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-======Taube, Emil Heinrich - Psalm 129.======+======Taube, Emil Heinrich - Psalm 132.======
  
-Dieses Lied des bedrängten Gottesvolkes spricht auf dem Grunde der von Anfang an unter aller Drangsal erfahrenen Hilfe des Herrn (V. 1-4.) die Zuversicht auf den jählichen und schmählichen Untergang aller Feinde Zions aus(V. 5-8.) Die Ähnlichkeit des Inhalts mit Ps124., 125., 137., sowie der weite Rückblickden Israel hier auf seine ganze Vergangenheit bis zur Jugendzeit hin wirft, lassen auf eine späte Zeit der Volksgeschichtealso auch auf eine späte Abfassungszeit des Liedes wahrscheinlich die nachexilische schließen. Nach der strophischen Einteilung besteht es aus drei SechszeilernDie Ecclesia pressa aller Zeiten hat von jeher in diesem Psalm ihre Stammtafel und ihren Grundcharakter, ihr Los und ihren Trost, ihre Klage und ihren Reigen gefunden.+Dieser Psalm hat zum innersten Kerne die Bitte um die an das Haus und den Samen Davids geknüpfte Bestätigung und Erhaltung des priesterlichen Königtums auf Zion, welche für die Gemeinde des Herrn so segensund verheißungsreich istDie Bitte begründet sich in einem zwiefachen Schwur: in dem Schwur Davids, der auf das Haus des Herrn zielt und in dem Schwur des Herrn selbst, der auf das Haus Davids zieltDer innige Zusammenhang des Psalms mit der in 2SamKap6 und 7 geschilderten Situationdie ausdrückliche Erwähnung der Bundeslade V6-8, sowie der besondere Akzentder hier auf „dem Gesalbten des Herrn“ ruht, lassen vorwiegend an Salomo als den Verfasser des Liedes denken, nicht aber an spätere Zeit, auch nicht an David, der hier offenbar als das Objekt der Begründung in der Bitte erscheint(Vergl. V. 10.) Der Psalm teilt sich in vier zehnzeilige Strophen. (V. 1-5; 6-10; 11-13; 14-18.) Die messianischen Zielpunkte sind im Psalm ganz unverkennbar.
  
-**V. 1. Ein Wallfahrtslied. Sie haben mich viel bedrängt von meiner Jugend aufso sage Israel; V. 2. Sie haben mich viel bedrängt von meiner Jugend aufaber sie haben mich nicht übermocht. V. 3. Auf meinem Rücken pflügten Pflügerhaben ihre Furchen lang gezogen. V. 4. Der Herr ist gerecht; Er hat der Gottlosen Strick zerhauenV. 5. Zu Schanden müssen werden und zurückweichen alle Hasser ZionsV6Sie müssen werden wie Dächergraswelches verdorretehe man es ausrauftV7Von welchem der Schnitter seine Hand nicht fülltnoch seinen Arm der GarbenbinderV8Und die vorübergehennicht sprechen: Der Segen des Herrn sei über euchwir segnen euch im Namen des Herrn**+**V. 1. Ein Wallfahrtslied. Gedenke, Herr, dem David alle seine Mühsal, V. 2. Der dem Herrn schwurgelobte dem Starken Jakobs: V. 3. „Ich will nicht in die Hütte meines Hauses gehennicht besteigen das Lager meines Bettes; V. 4. Ich will nicht Schlaf gönnen meinen Augen, und meinen Augenlidern Schlummer, V. 5. Bis ich finde eine Stätte für den Herrn, eine Wohnung für den Starken Jakobs.“ ** Schon die Anfangsbitte, welche die Person Davids in das Gedächtnis Gottes rückt, legt ein deutliches Zeugnis ab von der eminenten Stellung, welche David in der heilsgeschichtlichen Entwicklung des Reiches Gottes einnimmt. Nur die Erzväter noch, bei denen diese Entwicklung einsetzt, genießen die gleiche Prärogative((Vorrecht, früher besonders des Herrschers bei der Auflösung des Parlaments, dem Erlass von Gesetzen u. Ä.)), und sie wurzelt beiderseits in der göttlichen Gnadenwahl, kraft deren sie zu Vertrauten Seines Rats, zu Stammvätern Seines Volks, zu Trägern Seiner Verheißungen erkoren waren. Darin ist's begründet, dass wir eine zwiefache Berufung auf sie in der Schrift finden: zunächst eine Berufung auf die Verheißung, deren Träger sie sind (Micha 7,20; Luk1,69.73), und sodann eine Berufung auf die Träger selbst, auf ihren Glaubensgehorsam, auf ihre Liebe zu dem Herrn. (2. Mos. 32,13; 5. Mos. 9,27.) Das Letztere ist hier der Fall, und es darf um so weniger befremden, als der Herr selbst bei der Erwählung Seiner Knechte darauf hinweist (1Mos18,22; Apostg13,22)und Seine Gerechtigkeit solches erheischt; denn „Gott ist nicht ungerecht, dass Er vergesse eures Werks und Arbeit der Liebe, die ihr bewiesen habt in Seinem Namen.“ (Hebr6,10.) Diese Liebessorge für seinen Herrn wird in dem vorliegenden Psalm an David hervorgehoben und die Bitte des Dichters bewegt sich um den Grundgedanken: hat er Deiner so treu gedacht, so gedenke seiner wieder nach der Gnadedie Du ihm verheißen hast! Wenn der Herr hier zunächst an alle die Mühsal, welche David erduldet hat, erinnert wird, so wird bei der Allgemeinheit des Ausdrucks auch an seinen ganzen Leidensweg, der ihm ja um des verheißenen Königtums willen beschieden warzu denken sein; doch empfängt dieser Ausdruck, wie das Folgende zeigt, sofort die spezielle Beziehung auf die Sorge und Mühe Davids um die Ausführung seines Lieblingswunsches, dem Herrn ein Haus zu bauenWas einen Saul während seiner ganzen Regierung gar nicht gekümmert hatte, was selbst einem Samuel keine innere Not gemacht zu haben scheint, indem er die heilige Bundeslade nach ruheloser Wanderung in der Philister Land nicht wieder zur Stiftshütte brachte, sondern viele Jahre lang im Privathause Abinadabs zu Gibea (Kirjath Jearim) stehen ließ - das hat einem David schier das Herz abgedrücktWenn irgend Einer die Ruhe verdient hatteso war es David nach einem so müde gehetzten Leben; und wenn irgend Einem dazu auch die Mittel wie die göttliche Erlaubnis gegönnt waren, so diesem Könige; denn er hatte einen herrlichen Palast und der Herr hatte ihm Ruhe gegeben von allen seinen Feinden. Aber mitten in dieser Ruhe hatte er doch keine Ruhe, weil die Lade seines Gottes, die Lade, auf der der Name des Herrn Zebaoth wohnt über den Cherubimnoch nicht den geziemenden Ruheplatz gefunden hat; ja gerade sein eignes Wohnen im Zedernhaus gibt ihm gegenüber dem Wohnen der Bundeslade unter den Teppichen einen heftigen Stich ins Herz, wie er dem Propheten Nathan verrät(2. Sam. 7,1.2.) 
  
-Der vorliegende Psalm hat eine sehr nahe Verwandtschaft mit dem 124PsalmIn beiden wird mit dem Aufruf: "so sage Israel" dem Volke Gottes das Bekenntnis in den Mund gelegt, das es dem Herrn Angesichts Seiner rettenden Durchhilfe aus der fortgehenden Bedrängung von Seiten der Feinde schuldig ist; sie unterscheiden sich wesentlich nur dadurch, dass im 124Psalm vorwiegend der Lobgesang für die erfahrne Errettung, hier dagegen der zuversichtliche Glaube an den Untergang der Feinde zum Ausdrucke kommt. In unserm Psalm ruht auch ein besondrer Akzent auf dem Überblick des ganzen Wegesden Israel hat gehen sollen und der jederzeitigen gemeinsamen Grunderfahrung, die es auf diesem Wege gemacht hat. Die darunterliegende Absicht zielt nicht bloß darauf, dass Israel seinen Netter und Erhalter dankbar erkenne und bekenne, sondern sie will auf dieser Folie eine weittragende prophetische Perspektive in das Los der wahren Kirche zu allen Zeiten eröffnensie will die wahre Kirche Gottes als die Kirche des Kreuzes kennzeichnen, die das Siegel trägt"Sie haben mich viel bedrängt von meiner Jugend auf, aber sie haben mich nicht übermocht." Es sind nicht einmal die Namen derer, die es drängten, genannt, zum Zeichen, dass das Volk des Herrn von allen Seiten her den Druck erfährt, dass es die Elende ist, über die alle Wetter gehen" (Jes54,11.), "der bunte Vogelum welchen alle andern Vögel versammelt sind, um ihn zu rupfen." (Jer11,9.Das zeigt zunächst Israel und zwar "von seiner Jugend auf." Die Wiege des Volkes Gottes stand in ÄgyptenSeufzen und Wehklagen über den unbarmherzigen Zwangsdienst in schwerer Arbeit war sein Wiegenlied; unter dem Stecken des Treibers, unter Pharaos eiserner Ruthe trug es das Joch seiner Jugend. Der Wüstenzug ein schwerersaurer Erziehungsweg! und an seinem Ende welch ein Anfang neuen Druckes von den Feinden jenseits des Jordans und am Libanon, auf den Gebirgen, in den Gründen und an den Anfurten des Meers, von den Moabitern und Amoritern, den Kanaanitern, Jebusitern, Pheresitern, den Syrern und Philistern! Wie hat es unter den Tagen der Richter eine so heiße Sturm- und Drangzeit gehabt und das harte Joch feindseliger Bedrückung so lange tragen müssen, dass selbst ein Gideon ans Zagen kam und sprach: "Ist der Herr mit uns, warum begegnet uns denn solches?" Ja, je älter es wurde, desto schwerer das Joch man denke an der Könige und der Propheten Zeit! Und welche Geißeln waren in späterer Zeit die Ägypter, Assyrer und Babylonier für Israel; was hat ein Sanherib, ein Nebukadnezar, was ein Haman dem auserwählten Volke für gebranntes Herzeleid bereitet; wie sauer haben ihm nach der Rückkehr aus dem Exil die Feinde den Wiederaufbau des Tempels gemachtwas hat endlich ein Alexander, ein Antiochus Epiphanes, was der Römer schweres Joch dem armen Israel Gottes zugesetzt - am Ende seiner Laufbahn steht das verwüstete Vaterlandder zerstörte Tempel, die Zerfleischung seiner Kinder - fürwahr auf seinem Rücken pflügten Pflüger und haben ihre Furchen lang gezogen!" Und was das geistliche Israel des Neuen Bundes für ein Los gehabtIn Wahrheit mit der vermehrten Gnade auch vermehrte Drangsal, Verfolgungen der grausamsten Art, Von Stephanus Märtyrertode an durch der Apostel Zeiten hindurch drei Jahrhunderte lang lauter Fußstapfen von Blut und Tränen, von unsäglichen Martern und Qualen der raffiniertesten ArtWas hat in späterer Zeit der Prophet des Halbmondswas die Wut der Normannen und Vandalen für entsetzliche Bedrängnis gebracht, was haben im 12Jahrhundert die armen Waldenser leiden müssenihrer 70.000 haben am Anfang des 13. Jahrhunderts ihr treues Bekenntnis mit dem Blute besiegeln müssen! Und die Kirche der Reformation zieht diese Marterstraße in gerader Linie weiter, ein Johannes Hus eröffnet, wie dort Stephanus, wieder den Reigen und die furchtbaren Christenverfolgungen in England, Frankreich, Spanien, Polen, Ungarn, Böhmen, während derer allein im Zeitraum von 30 Jahren über 800.000 Christen getödtet worden sind, ein lautredendes Zeugnis von den lang und tiefgezogenen Furchen auf dem zerpflügten Rücken der evangelischen Kirche, aber damit auch von ihrer Ebenbürtigkeit mit dem wahren Israel Gottes. +Aus dieser innern Situation ist der heilige Eid geboren, den er nach dieses Liedes Worten dem Herrn schwur: nicht eher ruhen und rasten zu wollen bei Tag und bei Nacht, bis er für den Herrn eine Stätte gefunden habe zur Wohnung dem MächtigenJakobs d. i. dem in Seiner hehren Majestät erkannten JakobsgottWelch' eine exemplarische Liebe zu dem Herrn und Seinem Hause befundet das, und in der Liebe welch' eine heilige Eifersglut! Hier ist etwas von dem in Davidwas wir im Vollmaße bei dem Davidssohne finden„Der Eifer um Dein Haus hat mich verzehrt.“ (Joh2,17.) Wo der Herr eine Stätte im Herzen gefunden hatda hat man auch lieb die Stätte Seines Hauses (Ps26,8; 27,4); wo aber das Erstere nicht zutrifftda steht es auch mit der Liebe zu dem Letzteren sehr lau und flau. Das bewies Israel nach seiner Rückkehr aus dem Exil mit seiner faulen Rede: „Die Zeit ist noch nicht da, dass man des Herrn Haus baue;“ worauf es das Wort voll heiliger Ironie empfing: „Aber eure Zeit ist dadass ihr in getäfelten Häusern wohnt? Und dies Haus muss wüste stehn?“ (Hagg1,2-4.) Welch' ein Kontrast zu jenem Bekenntnis Davidswie not tat dies Stufenlied der heimgekehrten Gemeinde, wie not tut es der Christenheit!
  
-Die Kreuz- und Knechtsgestalt ist Beider Signaturwie sie die Signatur des in der Mitte der Reichsgeschichte stehendengemeinsamen Hauptes ist. Von Ihm steht geschrieben: "Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauftenmein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel." (Jes. 50,6.7.) So widerfährt einem herzfrommen Christen in der Hitze der Anfechtung nichts "Seltsames"; "dieselbigen Leiden gehen über alle Brüder in der Welt""Alledie in Christo Jesu gottselig leben wollenmüssen Verfolgung leiden," ein Paulus trägt die Malzeichen des Herrn Jesu an seinem Leibe(1Petr. 4,12; 5,9; 2. Tim. 3,12.; Gal. 6,17.) Doch dem Bekenntnis des Druckes steht das Bekenntnis hohen Trostes zur Seite"sie haben mich nicht übermocht," "der Herr ist gerechtEr hat der Gottlosen Strick zerhauen." (V. 2 und 4.) Diese gnadenreiche Durchhilfe des gerechten Gottes hat Israel vom Durchzug durchs rothe Meer an bis zum Lobgesang der drei Männer im feurigen Ofen hinaus allezeit und aufs allerreichlichste erfahren, und die Erhaltung der apostolischenwie der evangelischen Kirche, welche bei einer solchen Menge von Feinden, bei so vielen Todesstößen ein wahres Wunder Gottes ist, fordert zu demselbigen Bekenntnis auf. Das kommt von dem Herrndem gerechten GottWie es Seine Gerechtigkeit erheischtdass Er Böses vergilt denen, die den Seinen Böses tun und Rache zu üben an denen, die weder Seine Gnade und Wahrheitnoch den Arm Seiner Macht erkennen wollen, so ist es Recht vor Ihm, die zu beschützen und zu erhalten, die ihr Vertrauen setzen auf den, der da hilft und vom Tode errettet+**V. 6. Siehewir hörten sie (sie sei) in Ephrata, wir fanden sie im Waldgefilde. V. 7. Lasst uns eingehen in Seine Wohnung, anbeten vor Seinem Fußschemel. V. 8. Erhebe Dich, Herr, zu Deiner Ruhe, Du und die Lade Deiner Macht. V. 9. Deine Priester mögen sich kleiden in Gerechtigkeit und Deine Frommen jubeln. V. 10. Um Deines Knechtes Davids willen weise nicht ab das Antlitz Deines Gesalbten!** Die Auslegung von V. 6 unterliegt, weil sie die Auffassung der ganzen Stelle bedingtgroßen Schwierigkeitenwelche sich hauptsächlich um die Bedeutung des Ortsnamens „Ephrata“ bewegen, und die verschiedenartigsten Meinungen hervorgerufen haben. Soviel scheint festzustehendass von der Bundeslade die Rede ist und dass der Psalmist im Namen der Gemeinde redetVersetzt man sich nunda das „Waldgefild“ offenbar der Ausdruck von Kirjath Jearim ist, wo die heilige Lade 20 Jahre lang in der Verborgenheit ruhte, in die historische Situation von 2. Sam. u. 7, auf welche schon V1-5 deutlich hinweist, so kann „Ephrata“ nicht wohl für das Land „Ephraim“ stehen, worin Silo, der wohlbekannte Ort der Bundeslade in früherer Zeitlag, sondern es dürfte vielmehr „Bethlehem Ephrata“ bezeichnen, in dessen Territorium eben jenes Kirjath Jearim lagaus welchem die Bundeslade von David in die Zelthütte auf Zion, und danach von Salomo in den Tempel gebracht wurde. Die Gemeinde des Herrn erscheint hier demnach als eine solche, welche die Sehnsucht und die Freude Davids, die heilige Lade aus der Verborgenheit und Vergessenheit wieder an eine ihr geziemende Feierstätte gebracht zu sehen, geteilt hat; daher V7 der heilige Entschluss zu ihrer gottesdienstlichen Feier, und V8-10 das herrliche Gebetdas diesen Entschluss in seiner geistlichen Tiefe verklärtund das wir 2. Chron. 6,41.42 bei der Einweihung des Tempels in dem Munde des Königs Salomo wiederfinden. Der Gebetsausruf V. 8„Erhebe Dich, Herr, zu Deiner Ruhe, Du und die Lade Deiner Macht“ steht offenbar in naher Beziehung zu jenem uralten Rufe des Knechtes Gottes, Moses, beim Ziehen oder Ruhen der Lade Gottes während der Wüstenwanderung (4. Mos. 10,35.36), und deutet hier wie da die Unentbehrlichkeit der sichtbaren Gnadengegenwart des Herrn aus dem Herzen Seines Volkes an, nur mit dem Unterschiede, dass dort der Wechselhier die Ruhe des Wohnsitzes dem Zwecke und der Sachlage entspricht. Immer aber ist sie die „Lade der Macht“die in der spürbaren lebendigen Nähe der allerheiligsten Majestät Gottes ein tremendum mysterium ist, wie das h. Sakrament des Abendmahls im neuen Bunde. Das will nicht zurückschreckensondern herbeilocken, nicht Furcht, die da Pein hat, sondern Freude mit Zittern erwecken; denn es erscheint die Majestät der höchsten Gnade, welche das hochzeitliche Kleid der Gerechtigkeit selbst darbietetDarum heißt es weiter: „Deine Priester mögen sich kleiden in Gerechtigkeit und Deine Frommen jubeln.“ Die Priester stehen voranweil sie dem Allerheiligsten am nächsten sindaber die Frommen folgen gleich hinterdrein, und wie die Priester mit den Frommen die Freude teilen sollen, so diese mit jenen die Gerechtigkeit (Jes. 61,10); priesterliche Frömmigkeit, demütiges und gläubiges Nehmen dessenwas die Gnade gibt, ist das Wohlverhaltendas Beiden ziemt. Denselbigen Ton hält auch die Bitte für den Gesalbten des Herrn selbst ein: Um Deines Knechtes David willen weise nicht ab das Antlitz Deines Gesalbten.“ Wie schön steht diese Bitte dem Salomo an, der unverkennbar nach der geschichtlichen Unterlage hier zu verstehen ist und diese Fürbitte auch bei der Tempelweihe für sich selbst vor Gott bringt! Der am höchsten Stehende bittet am demütigstenweiß am besten, dass er die Krone „von Gottes Gnaden“ trägt. Und dass er solches um seines Vaters willen bittet, das ehrt den Sohn eben so sehr wie den Vater, und verschlingt Beider Kronen in jenen göttlichen Heilszusammenhang, der seinen letzten Ausläufer in dem hat, der hinter der Lade wie hinter der Krone der Kern des Gnadengeheimnisses istWelch' ein überraschendes Licht fällt übrigens von dieser Strophe auf die Geschichte der Reformation!
  
-Aus dieser Gerechtigkeit Gottes schöpft sein Volk nun die gewisse Zuversicht auf den Untergang aller seiner Feindewelche die zweite Hälfte des Liedes so energisch ausspricht(V. 5-8.) Hier finden wir zunächst den tiefstenden eigentlichen und letzten Grund der Feindschaft in den Herzen aller dieser Dränger aufgedeckt: sie sind "Hasser Zions"Hasser Zions, des Bergs des Herrn, der Wohnung des Allerhöchsten, des Herzblatts aller Seiner Gnadenoffenbarungen, der Herberge des Geheimnisses Christi? Kaum glaublich, dass die höchste Wohltat Gottes, weil die tiefste Herablassung Gottes, der gottabtrünnigen Welt zum größten ergernis gereicht! Und doch ist es wahr und dasselbige Rätsel, welches sich im Vollmaße am Kreuze des Welterlösers offenbartWarum ist es den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit? Die Erlösung dünkt ihnen eine Beraubung des Liebsten zu sein, das sie haben und um jeden Preis festhalten wollenihrer selbst und der WeltUnd sie ist es auchnur dass sie hinter dem Tode das Lebenhinter der vergehenden Nacht den aufgehenden Morgenstern nicht sehen. Wen aber die höchste Wohltat Gottes nicht beschämt und überwältigtden macht sie ergrimmt und rebellisch wider sie; daher die Hasser Zions, die Feinde des Kreuzes (Phil3,18.), die in der Konsequenz ihrer Gedanken so weit gehen müssen, dass sie überhaupt in der Welt keine Religion und keine Kirche mehr wollensondern mit den Kindern Edoms sagen: "Rein abrein ab bis auf ihren Boden!" (Ps. 137,7.) Der Lügner von Anfang ist auch der Mörder von Anfang (Joh8,44.) und der Hasser Gottes auch der Hasser seines Volkes. (Joh15,18.19.) kann aber das Ende aller dieser Feinde noch zweifelhaft seinZwar scheint es oft gerade umgekehrt sich anzulassenwenn man der Feinde Prahlen hört, wenn die Rottengeister hoch daherfahren und Rom seine Machtbefehle gibtja es ereignet sich wieder und wieder die alte Tatsachedass ein Sanherib mit großer Macht vor Jerusalems Toren liegt und Hiskias drinnen seufzen und weinen muss; aber Israel ist nicht auf den Augenschein, sondern auf den Glauben gestellt, nicht auf den Anfang, sondern auf den Ausgang der Dinge gewiesen, und da schaut man ein anderes Bild, das Bilddas hier Israels Glaube so kühn von allen Hassern Zions entwirft: sie gleichen dem Grase auf den flachen Dächern des Morgenlands, dasweil so gar wurzelschwach und bodenlosgar nicht einmal erst ausgerauft zu werden brauchtsondern in sich selbst verdorrt; hier wird kein gesundes, fruchthaltiges Korn ausgestreut, über dem man sich in Hoffnung der Erntefreude Segensgrüße zuruft (Ruth 2,4.), sondern ihr Tun ist eine in sich faule, verdorbene Aussaat, über der es Lästerung wäre auszurufen: "der Segen des Herrn sei über euch!"+**V. 11. Der Herr hat David Wahrheit geschworen, davon wird er sich nicht wenden: „Ich will dir auf deinen Stuhl setzen die Frucht deines Leibes. V. 12. Wenn deine Kinder meinen Bund halten werden, und meine Zeugnisse, die ich sie lehren werde, so sollen auch ihre Kinder auf deinem Stuhle sitzen ewig.“ V. 13Denn der Herr hat Zion erwählthat es begehrt zu Seiner Wohnung. V. 14. Dies ist meine Ruhe ewig, hier will ich wohnen, denn ich begehre nach ihr. V. 15. Ihre Speise will ich reichlich segnen, ihre Armen sättigen mit Brot. V. 16. Ihre Priester will ich mit Heil kleiden und ihre Frommen sollen jubelnV. 17. Daselbst lass ich dem David ein Horn sprossenrichte zu eine Leuchte meinem Gesalbten. V. 18. Seine Feinde werde ich mit Schande kleiden, aber über ihm soll blühen seine Krone.“** In überaus zutreffender Weise entspricht diese zweite Hälfte des Psalms der ersten: dem Schwur Davids der Schwur des Herrn, der Sorge Davids für das Haus des Herrn die Verheißung des Herrn für das Haus Davids, der Hinaufbringung der Bundeslade nach Zion die Erwählung und das innige Begehren Zions zu Seinem Wohnsitz, der Bitte Israels und seines Königs die göttliche Antwort für BeideWenn ein Menschenkind die Wahrheit seines Worts mit einem Eide bekräftigt und erhärtetso hat das seinen Grund in der auf mangelnder Glaubwürdigkeit beruhenden Unzureichendheit bloßer menschlicher Versicherung; wenn aber der Herrdessen Worte allzumal um Seiner Heiligkeit willen an und für sich selbst schon Eideskraft haben, noch obendrein Sein wahrhaftiges Wort mit einem Schwure besiegelt, so muss dies als ein besonderes Zeichen göttlicher Herablassung zu unsrer Glaubensschwäche und Zweifelsnot angesehen werden, wie der Hebräerbrief Kap6,17.18. klar mit den Worten bezeugt: „Aber Gottda er wollte den Erben der Verheißung überschwänglich beweisen, dass Sein Rat nicht wankte, hat er einen Eid dazu getan, auf dass wir durch zwei Stücke, die nicht wanken(denn es ist unmöglich, dass Gott lüge) einen starken Trost haben, die wir Zuflucht haben und halten an der angebotenen Hoffnung.“ Dem Ernste dieses Schwurs entspricht die Größe seines Gegenstandesnämlich die überschwängliche, weit über Davids höchstes Wünschen und Sehnen hinausgehende Verheißung des ewigen Bestehens seines Thrones und Königreichs durch den Samen seines HausesDass hiermit ein direkter Fingerzeig auf Christum als den Davidssohn und ewigen König gegeben und von David auch verstanden wardsagt Petrus unter ausdrücklicher Bezugnahme auf diese Stelle (V11) in seiner Rede Apostg. 2,30 aufs deutlichste; dass aber bis zu diesem Zielpunkt der Verheißung das Königtum bei Davids Hause bleibedas ist an die Bundestreue und an den Gehorsam gegen Gottes Zeugnisse von Seiten der Kinder Davids geknüpft. Leider fing der Abfall nur zu bald an; schon nach Salomos Tode fielen unter Rehabeams Regiment mit den acht Stämmen acht prächtige Diamanten aus der Davids-Kronespäter folgte die Aufhebung des ganzen Reichs und nach der Rückkehr aus Babel wurde es nicht Davids Nachfolgern, sondern den Asmonäern aus dem Stamm Levi auf eine Zeitlang gegeben. Aber die Nichterfüllung dieser Bedingung hebt deswegen noch nicht die Verheißung auf, sie führt nur den Ausfall der Zwischenglieder herbei, die Verheißung selbst geht seiner Zeit (und das war die Zeit, wo Davids Nachkommen von der königlichen Würde keinen Schatten mehr hatten) so gewisslich in Erfüllung, als Er nicht zum Lügner an Seiner Treue und an Seinem Eidschwur werden kann. (Ps. 89,29-37; 2. Sam. 7,14.15; Röm3,3; 11,29; 2. Tim. 2,3.) Das empfängt hier seine Begründung in der Erwählung Zions und in der göttlichen Bezeugung Seiner ewigen Ruhe daselbst. (V1314.) Wer fasst das Geheimnis dieser Gottmenschlichen Rede von Seiner Vorliebe für diesen kleinen Zionsberg, der die Stätte ewiger Gottesruhe istVerliert es sich nicht ganz in die heiligen Tiefen Seines ewigen Wohlgefallens? Der Sohn des Wohlgefallenswelcher der Gegenstand Seiner ewigen Liebe und die Ursache unsrer ewigen Erlösung istlöst es. Wir hören von der Ruhe Gottes nach und in Seinem vollendeten Schöpfungswerk (1. Mos. 2,2), und wir hören wieder von der Ruhe Gottes dawo er er das das Werk der Erlösung zuvor und zubereitet hat. Gerade die Wahl des kleinen Zionsberges vor allen andern Bergen der Welt, welche darum neidisch lauern und scheel sehen auf ihn (Ps. 68,17), kennzeichnet schon das Herz und den Weg des Gottes der Erlösung (Ps. 113,5.61. Kor. 1,28), und findet seine Erfüllung und Vollendung in des Sohnes Menschengebärden (Joh. 1,14) und in Seiner Einkehr bei denen, die zerschlagenen Herzens und demütigen Geistes sind. (Jes. 57,15; Luk. 7,36-50.) Wo aber die Herberge des ewigen Bundes, der gewissen Gnaden Davids (Jes. 55,3) ist, da ist auch die Quelle alles Segens für Alle. Sehr bezeichnend begegnet deshalb die göttliche Antwort nicht nur der Bitte für die Priester und Frommen, sowie für den König mit liebreicher und weitgehender Erhörung, sondern sie hebt ihre Segensproklamation bei den Armen und bei dem Segen des täglichen Brots für sie an. Wenn dieser Gott segnetso kargt Er nicht, sondern Er gibt über Bitten und Verstehen überschwänglich, das soll man am Tischeim Herzen und auf dem Throne spüren, am Tische mit Brots die Fülle, im Herzen mit freudenreichem Heil, auf dem Throne mit weltüberwindender Macht (Horn) und weithin leuchtender Herrlichkeit (Leuchte). Wie aber der ganze Psalm vom Geiste der Weissagung auf den Davidssohn getragen ist, so sind die letzten beiden Verse hehr und lieblich umsäumt von dem Glanze dieses Gesalbtendes Aufgangs aus der Höheden ein Zacharias und Simeon an der Schwelle des neuen Bundes lobsingend begrüßen. (Luk. 1,68-79; 2,29-32.)
  
-Aber den Liebhabern Zions winkt hinter dem Kreuz die Krone und hinter ihrer Tränensaat die Freudenernte. (Ps. 126,5.6.) Darum leide dich, leide dich, Zion! leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne; sei bis in den Tod getreu, siehe auf die Lebenskrone. Zion! fühlst du der Schlangen Stich, leide dich, leide dich! +{{Ps_132}}
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