Passavant, Theophil - Naeman, oder Altes und Neues - 12. Naeman war aussätzig.

Passavant, Theophil - Naeman, oder Altes und Neues - 12. Naeman war aussätzig.

Das liebe Kreuz hat auch Naeman nach Canaan geführt. Und er war ein gewaltiger Mann, aber aussätzig.

Der Aussatz war im Morgenland, und unter den Israeliten ein sehr häufiges Uebel, eine Haut-Krankheit, ähnlich der Krätze, aber noch viel häßlicher; ein weißer Eiter-Schaden, eckelhaft, ansteckend, durch Menschen-Kunst unheilbar. Menschen, Kleider, die Häuser selbst konnten davon berührt und angesteckt werden, wie wir es in dem 3. Buch Mose (C. 13. u. 14.) beschrieben sehen.

Denke dir diese weißen und rothen Geschwüre, die dein Angesicht, deine Hände, deine ganze Haut überziehen, und fressen mit ihrem eckelhaften Gift bis in's Fleisch hinein; Was du berührest, wird davon unrein; Was dich berühret, wird von dir angesteckt; du magst und darfst keinen Menschen in deiner Umgebung berühren, darfst keinem deiner Lieben die freundliche Hand reichen; nur mit dem Wort darfst du deine Liebe bezeugen, durch deinen Blick nur das Herz reden lassen; Wer dir angehöret, hat, bei aller Liebe, seine Scheu, seinen Eckel an dir, oder du mußt selber sie von deiner Berührung entfernen, und sie warnen vor dir.

Dies hat Naeman erfahren müssen. Unbekannte Leute tonnen mit solchem Uebel in der Ferne bleiben, und geringe Leute unbemerkt in der Stille sein; aber Naeman war ein Licht auf dem Berge, darauf alle Leute schaueten, der Mann, der bei Allen in Ansehen, von Allen gesehen, von Vielen gesucht, überall mit seiner Person vor- und fürstehen mußte, mit Auge, Herz und That überall hinreichen, für seinen Fürsten auftreten, dessen Majestät vertreten, dessen Glanz strahlen lassen von sich selbst aus, und seine Gaben oder Befehle austheilen in fürstlicher Pracht; - und nun, dieser treffliche und gewaltige Naeman ist aussätzig und unrein; seine Hand wird gescheut, sein Anblick wird gefürchtet, seine Nähe erreget Eckel und Angst. O wie möchten da die Großen der Erde sich unter die Kleinsten und die Vergessensten verbergen dürfen! Wahrlich, so ein Pfahl in's Fleisch, eine schwere Heimsuchung!

Er konnte freilich das häßliche Uebel großentheils unmerklich machen, konnte mit dem feinsten Linnen, mit Purpur und Gold Haut und Kleider bedecken, und doch, in aller Herrlichkeit Schmuck und Hülfe kann sein ehrliches Angesicht sich einem Menschen-Angesichte kaum zeigen; und keine Pracht, kein Staat, keine äußere Zierde kann das Unreine tilgen, das unter seinen Kleidern steckt.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/p/passavant/passavant-maeman/passavant-naeman12.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain