichtet verhältnismäßig noch das Meiste über Nazareth, die andern Evangelisten ergänzen ihn nur hie und da. Es wird zu den Beschäftigungen der Heiligen im Lichte gehören, das ganze reiche Gewebe des Lebens des Sohnes Gottes im Fleisch auch in seinen ersten, zartesten Goldfäden anzuschauen, | ||
| - | |||
| - | Da Maria und Joseph Alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, das heißt, da sie als fromme und gottesfürchtige Israeliten das wunderbare Kind am achten Tage beschnitten und am vierzigsten dem Herrn, der es gegeben, geweiht hatten; und da so ergänzen wir aus dem Evangelium Matthäi sie mit dem Kinde um Herodis willen nach Ägyptenland entwichen und als Herodes gestorben war, auf Gottes Befehl wieder in das Land Israel gekommen waren, da kehrten sie wieder in Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth, auf dass, so lesen wir wieder bei Matthäus, erfüllt würde, das da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen. „Er soll Nazarenus heißen“ so hatten die heiligen Seher Israels, die Aussager der göttlichen Ratschlüsse, | ||
| - | |||
| - | Ein Trost und eine Weisung in Beziehung auf die unscheinbaren Existenzen auf Erden. Wohl mögen die Sprossen hochadliger Geschlechter es als eine Gnade preisen, wenn sich mit ihren Jugenderinnerungen das Andenken an hohe väterliche Hallen und der Rückblick auf eine glorreiche Ahnenreihe verwebt; und wenn die Gewaltigen und gnädigen Herren dieser Welt mit solchen Erinnerungen im Herzen denken und sprechen, wie jener deutsche Kaiser Maximilian, so ist es wohlgetan. Demselben schrieb nämlich einst ein Spötter an eine Wand seines Schlosses: Als Adam hackt' und Eva spann, wo war damals der Edelmann? | ||
| - | |||
| - | In Nazareth stand Jesu Elternhaus. Es war ein armes Haus, das ist wahr, aber nimmermehr ein Bettlerhaus; | ||
| - | |||
| - | Wir gedachten der Stadt, in der das Vaterhaus des Menschensohnes stand, und des Standes, in dem seine Eltern lebten; aber wie sehr Umgebung und Lebensverhältnisse für die Entwicklung des Kindes von Einfluss sind, so ist doch das, was im Wesentlichen das Vaterhaus zum Vaterhaus macht, nicht die Lage, weder die äußere, noch die innere, sondern das sind die Eltern selbst, das sind Vater und Mutter nach ihren persönlichen Eigentümlichkeiten, | ||
| - | |||
| - | Von größerem Einfluss noch auf das kindliche Herz, als der Vater, ist die Mutter. Wir kennen die Frömmigkeit der Mutter Immanuels aus ihren eigenen Herzensergießungen. Und wenn sie weiter nichts gesagt hätte und wir weiter nichts von ihr wüssten als jenes Wort, das sie zu dem Engel sprach: „Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast“, wir würden genug von ihr kennen, um sie als eine fromme, Gott fürchtende und gottinnige Seele zu preisen; dies Eine Wort aus ihrem Mund: „Ich bin des Herrn Magd“, es kennzeichnet sie hinlänglich als Protestantin gegen all die römische Vergötterung, | ||
| - | |||
| - | Aber das Kind - so fährt der Evangelist Lukas fort, nachdem er von Nazareth geredet hat. Wir haben das Haus des Kindes betrachtet, betrachten wir nun das Kind des Hauses. Gilt es schon von den Kindern im Allgemeinen, | ||
| - | |||
| - | Aber das Kind - so sagt Lukas. Alle andern Kinder, wie und wo auch immer sie aufwachsen mögen, sei es als Rosen in berühmten Gärten, sei es als Veilchen in unbeachteten Tälern, entwickeln sich nach Leib und Seele von Stufe zu Stufe, in allmähligem Fortschritt; | ||
| - | |||
| - | Das Kindlein, das empfangen war von dem heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria, wuchs. Der unmündige Säugling, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, nahm zu an Größe und Kräften des Leibes; aus dem Säugling wurde ein Knabe, aus dem Knaben ein Jüngling, bis dann aus dem Jüngling der Mann wurde, der da auftrat und predigte: Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Als wahrhaftiger Mensch vom Weib geboren ist er nicht bloß unter das Gesetz Mosis, sondern auch unter das Gesetz des leiblichen Werdens und Wachsens getan, nach dem aus den Keimen, die in der kindlichen Hilflosigkeit verborgen liegen, in stetiger Zunahme die Jünglingsstärke und Manneskraft hervorblüht. In solche Tiefe stieg der Sohn, Gott Lob, wir leben jetzt davon. Wir sollen aber also davon leben, dass, so wenig der Herr Jesus ein Kind geblieben ist, so wenig wir selber Kinder bleiben, sondern vielmehr wachsen im Glauben, bis wir mit allen Heiligen ein vollkommener Mann werden, der da sei in dem Maß des vollkommenen Alters unsers Heilandes Jesus Christus. | ||
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| - | Das heilige Kind wuchs nicht nur, es ward auch stark im Geist, voller Weisheit. Es ist eine unklare und unbiblische Frömmigkeit, | ||
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| - | Das Kind war den Eltern untertan, so berichtet uns die Heilige Schrift weiter von dem Jesusknaben. Die Demut des kindlichen Gehorsams, hat Einer irgendwo gesagt, war der Boden, aus dem die Himmelsblüte dieses einzigen Lebens erwuchs. Trotz aller seiner Ahnungen, trotz aller seiner Sehnsucht bewegte sich das Kind von Nazareth in den gemessenen Schranken demütiger Kindespflicht und ließ darin allen Kindern der Christenheit ein Vorbild, dass sie sollen nachfolgen seinen Fußtapfen und das große Gebot lieben und üben lernen, das so selige Verheißung hat: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Es sollen aber nicht bloß die kleinen Kinder von dem Jesuskind lernen, sondern auch die großen Kinder: erwachsene Söhne und Töchter, die das Glück genießen, noch ein Vaterhaus zu haben, wenn sie auch in der Welt schon Männer wären und Frauen, im Vaterhaus dürfen sie doch nichts als Kinder sein. Denn im Vaterhaus darf es nur Eltern geben und Kinder; im himmlischen Vaterhaus wird es ebenso sein, Ein Vater über Alles, was da Kinder heißt, und um seinen Thron geschart Alle, die da Kinder sind durch Jesum Christ. | ||
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| - | Gottes Gnade war bei dem Kind Jesus; so bezeugt endlich noch die Schrift. Was Gott der Herr später in wunderbarer Weise vom Himmel herab zu dreien Malen über seinen Sohn ausgesprochen hat: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe,“ das offenbarte sich schon zuvor in stillerer Weise im Vaterhaus an dem Herrn Jesu. Es ruhte auf dem Haupte des Kindes von Nazareth Gottes Wohlgefallen und Gottes Segen von Tag zu Tage in immer herrlicherer Entfaltung. Es steht auch geschrieben, | ||
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| - | Längst ist das Haus des Kindes dahin. Wohl ist das Städtlein Nazareth noch vorhanden, ein von Türken((Israel und Palästina gehörten zur Zeit Quandts zum osmanischen Reich)) und Christen bewohnter Flecken, Juden gibt es keinen einzigen in Nazareth; und wo sich jetzt dort eine sehr ärmliche, zwischen Türkenhäusern liegende Kapelle befindet, da, so sagt man, soll einst Josephs Wohnhaus gestanden haben. Aber eben es steht nicht mehr, das Haus des Kindes ist dahin. Aber das Kind des Hauses lebt noch heute. Denn Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit, und Niemand kann seines Lebens Länge ausreden. Und wo man das Christkind aufnimmt in aller Stille einfältigen Glaubens ins Haus hinein und ins Herz hinein, da erblüht aufs Neue ein Nazareth für Christen und Türken und auch für Juden, für Alle, die sich bekehren von dem eitlen Wandel nach väterlicher Weise und die Herrlichkeit des Nazareners anbeten, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. „Jesus ein Nazarener“, | ||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Lukas 2,49.50. \\ | ||
| - | **Und Er sprach zu ihnen: Was ist es, dass ihr mich gesucht habt? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.** | ||
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| - | Aus dem schlichten, stillen Zimmermannshaus zu Nazareth tritt das heilige Kind heraus, um an der Hand seiner Eltern ferne weg nach Jerusalem zu pilgern in dasjenige Haus, das das schönste und herrlichste war unter Israel, ja in der ganzen Welt, in den Tempel Jehovas. Das Osterfest ist nahe. Das Gesetz fordert von allen Männern in Israel, dass sie zum Osterfest gen Jerusalem in den Tempel hinaufziehen müssen, deswegen zieht Joseph, der gerechte Israeliter hinauf. Die Knaben werden vom zwölften Jahre an mitgenommen, | ||
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| - | Die Geschichte, die uns Lukas aus Eingeben des Heiligen Geistes von diesem Gang erzählt, hat eine Breite und Länge, eine Tiefe und Höhe, dass sie in hundert verschiedenen Betrachtungen nimmermehr ausbetrachtet werden kann. Was gibt allein der Zwiespalt in der heiligen Familie uns zu denken und zu bedenken, von dem sie uns erzählt! Wie befremdlich ist das doch, dass Maria ihren Sohn in Jerusalem aus den Augen verliert; wie viel befremdlicher noch, dass sie ihn, statt ihn sofort, da sie ihres Verlustes inne wird, im Tempel zu suchen, erst unter den Reisegefährten sucht; am allerbefremdlichsten aber, dass die Mutter die Schuld auf den Sohn, die Schuldige auf den, der keine Schuld hatte, schiebt und fragt: Mein Sohn, warum hast Du uns das getan? Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht! Wir erkennen, auch die beste der Mütter war eine arme, sündige Frau; Gott aber hat auch ihren Fehler zum Guten gelenkt. Der Knabe erfuhr in Folge dieses Fehlers der Mutter das Wort der Schrift an sich: „Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.“ Da die irdische Mutterhand ihn losließ, ergriff ihn die himmlische Vaterhand. Dass es sich merken möchten alle Väter und Mütter und Alle, denen die Pflege von jungen Menschenseelen anvertraut ist, wenn sie traurig zurücksehn auf so manche Schwäche, auf so manche Sünde, auf so manche Vernachlässigung und Versäumnis, | ||
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| - | Maria und Joseph brachten das Kind des Allerhöchsten mit nach Jerusalem, dort verloren sie dasselbe. Eine Anwendung auf uns liegt da sehr nah. Wie Mancher von denen, die den Herrn Jesum Christ und das Heil in ihm längst gefunden haben, verliert ihn hinterher wieder, namentlich wenn er aus einem Nazareth in ein Jerusalem, aus engen Verhältnissen in weite großstädtische Beziehungen, | ||
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| - | Nicht minder bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass Maria und Joseph, nachdem sie Jesum verloren hatten, ihn nach vielem schmerzlichen Hin- und Hersuchen gerade im Tempel Jehovas wiederfanden. So sucht Mancher, dem der Herr Jesus abhanden gekommen ist, lange und weit umher und findet nicht, was ihm die Seele füllt - so Viele gehn umher und suchen mit wildverzerrtem Angesicht, sie heißen immer sich die Klugen und finden diesen Schatz doch nicht, singt Novalis -: da tritt er einmal durch die Hand des Herrn geführt (zufällig, sagt die Welt, aber es gibt keinen Zufall) in eine geöffnete Kirche, und siehe hier unter den Gebeten und Gesängen der andächtigen Gemeinde, unter dem evangelischen Zeugnis eines schlichten Dieners am Wort findet er Jesum wieder, und seine Seele wird voll Dankes und still und fröhlich. | ||
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| - | Doch es sei genug der Andeutungen darüber, wie wundertief und beziehungsreich die scheinbar so einfache biblische Geschichte von dem ersten Tempelgang des Jesuskindes ist. Wir nach unserm Plan, die Ruhestätten des Menschensohnes im Geist mit einander zu besuchen, heben aus dieser Geschichte besonders das an die Spitze dieser Betrachtung gestellte Wort des Herrn heraus: Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist? Wir betrachten auf Grund dieses Wortes als zweite der Ruhestätten des Menschensohnes auf Erden sein Vaterhaus in Jerusalem, sowohl in seiner alttestamentlichen Herrlichkeit als in seiner neutestamentlichen Verklärung. | ||
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| - | **Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?** Es ist das eine Gegenfrage, mit welcher der wunderbare Knabe im Tempel zu Jerusalem Antwort gibt auf die wie Vorwurf klingende Frage seiner Mutter: Mein Sohn, warum hast Du uns das getan? Siehe, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht. Maria nennt den Zimmermann von Nazareth seinen Vater, Jesus redet von dem großen Gott im Himmel und spricht: Das ist mein Vater! Maria hatte gemeint, ihr Kind würde mit den Genossen etwa vorangeeilt sein nach dem irdischen Vaterhaus zu Nazareth; aber das Kind hatte ein besseres Vaterhaus gefunden, als jenes, das Maria im Sinne hatte; „der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, nämlich Deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott“; der heilige Knabe hatte gefunden das Haus des großen Gottes, das Heiligtum, den Tempel; hier war sein rechter Platz; hier bis dahin, wo die Mutter rufen würde, zu verharren, war ihm so natürlich erschienen. Muss nicht das Lämmlein auf der Aue weiden? Muss nicht das Fischlein sich ins Wasser tauchen? Muss nicht der Adler in den Lüften schweben? Muss ich nicht sein, so sprach der göttliche Knabe, in dem, was meines Vaters ist? | ||
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| - | In dem, was meines Vaters ist - können wir auch nur einen Augenblick zweifelhaft sein darüber, was der Herr mit diesem Ausdruck meint? Sicherlich er meint damit den Tempel, in welchem er sich befand, als Maria ihn suchte; der Tempel ist ihm das Vaterhaus. Aber eine flügelnde, schillernde Schriftauslegung sagt, man dürfe nicht also auf Tempelmauern den reichen Sinn dieses geistvollen Ausspruchs beschränken: | ||
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| - | Es hatte zwar Israel auch außer dem Tempel gottesdienstliche Häuser. Seit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft finden sich in allen Städten und Flecken der Juden Synagogen zu gemeinschaftlicher Andacht, zum Lesen und Hören des Gesetzes und der Propheten. Eine solche Synagoge war auch in Nazareth, und die Schrift berichtet uns ausdrücklich, | ||
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| - | Vor dem Herrn der Herrlichkeit \\ | ||
| - | Wirst auch du dich, Juda, beugen; \\ | ||
| - | Und versäumst du deine Zeit, \\ | ||
| - | Wirds die Ewigkeit bezeugen, \\ | ||
| - | Dass sich auch der steifste Fuß \\ | ||
| - | Beugen muss. | ||
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| - | Vor dem Herrn der Herrlichkeit, | ||
| - | O Du Volk der alten Liebe, \\ | ||
| - | Neige dich zu dieser Zeit; \\ | ||
| - | Folg' dem heimeligsten Triebe, \\ | ||
| - | So freust du der Liebe dich \\ | ||
| - | Ewiglich. | ||
| - | |||
| - | Wenn das Kind des Allmächtigen sprach: „Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?“ so hat es das weder von der Natur noch von der Synagoge, sondern von dem Tempel in Jerusalem gesprochen. Auch der Tempel zeigte Gottes Majestät, gleichwie die Natur; er war ein wunderbares Riesengebäude voll Pracht und Kostbarkeiten, | ||
| - | |||
| - | Die Herrlichkeit des Tempels von Jerusalem, der Tempel selbst, ist längst dahin. Als aus dem heiligen Knaben der heilige Mann geworden war, da traten einst seine Jünger zu ihm und zeigten ihm des Tempels Gebäude und wie er geschmückt war mit Steinen und Kleinodien und sagten: Meister, siehe welche Steine und welch ein Bau ist das! Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch, es wird hier nicht ein Stein auf dem andren bleiben, der nicht zerbrochen würde. Wie er gesagt, so ists geschehen; denn sowohl zu Christi Verheißungen, | ||
| - | |||
| - | Aber ist auch der Tempel dahin, so ist doch die Klage über seinen Untergang eine eitle. Denn das Wort ist nicht dahin, das große Wort, das der Herr im Tempel sprach: Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist? Der Herr opferte als Hoherpriester und Opferlamm in Einer Person sein eignes, heiliges Leben am Holz des Fluches für Israel und die Völker, um die ganze große Sünderwelt als eine Welt versöhnter Kinder vor das Angesicht seines Vaters stellen zu können. Nach diesem Opfer des Sohnes sind nunmehr alle Tempelopfer unnötig, Er hat mit Einem Opfer in Ewigkeit vollendet, die da geheiligt werden. Als er dies Opfer darbrachte, zerriss der Vorhang im Tempel - zu guter Stunde, denn nun bedürfen wir keines menschlichen Hohenpriesters mehr, nun haben wir im Glauben an Jesum Christum selber allezeit Zugang zu der unverdeckten Gnade Gottes. Israel als Volk hat nicht geglaubt, hat die Gnade Gottes in Jesu Christo nicht angenommen, so ist sein Tempel zusammengestürzt, | ||
| - | |||
| - | Es gibt ja zwar unter den christlichen Kirchen nicht wenige, die nur von einem sehr, sehr matten Glanz der Verklärung beleuchtet sind. Es gibt prächtige Dome und Kathedralen, | ||
| - | |||
| - | Der selige Spitta sang einmal: „Mir ist so wohl in Gottes Haus, ich kann es gar nicht sagen; es bricht mein Aug' in Tränen aus, das Herz fängt an zu schlagen.“ Jeder glaubensvolle Christ wird dies Verslein als sein eignes unterschreiben. Wenn wir uns rüsten am Sonntag Morgen zum Tempelgang, und die Welt fragt uns gutmütig oder hohnlachend: | ||
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| - | Ach, warum öffnet man uns in der evangelischen Christenheit nur am Sonntag die Kirche, warum verschließt man sie uns in der Woche? Nicht die Reformation hat bei uns an den Wochentagen die Kirchen verschlossen, | ||
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| - | Unterdessen aber wollen wir Gott danken für die süßen Ruhestätten, | ||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Joh. 2,1.2. \\ | ||
| - | **Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.** | ||
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| - | Der Knabe ist ein Mann geworden, der Mann, über dessen Haupt im Jordan der Vater seinen Himmel auftat und sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“; der Mann, der in der Wüste die Versuchungen des Teufels siegreich abwehrte mit dem dreimaligen: | ||
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| - | Kana war ein armes Landstädtchen in Galiläa, drei Stunden von Nazareth gelegen. Einer der zwölf Jünger, Nathanael, war von hier gebürtig, vielleicht auch noch ein anderer, nämlich der jüngere Simon; denn der Beiname, den derselbe führt, Kanaaniter, heißt sowohl „Eiferer“, | ||
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| - | In ein Haus der Armut setzt der Sohn Gottes auf seinen öffentlichen Wanderungen zuerst seinen Wanderstab, ein Haus der Armut wählt des Menschen Sohn zu seiner ersten Ruhestätte, | ||
| - | |||
| - | Es war ein armes Haus, das Haus zu Kana, aber es wurde reich durch Jesum Christum, reich im besten Sinne des Worts, reich in geistlichem Sinne, der Glaube an die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus wie angenehmer Duft wohlriechender Narde und machte die Gemüter froh; reich auch im ordinären Sinn, denn durch die Güte und Freundlichkeit des Heilandes wandelte sich das Wasser in Wein, der Mangel in Überfluss, die Sorge in überschwänglichen Jubel. Noch heute, wo in den Häusern und Kammern unserer ärmeren Brüder Jesus Christus gebeten, geladen, aufgenommen wird, wiederholt sich das Wunder von Kana! Während ein Weltmensch auch in goldenen Palästen die Wolken des Unmuts um sich schweben sieht; während er, selbst mit dem fürstlichen Diadem um seine Stirn, doch niemals im Grunde seines Lebens wahrhaft froh wird, zieht ein armer Handarbeiter, | ||
| - | |||
| - | Das arme Haus zu Kana war ein Hochzeitshaus und als ein solches ein fröhliches Haus. Eine eigentlich religiöse Feierlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Aus tiefer Not schrei ich zu Dir; \\ | ||
| - | Herr Gott, erhör' | ||
| - | Dein gnädig Ohr neig' her zu mir \\ | ||
| - | und meiner Bitt' sie öffne; \\ | ||
| - | denn so Du willst das sehen an, \\ | ||
| - | was Sünd' und Unrecht ist getan, \\ | ||
| - | wer kann, Herr, vor Dir bleiben? | ||
| - | |||
| - | Aber Jesus Christus lebte nicht wie Johannes, denn des Menschen Sohn hatte keine Sünde, stellte vielmehr in sich selber dar die Vergebung der Sünden, das Himmelreich, | ||
| - | |||
| - | Allerdings er setzt hinzu: „in dem Herrn“; und diesen Zusatz macht die heilige Schrift immer, wenn nicht dem Buchstaben, so doch dem Geist nach, so oft sie von der Freude der Glieder des Himmelreichs redet. Das Hochzeitshaus zu Kana war ein solches Haus, das da fröhlich war in dem Herrn, es war ein Haus geweihter Freude. Jesus war bei der Freude. Seine Gegenwart war den Hochzeitsleuten nicht lästig, sondern lieb; sie hatten ihn doch wohl selber eingeladen. Seine Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Wir nannten das Hochzeitshaus zu Kana ein armes Haus, das reich wurde durch des Menschen Sohn, ein fröhliches Haus, das geweiht wurde durch des Menschen Sohn; wir dürfen dem Häuslein seinen besten Ruhm nicht vorenthalten: | ||
| - | |||
| - | Denn so hat Er's in Kana getan. Er hat ein großes Wunder dort im Hochzeitshaus getan, ein Doppelwunder: | ||
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| - | Doch wir wenden unsre Gedanken von dem äußerlichen Wunder der Verwandlung des Wassers in Wein auf das innerliche Wunder der Verwandlung des frommen Hauses in ein geheiligtes Haus. Dass Maria still und demütig von ihrem Sohn den Verweis hinnahm: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? dass die Diener willig und eifrig taten, was der Herr befahl, dass die Jünger die Herrlichkeit ihres Meisters erkannten, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater voll Gnade und Wahrheit, dass sie im Glauben an ihn befestigt wurden; das war das größere Wunder im Hochzeitshause zu Kana. Denn so groß es ist, die Natur zu beherrschen, | ||
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| - | Wie schwach, wie unklar, wie gebrechlich auch unsre Frömmigkeit sein möge, gönnen wir nur unserm Heilande ein Plätzlein im Haus, so wird er uns und unser Hauswesen heiligen in seiner Wahrheit, und wir werden ihm nahen und von ihm nehmen Gnade um Gnade. Es traten einst zwei Leute in den heiligen Ehestand, die zwar sich untereinander herzlich lieb hatten, die aber von wahrhaftiger Liebe zum Herrn wenig oder nichts in sich verspürten. Sie hatten während ihres Brautstandes nach der Welt Weise gelebt und gedachten solche Weise auch im Ehestand fortzuführen. Der Vater der jungen Frau aber war ein frommer Mann; derselbe hatte nicht eher seine Einwilligung zur Heirat gegeben, als bis ihm die jungen Leute das feierliche Versprechen abgelegt hatten, alle Morgen beim Aufstehen niederzuknien und gemeinsam den kurzen Seufzer zu beten: O Herr Jesu, schenke uns Deinen heiligen Geist, Amen. Das taten sie denn auch, zuerst fast spöttisch, bald ernst und immer ernster, und siehe, ehe sie sichs versahen, war der Herr Jesus mit seinem heiligen Geist Gast in ihrem Haus, und der heilige Geist, nachdem er sie zuvor gestraft um ihrer Sünden willen, führte sie zur Versicherung der Vergebung der Sünden in Christi Blut und Wunden, und ihr Haus ward eine Hütte Gottes unter den Menschen. In einem solchen Haus nimmt man es dann demütig hin, wie Maria, wenn er uns durch sein Wort verweist alle unsere Ungeduld, all' unser Dreinsprechen in die Pläne Gottes mit uns; denn es nimmt von Tag zu Tage die Erkenntnis zu, dass wenn lauter Nein, erscheint, doch lauter Ja gemeint ist, dass Gottes Uhr anders, aber richtiger geht, als unsre Uhr, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Wir nehmen dann ohne alle Frage Alles an, was er uns gibt, sei's ein Glas Wein, sei's ein Verweis. Was er uns sagt, das tun wir dann in seiner Kraft, und in solchem gehorsamen Tun wird das Verslein uns immer klarer und immer wahrer: Was Er gebeut, das muss geschehen; das Andre wird Er selbst versehen! Er offenbart alsdann seine Herrlichkeit in unserm Haus immer heller, immer großartiger, | ||
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| - | Liest diese Zeilen ein Armer, o er soll gebeten sein, Jesum in sein Haus aufzunehmen, | ||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Marci 2,1. **Und über etliche Tage ging er wieder nach Kapernaum; und es ward ruchbar, dass er im Haus war.** | ||
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| - | Osten oder Westen, daheim ist's am besten, sagt ein niederdeutsches Sprichwort. Der wunderbare Mann, der in Nazareth und Jerusalem seine Vaterhäuser hatte und der im Hochzeitshaus zu Kana ein freundlicher Gast war, hat denn auch er in den Tagen seiner männlichen Jahre ein Daheim gehabt auf Erden, ein Wohnhaus, darin er schaltete und waltete als in seinem eigenen, wie andere Bürger dieser Erde? Ja, so antwortet uns das zweite Kapitel des Evangeliums Marci, auch des Menschen Sohn hat einen Ort gehabt auf Erden, da er wohnte und zu Haus war, so oft er von seinen Wanderungen der Liebe und des Erbarmens ermüdet heimkehrte. Kapernaum hat von allen Städten der Erde die einzigartige Ehre, seine Stadt, die Stadt des Menschensohnes, | ||
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| - | Freilich das Haus tut es nicht und tut es uns auch nicht an, sondern der Mann in dem Haus. Denn nicht das Haus macht den Mann, sondern der Mann macht das Haus. Ein Bauersmann bleibt doch ein Bauersmann, wenn er auch in einem Herrenhaus wohnt; aber ein hölzernes Schiffsbauerhäuschen wird zur Residenz, wenn ein Fürst es bewohnt. Das Haus von Kapernaum war ein Haus wie ein andres Haus, aber weil Jesus Christus darin wohnte, war es ein Könighaus. Denn Jesus Christus ist ein König, der König der Menschheit, der König der Welt. | ||
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| - | Von einer Wanderung war des Menschen Sohn so eben zu Haus gekommen. Wandern, predigend und heilend umherziehen, | ||
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| - | Doch was strömen denn die Leute so zu diesem Haus? Kaum wird es ruchbar, dass Jesus wieder zu Haus ist, als sich auch alsobald ganze Scharen in dem Haus versammeln; Viele finden nicht mehr Raum und müssen draußen stehen; Einige decken das Dach ab und verschaffen sich dadurch Eingang. Ei, nicht das Haus als solches, sondern der Mann im Haus zog die Leute an. Es gab in der weiten Welt nicht einen Mann wie diesen, der in diesem Haus wohnte. Und was war denn das Sonderliche an diesem eben von einer Reise heimgekehrten Bürger Kapernaums? Dass er so rastlos tätig war; dass er, obwohl sicherlich ermüdet von der Reise, doch alsobald weiter wirkte nach dem von ihm selbst ausgesprochenen großartigen Grundsatz: Ich muss wirken, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann!? O gewiss, das ist etwas Großes; das beschämt Tausende seiner Diener, die die Zeit nicht auskaufen und in den Tag hineinleben, | ||
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| - | Ist es aber also, ist dies Haus zu Kapernaum ein Königshaus, | ||
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| - | Sieh, wir sitzen Dir zu Füßen, \\ | ||
| - | Großer Meister, rede Du; \\ | ||
| - | Sieh, wir hören Deiner süßen \\ | ||
| - | Rede heilsbegierig zu. \\ | ||
| - | Lehr' uns, wie wir selig werden, \\ | ||
| - | Lehr uns, wie wir unsere Zeit, \\ | ||
| - | Diese kurze Zeit auf Erden, \\ | ||
| - | Nützen für die Ewigkeit. | ||
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| - | Das aber ist des Menschensohnes Wort und Lehre, das hat er überall gepredigt, wo er seine holdseligen Lippen öffnete, das hat er auch in seinem Haus zu Kapernaum gesagt, das sagt er auch uns: Alle Menschen sind arg von Natur und Knechte der Sünde, Alle von unten her, Fleisch geboren vom Fleisch, die da sterben müssen in ihren Sünden, wenn keine Rettung kommt. Der ewige Gott aber hat eine Rettung für die Sünder bereitet in seinem Sohn; also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Mose und die Propheten haben davon zuvor gezeugt, dass das Heil kommen sollte von den Juden. Als aber die Zeit erfüllt war, ist der Heiland gekommen, nicht dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet, denn der große Bürge hat für Alle die Schrecken des Gerichtes auf sich genommen; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Wer aber an den Sünderheiland glauben will, der muss zuvor seine Sünden erkennen; denn die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Darum tue Buße und glaube an Jesum Christ, wer frei werden will von der Knechtschaft der Sünde und des Todes; und wer also kommt, in Buße und Glauben, den wird der Sohn Gottes nicht hinausstoßen, | ||
| - | |||
| - | Herr, öffne mir die Herzenstür, | ||
| - | Zeuch mein Herz durch Dein Wort zu Dir; \\ | ||
| - | Lass mich Dein Wort bewahren rein, \\ | ||
| - | Lass mich Dein Kind und Erbe sein. \\ | ||
| - | Dein Wort bewegt des Herzens Grund, \\ | ||
| - | Dein Wort macht Leib und Seel gesund; \\ | ||
| - | Dein Wort ist das mein Herz erfreut; \\ | ||
| - | Dein Wort gibt Trost und Seligkeit. | ||
| - | |||
| - | Wenn des Menschen Sohn im Haus von Kapernaum seinen Feinden sich kund tut als Gottessohn in königlicher Würde, wenn er der Volksmenge gegenüber tritt als der Prophet ohne Gleichen, der da predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten: | ||
| - | |||
| - | Zorntag, schrecklichster der Tage, \\ | ||
| - | Der Propheten ernste Sage, \\ | ||
| - | Füllst die Welt mit Angst und Klage! | ||
| - | Welch' ein Zittern, welch' ein Schrecken, \\ | ||
| - | Wenn, was Finsternisse decken, \\ | ||
| - | Einst der Richter wird entdecken! \\ | ||
| - | |||
| - | Wird das Schuldbuch aufgeschlagen, | ||
| - | Die Verbrecher anzuklagen \\ | ||
| - | Aus den allerältsten Tagen, \\ | ||
| - | Dann erscheint vor dem Gerichte \\ | ||
| - | Alle Schuld in grellem Lichte, \\ | ||
| - | Wehe jedem Bösewichte! | ||
| - | |||
| - | Wer uns da helfen könnte, wer unser armes Herz von der Furcht vor dem Gerichte heilen könnte, wer unseren mit Recht erschrockenen Geist von dem tiefen, ernsten, übermannenden Schmerz der Schuld, der Schuld, der großen Schuld des Lebens heilen könnte! Nicht wahr, wer das könnte, der sollte unser Heiland sein, und wenn die ganze Welt ihn verachtete. Ja, wer das könnte, dem wollten wir zu Füßen fallen und sprechen: Du sollst mein Herr sein und mein Gott! Kann es denn Einer? Ja Einer und nur Einer! Des Menschen Sohn kann es! Wir heben unsere Augen auf zu dem Mann im Haus von Kapernaum. Wie ist das? Er hat da auch so eine arme, traurige, kranke Seele vor sich. Er legt ihr die Hände auf das Haupt und spricht: Mein Sohn, sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben! Vergeben, welch' ein hohepriesterliches Wort! O mein Herr Jesu, wir sind auch da; wir haben auch so eine arme, sündige, bangende, verlangende, | ||
| - | |||
| - | Aber eine Liebe ist der andern wert. Wenn uns selber im Haus des Menschensohnes solches Heil widerfahren ist, dass durch sein hohepriesterliches Erbarmen in unsere Seele gezogen ist der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft: dann gilt es wohl zu bedenken, dass noch so viele Gichtbrüchige sind in unserer Freundschaft und Verwandtschaft, | ||
| - | |||
| - | O geht hinaus auf allen Wegen \\ | ||
| - | Und holt die Irrenden herein; \\ | ||
| - | Streckt Jedem eure Hand entgegen \\ | ||
| - | Und ladet froh sie zu uns ein. \\ | ||
| - | Der Himmel ist bei uns auf Erden, \\ | ||
| - | Im Glauben schauen wir ihn an; \\ | ||
| - | Die mit uns Eines Glaubens werden, \\ | ||
| - | Auch ihnen ist er aufgetan. | ||
| - | |||
| - | Wir sind am Ende. Wir verlassen nun das Haus des Menschensohnes zu Kapernaum. Welch' ein Haus ist dies Haus! Ein Königshaus, | ||
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| - | |||
| - | ======Quandt, | ||
| - | |||
| - | Ev. Lukas 7,14.\\ | ||
| - | **Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an.** | ||
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| - | Wenn es aller Wahrscheinlichkeit nach das Haus Simons war, in welchem des Menschen Sohn zu Kapernaum wohnte, so treffen wir nach dem Bericht des Evangelisten Lukas in seinem siebenten Kapitel den Herrn zwar wieder in dem Haus eines Simon an, aber eines andern Simon, der nicht zu Kapernaum, sondern in einer andern galiläischen Stadt - es scheint Nain gewesen zu sein, wo der Herr den Jüngling von den Toten auferweckt hatte - seinen Wohnsitz hatte. Dort ein Simonshaus und hier ein Simonshaus, aber wie verschieden beide Häuser! Dort ein Jünger, hier ein Pharisäer; dort wohnte der Heiland, hier war er nur zu Gast. Ja, man kann denselben Namen führen und denselben Heiland im Haus haben, und doch es kann ein Unterschied sein wie zwischen Sommer und Winter, wie zwischen Tag und Nacht. Ach, wie wenige Häuser unter denen, die noch auf den Christennamen etwas geben, gleichen denn heutzutage jenem Simonshaus zu Kapernaum, wo Jesus Christus als König, Prophet und Hoherpriester anerkannt, angenommen, angebetet wird? Die meisten gleichen dem Simonshaus von Nain: der Herr ist wohl darinnen, aber nur als ein flüchtiger Gast, eingeladen weil es gerade Mode ist, den Rabbi von Nazareth bei sich zu Tisch zu haben; ziemlich rücksichtslos behandelt, weil der Verstand in ihm nur und kaum einen großen Lehrer sieht; endlich gar verscheucht durch den Hochmut der Werkgerechtigkeit, | ||
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| - | Es bat ihn der Pharisäer einer, dass er mit ihm äße. Ein Pharisäer bittet den Heiland zu Tisch, das erscheint von vorn herein auffällig. Die Pharisäer sind uns ja sonst aus der neutestamentlichen Geschichte bekannt als unbußfertige Söhne Abrahams, die mehr noch, als die andern Juden entfremdet waren von dem Heile, das aus Abrahams Samen kommen sollte; die darum den Wandel des Herrn auf Erden mit Misstrauen, Eifersucht und Feindschaft begleiteten, | ||
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| - | Ein Spiegelbild für das Modechristentum unserer Tage. Nicht zu allen Zeiten, nicht in allen Gegenden, nicht in allen Kreisen ist die Feindschaft wider den Sohn Gottes und der Jungfrau von gleicher Stärke. Es hat auf der Neige des vorigen Jahrhunderts eine Zeit gegeben, wo es in der gebildeten Gesellschaft zum guten Ton gehörte, über das Evangelium von Jesu Christo vornehm zu schweigen und über die Vergebung der Sünden in Christi Blut und Wunden frivol zu lächeln, während die einfacheren Bürgers- und Bauersleute noch in altväterlicher Treue und frommer Einfalt an der Kirche, an der Bibel, an dem Christenglauben festhielten. Man erlangte wohl in den höheren Kreisen der Gesellschaft damals viel eher Verzeihung für gewisse offenbare Sünden, die man noble Passionen nannte, als für das Bekenntnis zum Glauben an den dreieinigen Gott. Hier und da steht es ja noch so, aber im Ganzen und Großen haben sich die Zeiten gewandelt. Man ist ernster geworden auf den Höhen, und leichtfertiger in den Niederungen. Die Schrecken grauenvoller Revolutionen haben den Tatbeweis geliefert, dass, wenn die Altäre schwanken, auch die Throne zittern; dass, wenn der höchste Adel, den es auf Erden gibt, der Adel der Wiedergeburt, | ||
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| - | Simon, ich habe dir etwas zu sagen, spricht der Heiland, und er sagt ihm und Allen, die wie Simon stehen: Wer an mich nicht glaubt wie eine Magdalena, wer mich nicht liebt wie Magdalena, der wird auch nicht selig wie Magdalena. Irrt euch nicht; Gott lässt sich nimmermehr spotten. Der sich seinen Sohn vom Herzen gerissen und ihn für uns dahingegeben hat, lässt sich nicht mit ein paar frommen, wohlfeilen Redensarten abspeisen. Wer ihm das Herz nicht gibt, dem gibt er nicht den Himmel; und wer zu vornehm ist, vor dem Sohne Gottes die Knie zu beugen und zu beten: „Herr, erbarme Dich“, der ist ihm zu gemein. Schlage an deine Brust, werter. Leser, und neige dein Haupt! Es ist genug, dass du die vergangenen Tage deines Lebens versäumt, vertändelt, | ||
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| - | Es bat ihn der Pharisäer einer, dass er mit ihm äße. Die Pharisäer waren Menschen mit einem sehr kleinen Herzen und einem sehr großen Verstand. Auch Simon war ein sehr verständiger Mann. Jesus von Nazareth, so rationalisierte er, predigt gewaltig und nicht wie wir Schriftgelehrten, | ||
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| - | Es gibt nun in der Christenheit unserer Tage der Häuser nicht wenige, die darin dem Haus Simons gleichen, dass der Heiland in ihnen nur als Rabbi, als erleuchteter Mann, als ein großer Weiser erkannt und anerkannt wird, nicht aber als der Erlöser von Sünde, Tod und Teufel, nicht als der Mittler zwischen Gott und Menschen. Der Rationalismus, | ||
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| - | Simon, ich habe dir etwas zu sagen, spricht der Heiland. O schon die Weisheit dieser Welt, wenn sie nur ein wenig ernst und tief ist, hat dem rationalistischen Christentum so Manches zu sagen, hat ihm zu sagen: „Es gibt zwischen Himmel und Erde allerlei Dinge, von denen der Verstand der Verständigen sich nichts träumen lässt“; hat ihm zu sagen: „Man versteht ein Ding nicht eher, bis man es liebt;“ hat ihm zu sagen: „Menschenwitz ist kein nütz, Gottes Geist Alles leist“. Der Heiland aber in seinem biblischen Wort sagt: „Ich preise Dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, dass Du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor Dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und Niemand kennt den Sohn, denn nur der Vater; und Niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn, und wem der Sohn es will offenbaren. Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Ev. Matth. 11,25-30. Gott walte es, dass des Verstandeschristentum, | ||
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| - | Es erübrigt uns noch in Erwägung zu ziehen, wie das, was Lukas uns von dem Haus Simonis erzählt, öfters von römisch-katholischer Seite missbraucht worden ist zur Stütze für die Irrlehre von der Werkgerechtigkeit. Wenn nämlich des Menschen Sohn, auf Maria Magdalena weisend, sagt: „Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt“, so führen die Papisten diesen Spruch gerne wider die evangelische Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben allein an, die Paulus lehrt, da er sagt Röm. 3,28: „So halten wir nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, und die die teuren Reformatoren zu den Zeiten der glorreichen Kirchenverbesserung wieder auf den Leuchter gestellt haben. Vergebung der Sünden, sagen die Römlinge, wird nicht durch den Glauben an und für sich erlangt, sondern durch die Liebe der Gläubigen; dafür ist, sprechen sie, gerade Maria Magdalena ein leuchtendes Vorbild. Allein wie verkehrt eine solche Deutung ist, geht sonnenklar aus dem Gleichnis hervor, dessen sich der Herr bedient. Der Herr nennt sich einen Gläubiger, dem nicht nur Maria Magdalena, sondern auch Simon als Schuldner verpflichtet seien. Simon ist ihm fünfzig Groschen, die große Sünderin ist ihm fünfhundert Groschen schuldig. Simon schuldet nur fünfzig Groschen. Der Ruhm soll dem Pharisäer nicht geschmälert werden, dass er ein ehrbarer Mann ist, der, mit dem Maße bürgerlicher Gerechtigkeit gemessen, wohl bestehen mag, der nicht in so grobe Sünden gefallen ist, wie das arme Weib, das heute über seine Schwelle getreten ist. Allein verschuldet, | ||
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| - | Aber Simon, der Schuldner von fünfzig Groschen? Hatte er denn wirklich nur eine so kleine Schuld? O nein, o nein; der Herr geht nur auf des Pharisäers Gedanken von der Sünde ein, um ihn zum Nachdenken zu reizen. Denn der Herr ist ein gar weiser Lehrer, der seine Schulkinder nicht eins wie das andere behandelt, sondern ein jegliches nach dem Maß seiner Eigentümlichkeit. Das war eben der Grund, weshalb Simon den Herrn so wenig liebte, weil er in dem Hochmut seines Standesvorurteils, | ||
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| - | Aber das wissen wir, dass es solche werkgerechten Häuser, wie das Haus Simonis eines war, als des Menschen Sohn zu ihm einging, auch heute noch gibt; Häuser, in denen jedes Glied der Familie einen hohen Begriff von seiner eigenen Vortrefflichkeit, | ||
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| - | Der Grund, da ich mich gründe, \\ | ||
| - | ist Christus und sein Blut; \\ | ||
| - | das machet, dass ich finde \\ | ||
| - | das ewge wahre Gut; \\ | ||
| - | an mir und meinem Leben \\ | ||
| - | ist nichts auf dieser Erd'; \\ | ||
| - | was Christus mir gegeben, \\ | ||
| - | das ist der Liebe wert. | ||
| - | |||
| - | Die Kirche der Werkgerechtigkeit tut in unseren Tagen ihre geschmückten Hallen weiter auf als jemals und erfüllt dazu die Welt mit dem Geschrei, als ob die Tage des Protestantismus gezählt wären. Aber der Herr hat gesagt, dass Himmel und Erde vergehen werden, aber Sein Wort nicht; darum kann auch die Kirche Seines Wortes nicht vergehen; so lange Christus Christus bleibt, wird seine Kirche dauern. Doch müssen ihre Glieder treu sein im Festhalten des rechtfertigenden Glaubens, wenn sie Gnade finden sollen. | ||
| - | |||
| - | So darf denn Simon in keiner Gestalt in einem evangelischen Christenhause bleiben, wenn das Haus bleiben und Christus in dem Haus bleiben soll. Nicht nur das Modechristentum, | ||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Lukas 19,5. \\ | ||
| - | **Jesus sprach: Zachäe, steig' eilend hernieder, denn ich muss heute zu deinem Haus einkehren.** | ||
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| - | Nach Jericho führt der Evangelist uns mit derjenigen Erzählung, deren schlagendes Herz der oben genannte Vers ist. Jericho war im Altertum berühmt durch seine Palmenhaine, | ||
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| - | Die Stadt Jericho war unter Israel durch ein großes Wunder vergangener Zeiten ausgezeichnet. Anderthalb tausend Jahre vor der Geburt des Menschensohnes waren die Mauern Jerichos ohne Schwertstreich vor dem Hall der Posaunen Josuas zusammengestürzt; | ||
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| - | Als in den Tagen Josuas der Herr die Stadt Jericho in Israels Hände gegeben hatte, da sprach Josua auf ihren Trümmern einen Fluch aus über den, der die Stadt jemals wieder bauen würde. „Verflucht sei der Mann, der diese Stadt wieder aufrichtet! Wenn er ihren Grund legt, das koste ihm seinen ersten Sohn; und wenn er ihre Tore setzt, das koste ihm seinen jüngsten Sohn!“ Als nach Jahrhunderten Hiel von Bethel Jericho wieder aufbaute, siehe da verunglückte beim Anfang des Baues sein Erstgeborner Abiram, und als er auch dann nicht von seinem verwegenen Unternehmen abließ, starb vor Vollendung desselben sein jüngstes Kind Segub. Der Fluch hat fortgewirkt; | ||
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| - | Ein Haus ohne Heil ist das Zöllnerhaus zu Jericho, ehe die Leutseligkeit und Freundlichkeit des Menschensohns es erfüllt, ein Schattenbild aller Häuser, die mitten im Christentum doch kein Christentum haben, weder ein schlechtes noch ein rechtes. Ehe der Heiland durch die Palmenstadt kam, kannte man ihn nicht in dem Haus des Zöllners. Zachäus bestieg eben deswegen den Maulbeerbaum, | ||
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| - | Das Haus des Zöllners Zachäus war ein israelitisches Haus. Das beweist schon der Name des Hausherrn, Zachäus d. i. Sakchai. Esra und Nehemia führen unter den Familien Israels, die aus der Gefangenschaft in die Heimat zurückkehrten, | ||
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| - | Das Zöllnerhaus war ein vornehmes Haus. Zachäus war nicht ein gemeiner Zöllner, wie es deren in jeder Stadt gab; es heißt vielmehr ausdrücklich: | ||
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| - | Das Zöllnerhaus war ein reiches Haus. Lukas hebt diesen Umstand hervor und betont es: Zachäus war ein reicher Mann. Es hatte ihm ja auch wahrhaftig bei der Zollerhebung nicht an Mitteln fehlen können, viel von den Gütern dieser Erde zusammenzuraffen; | ||
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| - | Das Zöllnerhaus zu Jericho war ein Haus der Ungerechtigkeit. Zum Zöllnerposten gaben sich so leicht überhaupt keine andern Menschen her, als die mit dem Geist israelitischer Frömmigkeit gebrochen hatten, emanzipierte Juden, die es mit den Geboten und Satzungen Gottes nicht genau nahmen. Da den Zachäus später nach der Einkehr des Menschensohnes die Reue und die Scham über seinen bisherigen Lebenswandel überfällt, | ||
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| - | Das Zöllnerhaus zu Jericho war weiter noch ein Haus der Schmach. Die Wirksamkeit der Zöllner war bei den Juden mit der schneidendsten Verachtung belegt. Bittere, tägliche, unverhohlene Kränkungen begleiteten ihr Amt und Geschäft. Die Zöllner standen in der öffentlichen Meinung auf Einer Stufe mit Räubern und Ehebrechern. Eine jüdische Familie, aus der ein Glied Zöllner wurde, galt für entehrt; das Wort „Zöllner“ hatte einen überaus rauen Klang; „Zöllner“ und „Sünder“ waren in Aller Munde Worte von einer und derselben Bedeutung. Daher das Murren der Juden darüber, dass des Menschen Sohn bei einem solchen verrufenen, übelbeleumundeten Manne einkehrt; daher die Missgunst und das Scheelsehen von Priestern und Pharisäern über diesen in ihren Augen unanständigen Verkehr des Herrn Jesu mit einem Ausgestoßenen, | ||
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| - | Und so war es bei Zachäus! Das Zöllnerhaus zu Jericho war auch ein Haus der Sehnsucht. Der welthistorische Maulbeerbaum gibt dafür Zeugnis. Des Menschen Sohn in Begleitung nachziehender Volkshaufen zieht durch die Palmenstadt. Zachäus wohnt wohl am Tore, wenigstens nicht ferne davon, und an der Straße. Er hört das Geräusch der nahenden Volksmassen und lauscht. Derselbe Mann, von dem er schon so Vieles und so Großes gerüchtsweise gehört hat, sonderlich dass durch ihn betrübte Seelen getröstet würden, kommt angegangen; und sein Name ist die laute Losung jauchzender Scharen. Zachäus ist bis dahin nie in der Lage gewesen, den berühmten Mann von Angesicht zu Angesicht zu sehen; die Vorkehrungen, | ||
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| - | So geschah es mit dem Haus des Zachäus; und wie es geschah, wie dieses Haus ein Haus des Heils wurde durch die Einkehr Christi, das wollen wir zum Zweiten erwägen. Jesus zog dahin, umwogt von großer Menge. Vor der Stadt hatte er soeben zwei Blinde geheilt, die mit ihrem Freudengeschrei nun den jauchzenden Zuruf des Volkes vergrößern. Von allen Seiten umjauchzt wandert des Menschen Sohn durch die Stadt. Aber der unvergleichliche Menschensohn ist auch der unvergleichliche Menschenkenner. Er weiß wohl, was in dem Menschen und an dem Menschen ist; er weiß auch, wie bald dieser Hosiannaruf der wankelmütigen Menge in den entgegengesetzten Ruf: „Kreuzige, | ||
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| - | Das Zöllnerhaus in Jericho wird nun ein Haus des Glaubens. Ich muss bei dir einkehren, spricht der Herr. In dem Wörtlein muss liegt ein ganzer Himmel voll Heilsgedanken, | ||
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| - | Das Zöllnerhaus in Jericho wird mit der Einkehr Christi weiter auch ein Haus der Liebe. Sobald Zachäus den Herrn mit Freuden aufgenommen hatte, trat er dar, so berichtet uns Lukas, und sprach zu ihm: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich Jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Sein Herz ist voll Glaubens, er erkennt in Jesu den Herrn, und sein Glaube ist voll Liebe, voll einer Liebe, die der Liebe der großen Sünderin im Haus Simonis ebenbürtig zur Seite steht. Wie jene Sünderin aus Magdala nur noch Tränen hatte, um Jesu Füße damit zu netzen, nur noch Wohlgerüche, | ||
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| - | Es wurde endlich auch ein Haus der Hoffnung. „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren“, | ||
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| - | Wir haben das Zöllnerhaus zu Jericho betrachtet, beides, was es war, ehe Jesus kam, und was es wurde, als Jesus kam. Wie wollen wir unsere Betrachtung praktisch verwerten? Ich meine also, dass wir mit Herz und Hand geloben: Ich und mein Haus wir wollen dem Herrn dienen! | ||
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| - | |||
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| - | ======Quandt, | ||
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| - | Ev. Luk. 10,38. \\ | ||
| - | **Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus.** | ||
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| - | Bethanien heißt der siebente und letzte Ort, den wir unter den Ruhestätten des Menschensohnes auf Erden betreten. Es ist diejenige Stätte, da der wandernde Heiland am liebsten eingekehrt ist und am öftesten und noch am allerletzten, | ||
| - | |||
| - | Bethania, du Friedenshütte; | ||
| - | du vom Herrn geliebtes Haus; \\ | ||
| - | liebend sahst du ihn in deiner Mitte, \\ | ||
| - | liebend ging Er ein und aus! | ||
| - | |||
| - | Was Wunder auch, wenn von allen Ruhestätten des Menschensohnes uns selbst Bethanien am freundlichsten anlächelt und wir selber daselbst am liebsten mit des Menschen Sohn ausruhen? | ||
| - | |||
| - | Es gibt drei Hauptstellen in der Heiligen Schrift, die uns Bethanien zeigen und die Herrlichkeit des göttlichen Gasts in Bethanien. Ev. Johannes 11 zeigt uns das liebe bethanische Haus, wie es aus einem Trauerhause in ein Haus jauchzender Anbetung verwandelt wird, da der Herr seinen Freund Lazarus, den er lieb hatte, nachdem er ihm an seinem Grabe Tränen des Leides geweint, wie weiland David seinem Freund Jonathan, von den Toten auferweckt durch das Wort seiner göttlichen Macht: Lazare, komm heraus! Evangelium Johannis 12 erzählt uns, wie des Menschen Sohn dicht vor seinem Leiden und Sterben in Bethanien von Maria mit einem Pfund Salben von ungefälschter köstlicher Narde gesalbt wird, und wie der Herr voll wehmütiger Freude über diese Vorfeier seines Begräbnisses jenes Wort über Maria spricht, das wohl das Schönste ist und das größte von allen, die je zum Lob eines Menschen gesagt sind: Sie hat getan, was sie konnte. Die Erzählung Luk. 10,38 ff. gibt uns allerdings das schlichteste Bild von Bethanien, ein Bild ohne Trauerflor und ohne Wunderglanz und ohne Nardenduft, und doch das schönste Bild, nämlich das Bild eines gläubigen Hauses als ein wohltuendes, | ||
| - | |||
| - | Weniger für Christen, die noch im Umkreis des Christentums stehen, als vielmehr für solche, die schon den Mittelpunkt, | ||
| - | |||
| - | Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Es begab sich - was uns von des Menschen Sohn in der Schrift erzählt wird, das sind immer große und wichtige Begebenheiten. Wie wenn in einem abgeschiedenen Tal stiller Hirten einmal ein edler Königssohn sich niederließ, | ||
| - | |||
| - | Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Was macht uns eine Stadt, was macht uns eine Stätte lieb und wert? Wenn uns an einem Ort, in einem Haus wohler ist als an und in dem andern, wahrhaftig nicht an dem Ort liegt es und nicht am Haus, sondern an den Menschen des Ortes und des Hauses. Wo das Menschenherz, | ||
| - | |||
| - | O nein und dreimal nein! Wollte Gott, unsere Frauen und Jungfrauen, die den Anspruch auf Gläubigkeit machen, hätten solchen Glauben, wie Martha ihn hatte! Ihr strengen Kritiker der Martha, was wollt ihr denn mehr? Jesus klopft an die Tür des Hauses in Bethanien; in dem Haus sind Zweie, Martha und Maria, aber Martha tut ihm auf. Es steht ausdrücklich geschrieben: | ||
| - | |||
| - | Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Allerdings also wohl eine Verschiedenheit zwischen den beiden Schwestern: die eine setzt sich still zu des Meisters Füßen, in Andacht hingesunken; | ||
| - | |||
| - | Immanuel ist meines Herzogs Name,\\ | ||
| - | Dem Herz und Lippe Huld und Treue schwört; \\ | ||
| - | Der Sohn des Hochgelobten, | ||
| - | Das ist der Mann, dem Herz und Hand gehört. \\ | ||
| - | Er hat sich Sünderherzen \\ | ||
| - | Erkauft durch Todesschmerzen; | ||
| - | Er hat mit seinem Blut auch mich erkauft, \\ | ||
| - | Und ich bin auch in seinen Tod getauft. | ||
| - | |||
| - | Immanuel! In diesem heil' | ||
| - | Bin ich mit frommen Freunden eng vereint; \\ | ||
| - | Und wenn wir flehen, sagt Er Ja und Amen \\ | ||
| - | Und stillt die Tränen, die wir ihm geweint; \\ | ||
| - | Und wenn in Lobeliedern \\ | ||
| - | Wir seinen Gruß erwidern,\\ | ||
| - | Dann macht sein gnadenvolles Nahesein \\ | ||
| - | Zugleich unendlich groß, unendlich klein. | ||
| - | |||
| - | Immanuel! Es folgt auf Deinen Bahnen \\ | ||
| - | Dir unverwandt die kleine, stille Schar. \\ | ||
| - | Das Kreuzesbanner weht statt aller Fahnen \\ | ||
| - | Voran zum Sieg, das ist gewisslich wahr. \\ | ||
| - | Dein Banner kann nicht sinken, \\ | ||
| - | Wir folgen seinem Winken,\\ | ||
| - | Und wenn die Welt am jüngsten Tag zerfällt, \\ | ||
| - | Behalten wir mit Dir, o Held, das Feld. | ||
| - | |||
| - | Dass unser Jesus die Freuden des Himmels drangab und das Kreuz erduldete zu unserer Erlösung, das ists, was alle Gläubigen rühmen und preisen als den Erbarmungsgrund, | ||
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| - | Und Martha trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie es auch angreife. Das sind nun die oft genannten Worte der Martha, um derentwillen man sich berechtigt gehalten hat, sie des Unglaubens und des irdischen Sinnes zu zeihen. Und doch sind diese Worte zunächst ein Zeugnis gerade für ihre Gläubigkeit. Sie trat hinzu, zu Jesu, und zwar mit großer Ehrfurcht. „Herr“, so beginnt sie ihre Anrede; zu Jesu treten ehrfürchtigen Sinnes, wahrlich das ist nicht ein Zeichen der Versunkenheit in die Welt, sondern vielmehr ein Zeichen des Glaubens. Sie hat Bekümmernis in ihrem Herzen um ihre Schwester, sie schüttet ihr Herz vor ihrem Heiland aus; so tut der Unglaube nimmermehr, sondern nur der Glaube. Sie hält das Benehmen der Schwester für etwas, was dem Herrn selbst missfallen müsste; sie bittet den Herrn, der die Herzen lenkt, wie Wasserbäche, | ||
| - | |||
| - | Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viele Sorge und Mühe; Eins aber ist not; Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden. Das sind nun die vielberühmten Schlussworte unserer evangelischen Erzählung. Sie klingen sehr einfach, doch schwimmt der Sinn gar nicht auf der Oberfläche. Wohl ist es eine erlaubte Anwendung zu sagen: Eins ist not, du Menschenkind, | ||
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| - | |||
| - | Wir sind am Ende mit unserer Betrachtung über Bethanien, mit unseren sieben Betrachtungen über die Ruhestätten des Menschensohnes auf Erden. Wir werfen noch einmal einen Blick, einen Scheideblick auf das Vaterhaus des Menschensohnes in Nazareth, auf sein Vaterhaus in Jerusalem, auf das Fischerhaus in Kapernaum, auf das Pharisäerhaus zu Nain, auf das Zöllnerhaus in Jericho, auf das Freundeshaus in Bethanien und falten unsere Hände vor dem Herrn, unserm Heiland, und bitten Ihn Angesichts unseres eigenen Hauses: Schreib, Herr, auch an unsere Tür: Meine Freunde wohnen hier! Amen. | ||
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| - | ---- | ||
| - | ======Neviandt, | ||
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| - | Man hört es, meine Lieben, in unserer Zeit oft aussprechen, | ||
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| - | Wir haben den Weg schon angedeutet, der zu einer solchen gesegneten Hoffnungsstellung führt. Lassen wir uns denn durch unsern heutigen Text noch etwas tiefer in den angeführten Gegenstand hineinleiten. | ||
| - | |||
| - | Unser Text steht Phil. 1,20 u. 21: \\ | ||
| - | **“Wie ich endlich warte und hoffe, dass ich in keinerlei Stück zu Schanden werde, sondern dass mit aller Freudigkeit, | ||
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| - | Ihr alle fühlt es mit mir den Worten des Apostels ab, dass er eigentlich einen wolkenlosen Himmel über sich hat; denn er ist auf Alles gefasst, sei es, dass er zum Leben oder zum Sterben berufen ist. | ||
| - | |||
| - | Sehen wir uns denn zunächst die fröhliche Hoffnungsstellung des Apostels etwas näher an, und lassen wir uns dann von ihm den Grund derselben nennen! | ||
| - | |||
| - | Wir erinnern uns wohl noch des Zusammenhangs, | ||
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| - | Aber was ist denn das Ganze mit einem Wort? Es ist nichts anderes, als der zuversichtliche, | ||
| - | |||
| - | Sind Euch nicht wohl im Leben Menschen aufgefallen, | ||
| - | |||
| - | O meine Brüder, sollte es uns nun schwer werden, bei uns selbst die Gründe aufzufinden, | ||
| - | |||
| - | Geliebte, sage ich das, um uns zu entmutigen? Davor wolle mich Gott bewahren! Aber können wir anders, wenn wir solche Worte lesen, als in unser eigenes Leben hineingehen und eine Vergleichung anstellen? Und dann steht' | ||
| - | |||
| - | Treiben uns die demütigenden Eindrücke, die wir über unsern dermaligen Stand im Christentum aus unserm Textwort empfangen, mehr und neu zu dieser Gnade, machen sie uns hungriger nach derselben, dann haben wir unser Schriftwort nicht umsonst mit einander betrachtet. | ||
| - | |||
| - | Aber lasst uns zum Schluss miteinander noch einen Blick auf den Grund werfen, den der Apostel uns für diese seine Stellung nennt: „Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ | ||
| - | |||
| - | Es kommt mir so vor, als ob dieser Vers zunächst eine Erklärung der letzten Worte des vorigen Verses geben sollte: „es sei durch Leben oder durch Tod.“ Warum kann der Apostel so opferfreudig sein Leben und seinen Tod zur Verfügung stellen? Warum ist er zu beidem bereit? | ||
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| - | Ihm ist das Leben Christus, und Sterben Gewinn. | ||
| - | |||
| - | Was heißt das? Will damit der Apostel uns einfach sagen, dass er Christum besitze, dass Er sein Leben geworden sei? Das liegt ja unverkennbar auch in dem Wort. Aber es liegt noch viel mehr in diesem kurzen und doch so inhaltsreichen Satz. Verwundert Euch nicht, ruft er uns gewissermaßen zu, dass ich so geredet habe, dass mir Christi Verherrlichung so über Alles geht, dass mir darüber mein Leben und mein Tod geringfügig erscheinen! Alles, was für mich Leben ist und heißt, das fasst sich in Ihm, in Christo, zusammen. Ich kenne kein anderes Leben als Ihn, und deswegen ist mein Leben nur insoweit Leben, als es Ihm gehört, Ihm dient, Ihn verherrlicht. Und, weil der Tod mich nicht von ihm scheidet, sondern mich zu seinem vollen Anschauen bringt, weil ich ihn sehen soll, wie er ist, deswegen ist Sterben mein Gewinn. Darum verliere ich nicht nur nichts durch das Sterben, sondern ich gewinne unendlich. Denn Alles, worin mein Leben bestanden hat und besteht, nämlich Christus, der bleibt mir, und bleibt mir nicht nur, sondern wird mir völliger und ungetrübter zu Teil. Darum ist Sterben mein Gewinn! O heilige Logik des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, wie unverständlich bist du dem fleischlichen, | ||
| - | |||
| - | Lasst mich an zwei Stellen erinnern, die uns noch klarer machen, was in diesen Worten des Apostels ausgesprochen liegt! Die eine derselben lesen wir in unserm Brief, Kap. 3,7-11. Da heißt es: „Aber, was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet, ja, ich achte auch noch Alles für Schaden um des Überschwangs willen der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich Alles daran gegeben habe und achte es für Unrat, auf dass ich Christum gewinne, und in Ihm erfunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Wie viele Fragen lassen sich auf Grund dieses Wortes „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“ an die Herzen stellen?! Freund, ist der Tod noch das Schrecklichste, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Neviandt, | ||
| - | **Desselben gleichen, ihr Jungen, seid untertan den Ältesten. Allesamt seid unter einander untertan und haltet fest an der Demut. Denn Gott widersteht dem Hoffärtigen, | ||
| - | 1. Pet. 5,5-7 | ||
| - | |||
| - | Meine Brüder! Wir haben in unserem vorliegenden Wort eine wichtige Ermahnung des Apostels Petrus zur Demut und zum Vertrauen vor uns, und auch unser Wort zeigt, wie diese beiden christlichen Tugenden so innig miteinander zusammenhängen. Zugleich findet sich auch die Begründung der Ermahnungen. | ||
| - | |||
| - | Unmittelbar vorher geht das herrliche Wort der Ermahnung an die Ältesten und Vorsteher, die berufen sind, die Gemeinde zu weiden und Aufsicht zu halten. Nun wendet sich der Apostel an die ganze Gemeinde und zunächst an die Jüngeren. Es ist also ein ausdrückliches Gebot des Herrn, das zunächst an die Jüngeren ergeht. „Ihr Jüngeren, seid untertan den Ältesten.“ Es ist ein wichtiger Zug, der durch das ganze Wort Gottes hindurchgeht, | ||
| - | |||
| - | Wenn wir fragen, wie sich das Untertansein zeigen wird, so liegt es auf der Hand, dass die eigentliche Grundlage desselben das gegenseitige Vertrauen ist, das die Ältesten mit den Jüngeren und die Jüngeren mit den Ältesten verbindet. Wo das vorhanden ist, da bedarf es nicht vieler Regeln; da wird man selbstverständlich für die Ratschläge und die Ermahnungen Solcher, die mehr Erfahrung und Einsicht haben als man selbst hat, offen sein und sich gegenseitig austauschen und Handreichung tun. Meine Lieben. Wer dazu beiträgt, dieses Vertrauen zu untergraben, | ||
| - | |||
| - | Und nun begründet der Apostel seine Ermahnungen mit dem Wort: „Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, | ||
| - | |||
| - | O, meine Brüder, so oft ein Sünder gebrochenen Herzens zu ihm kommt, da sind seine Arme offen. Und wie macht es der Herr seinen Kindern gegenüber? So treulich er sie demütigt, wenn sie es bedürfen, so freundlich und gnädig tröstet er sie, wenn sie sich vor ihm demütigen. | ||
| - | |||
| - | Der Apostel führt uns nun in dem folgenden Vers auf die eigentliche Wurzel der wahren Demut auch den Menschen gegenüber hin, indem er seine Brüder ermahnt: „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ Um vor Menschen sich wahrhaft zu demütigen, muss man sich vor Gott beugen können. Und wer sich vor Gott beugt, sieht auch in dem, was ihm von Menschen an Demütigungen widerfährt, | ||
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| - | O, meine Lieben! Es ist Gnade, wenn ein Mensch sich unter die gewaltige Hand Gottes demütigen kann und demütigt, und zwar nicht bloß so, dass er sich in das Unvermeidliche schickt, weil er nichts machen kann, sondern wenn sein Wille, sein Herz sich den Weg Gottes wohlgefallen lässt, wenn er sich das Ohr und die Augen öffnen lässt, um zu erkennen, was der Herr mit seinen Wegen an ihm erreichen will. Dagegen gibts nichts Traurigeres, | ||
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| - | Das ist ein wichtiges Wort „zu seiner Zeit.“ Unsere Zeit, unter irgendeiner Prüfung oder Heimsuchung hinwegzukommen, | ||
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| - | Liebe Freunde! Das ist eine Verheißung, | ||
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| - | Es gibt Sorgen, die kann man Menschen nicht sagen; aber dem Herrn kann man alles sagen. Menschen, auch liebe Menschen, können wohl einmal unser Vertrauen missbrauchen, | ||
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| - | Die geistlichen Sorgen können oft noch mehr drücken als die äußeren. Welche Rolle spielten z. B. die Sorgen um alle Gemeinden in dem Leben des Apostels Paulus! Solche Sorgen können auch heute noch die Herzen von Predigern und Vorstehern von christlichen Gemeinden bewegen. Aber es heißt: Alle Sorgen werft auf ihn. Das rechte Werfen schließt in sich, dass man die Sorgen nicht wieder mitnimmt vom Herrn, sondern sie bei ihm lässt. | ||
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| - | Der Zusatz ist besonders tröstlich: „Denn er sorgt für euch.“ Ihm liegts am Herzen für euch. Ihm liegen unsere Angelegenheiten mehr am Herzen als uns selbst. An unserer Seligkeit liegt ihm viel mehr als uns selbst. Glauben wir das recht von Herzen, dann können wir getrost unsern Weg ziehen, auch wenn es nicht an Nöten und Schwierigkeiten fehlt. Amen. | ||
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| - | ---- | ||
| - | ======Murray, | ||
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| - | Dieses Büchlein ist eine Frucht der Konferenz, welche am 14. und 15. Juni des Jahres 1876 zu Tulbagh gehalten wurde. Auf dieser Konferenz beschäftigte uns nämlich das Wort: „Wachset in der Gnade!“ Wir durften es erfahren, wie durch den Umgang der Kinder Gottes mit ihrem Herrn und unter einander die Herzen zu brennen anfingen und mehr als einem, auch den Verfasser, gegeben wurde, die Herrlichkeit der Gnade Gottes so wie nie zuvor zu schauen. | ||
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| - | „Ich wusste nicht, dass es so viel Gnade gibt,“ sagte bei ihrer Abreise eine Schwester, welche noch am Abend zuvor länger geblieben war, um ihre Not zu klagen. Und unwillkürlich floss dieses selbe Wort aus manchem Mund: „Ich wusste nicht, dass es einen solchen Überfluss an Gnade gibt.“ Der Segen aber, welchen wir bei der Betrachtung der wunderbaren Gnade Gottes empfangen, erregte in mir das Verlangen, auch Anderen etwas von demselben mitzuteilen und sie zu dem Zweck mit dem bekannt zu machen, was die Schrift über dieses Wort lehrt. Mit diesem Verlangen aber verband sich noch ein anderer Gedanke. | ||
| - | |||
| - | Das Thema unserer Betrachtung zu Tulbagh: „Wie kann man in der Gnade wachsen und zunehmen? | ||
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| - | Auch dachte ich an andere Orte, an denen ich in den beiden letzten Jahren, im Verein mit anderen Brüdern, in besonderer Weise arbeiten durfte, an denen wir die große Freude hatten, dass nicht Wenige zu dem Herrn gebracht wurden. Vor allem denke ich an Graaff-Reinet, | ||
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| - | Das Wachsen in der Gnade ist einer der schwächsten Punkte in dem Leben manches wahren Christen. Zwar denkt er oft daran, er verlangt danach, ja er betet darum, aber es ist, als wolle es ihm nicht glücken. Und diese Tatsache erklärt sich vor allem daraus, dass er nicht weiß, von wem er das Wachsen erwarten und wie er der Zunahme teilhaftig werden kann. | ||
| - | |||
| - | Nichts geht so leicht vor sich als das Wachsen, wenn nur die Bedingungen dazu vorhanden sind. | ||
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| - | Sieh nur einmal auf ein Kind! Ohne alle Mühe, ganz von selbst wird es groß. Es ist gesund, hat Speise, um zu essen, atmet die frische Luft ein, spielt und bewegt sich den ganzen Tag, schläft, wenn es müde ist und wächst, ohne dass jemand für sein Wachsen etwas tut. Ein gesundes kräftiges Leben ist die erste Vorbedingung jeglichen Wachstums. Und da kein Leben so gesund und kräftig ist, als das Gnadenleben denn es ist Gottes Leben in uns sollten und müssten eigentlich keine Kinder so gesund und kräftig wachsen, als Gottes Kinder. Ihr Leben ist ja ein Leben, welches mit göttlicher Kraft wächst und zunimmt. | ||
| - | |||
| - | Nun ist es offenbar dringend nötig, dass jeder Christ dies wisse, damit er sich nicht vergeblich abmühe, durch seine eigene Tätigkeit innerlich zu wachsen, vielmehr freudig der Gnade sich anvertraue in der Gewissheit, dass sie sein Wachstum bewirken will. Je mehr er mit dem bekannt wird, was Gnade ist und tun will mit ihrer freien freundlichen Güte, welche niemals nach Würdigkeit fragt, mit ihrer göttlichen Allmacht, welche alles in uns vermag, mit ihrer treuen Ausdauer, welche nicht eher ablassen will, als bis ihr Werk vollbracht ist, desto mehr wird er ihr alles überlassen und durch diesen Glauben wachsen und zunehmen. Die erste Vorbedingung alles Wachstums ist ein gesundes kräftiges Leben. Nur wo sich dieses findet, kann von den anderen Bedingungen die Rede sein. Wir kennen dieselben. Es sind: Speise, Luft, Bewegung und Ruhe. | ||
| - | |||
| - | Das Gnadenleben muss seine Speise haben: das Wort der Gnade und in demselben den Herrn Jesus selbst, das Wort des Lebens. | ||
| - | |||
| - | Es muss seine frische Luft haben. Im Gebet, durch welches es dem Thron der Gnade naht, und durch den Geist der Gnade muss es die reine Luft des Himmels einatmen. | ||
| - | |||
| - | Es muss Bewegung haben. Das Gnadenleben darf nicht untätig bleiben, sondern muss sich in Gehorsam gegen Gottes Willen, in der Arbeit seines Dienstes üben. | ||
| - | |||
| - | Gesundes Leben bedarf weiterhin der Ruhe nicht weniger, als der Bewegung. Das Gnadenleben findet die Kraft zum Wachsen vor allem in dem Frieden und in der Ruhe, welche der Glaube uns gibt, durch welche wir frei von Furcht und Sorge sind. | ||
| - | |||
| - | Rechnet man nun zu diesen Bedingungen noch die Pflicht, abzuwehren, was schaden kann und sich von allem rein zu halten, was der Gesundheit nicht zuträglich ist, so hat man alles, was zum Wachsen nötig ist. Von dem Einen und Andern hoffen wir in unserem Büchlein auf Grund des Wortes Gottes noch näher zu reden. | ||
| - | |||
| - | Die Hauptsache ist und bleibt indessen die Tatsache, dass die Grundursache alles Wachstums ein gesundes und kräftiges Leben ist. So ist denn auch die Grundursache alles geistlichen Wachstums, die Kenntnis des gesunden, kräftigen, göttlichen Lebens, welches die Gnade uns übermittelt hat und selbst in uns erhalten will. | ||
| - | |||
| - | Liebe junge Christen, an deren Herzen ich in den verflossenen Jahren arbeiten durfte, und ihr alle, die ihr in letzter Zeit euren Heiland kennen gelernt habt, ich bringe euch eine herrliche Botschaft: Die Gnade ist weit reicher, als wir geahnt haben. Darum kommt und lernt sie kennen! Geht mit mir zu Gottes Wort, um aus demselben zu entnehmen, was sie für uns tun will! | ||
| - | |||
| - | Entsagt aller Anspannung eigener Kraft, aller Sorge, aller Furcht und allem Zweifel! Und überlasst das Wachstum eures inneren Lebens fröhlich der unendlichen Gnade, welche alles in uns vollbringen will. | ||
| - | |||
| - | Meine Lieben! Ich reiche euch dieses Büchlein mit herzlichem Brudergruß und dem feurigen Gebetswunsch, | ||
| - | |||
| - | Andreas Murray. | ||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | 2. Kor. 9, 8. \\ | ||
| - | **Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. ** | ||
| - | |||
| - | Welch eine unerschöpfliche Verheißung! Und doch gibt es Christen, die nicht einmal wissen, dass sie in der Bibel steht! Ja, was noch schlimmer ist, es gibt gar manchen, der es weiß, aber keine Zeit finden kann, um sich einmal einen Augenblick still hin zu setzen und sich an diesem herrlichen Schatz zu erfreuen, welchen sein Gott hier für ihn niedergelegt hat. Es ist, als ob der Heilige Geist nicht Worte genug finden könnte, um es uns deutlich zu machen, dass in der Tat für uns an Gnade kein Mangel sein kann. Dreimal wird das Wort „alle“ und zweimal das Wort „reich“ in diesem einen Vers gebraucht. Die beste Auslegung wird die sein, dass wir den Vers Wort für Wort betrachten und zu erklären suchen. Der Heilige Geist aber, der Geist der Gnade, lege uns selbst den Reichtum dieses Wortes aus! | ||
| - | |||
| - | „Gott kann machen“, welch herrlicher Gedanke! Wenn von der Wirkung der Gnade Gottes auf euch die Rede ist, muss nichts Geringeres als die Allmacht Gottes der Grund und das Maß eurer Erwartungen sein. | ||
| - | |||
| - | „Allerlei Gnade“, nicht etwa bloß etwas, oder ein wenig von Seiner Gnade, sondern allerlei Gnade - ja, alles, was du von Seiner Gnade nur nötig haben kannst, oder zu tragen im Stande bist. | ||
| - | |||
| - | „Dass sie reichlich sei.“ Er gibt also nicht allein genug, um auszukommen, | ||
| - | |||
| - | „Unter euch“, nicht für euch, sondern in der Tat unter euch, in eurer nächsten Nähe und persönlichsten Erfahrung. | ||
| - | |||
| - | „Dass ihr in allen Dingen“, unter allen Umständen, in jedem Zustand, in welchen ein Christ kommen kann, zu jeder Zeit, keinen Augenblick eures Lebens ausgenommen, | ||
| - | |||
| - | „Volle Genüge habt,“ ohne Furcht, je in Mangel geraten zu können, je zu kurz zu kommen oder in Zukunft nicht genug zu haben. | ||
| - | |||
| - | „Zu allerlei guten Werken“, nicht dann und wann zu einem einzelnen guten Werk, als zu etwas Besonderem, sondern zu allerlei guten Werken, zu welchen euch Gott ruft, sollt ihr bereit, ja | ||
| - | |||
| - | „Reich sein“, so dass übereinstimmend alle Gnade unter euch reichlich sei und ihr reich seid zu allen guten Werken. | ||
| - | |||
| - | O! Wie selig ist doch solch ein Leben in der Gnade Gottes mit der überströmenden und allmächtigen Gnade als dem Brunnen, aus welchem unser Leben und Wirken quillt. Allerlei Gnade, in allen Dingen, mit vollem Genügen, zu allerlei guten Werken! | ||
| - | |||
| - | Warum aber erfahren wir Christen so wenig davon? Die Antwort des Herrn Jesus ist deutlich: „Um eures Unglaubens willen.“ Der Glaube hält sich an Gottes Macht, wie von Abraham geschrieben steht: „Er ward stark im Glauben, gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste, | ||
| - | |||
| - | Das ist das Geheimnis des Glaubenslebens, | ||
| - | |||
| - | Nun weiß ich es. Gott kann es vollbringen, | ||
| - | |||
| - | Nun will ich danach trachten, das Wort Gottes zu untersuchen und zu vernehmen, was es mir über die Gnade sagt. Von der Gnade muss ich ja als ein Gotteskind alles erhalten. Werde ich mit ihr bekannt, lernte ich mit ihr umgehen, erlange ich ihre Gunst, übergebe ich mich ihr, so dass sie, was sie will, mit mir tun, und was sie vermag, an mir zeigen kann, dann weiß ich bestimmt, dass ich gewisslich ein Christ werde nach dem Sinn Gottes und zur Ehre Christi. | ||
| - | |||
| - | „Wachset in der Gnade!“ Mit diesem Befehl werde ich zu der Gnade selbst gehen und zu ihr sagen, dass ich nichts, sie aber alles tun kann. Und wenn sie dann mit solchen Verheißungen sich mir zuwendet, wie ich sie diesen Morgen gelesen habe, dann will ich dieselben ist meinem Herzen aufnehmen, bewahren und überdenken, | ||
| - | |||
| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | 2. Petri 1,2-4. \\ | ||
| - | **Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres Herrn! Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich dass ihr durch dasselbe teilhaftig werdet, der göttlichen Natur.** | ||
| - | |||
| - | „Gott gebe euch viel Gnade!“ Dieser Zuruf steht an dem Anfang des Briefes, welcher mit der Ermahnung endigt: | ||
| - | |||
| - | „Wachset in der Gnade!“ Wenn die Seele weiß, dass die Gnade vermehrt werden soll, bekommt sie Mut und Kraft zum Wachstum. Das rechte Verständnis dieses Wortes Petri trägt zu unserem Wachsen in der Gnade entschieden bei. Es lehrt uns, den Maßstab und das Mittel der Gnadenvermehrung zu erkennen. | ||
| - | |||
| - | Der Maßstab wird uns angegeben in dem Wörtlein „nachdem“. Gott gebe euch viel Gnade, nachdem, in dem Maße wie euch allerlei Seiner göttlichen Kraft geschenkt ist, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, in dem gleichen Grade, in dem euch die größten und teuren Verheißungen geschenkt sind. Die Gnade ist der unaussprechlich reiche Schatz, in welchem alles, was zum Leben und zur Gottseligkeit gehört, uns bereits geschenkt ist, darunter auch die teuren Verheißungen, | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ! Suche doch zu verstehen, was dein Gott für dich bereit hält! Seine göttliche Kraft hat dir bereits alles geschenkt, was zu einem Leben in Gottseligkeit gehört, auch die teuren Verheißungen, | ||
| - | |||
| - | Gottes Kraft hat alles geschenkt. Gottes Gnade will alles übermitteln und innerlich dir zueignen. So reich und überströmend, | ||
| - | |||
| - | Das Mittel aber, durch welches Gnade vermehrt wird, wird uns in diesem Spruch dreimal angegeben. Gott gebe euch viel Gnade „durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres Herrn.“ Nachdem allerlei Seiner göttlichen Kraft uns geschenkt ist „durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat“, durch „welche Erkenntnis uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind.“ Es ist die Erkenntnis Gottes und des Herrn Jesus, durch welche die Gnade gemehrt wird. Jerem. 9,24 (23); Joh. 17,3; Phil. 3,8; Ephes. 4,13; Phil. 1,9. | ||
| - | |||
| - | Es kann ja auch gar nicht anders sein. Gnade ist ja nicht etwas, ein bestimmtes Ding, welches Gott gesondert von Sich selbst geben kann, so wie ich ein Stück einem Armen. Nein, die Gnade ist in Gott und Christus, von ihnen untrennbar. Sie ist das Leben der göttlichen Liebe, welches in Christo dem schuldigen Sünder zugänglich geworden, und kann allein in der lebendigen Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn genossen werden. Darum ist die Erkenntnis des Herrn Jesus und durch Ihn die Erkenntnis des Vaters das sichere Mittel zur Vermehrung der Gnade. | ||
| - | |||
| - | Darum suche den Herrn Jesus recht zu erkennen, lieber Christ! Such ihn in Seinem Wort! Folge ihm auf Seinem Weg nach! Pflege den Gebetsumgang mit Ihm! Rechne auf den Heiligen Geist, dass Er Ihn in dir verkläre, dass Er dich erleuchte, dass Er es dir klar und deutlich mache, was Jesus für dich ist! Dann wirst du es zu sehen bekommen, dass Jesus voll von Gnade ist, nichts als Gnade, und dass alle diese Gnade tatsächlich und ganz gewiss für dich da ist. Diese Erkenntnis wird dein Verlangen wachrufen, dein Herz öffnen, deinen Glauben stärken. Die Gnade aber, welche du in Jesu siehst, wird dir zuströmen. Und dann wirst du in Ihm auch den Vater kennen lernen, als den Gott aller Gnade. Du wirst mit der Herrlichkeit und dem Reichtum Seiner Gnade so bekannt werden, dass sie dich beeinflussen müssen. Du wirst es erfahren, dass die Gnade sich dermaßen nach dem Sünder sehnt, denn sie hat keine Ruhe ohne ihn und ihre einzige Freude an ihm - dass sie sofort bereit ist, von jeder Seele, welche für sie nur empfänglich ist, Besitz zu ergreifen. Ach, dass doch die verkehrten Gedanken, welche wir uns über unseren Gott und den Herrn Jesus machen, verschwinden möchten! Lasst uns sehr um geöffnete Augen beten! Ephes. 1,17. Durch die Erkenntnis Gottes und des Herrn Jesus wird die Gnade sofort vermehrt. | ||
| - | |||
| - | Das Wort Petri ist eine Bitte. Ach, dass wir es zu unserem Gebet machen möchten: Viel Gnade! Mehr Gnade! Vermehrte Gnade! | ||
| - | |||
| - | Das Wort ist zugleich eine Verheißung, | ||
| - | |||
| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | 2. Kor. 13,13. \\ | ||
| - | **Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.** | ||
| - | |||
| - | Dieser Segenswunsch enthält eine Offenbarung der verborgenen Wirksamkeit der Dreieinigkeit zu unserer Erlösung. Er zeigt uns die Stelle, welche die Gnade in dem Haushalt des dreieinigen Gottes einnimmt. | ||
| - | |||
| - | „Die Liebe Gottes“ heißt es hier. Liebe wird also dem Vater zugeschrieben, | ||
| - | |||
| - | „Die Gnade unseres Herrn Jesu.“ Gnade wird also dem Sohn zugeschrieben. Unter Gnade aber verstehen wir die Tätigkeit der göttlichen Liebe, durch welche sie im Verein mit Seiner Gerechtigkeit den Menschen aus Sünde und Tod erlöst hat. Gottes Gerechtigkeit ist die Glut der göttlichen Liebe. Sie verzehrt alles, was mit der Heiligen Liebe in Streit ist. In der Glut der Liebe schmilzt sie mit dem Geliebten zusammen. Zugleich aber verzehrt sie auch alles, was dieser innigen Vereinigung hindernd im Weg steht. Die verzehrende Glut der Liebe - das ist die Gerechtigkeit. Tatsächlich sind beide ein und dasselbe; dem schwachen Auge des Geschöpfes aber scheinen sie im Streit mit einander zu sein, da ja die Liebe festhält und segnet, die Gerechtigkeit aber abstößt und verzehrt. Dieser scheinbare Streit wird für den sündigen Menschen in der Gnade aufgehoben. Denn Gnade ist die wunderbare Vereinigung von Liebe und Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Dies ist nun der Grund, aus dem die Gnade vor allem dem Herrn Jesus zugeschrieben wird. Die Gnade ist Gottes Gnade. Weil aber der Vater Seine Gnade in Seinen Sohn gesenkt und dieselbe in Ihm uns kund getan, darum sagen wir: „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi.“ | ||
| - | |||
| - | „Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes.“ In der Gottheit ist der Heilige Geist das Band der Gemeinschaft, | ||
| - | |||
| - | Nun wissen wir, warum die Gnade unseres Herrn Jesu Christi an erster Stelle steht. Sie ist für den Sünder der Grund und Anfang von allem Anderen. Ist sie doch nicht nur die Gabe, welche des Vaters Liebe reicht, sondern auch der Zugang zu dieser Liebe des Vaters, des Gottes aller Gnade. Sie ist der Brunnen, aus dem die Gemeinschaft des Heiligen Geistes quillt, wie der Heilige Geist, als Geist der Gnade, es ist, durch welchen uns alle Gnade zuströmt. | ||
| - | |||
| - | So drückt denn das eine Wort, „Gnade“ den ganzen Umfang der Tätigkeit aus, welche die göttliche Liebe in der Person Jesu zu unserer Seligkeit entfaltet: zunächst in dem Gnadenratschluss der Erlösung, den der Herr in der Ewigkeit gefasst, danach in der Gnadentat unserer Versöhnung, | ||
| - | |||
| - | Lieber Christ! Zum Genuss aller dieser Güter will dich der Herr Jesus führen. Er ist die Türe und der Eingang, durch welche du treten musst. Darum trachte vor allem danach, das Wort zu verstehen: „Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch.“ Willst du aber dieses Wort verstehen, so lebe in Ihm! „Gnade sei mit Euch“, ruft Er dir zu. Die Gnade will also dein Leben sein; zu allen Zeiten, an jedem Ort, in allen Dingen und zu allen Zwecken will sie, die Gnade Jesu, mit dir sein. nimm dieses Wort mit einem gläubigen Gemüte auf, gib dich ihm völlig hin und gib der Gnade die Gelegenheit, | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ! Nimm aus dem Wort, welches wir eben betrachtet haben, den Segen des dreieinigen Gottes: „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch, Amen,“ mit einem fröhlichen betenden Herzen an und bewahre ihn als deinen kostbarsten Schatz. | ||
| - | |||
| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Titus 2,11. \\ | ||
| - | **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt (unterweist, | ||
| - | |||
| - | Die seligmachende Gnade unterrichtet uns. Sie wirkt nicht auf uns ein, als wären wir unwissend und vernunftlos, | ||
| - | |||
| - | Ich habe mehr als einen Lehrer kennen gelernt, welcher immer klagt, er sage den Kindern, was sie tun müssen, aber sie wollten nicht auf ihn hören. Er wusste nicht, dass dies gerade ein Beweis dafür war, wie wenig geschickt er für seine Arbeit sei. Ein rechter Lehrer ist ein Mann, der den Kindern nicht allein sagt, was sie tun sollen, sondern auch sieht, ob sie es tun, und sie lehrt, wie sie es zu tun haben. Ein solcher Lehrer aber ist die Gnade. In der Zeit des alten Bundes war das Gesetz der Lehrmeister. Gal. 3,24. Aber dieser konnte weiter nichts sagen, als dies: Du sollst und du sollst nicht. Das Gesetz hat niemanden gelehrt, die Gerechtigkeit zu erfüllen. Seit der Zeit des neuen Bundes hat die Gnade die Erziehung der Kinder Gottes in ihrer Hand. | ||
| - | |||
| - | Sie löst ihre Aufgabe, nicht wie das Gesetz es versucht mit Härte und Strenge, sondern mit unbegreiflicher Sanftmut. Und sie lehrt in der Tat, das zu tun, was sie verlangt. Sie sendet in unser Gemüt Strahlen himmlischen Lichtes. Sie erfüllt unser Herz mit himmlischer Freude. Sie stärkt unsere Seele mit himmlischer Kraft und teilt uns wirklich aus ihrem Schatz alles mit, was wir nötig haben. | ||
| - | |||
| - | Und wenn wir nun wissen wollen, wie wir in der Gnade wachsen sollen, so müssen wir einfach an das Denken, was man in jeder guten Schule sehen kann. Wie wenig zerbricht sich doch ein Kind den Kopf über die Fortschritte, | ||
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| - | Welch herrliches Abbild der Art und Weise, wie es in Gottes Gnadenschule gehen muss! Junge und alte Christen beklagen sich so oft, dass sie in der Gnade nicht vorwärts kommen können. Sie wissen, dass es Gnade gibt, allein dieselbe scheint ihnen zu hoch, zu entfernt, ja völlig unzugänglich zu sein. Oftmals quälen sie sich geradezu und geben sich außerordentliche Mühe, zuzunehmen, ohne dass es ihnen glückte. Und warum glückt es ihnen nicht? Sie vergessen, dass sie in der Gnade selbst den allerbesten Lehrer haben, zu dem sie in jedem schwierigen Fall gehen und von dem sie getrost sagen können: „Er führt uns durch alles hindurch.“ | ||
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| - | „Die seligmachende Gnade unterrichtet uns.“ Lieber junger Christ, behalte dieses Wort! Dein Wachstum und Fortschritt in geistlicher Erkenntnis und Kraft ist der Gnade anvertraut. Sie will dich Tag für Tag unterrichten. Sie will dich in jedem Augenblick leiten und lenken. Sie will über die kleinste Kleinigkeit, | ||
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| - | Nur zwei Dinge verlangt sie von dir. Das Eine ist, dass du auf sie vertraust und ihr die Ehre gibst. Tu dies, indem du Gott Tag für Tag dafür dankst, dass Er sie dir gegeben hat! Hege und pflege die bestimmte Erwartung, dass sie dich reichlich und mit Überfluss segnen wird! Lass deine Seele sich von aller Unsicherheit zu dem fröhlichen Vertrauen erheben: Ich bin bei der seligmachenden Gnade in der Schule, sie muss dafür sorgen und wird dafür sorgen, dass ich in der Gnade und Erkenntnis des Herrn Jesus wachse. | ||
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| - | Das zweite ist, dass du ihr gehorsam bist. Lerne kindlich Tag für Tag deine Aufgabe, jede Aufgabe, die sie dir gibt, auch die kleinste! Gib dir Mühe, ihre Stimme durch Stille und Aufmerksamkeit zu vernehmen! Sie wird dir sagen, ob etwas dem Herrn angenehm oder unangenehm ist. Verschmähe um alles in der Welt ihren Unterricht nicht! Lass dich von ihr unterrichten durch das Wort Gottes, welches sie dir erklärt, durch dein Gewissen, in welchem sie zu dir spricht, durch die Erfahrungen aus der Welt der Vorsehung, welche dir zu Teil werden, durch den Einfluss deines Nächsten auf dich, oder wodurch sie auch sonst noch dich zu belehren sucht! In allem betrage dich so, wie es sich für einen Schüler der Gnade ziemt! Wenn du das tust, kann ihr Unterricht nicht vergeblich sein, wird sie dich tüchtig fördern und zu einem wahrhaft vor Gott gelehrten Mann machen. | ||
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| - | Schenkst du ihr dieses Vertrauen und diesen Gehorsam, so hast du nichts zu fürchten. Und wenn du unter ihrer Leitung eine neue Wahrheit in dem Wort Gottes entdeckst, oder eine alte Wahrheit mit neuer Klarheit erkennst, so nimm dies als einen Segen Gottes hin. Bete und erwarte, dass die Gnade durch Herbeiführung eines immer tieferen Verständnisses die Wahrheit in dem Herzen lebendig werden lässt! Und wenn du dies nicht sofort fühlst, bleibe nur treu in dem, was deine Aufgabe als Schüler ist! Gehe immer treuer mit dem Lehrbuch um, welches die Gnade dir in die Hand gab, mit dem Wort der Gnade! Denke an das, was dieses Wort dir sagt, und denke darüber nach! Das ist deine Aufgabe. Gottes Gnade wird dafür sorgen, dass es in dir Licht, Leben und Kraft wird. Sie bewirkt dies in deinem Innersten durch die Übermittlung der Erkenntnis dessen, was Gott will. Durch diese Erkenntnis wird fortwährend die Gnade vermehrt. Zuletzt wirst du sehen, wie du dich ihr ganz und gar übergibst, wie dir ein herrlicher Unterricht erteilt wird, an den du nimmer gedacht, von dem du gar nichts geahnt. Bist du dann fleißig und eifrig, zu lernen, so wird sie dir dazu helfen, in die höheren Klassen zu kommen und über das nachzudenken, | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Tit. 2, 11-14. \\ | ||
| - | **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes, Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf dass uns erlöste von aller Ungerechtigkeit, | ||
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| - | Erster Punkt. Wir sollen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen. O lieber Christ, verleugne jede Sünde! Dulde keine einzige Sünde - auch nicht die kleinste! Christus ist ja erschienen, dass, gleichwie früher die Sünde geherrscht, von nun an die Gnade das Zepter führe. Darum bringe jede Sünde zur Gnade! Sie wird die Sünde überwinden und töten. Sie ist ja seligmachende Gnade. Sie macht selig, von Sünde los. Was aber von der Sünde gilt, gilt ebenso von den weltlichen Lüsten. O lieber Christ! Verleugne mit der Gottlosigkeit auch alle weltlichen Lüste! Willst du aber ernstlich wissen, was weltliche Lüste sind, die Gnade wird es dir kund tun. Sie wird die himmlische Gesinnung in dir hervorrufen, | ||
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| - | Die zweite Aufgabe ist die, dass wir züchtig, gerecht und gottselig leben sollen in dieser Welt. Darum lebe züchtig und mäßig, lieber Christ! Trachte nicht danach, so viel zu besitzen und zu genießen, als dir nur irgendwie möglich ist! Frage dich nicht stets: Was ist mir erlaubt? Selbst das Erlaubte kann dir sehr gefährlich werden. Lebe vielmehr züchtig und mäßig, ruft dir die Gnade zu, und zwar nicht nur leiblich im Essen, im Trinken und in der Kleidung; nein, lebe auch züchtig und mäßig im Besitz und Gebrauch alles dessen, was Gott dir gibt, selbst im Gebrauch geistiger Gaben, in dem Genuss, welchen Freundschaft mit sich bringt und Glück zu bieten vermag. Röm. 12,3; 2. Kor. 10,13-14; Matth. 10,37-39; 16,24; Luk. 21,34; 1. Kor. 7,29-31; 1. Tim. 6,6-9. Wer auf der Reise an seinem Weg zu viele Blumen pflücken will, kommt nicht recht vorwärts. Ein schwer beladener Soldat ist nicht zum Kampf geschickt. 1. Kor. 9,25; 2. Tim. 2,4. | ||
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| - | Die Gnade aber lehrt, dass ein Herz, welches von ihr voll geworden ist, alles fahren lassen kann, und dass dieses Herz, wenn es ihr kindlich folgt, auch lernt, worauf es verzichten muss. | ||
| - | |||
| - | Und weiterhin, lieber Christ, lebe gerecht! Trachte nach Gerechtigkeit in dem Umgang mit deinem Nächsten! Dein Wort sei lauter und rein wie Gold; deine Losung: " | ||
| - | |||
| - | Zum dritten, lieber Christ, lebe gottselig! Bei dieser Mahnung hat der Herr die Gesinnung im Auge, welche du Gott gegenüber haben musst. Und diese Gesinnung kannst du bei der Gnade lernen. Je mehr Gnade du in dich aufnimmst, desto mehr zarte, ehrerbietige Gottesfurcht strömt dir zu, welche als eine Gabe aus der Höhe der köstlichste Schmuck des Begnadigten ist; das Zeichen davon, dass der Unendliche in dem Innersten seines Kindes eingekehrt und dass demselben diese Einkehr des Unendlichen zum Bewusstsein gekommen ist. | ||
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| - | Die dritte Aufgabe ist die, dass wir auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi warten sollen. Darum lebe in der Hoffnung, lieber Christ, dem Herrn Jesu noch zu begegnen! Jede Schule hat ein Endexamen. Ist dasselbe bestanden, so ist die Zeit des Unterrichts vorbei. Auf dieses ermutigende Ziel weist darum jeder Lehrer gern hin. Nicht anders die Gnade. Die seligmachende Gnade verweist auch auf ein vor uns liegendes Ziel, auf den Heiland, auf die selige Hoffnung, Ihn zu sehen und bei Ihm zu sein. Die Gnade ist bereits erschienen. Die Herrlichkeit aber wird erst noch erscheinen. Gnade und Herrlichkeit sind beide in Jesu allein. Ein Unterschied aber besteht. So lange wir unter der Gnade stehen, sehen wir alles wie durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, sobald aber die Herrlichkeit erscheint, sehen wir Ihn von Angesicht zu Angesicht und sind wir Ihm gleich. Darum sagt auch die Gnade: Erwarte den Herrn Jesus! | ||
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| - | Die vierte Aufgabe behandelt das Thema, dass Jesus Christus Sich selbst für uns dahin gegeben, auf dass Er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte Ihm selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken. Darum lebe, lieber Christ, in dem Glauben an den, der sich für dich dahingegeben hat. Gal. 2,20; 2. Kor. 5,15. In Ihm hast du, worauf dein Vertrauen sich gründet, was dir die Gewissheit gibt, erlöst zu sein, und was dir die Kraft zur Heiligung verleiht. Er ist der Brunnen, aus dem deine Liebe quillt, die Richtschnur deines ganzen Lebens. Das ist und bleibt der Hauptpunkt in dem Unterricht der Gnade: Er gab Sich für dich hin, um dich für Sich zu besitzen, Er erlöste dich und andere von aller Ungerechtigkeit, | ||
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| - | Was sind das für herrliche und wichtige Aufgaben! Lasst uns freudig darauf rechnen, dass die Gnade uns durch ihren seligmachenden Unterricht zu einem gründlichen Verständnis dieser himmlischen Wahrheiten führen wird! Glücklich ist der Christ, der sich von Herzen von der Gnade unterrichten lässt! Sie unterrichtet uns nicht das durch, dass sie uns sagt, was wir sein sollen - das tat ja das Gesetz, ohne dass wir es gelernt hätten. Nein, die Gnade lehrt uns wirklich, zu sein, was wir sein sollen, denn sie wirkt selbst in dem willigen Schüler, was sie verlangt. Sie öffnet die Lebensschätze himmlischer Kräfte, welche in Jesu liegen, und teilt durch ihren Unterricht aus dem Heiligtum mit, was ihr anvertraut ward. O wie reich bist du, himmlische Gnade! Wie glücklich ist der Mann, den du unterrichtest! Wer sollte sich dir nicht anvertrauen wollen? Muss doch der Einfältigste Mut schöpfen, wenn er weiß, dass seine Ausbildung in deiner Hand liegt. | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | **Der Herr bekannte sich zu dem Wort Seiner Gnade. Dass ich vollende das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.** Apostelgesch. 20,24. \\ | ||
| - | **Ich befehle Euch Gott und dem Worte Seiner Gnade. **Apostelgesch. 20, 32. | ||
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| - | Willst du wachsen und zunehmen, so kannst du gesunde Speise nicht entbehren. Ein Christ aber hat seine Speise in dem teuren Wort Gottes, feste Speise für die, welche stark sind, und vernünftige unverfälschte Milch für neugeborene Kindlein, welche durch dieselbe zunehmen sollen. 1. Petri 2,2. Gottes Wort wird mit Recht das Wort Seiner Gnade genannt. Will ich in der Gnade wachsen und stark werden, will ich, dass die Gnade sich in mir mehre und zunehme, so brauche ich mich nur an das Wort der Gnade zu halten. Und denke ich nur einen Augenblick darüber nach, weshalb es so genannt wird, so weiß ich auf einen Schlag, wie ich es anwenden muss. | ||
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| - | In dem Wort Gottes wird die Gnade geoffenbart und kund gemacht. Alle Geheimnisse der ewigen Gnade Gottes, alle Segensschätze, | ||
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| - | Mehr noch! Gottes Wort ist voll von Gnade. Seine Aussprüche sind gnädige Worte. Der Geist der Gnade hat sie eingegeben und ausgesprochen, | ||
| - | |||
| - | Weiterhin wird Gottes Wort von der Gnade benutzt. Die Gnade besitzt kein Mittel, welches geeigneter dazu wäre, sich selbst mitzuteilen, | ||
| - | |||
| - | Auf diese Weise dringt die Gnade durch Gottes Wort in unser Herz. Sie muss uns ja zuströmen, in unserem Herzen überströmen und sichtbar werden. Dies alles geschieht durch Gottes Wort. Lies nur einmal, was die Heilige Schrift über die Wirkung dieses Portes sagt: Joh. 8,31-32; 17,17; Röm. 1,16; 1. Thess. 2,13; 1. Petr. 1,22-23. | ||
| - | |||
| - | Gottes Wort spricht darum nicht nur von Gnade, nein, es übermittelt auch Gnade. Es ist nicht allein gnadenreich, | ||
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| - | Ihr jungen Christen, kommt und hört zu! Ich will euch etwas sehr Wichtiges erklären. Mancher von euch klagt, es sei so schwer für ihn, das Wort Gottes zu verstehen, oft sei ihm Gottes Wort im Kämmerlein zu lesen eine Last und keine Lust. Ihr findet nicht die Freude und erlangt nicht den Segen, den euch eine menschliche Erklärung des Wortes Gottes verschafft, wenn ihr mit diesem Wort allein seid. Es wäre euch lieb, zu erfahren, wodurch dies anders werden kann. | ||
| - | |||
| - | Ich kann es euch sagen. Nehmt Gottes Wort als das Wort der Gnade zur Hand! Das heißt: Bedenkt und glaubt, dass es die ewige, unaussprechlich liebevolle Gnade Gottes ist, die dieses Wort ausgesprochen, | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Hebräer 4,14 u. 16. **Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, lasset uns mit Freudigkeit hinzutreten zu den Gnadenstuhl, | ||
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| - | Zum Wachstum eines Menschen ist frische Luft nicht weniger nötig als gesunde Speise. Für einen Kranken oder Schwachen haben die Ärzte oftmals keinen besseren Rat, als den, ihn in das Hochgebirge zu senden, damit er durch die reine Luft, welche dort weht, gekräftigt werde. Nimmt doch die Esslust daselbst zu und werden doch die Kräfte daselbst herrlich erneut. Nicht anders, wenn ein Christ die Höhen des Gebetslebens erklimmt und die reine frische Luft der Ewigkeit einatmet, welche der geistliche Lebensodem ist. Dann wird sein Wachstum in der Gnade kräftig und gesund. Das Gebet ist ein unentbehrlicher Teil des Gnadenlebens. Aus diesem Grund heißt der Thron Gottes der Gnadenthron. | ||
| - | |||
| - | Der Thron ist der Sitz eines Königs, der Mittelpunkt seines Königreichs, | ||
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| - | Seit dem Augenblick aber, in dem sich der Herr Jesus auf diesem Thron niedergelassen, | ||
| - | |||
| - | „Auf dass wir Barmherzigkeit und Gnade finden.“ Barmherzigkeit ist die Gesinnung, welche sich über die Elenden erbarmt, Gnade ist die Gabe, welche diese Barmherzigkeit schenkt. Aus diesem Grunde konnte David beten: „Sei mir gnädig nach deiner großen Barmherzigkeit!“ Weil Jesus der Hohepriester ist, welcher Mitleid mit uns hat, erlangen wir Barmherzigkeit, | ||
| - | |||
| - | „Auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird.“ Es ist eins von den Gesetzen über die Austeilung der Gnade, dass sie nicht im Voraus geschenkt wird und dass sie nicht aufbewahrt werden kann. Gnade muss vielmehr von Augenblick zu Augenblick frisch empfangen und dann sofort in Gebrauch genommen werden. Gott hilft zu der Zeit, in welcher uns Hilfe not ist. Er kommt weder einen Augenblick zu früh noch einen Augenblick zu spät. Gnade kommt stets im rechten Augenblick. In der Zeit, in der es not ist, das heißt in der Stunde, in der es darauf ankommt, finden wir Gnade. | ||
| - | |||
| - | Gnade ist also zu finden. Es ist ein Ort von Gott bestimmt, an dem die Gnade ganz gewiss zu finden ist. Dieser Ort, welcher unmittelbar unter Gottes Augen und in dem nächsten Bereich seiner Allmacht liegt, ist Gottes Thron. Und dieser Thron mit all seiner Macht und Herrlichkeit ist nicht nur gänzlich von der Gnade eingenommen, | ||
| - | |||
| - | Lieber Christ! Willst du in der Gnade wachsen, so musst du in der Nähe des Gnadenthrones leben. Du musst Zeit finden, absichtlich in die Einsamkeit zu gehen und mit dem Herrn Jesus in Verkehr zu treten, der die Gnade austeilt. Bei dem Gnadenthron wirst du Ihn und in Ihm die Gnade finden. Dann kannst du das Leben, welches du nun einmal in der Welt führen musst, der sicheren Bewahrung der Gnade anvertrauen. Sie wird dich behüten, auch wenn du nicht beten kannst. Sie wird dich auf der andern Seite lehren, auch dann zu beten, wenn du mitten in deiner Arbeit bist. Durch sie wirst du verstehen lernen, dass der Gnadenthron nicht an einen besonderen Ort fest gebunden; sondern überall zu finden ist, als das Band der Geistesgemeinschaft mit Ihm. Sie wird dich auch einsehen lassen, dass die unaufhörliche Gebetsstimmung gerade es ist, welche in unserem Leben uns Anlass und Luft gibt, zu einem absichtlichen besonderen Gebet überzugehen und in demselben anzuhalten. | ||
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| - | Lieber Christ! In deinem Kämmerlein und auf deinen Knien musst du aus der Fülle Jesu Gnade um Gnade nehmen. Und sollte es dir jemals schwer werden, dies zu tun, weil du dich so leer und kalt fühlst, o denke dann nur daran: Zu dem Gnadenthron brauchst du ja gar nichts, als dein Elend zu bringen. An dem Gnadenthron erwartet dich göttliche Barmherzigkeit und überströmender Gnadenreichtum. O blicke nur auf Jesum hin, auf Sein zartes Erbarmen und Seine unverdiente freie Gnade! Tritt freimütig vor Ihn hin! Du wirst Barmherzigkeit und Gnade finden. Dein Gebet ist eine Arbeit, welche nicht unbelohnt bleibt, eine Arbeit, welche du oft gerade dann am besten vollbringst, | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 1. Kor. 15,10. \\ | ||
| - | **Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. ** | ||
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| - | Wer wachsen und zunehmen will, hat nicht allein gesunde Speise und frische Luft nötig, sondern vor allem auch Bewegung und Tätigkeit. Nur durch Tätigkeit wird unsere Kraft entwickelt. Wer größere Kraft besitzen möchte, muss in der Anwendung der geringeren, die er bereits hat, treu sein. Das gilt in dem Bereich der Gnade, wie in dem der Natur. Gedankenkraft nimmt ebenso, wie Naturkraft, durch ihre Anwendung zu. Das war mit Paulus der Fall. In dem herrlichen Wort der Überschrift unseres Abschnittes verbindet er Gnade und Arbeit und gibt er uns die doppelte Lehre: Gott verleiht keine Gnade, denn nur zur Arbeit, und verlangt keine Arbeit, denn nur durch die Gnade. | ||
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| - | Gott verleiht keine Gnade, denn nur zur Arbeit. Der Gedanke, zur Arbeit zu drängen, beseelt Ihn, so oft Er Gnade verleiht. Ganz anders mancher Christ! Gar mancher Christ denkt nicht an Arbeit, wenn er Gnade begehrt. Er betet ernstlich um Gnade und wundert sich, dass er so wenig empfängt. Gott sieht eben, dass er dieselbe nur zu seinem eigenen Nutzen und nicht zum Dienst Gottes, nur zu seinem eigenen Trost und Glück und nicht zur Arbeit für Gottes Ehre begehrt. Darum gibt Er ihm nicht mehr. Ein junger Christ dagegen, welcher die Gnade, die er bereits besitzt, in dem Dienst des Herrn anwendet, sieht, dass er mehr nötig hat, bekommt Lust, mehr zu arbeiten, und wird auch noch mehr empfangen. Es gibt kein Wort, welches dem Herrn unserem Gott mehr zur Ehre gereicht als das von Paulus: „Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle.“ Gottes ewige Gnade ist ja keine träge Rührung oder schlaffe Gemütsbewegung, | ||
| - | |||
| - | Wenn du nun an deine Arbeit denkst, fürchte dich dann doch ja nicht, weil du schwach bist! Es ist Gnade genug da zu jeder Arbeit. Gott verlangt überhaupt keine Arbeit von dir, denn nur durch Gnade. Darum nimm dir die Zeit, dir diesen Gedanken anzueignen! Dieselbe wunderbare, liebevolle und allmächtige Gnade, welche dich lebendig gemacht hat und dich bewahren muss, wird sich auch stärken: „Du wirst nicht streiten, der Herr wird für dich streiten.“ Diese Tatsache wird mehr und mehr die Erfahrung deines Glaubens. Wie du dich darum der Gnade im Glauben hingegeben hast zur Seligkeit, so gib dich ihr auch voll Vertrauen hin zur Arbeit! Und dann arbeite, denn es ist Gott, welcher in dir wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen. Wenn du dich so verhältst, wirst du auf wunderbare Weise verstehen lernen, warum gerade der Christ, welcher am meisten leistet, von sich selbst die geringste Meinung hat. Er sieht ja, dass Gnade alles ist und er selbst nichts. | ||
| - | |||
| - | Daher die herrliche Demut des Paulus. Mit demselben Atem sagt er: „Ich habe mehr gearbeitet, denn sie alle,“ und „nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir gewesen ist; durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Gar viele Christen meinen, Gott dürfe ihnen nicht zu viel Gnade zur Arbeit in seinem Dienst verleihen, weil sie sonst nicht demütig bleiben könnten. Das mag für die mehr äußerlichen Gnadengaben zutreffen (1. Kor. 13,1-3), die inneren Gnadenwirkungen Gottes aber tragen einen solchen Beweis ihrer göttlichen Herkunft in sich, dass unsere Seele, je stärker sie auftreten, um so mehr erniedrigt wird. Auch folgt aus dem Worte „die Gnade Gottes in mir“ von selbst das andere: „nicht ich.“ Gnade alles, ich nichts. | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ! Die seligmachende Gnade lehrt uns, dass Christus uns erlöst hat, um uns für sich selbst zu reinigen zu einem Volk des Eigentums, welches zu guten Werken fleißig wäre. Ach, dass doch alle Christen, welche irgend ein Werk im Dienst des Herrn zu verrichten haben, dass doch alle Eltern, Lehrer, Kirchenratsmitglieder, | ||
| - | |||
| - | Willst du das nicht tun? Sieh nur, was Gnade ist: Gottes unendliche Liebe, welche sich in Christo dir mitteilt als eine göttliche Lebenskraft. Sieh den Herrn Jesum an, in welchem alle Gnade dir nahe gerückt ist! Lass alle Furcht und alles Misstrauen fahren und glaube, dass Gnade dich zu deiner Arbeit bereiten und tüchtig machen kann, auch wenn du von derselben heute noch gar nichts verstehst. Gib dich ihr nur entschieden und ohne Unterbrechung hin als ein Werkzeug, welches von ihr gebraucht werden soll! Und sage beim Blick in die Zukunft, was Paulus im Rückblick bekennt: Durch Gottes Gnade werde ich, was ich sein soll, werden; Seine Gnade in mir ist nicht vergeblich. Doch nicht ich bin es, dem die Ehre gebührt, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | **Der Geist der Gnade.**\\ | ||
| - | Sach. 12,10; Hebr. 10, | ||
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| - | Mit diesem Namen wird der Heilige Geist, unser gesegneter Tröster, von dem Gott aller Gnade bezeichnet. Unsere Erkenntnis der herrlichen, seligmachenden Gnade Gottes bleibt so lange völlig unzureichend, | ||
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| - | Weiter führte Er den Namen des Geistes der Gnade, weil er es ist, der die Gnade in uns zu offenbaren, sie uns mitzuteilen und in uns stark zu machen hat. Dazu ist Er ganz besonders geschickt. Er ist der Geist des Vaters. Als solcher erforscht Er alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Wir aber haben den Geist aus Gott empfangen, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. 1. Kor. 2,12. Er, der in Gott war, weiß alle Geheimnisse des ewigen Gnadenrates. Sobald er in uns Wohnung gemacht, teilt Er sie uns mit. | ||
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| - | Er ist der Geist des Sohnes. Er war in demselben, als Dieser voller Gnaden auf Erden erschien. Er war in Ihm, als er am Kreuz hing. Hebr. 9, 14. Er war in Ihm am Tag der Auferstehung. Röm. 1,4. Darum kann Er uns in alle Geheimnisse dieses Lebens, dieser Leiden und dieses Sieges einführen. Auch war Er es, der von dem Vater in neuer Kraft ausging und dem erhöhten Menschensohn zur Ausgießung auf uns zuströmte. Apostelgesch. 2,33. So ist Er uns der göttliche Gewährsmann aus dem Himmel, welcher uns die Herrlichkeit des Herrn Jesu auf dem Thron des Reiches der Herrlichkeit bezeugt. Aus diesem Grunde sagte auch Jesus: Er wird mich verklären; aus dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. | ||
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| - | So ist es denn dieser Geist der Gnade, durch welchen die seligmachende Gnade, welche in Christo erschienen ist, und die in dieser Gnade geoffenbarte Liebe Gottes in uns lebendig und unser Eigentum werden. Der ganze Reichtum des göttlichen Gnadenschatzes würde nur aus leeren, nichtigen Worten bestehen, wenn ihn der Heilige Geist nicht zur Kraft und Wahrheit erhöhe. Bei allen Segnungen gibt Er uns das Wesentlichste: | ||
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| - | Ebenso ist Er es, der in jedes der Gnadenmittel die wesentliche Gnadenkraft legt. In dem Worte der Gnade werden uns die Gnadenschätze angeboten, der Geist der Gnade aber ist es, der dieses Wort eingegeben hat und in diesem Wort wohnt, der, wenn Er in uns Wohnung gemacht, uns dasselbe innerlich zueignet. Infolgedessen wirkt es in uns als ein lebendiges Wort. Und wenn ich vor dem Thron der Gnade die Hochlandsluft der Ewigkeit betend einatmen kann, so liegt dies daran, dass der Heilige Geist der Geist der Gnade und der Geist der Gebete ist. Der Geist ist der Atem Gottes. Wie der Mensch nicht nur ein-, sondern auch ausatmet, also auch Gott. Atmet Gott Seinen Geist über Seine Kinder aus, so kommt derselbe zu ihnen aus der Herrlichkeit der Gnade Gottes, und zwar mit dieser Herrlichkeit beladen. Und atmet der Herr wieder ein, so schwingt sich der Geist mit allen Wünschen, ja selbst mit allen unaussprechlichen Seufzern, welche in dem Herzen der Gläubigen waren, wieder zu Gott empor, Ihm diese Wünsche und Seufzer an das Herz zu legen. Tritt aber der Gläubige betend in diese Gemeinschaft des Geistes mit Gott und atmet er diesen Geist von Gott ein, dann bringt der lebendige Geist der Gnade ihm die Gnade hernieder als eine lebendige Wirklichkeit. Was Gott aus Seiner ewigen Gnade über den Christen ausatmet, atmet dieser ein. Jeder Atemzug ist Gnade. Ja, der Heilige Geist ist die Gnade Gottes und des Herrn Jesus. | ||
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| - | O, wenn es etwas gibt, um das wir, während wir über die Gnade nachdenken und reden, mit feurigem Verlangen beten müssen, so ist es dies, dass der Heilige Geist uns die Augen öffnen möge, den Reichtum an Gnade zu sehen, und uns so stark im Glauben mache, ihre Fülle zu empfangen. Gerade für die Gläubigen, an welche Paulus über die Herrlichkeit, | ||
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| - | Welch eine Gnade! In dem Herrn Jesus, dem eingeborenen Sohn ist der ganze Reichtum der Gnade Gottes uns nicht nur angeboten, sondern auch der Geist Gottes dazu geschenkt, um als Geist dieser Gnade in uns zu wohnen, sie uns mitzuteilen und zu bewahren. O wer kann sich nun noch fürchten, ob er wohl in der Gnade wachsen und zunehmen werde? Mit jeder Gnadenverheißung, | ||
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| - | O Herr, unser Gott! Mach' uns dieses Geistes voll? Dann werden wir auch reich an Gnade und erfüllt mit aller Gottesfülle. | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Epheser 1,2-8. \\ | ||
| - | **Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie Er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, das wir sollten sein heilig und unsträflich vor Ihm in der Liebe. Und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen Ihn selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen Seines Willens, zu Lobe Seiner herrlichen Gnade, durch welche Er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten, an welchem wir haben die Erlösung durch Sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum Seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist durch allerlei Weisheit und Klugheit.** | ||
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| - | Gnade und Friede. Wer wachsen und zunehmen will, hat ebenso sehr Ruhe nötig, als Bewegung. Mitten in der Arbeit und dem Gewühl ist es der Friede Gottes, welcher alles Denken übersteigt, | ||
| - | |||
| - | Sie hat ihre Ruhe gefunden nicht etwa bloß in einer Tat Gottes, welche von unserem Tun und Verhalten mit bestimmt würde, sondern vielmehr in Gott selbst und zwar ohne dass irgend etwas in uns einen Einfluss darauf besäße. | ||
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| - | Diese Tatsache wird uns in unserem Text ganz besonders deutlich. Der Apostel führt uns nämlich bis zu der Stätte hinauf, an welcher die Gnade entspringt, bis zu den ewigen Tiefen des freien Ratschlusses der Gottheit. „Gott hat uns in Christo erwählt, ehe der Welt Grund gelegt ward, und uns zur Kindschaft gegen Ihn selbst verordnet nach dem Wohlgefallen Seines Willens, auf dass wir zum Lob Seiner herrlichen Gnade dienen möchten.“ Wenn die begnadigte Seele eine Stätte sucht, wo sie eine feste Ruhe und einen unzerstörbaren Frieden erhalten kann, so findet sie dieselbe in der trostreichen Lehre der Gnadenwahl. Will sie wissen, von woher die Gnade zu ihr kam, was dieselbe bewog, an sie zu denken, ob sie wohl bei ihr bleiben werde, und ob die Gnade wirklich alles auf ihre Rechnung nehmen werde, ohne sich durch unsere Trägheit und Unwürdigkeit abschrecken zu lassen, dann muss sie sich bis zu der Höhe aufschwingen, | ||
| - | |||
| - | Sie beruht auf unserer Erwählung, als dem Ursprung der Gnade, und wird noch größer, wenn wir einsehen, dass die Erwählung in dem Herrn Jesus stattfand. Gott hat uns in „Ihm erwählt und durch Ihn“ zur Kindschaft verordnet zum Lobe der herrlichen Gnade, mit der Er uns in dem Geliebten begnadigt hat. Der ganze Gnadenratschluss sollte durch den Herrn Jesus uns übermittelt werden und stand in Ihm fest. Deswegen wurde, wie die Erwählung und Verordnung in Ihm lagen, auch aller Segen für uns in Ihn, den lebendigen Träger und Spender der göttlichen Schätze, gelegt. Gott hat uns in Christo ebenso mit allen göttlichen Segnungen gesegnet, wie Er uns in Ihm erwählt hat. Gleichwie daher Gnade in ihrem Wesen die Offenbarung der Tiefen ewiger Liebe ist, welche sich in dem Vater finden, so ist sie bei ihrer Mitteilung an uns Gemeinschaft mit dem Leben, der Kraft und Seligkeit des Herrn Jesus, des Sohnes Gottes. Die Gnade ist der reiche Lebensschatz aller geistlichen Segnungen, mit welchen uns Gott in Christo gesegnet hat. Diese Segnungen aber werden uns zum Lobe seiner herrlichen Gnade nach dem Reichtum seiner Gnade zuteil. | ||
| - | |||
| - | Die Herrlichkeit der Gnade, der Reichtum der Gnade, die Überschwänglichkeit der Gnade, sich hier die Ausdrücke, welche der Heilige Geist bei der Armut menschlicher Sprache findet, um uns etwas von der Gnade Gottes zum Verständnis zu bringen. Er spricht von ihrer Herrlichkeit, | ||
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| - | Er spricht von ihrem Reichtum im Gedanken an die vielen großen, geistlichen Segnungen, mit denen Er uns in Christo gesegnet hat: Von der ersten größten, alle anderen in sich einschließenden Segnung, der Sündenvergebung an bis zu der vollkommenen Erlösung. Er redet von ihrer Überschwänglichkeit, | ||
| - | |||
| - | Ist nicht die Herrlichkeit der Gnade eine wahrhaft göttliche, da sie ihren Urgrund und Ursprung in Gott selbst hat und da ihr Zweck und Ziel die Offenbarung der sonst unsichtbaren Herrlichkeit Gottes ist? Und hat Gott nicht Grund genug, zu erwarten, dass jeder Christ zum Lobe Seiner herrlichen Gnade lebe? Ach, dass doch dieser Gedanke bei einem Jeden von uns recht tief Wurzel schlagen möchte: Gott hat mich auserwählt, | ||
| - | |||
| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
| - | |||
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| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Epheser 2,4-8. \\ | ||
| - | **Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, | ||
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| - | In dem ersten Kapitel dieses Briefes haben wir gesehen, was die Herrlichkeit der Gnade Gottes ist. Sie ist nichts Geringeres, als Gottes eigene ewige Herrlichkeit. Gottes Gnade ist die Krone aller Offenbarungen seiner Herrlichkeit. Dass die Liebe und die Gerechtigkeit Gottes sich dem Gottlosen gegenüber in der Gnade vereinigen konnten, ist und bleibt das größte Wunder der Ewigkeit, in welcher man Gott in einem Licht anbeten wird, welches für Sterbliche unzugänglich und unaussprechlich herrlich ist. Und je mehr man diese Seine Gnade erkennt und anbeten lernt, desto mehr sieht man auch ein, dass dieselbe ebenso wenig von dem Menschen abhängig sein kann, als Seine Herrlichkeit. Nach dem Wohlgefallen Seines Willens hat Er uns zum Lobe Seiner herrlichen Gnade auserwählt. | ||
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| - | Diese ewige Herrlichkeit der Gnade wird uns nun kund in dem Reichtum der Gnade, mit welchem Er uns in dem Geliebten begnadigt hat. Aus diesem Grund spricht auch der Apostel von derselben als von einem Reichtum der Herrlichkeit (1,18), von einem außerordentlichen Reichtum, von einem unerforschlichen Reichtum Christi (3,8). Die Herrlichkeit, | ||
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| - | Über diesen Reichtum an Gnadenschätzen aber handelt der Apostel im zweiten Kapitel seines Briefes. | ||
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| - | In dem ersten Kapitel ließ Er uns bis in den Himmel emporsteigen, | ||
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| - | Blicken wir zunächst in die Tiefe, aus der sie uns errettet! Beachten wir die Ausdrücke, welche unseren Textworten vorangehen: „Tod durch Übertretungen und Sünden (V. 1). „Kinder des Unglaubens“ (V. 2). „Kinder des Zorns“ (V. 3). Und weiter (V. 12), „Daher ihr keine Hoffnung hattet und wart ohne Gott in der Welt.“ Diese Ausdrücke bezeichnen den Zustand, in welchem die Gnade den Sünder fand, aus dem sie ihn rettete. Christus nahm die Sünde hinweg, errang für Ungehorsame Versöhnung und trug den Zorn des Herrn. So hat er den Tod besiegt und zunichte gemacht. Ach, es ist gar gut, diese Worte zu Herzen zu nehmen und darüber so lange nachzudenken, | ||
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| - | Wenden wir uns nun zu der Höhe, zu welcher sie erhebt! Der Apostel sagt: „Durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir tot waren, hat er uns lebendig gemacht, (denn aus Gnaden seid ihr selig geworden) und hat uns samt Ihm auferweckt und samt ihm in das himmlische Wesen versetzt.“ Kann das sein? Kann das buchstäblich wahr sein? Hat Gott die Kinder des Zorns wirklich mit Christo auferweckt? Hat Er ihnen tatsächlich Anteil an dem Leben des Sohnes Seiner Herrlichkeit verliehen? Ja, das hat Er getan. Gott hatte nichts Herrlicheres, | ||
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| - | Dieses Leben ist es, von dem der Apostel zweimal sagt: Aus Gnaden seid ihr selig geworden. Selig werden ist also dasselbe, wie lebendig werden. Das Leben aber mit seinem ganzen zur Erhaltung des Lebens nötigen Gnadenreichtum, | ||
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| - | O, lieber Christ! Ist das nicht eine reiche Gnade? Und höre nun noch etwas! Lies unsere Textworte noch einmal durch und achte doch darauf, wozu Gott dies Alles getan hat: „Auf dass Er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade.“ Liebes Gotteskind! Verstehst du das? Ach, lies es noch einmal: „Er hat uns in Christo in das himmlische Wesen versetzt, auf dass Er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade.“ Oder, wie es im zehnten Vers des dritten Kapitels heißt: „Auf das jetzt kund würde den Fürstentümern und Herrschaften in dem Himmel an der Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes.“ Ja, Gott hat uns auserwählt, | ||
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| - | Liebe Mitchristen! Wir haben nicht so gelebt. Gott vergebe es uns! Aber von nun an lasst uns so leben! Lasst uns einer für den andern mit dem Gebet des Apostels Paulus eintreten: „Ich höre nicht auf zu danken für euch, und gedenke eurer in meinem Gebet, dass der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, | ||
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| - | Ja, Vater der Herrlichkeit, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 1. Tim. 1,14. \\ | ||
| - | **“Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist.“ ** | ||
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| - | Die Herrlichkeit der Gnade Gottes haben wir anbeten lernen in dem Vater und Seinem ewigen Gnadenratschluss. Den Reichtum der Gnade haben wir gefunden in dem Sohn und dem Gnadenschatz, | ||
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| - | Unser Zeuge ist Paulus. Aus vielen Gründen könnten wir keinen besseren Zeugen finden. Wenn es jemals einen Feind des Herrn gegeben, so war Paulus ein solcher, er, der zuvor, wie er Vers 13 sagt, ein Lästerer, Verfolger und Schmäher war. Wenn es jemals einen Menschen gegeben, dessen Lebensumstände viel Gnade nötig machten, so war er ein solcher. Er hatte viele Gnade nötig, um von seiner Selbstgerechtigkeit geheilt zu werden, um in seine mannigfaltige Arbeit eingeführt und zur Vollendung derselben gestärkt zu werden, um bei seinen unvergleichlichen Leiden Trost und Stärkung zu erhalten. Wahrlich, er hatte die Gelegenheit, | ||
| - | |||
| - | Und was sagt er nun? Er schreibt kurz vor seinem Tod, nachdem er 30 Jahre in dem Dienst des Herrn gestanden und bezeugt im Rückblick auf dieses Leben: „Die Gnade unseres Herrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu sind, ist desto reicher gewesen.“ Sein Gehorsam gegen die Mahnung des Herrn: „Lass dir an meiner Gnade genügen!“ ist nicht zu Schanden geworden. Er hatte nicht nur genug, nein, er hatte Überfluss an Gnade. Die Gnade war desto reicher gewesen. Und er fügte hinzu: „Samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist.“ Mit den beiden hervorragendsten Früchten des geistlichen Lebens, mit dem Glauben, ohne den es unmöglich ist, Gott zu gefallen, und mit der Liebe, welche die Erfüllung des ganzen Gesetzes ist, mit diesen beiden herrlichen Segnungen ging die Überschwänglichkeit der Gnade stets Hand in Hand. Glaube und Liebe waren für ihn die ganz natürlichen Lebensäußerungen seines Gnadenlebens: | ||
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| - | Welch' herrliches Bekenntnis! Wie preist es die Herrlichkeit der Gnade Gottes! Wie zeigt es den überschwänglichen Gnadenreichtum Gottes in Christo! Und sollte es nur für einen Paulus möglich sein, ein solches Bekenntnis abzulegen? Nimmermehr! Es gibt auch nicht einen Erlösten, an welchem Gott nicht nach dem Maß Seiner Gabe die Überschwänglichkeit Seiner Gnade offenbaren wollte. Seine Verheißung: | ||
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| - | Die Überschwänglichkeit der Gnade muss zuerst ein Gegenstand unseres Glaubens werden. Wir müssen es lernen, anbetend zu dem Vater und der Herrlichkeit Seiner Gnade, zu Jesu und dem Reichtum Seiner Gnade emporzuschauen. Von diesen beiden strömt uns die Überschwänglichkeit so lange zu, bis unser Gemüt anfängt, immer größere Vorstellungen von der Gnade zu bekommen, welche wirklich für uns da ist. Mit ernstem Gebet um Erleuchtung müssen wir - und wären unsere Erfahrungen noch so arm und schwach es uns selbst fortwährend vorhalten: Überschwängliche Gnade ist für mich da und wartet auf mich. Öfters in der Heiligen Schrift braucht Gott, im Hinblick auf seine Gnade, den Ausdruck: „überschwänglich“. Nimm darum dieses Wort in dein Herz auf, bis dass der Gedanke an Gnade dir gar nicht mehr kommen kann, ohne zugleich den andern Gedanken hervorzurufen, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 2. Kor. 9,8. \\ | ||
| - | **“Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen (zu jeder Zeit) volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“** | ||
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| - | Über diese herrliche Verheißung wollen wir noch einmal nachdenken. Haben wir doch die Seligkeit, welche in der Überschwänglichkeit der Gnade liegt, nur aus der Ferne gesehen. Darum lasst uns nahe herzu treten und zur Probe des Ganzen eine der herrlichen Zusagen in dieser Verheißung, | ||
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| - | Für die meisten Christen ist dies wohl das größte Hindernis für die Annahme dieser Verheißung. Dass sich Zeiten in dem Leben finden, Zeiten geistlichen Vorwärtsschreitens, | ||
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| - | In der Bekehrung und dem Glauben verlobt sich die Seele mit dem Herrn Jesus. Von der Zeit ab stattet Er herrliche Besuch bei Seiner Geliebten ab. Da kommen Zeiten, in denen sie es erfährt, dass ihr die Gnade zuströmt, Doch ist dies nur von Zeit zu Zeit der Fall. Und doch finden sich in unserem Textworte Verheißungen ununterbrochener Gemeinschaft, | ||
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| - | Sobald eine gläubige Seele erkennt, dass ein Wort, wie das „zu jeder Zeit“, buchstäblich gemeint ist und buchstäblich erfüllt werden soll, versteht sie auch, dass es eine Einladung ihres himmlischen Bräutigams ist, zur vollen, immer währenden Gemeinschaft einzugehen. Das ganze Herz gerät in Leidenschaftliche Erregung. Es fragt sich immer wieder: Ist es denn überhaupt möglich? Wird es gerade mir geschenkt werden? Werde ich Glauben genug haben, um es festzuhalten und zu bewahren? Das himmlische Kleinod eines solchen Segens, dass allerlei Gnade zu jeder Zeit in mir reichlich sei? Immer heftiger wird dieser Seelenstreit. Mit einer das ganze Herz durchforschenden Energie erhebt sich die Frage, ob denn die Seele tatsächlich willig und bereit ist, sich ganz und gar dem Herrn hinzugeben, so dass die Gnade zu jeder Zeit das Zepter führen kann, ob sie tatsächlich gänzlich sich selbst entsagen will, nicht allein ihren Sünden und ihrem Eigensinn, sondern auch ihrem Selbstvertrauen und ihrer eigenen Kraft, ob sie dies tatsächlich tun will, um sich als ein schwaches Geschöpf von seiner allmächtigen Gnade tragen und bewahren zu lassen. | ||
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| - | Auch der Gedanke kommt einem Jeden: Ja, Gott kann machen, dass allerlei Gnade zu jeder Zeit unter uns reichlich ist, aber wird er es auch tun? So fragt die Seele, bis sie erkennt, wie schändlich es ist, dem Herrn unserem Gott zuzutrauen, dass Er uns mit Vorspiegelungen dessen, was Seine Allmacht kann, aber nicht bestimmt will, spotten könne. Mit tiefer Beschämung erkennt sie, dass wenn Gottes Wort mit einer Verheißung kommt: „Gott kann machen“, dass dann diese Verheißung die allersicherste Zusage dessen ist, was Er an dem tun will und tun wird, der auf Ihn vertraut. Sobald der Seele dies vollkommen deutlich wird und sie es wagt, alle Bedenken schwinden zu lassen und dies für sich selbst zu erwerben, geht sie zu der ersehnten Ruhe ein. | ||
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| - | Dass Jesus in ihrem Herzen Wohnung macht, dass sie in seiner Liebe bleibt, dass sich die Verheißung an ihr erfüllt: „Deine Sonne soll nicht mehr untergehen“, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 2. Kor. 12,9-10. \\ | ||
| - | **Er hat zu mir gesagt: Lass dir an Meiner Gnade genügen, denn Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, | ||
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| - | Wenn von ununterbrochener Gemeinschaft mit dem Herrn und davon, dass uns Gnade. zu jeder Zeit reichlich zuteil werden solle, die Rede ist, wie es in dem vorigen Abschnitt der Fall gewesen, dann hört man wohl bisweilen die Frage: Aber tauchen denn niemals Wolken auf? Die Antwort auf diese Frage hängt von dem ab, was wir unter Wolken verstehen. Verstehen wir unter ihnen Sünden und Abweichungen, | ||
| - | |||
| - | Versteht man aber unter Wolken Schwierigkeiten, | ||
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| - | Wolken sind für die Erde in vielerlei Weise ein Segen. Sie geben dem Auge vor dem vollen, grellen Licht Ruhe, welches bisweilen zu scharf ist. Sie bringen Der Erde den Segen des Regens und der Kühle. In der Kühle entwickelt sich ein Baum zwar langsamer, aber sein Holz wird besser, als es in heißen Gegenden wird. Selbst die Völker, welche sich immer in dem vollen Licht der Sonne baden, sind nicht mit denen zu vergleichen, | ||
| - | |||
| - | Er lernte, dass ihm in der Zeit seiner Schwachheit die Gnade tatsächlich näher war und in ihm mehr erreichen konnte als in Zeiten völligen Wohlergehens. Aus dem Grunde kam er zu dem Entschluss: „Ich will mich am liebsten meiner Schwachheit rühmen, ich will dem Herrn dafür danken, dass es Wolken gibt, denn gerade durch diese segnet die Sonne die Erde. Ja, sagt er, ich bin guten Mutes in Schwachheiten, | ||
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| - | Liebe Christen! Das Leben des Paulus war oftmals bewölkt. Monate und Jahre lang im Gefängnis zu sitzen, von allen Freunden verlassen zu werden, bei Gemeinden, die er gegründet hatte und wie ein Vater liebte, auf Misstrauen und Beschuldigungen zu stoßen, - dies und noch mehr hatte manchen Tag für ihn in Nebel gehüllt. Aber er hatte gelernt, für Wolken zu danken, sich seiner Schwachheit zu rühmen und in Nöten guten Mutes zu sein. Wodurch aber hatte er dies gelernt? Dadurch, dass der Herr zu ihm gesagt hatte: „Lass dir an Meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig.“ So waren gerade die bewölkten Tage für ihn Tage der Nähe des Herrn, Tage ununterbrochener Gemeinschaft mit demselben und Tage besonderer Erfahrung Seiner Gnade. Die Wolken nahmen nur das Grelle des Lichtes hinweg, aber nicht das Licht selbst. Es waren Tage, in denen er sich getrieben fühlte, zu rühmen, in denen er guten Mutes sein konnte, in denen ihm ganz besonders Kraft zuströmte. Ja, Kraft strömte ihm mitten in seiner Schwachheit zu, aber gerade darum war es auch wahre Kraft, Gnadenkraft, | ||
| - | |||
| - | Nun weißt du, lieber Christ, wie es in dem Leben überschwänglicher Gnade, die dir in allen Dingen und zu jeder Zeit zuströmen soll, mit den Wolken gehen wird und wie der treue Herr im Hinblick auf sie so herrlich gesorgt. Es liegt alles in dem einen Wort: „Lass dir an Meiner Gnade genügen!“ Es kann kein Zustand, keine Not, keine Angst geben so tief, so schwer, so groß, Meine Gnade hat es alles vorausgesehen und vorgesehen. Erkenne dies doch, und wenn du es nicht zu verstehen vermagst, so glaube es doch und überlass das Übrige mir: Lass dir an Meiner Gnade genügen! Vergiss nur dies Eine nicht: Je schwächer du in dir selbst wirst, desto getroster kannst du dich an das Wort halten: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ! Bekommst du nicht unter solchen Umständen beinahe Lust, mit Paulus zu sagen: „Wenn dem so ist, will ich, anstatt zu klagen und mich zu ängstigen, mich viel lieber meiner Schwachheiten rühmen, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne? Darum bin ich guten Mutes in Schwachheiten. Denn, wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ O tue es nur, und wie Paulus beinahe zwanzig Jahre nach Empfang dieser Verheißung das Zeugnis ablegen konnte: „Der Herr hat mir nicht nur stets genug gegeben, sondern auch Seine Gnade an mir überschwänglich geoffenbart, | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
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| - | Röm. 3,23-24. \\ | ||
| - | **Sie sind allzumal Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus Seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen.“ | ||
| - | |||
| - | Hier haben wir die erste Wohltat, welche der Sünder aus dem Schatz der Gnade Gottes empfängt, die erste und wunderbarste Wohltat, welche alles andere enthält, die Rechtfertigung. Dass dieser Segen nötig war, wenn uns der Herr überhaupt retten wollte, ist klar und deutlich. Der gerechte Gott hätte uns nun und nimmermehr in Seine Gunst aufnehmen, mit Wohlgefallen betrachten, oder uns Anteil an seinem ewigen Leben geben können, wenn wir ungerechtfertigt geblieben wären. Wir mussten unbedingt zuvor gerechtfertigt werden. | ||
| - | |||
| - | Wenn nun jemand vor einem irdischen Richter angeklagt wird, kann er auf eine dreifache Weise gerechtfertigt werden. Er kann seine Unschuld beweisen: Dann rechtfertigt ihn der Richter, um seiner Unschuld, willen. Er kann seine Strafe auf sich nehmen. Wollte man ihn dann später um derselben Missetat willen noch einmal vornehmen und könnte er dann beweisen, dass er seine Strafe schon erhalten habe, so würde der Richter sagen, dass dem Gesetz bereits Genüge geschehen sei. Das Gesetz hätte dann von ihm nichts mehr zu fordern. Der Mann, welcher früher schuldig war und gestraft wurde, wird nun durch den Richter gerechtfertigt. | ||
| - | |||
| - | Er kann auch durch einen Anderen den Anforderungen des Gesetzes genügen. Das Urteil erkannte z. B. auf Gefangenschaft, | ||
| - | |||
| - | In jedem dieser drei Fälle ist die Tätigkeit des Richters dieselbe. Er macht den Mann nicht zu einem innerlich rechtschaffenen Mann. Er gibt ihm keine Gerechtigkeit. Er gibt nur die Erklärung ab, dass derselbe nach den Bestimmungen des Gesetzes ein gerechter Mensch ist, die Eigenschaft der Rechtschaffenheit besitzt. In dem ersten Fall ist die Unschuld des Angeklagten seine Gerechtigkeit. In dem zweiten Fall ist es der Umstand, dass er seine Strafe bereits erduldet. In dem dritten ist es der Umstand, dass ein Anderer als Bürge seine Strafe auf sich genommen. | ||
| - | |||
| - | In allen diesen Fällen aber ist die Erklärung des Richters dieselbe. Der Mann, den er für gerecht erklärt hat, besitzt eine Rechtfertigung, | ||
| - | |||
| - | Auf dem dritten dieser drei Wege rechtfertigt der gerechte Gott den gottlosen Sünder. Gottes Liebe wollte den Sünder retten, aber auf keinem Fall dies auf Kosten seiner Gerechtigkeit tun. Aus diesem Grunde traten Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit in jene Gnadenverbindung, | ||
| - | |||
| - | Wir wissen, worin der Gnadenrat zur Ausführung dieses Planes bestand. Der Herr Jesus kam auf diese Erde, um nach den alten Weissagungen Jes. 6,24-25; Jer. 23,6; 33,16 für uns zu werden: „Der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist.“ Zu diesem Zweck opferte Er sich selbst, der Forderung der göttlichen Strafgerechtigkeit Genüge zu leisten. Zu diesem Zweck trug Er die Strafe, welche wir verdient hatten. Als Er nun somit für unsere Sünden gestorben war, wurde Er zu unserer Gerechtigkeit auferweckt. Röm. 4,25; 6,7. Seine Auferstehung war seine Rechtfertigung Röm. 6,7 und dadurch auch die unsrige: Die Erklärung Gottes, dass der Bürge alles bezahlt habe und dass alle, die an Ihn glauben, an Seiner göttlichen Gerechtigkeit Anteil haben und darum für gerecht vor Gott gelten. Nun hatte Er das Recht erworben, uns das erste und größte Geschenk der Gnade zu geben: Die Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Der Heiland kommt und bietet Sich selbst dem Sünder an mit allen Seinen Gnadenschätzen, | ||
| - | |||
| - | Diese Rechtfertigung ist eine göttliche Erklärung, dass der Sünder durch die Gerechtigkeit Christi, an der er Anteil hat, vor dem Richterstuhl der göttlichen Gerechtigkeit tatsächlich als ein Gerechter dasteht. Und weiterhin, dass er von Gott zu jeder Zeit und in allen Dingen als ein vollkommen Gerechter betrachtet und behandelt werden soll, mit vollem Recht auf die Gunst der göttlichen Heiligkeit und mit unbehindertem Zugang zu dem Erbe der Kinder Gottes. | ||
| - | |||
| - | Diese Rechtfertigung oder Gerechterklärung ist außerdem das göttliche Siegel auf unseren Glauben an Christus, durch welches unsere Lebensvereinigung mit dem Herrn Jesus, mächtig gestärkt und als ein Gut erwiesen wird, welches ewiglich währt. Darum redet auch die Schrift von einer Lebensgerechtigkeit. Gleichwie Sünde und Tod unzertrennlich sind, also auch Gerechtigkeit und Leben. So steht geschrieben: | ||
| - | |||
| - | Liebe Christen! Aus Gnaden seid ihr gerechtfertigt. Ist das nicht eine wunderbare Gnade? Er ward für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in Ihm würden die Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Viel will ich bitten und beten, dass der Heilige Geist mir die Herrlichkeit dieser Gabe der Gerechtigkeit kund tue. Die Gnade, welche sie mir geschenkt hat, will mich auch mit ihr bekannt machen, damit durch die Erkenntnis Gottes, welche mich gerecht macht, die Gnade in mir wachse und zunehme. Dann soll ich es erfahren, dass dies die Wurzel und Kraft meiner Lebensgerechtigkeit ist, dass ich mehr und mehr darin fest werde und mich darüber freue, dass wir, die wir gesündigt haben, umsonst für gerecht erklärt werden aus Seiner Gnade: Herr mein Gott! Lass doch diese rechtfertigende Gnade in mir, so stark werden, dass ich immer tiefer in die Erkenntnis und in den Genuss der göttlichen Gerechtigkeit eindringe, welche mir beigelegt ist und in welcher ich stets vor dir lebe. | ||
| - | |||
| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Röm. 4,4-5 u. 16. \\ | ||
| - | **Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, | ||
| - | Röm. 11,6. \\ | ||
| - | **Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein.**\\ | ||
| - | Epheser 2,8-9. \\ | ||
| - | **Aus Gnaden seid ihr selig geworden, durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme. ** | ||
| - | |||
| - | Zwei Fragen gibt es, auf welche das Wort Gnade die Antwort gibt. Die eine Frage lautet: Was gibt Gott? Die andere: Warum und auf welche Weise gibt er? - Die Antwort auf die erste Frage enthält den ganzen Segensreichtum, | ||
| - | |||
| - | Jetzt fangen wir an, einzusehen, dass Gnade unendlich viel mehr bedeutet. Gnade ist der Name, mit welchem Gott alles dasjenige bezeichnet, was er uns in Christo geschenkt hat. Je mehr wir nun in der Antwort auf die erste Frage diesen wunderbaren und allgenugsamen Schatz himmlischen Segens kennen lernen, desto herrlicher erhebt sich vor uns die zweite Vorstellung: | ||
| - | |||
| - | Wie einfach wird uns diese zweite Vorstellung in obenstehenden Texten deutlich gemacht. Wenn jemand arbeitet, so verlangt er auch Lohn, nicht als eine Gnade, sondern als eine Pflicht und Schuldigkeit, | ||
| - | |||
| - | Wenn darum Gnade uns naht, ist dies das Einzige, was sie von uns verlangt, das Erste, was sie in uns hervorruft. Wie denn geschrieben steht: Die Gerechtigkeit muss durch den Glauben kommen, auf dass sie aus Gnaden sei. Wenn jemand zu dir kommt, während du in Not und völlig hilflos bist, was erwartet er dann von dir? Nichts als dies, dass du ihm in dem Vertrauen schenkst, was er dir verspricht. So kommt auch die himmlische Gnade mit allen ihren göttlichen Verheißungen zu uns und bittet uns mit Herzlichkeit: | ||
| - | |||
| - | Gottes Gnade und unsere eigenen Werke sind in einem Kampf auf Leben und Tod. Sie können durchaus nicht neben einander bestehen. Gnade und Glaube aber gehen Hand in Hand. Die Gnade naht und erweckt in der Seele durch ihre Freundlichkeit Vertrauen. Sie naht in der Person des gekreuzigten Gottessohnes und sagt: Ich will alles, alles, alles für dich tun. Willst du dich nicht mir anvertrauen? | ||
| - | |||
| - | Je mehr nun die Seele auf das Wort der Gnade achtet und über die Wunder der Gnade nachdenkt, desto weiter öffnet sich vor ihr ein Himmel voll Seligkeit in der Gewissheit: die Gnade erhalte ich umsonst, ohne Verdienst. Was ich in mir selbst finde, ist darum kein Hindernis für mich, mich zu dem festen Vertrauen zu entschließen, | ||
| - | |||
| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Röm. 5, | ||
| - | **Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen.**\\ | ||
| - | 1. Pet. 5,12. \\ | ||
| - | **Das ist die rechte Gnade Gottes, darinnen ihr steht. ** | ||
| - | |||
| - | Ein Baum kann nicht emporwachsen, | ||
| - | |||
| - | Nicht anders ein junger Christ. Soll ein junger Christ in der Gnade zunehmen, so muss er fest in der Gnade stehen. Ein Zweifel an seinem Gnadenstand würde die Zunahme sehr hindern. Nun haben wir durch unseren Herrn Jesum Christum und durch den Glauben an Ihn den Zugang zu der Gnade, in der wir stehen, und nur in dem Glauben an Ihn die Möglichkeit, | ||
| - | |||
| - | Doch nicht nur der Zweifel an dem Gnadenstande, | ||
| - | |||
| - | Doch muss der Christ vor allem den Zusammenhang beachten, in welchem dieses Wort vorkommt. Der Apostel sagt: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen.“ In dem lebendigen Herrn Jesus selbst hat uns Gott mit allen seinen Segnungen überschüttet. Durch den persönlichen Umgang mit Ihm, der unser Freund und Herr sein will, werden die Segnungen Seiner Gnade unser Eigentum. Möchten wir darum stets nach den einzelnen Gnadengaben in uns suchen, möchten wir doch es recht verstehen lernen, dass jede neue Gnadenverheißung, | ||
| - | |||
| - | Auf diese Weise werden wir es recht verstehen und erfahren, dass wir ebenso, wie wir durch den Herrn Jesus Frieden haben, durch denselben Jesus weiter den Zugang zu der völligen Gnade besitzen. Verstehen wir aber auch dies, so erkennen wir auch, dass wir nur dann in der Gnade feststehen können, wenn wir im vollen Genuss Seines Friedens leben. Der Friede Gottes ist es, genau genommen, welcher den Seelen Ruhe und unbewegliche Festigkeit verleiht. Wenn wir nun durch Sünde, die wir nicht bekennen, durch eine Abirrung, von der wir uns nicht zurückfinden, | ||
| - | |||
| - | Außerdem: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott, durch unseren Herrn Jesum.“ Der Friede hat seine Festigkeit und Kraft in der Rechtfertigung, | ||
| - | |||
| - | Dann gibt er uns den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen und welcher wir uns rühmen, den Zugang zu dem unendlichen Gnadenreichtum, | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ! Lerne deinen Gnadenstand kennen und lebe in ihm! Ein König, welcher gefangen genommen und mit Ketten gebunden ist, spricht doch noch als König seines Reiches. Und wenn es ihm gelingt, frei zu werden, so besteigt er seinen Thron, sobald er dazu im Stande ist. Er vergisst seines Standes nicht, während er im Elend ist. Darum erkenne auch du deinen Stand, lieber Christ, und lebe in ihm durch den Glauben an unseren Herrn Jesus. Er ist unsere Rechtfertigung, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Murray, | ||
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| - | Röm. 5,20-21.\\ | ||
| - | **Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden, auf dass, gleichwie die Sünde geherrscht hat zu dem Tod, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesum Christ, unseren Herrn. ** | ||
| - | |||
| - | Wenn wir die Gnade recht kennen lernen wollen, müssen wir sie vor allem in ihrer Herrschaft, in der sie ihre überwindende Macht kund tut, beobachten. Ihre Herrschaft aber kennen zu lernen, gibt es kein besseres Mittel als dies, sie mit der Herrschaft der Sünde zu vergleichen. | ||
| - | |||
| - | Dass die Sünde mit einer unsagbaren, alles umfassenden Gewalt herrscht, wissen wir. Wir haben es in unserem eigenen Innern erfahren. Wir sehen es auch an andern. Achte nur einmal auf einen Menschen, welcher völlig durch die Sünde beherrscht wird! Wie wird er oft gegen seinen Willen dazu gerissen, ihren Willen zu erfüllen! Seine Gedanken und Begierden beschäftigen sich fortwährend mit ihr. Er fühlt sich getrieben, alles zu wagen und aufzuopfern, | ||
| - | |||
| - | Doch, wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden. Ihre Herrschaft ist noch machtvoller und weniger begrenzt als die der Sünde. Es ist sehr schwer, Worte oder Gedanken zu finden, um mit denselben deutlich zu machen, wie weit sich diese ihre Herrschaft erstrecken kann. Die Tatsache aber, dass sie stets viel, viel mächtiger als die Sünde ist, trägt etwas dazu bei, uns eine Vorstellung von ihrer Macht zu geben. Was du darum auch in dir selbst an Schwachheit erfährst, oder von Seiten der Sünde befürchten kannst, behalte nur fest im Gedächtnis, | ||
| - | |||
| - | Und wozu soll ich dies tun? Auf dass, gleichwie die Sünde geherrscht hat zu dem Tod, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesum Christ. Achte nur einmal auf den Unterschied der beiden Reiche! Von dem einen wird nur gesagt: Die Sünde hat geherrscht zu dem Tod. Ihre Herrschaft war also eine verwüstende: | ||
| - | |||
| - | Und schaust du auf das andere Reich, in ihm schwingt Gnade himmlische, allmächtige, | ||
| - | |||
| - | Und dies geschieht alles durch Jesum Christum, unseren Herrn. Es ist Seine Gnade, Seine Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Wie glücklich sind doch die Bewohner des Reiches, in welchem die Gnade herrscht! Da gilt Gnade und nichts als Gnade. Da ist Gnade zu jeder Stunde im reichsten Überfluss zu haben. Da herrscht Gnade mit völlig unumschränkter Gewalt. Man braucht keinem Befehl zu gehorchen, keine Arbeit zu verrichten und keinen Streit zu führen, ohne dass die Gnade mit der nötigen Kraft ausrüstete. Es ist ein Volk von Begnadigten des Herrn, welches wir da erblicken. Sie leben zum Preis der Herrlichkeit Seiner Gnade. | ||
| - | |||
| - | Das Wunderbarste aber dabei ist dies: Wenn die Sünde, welche in unserer alten Natur noch wohnt und wühlt, in einem Augenblick der Unbedachtsamkeit die Überhand erhält, darf die Seele die Herrlichkeit des Gnadenstandes am allerherrlichsten erfahren. Sie kennt den Artikel in dem Gnadengesetz des Reiches: „Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden“, | ||
| - | |||
| - | Und nun, meine lieben Mitchristen, | ||
| - | |||
| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
| - | |||
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| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Röm. 5,17.\\ | ||
| - | **So um des Einigen Sünde willen der Tod geherrscht hat durch den Einen; vielmehr werden die, so da empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, | ||
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| - | Wie herrlich war doch das gestrige Wort über die Herrschaft der Gnade! Unser heutiger Text aber enthält ein Wort, welches womöglich noch herrlicher ist. Gestern hieß es, dass gleichwie die Sünde geherrscht hat, also auch, nur viel gewaltiger, die Gnade über den Menschen herrschen solle, der von der Herrschaft der Sünde befreit ist. Heute erhebt sich die Verheißung noch höher. Nicht allein soll die Gnade über den Menschen herrschen, sondern durch die Gnade soll auch der Mensch selbst herrschen. So um des Einen Sünde willen der Tod geherrscht hat, werden vielmehr die, welche die Fülle der Gnade empfangen haben, im Leben herrschen. | ||
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| - | Mit Recht sagt der Apostel: „Diejenigen werden herrschen, welche die Fülle der Gnade empfangen haben;“ denn wahrlich, ohne den Empfang der wunderbaren und überreichlichen Gnade wäre dies nicht möglich. Aber es ist nicht nur möglich, es geschieht wirklich: Viel gewisser als dies, dass der Tod geherrscht hat, ist die Tatsache, dass diejenigen, welche die Fülle der Gnade empfangen haben, durch Jesum Christum in dem Leben herrschen. | ||
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| - | Dieser Segen ist nicht etwa bloß für die zukünftige Welt da, nach dem Tod. Nein! Die Fülle der Gnade wird hienieden bereits empfangen. Hier auf Erden bereits ist der an Jesum Christum Gläubige mit ihm erweckt und in das himmlische Wesen versetzt. Hier auf Erden bereits besitzt er das ewige Leben. Auch für dieses Erdenleben gilt die Verheißung, | ||
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| - | Von dieser Tatsache redet auch Johannes, da er sagt: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Jesus hat die Welt überwunden. Er herrscht inmitten Seiner Feinde in der Kraft des ewigen Lebens. Wer an Ihn glaubt, empfängt diese Fülle der Gnade, dass er an dem ewigen Leben und an dem errungenen Sieg Anteil erhält. Er herrscht jetzt schon mit Jesus. | ||
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| - | Der Gläubige braucht nicht zu streiten, um erst am Ende des Streites zu siegen, nein, der Glaube, mit dem er den Streit anfängt, ist bereits der Sieg. Dieser Glaube stärkt sich an Jesu, der bereits gesiegt hat, er zieht den beiden Feinden, der Welt und der Sünde, als bereits überwundenen Gegnern entgegen, und schreitet so von Sieg zu Sieg. | ||
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| - | Und wenn ein Christ fragt, wie er die Herrschaft über die Sünde und den Tod im Leben verwirklichen soll, so gibt unser Text die Antwort: diejenigen, welche die Fülle der Gnade empfangen, werden durch Jesum Christum im Leben herrschen. O lieber Christ, denke nur in deinem Herzen größer von dem, was Gottes Gnade will und was sie vermag! Lerne nur durch den Heiligen Geist verstehen, was für eine Macht die Gnade besitzt, welche für dich da ist! Erhebe dich nur im Glauben zu der Gnadenfülle, | ||
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| - | Beachte auch hier das Wort: die die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, werden herrschen. Wir werden in diesem Leben bereits herrschen, wenn die vollkommene Gerechtigkeit des Herrn Jesus, welche uns von Gott zugerechnet und zum Eigentum geschenkt wird, tatsächlich das Leben unserer Seele ist. Gerechtigkeit und Gericht sind die Grundlagen Seines Thrones. Gottes Herrschaft ruht auf Seiner Gerechtigkeit. Und je mehr der Gläubige sich anbetend in die wunderbare Gabe der Gerechtigkeit Gottes, welche ihm geschenkt worden, vertieft und an dieselbe verliert, desto mehr wird er auch herrschen. | ||
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| - | Doch hier ist noch etwas zu bedenken: Er wird herrschen im Leben. Die Gerechtigkeit Gottes und das Leben Gottes sind unzertrennlich nicht nur in Gott selbst, sondern auch in Seinem Kind. Darum sagt auch die Schrift: Der Gerechte wird aus seinem Glauben (seines Glaubens) leben. Weißt du nun, dass er gerecht ist, so weißt du auch, dass ein jeder, der in Gerechtigkeit wandelt, aus ihm geboren ist. Auf diese Weise muss der Gläubige, welcher diese Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen hat, erkennen, dass der Glaube nicht bloß ein Denken ist, welches seine Rechtfertigung feststellt, sondern auch der Zugang zu der von dem Heiligen Geist gewirkten göttlichen Offenbarung, | ||
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| - | Durch Jesum Christum: Das ist der Anfang und das Ende in jedem Unterricht der Gnade. Die Gnade in Christo, das Leben in Christo, die Herrschaft in Christo Christus ist alles - und die verschiedenen Gaben der Gnade fallen uns zu, je inniger wir mit Jesus leben. Nur der, welcher sich durch den Unterricht über die Gnade dazu bewegen lässt, mehr mit dem Herrn Jesus in der Einsamkeit zu verkehren, sich mit Bewunderung und Hingabe immer inniger an ihn zu klammern, sich ganz in Ihn und Seinen Willen zu verlieren, nur der wird wirklich in der Gnade erstarken. Aber der wird es auch ganz gewiss. Durch Jesum Christum werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, in dem Leben herrschen. | ||
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| - | Welch herrliches Gnadenleben! Es ist nicht das armselige Leben eines Wurmes, wie manche meinen, sondern das Leben eines Königs, welches einem armen Wurm geschenkt wird. Denn so wunderbar und mächtig und herrlich die Herrschaft der Gnade ist, ebenso wunderbar ist auch durch Jesum Christum die Gnadenherrschaft in dem Leben derjenigen, welche die Fülle der Gnade empfangen haben. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Röm. 6,1-2. \\ | ||
| - | **Was sollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne; Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? ** | ||
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| - | Der Apostel hatte in dem vorigen Kapitel Großes von der Fülle und der Herrschaft der Gnade gesagt. Vor allem hatte er das stolze Wort gesprochen, Röm. 5,20: „Das Gesetz ist neben eingekommen, | ||
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| - | Wo die Gnade dem Gottlosen naht, heißt es: „Je mehr Sünde da gewesen, desto größere Ehre für die Gnade.“ Sobald sie ihn aber unter ihre Leitung nimmt, heißt es: „Je weniger Sünde, desto größere Ehre für die Gnade.“ | ||
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| - | Man sollte meinen, die Sache wäre so deutlich, dass die Gefahr verkehrter Folgerungen gar nicht bestehen könnte. Und doch bestand diese Gefahr. Es war für den Apostel eine Notwendigkeit, | ||
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| - | Es ist vor allem um der in letztgenanntem Irrtum befangenen Gotteskinder willen, dass der Geist Gottes die Frage unseres Textes beantworten lässt. Und wie lautet die Antwort? Wie werde ich gänzlich aus diesem Irrtum und aus der Macht, welchen er der Sünde gibt, gerettet? Man findet die Antwort in dem sechsten Kapitel des Briefes an die Römer, vom 3. bis zum 13. Vers. | ||
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| - | Da lesen wir tiefsinnige Worte, welche sich nicht so leicht begreifen lassen. Dem Christen aber, welcher entschieden danach Verlangen hat, nicht in der Sünde zu bleiben, weil er ja unter der Gnade steht, dem es entschieden darum zu tun ist, die von der Sünde befreiende Macht der Gnade reichlich kennen zu lernen, dem wird sie auch Gottes Geist deutlich machen. Nimmst du sie zu Herzen, denkst du über sie nach und setzt du dein Vertrauen auf sie auch dann, wenn du sie nicht völlig verstehst, dann bringen sie dir Licht, Leben und Kraft. | ||
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| - | Das Erste, was du zu tun hast, ist dies, dass du den Hauptgedanken zu verstehen suchst: Sollen wir in der Sünde verharren, auf dass die Gnade desto größer werde? Das sei ferne! Und warum? Weil wir gerade durch die Gnade mit dem Jesus, dem zweiten Adam, vereinigt worden sind (Vers 15 und 18) und weil die Verbindung mit Ihm das Verharren in der Sünde unmöglich macht. Die Gnade hat ja tatsächlich uns ein neues Leben gebracht, ein Leben, welches aus dem Himmel stammt und heilig ist. Dieses himmlische Leben uns zu bringen, ist Jesus erschienen, 1. Joh. 1-3. Durch sein Sterben und Auferstehen sind wir dieses himmlischen heiligen Lebens teilhaftig. Wir sind ja mit Ihm verwachsen. Sein Tod ist unser Tod, denn wir sind mit Ihm gestorben. Vers 2, 3, 4, 5, 11. Sein Leben ist unser Leben, denn wir sind mit Ihm auferweckt. Vers 4, 5, 8, 11. | ||
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| - | Nun ist der Herr Jesus in seinem Tod der Sünde gestorben, durch seine Auferstehung aber lebt er Gott. Vers 9, 10. Was aber der Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus für Ihn sind, das sind sie auch für uns. Darum müssen wir uns nach Vers 11 daran halten, dass wir ebenso, wie Christus, der Sünde gestorben sind und Gott leben. Auf Grund dieses Ausspruches muss der Christ es als eine erledigte und entschiedene Tatsache betrachten: „Unser alter Mensch ist mit Ihm gekreuzigt, wir sind der Sünde gestorben, wir leben Gott, wir müssen uns Gott hingeben, dieweil wir aus Toten Lebendige geworden sind.“ Der Glaube an diese Tatsache gibt dem Menschen Kraft, seine Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit zu ergeben, auf dass die Sünde nicht mehr in dem sterblichen Leibe herrsche. Vers 11, 12 | ||
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| - | Lieber Christ! Da hast du die Antwort auf die Frage: Soll ich unter der Gnade noch in der Sünde verharren? Und auf die andere Frage: Wie kann ich, der ich unter der Gnade stehe, dahin gelangen, dass ich nicht in der Sünde bleibe? Gottes Antwort ist deutlich: Merk es, glaub es, sprich es vor Gott aus, leb in der Gewissheit, dass du mit Christo ebenso wie Christus der Sünde gestorben bist und Gott lebst! Die Sünde hat dir nichts zu sagen. Du stehst nicht unter der Sünde, sondern unter der Gnade. Und was die Gnade für dich tun will, ist nichts weniger als dies: Sie will dich in der Kraft des Lebens Jesu dazu befähigen, die Sünde zu besiegen und Gott zu dienen. Dadurch, dass ihr aus dem Tode zum Leben gekommen seid, habt ihr die Kraft, eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit zu ergeben. Vers 13. | ||
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| - | Die Gnade herrscht durch die Gerechtigkeit, | ||
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| - | Darum lass dich durch die Gnade belehren, lieber Christ! Sie sagt dir, dass du in Christo so gewiss der Sünde gestorben bist, wie Christus selbst. Die Sünde ist nicht gestorben, sie findet sich noch in deinen Gliedern. In dem Glauben aber an Christus, als unser Leben, haben wir die Kraft sie zu hindern, in unseren Gliedern zu herrschen. O, lieber Christ, lebe in Ihm und mit Ihm! Lass Ihn in dir leben! Das ist der Weg, auf dem die Gnade ihr herrliches Werk in uns, die wir von der Sünde befreit sind, vollendet, damit wir (Luk. 1,74-75) aus der Hand unserer Feinde erlöst, Ihm alle Tage unseres Lebens ohne Furcht, in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen können. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Röm. 6,14. \\ | ||
| - | **Die Sünde wird nicht herrschen können über euch; sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.** | ||
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| - | Gottes Gnade befreit nicht nur von der Sünde, sondern auch von dem Gesetz. Ja, um überhaupt von der Sünde befreien zu können, ist sie genötigt, erst von dem Gesetz zu befreien. Dass so viele Gläubige die Kraft der Gnade, von Sünde zu befreien, nicht recht kennen lernen, liegt hauptsächlich daran, dass sie nicht begreifen, dass sie von dem Gesetz frei sind. Aus diesem Grund aber wird uns hier vorgehalten, | ||
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| - | Was bedeutet nun der Ausdruck: „nicht unter dem Gesetz“? Wir wissen, was uns die Schrift über das Gesetz lehrt. „Das Gesetz sagt Röm. 10,5, Gal. 3,12: Der Mensch, welcher diese Dinge tut, wird durch dieselben leben,“ und dem gegenüber: „Verflucht sei ein jeder, der nicht bleibt in alle dem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, danach zu tun.“ Das Gesetz kommt also mit einer Forderung. Es fragt den Menschen nicht, ob er es tun kann. Es gibt ihm auch nicht die Kraft dazu. Es kennt auch kein Mitleid, wenn er hinter dem, was es gefordert, zurück bleibt. Nein, es besteht auf seinem Recht, es verlangt unerbittlich seine Strafe. Aus diesem Grund ist ein Leben unter dem Gesetz sehr schwer, ein stetes Nicht-erreichen, | ||
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| - | Nun war es die große Absicht des Herrn, welche ihn auf diese Erde führte und in den Tod trieb, uns diesem Stand unter dem Gesetz zu entziehen, Gal. 4,5 und unter eine völlig andere Ordnung zu stellen, unter die Gnade. Gnade und Gesetz haben zwar denselben Zweck. Sie wollen nämlich dem sündigen Menschen gegenüber die Gerechtigkeit Gottes handhaben und in ihm ein gerechtes Wesen herbeiführen. Allein, was den Weg betrifft, auf dem sie dies bewirken wollen, stehen Gnade und Gesetz schnurstracks einander gegenüber. Gottes Gnade fängt damit an, dem Menschen zu sagen, dass sie weiß, dass er nichts kann, dass sie darum auch nichts von seiner Kraft erwartet. Sie sagt, dass sie alles für ihn tun will. Sie sagt, dass sie jeden Augenblick alles in ihm vollbringen will, was nötig ist, um Gott zu gefallen. So kommt sie, so fängt sie ein neues Leben in ihm an, so übernimmt sie es auch, dieses Leben zu erhalten. | ||
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| - | Welch' ein Unterschied zwischen dem Leben unter dem Gesetz und dem Leben unter der Gnade! Das Leben unter dem Gesetz ist das Leben eines Sklaven, welcher es seinem Herrn doch nie recht machen kann. Das Leben unter der Gnade ist das glückliche und sorgenfreie Leben eines Kindes, welches durch die Gnade mit wunderbarer Liebe versorgt und erzogen wird. | ||
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| - | Jetzt ist die Kraft der Beweisführung erkennbar. Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr unter der Gnade steht, welche mächtiger ist, als die Sünde, und sich dazu verpflichtet hat, euch die Herrschaft über die Sünde zu geben, wenn ihr euch nur ihr anvertraut. | ||
| - | |||
| - | Nun lässt sich erkennen, weshalb die Sünde noch über so viele Christen herrscht. Sie stehen noch immer halb unter der Gnade und halb unter dem Gesetz. Sie meinen, sie müssten nun mit Hilfe der Gnade unter dem Gesetz immer getreuer und besser leben. Sie haben Gott gegenüber noch immer das Gefühl, als sei er ein Herr, welcher mehr verlangt, als sie leisten können, ein Gefühl unendlichen Zurückbleibens. Infolge dieses Gefühls werden sie mutlos und machen sie sich selbst Vorwürfe. Sie wissen ja nicht, dass Gott sie ganz und gar der Aufsicht und Herrschaft des Gesetzes entzogen und sie vollkommen der Aufsicht und Herrschaft der Gnade unterstellt hat. Gar viele Gläubige wissen dies nicht, obwohl Gottes Wort es klar und deutlich lehrt. So ausdrücklich, | ||
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| - | Dies zu verstehen, denke man einmal an den Unterschied zwischen Inhalt und Form. Ich gebiete einem Menschen etwas. Da er nicht mein Knecht ist, weigert er sich, es zu tun. Ich ersuche ihn herzlich darum. Und er tut es gleich. Der Inhalt des Gebotes und des Ersuchens war derselbe, aber die Form war verschieden. So bleibt auch der Inhalt des Gesetzes bestehen, während nur die Form eine Veränderung erleidet. Der Gläubige steht nicht mehr unter dem Gesetz, welches uns um jedes Fehlers willen verflucht. Gott hat nun einen ganz anderen Plan mit uns. Sein Wille, den Er uns in dem Neuen Testament, in Christo kund tut, ist viel höher als Sein Wille, wie Er ihn in dem Alten Testament geoffenbart hat. Und doch können wir ihn erfüllen, weil wir unter der Gnade stehen. Die Gnade verlangt ja von dem Kind nicht mehr, als es tun kann. Sie macht das Herz durch den Geist von innen heraus willig. Hebr. 8,7-8 u. 10; Gal. 5,18; Röm. 8,4. Ja, die Gnade gibt die Kraft und wirkt selbst das Wollen und das Vollbringen. | ||
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| - | Lieber Christ! Dass du dies Wort: „Nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade,“ annimmst, ist viel wichtiger für dich, als du denkst. In ihm liegt die Kraft der Verheißung: | ||
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| - | Dieses Wort ist lebendig. Es wird Leben wirken, eine Kraft ausströmen und dich das unbegreiflich selige Leben kennen lernen lassen, in welchem die Gnade durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben herrscht. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
| - | |||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Röm. 6,15. \\ | ||
| - | **Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!** | ||
| - | |||
| - | Je herrlicher eine Wahrheit Gottes ist, desto größer ist die Gefahr, dass sie missbraucht werde, gerade weil sie für den Menschen zu hoch und zu geistlich ist. Hatte der Apostel Röm. 5,20 gesagt: „Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden, | ||
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| - | Diese Frage hat einen Schein von Wahrheit. Gar mancher denkt: Predige dies doch ja nicht, dass wir nicht unter dem Gesetz stehen! Das ist zu gefährlich. Die Folge einer solchen Predigt ist ja dann der unvermeidliche Gedanke: „Nun dürfen wir sündigen.“ Wie stellt sich nun der Apostel zu diesem Bedenken? Ändert er etwas an dem Wort, das er geredet hat? Durchaus nicht. In dem siebten Kapitel zeigt er ja gerade, wie völlig die Beziehung zu dem Gesetz abgebrochen ist. Der Gläubige ist durch dasselbe so wenig gebunden, wie eine Frau an einen Mann, welcher gestorben ist. Er ist von demselben befreit. Und weiter zeigt er, wie das Gesetz niemals die Kraft zum Gehorsam geben kann, vielmehr nur die Sünde vermehrt. Kap. 7,5; 8,11-24. Auf das geäußerte Bedenken aber antwortet er damit, dass er zeigt, wie die Gnade uns in eine solche neue und lebendige Verbindung mit der Gerechtigkeit (Vers 18-20), mit Gott (V. 22) und vor allem mit dem Herrn Jesus (7,4) bringt, dass die Heiligung aus derselben mit Notwendigkeit sich ergeben muss und gerade das, was das Wort „unter dem Gesetz“ niemals bewirken konnte, durch das Wort „unter der Gnade“ herrlich zu Stand kommt. Hätte Gott allein gesagt: „Ihr seid nicht unter dem Gesetz,“ hätte Er uns nur von seiner Herrschaft befreit und uns dann uns selbst überlassen, | ||
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| - | Welch' ein herrliches Gleichnis! Ich habe einmal ein Haus gekannt, in welchem die Frau geradezu ein Sklavenleben führte. Ihr Mann achtete auf alles ganz genau. Er hatte für alles feste bestimmte Regeln, und war nie zufrieden. Essen wollte er nur, wenn seine Frau die Speisen mit eigener Hand zubereitet hatte. Nun war aber seine Frau nicht stark. So mühte sie sich vergeblich ab, ihm zu Gefallen zu leben. Sie arbeitete wie eine Sklavin und erhielt nichts anderes, als Sklavenlohn. Geld konnte sie soviel erhalten, wie sie nur wünschte, denn es war seine Ehre, dass sie gut gekleidet war. Allein Liebe fand sie nicht. Da hast du das Abbild einer Seele, welche unter dem Gesetz steht, oder mit dem Gesetz verheiratet ist. - Ich habe auch einmal ein anderes Haus gekannt, in welchem trotz aller Krankheit und Armut das Glück herrschte. Der Mann hatte seine Frau lieb. Er fand sich in ihre Schwachheit. Gar oft tat er in dem Haus etwas, was eigentlich zu der Arbeit der Frau gehört. War die Frau wieder gesund, so gab es nichts, das sie nicht gern für ihren Mann getan hätte. Er schrieb ihr nichts vor, aber jeder seiner Wünsche wurde erfüllt. Sein Wunsch und Wille war für sie Gesetz. In ihrem Haus herrschte die Liebe. Ebenso sehr, wie in dem ersten Haus das Wesen des Mannes gefürchtet wurde, wurde in diesem Hause der Wille des Mannes geliebt. Und die Folge davon war: So viel Unzuträglichkeit, | ||
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| - | So steht es mit der Gnade. Sobald uns in der Vereinigung mit Christo Sein Geist beseelt, haben wir ein Gesetz in uns, welches uns von dem Gesetz außer uns, über uns und gegen uns befreit. Gal. 5,1 u. 18; 1. Kor. 6,17; Hebr. 7,18-19 und 8,6-13. | ||
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| - | Gar mancher Gläubige lebt auch nach seiner Bekehrung unter dem Gesetz. Erst wenn er einsieht, dass er in Christo dem Gesetz abgestorben ist, gelangt er völlig unter die Gnade. Dann erkennt er, dass er von dem Gesetz befreit ist, nicht um ohne Gesetz zu leben, sondern um unter ein höheres Gesetz zu kommen, unter das königliche Gesetz, das Gesetz der Liebe, das Gesetz der Freiheit. Während er früher es für gefährlich hielt, nicht unter dem Gesetz zu stehen, weil man ja dadurch die Freiheit zu sündigen bekäme, fängt er nun an zu verstehen, dass gerade der Umstand, dass wir uns der Gnade unterstellen, | ||
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| - | O lieber Christ! Scheue dich doch nicht, anzunehmen, was dir die wunderbare Liebe Gottes bereitet hat! So lange der Sünder noch unbekehrt ist und nicht in Christo lebt, steht er unter dem Gesetz, ist er zu vollkommenem Gehorsam verpflichtet und, weil er denselben nicht besitzt, verurteilt. Röm. 3,19-20; Gal. 3,10. Durch den Glauben an Christum aber entzieht er sich seiner Stellung unter dem Gesetz und tritt er nunmehr unter die Gnade. Nun sind wir zwar ängstlich, alles der Gnade zu überlassen, | ||
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| - | Indessen wenn du es wagen willst, die Stelle einer Magd mit der Stellung einer Gattin zu vertauschen, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Gal. 2,21. \\ | ||
| - | **Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn, so durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.**\\ | ||
| - | Gal. 5,4. \\ | ||
| - | **Ihr habt Christum verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.** | ||
| - | |||
| - | Diese Worte weisen auf eine Gefahr hin, welcher Gläubige ausgesetzt sind. Es ist nicht die Gefahr des sogenannten Abfalls der Heiligen, sondern die Gefahr, dass jemand, der ein aufrichtiger Christ ist, sich verleiten lässt, auch nachdem er Christum angenommen hat, doch noch in dem Gesetz und in den Werken seine Gerechtigkeit zu suchen. Von denen, die dies tun, sagt Paulus, dass sie die Gnade wegwerfen, dass sie von der Gnade gefallen sind, dass sie Christum verloren haben. | ||
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| - | Er ist in diesem Fall vergeblich für sie gestorben. | ||
| - | |||
| - | Dieser schädliche Irrtum bestand nicht nur unter den Galatern. Er ist heute noch selbst unter aufrichtigen Christen sehr verbreitet. Er entsteht durch die Selbstgerechtigkeit des menschlichen Herzens und die Unbekanntschaft mit dem, was wahre Gnade ist. Wahre Gnade ist etwas so Göttliches, | ||
| - | |||
| - | Die Art und Weise, wie sich dieser Irrtum meistens kund tut, ist diese. Der Christ nimmt das Wort: „Ihr | ||
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| - | Der Gläubige dagegen, welcher weiß, was die Herrschaft der Gnade über die Sünde mit sich bringt, und wie diejenigen, welche die Überschwänglichkeit der Gnade und die Gabe der Rechtfertigung empfangen, auch durch die Gnade herrschen, weiß auch, was es bedeutet, bei jedem Straucheln sich nicht wie ein Knecht unter das Urteil des Gesetzes stellen zu müssen, sondern als ein Kind sich unverweilt der Gnade in die Arme werfen zu dürfen. Ja, mehr noch! Mit demselben Freimut, mit dem eine geliebte und liebende Frau ihrem Mann, dessen Liebe sie vollkommen vertraut, ihre Fehler bekennt und ihn bittet, ihr zu helfen, dieselben abzulegen, mit demselben Freimut darf eine Seele jedes Straucheln dem Herrn übergeben, dessen Eigentum sie geworden ist. Die Gnade aber lehrt uns mehr, die Sünde zu hassen, als das Gesetz es vermochte. Dass unter den Christen noch immer sich so viel Sünde findet, liegt nicht daran, dass von der Gnade zu viel geredet oder gepredigt wird, sondern daran, dass die Gnade zu wenig gekannt, zu wenig im Glauben ergriffen und zu wenig erlebt wird. Gott kennt nur ein Mittel, uns von Sünde zu befreien. Das Mittel aber gibt er in Seiner wunderbaren Gnade, welche er in Christo offenbart. | ||
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| - | Dass wir nun so oft von dieser Gnade fallen, liegt nur daran, dass wir so träge sind, sie recht kennen zu lernen, und dass wir zu ängstlich sind, auf sie völlig unser Vertrauen zu setzen. Wir bekennen zwar, dass wir ohne das Gesetz und seine Werke gerecht werden; aber um heilig zu werden und um so weit zu kommen, dass der Herr Gefallen an uns finden kann, wollen wir stets unter dem Gesetz stehen. Und wie werden wir von diesem tiefeingewurzelten Irrtum frei? Antwort: „Wenn ihr von dem Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz.“ | ||
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| - | Lieber Christ, suche diese Antwort zu verstehen! Es ist nicht eine Verstandessache, | ||
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| - | "Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Hebr. 12,14-16. \\ | ||
| - | **Jagt nach dem Frieden gegen Jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Und seht darauf, das nicht Jemand Gottes Gnade versäume, dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte, und viele durch dieselbe verunreinigt werden; dass nicht Jemand sei ein Hurer oder ein Gottloser, wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte. ** | ||
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| - | Von der Gnade in die Werke des Gesetzes und der Selbstgerechtigkeit zu fallen - das war die Gefahr, in welcher die Galater schwebten; die Gnade zu versäumen - das war die Gefahr, in welcher sich die Hebräer befanden. | ||
| - | |||
| - | Sie waren nahe daran, nicht etwa wie die Galater von einem Leben in der Gnade zu einem Leben in Selbstgerechtigkeit abzuirren, sondern vielmehr aus einem Leben in der Gnade in ein Leben in Ungerechtigkeit zu sinken. Dieses Wort vom Versäumen der Gnade enthält eine ernste Warnung für jeden, welcher in der Gnade bleiben will. | ||
| - | |||
| - | Worin bestand nun die Gefahr? Schon an einer früheren Stelle hatte der Verfasser des Hebräerbriefes dasselbe Wort gebraucht, Hebr. 4,1: „So lasst uns nun fürchten, dass wir die Verheißung, | ||
| - | |||
| - | Vor allem in dem Brief an die Hebräer finden wir ernstliche Warnungen im Hinblick auf diese Tatsache. (Hebr. 3,12-14; 4,11; 6,4-8 u. 11; 10,26-31 u. 38). Gerade deshalb, weil ein Zurückbleiben in der Gnade der Anfang zu dem völligen Versäumen der Gnade werden kann, von dem unser Text redet, mahnt uns die Stimme des Herrn, selbst den allerkleinsten Anfängen des Zurückbleibens gegenüber auf der Hut zu sein. | ||
| - | |||
| - | Und woher kam denn eigentlich diese Gefahr, zurückzubleiben? | ||
| - | |||
| - | „Dass nicht Jemand sei ein Hurer, oder ein Gottloser, wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte!“ mahnt unser Text. Nun ist Speise an und für sich erlaubt und notwendig. Dadurch aber, dass Esau die Speise für wichtiger hielt, als den Segen Gottes, bewies er seine unheilige, fleischliche Gesinnung. Das Sichtbare war ihm wichtiger, als das Unsichtbare. So waren es denn auch die Fleischtöpfe Ägyptens, um derer willen so viele in der Wüste murrten und zurückblieben. Und so ist es gar oft heute noch die Sorge um Speise, die Liebe zur Welt (Luk. 8,13.14; 17,26-29; 21,34; 1. Tim. 6,8.9; 2. Tim. 4,10), der Unwille, das Kreuz auf sich zu nehmen und sich zu verleugnen, die Begierde, nur ja alles Erlaubte festzuhalten, | ||
| - | |||
| - | Welch eine entsetzliche Gefahr! Was für eine furchtbare Versuchung! Wo ist ein Mittel, welches uns vor solchem bewahrt? „Jagt der Heiligung nach und seht zu, dass niemand zurückbleibe!“ Diese Mahnung wendet sich nicht an jeden Einzelnen für sich, sondern, da sie in der Mehrzahl abgefasst ist. an die ganze Gemeinde. Sie sagt nicht: Ein jeder sehe für sich selbst allein zu; nein, sie sagt: Seht alle zu, dass niemand zurückbleibe! Wenn alle Christen auf einander achten, wenn der Starke den Schwachen trägt und jeder Kreis von Christen, welcher zu einer Hausgemeinde, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | |||
| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | 1. Petri 4,10. \\ | ||
| - | **Dient einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!**\\ | ||
| - | Röm. 12,6. \\ | ||
| - | **Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.**\\ | ||
| - | Ephes. 3,7. \\ | ||
| - | **Nach der Gabe, aus der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist.**\\ | ||
| - | Ephes. 4,7. \\ | ||
| - | **Einem Jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi.** | ||
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| - | Bei allem, was Gott tut, zeigt Er den Reichtum Seiner wunderbaren Weisheit und Macht in der unendlichen Verschiedenheit Seiner Werke. Nirgends findet sich Eintönigkeit. Überall entdeckt man Seine unendliche Lebensfülle in den mannigfaltigen Formen, in denen sich das Leben offenbart. Das gilt nicht allein von der Natur, sondern auch und zwar ganz hervorragend von der Gnade. | ||
| - | |||
| - | Unsere Erkenntnis der Gnade ist und bleibt gar schwach, wenn wir nicht darauf achten und das beherzigen, dass sie den Namen „Mancherlei Gnade“ trägt. | ||
| - | |||
| - | Das Wort „Mancherlei Gnade“ wird uns davor bewahren, andere zu verurteilen, | ||
| - | |||
| - | Das Wort „Mancherlei Gnade“ kann uns auch vor Missmut bewahren. Es besteht nämlich noch eine andere Gefahr, welche der zuerst erwähnten gerade entgegengesetzt ist, die Gefahr, die ich anstatt Andere mit mir zu vergleichen, | ||
| - | |||
| - | Das Wort „Mancherlei Gnade“ lehrt den Christen weiterhin, dass er von Ändern abhängig ist. Ein Christ soll Andere nicht nach sich selbst, sich selbst auch nicht nach Andern beurteilen und doch eine Abhängigkeit von Andern fühlen. Soll ein Glied des Leibes wachsen, so müssen alle Glieder dazu helfen. Eph. 4,13 und 15-16; 1. Kor. 4,27; 2. Kor. 8,13-15. Die Fülle der Gnade verteilt sich ja als mancherlei Gnade auf alle Glieder. Und während ein jeder Christ nach dem Maß seiner Empfänglichkeit Überfluss an Gnade haben kann, kommt der Reichtum ihrer Herrlichkeit doch erst dann recht zum Vorschein, wenn durch die Gemeinschaft der Liebe unter Gottes Kindern der eine ergänzt, was dem andern fehlt. Auch wird Gott erst dann recht verherrlicht, | ||
| - | |||
| - | Das Wort „Mancherlei Gnade“ lehrt jeden Christen, dass er seine Gaben nur zum Nutzen Anderer besitzt. Ein jeder hat seine Pflichten, nachdem er mit Gaben ausgerüstet ist. Die ganze Einrichtung und Verbindung des Leibes Christi ist der Art, dass die Gnade unter die Glieder dieses Leibes so verteilt ist, dass ein jedes etwas hat, was dem Andern fehlt, so dass kein einziges Glied entbehrt werden kann. Wollte darum ein Christ seine Gaben nicht anwenden, so würde er Andere dessen berauben, worauf sie ein Recht haben. Das sollte niemand vergessen: die Gnade, welche euch zu teil geworden ist, muss euren Brüdern dienen. Ein jeder, welcher Gnade empfangen hat, muss auch ein Spender der mancherlei Gnade Gottes werden. Und kommt uns der Gedanke an unsere Schwachheit und Untüchtigkeit, | ||
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| - | Lieber Christ! Fange an, Gnade zu spenden! Warte nicht, bis dass du deine besondere Gabe entdeckst! Das kommt erst später. Ergib dich einfach mit all der Gnade, die du hast, dem Dienst der Brüder! Sei als Knecht deines Herrn bereit, zu tun, was dir vor die Hand kommt. Unter der Arbeit nimmt die Gnade zu. Erst in der Übung des Gehorsams entwickelt sich deine Gabe. | ||
| - | |||
| - | Gnade spenden ist der sichere Weg, um mehr Gnade zu erhalten, um in der Gnade zuzunehmen. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Apostelgesch. 4,33. \\ | ||
| - | **Es war große Gnade bei ihnen allen.** | ||
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| - | Auf der Pfingstgemeinde ruhte die Gnade Gottes. Und doch zeigte sich nur kurze Zeit danach ein Zustand der Gemeinde, in welchem es ganz ergreifend gewesen sein muss, die starken Wirkungen der Gnade auf die Mitglieder zu sehen. Mit den Worten: „Es war große Gnade bei ihnen allen“ erwähnt dies der Verfasser der Apostelgeschichte als etwas Besonderes. Es können also noch Zeiten für die Gemeinde kommen, in denen besondere Ausströmungen von Gnade stattfinden und die Gnade bei allen groß wird. Das sind herrliche Zeiten, wenn die Gnade mit ihrer himmlischen Seligkeit die Herzen erfreut und mit einander verbindet. Was können wir tun, solche Zeiten oftmals und in jeder Gemeinde zu haben? Wenn wir die Gemeinde betrachten, von welcher dieses Zeugnis hier aufgezeichnet ist, erhalten wir die Antwort auf diese Frage. Wir finden dann nach meiner Meinung folgende Stufen: | ||
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| - | - Die Apostel hatten ein gutes Bekenntnis für ihren Herrn abgelegt und sich bereit erklärt, lieber alles zu leiden, als Gott ungehorsam zu sein. Es ist der entschiedene und unzweideutige Entschluss, Gott gehorsam zu sein (Apostelgesch. 4,19-20), es ist die Treue gegen den Herrn und Seinen Willen, welche den Weg zu großer Gnade bahnt. Sei es nun, dass man Seinen Namen vor der Welt bekennt, sei es, dass man einen Willen mitten in Mühe und Streit erfüllt, sei es, dass man sich für Sein Reich und Werk auf dieser Erde aufopfert, jeder neue Erweis von Treue hilft sowohl der einzelnen Seele, als auch der Gemeinde vorwärts und mehrt die Gnade. | ||
| - | - Es folgte auf den Entschluss, Gott gehorsam zu sein, das einträchtigliche Gebet der Gemeinde (V. 23-30), ein Gebet, in welchem dies Beachtung verdient, dass es nicht um Hilfe und Erlösung bittet, sondern einzig und allein um Freimut zu weiterer Betätigung der Treue. Das Gebet, zumal das gemeinsame Gebet und vor allem andern das Gebet, in welchem Gottes Ehre und unsere Treue auf dem Vordergrund stehen, ist ein zweiter Schritt oder eine zweite Stufe auf dem Weg zu großer Gnade. | ||
| - | - Dann kommt die Antwort auf das Gebet: Sie werden aufs neue alle erfüllt mit dem heiligen Geist und reden freimütig Gottes Wort. Es ist also nichts anderes, als die lebendige und erkennbare Wirkung des Geistes Gottes nötig. Die Christen müssen wirklich des Geistes Gottes voll werden. Er wird als Geist der Gnade die Gnade also mehren, dass sie zu großer Gnade in ihnen allen wird. | ||
| - | - Die folgende Stufe ist die brüderliche Liebe und Gemeinschaft. „Die Menge derjenigen, welche glaubten, war ein Herz und eine Seele. Niemand sagte von seinen Gütern, dass sie seine wären“ (V. 32). Wo Gottes Kinder als solche zusammenkommen und durch die Betätigung der Liebe die Einigkeit des Geistes in der Einigkeit des Leibes bewahren, da wird auch große Gnade in allen sein. | ||
| - | - Und endlich - „Die Apostel gaben mit großer Kraft Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesu“ (V. 33). Die Predigt des Wortes der Gnade und vor allem die Predigt von der Auferstehung Jesu Christi, in welchem die Gnade herrscht zum ewigen Leben, ist der vorgeschriebene Weg, auf welchem die Gnade überreich wird. Sie übermittelt uns auch heute noch im Verein mit dem Vorerwähnten denselben Segen, dass große Gnade in uns allen sich offenbart. | ||
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| - | Möge die Kirche unserer Tage diese Lehre auf ihren Konferenzen und andern Zusammenkünften von Gläubigen beherzigen! Es gibt Zeiten, in welchen die Gnade in der Stille Zeit haben muss, um durchzudringen, | ||
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| - | Warum sollte nun die Gemeinde unserer Tage diese Erfahrung nicht in reicherem Maß machen? Das Bedürfnis ist doch immerhin vorhanden? Kurz nach diesem Wort lesen wir (Apostelgesch. 5,14): „Es wurden aber je mehr zugetan, die da glaubten, eine Menge der Männer und der Weiber.“ Wenn daher die Kirche einigermaßen zur Leistung ihrer riesigen Arbeit gestärkt werden soll, welche sie sowohl in der sogenannten Christenheit, | ||
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| - | Was mag nun der Grund sein, dass es nicht so ist? Wenn wir die fünf Stufen des Segensweges noch einmal überblicken, | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Apostelgesch. 11,23. \\ | ||
| - | **Da Barnabas hingekommen war und die Gnade Gottes sah, ward er froh und ermahnte sie alle, dass sie mit festem Herzen an dem Herrn bleiben wollten.** | ||
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| - | Gnade kann gesehen werden. Sie lässt ihr Licht scheinen. | ||
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| - | Gnade muss gesehen werden. Ist sie irgendwo, ohne dass man sie sehen kann, so ist dies ein Zeichen, dass sie noch gar schwach ist. Wo sie kräftig wirkt, da bleibt sie nicht verborgen. | ||
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| - | Und woran kann man die Gnade sehen? Bei einem jungen Christen werden, vor allem wenn, wie es in unserem Text der Fall ist, eine große Anzahl glaubt und sich bekehrt, die Kennzeichen der Gnade andersartig sein, als bei einem mehr geförderten Christen. An der Traurigkeit über die Sünde, an der Absonderung von der Welt, an dem Bekenntnis der Hingabe an den Herrn, an dem freudigen Eifer in seinem Dienst, an der liebevollen Zugehörigkeit zu Gottes Volk, an alle dem erkennt man die Gnade in den Anfängen ihres Wirkens. Wird auch nicht jede Blüte zur Frucht, wird auch nicht jede Frucht reif, der Landmann freut sich doch sehr und dankt doch Gott dafür, wenn die Bäume mit Blüten bedeckt sind. | ||
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| - | Dann wird die Gnade wieder gesehen an dem stillen treuen Aushalten in dem Streit gegen die Sünde, an dem stillen treuen Festhalten an der Gemeinschaft mit dem Herrn. Barnabas ermahnte die Neubekehrten, | ||
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| - | Bei einem mehr geförderten Christen kann man an anderen Kennzeichen sehen, dass er Gnade besitzt. Wenn ein Mann in Demut und Liebe das Bild seines Herrn zur Anschauung zu bringen sucht, indem er sich Mühe gibt, selbst Unrecht zu ertragen, wie Jesus es tat (siehe 1. Petr. 2,19,24), wenn er für Gott, seinen Nächsten und das Königreich Gottes in der dienenden Liebe lebt, welche sich selbst für nichts achtet (Luk. 22,27. Joh. 13,13-15), wenn er sich in allen Dingen der Herrschaft des Geistes der Welt entzieht und sich der Herrschaft der Gnade ergibt als ein Mann, welcher ganz und gar von ihr geleitet werden will, o, dann kann man die Gnade bequem und herrlich an einem Solchen sehen. | ||
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| - | Nur dürfen wir nicht meinen, alle Menschen könnten Gnade sehen. „Er hat unter uns gewohnt“, sagt Johannes, und „wir sahen Seine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.“ Und doch haben die Obersten dieser Welt dies nicht gesehen. 1. Kor. 2,7,8. Ja, nicht einmal alle Christen können Gnade sehen. Sie haben immer noch ein Bedenken, oder einen Zweifel. Die köstlichste Salbe gefällt ihnen nicht, weil noch eine tote Fliege darin liegt. „Da Barnabas die Gnade sah, ward er froh“ und dann heißt es weiter: „denn er war ein guter Mann und des heiligen Geistes voll.“ Er hatte Augen, um die Gnade zu sehen. | ||
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| - | Hieraus ergeben sich zwei große Lehren. Die erste ist diese: Lieber Christ, rede nicht nur von Gnade, nein, zeige auch Gnade! Gib dich ihr ganz und gar hin! Vertraue dich ihr mit ganzem Herzen an, indem du darauf rechnest, dass sie dich ganz übernimmt! Werde von ihr voll! Man wird sie an dir schon sehen. | ||
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| - | Doch, dass wir es recht verstehen: Es ist Gnade, welche gesehen werden muss. Es wäre denkbar, dass jemand in vieler Hinsicht die Früchte eines gottesdienstlichen Lebens zeigen könnte, ohne dass gerade Gnade bei ihm sichtbar würde. Die Merkmale der Gnade aber sind leicht zu nennen. | ||
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| - | Die tiefe Demut und die Niedrigkeit, | ||
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| - | Die zweite Lehre ist die: Lieber Christ, halte deine Augen offen, damit du überall, wo auch nur eine Spur von Gnade sich findet, dieselbe sehen, dich über dieselbe freuen und für dieselbe Gott danken kannst! Fehler bei andern zu erkennen, ist leicht und oft sehr sündlich. Aber Gnade zu erkennen, ist eine Tätigkeit, welche zur Verherrlichung führt. Er gibt Gnade, auf dass die überschwängliche Gnade durch Vieler Danksagen Gott reichlich preise. 2. Kor. 4,15; 9,12.13. Ein Mann, welcher stets wie Barnabas leben möchte, führt also ein Leben der Freude und der Verherrlichung Gottes. Zugleich ist sein Leben ein Leben des Segens für Andere. Dieselbe Gesinnung, welche die Gnade auch da erkennt, wo sie noch schwach ist, wird ja auch suchen, dieselbe zu ermutigen, wie Barnabas die Schwachen ermahnen bei dem Herrn zu bleiben, und so denen viel nützen, welche durch Gnade geglaubt haben. | ||
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| - | Herr, lehre uns, stets so zu leben, dass man Gnade an uns sehe und dass es unsere Freude sei, Gnade an Anderen zu sehen! | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Apostelgesch. 18,27. \\ | ||
| - | **Denen, die gläubig waren geworden durch die Gnade.**\\ | ||
| - | Philipp. 1,29. \\ | ||
| - | **Euch ist gegeben, dass ihr an ihn glaubt.** | ||
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| - | Wenn das Wort Gottes es so deutlich sagt, welch ein Überfluss an Gnade zu finden ist, dann hat gar mancher noch das Bedenken: Da der Überfluss an Gnade ist wohl zu jeder Zeit da, aber doch nur für die, welche auch zu jeder Zeit glauben können und das kann ich nicht. Was hilft es mir, dass der Glaube Berge versetzen kann, wenn ich den Glauben nicht habe? Der Unglaube ist der erste und schwerste Berg, welcher versetzt werden muss. Und wie wird der versetzt? Alle Herrlichkeit und aller Reichtum der Gnade helfen mir ja nichts, wenn ich nicht zu derselben gelangen kann. | ||
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| - | Welch eine herrliche Antwort gibt nun das Wort der Gnade auf dieses Bedenken! Nämlich die, dass auch der Glaube das Werk der Gnade ist, dass die Gnade selbst dafür sorgen will, dass die Seele, welche sich ihr anvertraut hat, in Glauben zunehme. „Es wird auch aus Gnade gegeben, zu glauben,“ „aus Gnaden waren sie gläubig geworden.“ | ||
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| - | Was für eine Last wird nun von dem Herzen manches Bekümmerten genommen! Der Unglaube ist nun nicht mehr ein Berg, den wir aus eigener Kraft versetzen sollen. Nein, wir können unsere Sorgen wegwerfen und uns kindlich freuen, dass die Gnade, wenn anders es wirklich unser Wunsch ist, uns ganz und gar derselben anzuvertrauen, | ||
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| - | Ja, aus Gnaden wird es euch gegeben, dass ihr glaubt. Es stände in der Tat mit der Herrlichkeit der Gnade, mit ihrer Erwählung nach dem ewigen Ratschluss Gottes und mit der göttlichen Gewissheit der Seligkeit, welche sie geben will, gar schwach, wenn alles von dem Glauben, als einem Werk des Menschen, abhängen sollte. Nein, gleichwie die ganze Seligkeit aus Gnaden ist, so ist auch der Glaube aus Gnade und durch Gnade. Wenn sich die Gnade in der Person des Herrn Jesus einem Menschen naht, weckt und wirkt sie den Glauben durch das Licht ihrer Erscheinung. Der Glaube an das, und das Vertrauen auf das, was die Gnade tun will, die Erwartung ihres Segens ist stets das Vorzeichen, dass die Gnade in Tätigkeit ist, die erste Kundgebung ihres Nahens, um in einer Seele einzuziehen. | ||
| - | |||
| - | Auf welche Weise sie den Glauben bewirft, wissen wir. Der Glaube kommt aus dem Wort Gottes. Die seligmachende Gnade ist erschienen allen Menschen und unterrichtet uns. Dadurch dass sie uns in dem Wort ihre Segnungen vorhält, erregt sie zuerst den Wunsch, das Bedürfnis und die Empfänglichkeit. Der Wunsch nach Gnade ist ein Zeichen, dass die Gnade bereits einen Eindruck auf die Seele gemacht hat. Dieser Wunsch wird dadurch, dass er die Verheißungen der Gnade beachtet, immer stärker, bis er in Vertrauen und Erwartung über geht. Durch die Gnade, welche in dem Wort der Gnade wirksam ist, glauben wir und lernen wir stets mehr glauben. | ||
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| - | Für das Gnadenleben können wir hier sehr wichtige Dinge lernen. Eine der wichtigsten Lehren ist die, dass wir Gott für den Glauben als für ein Werk Seiner Gnade danken. O lieber Christ! Weil dein Glaube noch so schwach und hinfällig ist, beschaust du ihn als dein Werk. Tue das doch nicht! Er ist ja Gottes Werk. | ||
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| - | Und ruht auch der Schatz in einem irdenen Gefäß, und scheint auch der Glaube so schwach und zweifelsüchtig zu sein, dass er durchaus nicht nach einem Werk Gottes aussieht, er ist doch Sein Werk. Durch Gnade bist du zum Glauben gekommen. Danke Gott dafür! Je mehr du Ihm dafür dankst, desto eher wirst du einsehen lernen, dass Er auch für die Vermehrung deines Glaubens sorgen wird. Allen Kummer über die Schwäche deines Glaubens wirst du dann wegwerfen, denn dann wirst du verstehen, dass die Gnade auch dies versehen wird. | ||
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| - | Noch eine Lehre, findet sich hier. Gar viele seufzen im Hinblick auf den Überfluss an Gnade. Was nutzt mir all der Reichtum? Ich habe den Schlüssel nicht, um zu diesem Schatz gelangen zu können. Mir fehlt die Kraft, die Gnade anzunehmen und festzuhalten. Den starken Glauben, welcher alles unternehmen kann, den anhaltenden Glauben, welcher sich den ganzen Tag an Jesus hält, welcher in jedem Augenblick sein Vertrauen bewahrt, diesen Glauben habe ich nicht, eines solchen Glaubens bin ich nicht fähig. | ||
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| - | O lieber Christ! Denke und rede doch nicht so! Erkenne doch endlich, dass der Glaube selbst ein Werk der Gnade ist! Er ist ein Werk, welches sie in dir mit Macht vollbringen will. Bis zu dem heutigen Tag hast du ihr Hindernisse bereitet dadurch, dass du selbst dafür sorgen wolltest. Mit Seufzen hast du vor dieser Aufgabe gestanden, als vor einem schweren Werk. O lerne es doch nun von der Gnade erwarten, dass durch sie dein Glaube bewahrt und vermehrt werden wird! Wende deine Augen der Gnade zu, ihren Reichtümern, | ||
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| - | Vergiss nur dies Eine nicht! Wende nur den Glauben an, den du schon hast! Nimm dir die Zeit, dich geradezu im Glauben zu üben! So oft du in dem Wort der Gnade liest, so oft du vor den Thron der Gnade trittst, so oft du an Gnade denkst, so oft unterwirf dich auch ihrer Einwirkung, welche dich zum Glauben an Gott führen will! Alles, was du von ihr hörst und siehst, ist ja dazu bestimmt, dich zum Glauben zu bringen! Dann wirst du mit Paulus bezeugen können: Die Gnade unseres Herrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist, ist desto reicher gewesen. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 1. Petr. 5,5. \\ | ||
| - | **Allesamt seid untereinander untertan und haltet fest an der Demut. Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, | ||
| - | Jak. 4,6. \\ | ||
| - | **Er gibt reichlich Gnade. Sintemal die Schrift sagt: Den Demütigen gibt Er Gnade. ** | ||
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| - | Gnade führt zur Demut. Nichts in der Welt demütigt jemanden mehr, als eine unverdiente große Wohltat. Wenn Gottes unermessliche Gnade sich einer Seele recht zu offenbaren anfängt, nicht in Worten, wohl aber in Kraft, nicht in Hin- und Herreden, sondern durch Erfahrung, o dann wird der Mensch in seinen eigenen Augen so klein. Es kann ja auch gar nicht anders sein. Gnade ist ja unverdiente Gunst, welche Unwürdigen zuteil wird. Und alles, was sie von ihrem eigentlichen Wesen der Seele mitteilt, alles, was sie in der Seele zum Leben und Herrschen bringt, hilft nur dazu, das Gefühl der Unwürdigkeit zu verstärken. | ||
| - | |||
| - | Daher auch die Tatsache, welche vielen so merkwürdig vorkommt: je mehr Gnade, desto mehr Demut. Viele meinen, Gott dürfe nicht so viel Gnade geben, weil wir sonst hochmütig werden würden. Sie sagen, es sei für sie nötig, immer wieder zu straucheln und zu sündigen, damit sie in der Demut blieben. Als ob die Sünde und nicht die Gnade zur Demut führte! Ach nein, je mehr wirkliche Gnade wir innerlich in unserem Leben genießen, desto demütiger werden wir. | ||
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| - | Daher auch die Tatsache, dass der starke Glaubensmann, | ||
| - | |||
| - | Daher auch dies, dass Paulus in einem Atem sagen konnte: „Ich habe mehr gearbeitet, denn sie alle; doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir gewesen ist.“ Ich nichts. Die Gnade alles. Empfing doch Paulus selbst in dem Augenblick, in welchem er in Gefahr war, sich zu überheben, und in welchem ihm sein Gebet nicht erhört werden konnten, eine neue Gnadenzusage, | ||
| - | |||
| - | Gnade gibt Demut. Darum verlangt sie aber auch Demut. Sie fordert dieselbe bei jeder Bitte um mehr Gnade. Demut ist für sie ein Beweis, dass die bereits geschenkte Gnade nicht vergeblich geschenkt wurde, dass die Seele sie wirklich verstanden und sich angeeignet hat, das die Unterwerfung unter ihre Leitung aufrichtig war. Weil die Gnade die Seele so gerne dahin bringen will, dass sie mehr empfangen kann, darum macht sie es zu einem Bestandteil ihres Unterrichts, | ||
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| - | Lasst uns dies genau mit einander betrachten! In Demut zu beten, sich vor Gott zu erniedrigen, | ||
| - | |||
| - | Diese Demut fällt uns nicht von selbst zu, oder aus dem Grund, weil wir ja nun einmal Gottes Kinder sind. Nein, sie muss ebenso, wie jede andere Gnadengabe der Gegenstand unserer Sehnsucht und unseres Gebetes sein. Vor allem muss sie der Gegenstand der Glaubensarbeit sein, welche wir in der Verbindung mit Jesus tun. | ||
| - | |||
| - | Wenn ich mich als einen Menschen betrachte, welcher mit Christo gekreuzigt und der Sünde abgestorben ist, als einen verurteilten Verbrecher, an welchem das Fluchurteil bereits vollstreckt worden ist, und als ein Mann, welcher Gott in Christo lebt und ein Leben führt, welches durch aus nicht sein eigen ist, dann werde ich demütig leben, ja froh sein, dass ich nichts bin, auf dass Christus Alles in mir werde. Nur unter dem Kreuze, in der täglichen, lebendigen Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Christus wird das alte „Ich“ unterdrückt. | ||
| - | |||
| - | O lieber Christ, der du in der Gnade wachsen willst, hier ist eine Lehre für dich. Sich vor Gott zu erniedrigen, | ||
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| - | Herrliche Gnade! Um sie empfangen zu können, ist weiter nichts nötig, als dies, dass wir arm sind und nichts sein wollen. Herrliche Gnade! Wenn jemand arm ist, wenn er nichts hat und nichts sein will, dann sind alle Schätze der Gnade für ihn da. | ||
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| - | Herrliche Gnade! Sie verlangt nicht nur Demut, sie verleiht sie auch. Ich stehe nicht unter einem Gesetz: Sei niedrig, sei demütig! Ein solches Gesetz würde nur die Sünde vermehren. Ich stehe unter der Gnade. Ihre Vorschriften dienen dazu, mir kundzutun, was ich von ihr fordern muss, was ich aus ihrer Fülle erhalten kann. Ich muss ihr nur alle Tage erlauben, ihre wunderbare Herablassung mir zu zeigen; das wird mich niederbeugen. Ich muss es an meinem Jesus, meinem König, der doch voll von Gnade ist, sehen, wie die Demut sein größter Schmuck ist. In dem Verkehr mit ihm, im Anschauen und Bewundern Seines Bildes, im Erleben Seiner Gnade werde ich demütig. | ||
| - | „Er gibt reichlich Gnade“ sagt der Apostel Jakobus an der Stelle, in welcher er denselben Text zitiert, wie Petrus: Sprüche 3,24. Mehr Gnade! Ist das nicht dein Wunsch und dein Gebet, du Gotteskind? Lerne hier, dass du mehr Gnade empfangen kannst - nicht durch Anspannung deiner Kraft, nicht dadurch, dass du an andern vorbeistrebst und dieselben zu übertreffen suchst, sondern dadurch, dass du vor Gott klein und ein Nichts bist. Die tiefsten Täler erhalten stets das meiste Wasser. Selbsterniedrigung ist der königliche Weg zur Herrlichkeit. | ||
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| - | Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken. | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | 1. Petr. 2, | ||
| - | **Denn das ist Gnade, so Jemand um des Gewissens willen zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missetat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohltat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott.** a | ||
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| - | Ja, das ist Gnade. Unrecht zu leiden und zu ertragen, das ist Gnade bei Gott, Gnade, welche man nicht immer bei den Christen sieht, Gnade, welche der Herr so gern bei alle denen sieht, welche Ihm nachfolgen (Vers 21,23; 3,17-18), Gnade, welche Er ganz gewiss geben will. Lasst uns danach trachten, auch dieses Stück der Herrlichkeit der Gnade recht zu erkennen und zu empfangen! | ||
| - | |||
| - | „Was ist das für ein Ruhm“, sagt Petrus, „so ihr um Missetat willen leidet?“ Das ist keine besondere Gnade - die Natur lehrt es ja, wenn du eine verdiente Strafe erhältst und sie still ertragen musst. Und doch, wie viele Christen gibt es, die es noch nicht einmal so weit gebracht haben! Sie haben zwar Böses getan, aber sie halten eine Bestrafung für eine Beleidigung, | ||
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| - | Wie wenig verstehen sie darum von dem, was Petrus sagt: Unrecht zu leiden, wohlzutun und um dieses Wohltuns willen zu leiden, das ist Gnade. Ja, wie wenig verstehen im allgemeinen selbst die Christen davon! Wenn ich verleumdet worden bin, wenn mir eine Beleidigung zugefügt worden ist, wenn jemand sich undankbar gegen mich benimmt, oder wenn jemand mich fälschlicherweise beschuldigt und die Menschen mir verkehrte Beweggründe zuschreiben: | ||
| - | |||
| - | Für unsere Natur scheint dies zu schwer und zu hoch zu sein. Zornig werden, Recht suchen, eine scharfe Antwort geben, wieder vergelten, das sind die Waffen, mit denen die Natur, wenn sie Unrecht leidet, auch bei vielen Christen ihre Ehre geltend zu machen sucht. Sie können es sich nicht vorstellen, welch eine Ruhe es gibt, wenn man sich unter die Herrschaft des Lammes begibt und in der Sanftmut den Sieg über sich selbst, über die Sünde und den bösen Feind besitzt. O, lieber Christ, der du fragst: Was ist Gnade? Hier ist eine der Antworten Gottes: Unrecht leiden, das ist Gnade. Lies darum diesen Text noch einmal durch und überzeuge dich, ob dies hier wirklich geschrieben steht. | ||
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| - | Indessen ist es denn für die menschliche Natur möglich, so zu leiden, wie Jesus litt? Für den alten Menschen ist es völlig unmöglich, der neue Mensch aber kann es. „ Das ist Gnade“ - was will dieses Wort wohl anders sagen, als dies, dass es eine der Segnungen ist, welche in dem unendlichen Gnadenschatz des Herrn Jesus für uns bereit sind? Es ist eine von den Gnadengaben, | ||
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| - | Sie wird es geben und in dir wirken, indem sie dich vor allem in Lebensgemeinschaft mit Ihm führt, so, dass Sein Leben sich in dir offenbaren kann. O, lieber Christ! Erlebe es wieder und wieder, wie freundlich und geduldig der Herr Jesus deiner Unwürdigkeit gegenüber ist! Bleibe der Gnade treu, welche dich in jedem Augenblick trägt, bewahrt und segnet! Und es wird dir ein Bedürfnis werden, mit Unwürdigen so umzugehen, wie man mit dir umgegangen. Zeige es, dass das Gnade ist, in der Absicht, anderen öffentlich zu vergelten, was der Herr Jesus so überreichlich im Verborgenen an dir tut. Tue es in dem Wunsch, allen, die sich an dir versündigen, | ||
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| - | O, Vater! Lehre uns diese Wahrheit erkennen! Die wunderbare Gnade, welche man an Jesus sah, als Er hienieden wallte, die wunderbare Gnade, welche uns vom Himmel herab zu teil wird, ist auch die Gnade, welche von uns Besitz ergreift und an uns gesehen werden kann und nur dies Eine erstrebt, dass wir doch dahin kommen möchten, so zu leben, wie Er gelebt und so zu leiden, wie Er gelitten. | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
| - | |||
| - | Joh. 1,14.16.17. \\ | ||
| - | **Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen Seine Herrlichkeit, | ||
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| - | Wir haben Seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, | ||
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| - | Gleichwie die Gnade die höchste Herrlichkeit Gottes ist, so ist sie auch die höchste Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes. Je mehr wir Seine Herrlichkeit durch die Erleuchtung des heiligen Geistes zu sehen bekommen, desto mehr erkennen wir auch, dass er voller Gnade ist. Es ist nichts als Gnade in Ihm. | ||
| - | |||
| - | Welch ein Gedanke! Denk einmal über denselben nach! Du weißt, dass Gnade etwas ist, was uns angeht. Alles was Gnade ist, ist für uns da, für uns bereit und für uns gegeben. Und wenn wir erst die Herrlichkeit Jesu sehen, so sehen wir dieselbe voller Gnade: alle Herrlichkeit Gottes, die unendliche Vollkommenheit Gottes dazu dienend, uns die Gnade anzutragen und nahe zu bringen. Welch' eine Verbindung! Die ewige Gnade von der ewigen Herrlichkeit getragen, uns in dem Sohn voller Gnade geoffenbart. Die Allmacht, Weisheit, Herrlichkeit und Liebe, dazu das Leben des Sohnes alles voll, durchdrungen und ganz in Besitz genommen von der Gnade. | ||
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| - | Und das alles in einer lebenden Person. Das Wort, welches Gott war, ist Fleisch geworden. Der Eingeborene vom Vater hat unsere Natur angenommen und sich mit uns vereinigt als der Erstgeborene vieler Brüder. Damit die Gnade uns recht anschaulich, | ||
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| - | Das ist uns denn auch bei unserm Sinnen nicht entgangen. Hörten wir von der Herrlichkeit der Gnade, dem Reichtum der Gnade, der Überschwänglichkeit der Gnade, der Vermehrung der Gnade und von großer Gnade immer war es in Verbindung mit dem gesegneten Sohn Gottes. Eph. 1,6; 2.7; Röm. 5, | ||
| - | |||
| - | Gelobt sei der Name des Herrn! Wir haben die Gnade nicht nur gesehen, sondern auch aus ihrer Fülle Gnade um Gnade empfangen. Immer wieder, so oft wir sie gesehen haben, haben wir auch aus ihrer unerschöpflichen Fülle empfangen. Wir haben erkennen lernen, dass dies das Geheimnis des Herrn und Seiner Gnade ist: Wer von sich selbst absieht, zu Jesu aber und Seiner Gnade emporblickt, | ||
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| - | O, lieber Christ, schaue auf Jesum hin! Betrachte dies als deine Hauptaufgabe in deinem ganzen Gottesdienst! Fange keinen Tag an, stehe von keinem Gebet auf, sei mit keinem Lesen und Hören des Wortes zufrieden, unternimm keine Arbeit, ja lebe keine einzige Stunde, ohne dass du sagen kannst: Wir sahen Seine Herrlichkeit voller Gnade.“ Wenn du das tust, wirst du auch immer wieder hinzufügen können: „Und wir haben aus Seiner Fülle genommen Gnade um Gnade.“ | ||
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| - | Betrachte das Aufblicken zu Jesu nicht als eine schwere Arbeit, welche mit deinem Wandel und deiner Tätigkeit in dieser an Mühen so reichen Welt unvereinbar wäre. Das Licht der Sonne umstrahlt dich ja auch in jeder Stunde, auch wenn du nicht daran denkst. Es strahlt sein Licht auf alle deine Arbeiten aus, und du kannst deine Arbeiten nicht sehen, ohne das Licht zu sehen. Wenn du darum, lieber Christ, an jedem Morgen und auch sonst noch oft, dich mit Jesu verbindest, zu Ihm aufblickst und Ihn als dein Leben betrachtest, | ||
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| - | Lieber Christ! Nicht wahr, nu fängst du zu verstehen an, dass es möglich ist, in überschwänglicher Gnade zu leben? O, glaube doch an die Fülle der Gnade, von der wir in diesem Büchlein so viel gelesen haben! Diese Fülle liegt in dem lebendiger, mächtigen und freundlichen Jesus, welcher lebt, um sie mitzuteilen. Alles, was er von dir fordert, ist dies, dass du zu ihm aufblickst und auf ihn dein Vertrauen setzt. | ||
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| - | O, komm und sprich mit mir dein Vertrauen in dem Bekenntnis aus: „Gesegneter Jesus! Die Fülle deiner Gnade mit ihrem unerforschlichen Reichtum ist für mich da, ist für mich alles. Das glaube ich von ganzen Herzen. Du lebst, um als mein himmlischer Schatzmeister mir in jedem Augenblick zukommen zu lassen, was ich an Gnade nötig habe. Und wenn ich im Gefühl meiner Schwachheit auf dich und deine Fülle sehe, empfange ich aus dieser Fülle Gnade um Gnade. Amen.“ | ||
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| - | „Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“ | ||
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| - | ======Murray, | ||
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| - | Noch einige Texte, Gebetswünsche, | ||
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| - | 1. Petr. 5,10. **Der Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbe wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, | ||
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| - | Das ist das für ein herrlicher Name, mit welchem Gott hier genannt wird: „der Gott aller Gnade.“ Und was ist das für eine herrliche Vorstellung von der Fülle der Gnade in dieser Aufzählung der Segnungen, welche der Christ von Ihm erwarten darf. Ist doch gerade dasjenige aufgezählt, | ||
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| - | Hier steht: Gott wird euch **vollbereiten**. Nun ist vollbereitet, | ||
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| - | Es heißt weiter: Er wird euch **stärken** oder **befestigen**. Nun kann ein Baum ein sehr guter Baum sein in dem Augenblick, in welchem er in den Boden eingepflanzt wird. Allein gut wachsen wird er so lange nicht, als er nicht feststeht. Er muss befestigt werden. Ebenso wird ein junger Christ oft durch Zweifel oder Erlebnisse, welche er nicht versteht, hin und her getrieben. Da ist es eine der herrlichsten Segnungen der Gnade, dass sie den jungen Christen stärkt und befestigt, so dass er nunmehr fest stehen kann. Apostelgesch. 16,5; Röm. 16,25; 1. Kor. 1,8; 2. Kor. 1,21; Kol. 2,7; Ps. 87,5. Ja, Gott selbst wird ihn befestigen. | ||
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| - | Gott wird ihn auch **kräftigen**. Die Stärkung oder Befestigung weist mehr auf die Festigkeit des Glaubens und Willens hin, die Kräftigung aber auf die Vermehrung der Kräfte, um arbeiten und Früchte bringen zu können. Der Christ kann auf Gnade rechnen, welche ihn nicht nur stärkt, sondern auch kräftigt. Eph. 3,16; 1. Tim. 3,13; 2. Thess. 2,17; 3,3; 2. Tim. 2,1; Hebr. 13,9. Es gibt keine Arbeit für dich zu verrichten, kein Kreuz zu tragen und keinen Streit zu führen, zu denen dir der Gott aller Gnade nicht die Kraft geben wollte. Glaub es nur fest! Deine Arbeit siehst du, das Kreuz fühlst du, den Streit fürchtest du, von dem aber, was du nicht siehst, sei doch überzeugt in dem Glauben, dass der Gott aller Gnade selbst deine Kraft ist. „Lass dir an meiner Gnade genügen“, | ||
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| - | Er wird euch **gründen**. Hier haben wir ein Bild eines Hauses, welches auf einem festem Grund steht. Dieses Bild soll auf die vollkommene Unbeweglichkeit hinweisen, welche die Frucht der Stärkung und Kräftigung ist. Matth. 7,25; Eph. 3,18; Kol. 1,23.27; 1. Petri 2,4-5; 2. Tim. 2,19. Es ist der Zustand unerschütterlichen Vertrauens, durch welchen der Gläubige so weit kommt, dass ihn nichts mehr in seiner Seelenruhe stören kann, dass er in allen Lagen seines Lebens weiß, was das heißt, im Vertrauen auf den Felsen seines Heiles fröhlich zu singen. Ps. 125,1. Welch eine Aussicht! Der Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, | ||
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| - | Der zweite Gebetswunsch ist dieser (2. Thess. 1,11 bis 12): „**Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache des Berufs und erfülle alles Wohlgefallen der Güte und das Werk des Glaubens in der Kraft, auf dass an euch gepriesen werde der Name unseres Herrn Jesu Christi, und ihr an ihm, nach der Gnade unseres Gottes, und des Herrn Jesu Christi.**“ | ||
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| - | Welch eine Vorstellung von der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesu und von dem, was nach dieser Gnade durch Gott selbst an uns geschehen soll! | ||
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| - | Gott selbst will an uns alles **Wohlgefallen seiner Güte erfüllen**. Hebr. 13,22. Ebenso will er das Werk des Glaubens und all das Tun, welches aus dem Glauben fließt und durch den Glauben vollbracht werden muss, mit Kraft vollbringen. Gal. 5,6; 1. Thess. 1,3; Jak. 2,26. So will Gott bewirken, dass der Name unseres Herrn Jesu an dir und an deinem Leben tatsächlich gepriesen werde und du an ihm. 2. Kor. 3,18. Dies Alles will Gott selbst an dir tun und zwar nach der Gnade, nach der Kraft und nach dem überschwänglichen Reichtum, welche in der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesu sind. Während du darum die Gnade betrachtest, | ||
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| - | Lieber christlicher Leser! Mit diesem Wunsch nehme ich Abschied: Gott stärke dich und mich, dies für Sein Volk stets zu erflehen, dies für uns selbst und für einander zu erbitten, dass Gott an uns alles Wohlgefallen Seiner Güte und das Werk des Glaubens mit Kraft erfülle, auf dass der Name unseres Herrn Jesus an uns verherrlicht werde, und wir an ihm, nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesu Christi. | ||
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| - | Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. | ||
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| - | ---- | ||
| - | Die Gabe Gottes. | ||
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| - | Vorträge, | ||
| - | gehalten von\\ | ||
| - | Pastor Theodor Monod\\ | ||
| - | in Paris | ||
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| - | Uebersetzt von Anna v. Hesse | ||
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| - | Bonn & Gernsbach, 1882.\\ | ||
| - | Verlag von Johannes Schergens, | ||
| - | Buchhandlung für christl. Literatur | ||
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| - | ======Monod, | ||
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| - | **“Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“** \\ | ||
| - | (Joh. 3,16.) | ||
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| - | Liebe Brüder, ich möchte mit Euch gern wieder einmal unsere Erlösungsgeschichte, | ||
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| - | „Wenn du erkennst die Gabe Gottes“, sagte der Heiland zu der Samariterin. Und diese Gabe haben wir ja doch vor allen Dingen nötig; wenn wir sie haben, so haben wir Alles. Es ist sehr schade, dass wir uns manchmal darüber streiten, auf welche Weise wir wohl am besten den Akt, durch den man diese Gabe ergreift, erklären könnten, anstatt die Gabe einfach anzunehmen, uns davon zu nähren und davon zu leben. Der Grund, auf den ich mich stütze, ist allein das Wort meines Gottes. Ich will hier keinen Menschen reden lassen, weder einen lebenden noch einen toten; das Wort Gottes soll reden und dies Wort ganz allein. Ich verstehe nicht viel von Theologie; nicht als ob ich dieselbe gering schätzte, denn ich glaube im Gegenteil, dass es heutzutage viel auf diesem Gebiet zu tun gibt. Aber meine theologische Unzulänglichkeit erlaubt mir, spitzfindige, | ||
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| - | Es liegt hierin für uns Alle eine tiefe Lehre. Denn haben nicht auch wir unsere Traditionen: | ||
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| - | Wir berufen uns also auch nicht auf die Erfahrung, sondern einzig und allein auf das Wort unseres Gottes. | ||
| - | |||
| - | Wenn wir an die Gabe Gottes denken, so ist die erste Frage, welche sich uns aufdrängt, diese: „Woher kommt diese Gabe?“ Mit andern Worten: „Wie kann Gott uns irgend eine Gabe zu geben haben?“ | ||
| - | |||
| - | Denkt an Gott, der Alles geschaffen hat, der nur zu sagen brauchte: „Es werde Licht!“ und es ward Licht; an Gott, dessen Namen wir höchstens zitternd stammeln können; an Gott, der nicht nur heilig, sondern die Reinheit selbst, die Majestät, das Licht ist; an Gott, vor dem wir uns fürchten. Ja, jeder Mensch hat die Neigung, vor Gott zu fliehen. Wenn eine Stimme in ihm ruft: „Du hast Gott nötig“, so ruft auch eine andere: „Du hast dich an Gott versündigt, | ||
| - | |||
| - | Diese Welt ist ohne Gott und ihr Wesen steht gegen Ihn. Gott hätte sagen können: „Mögen sie ohne mich fertig werden“, ER hätte uns dem Verderben preisgeben können. Aber ER hat es nicht getan. Was hat ER denn getan? Hat ER uns gute Lehren geschickt, wie wir uns selber helfen könnten? Er hat mehr als dies an uns getan. Hat ER ein Beispiel vollkommenen Gehorsams, vollkommener Heiligkeit und Geduld uns vor Augen gestellt? ER hat viel mehr getan: ER hat uns eine Gabe gesandt. ER hat uns nichts verkauft; ER hat uns nicht eine Sache gewährt, damit wir Ihm eine andere dafür wiedergäben; | ||
| - | |||
| - | Worin besteht die Gabe Gottes? Wir halten uns zunächst nicht lange bei diesem Punkt auf, obgleich das der eigentliche Kern unseres Gegenstandes ist: „Gott hat uns Seinen eingeborenen Sohn gegeben.“ | ||
| - | |||
| - | Wann hat ER Ihn gegeben? Von Anfang an. Ehe ihr oder ich, ehe unsere Voreltern geboren waren, ehe Adam geschaffen war, vor Grundlegung der Welt, hat ER ihn im tiefsten Herzensgrund gegeben, uns gegeben, für uns dahingegeben. Warum hat ER Ihn gegeben? Weil ER uns geliebt hat. O, meine Brüder, wenn wir das nur einmal verstehen lernten, dass Gott uns geliebt hat. | ||
| - | |||
| - | „Gott ist (die) Liebe,“ (1. Joh. 4,8.) sagt der Apostel. Die Bibel enthält nicht viele Erklärungen über das Wesen Gottes; dennoch gibt sie deren zwei oder drei. Gott ist (die) Liebe. Wir lernen hier nicht, was Gott befiehlt, was ER verspricht oder gibt, sondern was ER ist. | ||
| - | |||
| - | Vor allem: „Ich bin, der ich bin.“ 2 Mose 3,14. (Nach der deutschen Bibel lautet der Text: Ich werde sein, der ich sein werde.“) „Ich bin hat dich zu ihnen gesandt“, sprach Gott zu Mose. Ein aufmerksames Studium dieses Namens in der heiligen Schrift lässt erkennen, dass er nicht allein, oder hauptsächlich das absolute Dasein Gottes, im übernatürlichen Sinn des Wortes, bedeutet, sondern auch zeigt, wie treu Gott Seinem eigentlichen Wesen bleibt. Weiter heißt es: „Gott ist (das) Licht,“ (1 Joh. 1,5.) das heißt, die Wahrheit und Heiligkeit, die Wirklichkeit selbst und die Reinheit selbst. Und mehr noch: „Gott ist die Liebe.“ | ||
| - | |||
| - | Dieses Wesen, welches die Liebe und das Licht ist, hat zahlreiche Eigenschaften. Nirgends aber steht geschrieben, | ||
| - | |||
| - | Die Liebe, wen liebt ER denn? Hier müssen wir zu allererst fragen: „Wenn Gott die Liebe ist, wie konnte ER denn lieben, ehe die Welt geschaffen war und irgend etwas bestand?“ Denkt euch, ein Mensch habe sein ganzes Leben einsam in einer Wüste verbracht, könntet ihr von ihm sagen: „Dieser Mensch hat ein liebevolles Herz.“ Wie wisst ihr das? Wen liebt er denn? Wie zeigt er seine Liebe? | ||
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| - | O, meine Brüder, hier dürfen wir einen tiefen Blick tun in das innerste Wesen unseres Gottes! Wir fragen, wen Gott liebte, ehe ER irgend etwas geschaffen hatte? Die Bibel antwortet hierauf, dass Gott einen Sohn hat, Den ER liebt, dass Gott von Ewigkeit her einen Gegenstand Seiner Liebe hatte, der das Ebenbild Seines Wesens ist, dass die Einigkeit Gottes keine Einsamkeit ist; dass in dieser Einheit Gottes ein inniger Herzensverkehr, | ||
| - | |||
| - | Lasst uns wenig Worte machen, wenn wir an die Dinge herantreten, | ||
| - | |||
| - | Gott liebte das Volk Israel; zahlreiche Stellen bezeugen uns dies. Ich greife eine heraus: „Nicht hat euch der HErr angenommen, und euch erwählt, dass euer mehr wäre, denn alle Völker; denn du bist das wenigste unter allen Völkern: sondern dass ER euch geliebt hat.“... (5 Mose 7,7 und 8.) Und dann: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu Mir gezogen aus lauter Güte“. (Jer. 31,3.) Hört noch die ersten Worte aus dem Buche des Propheten Maleachi: „Ich habe euch lieb, spricht der HErr“. Und wir seufzen vielleicht: „O, dass wir zum Volk Israel gehörten!“ | ||
| - | |||
| - | Aber ich darf euch gute Botschaft bringen. Ihr habt nicht nötig, ein Daniel zu sein, oder zum Volk Israel zu gehören; hört, was der Apostel Paulus sagt: „Da aber erschien die Freundlichkeit Gottes, unseres Heilandes, und Seine Liebe zu den Menschen“ (Tit. 4,3.)... Gott hat die Menschen geliebt. Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild und liebte ihn; ER liebte ihn, ehe er fiel und nachdem er gefallen war. | ||
| - | |||
| - | Hier lasst uns nicht zwei Dinge verwechseln, | ||
| - | |||
| - | Ebenso können wir zu jedem Menschen, wer immer er auch sei, sagen: „Gott liebt dich; aber eben darum darfst du nicht in deiner Empörung beharren und ferne von Gott bleiben. Komm schnell zurück, komm heim zum Vaterhaus, zum Vaterherzen, | ||
| - | |||
| - | Dies ist der Maßstab Seiner Liebe. Und nun sagt mir, seht ihr euren Namen in der Bibel geschrieben? | ||
| - | |||
| - | Stellt euch vor, dass der große Gott auf diese elende, kleine Welt voller Sünder herabschaute und sah, dass ER diese Sünder in Seine heilige Gemeinschaft nicht aufnehmen konnte, weil sie unter einem Todesurteil standen, weil eine unheilbare Krankheit sich ihrer bemächtigt hatte, und sie schuldig, voll Sünde und Makel waren, und endlich weil Seinem heiligen Gesetz Genüge geleistet werden musste. | ||
| - | |||
| - | Was hat ER alsdann getan? Wenn es uns erlaubt ist, in solchen Ausdrücken von Gott zu sprechen, so möchte ich sagen, wir können Ihn uns vorstellen, wie ER in sich selbst sucht, auf welche Weise ER die Welt erlösen könne, und zu dem Schluss kommt, dass, wenn die Welt überhaupt erlöst werden sollte, ER selbst, in der Person Seines eingebornen Sohnes („Gott war in Christo“ 2 Kor. 5,19.) auf die Erde kommen und Mensch werden müsse, um die Sünde der Menschen zu sühnen und die Welt mit Ihm selber zu versöhnen. | ||
| - | |||
| - | Und ER hat es getan. | ||
| - | |||
| - | ER hat Seinen eingebornen Sohn dahingegeben. ER hat ihn in der Sünder Hände überantwortet, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | ======Monod, | ||
| - | |||
| - | **Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HErrn.**\\ | ||
| - | (Röm. 6,23.) | ||
| - | |||
| - | Bisher haben wir gesehen, welches die Quelle der Gabe Gottes ist, und haben erkannt, dass diese Gottesgabe ein Ausfluss der Liebe unseres Gottes ist. Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER was? Was hat ER denn getan? Ja, hierin liegt der Unterschied, | ||
| - | |||
| - | Die Einen sagen: Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER erlaubte, dass ein auserlesener Mann der Menschheit das Beispiel eines vollkommenen Lebens gab und dann aus Liebe für seine Brüder starb. Aber Gott hat die Welt viel mehr geliebt. Andere sagen: Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER ein den andern Geschöpfen weit überlegenes Wesen schuf, welches auf diese Welt kam, und sein Leben für die Menschen ließ. Aber Gott hat die Welt viel mehr geliebt. Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER uns Seinen eingebornen Sohn gab. Das ist die Gabe Gottes, das ist die Liebe Gottes. | ||
| - | |||
| - | Lasst uns nun fragen nach dem Wesen dieser Gottesgabe. Ich nehme an, ich gebe einem Kind ein Goldstück. Welches ist die Ursache, der Beweggrund dieser Gabe gewesen? Mein Wohlwollen, meine Zuneigung zu dem Kind. Welcher Art ist die Gabe? Seht den geschenkten Gegenstand an; es ist Gold; es ist eine geringe Quantität eines edlen Metalls, mit welchem das Kind sich Alles anschaffen könnte, was es wollte, natürlich, innerhalb der Grenzen der bewussten Summe. Ebenso frage ich, „welche Gabe hat Gott den Menschen geschenkt? | ||
| - | |||
| - | Ohne auf das zurückzukommen, | ||
| - | |||
| - | Jesus Christus ist das Leben; ER selbst sagt: „Ich bin das Leben“ (Joh. 14,6.); daraus folgt, dass, wenn Gott uns Seinen Sohn gegeben, ER uns auch das Leben gegeben hat. Das sagt auch der Apostel, wenn er spricht: „Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HErrn.“ (Röm. 6,23.) Merkt wohl, es heißt in Christo Jesu und nicht nur, durch Christum Jesum, wie einige Übersetzungen lauten. | ||
| - | |||
| - | Lasst uns noch eine andere bekannte Stelle anführen; wir können nie zu oft darauf zurückkommen. „Das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in Seinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“ (1. Joh. 4,11.) | ||
| - | |||
| - | Dies im Glauben ergreifen, heißt, in den Besitz aller Gnaden gelangen. Gott hat uns in Seinem Sohne das Leben gegeben. Das Leben, wie man mit Recht bemerkt hat, kann sich von dem lebenden Wesen nicht trennen; es besteht nicht in abstraktem Sinne; es gibt kein Leben, wenn nicht Jemand, oder Etwas da ist, was lebt. | ||
| - | |||
| - | Nun gut; wenn Gott uns das Leben gegeben hat, so hat ER es uns in einem Wesen gegeben, welches lebendig ist, welches das Leben selbst ist, das Leben Gottes. ER hat uns das Leben in einer Persönlichkeit gegeben, und dieses Leben ist göttlich, weil es das Leben Gottes in Seinem Sohn ist. Es ist auch das wahre, menschliche Leben; denn Jesus hat (Ebr. 2, 16) nirgends die Natur der Engel angenommen, sondern den Samen Abrahams nahm ER an sich. ER war Mensch; ja mehr als das, Er war der Mensch, und Pilatus sagte wahrer, als er selbst es glaubte, indem er ausrief: „Seht, den Menschen“. (Joh. 19,5. wörtlich.) ER ist wahrhaftiger Mensch gewesen, und doch finden wir in Seinem Leben das göttliche und das menschliche Leben in einer Person vereinigt. Und ist es nicht gerade das, was wir bedürfen? | ||
| - | |||
| - | Wir besitzen dieses menschliche und doch zugleich göttliche Leben, wenn wir Christum haben. Es ist uns gegeben; und nun frage ich euch, unter welchem Namen könnte es uns gehören, wenn nicht unter dem Namen „Gabe“? Wenn Jemand käme, um mir zu sagen, dass ich heute noch das herrlichste Reich Europas besitzen könnte, so würde ich sehr gut verstehen, dass es dieser Person nicht einfällt zu denken, ich könnte so viel Geld finden, um mir dies Reich zu kaufen; wenn ich es haben soll, so muss man es mir schenken. Ebenso, wenn ich das Leben Gottes haben soll, so darf ich mir nicht einbilden, dass meine kleinen Werke, meine kleinen Leiden und Verdienste es mir erwerben können. Dieses Leben ist, in der ganzen Wahrheit des Wortes, ein freiwilliges Geschenk, und wenn ein Mensch es nicht als Geschenk annehmen will, so wird er es nie haben. (Röm. 11,35.) „Wer hat Gott etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? | ||
| - | |||
| - | Die Gabe Gottes ist eine freiwillige, | ||
| - | |||
| - | Unzählige Stellen der Bibel behandeln diesen Gegenstand; wir wollen nur zwei herausgreifen: | ||
| - | |||
| - | Achtet wohl auf die zwei Worte: in Christo; denn nur in Christo hat uns Gott also gesegnet. Nach dem Apostel Paulus hört auch, was der Apostel Petrus sagt: (2 Petri 1,2.3.) „Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres HErrn; nachdem allerlei Seiner göttlichen Kraft (was zum Leben und göttlichen Wandel dient) uns geschenkt ist, durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch Seine Herrlichkeit und Tugend.“ | ||
| - | |||
| - | Es handelt sich folglich um eine vollkommene Gabe, außerhalb welcher nichts ist. Wenn Gott uns Jesum Christum gibt, so gibt ER Alles, was ER dem Menschen überhaupt geben kann. | ||
| - | |||
| - | Wie bekommen wir aber diese Gabe? | ||
| - | |||
| - | Ich behandle hier nicht einen Gegenstand, auf den wir noch besonders eingehen wollen, nämlich die Annahme der Gabe Gottes; ich frage einfach, wie kann das ewige Leben die Gabe werden, welche Gott dem sündigen Menschen gibt? Erinnert euch an das Wort Jesu. ER sagt nicht nur: „Ich bin das Leben,“ und doch wäre das schon viel gesagt; sondern: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh. 11,25.) ER kam zu dem Menschen, der in Sünden tot war: seine Seele, sein Körper, Alles an ihm war tot. ER lebte, ER starb, ER stand aus dem Grab auf, ER, der zweite Adam, der lebendigmachende Geist; ER machte die Seele und mit ihr auch den Leib des Menschen lebendig. Wie hat ER das getan? Indem ER aus unserem Wege das Hindernis räumte, welches uns gänzlich abhielt, zu Gott zurückzukehren; | ||
| - | |||
| - | Was hat ER denn getan? „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ (Joh. 1,29.) „ER hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Nun ist die Türe offen; dem Gesetz Gottes, welches den Tod des Übertreters verlangte, ist Genüge geleistet. Doch wisse es wohl, lieber Leser, dem Gesetz Gottes muss unbedingt, auch was dich betrifft, Genüge geleistet werden, und zwar durch den Tod Christi als deines einzig möglichen Stellvertreters. Seht, so konnte die Tür geöffnet werden; so offenbart sich nun die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes zu gleicher Zeit; so kann nun der verworfenste und elendeste, der niedrigste der Sünder, ja selbst der, welcher am weltlichsten, | ||
| - | |||
| - | Aber merkt wohl, liebe Brüder, der eigentliche Zweck des Todes Christi ist, uns das Leben zu geben. Es ist nicht nur gekommen, um uns Seinen Tod, nein, ER ist gekommen, um uns Sein Leben zu geben. Und weil dieses Leben nur durch Seinen Tod das unsrige werden konnte, ist ER gestorben. Durch Seinen Tod sind wir lebendig gemacht, oder eigentlich durch Seine Auferstehung, | ||
| - | |||
| - | Lasst uns hier noch eins bemerken: Wenn Christus uns Sein Leben gibt, so ist dies nicht nur ein Anrecht auf das Leben. Ich glaube, dass eigentlich hierin der Hauptirrtum liegt, welchen, ich sage nicht, diejenigen begehen, die mit dem, was man die gegenwärtige „Bewegung“ nennt, nicht übereinstimmen, | ||
| - | |||
| - | Wohl liegt hierin für uns eine ernste Warnung; aber es liegt auch und das besonders, eine Aufmunterung und ein Quell der Freude darin. Haben wir Jesum angenommen, so besitzen wir nicht nur das Anrecht auf das ewige Leben (das Anrecht haben wir auch), sondern das ewige Leben selbst. Würdet ihr zufrieden sein, wenn ihr in einer zerfallenen Hütte wohntet und es besuchte euch Jemand und sagte: „Ich gebe Ihnen ein gutes, bequemes Haus,“ und dann, indem er euch ein Blatt Papier in die Hand drückte, hinzufügte: | ||
| - | |||
| - | Gott hat uns Seinen Sohn gegeben, das ist etwas ganz anderes als ein bloßes Anrecht, das ist Sein eigenes Leben. Es ist wahr, dass dieses Leben „ewig“ ist; aber ganz gewiss ist es nicht weniger das Leben, weil es ewig ist, gerade im Gegenteil. Seine Kraft ist „die Kraft eines unendlichen Lebens.“ (Hebr. 7,16.) Es ist das Leben Gottes selbst, uns jetzt gegeben, damit wir in Jesu Christo Gottes Kinder sein könnten; Kinder, welche lieben; Kinder, welche Leiden; vielleicht manchmal Kinder, welche sich verirren, obgleich dies nie eine Notwendigkeit ist; immer aber Kinder, denen Jesus Christus, mit Allem, was ER hat und ist, gehört. | ||
| - | |||
| - | Ihr könnt unmöglich Christus selbst, Seine Person, von irgend einer der Gaben trennen, die ER uns gewährt; sei es nun Seine Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Diese Christen werden uns z. B. bei dem Auszug aus Ägypten daran erinnern, dass man beide Pfosten an der Tür und die oberste Schwelle mit dem Blut des Lammes bestrich, und dass, wenn die bestimmten Stellen mit dem Blut des Lammes besprengt waren, der Engel vorüberging und keinem, der im Haus war, etwas zu Leide tat. Das Alles ist vollkommen wahr; aber lasst mich euch die Stelle doch ganz lesen. „Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, da kein Fehl an ist, ein Männlein und eines Jahrs alt.... Und ein jegliches Häuflein im ganzen Israel soll es schlachten zwischen Abends. Und soll seines Blutes nehmen, und beide Pfosten an der Tür und die oberste Schwelle damit bestreichen, | ||
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| - | Geradeso genügt es auch nicht, sich immer zu wiederholen: | ||
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| - | Aber, sagt der Apostel nicht irgendwo, dass wir nichts zu fürchten haben? Ja, ER sagt es, und wiederholt es öfter. ER sagt z. B. „Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, | ||
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| - | Meine Brüder, ist dies nicht vollkommen klar? Ist das nicht die Lehre des Wortes Gottes, und ist es nicht hohe Zeit, dass Jeder, welcher bekennt ein Christ zu sein, nicht sein Christentum, | ||
| - | |||
| - | Aber es ist Zeit, zu schließen. Ich glaube, ich habe eine zu kühne Behauptung aufgestellt, | ||
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| - | Die einzige Tugend des Glaubens besteht darin, dass ich mich durch denselben, so zu sagen, in Christum einhülle; durch den Glauben und in dem Glauben ergreife ich Christum. Durch diese Vereinigung oder vielmehr in dieser Vereinigung sind alle Gnaden und Heilsgüter mein eigen. Nichts empfange ich von Jesu Christo. Ich besitze Alles in Jesu Christo; aber auch nur in Ihm, in der Vereinigung und Gemeinschaft mit Ihm. Ich empfange keine gerechtmachende Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | „Gewinnt Christum und ihr gewinnt Alles; bewahrt Christum und ihr bewahrt Alles.“ | ||
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| - | |||
| - | ======Monod, | ||
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| - | **Wie Viele Ihn aber aufnahmen, denen gab ER Macht, Gottes Kinder zu werden, die an Seinen Namen glauben.“ **\\ | ||
| - | (Joh. 1,12.) | ||
| - | |||
| - | Der Gegenstand unserer heutigen Betrachtung ist die Annahme der Gabe Gottes. Wir haben gesehen, dass die einzige Quelle dieser Gabe Gott selbst, Seine ewige, unendliche Liebe ist. Wir haben gesehen, dass diese Gabe keine andere ist, als der HErr Jesus Christus selbst, ER, der das Leben ist. Später wollen wir von den Wirkungen dieses Lebens in uns, und von den Mitteln, die Kraft dieses Lebens zu bewahren und zu vermehren, reden; und endlich auch fragen, zu welchem Zweck Gott uns diese Gabe gegeben hat. Zwischen diesen Gegenständen und denen, welche wir noch nicht behandelt haben, liegt ein anderer, welcher in dieser Kette ein Ring von der größten Wichtigkeit ist, nämlich, die Annahme der Gabe Gottes. | ||
| - | |||
| - | Wir können wirklich wissen, dass diese Gabe uns umsonst geschenkt wird, dass sie vollkommen ist; wir können wissen, dass sie Heiligkeit, Glück, Gnade und Herrlichkeit mit sich bringt; aber was nützt uns dies Alles, wenn wir sie nicht besitzen? Vielleicht ist unter diesen Zuhörern noch eine oder die andere arme Seele, welche die Gabe Gottes noch nicht angenommen hat, und welche sich ängstlich fragt: „Was soll ich tun? Muss ich nicht erst diese oder jene Gnade haben, muss ich nicht zuerst in dieser oder jener Stimmung sein, um der Gabe Gottes teilhaftig werden zu können? Ist die Gabe Gottes nicht nur für die Gläubigen und muss ich nicht, ehe ich sie für mich in Anspruch nehme, irgend ein Zeichen haben, dass ich ein Gläubiger bin?“ Solche Fragen wirft man oft auf; aber diese Art zu fragen bringt die Seelen in große Verwirrung und ist nicht auf die Schrift gegründet. | ||
| - | |||
| - | Gott sagt, dass ER „also“ nicht die Gläubigen, sondern, „die Welt“ geliebt habe, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, damit ER „der Heiland der Welt“ sei, auf dass ALLE, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Es versteht sich von selbst, dass ihr, ohne zu glauben, dieses ewige Leben nicht haben könnt, was nichts anders heißt, als dass ihr diese Gabe annehmen müsst, um in ihren Besitz zu gelangen. Aber Gott hat sie euch gegeben; ihr könnt sie so frei und ungezwungen gebrauchen, als ihr das Wasser aus dem Fluss nehmt, oder die Luft des Himmels einatmet. „Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offenb. Joh. 22,17.) Aber was heißt denn nehmen? was heißt annehmen? Es scheint mir wirklich, als ob es uns gelänge, gerade die einfachsten Fragen mit dem dichtesten Nebel und den größten Wolken von Schwierigkeiten zu umgeben. | ||
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| - | Als ich vor einiger Zeit einer Konferenz von Brüdern beiwohnte, hörte ich einen Freund folgende Geschichte erzählen. Der Vorsteher einer Sonntagsschule wollte seinen Schülern klar machen, was die Gabe Gottes sei, und wie sie dieselbe erlangen könnten. Er verließ seinen Platz und trat an die Kinder heran, seine Uhr in der Hand haltend. Dann hielt er die Uhr in die Höhe und sagte zu dem ersten der Kinder: „Ich gebe dir diese Uhr.“ Das Kind machte große Augen; aber es bewegte sich nicht. Der Lehrer ging zu dem folgenden und wiederholte: | ||
| - | |||
| - | Ich weiß nicht, ob ich jedem Vorsteher einer Sonntagsschule raten würde, seine Uhr dranzugeben; | ||
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| - | Aber mein Vergleich wird Einigen mangelhaft erscheinen. Man wird sagen, es handelt sich in diesem Fall um einen greifbaren Gegenstand, eine Uhr, die man mit dem Auge sehen kann, und wir besitzen eine Hand, die im Stande ist, die Uhr zu ergreifen. Das ewige Leben hingegen ist keine sichtbare Sache, und wir haben keine Hand, um es zu ergreifen. Meine Freunde, es begegnet uns alltäglich, | ||
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| - | Wir haben auch ein Wort empfangen, ein Wort Gottes, denket darüber nach. Gott sagt, dass ER, nicht uns Gläubigen, nicht uns Heiligen, sondern uns Sündern Seinen Sohn gegeben hat, dass ER an unserer Statt sterbe; und zwar, „während wir noch Feinde waren“ (Röm. 5,10); auf dass, weil ER nun die Welt mit Sich versöhnt hat, wer da will, versöhnt sein könne. Was haben wir denn zu tun? Ganz einfach die Sache als eine Tatsache hinzunehmen, | ||
| - | |||
| - | Aber wir wollen zu Anderen übergehen, Es gibt Leute, welche zuhören und aufmerksam sind, welche ihre Not fühlen und Gottes Wort nicht in Zweifel ziehen, und dennoch nicht die Gabe Gottes ergreifen. Nun sind aber der Glaube an das Wort Gottes und die Annahme der Gabe Gottes zwei Dinge, welche Hand in Hand gehen müssen. Wenn der Schüler, von dem ich euch erzählt habe, dem Worte seines Lehrers nicht geglaubt hätte, würde er selbstverständlich die Uhr nicht genommen haben; und wenn er auf der andern Seite seinem Lehrer geglaubt hätte, ohne zu nehmen, was dieser ihm anbot, so würde sein Vertrauen ihm gar nichts genützt haben. Es gibt demnach Seelen, welche glauben, aber nichts ergreifen. Warum? Die Einen, weil sie unter dem Einfluss einer sehr feinen Form des Unglaubens stehen, den sie Demut nennen. Sie sagen: „Ja, das mag für andere Sünder sein, aber nicht für mich; denn ich bin zu schlecht, mein Herz ist zu verstockt; ich habe Gott zu oft beleidigt“; | ||
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| - | Es gibt andere Leute, welche diese Gabe aus völlig entgegengesetzten Gründen nicht annehmen; sie sind zu stolz, sie anzunehmen, weil sie dieselbe nicht unter dem Namen „Gabe“ haben wollen. Sie müssen Gott etwas dafür geben; ihre guten Werke, oder wenigstens doch ihre guten Absichten, ihre Gebete, oder vielleicht auch ihren Schmerz über die Sünde. Hiermit will ich nicht sagen, dass diese Dinge an und für sich schlecht seien, aber sie bringen Gott dieselben wie Geld, mit welchem sie Sein Heil zu kaufen gedenken. Die Gabe Gottes verkauft sich aber nicht. Gott nimmt weder unsere Bitten und Tränen, noch unser Gold und Silber als Zahlung dafür an. Von alledem will ER nichts haben; ER will, dass wir uns Ihm nahen, arm und nackt, blind, zu Grunde gerichtet und verloren, als Leute, die nichts bieten können, als das Gebet des Zöllners: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Luk. 18,13.) Und wir dürfen noch hinzufügen: | ||
| - | |||
| - | „Ich bin nur ein Nichts, ein Elender, voll schwerer Sünd, \\ | ||
| - | Doch in Allem und für Alles ich jedes Gut in Jesu find.“ | ||
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| - | Seid versichert, dass viele rechtschaffenen, | ||
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| - | Endlich gibt es aber noch einen Grund, und vielleicht ist dies der Hauptgrund, welcher eine Menge Leute verhindert, die Gabe Gottes anzunehmen. | ||
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| - | Dieser Grund ist: „sie haben volle Hände.“ Gott füllt nur leere Hände; wenn die unsrigen voll sind, so wird und kann Gott sie nicht füllen. Vielleicht sind sie mit Dingen gefüllt, die man gut heißt; vielleicht gar mit religiösen Werken; aber in Wahrheit, und um gleich alles in einem Wort zu sagen, sind sie voll von uns selbst; sie sind voll von dem Suchen nach uns selbst, dem Vertrauen in uns selbst, voll von eigener Weisheit, eigener Kraft, eigener Würdigkeit, | ||
| - | |||
| - | Nun kommt aber Jesus Christus mit der ganz bestimmten Absicht, unser selbstsüchtiges Ich zu erniedrigen; | ||
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| - | O meine Brüder, haben nicht vielleicht Manche unter uns aus diesem Grunde die Gabe Gottes nicht angenommen? Sie haben volle Hände und wollen nicht los lassen, was sie halten. Soll dies denn heißen, dass man sich in gewisse Zustände hineinarbeiten müsse, um die frohe Botschaft annehmen zu können? Nein; wenn Jemand wirklich entschlossen ist, Christum anzunehmen, so wird er in demselben Augenblick, wo er den Heiland ergreift, Alles loslassen, was ihm die Hände füllt. Wenn ein Mensch zu Christo kommt, kehrt er sich um zu Gott: das ist die Bedeutung des Wortes Buße. Was ist die Buße, welche mit dem Glauben Hand in Hand geht? Ist es eine Art Gefühl, in das wir uns hineinarbeiten müssen, ehe wir glauben? Ganz gewiss nicht. Man versteht jetzt allgemein sehr wohl, dass Buße tun, einfach bedeutet, „sich umkehren zu Gott.“ As Jesus anfing zu predigen, fasste ER Seine Lehre kurz in diese beiden Worte: „Tut Buße, und glaubt an das Evangelium.“ (Mark. 1,15.) Ebenso sagt der Apostel Paulus, als er die Ältesten von Ephesus an seine Arbeiten in ihrer Gemeinde erinnert: „Ich habe euch gelehrt öffentlich und sonderlich; die Buße zu Gott und den Glauben an unsern HErrn Jesum Christum.“ (Apostelg. 20,20.21.) Mit andern Worten: „Kehrt euch um zu Gott und nehmt, was Seine Liebe euch gibt.“ Beide Dinge müssen zusammen gehen. Nehmt an, ich lege ein Geschenk auf diesen Tisch, es ist für einen von euch, der mir den Rücken dreht, bestimmt, z. B. für diesen Stenographen, | ||
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| - | Ebenso ist die Gabe Gottes in Gottes Hand, und der natürliche Mensch kehrt Gott den Rücken. Gott ruft ihm und sagt: „Hier, das gebe ich dir!“ So lange der Mensch von Gottes Gabe nichts wissen will, solange er Gott nicht hören und von Gott nicht abhängen will, beharrt er darin, fern von Gott zu fliehen. Er tut nicht Buße, er glaubt nicht. Aber von dem Augenblick an, wo er dem Worte Gottes glaubt und Christum als seinen Heiland annimmt, hat er sich zu Gott umgekehrt - und das ist die Buße. Bis er sein Gesicht - ich will sagen sein Herz, sein Leben - zu Gott umgekehrt hat, hat er gut von Glauben reden, er glaubt doch nicht. Er führt ein Leben nach seinem eignen Willen, das heißt, ein Leben voll Ungehorsam und Unglaube, selbst wenn er mit der Bibel unterm Arm dem Verderben entgegen ginge. | ||
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| - | Das ist die praktische Frage, welche beantwortet werden muss: „Wollt ihr die Gabe Gottes nehmen? Wollt ihr euch umkehren, um sie zu nehmen? Wollt ihr, anstatt auf euer Vorhaben, auf die Pläne, die ihr euch gemacht, zu sehen, eurem Vater in die Augen schauen und zu Ihm sagen: „Siehe, ich komme, Deine Gnade anzunehmen und zu tun, Gott, Deinen Willen.“ Wenn dem so ist, so ist die Gabe Gottes euer, und ihr könnt des von heute an ganz sicher sein. | ||
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| - | Hier stellt sich manchmal eine ernstliche Schwierigkeit dar. Viele meinen, dass, wenn sie die Gabe Gottes angenommen und gesagt haben: „Sie gehört mir!“ sie nun auch unbeschreibliche Gefühle haben müssten; sie bilden sich ein, es müsste sich etwas ganz Neues mit ihnen ereignen, und meinen, feurige Zungen müssten plötzlich auf sie vom Himmel herab kommen. Nichts dergleichen ist uns verheißen. Die Gabe Gottes ist für euch, und hier ist sie; nehmt sie im Gebet im Namen Christi, als euer Eigentum in Anspruch; glaubt, dass sie euch gehört, und macht sogleich Gebrauch davon; das ist das Mittel zu wissen, ob sie euch gehört oder nicht. Wenn der kleine Knabe, von dem wir heute so oft gesprochen haben, später jemals Zweifel hatte, über die Wirklichkeit des Geschenks, welches man ihm gegeben, so hatte er nur die Uhr aus der Tasche zu ziehen und darauf zu sehen, welche Zeit es war. Gerade so ist es, wenn ihr noch zweifelt, dass Christus euer ist, bedient euch Seiner, stellt Ihn auf die Probe. | ||
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| - | Zum Beispiel, es fährt euch Jemand zornig an, oder macht euch eine unangenehme Bemerkung; anstatt euch dann zu sagen: „Warum habe ich nicht einen besseren Charakter, um dies Alles mit Geduld zu tragen!“ erinnert euch daran, dass ihr einen Heiland bei euch habt. Redet mit Ihm, verlasst euch auf Ihn, und ihr werdet sehen, dass anstatt einer gereizten Antwort, oder einer dieser noch viel schlimmeren Antworten, die einen Beigeschmack von Honig und Essig haben, ihr nur sanfte Worte auf den Lippen, und eine friedfertige Gesinnung im Herzen habt, und ihr werdet euch fragen: „Woher kommt das?“ Das kommt vom HErrn Jesu Christo. Dann werdet ihr anfangen, bei euch zu denken: Nun, ER ist trotz alledem wirklich mein.“ | ||
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| - | Von nun an ist Alles, was ER hat, euer. Seine Gerechtigkeit ist euer, und ihr nehmt in Ihm vor Gott die Stellung eines gerechtfertigten Kindes ein. Seine Kraft, Seine Geduld, Sein Licht, Seine Liebe, Alles gehört euch, wenn ihr Ihn wirklich als Gottes Gabe für eure Seele annehmt. Indessen, meine Brüder, wenn wir auf den Grund der Sache gehen, müssen wir fragen, können wir das von uns selbst tun? Genügt es, dass man uns auf unsern Willen hinweist, damit wir des Heils, selbst unter dem Namen einer unverdienten Gabe seitens Gottes, sicher seien? Habt ihr versucht, es zu tun? Und wenn ihr es versucht habt, habt ihr dann nicht bemerkt, dass gerade dieser Wille am meisten nötig hat, in uns geändert zu werden? Und seid ihr dann nicht glücklich gewesen zu wissen, dass in dem Worte Gottes eine Erklärung steht wie diese: „Gott ist es, der in euch wirkt das Wollen“ (Phil. 2,13.)? Ist es euch dann nicht oft begegnet, dass ihr ausgerufen habt: „Ach, wenn ich wenigstens aufrichtig wollte! Man sagt mir, dass das Ganze sei „zu wollen“; ja, aber das Wollen ist Alles; mein Unglück, meine Sünde ist, dass ich nicht will.“ Bedenkt zwei Dinge: zuerst dürft ihr nicht erwarten, dass Gott sich an eure Stelle setzt, in dem Sinn, dass ER für euch will und ihr nichts zu tun habt. Es gibt Christen, welche, besonders in dieser letzten Zeit, gefürchtet haben, dass die Stelle, die man in der evangelischen Predigt dem Geist Gottes eingeräumt hat, die menschliche Persönlichkeit vernichtet. Darin liegt sicher ein Irrtum, der sorgfältig vermieden werden muss. Gott übernimmt es sicher nicht, für euch zu glauben, für euch zu vertrauen, für euch zu wollen und zu handeln. Zu gleicher Zeit aber ist ER stets bereit, euch fähig zu machen zu glauben, zu vertrauen, zu wollen und zu handeln. Wie denn? werdet ihr fragen. Durch den Heiligen Geist. ER gibt den Heiligen Geist allen denen, die Ihn darum bitten. Der Heilige Geist ist ganz besonders dazu gesandt, uns zum Wollen zu bewegen, Christum unsern Seelen zu zeigen, unsere Seelen zu Christo zu führen, so nämlich, dass wir gezwungen würden, uns zu Ihm umzukehren und auszurufen: „Mein HErr und mein Gott!“ | ||
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| - | „Niemand kann Jesum einen HErrn heißen, ohne durch den Heiligen Geist“ (1 Kor. 12, 3.), sagt der Apostel Paulus; natürlich ist hier gemeint, dass man es mit Aufrichtigkeit sage; denn der Apostel hat sicher nicht die Absicht zu lehren, dass man des Heiligen Geistes bedarf, um mit den Lippen nur zu sagen, dass Jesus der HErr ist. Die Frömmigkeit, | ||
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| - | ======Monod, | ||
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| - | **“Welcher auch Seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat Ihn für uns Alle dahin gegeben; wie sollte ER uns mit Ihm nicht Alles schenken? | ||
| - | (Röm. 8,32.) | ||
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| - | Was es heißt, die Gabe Gottes annehmen, haben wir gestern gesehen, meine Brüder, und ich hoffe selbst, dass wir mehr getan haben, als es nur zu sehen. Ich fürchte, das gestehe ich ganz offen, dass wir nur zu leicht, indem wir versuchen, wichtige Wahrheiten klar zu machen, den wichtigsten Punkt aus dem Auge verlieren, und der ist: Christum zu ergreifen, uns wieder mit Ihm zu vereinigen und Ihn mit festerer Hand, mit aufrichtigerem und gläubigerem Herzen zu halten. Wir müssen uns sehr hüten, dass die Anstrengungen, | ||
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| - | Ich wende mich nun an einen Gläubigen, der das Anerbieten Gottes mit „Ja“ beantwortet, | ||
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| - | Diese Stelle ist von der größten Wichtigkeit; | ||
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| - | Doch lasst uns zu der Seele zurückkehren, | ||
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| - | Erstlich, Christus ist euer. Überlegt, was das sagen will. Ein hochgeschätzter Bruder, welcher mit Versammlungen wie dieser nicht ganz übereinstimmt, | ||
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| - | Und sollen wir nun unseren Schatz in seinen Einzelheiten genau betrachten? Sollen wir das Schmuckkästchen öffnen, welches all' unsere Kleinodien birgt? O, wir hätten dann genug zu tun, um unsere Lage, unsere Jahre, und die ganze Ewigkeit auszufüllen. Und doch würden wir dann noch nie völlig erkennen, was es heißt, „Christus ist unser.“ | ||
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| - | Nehmt darum irgend etwas, was Christo gehört und sprecht: „Das gehört mir.“ Schreibt euren Namen mit dem Seinigen daran. Die Gerechtigkeit Christi ist euer, sie ist ganz euer. Sie ist als die eurige angenommen, sie ist euch zugerechnet, | ||
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| - | Aber, bitte, was bedeutet denn dies? Werde ich nun diesen Kreditbrief offen lassen, ohne mich seiner zu bedienen? Wenn in Christo die Gabe Gottes mein ist, soll das etwa so viel heißen, dass sie in Wirklichkeit nur in einer Redefigur mein ist? Ist sie nicht vielmehr in Wahrheit mein eigen, gerade weil sie in Ihm mir gehört, für immer sicher unter Seiner Obhut? Wenn sie mein ist, so ist dies gewisslich, damit ich diesen immer offenen Kreditbrief benutze, damit ich meine Zuflucht zu diesen unerschöpflichen Hilfsquellen nehme. Damit ich im Namen des Gerechten unaufhörlich in völliger Glaubenszuversicht vor den Vater trete; damit ich selbst die Gerechtigkeit Christi nehme, und sie im praktischen Leben zu meiner eigenen mache; damit, so oft ich irgend etwas nötig habe, und ich habe zu jeder Stunde Alles nötig - ich es in Ihm, „dem Gerechten“ finde, und dass das, was ich in Ihm gefunden habe, in Wirklichkeit ebenso mein eigen sei, als ich in Christo Jesu vor Gott Recht und Anspruch darauf habe. Ich möchte doch wissen, wie eine Sache, die Gott für wahr hält, für mich nicht wahr sein sollte? Wenn es für Gott eine Tatsache ist, so ist es doch auch unfehlbar eine Tatsache für mich, und ich habe das Recht, es als solche zu behandeln; ich werde von der Gerechtigkeit Christi Leben, gerade weil sie Ihm gehört, und weil ER mein ist. Ich habe nichts auf der Welt, was mir ganz als Eigentum gehört, darum werde ich zu Ihm gehen und Ihm sagen: „Deine Gerechtigkeit gehört mir, auf dass der Vater mich in Gnaden annehme, und dass ich durch sie, dass ich von ihr lebe alle Tage meines Lebens.“ Denn alles in allem genommen schließt doch Seine Gerechtigkeit Alles in sich. | ||
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| - | Um jedoch auf die Einzelheiten näher einzugehen, nehmt z. B. den Frieden, das heißt die Wirkung, welche durch diese Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Seine Kraft ist unser. Sie ist mächtig, nicht in der Kraft, nicht in einem kleinen Maß von Stärke, nein „Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2 Kor. 12,9.) „ER gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jes. 40,29.) Wie denn? Indem ER ihnen Seine Kraft gibt. Sollen wir von der Reinheit sprechen? Ihr habt Christum, der die Reinheit selber ist; ER kommt durch den Heiligen Geist zu euch, um euch rein zu machen. | ||
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| - | Handelt es sich um das Licht, um die Leitung, deren wir bedürfen? „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8,12.) Wie haben wir denn das Licht? Indem wir Christum haben. Man hat sehr oft bemerkt, aber man kann nie zu häufig darauf zurückkommen, | ||
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| - | Handelt es sich um die Liebe? ER ist die Liebe. Besitzen wir Ihn, so besitzen wir die Liebe; und es gibt kein anderes Mittel, Gott oder die Brüder, oder alle Menschen zu lieben, als in Christo zu bleiben, und Christum also in seinem Herzen zu haben; denn das eine ist unzertrennlich von dem andern: „Bleibt in Mir, und Ich in euch.“ (Joh. 15,4.) Seine Liebe gehört uns. Gottes Gebot ist die Liebe und Gottes Gabe ist Christus. Wir nehmen die Gabe Gottes an, und dann gehorchen wir ungezwungen Seinem Gebot. | ||
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| - | Seine Freude ist unser. „Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde.“ (Joh. 15,11.) Wahrlich, unsere Freude muss wohl vollkommen sein, wenn es Seine Freude ist, die in uns bleibt. Soll das heißen, dass wir nun Schmerz und Leiden nicht mehr kennen werden? O, wie könnte man glauben, dass es das Leben Christi sei, wenn es nicht ein Leben voll Schmerz ist? Der Schmerz der Liebe, der Schmerz der Heiligkeit, die überall von Sünde umringt ist; der Schmerz desjenigen, der nicht nur die Sünde in der Welt zu bekämpfen hat, sondern wohl weiß, dass ein Gesetz der Sünde in seinen eigenen Gliedern ist; wahrlich, das ist genug, um einen Menschen aus der Sorglosigkeit heraus zu reißen. | ||
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| - | Außerdem werden wir unsere eigenen Leiden haben, die Gott uns gerade darum schicken wird, weil wir Christo angehören, und weil ER uns Seinem Bild ähnlicher machen will. ER wird uns mit der größten Zärtlichkeit behandeln; aber es unterliegt gar keinem Zweifel, dass, wenn wir uns mit Ihm vereinigen wollen, wir mehr und mehr Teil an Seinen Leiden haben werden. Achtet darauf, dass der Apostel die Leiden nach der Auferstehung anführt: „Zu erkennen Ihn und die Kraft Seiner Auferstehung, | ||
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| - | Kurz, ist Christus unser, so ist Alles unser; denn Alles gehört Ihm. Wie einfach ist doch dieser Schluss! Es ist gerade so wie bei einem Kinde, welches auch sagen kann, dass Alles, was sein Vater besitzt, ihm gehöre, in dem Sinne nämlich, dass der Vater ihm Alles gibt, was für es am besten ist. Es gibt in dem Haus nichts, was nicht auch dem Kind wäre, aus dem einfachen Grund, weil es dem Vater gehört. | ||
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| - | Seht die irdischen Dinge an, das, was wir die Umstände nennen, und was buchstäblich heißt, die Dinge, welche uns umgeben. Wer hat uns denn mit diesen Umständen umgeben und uns in ihre Mitte gestellt? Gott tat es, der Wille Gottes; und so arbeiten Vorsehung und Gnade zusammen. So Lange ihr fortfahrt, gegen Gott zu kämpfen, oder nur für euch zu leben, ist Gott, möchte ich sagen, gerade durch Seine Barmherzigkeit, | ||
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| - | Die Engel z. B. gehören uns. Sie sind Diener derjenigen, die ererben sollen die Seligkeit. (Hebr. 1, 14.) Wir sehen sie nicht, daran liegt nichts; Gott sagt uns, dass sie unsere Diener sind. Selbst unsere Feinde, wenn wir deren haben - die größten Schwierigkeiten, | ||
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| - | Wenn der "böse Tag“ (Eph. 6, 13.) kommen wird - und er wird notwendigerweise kommen - ist kein Grund vorhanden, dass er uns von Christo abbringe. Der böse Tag soll vielmehr gerade erzielen, dass wir Christum mit noch größerer Energie ergreifen. Lasst uns darum keine Angst davor haben. Christus ist unser und in Ihm sind alle Dinge unser. | ||
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| - | Alle Dinge, außer eines einzigen: wir selbst. „Ihr seid nicht euer selbst.“ (1 Kor. 6,19.) Das ist unser zweiter Punkt. Christus ist mein und ich bin sein. In demselben Augenblick, wo der Apostel sagt: „Alles ist euer“, beeilt er sich hinzuzufügen: | ||
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| - | „Da haben wir' | ||
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| - | Es ist nicht der Sünder, welcher zu seiner Hingabe an Gott den ersten Anstoß (Initiative) gibt; er beschränkt sich nur darauf, durch Gottes Gnade die Stellung anzunehmen, welche Gott ihm in Christo gegeben hat, indem ER ihn in Ihm von dieser gegenwärtigen argen Welt“ trennte. | ||
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| - | Ein sehr aufrichtiger und treuer Diener Gottes sagte mir vor einiger Zeit: „Warum sprechen Sie den Leuten von einem höheren christlichen Leben?“ „Ich glaube nicht,“ antwortete ich, „dass ich oft von einem höheren christlichen Leben gesprochen habe; ich bemühe mich vielmehr, diesen Ausdruck, der nicht biblisch ist und zu schlimmen Missverständnissen Anlass geben könnte, zu vermeiden.“ „Gut; aber Sie lehren doch, dass es eine Hingabe an Gott gebe, die von der Bekehrung verschieden sei. Als ich bekehrt wurde, habe ich mich Gott hingegeben; ich habe das nie anders verstanden.“ | ||
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| - | Das ist das Beste; so ist die normale christliche Erfahrung. Aber ist es nicht wahr, dass es Tausende von Christen gibt, die sich bekehrt nennen, und doch nicht zu sagen wagen - vielleicht haben Sie Recht, es nicht zu sagen - dass sie sich Gott hingegeben haben, was nichts anders heißt, als ganz einfach für den Dienst Gottes ausgesondert, | ||
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| - | „Sie werden übrigens sehen, wohin wir kommen, wenn Sie Ihren Beweisgrund noch weiter durchführen wollen. Sie sagen: „Wenn ein Mensch bekehrt ist, so hat er sich Gott hingegeben.“ Nun wohl; dann heißt es aber andererseits, | ||
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| - | Ich habe hierüber einen sehr treffenden Beweis in einem kürzlich von einem Missionsprediger, | ||
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| - | Wenn dann die zweite Folge der Tatsache, dass wir die Gabe Gottes angenommen haben, die ist, dass wir nicht mehr unser selbst sind, so ist auch nichts, von Allem, was wir haben, unser. Das ist ganz augenscheinlich. Eure Zeit ist nicht euer; euer Geld ist nicht euer; eure Glieder sind nicht euer; selbst nicht dieses kleine Glied, wie der Apostel Jakobus es nennt, welches „große Dinge anrichtet“ und so viel Unglück in die Welt und in die Kirche bringt, Eure Zunge ist nicht euer; ihr habt nicht das Recht zu sagen, „was euch gefällt.“ | ||
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| - | Eure Gedanken sind nicht euer; ihr habt nicht das Recht zu denken, was euch gut dünkt, euren Träumereien und eurer herumschweifenden Einbildungskraft zu folgen; ihr müsst eure Gedanken unter die Herrschaft Christi stellen; sie gehören Christo, und überdies ist das gerade der Kernpunkt in der praktischen Heiligung; wir laufen nicht Gefahr, uns sehr weit von Christo zu verirren, so lange ER der Mittelpunkt unserer Gedanken ist; so lange wir fest glauben, dass „wir nicht tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als ob wir es aus unserm eigenen Vermögen täten“ (als von uns selber), sondern, „dass wir tüchtig sind, ist von Gott.“ (2 Kor. 3,5.) | ||
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| - | Eure Neigungen sind nicht euer. Ihr habt nicht das Recht, Jemand zu hassen, und euch darin gehen zu lassen, Widerwillen gegen Jemand zu empfinden; ihr habt nicht das Recht, in eurem Herzen irgend ein bitteres Gefühl zu nähren, gegen wen es auch immer sei. Jesus hat für Seine Feinde gebetet; ER hat sie geliebt, und den Vater gebeten, ihnen zu vergeben. Wenn wir Ihm gehören, dann ist Sein Geist auch unser, und unser fleischlicher Geist muss aufhören, uns zu beherrschen. Wir müssen dem HErrn des Hauses erlauben, das ganze Haus zu regieren, jedes Zimmer, jedes verborgene Winkelchen inne zu haben. O, meine Brüder, das ist die wahre Freiheit, wenn man in keinem Ding, in keiner Weise, in keinem Augenblick sich selbst mehr angehört! Jedes Mal, wenn wir wieder irgend etwas ergreifen, sei es nun ein Stückchen unserer Zeit, ein Pfennig unseres Geldes, ein Gedanke, oder ein Gefühl, und zu uns sagen: „Das gehört mir, ganz unabhängig von Gott“, sind wir in der Sünde und wir geraten immer tiefer hinein. Es bleibt uns nur ein Rettungsmittel übrig; zu dem Heiland zurückzukehren, | ||
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| - | Und unser Wille? fragt ihr. Er ist nicht unser, er gehört von nun an Gott. Will das sagen, dass wir uns derart selbst verlieren, dass wir aufhören, wir selbst zu sein, und nicht mehr eine unterschiedliche Persönlichkeit sind? Weit entfernt. | ||
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| - | Glaubt ihr, der Apostel Paulus habe nicht seine eigene Individualität gehabt? Wenn je ein Charakter den Stempel des Besonderen trug, so war es der seinige. Man kann dasselbe von den Aposteln Petrus und Johannes, und von jedem Menschen, der sich Gott wirklich übergibt, sagen. In dem Augenblick, wo ihr von eurem Willen sagt: „Er gehört nicht mir, sondern Dir; nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“, | ||
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| - | Ein Mensch kennt nie seine wahre Natur, und weiß nicht, was Gott mit ihm in der Welt anfangen will, bis er sich aufrichtig Christo übergeben hat. Wisst ihr, warum es so viele Christen gibt, die sich dergestalt gleichen, dass man den einen für den andern nehmen könnte, gerade wie die Eier in einem Korb? Darum, weil einer den andern nachmacht. Sie haben ein gewisses Ideal, man müsste besser sagen, ein gewisses Muster im Sinn, von dem, was „ein guter Christ“ sein muss; und sie bemühen sich, sich demselben anzupassen. Allein jeder muss sich selbst Gott übergeben, und Ihm sagen: „HErr, was willst Du, das ich tun soll?“ (Apostelg. 9,6.) und dann werden wir die Verschiedenheit in der Einheit haben, was der charakteristische Zug eines jeden Werkes Gottes ist. | ||
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| - | Dann wird auch die Kirche eine große, eine schöne Kirche sein, in welcher sich eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gaben offenbart, jedes Glied seinen besonderen Platz einnimmt, und keines zum andern sagt: „Du hast Unrecht, weil du nicht genau dasselbe tust, was ich tue.“ Alle werden vielmehr zu dem göttlichen Meister, der einem Jeden seine Aufgabe zuerteilt, sagen: „Lob und Dank sei Dir, dass Du ihm sein Teil gabst, wie Du mir das meinige gegeben hast, und dass wir zusammen zu Deiner Ehre arbeiten dürfen.“ | ||
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| - | Lasst mich zum Schluss eure Aufmerksamkeit noch auf ein Wort des Kapitels richten, welches wir gestern gelesen haben. Christus ist mein, und ich bin Christi. Ist das Alles? Habe ich weiter nichts zu tun, als nur immer zu wiederholen, | ||
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| - | Es gibt zwei Arten anzunehmen, von welchen die eine auf die andere folgt. Ihr nehmt zuerst Ihn an, und dann, wenn ihr Ihn in Seiner Fülle besitzt, nehmt ihr von Seiner Fülle Gnade um Gnade. Wenn ich diese Stelle recht verstehe, so bedeutet sie: Gott gewährt euch eine Gnade; ihr gebt sie Ihm in eurem Gehorsam und in eurer Dankbarkeit zurück, und ER gibt euch dafür eine neue, noch größere als die erste. Das heißt annehmen in der Praxis des täglichen Lebens. Und das gerade ist das Amt des Heiligen Geistes. Er schöpft aus der unendlichen Fülle Christi, der unser ist, und gibt uns Tag für Tag, Stunde für Stunde, was wir bedürfen; und von uns ergießt sich diese Fülle, nach der Verheißung Christi, auf andere „wie ein Strom lebendigen Wassers.“ (Joh. 7,38.) Eine Frage noch. Wir haben bewiesen, dass, wenn ihr Christum angenommen habt, hieraus folgt, dass ER euer ist und dass ihr Sein seid; dass Alles euer ist, weil Alles Ihm gehört. Welche Folge wird es denn haben, Christ um nicht anzunehmen? O, meine Brüder, wenn in Ihm Alles ist, so gibt es außer Ihm nichts! Wenn ein Mensch außerhalb des Schiffes ist, so ist er in dem Meer; wenn ein Mensch außer Christo ist, so steht er unter dem Zorn Gottes. Es kann nicht anders sein. Glaubt nicht, dass Gott einen andern Weg eröffnen werde. Er hat Alles getan, was Er für die Sünder tun konnte, als Er ihnen Seinen Sohn gegeben hat. Wenn ihr diesen Christum nicht annehmen wollt, dann habt ihr nichts, schlechterdings nichts. | ||
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| - | O, wollt ihr Ihn nicht ergreifen, und in Ihm Alles besitzen? Wollt ihr Ihn nicht ergreifen, ihr unbekehrten Sünder? Wollt ihr Ihn nicht ergreifen, ihr unfruchtbaren Christen? Ihr kennt euer Elend, und ihr könnt es gewisslich nie zu sehr erkennen, aber genügt das? Vor nicht langer Zeit las ich in einem religiösen Blatt, dass ein Christ sich immer an diese Worte Jesu erinnern müsse: „Du sprichst: Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf nichts; und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, | ||
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| - | Der Gegenstand, welcher uns heute beschäftigte, | ||
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| - | ======Monod, | ||
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| - | **Siehe, ich komme bald. Halte, was du hast, dass Niemand deine Krone nehme.“ **\\ | ||
| - | (Offenb. 3,11.) | ||
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| - | Wir kommen nun zu der praktischen Seite unseres Gegenstandes; | ||
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| - | Wir haben heute zu suchen, wie wir dahin gelangen können, dass diese Gabe Gottes in und durch uns wirke, in unserem Leben, ich will sagen, in unseren Worten und unseren Handlungen, in unseren Gedanken und unseren Neigungen, auf dass die Welt nicht nötig habe, zu unserm Nachbar, oder zu uns selbst zu laufen, und zu fragen, ob wir Christen seien, weil sie es mit eigenen Augen sehen wird. | ||
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| - | Ich habe als Ausgangspunkt das Wort Christi in der Offenbarung gewählt: „Siehe, Ich komme bald. Halte, was du hast, dass Niemand deine Krone nehme.“ Diese Worte sind an eine Kirche, oder an den Pastor einer Kirche gerichtet, und in seiner Person richten sie sich an diese ganze Kirche, und sicher auch an jedes Glied der christlichen Kirche, an uns selbst: „Halte, was du hast.“ - Dies ist die kurze Zusammenfassung unseres Gegenstandes. Zuerst müssen wir von der Gabe Gottes reden hören; „der Glaube kommt aus der Predigt“ (Röm. 10,17.); wie sollen wir etwas glauben, von dem wir nichts gehört haben? Aber wenn wir davon gehört, wenn wir sie angenommen, und dafür gedankt haben, dann bleibt immer noch etwas zu tun: wir müssen das, was wir haben, auch festhalten, nicht dahin und dorthin laufen und etwas suchen, was wir noch nicht haben, sondern das, was wir haben, was uns Gott gegeben und als unser Eigentum erklärt hat, festhalten. | ||
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| - | Was haben wir denn? Das müssen wir uns zu allererst fragen. Sehr oft, fürchte ich, bleiben Ermahnungen über den Gebrauch, welchen man von der Gabe Gottes machen soll, ohne Wirkung auf die, an welche sie gerichtet sind, aus dem einfachen Grund, weil sie diese Gabe nicht angenommen haben. Wie können wir etwas gebrauchen, was wir nicht besitzen? Man bittet heutzutage von allen Seiten um Belehrung über den Fortschritt im geistlichen Leben; nichts ist gerechter und billiger als dieser Wunsch, aber eine Vorfrage muss gestellt werden: „Habt ihr geistliches Leben?“ Wir müssen es zuerst suchen, finden, besitzen, und dann, wenn wir es besitzen, es festhalten. Um zu wissen, was wir festzuhalten haben, müssen wir doch zuerst wissen, was wir besitzen. | ||
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| - | Nun gut, was besitzen wir denn, wenn wir die Gabe Gottes angenommen haben? Lasst mich es euch nochmals wiederholen: | ||
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| - | Gott war in Christo und Gott ist in Christo. Wer Ihn gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Ihr habt einen Erlöser, einen Bruder, Einen, der Mensch geworden und euch allerdinge gleich ist, während Gott selbst Ihn zu gleicher Zeit nennt: „den Mann, der Ihm der nächste ist.“ (Sach. 13,7.) Er kommt zu euch, und ihr könnt eure Hand in Seine Hand, in Seine, für euch durchgrabene Heilandshand legen. Ihr habt Den, „durch dessen Wunden ihr geheilt seid.“ (Jes. 53,5.) Ihr habt Den, der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde; der voll Mitleiden ist und zugleich alle Macht besitzt, der vollkommen im Stande ist, euch vor jedem Fall zu bewahren, und der auch vollkommen bereit ist, es zu tun. Ihr besitzt Den, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, als unser Hoherpriester, | ||
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| - | Und was besitzt ihr noch mehr? Ihr besitzt das Wort Gottes. Gott hat geredet, und Er hat nicht nur geredet, sondern, da Er wohl wusste, dass Worte verloren gehen, verändert werden, und oft mit der Zeit ganz ihren ursprünglichen Sinn verlieren, hat Er gewollt, dass Sein Wort niedergeschrieben würde, so dass wir das geschriebene Wort Gottes besitzen. Und bei jeder Frage können und sollen wir forschen: „Wie steht im Gesetz geschrieben? | ||
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| - | Nun wohl, mein Bruder, halte fest, was du hast, wer du auch immer seist, halte den Vater, halte den Sohn, halte den Heiligen Geist, halte das Wort Gottes. Auf diese Weise gebraucht man die Gabe Gottes. Halte sie fest; denn es gibt deren genug, die deine Krone rauben möchten. Es ist leider nur zu wahr. Wenn Jemand sich einem irdischen Unternehmen hingibt, wenn er nach den Dingen trachtet, die die Welt ehrgeizig sucht, so werden sich Leute genug finden, die ihn ermutigen und ihm Beifall zollen. Seht, z. B. diesen Mann, welcher seine Zeit und Kräfte, seinen Verstand, seine Tage und Nächte aufopfert für wissenschaftliche Forschungen, | ||
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| - | Aber was müssen wir hierzu tun? Wie können wir festhalten? | ||
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| - | Zu allererst müssen wir daran denken, dass, wenn wir nicht nur in Worten, sondern in der Tat und in der Wahrheit unsere Hand in die Hand unseres Heilandes gelegt haben, Er selbst uns fester und inniger umfangen hält, als wir Ihn halten können, und das eben ist unsere Sicherheit, unser Glück, unsere Herrlichkeit. So lasst denn unser beständiges Gebet sein: „Halte mich fest, auf dass auch ich Dich festhalten könne.“ | ||
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| - | Außerdem ist die Heilige Schrift voll von vollkommen klaren und oft bis in's Einzelne gehenden Anleitungen über die Praxis des christlichen Lebens. Was für ein wunderbares Buch ist doch dieses Wort Gottes! Dieselbe Seite, welche uns sagt, wie sicher die Stellung ist, die Gott uns in Christo bereitet hat, welche von unserem Tod und von unserer Auferstehung in Ihm redet (Kol. 2 und 3.), enthält auch die umständlichsten Vorschriften über unser tägliches Leben, als Männer, Frauen, Kinder, Eltern, Knechte und Herren. | ||
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| - | Seid ihr nun mit Christo auferstanden, | ||
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| - | Hier könnt ihr wieder sehen, wie verschieden das Wort Gottes von der Weisheit der Menschen ist. Die Menschen sagen: Wenn ihr nur euer eigenes Wesen genügend tötet, so kommt ihr schließlich in den Zustand des Todes. Gott sagt: Ihr seid gestorben, darum so tötet nun eure Glieder. Um lebendig zu machen, ist das Leben nötig: um zu sterben, ist der Tod nötig. Wenn ihr in Christo gestorben seid, so wird es euch gewissermaßen leicht sein, euch zu töten; in der Gemeinschaft mit Ihm, und in der Kraft Seines Heiligen Geistes wird es eine Freude sein, die Unreinigkeit, | ||
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| - | Vor Allem, meine Brüder, müssen wir aber, um die Gabe Gottes gebrauchen zu können, damit anfangen, zu wissen, und das scheint uns gerade so schwer zu sein welches die Gabe ist und welches die Stellung ist, die wir selbst einnehmen. | ||
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| - | Man wiederholt heutzutage gern, dass es sehr darauf ankomme, unsere Stellung in Christo nicht mit unserm Wandel zu verwechseln. Das ist ganz richtig. Aber es kommt nicht weniger darauf an, dass wir, indem wir beide sorgfältig unterscheiden, | ||
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| - | So wandelt in Ihm. Geht vorwärts, verzweifelt so an euch selbst, setzt so auf Christum euer ganzes Vertrauen, seid bereit zu tun, was Er befiehlt; dann werdet ihr Gebrauch von der Gabe Gottes machen. Ihr werdet sehen, dass, in dem Maße ihr so Gebrauch davon macht, die Gabe selbst euch mit jedem Tage kostbarer werden wird; nicht als ob ihr eigener Wert erhöht werden könnte, aber ihr werdet sie mehr zu schätzen wissen. Ihr werdet sie besser kennen, mehr lieben und treuer gebrauchen, ihr werdet sehen, wie sie euch unter den Händen größer wird. Wer da hat, dem wird gegeben werden. Wer die Gabe Gottes nicht gebraucht, der wird sie unfehlbar verlieren. Gott gibt uns Seinen Sohn nicht, damit wir Ihn bei Seite tun, oder uns begnügen, Ihn am Sonntag einen Augenblick zu betrachten, oder auch Abends und Morgens, wenn wir beten! Er gibt uns Seinen Sohn nicht als eins der feinen Gerichte, die man nur bei besonderen Gelegenheiten auf der Tafel sieht, nein, Er gibt Ihn uns als das Brot des Lebens reichlicher als ein Festmahl und dennoch unser tägliches Brot; nicht die Würze des Lebens, sondern die Nahrung des Lebens, oder besser gesagt, das Lebens-Element, | ||
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| - | Lasst uns mit der **Wachsamkeit** beginnen. Was heißt denn wachen? Gerade das Gegenteil von schlafen; es heißt, seine Augen offen haben; es heißt, wie der Apostel sagt, „vorsichtig wandeln“ (Kol. 4,5.), was soviel bedeutet als, indem man stets um sich herum sieht. Um zu wachen, muss man in dem Licht sein; das Wachen nützt euch nicht viel, wenn ihr in der Finsternis seid, und der Feind langsam und leise herankommen und die Hand auf euch legen kann, ehe ihr auch nur eine Ahnung davon habt. Seid in dem Licht, dann könnt ihr schon von Weitem sehen, ihr könnt auf eurer Hut sein und werdet den Feind zur rechten Zeit entdecken. Wacht, indem ihr ohne Aufhören aufseht auf Jesum; so allein wacht man recht. | ||
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| - | Fürchtet ihr, indem ihr dies tut, die Schwierigkeiten, | ||
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| - | Mit der Wachsamkeit verbindet das **Gebet**. Beide gehen in dem Wort Gottes immer Hand in Hand; aber es ist beachtenswert, | ||
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| - | Vielleicht aus dem Grund, weil es möglich ist, in gewisser Weise zu beten, ohne zu wachen. Es ist möglich, dass man betet, und dann zu sich sagt: „Ich habe dem HErrn meine Bedürfnisse vorgetragen, | ||
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| - | Lasst uns aber auch die **Nüchternheit** nicht vergessen. Weil wir denn Kinder des Tages sind, sagt der Apostel, sollen wir wachen und nüchtern sein. (1 Thess. 5, 8.) Gebraucht Alles mäßig; seien es nun Neigungen oder Gedanken, sei es Liebe oder die Vergnügungen der Welt, selbst die edelsten, wie z. B. die häuslichen Freuden, die Literatur, die Wissenschaften, | ||
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| - | Darum lasst uns wachen und beten und nüchtern sein. Lasst uns Alles besitzen, aber außer der Liebe unseres Heilandes soll uns nichts gefangen nehmen. Jesus allein soll uns ganz besitzen; dann werden wir auch Alles in Ihm und für Ihn besitzen. Wer dahin gekommen ist, wird vorwärts gehen und Nutzen aus der Gabe Gottes ziehen. Es ist für ihn unmöglich, sie nicht zu gebrauchen, für ihn ist es eine moralische Notwendigkeit, | ||
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| - | Das **Lesen des Wortes Gottes**. Dies ist das Hauptmittel, | ||
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| - | Mit dem Wort Gottes ist uns der Heilige Geist gegeben. Wir dürfen beide nicht trennen. Jesus sagte zu den Sadduzäern: | ||
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| - | Wenn wir mit Hilfe des Heiligen Geistes die Bibel lesen, „werden wir wissen, was uns umsonst von Gott gegeben ist“ (1 Kor. 2,12.); denn wir werden es besitzen. Der Heilige Geist nimmt, um so zu sagen, diese Gaben aus der Bibel, und legt sie in unsere Herzen. Er allein kann dieses Werk vollbringen; | ||
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| - | Ich ende damit, womit ich angefangen habe, Alles, was wir über die Gabe Gottes sagen können, wird uns für uns selbst wenig, und für unseren Einfluss auf die Welt gar nichts nützen, wenn wir diese Gabe nicht aus der Theorie in die Praxis herübernehmen; | ||
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| - | ======Monod, | ||
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| - | **“Bleibt in Mir, und Ich in euch.“**\\ | ||
| - | (Joh. 15,4.) | ||
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| - | Habt ihr von der Überraschung reden hören, welche die Freunde Herrn Moodys diesem vor einigen Jahren bereiteten? Ein reicher Mann hatte eine ganze Reihe Häuser in Chicago bauen Lassen und beschloss, ohne Herrn Moody etwas davon zu sagen, diesem eins davon zu geben. Er teilte seinen Beschluss mehreren Freunden mit und fügte hinzu: „Sagt ihm nichts davon; ich gebe das Haus, und ihr werdet es einrichten.“ Und so geschah es. | ||
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| - | Als der Neujahrstag herankam, nahmen einige Freunde einen Wagen und holten Herrn Moody und seine Frau darin ab, ohne ihnen aber ein Wort von dem, was ihrer wartete, zu sagen. Der Wagen hielt vor einem hübschen Haus, und als sie den Fuß auf die Erde gesetzt hatten, fragten sie sich, zu welchem unbekannten Freund man sie wohl geführt habe. Ihr Erstaunen wurde noch größer, als sie eintraten; denn sie wurden von Niemand empfangen, der wie der Herr des Hauses ausgesehen hätte, und eine gute Anzahl ihrer besten Freunde waren da wie sie. Der Eigentümer trat hierauf vor, ein Papier in der Hand haltend und sagte: „Hier ist eine Urkunde, welche Sie in Besitz dieses Hauses setzt; Sie sind daheim, lieber Freund.“ | ||
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| - | Herr Moody war zuerst wie erstarrt. Dann fing er an, das Haus von oben bis unten zu durchwandern, | ||
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| - | Als ihre Freunde sich zurückgezogen hatten, und Herr Moody mit seiner Frau allein war, wird vermutlich ihr erster Gedanke gewesen sein, sich zu fragen: „Wie werden wir uns jetzt in unserem neuen Haus einrichten? | ||
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| - | Das aber tun Viele unter uns. Wir fahren fort, im alten Haus zu leben, und dort halten wir Versammlungen und unterhalten uns, wie wir es eigentlich im neuen Haus tun sollten. Das Erste, was wir zu tun haben, ist, darin zu bleiben. Und wenn wir wirklich auf den Grund der Dinge gehen, ist das nicht die Hauptfrage, welche wir einander vorlegen sollten? Ja ich weiß wohl, dass Gott mir Jesum gegeben hat; ich nehme Jesum an, ich besitze Ihn, wie kann ich aber in Ihm bleiben? | ||
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| - | Wir haben in Ihm Alles. Sucht in dem neuen Testament, wie oft sich darin das Wort findet „in Ihm“ oder „in Christo“; das Aufsuchen all' dieser Stellen würde euch mehr als einen Tag kosten. Wir haben Alles in Ihm; die Hauptsache ist darum, Ihn nicht zu verlassen. Was müssen wir hierzu tun? Lasst uns die Antwort auf diese Frage in dem Wort Gottes suchen. | ||
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| - | 1 Joh. 2,24. finde ich die Worte: **“Was ihr nun gehört habt von Anfang, das bleibe in euch. So in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch in dem Sohn und Vater bleiben.“** Das ist ganz klar und stimmt vollkommen mit Jesu eigenen Worten überein Joh. 15,7.: **“So ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben...“** Die Wahrheit muss in uns und wir müssen in der Wahrheit bleiben. Wir müssen Alles, was wir gehört haben, bewahren. Hier handelt es sich nicht um Rührungen, Aufregungen, | ||
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| - | Es steht geschrieben, | ||
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| - | Einen andern finden wir in demselben Buch. **“Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns unter einander lieben, so bleibt Gott in uns, und Seine Liebe ist völlig in uns.“** (1 Joh. 4,12.) Und im 16. Vers: **“Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“** Wenn ihr in Gott bleiben wollt, dann bleibt in der Liebe. | ||
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| - | Vielleicht sagt ihr, dass ich einen fehlerhaften Kreis mache, indem ich diesen Schluss ziehe. Ich frage mich, ob diese Art von Einwendungen nicht Schuld ist, dass wir den wahren Sinn von vielen Bibelstellen verlieren. Es ist Tatsache, dass Gott uns oft dieselbe Wahrheit unter zwei verschiedenen Formen offenbart, oder uns vielmehr zwei Mittel an die Hand gibt, um ein und desselben Segens teilhaftig zu werden. Ihr sagt zu einem Menschen: „Bleibe in Gott“; wenn er's tut, wenn er durch den Glauben in Gott bleibt, so wird er ganz natürlicherweise auch in der Liebe und im Gehorsam bleiben. Aber Gott hat noch eine andere Lehrart. Er sagt: Tue dies, oder tue das. Da handelt es sich nun nicht darum, Ihm zu antworten: „Ich kann es nicht tun, wenn ich nicht in Dir bleibe.“ Tut es, dann werdet ihr sicher entdecken, dass ihr es nur in dem Maße tun könnt, als ihr in Ihm bleibt. Ihr werdet dann ein genau gestecktes Ziel vor Augen haben, nämlich, einem bestimmten Befehl Gottes zu gehorchen, und wenn ihr dies tut, werdet ihr beweisen, dass euer Gehorsam die Frucht der Gnade Gottes in euch, und zugleich ein mächtiges Gnadenmittel ist. Um meine Idee besser zu verstehen, denkt euch, einer eurer Freunde sei krank gewesen, und ihr erkundigt euch nun nach seiner Gesundheit. Jemand antwortet euch: „Ich habe ihn gestern gesehen; er war bei Tisch und aß mit gutem Appetit.“ Nun gut, diese Mahlzeit war die Folge und der Beweis davon, dass es dem Kranken besser gehe; zugleich aber trug sie sicher zu seiner weiteren Genesung bei. Hätte er diese kräftige Mahlzeit nicht genommen, so wäre er wieder schwach und leidend geworden. Ebenso beweist jeder Gehorsamsakt, | ||
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| - | Es gibt aber noch ein drittes. 1 Joh. 3,24. steht geschrieben: | ||
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| - | Wenn wir also Seine Gebote halten, dann werden wir auch in Ihm bleiben. Aber wenn wir sie nicht halten, sondern uns einbilden, in Sorglosigkeit dahinwandeln und in Selbstsucht dahinleben zu können, und dabei dennoch in Christo zu bleiben, in irgendeiner schwärmerischen Weise, vielleicht indem wir durch Lesen, Singen, Versammlungsbesuch, | ||
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| - | Dann lasst uns unseren Weg fortsetzen und „nicht mehr sündigen“ (Ps. 4,5. franz. Übers.), lasst uns vor der Sünde uns fürchten und sie verabscheuen; | ||
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| - | Kürzlich empfing ich eine gute Lehre. Als ich nämlich durch die Straßen Londons schritt, bemerkte ich, dass an den meisten Türen sich zwei Schellen befinden, die eine ist die „Schelle für die Besucher“, | ||
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| - | Geradeso geht es zu, dass so viele Leute vergeblich beten. Alle Sonntage gehen sie hin und ziehen an der Schelle für die Besucher, in der Absicht, dem lieben Gott einen guten kleinen Besuch zu machen, und dann so schnell als möglich wieder heimzukehren. Vielleicht gehen sie auch jeden Tag, abends und morgens hin und ziehen an dieser Schelle, aber sie bekommen keine Antwort. Gott hört solche Gebete gar nicht einmal, es sind auch keine Gebete, sondern nur ein leerer Schall, ein bloßes Geschwätz; Gott kann darin nur Sünde und Spott sehen. Wenn aber ein armer Sünder sich nähert und an der Schwelle für die Diener schellt, dann antwortet Gott. Wenn wir nun im Namen Jesu kommen, könnte das wohl anders wie als Diener sein? Warum wäre Jesus wohl gekommen, wenn es nicht wäre, um zu dienen? Wie Er, haben auch wir zu dienen; wir haben nichts anderes zu tun, als zu dienen; Gott zu dienen, uns unter einander zu dienen. Dieser zweifache Dienst lässt sich nicht trennen! Was wir umsonst empfangen haben, müssen wir auch umsonst geben; denn das gerade ist das Wesen der Gabe Gottes, dass wir sie verlieren, wenn wir sie für uns allein behalten, und dass wir sie nur bewahren können, und sie nur zunehmen kann, wenn wir sie Andern mitteilen. Tut das, dann habt ihr nicht mehr nötig, euch darüber zu beunruhigen, | ||
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| - | In derselben Epistel ist noch eine andere Stelle über denselben Gegenstand. „Welcher nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott, und er in Gott.“ (1 Joh. 4,15.) „So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.“ (Röm. 10,10.) | ||
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| - | Wir müssen Zeugnis von Christo ablegen, und dürfen uns Seiner nicht schämen. Hiermit will ich nicht sagen, dass wir beständig von Ihm reden müssen; nein, gerade wie sich die Gelegenheit dazu bietet, und wie der Stern, welcher uns führt, es uns zeigt. Haben wir uns ganz in Jesu Hand gelegt, und sehen wir, dass es unsere Pflicht ist, zu reden, dann lasst uns reden. Es wird nicht so schwer sein, wie wir fürchten. Er wird unserm Herzen, unserm Geist und unseren Lippen innig nahe sein. Natürlich ist es sehr leicht, in einer Versammlung, | ||
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| - | Gestern hörte ich ein sehr einfaches, aber sehr lehrreiches Wort anführen über das Zeugnisablegen. Der Mann, welcher es gesagt hat, wird wahrscheinlich nie erfahren, dass es wiederholt wurde und Andern zum Segen geworden ist. Jemand, der den Dammarbeitern das Evangelium bringt, hat mir eine Unterredung mitgeteilt, die zwischen zwei dieser Arbeiter stattgefunden hat. Der eine war ein Christ, und hatte einiges von den letzten Besprechungen über die Heiligung gehört. Sein Freund fragte ihn: „Was will man uns nur eigentlich mit dem Allen sagen?“ „Ich verstehe nicht viel davon,“ antwortete Ersterer, „ich für mein Teil bin ganz einfach zum HErrn Jesu gekommen, und darauf habe ich Ihm nie wieder | ||
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| - | Mit diesen Worten ist Alles gesagt. Geht ihr hin und tut dasselbe. Ihr seid zu Christo gekommen, und ihr habt Ihm vielleicht „Lebe wohl“ gesagt. In diesem Augenblick erinnert Er uns an Seine Verheißung: | ||
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| - | ======Monod, | ||
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| - | **“Auf dass wir etwas seien zu Lobe Seiner Herrlichkeit, | ||
| - | (Ephes. 1,12.) | ||
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| - | Die Frage, welche uns heute beschäftigen soll, ist der Zweck, oder das Endziel der Gabe Gottes. Ihr erinnert euch wohl, dass wir nach einander betrachtet haben, die Quelle dieser Gabe, die Liebe Gottes; ihr Wesen, nämlich: das ewige Leben in Christo Jesu; ihre Annahme, einfach durch den Glauben; ihre Folgen, nämlich: Alles ist unser; ihre Anwendung, in dem Glauben, in dem Gebet des Glaubens, in der Wachsamkeit des Glaubens, in dem gläubigen Lesen des Wortes Gottes, in dem Gehorsam des Glaubens, in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Nun kommen wir an ihren Zweck. | ||
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| - | Und das, meine teuren Brüder, ist noch herrlicher als alles Andere. Ihr Zweck! Wozu ist sie bestimmt? Was soll sie bewirken? Ist sie zu unserer Befriedigung da? Gewiss nicht. Soll sie uns rein und heilig machen? Ohne Zweifel, aber mehr noch als das. Ihr vornehmster Zweck ist, dass Gott selbst verherrlicht werde durch unsere Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist. | ||
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| - | In den ersten Zeilen der Bibel lesen wir: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde;“ und im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veste verkündigt Seiner Hände Werk.“ In dem letzten Buch der Bibel finden wir diese Worte: „HErr, Du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn Du hast alle Dinge geschaffen, und durch Deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen.“ (Offenb. 4,11.) | ||
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| - | Das ganze Schöpfungswerk hat nur den Zweck, Gott zu verherrlichen; | ||
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| - | Dennoch aber bemühen sich unsere Zeitgenossen, | ||
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| - | Wir wollen der Welt zeigen, dass es einen Gott gibt. Wie vermögen wir das? Wir können es nicht, indem wir die Aufmerksamkeit lenken auf die wunderbare Ordnung des Weltalls, oder auf den Körper des Menschen, auf seine Hände, seine Augen, die doch alle „wunderbarlich bereitet“ sind; denn die Menschen erkennen Gott nicht, weil ihre Vernunft verdunkelt ist. Wir müssen ihnen das Werk und die Gegenwart Gottes in anderer Weise zeigen. Gott hat Sich in der Schöpfung herrlich bewiesen, aber Er hat eine noch viel größere Herrlichkeit; | ||
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| - | Welches war der Lobgesang der Engel und der Menge der himmlischen Heerscharen, | ||
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| - | Was sagt der Apostel Paulus von diesem ganzen Heilswerk? Warum ist es vollbracht worden? Welchen Zweck hat es? „Auf dass wir etwas seien zu Lobe Seiner Herrlichkeit.“ Seid ihr willig, die Gabe Gottes in dieser Weise anzunehmen, sie von diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten, weniger an euch zu denken, und euch zu fragen, ob ihr wirklich entschlossen seid, sie anzunehmen, und was ihr mit ihr machen sollt, als vielmehr euch diese Frage vorzulegen: „Hier ist mein Gott, mein treuer Schöpfer, mein Erlöser, werde ich zu Seiner Ehre leben oder nicht?“ Nicht wahr, ihr könnt doch nicht aus eigener Kraft zu Seiner Ehre Leben? Habt ihr es versucht? Kann eure Kraft Gott verherrlichen? | ||
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| - | Darum lasst uns aus diesen Versammlungen zu unserer Arbeit zurückkehren, | ||
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| - | Wenn wir Alles von diesem Gesichtspunkt aus betrachten, so wird die Frage, ob das Leben eine Glaubenssache sei oder nicht, sich von selbst lösen; dieses Leben muss ein Glaubensleben sein, weil es das Leben Gottes sein muss. Der Apostel schreibt den Römern: „Durch den Glauben, auf dass es sei aus Gnaden.“ (Röm. 4,16.) Wenn es aus Gnaden ist, so muss es auch beständig durch den Glauben sein; denn es gibt kein anderes Mittel, die Gnade zu empfangen, als der Glaube. Seht doch, was Abraham tat, der Vater der Gläubigen, der uns das größte Beispiel des Glaubens gegeben hat: „Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern ward stark im Glauben, und gab Gott die Ehre.“ (Röm. 4,20.) Darin liegt Alles: „er gab Gott die Ehre“; jedesmal wenn ihr glaubt, gebt ihr Gott die Ehre und nicht euch selber. Wollt ihr in Allem Gott die Ehre geben, so könnt ihr es nur tun, indem ihr Alles von Ihm erwartet, und Ihn um Alles bittet. Dann werdet ihr aber auch beständig Alles von Ihm empfangen, ihr werdet wahre Kinder Abrahams sein, die stark im Glauben sind und Gott die Ehre geben. | ||
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| - | Ist das nicht die große Sünde von uns Christen, dass wir Gott nicht die Ehre geben, dass wir so weit entfernt sind, es recht zu tun? Vorhin sagte ich, dass die Welt sich weigere, Gott die Ehre in dem Schöpfungswerk zu geben, und ich sah, dass der bloße Gedanke daran euch unwillig machte, aber sagt, geben wir Gott die Ehre in dem Erlösungswerk? | ||
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| - | Wie viele suchen, ihre eigene, ihre persönliche Ehre, oder vielleicht auch die Ehre ihrer Kirche! O, meine Freunde, es ist etwas Großes, seine Kirche zu lieben, in seiner Kirche und für seine Kirche zu arbeiten; aber merkt, wenn ihr die Ehre eurer Kirche, welche es auch immer sein mag, über die Ehre Gottes stellt, so werdet ihr gar nichts erreichen. Wenn ihr jedoch die Ehre Gottes im Auge habt, dann seid versichert, dass Er für eure Kirche sorgen und euch zu einem tätigen und treuen Glied derselben machen wird. Wenn alle Kirchen diesen Standpunkt erreicht haben, werden sie auch untereinander innig verbunden sein. | ||
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| - | Lasst uns aber auch nicht die Ehre unseres Systems suchen. Dies bezieht sich in diesem Augenblick ganz besonders auf uns. Ohne Zweifel sind wir versucht gewesen zu sagen, dass andere Christen die Ehre ihrer Lehren suchen, gleichwohl könnten wir selbst uns der wohl verdienten Beschuldigung aussehen, dass wir die Ehre unserer eigenen Lehre suchen; wenn es sich hier überhaupt um eine Lehre handelt. Ob ein Mensch mit unseren Ansichten übereinstimmt, | ||
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| - | Hüten wir uns vor solch' hässlicher Sünde; und lasst uns für die beten, welche besonders in Gefahr stehen, in diese Sünde zu fallen. Wer berufen ist, viel zu reden, oder zu schreiben, hat sehr nötig, dass man für ihn bete. So lasst uns denn „für alle Heiligen“ beten, und besonders für die, welche der Versuchung am meisten ausgesetzt sind. Neulich zeigte Jemand in einigen herrlichen Gebetsworten, | ||
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| - | Wenn wir das tun, dann werden wir nicht nur am eigenen Herzen, in unserer Kirche und Familie, und in Allem, woran wir die Hand legen, gesegnet werden, sondern wir werden auch Anderen zum Segen sein und Andere werden Gott über uns preisen. Überlegt, was das sagen will, welches Vorrecht, welche Freude! - Das ist das Gebot unseres Heilandes Jesu Christi. Er hat gesagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matth. 5,16.) In dem Leben eines wahren Christen muss auch etwas sein, was man sieht; es klänge fast wie Hohn, wenn man behaupten wollte, dieses Leben sei so tief verborgen, dass Niemand es sehen könne. Ja, ganz gewiss, es ist mit Christo in Gott verborgen“; | ||
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| - | In dem Evangelium St. Lukas finden sich zwei oder drei interessante Stellen über diesen Gegenstand. „Die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott.“ (Luk. 2,20.) Der Mensch, zu welchem Jesus sagte: „Stehe auf und wandele,“ stand alsbald auf vor ihren Augen... und pries Gott.“ (Kap. 5,25.) Außerdem sehen wir, dass der arme Blinde, sobald seine Augen aufgetan waren, „Ihm nachfolgte und Gott pries. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.“ (Kap. 18,43.) Und als der Apostel Paulus den Galatern seine Bekehrung erzählt, fügt er hinzu: „Und die christlichen Gemeinen priesen Gott über mir.“ (Wörtlich: priesen Gott in mir.) Wie herrlich ist das! Sie dachten gar nicht daran, ihn selbst zu preisen; sie priesen Gott in ihm. Darauf müssen wir ganz besonders unsere Aufmerksamkeit richten, das müssen wir zum Gegenstand unseres Gebetes machen; wir wollen Gott preisen für jede Gabe, welche Er unseren Brüdern und Schwestern verleiht, aber wir wollen sie nicht selbst preisen. Unsere religiösen Blätter täten wohl, das zu beherzigen, sie sind voll von dem Lob der Menschen. Lasst uns mit dieser Gewohnheit brechen, sie tut Niemand gut, kann aber viel Unheil stiften, und gibt der Welt Gelegenheit, | ||
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| - | Was tun wir aber, während die Anderen Gott über uns preisen? Wir rühmen uns Gottes. Es liegt in der Natur des Menschen, sich irgend einer Sache zu rühmen; wir haben eine Stimme in uns, welche das Bedürfnis hat, zu loben. Die Menschen geben diesem Bedürfnis nach, indem sie ihr Lob an recht elende, jämmerliche Dinge hängen, sie Loben das eitle Entfalten von Macht und Pracht, das Vergießen des Blutes, die Unreinigkeit, | ||
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| - | Der Apostel sagt: „Wer sich rühmt, der rühme sich des HErrn.“ (1 Kor. 1,31.) Und eine andere Stelle, welche wir alle kennen, lautet: „Ihr esst nun, oder trinkt, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.“ (1 Kor. 10,31.) Lasst uns alles unterstützen, | ||
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| - | Wir schließen damit, womit wir anfingen: Gott ist die Liebe, und die Herrlichkeit Gottes ist Seine Gnade. „Der überschwängliche Reichtum Seiner Gnade“ (Eph. 2,7.), ist zugleich auch „der Reichtum Seiner Herrlichkeit.“ (Eph. 3,16.) | ||
| - | Lasst mich diese Versammlungen beschließen, | ||
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| - | Psalm 115,1. „Nicht uns, HErr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre, um Deine Gnade und Wahrheit.“ | ||
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| - | Jesajas 6,1-3. „Des Jahres, da der König Usia starb, sah ich den HErrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und Sein Saum füllte den Tempel. Seraphim standen über Ihm, ein jeglicher hatte sechs Flügel; mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth, alle Lande sind Seiner Ehre voll!“ | ||
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| - | Römer 11,35-36. „Wer hat Ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von Ihm, durch Ihn, und zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.“ | ||
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| - | Ebräer 13,20.21. „Gott aber des Friedens, der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments, unseren HErrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu tun Seinen Willen, und schaffe in euch, was vor Ihm gefällig ist, durch Jesum Christ, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ | ||
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| - | 1 Petri 5,10.11. - „Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, | ||
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| - | Offenbarung Johannis 7,9-12. „Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrien mit großer Stimme und sprachen: Heil sei Dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserem Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen um den Stuhl, und um die Ältesten, und um die vier Tiere, und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht, und beteten Gott an, und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank, und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!“ | ||
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| - | Bis wir einst selbst in den Lobgesang einstimmen, den unsere Lippen und Herzen, unser Geist und unser ganzes Leben schon jetzt mit der allgemeinen Kirche aller Zeiten singt: Ehre sei dem Vater und dem Sohne, und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, hochgelobt in Ewigkeit! Amen. | ||
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