Brockhaus, Carl - Der zweifache Weg Gottes

(Psalm 77, 13-19)

Sein Weg ist im „Heiligtum“ und Sein Weg ist im „Meer“. Die Verschiedenheit dieser beiden Dinge ist augenscheinlich. Zunächst ist der Weg Gottes im Heiligtum, wo alles hell und klar ist. Dort zeigt sich nirgends ein Irrtum. Dort gibt es nicht das geringste, was dem Geiste hindernd in den Weg treten könnte. Sobald eine noch so sehr beunruhigte Seele in das Heiligtum tritt, und die Dinge im Lichte Gottes betrachtet, sieht sie das Ende von allem, wodurch sie auf der Erde so oft getäuscht worden ist.

Wir finden das Gleiche in Psalm 75. Dort lesen wir: „Da dachte ich nach, um dieses zu begreifen, - eine mühevolle Arbeit war es in meinen Augen; bis ich hineinging in die Heiligtümer Gottes und jener Ende gewahrte“ (V. 16. 17). Im Heiligtum Gottes empfängt die Seele wahres Verständnis über alle Dinge. Alle Versuchungen, alle Prüfungen, alle Schwierigkeiten und Leiden zeigen sich dort in ihrer wahren Gestalt. Sind wir einmal dort eingetreten, so befinden wir uns in der Stätte des Lichtes Gottes und der Liebe Gottes; und dann gibt es keine Schwierigkeit, über die wir nicht ein klares Verständnis haben.

Der Weg Gottes ist jedoch nicht nur im Heiligtum, wo für uns alles hell und klar ist, wenn wir uns dort befinden, sondern der Weg Gottes ist auch im Meere. Er wandelt da, wo wir nicht immer Seine Fußtapfen verfolgen können. Gott wirkt oft, wie wir alle wissen, in geheimnisvoller Weise. Es gibt Wege Gottes, die den Zweck haben, uns zu erproben. Es ist wohl nicht nötig zu sagen, daß Gott gewiß keine Freude findet an unseren Verlegenheiten und Befürchtungen. Auch ist stets das Heiligtum für uns zum Eintritt geöffnet, so daß wir jeden Augenblick nahen können. Aber es gibt vieles in den Wegen Gottes, was man Seinen eigenen Händen überlassen muß. Vieles ist da, worüber unserer Kurzsichtigkeit das richtige Verständnis fehlt; und es bleibt uns nur übrig, uns still Seinem Willen zu ergeben.

Der Weg Gottes ist daher nicht nur im Heiligtum, wo für uns alles licht und klar ist, sondern auch im Meer, im Verborgenen.

Was aber hält unsere Verbindung mit Seinen geheimnisvollen Wegen, mit Seinen Fußtapfen im Meer aufrecht? Es ist das Wort: „Du hast dein Volk geleitet wie eine Herde, durch die Hand Moses und Aarons“ (V. 20). Der Weg des Volkes Israel ging durchs Meer und dann durch die Wüste. Die Wege Gottes mit Seinem Volk begannen im Meer, weil Gott von Anfang bis zu Ende die Stärke des Heiligen sein muß. Es mag eine frühe Probe für seine Seele sein, aber die Schwierigkeiten sind für ihn der passende Weg, um die Stärke Gottes erproben zu können.

Es ist sicher ein köstliches Ding zu wissen, daß das Heiligtum stets für uns offen ist. Aber noch köstlicher ist zu wissen, daß Gott Selbst noch näher ist; und zu Ihm sind wir jetzt geführt, wie wir in l. Petr 5 lesen: „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er uns zu Gott führe“. Das ist eine kostbare Wahrheit; wir befinden uns im Heiligtum und sind zu Gott Selbst geführt.

Wir dürfen kühn sagen, daß der Himmel selbst für uns ein leerer Raum, eine geringfügige Sache sein würde, wenn wir nicht zu Gott Selbst gebracht worden wären. Das ist weit besser, als jede Befreiung aus der Trübsal, besser als jede Segnung. Es gibt nichts Höheres, als in die Gegenwart Dessen geführt zu sein. Dem wir angehören. Der Selbst die Quelle aller Freude ist. Gesegnete Wahrheit!

Mögen daher die Wege Gottes nicht nur im Heiligtum, sondern auch im Meere, außerhalb des Heiligtums, sein, wir finden Gott überall. Leider sind wir zu oft mit dem Meer beschäftigt, um dort die Fußtapfen Gottes ausfindig zu machen. Dann sind wir nicht glücklich. Nur das Vertrauen auf Gott ist die Kraft des Glaubens. Möge der Herr uns daher die Gnade verleihen, stets auf Ihn zu schauen; Er ist im Heiligtum, Er ist im Meer, Er ist überall. Gepriesen sei Sein Name!

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