Baxter, Richard - Andachten

2. Kor. 6,8

„… durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte“ 2. Kor 6,8

Du brauchst nicht sagen: Jede andere Trübsal wollte ich ertragen, nur diese nicht. Hätte Gott dich da geschlagen, wo du weniger empfindlich bist, so würdest du deinen Götzen nie entdeckt, noch von dir getan haben. Sage nicht: wüsste ich, dass Gott mich aus dieser Trübsal erlösen wird, so wollte ich sie schon tragen. Hat er denn nicht versprochen, dass sie zu deinem Besten dienen soll? Ist es nicht genug, dass du sicher bist, durch den Tod von ihr befreit zu werden? Sage nicht: würde mich meine Trübsal nur nicht zur Erfüllung meiner Pflicht unfähig machen, so wollte ich sie schon ertragen! Sie macht dich nicht unfähig zur Erfüllung derjenigen Pflicht, welche zu deinem eigenen Besten dient, sondern sie hilft dir aufs Mächtigste dazu, darauf kannst du dich verlassen. Was aber die Pflichten gegen andere anbelangt, so ist das, wozu dich Gott unfähig macht, keine Pflicht mehr für dich.

Vielleicht möchtest du sagen: gerade die Gläubigen sind meine Widersacher; wären es Ungläubige, so könnte ich es leicht ertragen. Welches auch das Werkzeug sein mag, von Gott kommt die Trübsal und in dir selber liegt die letzte Ursache; und ist es dabei nicht besser, mehr auf Gott und dich selbst zu sehen? Wusstest du nicht, dass auch die besten Menschen noch Sünder sind? Sprich nicht: hätte ich nur den Trost, wovon du sagst, dass Gott ihn für Leidenszeiten aufbewahre, so wollte ich Alles ruhiger ertragen, aber davon empfinde ich nichts. Je mehr du um der Gerechtigkeit willen leidest, desto mehr darfst du von diesem Trost erwarten, je mehr du aber um deiner eigenen Übertat leidest, desto länger wird es anstehen - bis du jene Süßigkeit schmeckst. Hast du nicht den Trost, wonach du dich sehnst, vernachlässigt oder bist ihm widerstanden? Hast du auch deine Trübsal recht in dir verarbeitet und dich zum Trost geschickt gemacht? Nicht das Leiden an sich ist es, was dich dazu fähig macht, sondern die Frucht und Wirkung des Leidens auf dein Herz.

2. Tim. 2,23

„Aber der törichten und unnützen Fragen entschlage dich; denn du weißt, dass sie nur Zank gebären.“ 2. Tim 2,23

Vermeide öftere Streitigkeiten über untergeordnetere Wahrheiten, vermeide eine bloße Verstandesreligion. Diejenigen wissen gewöhnlich höchst wenig von einem himmlischen Leben, welche gerne über die Nebengegenstände der Religion streiten. Wessen Religion ganz in seinem Verstand liegt, wird am häufigsten und eifrigsten von seinen Ansichten sprechen; der aber, dessen Religion in der Erkenntnis und Liebe Gottes und Christi beruht, wird am liebsten von der seligen Zeit reden, wo er jener völlig teilhaftig werden wird. Das ist ein seltener und köstlicher Christ, welcher allbekannte Wahrheiten fruchtbar zu machen weiß. Trachtest Du daher nach einem himmlischen Leben, so lass Dir raten, nicht zu viel von Deinen Gedanken, Deiner Zeit, Deinem Eifer auf Streitigkeiten zu verwenden, welche Deine Seele weniger nahe angehen; sondern wenn Heuchler Hülsen und Trebern essen, so labe Dich an himmlischen Freuden.

Wohl wünsche ich, dass du fähig bist, jede Gotteswahrheit zu verteidigen und dass Du zu diesem Ende liest und forschst, aber die Hauptwahrheiten sind es, welche Du hauptsächlich erwägen musst, und von der Ewigkeit dürfen sich Deine Gedanken nicht entfernen. Diejenigen Punkte, über die man am wenigsten streitet, sind gewöhnlich die wichtigsten und von nützlichstem Gebrauch für Deine Seele. Darum studiere genau die Gebote der heiligen Schrift, wie diese: „den Schwachen im Glauben nehmt auf und verwirrt die Gewissen nicht.“ (Röm. 14, 1.) „Der törichten und unnützen Fragen entschlage Dich; denn Du weißt, dass sie nur Zank gebären. Ein Knecht aber des Herrn soll nicht zänkisch sein.“ (2. Tim. 2, 23. 24.) „Der törichten Fragen der Geschlechtsregister, des Zanks und Streites über dem Gesetz entschlage Dich; denn sie sind unnütze und eitel.“ (Tit. 3, 9.) „So jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesu Christi, und bei der Lehre von der Gottseligkeit, der ist verfinstert, und weiß nichts, sondern ist süchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänk solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Halte Dich fern von solchen.“ (1. Tim. 6, 3-5.)

Hiob 36,15

„Den Elenden wird Er in seinem Elend erretten und dem Armen das Ohr öffnen in der Trübsal.“ Hiob 36,15

Du brauchst nicht sagen: jede andere Trübsal wollte ich ertragen, nur diese nicht. Hätte Gott dich da geschlagen, wo du weniger empfindlich bist, so würdest du deinen Götzen nie entdeckt, noch von dir getan haben. Sage nicht: wüsste ich, dass Gott mich aus dieser Trübsal erlösen wird, so wollte ich sie schon tragen. Hat er denn nicht versprochen, dass sie zu deinem Besten dienen soll? Ist es nicht genug, dass du sicher bist, durch den Tod von ihr befreit zu werden? Sage nicht: würde mich meine Trübsal nur nicht zur Erfüllung meiner Pflicht unfähig machen, so wollte ich sie schon ertragen! Sie macht dich nicht unfähig zur Erfüllung derjenigen Pflicht, welche zu deinem eigenen Besten dient, sondern sie hilft dir aufs Mächtigste dazu, darauf kannst du dich verlassen. Was aber die Pflichten gegen andere anbelangt, so ist das, wozu dich Gott unfähig macht, keine Pflicht mehr für dich.

Vielleicht möchtest du sagen: gerade die Gläubigen sind meine Widersacher; wären es Ungläubige, so könnte ich es leicht ertragen. Welches auch das Werkzeug sein mag, von Gott kommt die Trübsal und in dir selber liegt die letzte Ursache; und ist es dabei nicht besser, mehr auf Gott und dich selbst zu sehen? Wusstest du nicht, dass auch die besten Menschen noch Sünder sind? Sprich nicht: hätte ich nur den Trost, wovon du sagst, dass Gott ihn für Leidenszeiten aufbewahre, so wollte ich Alles ruhiger ertragen, aber davon empfinde ich nichts. Je mehr du um der Gerechtigkeit willen leidest, desto mehr darfst du von diesem Trost erwarten, je mehr du aber um deiner eigenen Übertat leidest, desto länger wird es anstehen - bis du jene Süßigkeit schmeckst. Hast du nicht den Trost, wonach du dich sehnst, vernachlässigt oder bist ihm widerstanden? Hast du auch deine Trübsal recht in dir verarbeitet und dich zum Trost geschickt gemacht? Nicht das Leiden an sich ist es, was dich dazu fähig macht, sondern die Frucht und Wirkung des Leidens auf dein Herz.

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