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Die Gabe Gottes.

Vorträge,
gehalten von
Pastor Theodor Monod
in Paris

Uebersetzt von Anna v. Hesse

Bonn & Gernsbach, 1882.
Verlag von Johannes Schergens,
Buchhandlung für christl. Literatur

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 1. Ihre Quelle.

“Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
(Joh. 3,16.)

Liebe Brüder, ich möchte mit Euch gern wieder einmal unsere Erlösungsgeschichte, diese uralte und doch ewig neue Geschichte durchgehen. Als gemeinsamen Mittelpunkt all der Gedanken, die ich über diesen Gegenstand Euch könnte mitzuteilen haben, will ich den einen großen Gedanken, oder besser gesagt, die eine große Tatsache setzen: „Die Gabe Gottes!“ Joh. 4, 10.

„Wenn du erkennst die Gabe Gottes“, sagte der Heiland zu der Samariterin. Und diese Gabe haben wir ja doch vor allen Dingen nötig; wenn wir sie haben, so haben wir Alles. Es ist sehr schade, dass wir uns manchmal darüber streiten, auf welche Weise wir wohl am besten den Akt, durch den man diese Gabe ergreift, erklären könnten, anstatt die Gabe einfach anzunehmen, uns davon zu nähren und davon zu leben. Der Grund, auf den ich mich stütze, ist allein das Wort meines Gottes. Ich will hier keinen Menschen reden lassen, weder einen lebenden noch einen toten; das Wort Gottes soll reden und dies Wort ganz allein. Ich verstehe nicht viel von Theologie; nicht als ob ich dieselbe gering schätzte, denn ich glaube im Gegenteil, dass es heutzutage viel auf diesem Gebiet zu tun gibt. Aber meine theologische Unzulänglichkeit erlaubt mir, spitzfindige, verwirrende Fragen zu umgehen. Oft muss ich an das Wort eines frommen, biederen Bauersmannes denken, der, als ein Gelehrter sich mit ihm über irgendeinen schwierigen Punkt stritt und sagte: „Mein lieber Freund, Sie scheinen mir ja bei den Kirchen-Vätern nicht sehr zu Hause zu sein,“ antwortete: „Da haben Sie recht; aber desto besser kenne ich die Großväter,“ und hiermit meinte er die Apostel.

Es liegt hierin für uns Alle eine tiefe Lehre. Denn haben nicht auch wir unsere Traditionen: ausgezeichnete Bücher, die von Gottesmännern, welche wir lieben und hochachten, geschrieben sind? Wir beklagen die Blindheit der Katholiken, die sich mehr auf die Kirchenväter, als auf die Heilige Schrift verlassen; hüten wir uns drum wohl, gerade dasselbe zu tun! Wir wollen also jetzt die guten Bücher bei Seite lassen; wir wollen selbst für den Augenblick die persönliche Erfahrung, sei sie gut oder schlecht, bei Seite lassen. Wir stimmen nicht mit gewissen Freunden überein, die es besser finden, dass man die freudigen, siegreichen Erfahrungen verschweige, die sich aber gar nicht scheuen, traurige Erfahrungen von Niederlagen in den Vordergrund zu stellen.

Wir berufen uns also auch nicht auf die Erfahrung, sondern einzig und allein auf das Wort unseres Gottes.

Wenn wir an die Gabe Gottes denken, so ist die erste Frage, welche sich uns aufdrängt, diese: „Woher kommt diese Gabe?“ Mit andern Worten: „Wie kann Gott uns irgendeine Gabe zu geben haben?“

Denkt an Gott, der Alles geschaffen hat, der nur zu sagen brauchte: „Es werde Licht!“ und es ward Licht; an Gott, dessen Namen wir höchstens zitternd stammeln können; an Gott, der nicht nur heilig, sondern die Reinheit selbst, die Majestät, das Licht ist; an Gott, vor dem wir uns fürchten. Ja, jeder Mensch hat die Neigung, vor Gott zu fliehen. Wenn eine Stimme in ihm ruft: „Du hast Gott nötig“, so ruft auch eine andere: „Du hast dich an Gott versündigt,“ und der Mensch will sich verstecken, wie Adam im Garten Eden.

Diese Welt ist ohne Gott und ihr Wesen steht gegen Ihn. Gott hätte sagen können: „Mögen sie ohne mich fertig werden“, ER hätte uns dem Verderben preisgeben können. Aber ER hat es nicht getan. Was hat ER denn getan? Hat ER uns gute Lehren geschickt, wie wir uns selber helfen könnten? Er hat mehr als dies an uns getan. Hat ER ein Beispiel vollkommenen Gehorsams, vollkommener Heiligkeit und Geduld uns vor Augen gestellt? ER hat viel mehr getan: ER hat uns eine Gabe gesandt. ER hat uns nichts verkauft; ER hat uns nicht eine Sache gewährt, damit wir Ihm eine andere dafür wiedergäben; ER hat nicht nur versprochen, uns etwas zu geben; ER hat sich nicht damit begnügt, uns etwas anzubieten…. Nein, Gott hat der Welt Seinen Sohn nicht nur angeboten, ER hat Seinen Sohn gegeben. Wenn ich auf diesen Tisch einen Haufen Goldstücke legte und sagte: „Ich gebe dieses Gold, wer da will, kann nehmen, so viel ihm beliebt“, so könntet ihr von eurem Gesichtspunkt aus sagen, dass dies ein Anerbieten sei; insoweit es mich aber betrifft, ist es eine Gabe, und wenn es keine Gabe wäre, hätte Niemand das Recht es zu nehmen.

Worin besteht die Gabe Gottes? Wir halten uns zunächst nicht lange bei diesem Punkt auf, obgleich das der eigentliche Kern unseres Gegenstandes ist: „Gott hat uns Seinen eingeborenen Sohn gegeben.“

Wann hat ER Ihn gegeben? Von Anfang an. Ehe ihr oder ich, ehe unsere Voreltern geboren waren, ehe Adam geschaffen war, vor Grundlegung der Welt, hat ER ihn im tiefsten Herzensgrund gegeben, uns gegeben, für uns dahingegeben. Warum hat ER Ihn gegeben? Weil ER uns geliebt hat. O, meine Brüder, wenn wir das nur einmal verstehen lernten, dass Gott uns geliebt hat.

„Gott ist (die) Liebe,“ (1. Joh. 4,8.) sagt der Apostel. Die Bibel enthält nicht viele Erklärungen über das Wesen Gottes; dennoch gibt sie deren zwei oder drei. Gott ist (die) Liebe. Wir lernen hier nicht, was Gott befiehlt, was ER verspricht oder gibt, sondern was ER ist.

Vor allem: „Ich bin, der ich bin.“ 2 Mose 3,14. (Nach der deutschen Bibel lautet der Text: Ich werde sein, der ich sein werde.“) „Ich bin hat dich zu ihnen gesandt“, sprach Gott zu Mose. Ein aufmerksames Studium dieses Namens in der Heiligen Schrift lässt erkennen, dass er nicht allein, oder hauptsächlich das absolute Dasein Gottes, im übernatürlichen Sinn des Wortes, bedeutet, sondern auch zeigt, wie treu Gott Seinem eigentlichen Wesen bleibt. Weiter heißt es: „Gott ist (das) Licht,“ (1 Joh. 1,5.) das heißt, die Wahrheit und Heiligkeit, die Wirklichkeit selbst und die Reinheit selbst. Und mehr noch: „Gott ist die Liebe.“

Dieses Wesen, welches die Liebe und das Licht ist, hat zahlreiche Eigenschaften. Nirgends aber steht geschrieben, dass Gott die Majestät ist, dass ER die Gerechtigkeit ist; ebenso wenig wird dies von irgendeiner andern Seiner Vollkommenheiten gesagt; aber es steht geschrieben, dass, „Gott die Liebe ist,“ dass, „Gott das Licht ist.“ Nicht nur, dass ER das Licht und die Liebe besitzt, sondern, dass ER die Liebe ist: die gerechte, die heilige Liebe, die reiche und eifrige Liebe, die Liebe, welche züchtigt, die allmächtige, die ewige Liebe.

Die Liebe, wen liebt ER denn? Hier müssen wir zu allererst fragen: „Wenn Gott die Liebe ist, wie konnte ER denn lieben, ehe die Welt geschaffen war und irgendetwas bestand?“ Denkt euch, ein Mensch habe sein ganzes Leben einsam in einer Wüste verbracht, könntet ihr von ihm sagen: „Dieser Mensch hat ein liebevolles Herz.“ Wie wisst ihr das? Wen liebt er denn? Wie zeigt er seine Liebe?

O, meine Brüder, hier dürfen wir einen tiefen Blick tun in das innerste Wesen unseres Gottes! Wir fragen, wen Gott liebte, ehe ER irgendetwas geschaffen hatte? Die Bibel antwortet hierauf, dass Gott einen Sohn hat, Den ER liebt, dass Gott von Ewigkeit her einen Gegenstand Seiner Liebe hatte, der das Ebenbild Seines Wesens ist, dass die Einigkeit Gottes keine Einsamkeit ist; dass in dieser Einheit Gottes ein inniger Herzensverkehr, eine gegenseitige Liebe besteht; dass es ein Wesen gibt, welches „der Abglanz Seiner Herrlichkeit und das Ebenbild Seines Wesens ist,“ (Hebr. 1,3.) in dem ER Sein eigenes Bild sieht und sich in einem andern „Ich“ liebt.

Lasst uns wenig Worte machen, wenn wir an die Dinge herantreten, in welche es selbst die Engel gelüstet, bis auf den Grund zu schauen, und hinsichtlich derer wir wohl tun, uns an die Erklärungen der Bibel zu halten, die uns erlauben, etwas von dieser wunderbaren Gottesliebe durchblicken zu sehen. Was für einen Gott haben wir doch! ER ist nicht der Gott der Philosophen, ein armer, kalter, einsamer Gott. O nein, ER ist ein Gott, der von Ewigkeit her Vater ist. Denkt daran, was das heißt. Das Reich Gottes ist das Reich eines Vaters. Wenn wir hier auf Erden das haben, was man ein Vaterherz nennt, so kommt dies daher, weil wir einen Vater im Himmel haben. Gott ist der ewige Vater und Jesus ist der ewige Sohn; Ihn liebt Gott über Alles. Liebt ER denn noch andere Wesen? Ja. Die Bibel erzählt uns von vielen Menschen, von denen es heißt, Gott liebte sie. Zu Daniel, zum Beispiel, sagte der Engel Gabriel: „Du von Gott geliebter Mann.“ (Dan. 10,19.) Und wir denken dann wohl bei uns: „O, wäre ich ein Daniel!“

Gott liebte das Volk Israel; zahlreiche Stellen bezeugen uns dies. Ich greife eine heraus: „Nicht hat euch der HErr angenommen, und euch erwählt, dass euer mehr wäre, denn alle Völker; denn du bist das wenigste unter allen Völkern: sondern dass ER euch geliebt hat.“… (5 Mose 7,7 und 8.) Und dann: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu Mir gezogen aus lauter Güte“. (Jer. 31,3.) Hört noch die ersten Worte aus dem Buche des Propheten Maleachi: „Ich habe euch lieb, spricht der HErr“. Und wir seufzen vielleicht: „O, dass wir zum Volk Israel gehörten!“

Aber ich darf euch gute Botschaft bringen. Ihr habt nicht nötig, ein Daniel zu sein, oder zum Volk Israel zu gehören; hört, was der Apostel Paulus sagt: „Da aber erschien die Freundlichkeit Gottes, unseres Heilandes, und Seine Liebe zu den Menschen“ (Tit. 4,3.)… Gott hat die Menschen geliebt. Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild und liebte ihn; ER liebte ihn, ehe er fiel und nachdem er gefallen war.

Hier lasst uns nicht zwei Dinge verwechseln, die ganz verschieden sind: die Liebe Gottes zu dem Menschen, selbst dem verkommensten und widerspenstigsten, und das Wohlgefallen, welches Gott an einem Menschen hat, der zu Ihm zurückkehrt. Schaut den Vater des verlorenen Sohnes. Hat er auch nur einen Augenblick aufgehört, seinen Sohn zu lieben? Liebte er ihn nicht, ehe er das Vaterhaus verlassen, und nachdem er es verlassen hatte, und die ganze Zeit, während er ferne war? Aber er hatte kein Wohlgefallen an ihm, er billigte sein Benehmen nicht; er hätte ihn nie wieder aufnehmen können, wenn der Sohn unter das väterliche Dach hätte die Gefährten seines leichtsinnigen Lebens und die schlechten Frauen bringen wollen, mit denen er sein Erbteil vergeudet hatte. Sobald er aber umkehrt, empfängt ihn der Vater mit offenen Armen; und nun hat er seine Lust an ihm, und gibt ihm den Platz, der während der ganzen Zeit seiner Rückkehr für ihn aufbewahrt geblieben war. Aber an dem Tage fängt er nicht erst an, sein Kind zu lieben.

Ebenso können wir zu jedem Menschen, wer immer er auch sei, sagen: „Gott liebt dich; aber eben darum darfst du nicht in deiner Empörung beharren und ferne von Gott bleiben. Komm schnell zurück, komm heim zum Vaterhaus, zum Vaterherzen, damit des Vaters Liebe auf dir ruhen und ER Sein Wohlgefallen an dir haben könne!“ Hört, was der Apostel zu den Römern sagt: „Darum preist Gott Seine Liebe gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8.) Wenn Gott sagt: „Liebt eure Feinde“, glaubt ihr, dass ER dies nicht auch selbst tut? ER ist für Seine Feinde gestorben, um sie zu Seinen Freunden zu machen; in Christo Jesu hat ER unser aller Sünde auf sich genommen. Hört noch ein Wort aus des Heilandes eigenem Munde: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3,16.)

Dies ist der Maßstab Seiner Liebe. Und nun sagt mir, seht ihr euren Namen in der Bibel geschrieben? Sagt, seid ihr in der Welt, gehört ihr zu der Welt? „Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab.“ Das ist die Gabe Gottes.

Stellt euch vor, dass der große Gott auf diese elende, kleine Welt voller Sünder herabschaute und sah, dass ER diese Sünder in Seine heilige Gemeinschaft nicht aufnehmen konnte, weil sie unter einem Todesurteil standen, weil eine unheilbare Krankheit sich ihrer bemächtigt hatte, und sie schuldig, voll Sünde und Makel waren, und endlich weil Seinem heiligen Gesetz Genüge geleistet werden musste.

Was hat ER alsdann getan? Wenn es uns erlaubt ist, in solchen Ausdrücken von Gott zu sprechen, so möchte ich sagen, wir können Ihn uns vorstellen, wie ER in sich selbst sucht, auf welche Weise ER die Welt erlösen könne, und zu dem Schluss kommt, dass, wenn die Welt überhaupt erlöst werden sollte, ER selbst, in der Person Seines eingeborenen Sohnes („Gott war in Christo“ 2 Kor. 5,19.) auf die Erde kommen und Mensch werden müsse, um die Sünde der Menschen zu sühnen und die Welt mit Ihm selber zu versöhnen.

Und ER hat es getan.

ER hat Seinen eingeborenen Sohn dahingegeben. ER hat ihn in der Sünder Hände überantwortet, und der Sohn hat gesagt: „Siehe, ich komme zu tun, Gott, Deinen Willen.“ (Hebr. 10,9.) „Er nahm Knechtsgestalt an, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philip. 2,7.8.) Meine Brüder, versteht ihr diese Liebe? Nein, ihr versteht sie nicht; nein, ich verstehe sie nicht; die Engel selbst verstehen sie nicht. Niemand versteht sie, als Gott allein. Wir lesen, dass „Jesus weinte“, als Ihm, am Grab des Lazarus, das ganze Elend, der Jammer und die Zerrüttung entgegentrat, welche die Sünde in diese Welt gebracht hat. Und die Juden, welche Ihn weinen sahen, sagten: „Siehe, wie hat ER ihn so lieb gehabt“ (Joh. 11,36.), was so viel heißen sollte, als: „Wir wussten wohl, dass ER einer ihrer Bekannten und Freunde sei, aber, dass ER sie so lieb gehabt, das hätten wir niemals gedacht.“ O, meine Brüder, als der HErr Jesus, der eingeborne Sohn Gottes, unser Fleisch und Blut angenommen, und am Kreuz, wie ein Übeltäter starb; als Sein Blut mit Seinen Tränen herabrann für die, welche Ihn an das Kreuz genagelt hatten, da mussten die Engel Ihn anschauen, und sich einander bestürzt ansehen, während, unter dem Schatten der Flügel, mit welchen sie das Angesicht vor dem Allerhöchsten bedecken, ein Seraphim dem andern leise zurief: „Seht, wie hat ER sie so lieb!“

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 2. Ihr Wesen.

Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HErrn.
(Röm. 6,23.)

Bisher haben wir gesehen, welches die Quelle der Gabe Gottes ist, und haben erkannt, dass diese Gottesgabe ein Ausfluss der Liebe unseres Gottes ist. Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER was? Was hat ER denn getan? Ja, hierin liegt der Unterschied, zwischen dem Evangelium, und Allem, was vorgibt Evangelium zu sein, und es doch nicht ist.

Die Einen sagen: Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER erlaubte, dass ein auserlesener Mann der Menschheit das Beispiel eines vollkommenen Lebens gab und dann aus Liebe für seine Brüder starb. Aber Gott hat die Welt viel mehr geliebt. Andere sagen: Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER ein den andern Geschöpfen weit überlegenes Wesen schuf, welches auf diese Welt kam, und sein Leben für die Menschen ließ. Aber Gott hat die Welt viel mehr geliebt. Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER uns Seinen eingeborenen Sohn gab. Das ist die Gabe Gottes, das ist die Liebe Gottes.

Lasst uns nun fragen nach dem Wesen dieser Gottesgabe. Ich nehme an, ich gebe einem Kind ein Goldstück. Welches ist die Ursache, der Beweggrund dieser Gabe gewesen? Mein Wohlwollen, meine Zuneigung zu dem Kind. Welcher Art ist die Gabe? Seht den geschenkten Gegenstand an; es ist Gold; es ist eine geringe Quantität eines edlen Metalls, mit welchem das Kind sich Alles anschaffen könnte, was es wollte, natürlich, innerhalb der Grenzen der bewussten Summe. Ebenso frage ich, „welche Gabe hat Gott den Menschen geschenkt?“ Seinen Sohn. Und welcher Art ist diese Gabe? Um dies beantworten zu können, müssen wir zuerst wissen, wer Jesus Christus ist.

Ohne auf das zurückzukommen, was wir schon gesagt haben, antworten wir: „Jesus Christus ist das Fleisch gewordene Wort, von welchem geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ (Joh. 1,1.)

Jesus Christus ist das Leben; ER selbst sagt: „Ich bin das Leben“ (Joh. 14,6.); daraus folgt, dass, wenn Gott uns Seinen Sohn gegeben, ER uns auch das Leben gegeben hat. Das sagt auch der Apostel, wenn er spricht: „Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HErrn.“ (Röm. 6,23.) Merkt wohl, es heißt in Christo Jesu und nicht nur, durch Christum Jesum, wie einige Übersetzungen lauten.

Lasst uns noch eine andere bekannte Stelle anführen; wir können nie zu oft darauf zurückkommen. „Das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in Seinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“ (1. Joh. 4,11.)

Dies im Glauben ergreifen, heißt, in den Besitz aller Gnaden gelangen. Gott hat uns in Seinem Sohne das Leben gegeben. Das Leben, wie man mit Recht bemerkt hat, kann sich von dem lebenden Wesen nicht trennen; es besteht nicht in abstraktem Sinne; es gibt kein Leben, wenn nicht Jemand, oder Etwas da ist, was lebt.

Nun gut; wenn Gott uns das Leben gegeben hat, so hat ER es uns in einem Wesen gegeben, welches lebendig ist, welches das Leben selbst ist, das Leben Gottes. ER hat uns das Leben in einer Persönlichkeit gegeben, und dieses Leben ist göttlich, weil es das Leben Gottes in Seinem Sohn ist. Es ist auch das wahre, menschliche Leben; denn Jesus hat (Ebr. 2, 16) nirgends die Natur der Engel angenommen, sondern den Samen Abrahams nahm ER an sich. ER war Mensch; ja mehr als das, Er war der Mensch, und Pilatus sagte wahrer, als er selbst es glaubte, indem er ausrief: „Seht, den Menschen“. (Joh. 19,5. wörtlich.) ER ist wahrhaftiger Mensch gewesen, und doch finden wir in Seinem Leben das göttliche und das menschliche Leben in einer Person vereinigt. Und ist es nicht gerade das, was wir bedürfen?

Wir besitzen dieses menschliche und doch zugleich göttliche Leben, wenn wir Christum haben. Es ist uns gegeben; und nun frage ich euch, unter welchem Namen könnte es uns gehören, wenn nicht unter dem Namen „Gabe“? Wenn Jemand käme, um mir zu sagen, dass ich heute noch das herrlichste Reich Europas besitzen könnte, so würde ich sehr gut verstehen, dass es dieser Person nicht einfällt zu denken, ich könnte so viel Geld finden, um mir dies Reich zu kaufen; wenn ich es haben soll, so muss man es mir schenken. Ebenso, wenn ich das Leben Gottes haben soll, so darf ich mir nicht einbilden, dass meine kleinen Werke, meine kleinen Leiden und Verdienste es mir erwerben können. Dieses Leben ist, in der ganzen Wahrheit des Wortes, ein freiwilliges Geschenk, und wenn ein Mensch es nicht als Geschenk annehmen will, so wird er es nie haben. (Röm. 11,35.) „Wer hat Gott etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten?“ fragt der Apostel. Wo ist der Mensch, der aufstehen könnte und sagen: „Ich habe Ihm etwas gegeben?“ Nein, wir haben Gott nichts zu geben, als was ER uns selbst gegeben hat. Von allem Guten muss Gott Anfang, Mitte und Ende sein.

Die Gabe Gottes ist eine freiwillige, eine vollkommene Gabe; hierunter verstehe ich eine Gabe, die Alles in sich schließt. Wenn ihr mir irgendetwas Gutes nennen könntet, was sich nicht in Christo findet, so hättet ihr mir etwas Gutes genannt, was Gott uns nicht gegeben hat. Wenn ihr mir aber nicht etwas Gutes nennen könnt, was sich nicht in Christo findet, so folgt hieraus, dass ihr nichts Gutes finden könnt, was uns nicht gehörte, wenn wir es nur aus Gottes Hand annehmen wollen.

Unzählige Stellen der Bibel behandeln diesen Gegenstand; wir wollen nur zwei herausgreifen: (Eph. 1,3.) „Gelobt sei Gott und der Vater unseres HErrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern in Christo.“

Achtet wohl auf die zwei Worte: in Christo; denn nur in Christo hat uns Gott also gesegnet. Nach dem Apostel Paulus hört auch, was der Apostel Petrus sagt: (2 Petri 1,2.3.) „Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres HErrn; nachdem allerlei Seiner göttlichen Kraft (was zum Leben und göttlichen Wandel dient) uns geschenkt ist, durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch Seine Herrlichkeit und Tugend.“

Es handelt sich folglich um eine vollkommene Gabe, außerhalb welcher nichts ist. Wenn Gott uns Jesum Christum gibt, so gibt ER Alles, was ER dem Menschen überhaupt geben kann.

Wie bekommen wir aber diese Gabe?

Ich behandle hier nicht einen Gegenstand, auf den wir noch besonders eingehen wollen, nämlich die Annahme der Gabe Gottes; ich frage einfach, wie kann das ewige Leben die Gabe werden, welche Gott dem sündigen Menschen gibt? Erinnert euch an das Wort Jesu. ER sagt nicht nur: „Ich bin das Leben,“ und doch wäre das schon viel gesagt; sondern: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh. 11,25.) ER kam zu dem Menschen, der in Sünden tot war: seine Seele, sein Körper, Alles an ihm war tot. ER lebte, ER starb, ER stand aus dem Grab auf, ER, der zweite Adam, der lebendig machende Geist; ER machte die Seele und mit ihr auch den Leib des Menschen lebendig. Wie hat ER das getan? Indem ER aus unserem Wege das Hindernis räumte, welches uns gänzlich abhielt, zu Gott zurückzukehren; nämlich unsere Sünde und Strafbarkeit. Nicht etwa, indem ER uns im Namen Gottes sagte, dass schließlich die Sünde gar nicht so schlimm sei, und dass Gott so gut sei und es nicht so genau nehmen würde. Nein, ein solcher Gott stände, ich will nicht sagen, unter dem Gott der Bibel, das versteht sich von selbst, aber unter dem erleuchteten Gewissen eines aufrichtigen Menschen. Gott könnte so etwas nie tun!!

Was hat ER denn getan? „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ (Joh. 1,29.) „ER hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ (2 Kor. 5,21.) Christus ließ sich herab, den abgefallenen und strafbaren, den verlorenen und toten Menschen darzustellen, seine Stelle einzunehmen und in gewissem Sinn zu sagen: „Ich bin dieser Mensch.“ ER duldete es, dass „der HErr unser Aller Sünde auf Ihn warf.“ (Jes. 53,6.) Ach, wir verstehen gar nicht das volle Gewicht dieser Worte! Wir ahnen's nicht, wie furchtbar Seine Todesqual gewesen! Wir wissen nicht, wie groß die Finsternis war, die, schrecklicher noch als die Finsternis in Ägypten, Seine Seele umgab, da ER ausrief: „Mein Gott,“ nicht mehr „mein Vater,“ sondern „mein Gott,“ „mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mark. 15,34.) ER fühlte sich für den Augenblick ohne Gott, weil unsere Sünden zwischen Gott und Seiner Seele standen.

Nun ist die Türe offen; dem Gesetz Gottes, welches den Tod des Übertreters verlangte, ist Genüge geleistet. Doch wisse es wohl, lieber Leser, dem Gesetz Gottes muss unbedingt, auch was dich betrifft, Genüge geleistet werden, und zwar durch den Tod Christi als deines einzig möglichen Stellvertreters. Seht, so konnte die Tür geöffnet werden; so offenbart sich nun die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes zu gleicher Zeit; so kann nun der verworfenste und elendeste, der niedrigste der Sünder, ja selbst der, welcher am weltlichsten, am gleichgültigsten, am kältesten, und vor allen Andern, am schwierigsten zu bekehren ist, kommen und er wird mit Freuden angenommen werden. Einzig und allein darum, weil Christus gestorben ist.

Aber merkt wohl, liebe Brüder, der eigentliche Zweck des Todes Christi ist, uns das Leben zu geben. Es ist nicht nur gekommen, um uns Seinen Tod, nein, ER ist gekommen, um uns Sein Leben zu geben. Und weil dieses Leben nur durch Seinen Tod das unsrige werden konnte, ist ER gestorben. Durch Seinen Tod sind wir lebendig gemacht, oder eigentlich durch Seine Auferstehung, die aber Seinen Tod erforderte. ER starb, und wir starben in Ihm, und nun beginnt ein neues Kapitel unserer Geschichte, oder besser gesagt, unsere Geschichte fängt überhaupt jetzt erst an. In dem zweiten Adam, in dem HErrn Jesu Christo, der auferstanden ist von den Toten, haben wir unser Leben. Weshalb hat ER unsere Stelle eingenommen an dem Kreuz, das wir doch verdient hatten? Auf dass auch wir Ihm gleich wären in der Macht und Herrlichkeit Seiner Auferstehung. Glaubt ihr, dass ER gekommen sei, sich mit uns in Schande, Leiden und Todesqual zu verbinden, um sich dann wieder von uns zu trennen? O, nein! - Jetzt will ER die Frucht Seiner Seelenarbeit genießen und ernten, was ER umso großen Preis gesät hat; ER will, dass wir eins mit Ihm seien und bleiben in Seinem eigenen Leben, Seinem Leben der Liebe, der Reinheit und des Gehorsams gegen Gott.

Lasst uns hier noch eins bemerken: Wenn Christus uns Sein Leben gibt, so ist dies nicht nur ein Anrecht auf das Leben. Ich glaube, dass eigentlich hierin der Hauptirrtum liegt, welchen, ich sage nicht, diejenigen begehen, die mit dem, was man die gegenwärtige „Bewegung“ nennt, nicht übereinstimmen, denn ich weiß, dass es unter ihnen viele gibt, die Allem, was ich sagen will, beistimmen - sondern so viele Seelen aller Kirchen, die sich eben damit begnügen, zu glauben, dass Christus ihnen ein Anrecht auf die Seligkeit, irgend eine Art Billett gegeben habe, durch welches sie auf die eine oder andere Weise in den Himmel kommen könnten. Das genügt ihnen, sie haben ihren Pass; sie werden ihn vorzeigen, wenn sie an der Himmelstür anlangen, und zweifeln gar nicht, dass die Tür sich ihnen dann auftun wird. Meine Freunde, hütet euch; denn Jesus sagt ausdrücklich, dass an dem letzten Tage Solche kommen, die nicht nur sagen: „Ich habe zu der und der Zeit bekannt, dass ich an Dich glaube,“ sondern auch: „Ich habe in Deinem Namen gepredigt, ich habe in Deinem Namen viele Taten getan,“ welchen ER dann antworten wird: „Ich habe euch noch nie erkannt.“ (Matth. 7,22.23.)

Wohl liegt hierin für uns eine ernste Warnung; aber es liegt auch und das besonders, eine Aufmunterung und ein Quell der Freude darin. Haben wir Jesum angenommen, so besitzen wir nicht nur das Anrecht auf das ewige Leben (das Anrecht haben wir auch), sondern das ewige Leben selbst. Würdet ihr zufrieden sein, wenn ihr in einer zerfallenen Hütte wohntet und es besuchte euch Jemand und sagte: „Ich gebe Ihnen ein gutes, bequemes Haus,“ und dann, indem er euch ein Blatt Papier in die Hand drückte, hinzufügte: „Da ist es“? „Gut,“ würdet ihr sicherlich antworten, „das ist das Anrecht auf das Haus, wo ist aber das Haus selbst?“ „O, wir werden später, vielleicht in einigen Jahren, weiter von dem Hause reden; vorläufig haben Sie ja das Anrecht darauf.“

Gott hat uns Seinen Sohn gegeben, das ist etwas ganz anderes als ein bloßes Anrecht, das ist Sein eigenes Leben. Es ist wahr, dass dieses Leben „ewig“ ist; aber ganz gewiss ist es nicht weniger das Leben, weil es ewig ist, gerade im Gegenteil. Seine Kraft ist „die Kraft eines unendlichen Lebens.“ (Hebr. 7,16.) Es ist das Leben Gottes selbst, uns jetzt gegeben, damit wir in Jesu Christo Gottes Kinder sein könnten; Kinder, welche lieben; Kinder, welche Leiden; vielleicht manchmal Kinder, welche sich verirren, obgleich dies nie eine Notwendigkeit ist; immer aber Kinder, denen Jesus Christus, mit Allem, was ER hat und ist, gehört.

Ihr könnt unmöglich Christus selbst, Seine Person, von irgendeiner der Gaben trennen, die ER uns gewährt; sei es nun Seine Gerechtigkeit, oder Kraft, Seine Freude, oder irgendeine andere Gabe. Wer den Sohn hat, der hat das Leben. Und doch gibt es Christen, welche uns sagen, dass sie ihr ganzes Vertrauen in Christum setzen, während es klar vor Augen liegt, dass sie nicht jeden Tag und jede Stunde Christum als das Leben ihrer Seele annehmen. Woher kann dies kommen?

Diese Christen werden uns z. B. bei dem Auszug aus Ägypten daran erinnern, dass man beide Pfosten an der Tür und die oberste Schwelle mit dem Blut des Lammes bestrich, und dass, wenn die bestimmten Stellen mit dem Blut des Lammes besprengt waren, der Engel vorüberging und keinem, der im Haus war, etwas zu Leide tat. Das Alles ist vollkommen wahr; aber lasst mich euch die Stelle doch ganz lesen. „Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, da kein Fehl an ist, ein Männlein und eines Jahrs alt…. Und ein jegliches Häuflein im ganzen Israel soll es schlachten zwischen abends. Und soll seines Blutes nehmen, und beide Pfosten an der Tür und die oberste Schwelle damit bestreichen, an den Häusern, da sie es innen essen.“ (2 Mos. 12,5-7.) Wäre in Israel eine Familie gewesen, die sich hieraus den Schluss gezogen hätte: „Gott hat gesagt, dass wir in Sicherheit seien, wenn nur das Blut auf die äußere Tür gesprengt werde; wir haben darum gar nicht nötig, das Lamm zu essen; wir wollen es töten und das Blut auf die bestimmten Stellen streichen, aber wir wollen es nicht essen; wir wollen etwas anderes, oder auch nichts essen“; glaubt ihr, Gott würde diese trotzige Widerrede nicht an das Tageslicht gebracht haben? Würde ER nicht gesehen haben, dass man Ihm offenbar ungehorsam war, während man vorgab, Ihm zu gehorchen, weil man die Hälfte von dem tat, was ER befohlen hatte?

Geradeso genügt es auch nicht, sich immer zu wiederholen: Ich bin in Sicherheit; ich bin in Sicherheit. Gott erklärt, und Lob und Dank sei dafür Seinem Namen, dass, wenn ihr in Christo seid, ihr auch in Sicherheit seid; wenn ihr aber außer Christo seid, so seid ihr auch nicht in Sicherheit, was immer ihr euch auch vorphilosophieren mögt. Wenn ihr die Sünde liebt, wenn ihr nicht für den Heiland lebt, so seid ihr nicht im Geringsten in Sicherheit.

Aber, sagt der Apostel nicht irgendwo, dass wir nichts zu fürchten haben? Ja, ER sagt es, und wiederholt es öfter. ER sagt z. B. „Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung.“ (1 Kor. 1,30.) Ihr seht es, Alles ist uns frei und umsonst in Ihm geschenkt. Und weiter: „ER hat Den, Der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ (2 Kor. 5,21.) Und was sagt der Apostel, wenn er von seiner persönlichen Erfahrung spricht? „Ich achte es Alles für Schaden gegen der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines HErrn, um welches. willen ich Alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Dreck, auf dass ich“… was? „auf dass ich Christum gewinne. Und in Ihm erfunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird; zu erkennen Ihn und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, dass ich Seinem Tode ähnlich werde.“ (Philip. 3,8-10.)

Meine Brüder, ist dies nicht vollkommen klar? Ist das nicht die Lehre des Wortes Gottes, und ist es nicht hohe Zeit, dass Jeder, welcher bekennt ein Christ zu sein, nicht sein Christentum, sondern Christum selbst ergreift, um von Ihm sonntags, montags, dienstags, und alle andern Tage zu leben? Wohl gibt es Augenblicke, wo wir das Bedürfnis fühlen, Jesum zu suchen und Ihn zu bitten, aus unseren Herzen Alles wegzunehmen, was Seinen Augen missfällt. Dies ist z. B. der Fall, in den Tagen, wo wir zum heiligen Abendmahl uns vorbereiten. Dann wenigstens versuchen wir uns Ihm zu nahen, als dem Brot des Lebens und als dem erwürgten Lamme. Aber wir erwarten gar nicht in dieser Stimmung zu bleiben, wir rechnen nicht auf die Gegenwart Jesu an unserm Familientisch, wie an dem „Tische des HErrn“; wir erwarten gar nicht, Ihn immer bei uns zu haben, im Salon, in der Küche, in der Werkstatt, auf der Straße und überall. Aber lasst uns doch endlich das Wesen der Gabe Gottes verstehen! Lasst uns Jesum als eine lebendige Person annehmen, in welcher Gott uns Alles zu allen Zeiten gegeben hat. In der ganzen Bibel steht kein einziges Wort, welches sagt oder beweist, dass das Leben, welches Gott gibt, unterbrochen werde oder aufhöre.

Aber es ist Zeit, zu schließen. Ich glaube, ich habe eine zu kühne Behauptung aufgestellt, als ich versprach, keine Stellen aus einem menschlichen Buch anzuführen; denn ich habe unterdessen eine Stelle entdeckt, die unsern Gegenstand so vollkommen in Kürze zusammenfasst, dass ich nicht umhin kann, sie euch mitzuteilen, nicht als Autorität, - wir erkennen keine andere Autorität als die Bibel an - sondern weil es immer nützlich und angenehm ist, eine wichtige Wahrheit in kraftvollen Ausdrücken dargestellt zu sehen, besonders wenn dies von der Feder eines Gottesmannes geschieht, der wegen seines Urteils, seines Wissens und seiner Frömmigkeit von Allen hoch geehrt wird. Ich beginne damit, euch seinen Namen zu nennen; denn ich weiß wohl, dass es Viele gibt, die nicht, wie es recht wäre, unter allen Umständen zuhören, sondern nur, wenn sie wissen, wer der ist, welcher zu ihnen redet. Sie fragen nicht: „Was sagt man mir?“ sondern: „Wer sagt es?“ Ist es Herr X., dann ist es tadellos, ist es aber Herr Y., dann ist es verdächtig. Nun, die schottische Theologie ist, wie ihr wisst, außerordentlich fest, klar und auf die Schrift gegründet. Die Stelle, welche ich anführen will, ist Dr. Candlish, einem der bedeutendsten Theologen Schottlands, entnommen: „Ich muss glauben, dass meine Rechtfertigung nicht allein ein Beistimmen und eine Billigung meinerseits ist, oder ein Vertrauen, welches ich einer gerichtlichen, gesetzmäßigen Übereinkunft, die zwischen dem Vater und dem Sohn stattgefunden hat, um mir Vergebung und Frieden zu verschaffen, gegenüber zeige. Ich muss vielmehr meine Rechtfertigung als eine wirkliche, persönliche Vereinigung von mir und Christo halten. Ich habe es hier nicht zu tun mit einem Werk, einem Dienst oder einem Amt, in welchem ich etwas zu wirken oder zu leiden hätte, und welches man die Gerechtigkeit Christi nennen könnte, sondern ich habe mit Christo selbst zu tun. Ich bin dazu gebracht, Christum zu ergreifen. Ich habe keinen andern Ausweg als Christum. Ich bleibe in Christo. Ich bin eins mit Christo. Diese Vereinigung ist so vollkommen, dass ich demütig meinen Anteil an Allem, was Sein ist und besonders, und vor Allem, an Seiner gerecht machenden Gerechtigkeit, als Eigentum in Anspruch nehme.“

Die einzige Tugend des Glaubens besteht darin, dass ich mich durch denselben, so zu sagen, in Christum einhülle; durch den Glauben und in dem Glauben ergreife ich Christum. Durch diese Vereinigung oder vielmehr in dieser Vereinigung sind alle Gnaden und Heilsgüter mein eigen. Nichts empfange ich von Jesu Christo. Ich besitze Alles in Jesu Christo; aber auch nur in Ihm, in der Vereinigung und Gemeinschaft mit Ihm. Ich empfange keine gerecht machende Gerechtigkeit, welche Christus für mich ausgearbeitet hat, und die ER mich nun bittet, von Seiner Hand anzunehmen. In Christo bin ich gerecht, weil ich eins bin mit dem Gerechten. Ich bin nicht geheiligt durch eine heilige Kraft, oder einen heiligen Einfluss, welcher mir durch die Liebe Christi und durch Seine Vermittlung mitgeteilt würde. Eine solche Heiligungsmethode könnte mir nicht mehr genügen. Ich bin glücklich zu wissen, dass wenn ich eins bin mit Christo, ich auch mit Ihm der Heiligkeit teilhaftig bin, die in Ihm ist. Ja, denn dies bedingt nicht nur, dass ich mit Ihm vom Geist geboren bin, sondern auch, dass ich mit alles Ihm gekreuzigt bin, um mit Ihm zu leben. - Wenn diese Lehre wahr ist, wenn unser Teilnehmen an den Gütern der Erlösung Christi, nur von unserer Vereinigung und Gemeinschaft mit Christo bei dem Genuss aller Seiner Gaben abhängt, dann dürfen wir uns nicht so sehr damit beschäftigen, diese Güter zu erlangen; sondern wir müssen trachten, Christum selbst zu besitzen. Mit Ihm, mit Seiner Person haben wir zu tun. ER ist uns vorgestellt: der HErr, der unsere Gerechtigkeit ist; der HErr unsere Stärke; der Heilige Gottes; der eingeborne Sohn. ER ist uns freiwillig und umsonst gegeben, um uns zu gehören; uns zu gehören, wenn wir nur wollen, dass ER unser eigen sei.“ Das ist die frohe Botschaft, welche wir euch Sündern bringen! Wir verkündigen Christum; wir stellen Ihn euch dar. Wir beschwören euch, Ihn anzunehmen, Ihn jetzt, in diesem Augenblick, als Gottes Gabe anzunehmen. Wir bitten euch nicht, die Früchte Seiner Erlösung, wir bitten euch, Ihn selbst anzunehmen. Doch was sage ich? ER selbst bittet euch darum. ER bittet euch, einzuwilligen, Sein eigen zu sein, einzuwilligen, dass ER euer eigen sei. ER lädt euch ein, nicht das, was ER euch erworben hat, von Seiner Hand anzunehmen, sondern Ihn selbst anzunehmen, und „Ein Geist mit Ihm zu sein.“ (1 Kor. 6,17.) „Kommt her zu Mir.“ (Matth. 11,28.) „Bleibt in Mir.“ (Joh. 15,4.) „Lernt von Mir.“ (Matth. 11,29.) Lasst Mich in eurem Herzen wohnen. Nährt euch von Mir. Lasst uns nicht mehr zwei sein, lasst mich eins sein mit euch; lasst uns, durch gegenseitiges Übereinkommen, ohne Vorbehalt und auf ewig eins sein. Dann ist Alles euer. „Es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige; Alles ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“ (1 Kor. 3,22.23.)

„Gewinnt Christum und ihr gewinnt Alles; bewahrt Christum und ihr bewahrt Alles.“

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 3. Ihre Annahme.

Wie Viele Ihn aber aufnahmen, denen gab ER Macht, Gottes Kinder zu werden, die an Seinen Namen glauben.“
(Joh. 1,12.)

Der Gegenstand unserer heutigen Betrachtung ist die Annahme der Gabe Gottes. Wir haben gesehen, dass die einzige Quelle dieser Gabe Gott selbst, Seine ewige, unendliche Liebe ist. Wir haben gesehen, dass diese Gabe keine andere ist, als der HErr Jesus Christus selbst, ER, der das Leben ist. Später wollen wir von den Wirkungen dieses Lebens in uns, und von den Mitteln, die Kraft dieses Lebens zu bewahren und zu vermehren, reden; und endlich auch fragen, zu welchem Zweck Gott uns diese Gabe gegeben hat. Zwischen diesen Gegenständen und denen, welche wir noch nicht behandelt haben, liegt ein anderer, welcher in dieser Kette ein Ring von der größten Wichtigkeit ist, nämlich, die Annahme der Gabe Gottes.

Wir können wirklich wissen, dass diese Gabe uns umsonst geschenkt wird, dass sie vollkommen ist; wir können wissen, dass sie Heiligkeit, Glück, Gnade und Herrlichkeit mit sich bringt; aber was nützt uns dies Alles, wenn wir sie nicht besitzen? Vielleicht ist unter diesen Zuhörern noch eine oder die andere arme Seele, welche die Gabe Gottes noch nicht angenommen hat, und welche sich ängstlich fragt: „Was soll ich tun? Muss ich nicht erst diese oder jene Gnade haben, muss ich nicht zuerst in dieser oder jener Stimmung sein, um der Gabe Gottes teilhaftig werden zu können? Ist die Gabe Gottes nicht nur für die Gläubigen und muss ich nicht, ehe ich sie für mich in Anspruch nehme, irgendein Zeichen haben, dass ich ein Gläubiger bin?“ Solche Fragen wirft man oft auf; aber diese Art zu fragen bringt die Seelen in große Verwirrung und ist nicht auf die Schrift gegründet.

Gott sagt, dass ER „also“ nicht die Gläubigen, sondern, „die Welt“ geliebt habe, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, damit ER „der Heiland der Welt“ sei, auf dass ALLE, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Es versteht sich von selbst, dass ihr, ohne zu glauben, dieses ewige Leben nicht haben könnt, was nichts anders heißt, als dass ihr diese Gabe annehmen müsst, um in ihren Besitz zu gelangen. Aber Gott hat sie euch gegeben; ihr könnt sie so frei und ungezwungen gebrauchen, als ihr das Wasser aus dem Fluss nehmt, oder die Luft des Himmels einatmet. „Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offenb. Joh. 22,17.) Aber was heißt denn nehmen? was heißt annehmen? Es scheint mir wirklich, als ob es uns gelänge, gerade die einfachsten Fragen mit dem dichtesten Nebel und den größten Wolken von Schwierigkeiten zu umgeben.

Als ich vor einiger Zeit einer Konferenz von Brüdern beiwohnte, hörte ich einen Freund folgende Geschichte erzählen. Der Vorsteher einer Sonntagsschule wollte seinen Schülern klar machen, was die Gabe Gottes sei, und wie sie dieselbe erlangen könnten. Er verließ seinen Platz und trat an die Kinder heran, seine Uhr in der Hand haltend. Dann hielt er die Uhr in die Höhe und sagte zu dem ersten der Kinder: „Ich gebe dir diese Uhr.“ Das Kind machte große Augen; aber es bewegte sich nicht. Der Lehrer ging zu dem folgenden und wiederholte: „Ich gebe dir diese Uhr.“ Das Kind wurde ganz rot; aber das war auch Alles. Nun ging der Lehrer langsam durch alle Reihen der Schule und bot seine Uhr jedem Kind an; die einen schienen erstaunt, die andern verlegen, wieder andere fingen an zu lachen; Keines aber nahm die Uhr. Leicht kann man sich vorstellen, was wahrscheinlich in der Seele der Ältesten, der Denker der Schule, vorging, denen die Sache doch Kopfzerbrechen machte. „Wie kann er nur sagen, dass er uns seine Uhr geben wolle! Sicher ist das nicht ernst gemeint; wo will er damit hinaus?“ Aber während der so vernünftige Schüler sich seinem tiefen Nachdenken überließ, ging die Uhr an ihm vorüber, und er nahm sie nicht. Endlich streckte ein kleiner Knabe ganz einfach seine Hand aus und nahm die Uhr. Der Lehrer ließ die Kette los, und Uhr und Kette glitten aus seiner Hand in die Hand des Kindes; dann kehrte der Lehrer an seinen Platz zurück, während der kleine Knabe leise fragte: „Bitte, sagen Sie mir, gehört die Uhr jetzt wirklich mir?“ „Natürlich gehört sie dir.“ Diesmal waren auch die Größten völlig aufgewacht. „Wollen Sie damit sagen, Herr Lehrer, dass er die Uhr behalten kann?“ „Gewiss; ich habe ja gesagt, dass ich sie dem gäbe, der sie nehmen würde.“ „O! wenn ich das gewusst hätte!“ rief einer von ihnen, „dann hätte ich sie wohl genommen.“ „Habe ich dir denn aber nicht gesagt, dass ich sie dir geben wolle?“ „O, ja, aber ich dachte nicht, dass dies so ernst gemeint sei!“ „Umso schlimmer für dich; er hat mir geglaubt, und er hat die Uhr.“

Ich weiß nicht, ob ich jedem Vorsteher einer Sonntagsschule raten würde, seine Uhr dranzugeben; aber es scheint mir, dass dieser die seinige auf hohe Zinsen ausgeliehen hat. Die Lehre war seinen Schülern und vielen andern noch von großem Nutzen; und ich hoffe, dass auch wir Nutzen daraus ziehen. Die Gabe Gottes annehmen ist ebenso einfach wie dies. Gott kommt zu uns und sagt: „Da ist das ewige Leben, wer da will, der nehme es“; wir aber fangen an nachzudenken, zu überlegen, zu besprechen und zu untersuchen, wie ER uns dasselbe könne geben wollen, und wie wir es nehmen können, anstatt einfach zu denken: „Es gehört mir!“

Aber mein Vergleich wird Einigen mangelhaft erscheinen. Man wird sagen, es handelt sich in diesem Fall um einen greifbaren Gegenstand, eine Uhr, die man mit dem Auge sehen kann, und wir besitzen eine Hand, die im Stande ist, die Uhr zu ergreifen. Das ewige Leben hingegen ist keine sichtbare Sache, und wir haben keine Hand, um es zu ergreifen. Meine Freunde, es begegnet uns alltäglich, dass wir Dinge ergreifen, ohne Hände Dinge ergreifen, die wir nicht sehen. Heute Morgen erhielt ich zum Beispiel einen Brief von einem großmütigen Freund, der mir schreibt: „Ich habe bei einem gewissen Bankier auf Ihren Namen eine gewisse Summe deponiert, die zur Evangelisation Frankreichs verwandt werden soll.“ Ich habe den Brief und weiter nichts; doch aber verkündige ich euch und notiere mir, dass ich die besagte Summe besitze. Ich habe sie nicht gesehen, ich habe nichts getan, als daran geglaubt. Und so handeln wir beständig. Ein Sohn hat seinen Vater tief beleidigt; der Vater lässt ihm sagen: „Ich liebe dich, ich verzeihe dir, komm heim.“ Das Herz des Sohnes ist voll Friede, seine Augen füllen sich mit Tränen. Was ist denn vorgefallen? Einige Worte nur sind zu ihm gelangt, aber unter diesen Worten fühlte er das Herz des Vaters schlagen; ebenso sehe ich hinter dem Brief, von welchem ich sprach, das bei dem Bankier deponierte Geld; ich sehe es so wirklich, als das Kind die Uhr in der Hand seines Lehrers sah.

Wir haben auch ein Wort empfangen, ein Wort Gottes, denket darüber nach. Gott sagt, dass ER, nicht uns Gläubigen, nicht uns Heiligen, sondern uns Sündern Seinen Sohn gegeben hat, dass ER an unserer statt sterbe; und zwar, „während wir noch Feinde waren“ (Röm. 5,10); auf dass, weil ER nun die Welt mit Sich versöhnt hat, wer da will, versöhnt sein könne. Was haben wir denn zu tun? Ganz einfach die Sache als eine Tatsache hinzunehmen, weil Gott es uns sagt. Nicht weil wir es begreifen und fühlen, oder es in irgendeiner Weise verdienen, nicht weil wir dafür zubereitet sind, sondern weil Gott es sagt. Dann wird noch etwas mehr, etwas Besseres kommen. Der Geist Gottes wird unserem Geist Zeugnis geben, dass wir wirklich Gottes Kinder sind.“ (Röm. 8,16.) Aber zuerst müssen wir die Gabe Gottes annehmen. - Wenn dem so ist, wie kann man sich da die Tatsache erklären, dass so viele Tausende, oder soll ich sagen, so viele Millionen Menschen, unter denen, welche die frohe Botschaft verkündigen hören (ich beschäftige mich hier nur mit diesen), die Gabe Gottes nicht annehmen? Das kann sehr verschiedene Gründe haben. Viele Leute nehmen die Gabe nicht an, weil sie ihr gar keinen Wert beilegen, es liegt ihnen nichts an dem Heil und der Seligkeit, während doch ihre unsinnige Gleichgültigkeit zur Genüge beweist, wie sehr sie des Heils bedürftig sind. Andere glauben gar nicht, dass Gott wirklich Seinen Sohn der Welt gab. Diese befinden sich wahrscheinlich nicht hier unter meinen Zuhörern, und es ist nicht nötig, dass ich mich an sie anders wende, als um ihnen zu sagen: „So Jemand will den Willen Gottes tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei.“ (Joh. 7,17.)

Aber wir wollen zu Anderen übergehen, Es gibt Leute, welche zuhören und aufmerksam sind, welche ihre Not fühlen und Gottes Wort nicht in Zweifel ziehen, und dennoch nicht die Gabe Gottes ergreifen. Nun sind aber der Glaube an das Wort Gottes und die Annahme der Gabe Gottes zwei Dinge, welche Hand in Hand gehen müssen. Wenn der Schüler, von dem ich euch erzählt habe, dem Worte seines Lehrers nicht geglaubt hätte, würde er selbstverständlich die Uhr nicht genommen haben; und wenn er auf der andern Seite seinem Lehrer geglaubt hätte, ohne zu nehmen, was dieser ihm anbot, so würde sein Vertrauen ihm gar nichts genützt haben. Es gibt demnach Seelen, welche glauben, aber nichts ergreifen. Warum? Die Einen, weil sie unter dem Einfluss einer sehr feinen Form des Unglaubens stehen, den sie Demut nennen. Sie sagen: „Ja, das mag für andere Sünder sein, aber nicht für mich; denn ich bin zu schlecht, mein Herz ist zu verstockt; ich habe Gott zu oft beleidigt“; oder auch: „ich bin zu leichtfertig, zu wankelmütig; man kann sich nicht auf mich verlassen.“ Als ob Gott erwartete, sich auf uns verlassen zu können! Wir müssen uns auf Ihn verlassen und weiter verlangt ER gar nichts von uns. Da schleppen diese armen Seelen sich nun dahin, seufzend, sich abarbeitend und zerquälend während Wochen, Monaten, Jahren, vielleicht ihr ganzes Leben hindurch; einige haben trotz alledem Glauben, aber sie wagen nicht dies einzugestehen, sie verlieren die Freude, den Frieden und viel von der Kraft des Glaubens; andere gelangen nie dahin, die Gabe Gottes anzunehmen.

Es gibt andere Leute, welche diese Gabe aus völlig entgegengesetzten Gründen nicht annehmen; sie sind zu stolz, sie anzunehmen, weil sie dieselbe nicht unter dem Namen „Gabe“ haben wollen. Sie müssen Gott etwas dafür geben; ihre guten Werke, oder wenigstens doch ihre guten Absichten, ihre Gebete, oder vielleicht auch ihren Schmerz über die Sünde. Hiermit will ich nicht sagen, dass diese Dinge an und für sich schlecht seien, aber sie bringen Gott dieselben wie Geld, mit welchem sie Sein Heil zu kaufen gedenken. Die Gabe Gottes verkauft sich aber nicht. Gott nimmt weder unsere Bitten und Tränen noch unser Gold und Silber als Zahlung dafür an. Von alledem will ER nichts haben; ER will, dass wir uns Ihm nahen, arm und nackt, blind, zu Grunde gerichtet und verloren, als Leute, die nichts bieten können, als das Gebet des Zöllners: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Luk. 18,13.) Und wir dürfen noch hinzufügen: „Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gabe.“ (2 Kor. 9, 15.) Wie das Lied sagt:

„Ich bin nur ein Nichts, ein Elender, voll schwerer Sünd,
Doch in Allem und für Alles ich jedes Gut in Jesu find.“

Seid versichert, dass viele rechtschaffenen, ehrbaren Leute der Gnade Gottes so fern bleiben, weil der Hochmut sie hindert, sich unter demselben Namen vor Ihm in den Staub zu werfen, als die Zöllner und Sünder, als die verworfensten Frauen und die verachtetsten Menschen; unter demselben Namen als der Schächer am Kreuz, der nichts anzubieten hatte, nichts versprechen konnte, in dem nur noch ein Hauch des Lebens war, und der nur sagen konnte: „HErr, gedenke an mich!“ So lange ein Sünder sich noch widersetzt dies zu tun, kann er die Gabe Gottes nicht annehmen.

Endlich gibt es aber noch einen Grund, und vielleicht ist dies der Hauptgrund, welcher eine Menge Leute verhindert, die Gabe Gottes anzunehmen.

Dieser Grund ist: „sie haben volle Hände.“ Gott füllt nur leere Hände; wenn die unsrigen voll sind, so wird und kann Gott sie nicht füllen. Vielleicht sind sie mit Dingen gefüllt, die man gut heißt; vielleicht gar mit religiösen Werken; aber in Wahrheit, und um gleich alles in einem Wort zu sagen, sind sie voll von uns selbst; sie sind voll von dem Suchen nach uns selbst, dem Vertrauen in uns selbst, voll von eigener Weisheit, eigener Kraft, eigener Würdigkeit, eigener Ehre, usw.

Nun kommt aber Jesus Christus mit der ganz bestimmten Absicht, unser selbstsüchtiges Ich zu erniedrigen; es heraus zu werfen, selbst seine Stelle einzunehmen, und die Leitung unseres Herzens und Lebens selbst in die Hand zu nehmen; wir alle fühlen das instinktmäßig, wenn wir zu Ihm kommen, oder wenn Er uns im Evangelium angeboten wird. Man fühlt, dass man sich einem HErrn gibt, wenn man den Heiland annimmt; dass, sich Ihm überlassen, um Seine Vergebung zu erlangen, nichts anders ist, als sich Ihm überlassen, um Seinen Willen zu tun. Aber wie oft bleibt man nun dabei stehen und fragt sich, was ist nun besser, Christi Wille, oder mein eigener? Wo werde ich die wahre Freiheit finden, in Christi Willen, oder in meinem eigenen? Wo wird das Glück sein, in der Erfüllung Seines Willens, oder in der meines eigenen? Was gewährt dem Herzen das sanfteste Leben, ein Leben voll Liebe und zarter Sorgfalt, Christi Wille oder mein eigener Wille? Manchmal bedarf es Jahre, um über diesen Punkt zu einem bestimmten Schluss zu kommen. Welches Geheimnis! Wie muss doch die Sünde und ihre Torheit Besitz von uns genommen haben, dass wir auch nur einen Augenblick schwanken können, zwischen unserm Willen und dem Willen Gottes, des allein weisen und allmächtigen Gottes, des Gottes, der die Liebe ist!

O meine Brüder, haben nicht vielleicht Manche unter uns aus diesem Grunde die Gabe Gottes nicht angenommen? Sie haben volle Hände und wollen nicht los lassen, was sie halten. Soll dies denn heißen, dass man sich in gewisse Zustände hineinarbeiten müsse, um die frohe Botschaft annehmen zu können? Nein; wenn Jemand wirklich entschlossen ist, Christum anzunehmen, so wird er in demselben Augenblick, wo er den Heiland ergreift, Alles loslassen, was ihm die Hände füllt. Wenn ein Mensch zu Christo kommt, kehrt er sich um zu Gott: das ist die Bedeutung des Wortes Buße. Was ist die Buße, welche mit dem Glauben Hand in Hand geht? Ist es eine Art Gefühl, in das wir uns hineinarbeiten müssen, ehe wir glauben? Ganz gewiss nicht. Man versteht jetzt allgemein sehr wohl, dass Buße tun, einfach bedeutet, „sich umkehren zu Gott.“ As Jesus anfing zu predigen, fasste ER Seine Lehre kurz in diese beiden Worte: „Tut Buße, und glaubt an das Evangelium.“ (Mark. 1,15.) Ebenso sagt der Apostel Paulus, als er die Ältesten von Ephesus an seine Arbeiten in ihrer Gemeinde erinnert: „Ich habe euch gelehrt öffentlich und sonderlich; die Buße zu Gott und den Glauben an unsern HErrn Jesum Christum.“ (Apostelg. 20,20.21.) Mit andern Worten: „Kehrt euch um zu Gott und nehmt, was Seine Liebe euch gibt.“ Beide Dinge müssen zusammen gehen. Nehmt an, ich lege ein Geschenk auf diesen Tisch, es ist für einen von euch, der mir den Rücken dreht, bestimmt, z. B. für diesen Stenographen, der sich dort unten an der Fensterbank Notizen macht. Wenn er mein Geschenk annehmen will, so muss er sich umkehren und es nehmen; es genügt nicht, dass er meine Stimme hinter sich hört und den Wunsch hat, den Gegenstand zu besitzen. Auf der andern Seite aber, werde ich sicher nicht, wenn er es nimmt, zu ihm gehen und sagen: „Warten Sie ein wenig; sind Sie ganz sicher, dass Sie sich umgekehrt haben?“ Es versteht sich von selbst, dass er das getan hat, der Beweis dafür ist, dass er den Gegenstand genommen hat.

Ebenso ist die Gabe Gottes in Gottes Hand, und der natürliche Mensch kehrt Gott den Rücken. Gott ruft ihm und sagt: „Hier, das gebe ich dir!“ So lange der Mensch von Gottes Gabe nichts wissen will, solange er Gott nicht hören und von Gott nicht abhängen will, beharrt er darin, fern von Gott zu fliehen. Er tut nicht Buße, er glaubt nicht. Aber von dem Augenblick an, wo er dem Worte Gottes glaubt und Christum als seinen Heiland annimmt, hat er sich zu Gott umgekehrt - und das ist die Buße. Bis er sein Gesicht - ich will sagen sein Herz, sein Leben - zu Gott umgekehrt hat, hat er gut von Glauben reden, er glaubt doch nicht. Er führt ein Leben nach seinem eignen Willen, das heißt, ein Leben voll Ungehorsam und Unglaube, selbst wenn er mit der Bibel unterm Arm dem Verderben entgegen ginge.

Das ist die praktische Frage, welche beantwortet werden muss: „Wollt ihr die Gabe Gottes nehmen? Wollt ihr euch umkehren, um sie zu nehmen? Wollt ihr, anstatt auf euer Vorhaben, auf die Pläne, die ihr euch gemacht, zu sehen, eurem Vater in die Augen schauen und zu Ihm sagen: „Siehe, ich komme, Deine Gnade anzunehmen und zu tun, Gott, Deinen Willen.“ Wenn dem so ist, so ist die Gabe Gottes euer, und ihr könnt des von heute an ganz sicher sein.

Hier stellt sich manchmal eine ernstliche Schwierigkeit dar. Viele meinen, dass, wenn sie die Gabe Gottes angenommen und gesagt haben: „Sie gehört mir!“ sie nun auch unbeschreibliche Gefühle haben müssten; sie bilden sich ein, es müsste sich etwas ganz Neues mit ihnen ereignen, und meinen, feurige Zungen müssten plötzlich auf sie vom Himmel herab kommen. Nichts dergleichen ist uns verheißen. Die Gabe Gottes ist für euch, und hier ist sie; nehmt sie im Gebet im Namen Christi, als euer Eigentum in Anspruch; glaubt, dass sie euch gehört, und macht sogleich Gebrauch davon; das ist das Mittel zu wissen, ob sie euch gehört oder nicht. Wenn der kleine Knabe, von dem wir heute so oft gesprochen haben, später jemals Zweifel hatte, über die Wirklichkeit des Geschenks, welches man ihm gegeben, so hatte er nur die Uhr aus der Tasche zu ziehen und darauf zu sehen, welche Zeit es war. Gerade so ist es, wenn ihr noch zweifelt, dass Christus euer ist, bedient euch Seiner, stellt Ihn auf die Probe.

Zum Beispiel, es fährt euch Jemand zornig an, oder macht euch eine unangenehme Bemerkung; anstatt euch dann zu sagen: „Warum habe ich nicht einen besseren Charakter, um dies Alles mit Geduld zu tragen!“ erinnert euch daran, dass ihr einen Heiland bei euch habt. Redet mit Ihm, verlasst euch auf Ihn, und ihr werdet sehen, dass anstatt einer gereizten Antwort, oder einer dieser noch viel schlimmeren Antworten, die einen Beigeschmack von Honig und Essig haben, ihr nur sanfte Worte auf den Lippen, und eine friedfertige Gesinnung im Herzen habt, und ihr werdet euch fragen: „Woher kommt das?“ Das kommt vom HErrn Jesu Christo. Dann werdet ihr anfangen, bei euch zu denken: Nun, ER ist trotz alledem wirklich mein.“

Von nun an ist Alles, was ER hat, euer. Seine Gerechtigkeit ist euer, und ihr nehmt in Ihm vor Gott die Stellung eines gerechtfertigten Kindes ein. Seine Kraft, Seine Geduld, Sein Licht, Seine Liebe, Alles gehört euch, wenn ihr Ihn wirklich als Gottes Gabe für eure Seele annehmt. Indessen, meine Brüder, wenn wir auf den Grund der Sache gehen, müssen wir fragen, können wir das von uns selbst tun? Genügt es, dass man uns auf unsern Willen hinweist, damit wir des Heils, selbst unter dem Namen einer unverdienten Gabe seitens Gottes, sicher seien? Habt ihr versucht, es zu tun? Und wenn ihr es versucht habt, habt ihr dann nicht bemerkt, dass gerade dieser Wille am meisten nötig hat, in uns geändert zu werden? Und seid ihr dann nicht glücklich gewesen zu wissen, dass in dem Worte Gottes eine Erklärung steht wie diese: „Gott ist es, der in euch wirkt das Wollen“ (Phil. 2,13.)? Ist es euch dann nicht oft begegnet, dass ihr ausgerufen habt: „Ach, wenn ich wenigstens aufrichtig wollte! Man sagt mir, dass das Ganze sei „zu wollen“; ja, aber das Wollen ist Alles; mein Unglück, meine Sünde ist, dass ich nicht will.“ Bedenkt zwei Dinge: zuerst dürft ihr nicht erwarten, dass Gott sich an eure Stelle setzt, in dem Sinn, dass ER für euch will und ihr nichts zu tun habt. Es gibt Christen, welche, besonders in dieser letzten Zeit, gefürchtet haben, dass die Stelle, die man in der evangelischen Predigt dem Geist Gottes eingeräumt hat, die menschliche Persönlichkeit vernichtet. Darin liegt sicher ein Irrtum, der sorgfältig vermieden werden muss. Gott übernimmt es sicher nicht, für euch zu glauben, für euch zu vertrauen, für euch zu wollen und zu handeln. Zu gleicher Zeit aber ist ER stets bereit, euch fähig zu machen zu glauben, zu vertrauen, zu wollen und zu handeln. Wie denn? werdet ihr fragen. Durch den Heiligen Geist. ER gibt den Heiligen Geist allen denen, die Ihn darum bitten. Der Heilige Geist ist ganz besonders dazu gesandt, uns zum Wollen zu bewegen, Christum unsern Seelen zu zeigen, unsere Seelen zu Christo zu führen, so nämlich, dass wir gezwungen würden, uns zu Ihm umzukehren und auszurufen: „Mein HErr und mein Gott!“

„Niemand kann Jesum einen HErrn heißen, ohne durch den Heiligen Geist“ (1 Kor. 12, 3.), sagt der Apostel Paulus; natürlich ist hier gemeint, dass man es mit Aufrichtigkeit sage; denn der Apostel hat sicher nicht die Absicht zu lehren, dass man des Heiligen Geistes bedarf, um mit den Lippen nur zu sagen, dass Jesus der HErr ist. Die Frömmigkeit, welche nur in Worten besteht, ist zu allen Zeiten da gewesen. Hört, was der Apostel Johannes darüber sagt: „So wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Ihm haben, und wandeln in Finsternis, so lügen wir.“ (1 Joh. 1,6.) Nun, meine Brüder, wollt ihr an euch selbst verzweifeln? Wollt ihr zu Gott kommen und Ihm sagen: „Das Fleisch ist selbst unfähig, den Geist anzunehmen; der Geist allein kann den Geist annehmen. Du, mein Gott, musst in mir wohnen, damit ich verlangen könne, damit ich wollen, beten und glauben, und Alles tun könne, was gut ist.“ Dann wird dieser Geist umsonst gegeben werden, er wird jetzt gegeben werden, jedem gegeben werden, der darum bittet; selbst wenn sein Herz schlecht und hart ist, selbst wenn er hundert Mal, tausend Mal versucht hat, in Gottes Wegen zu wandeln, und doch gefallen ist. Wenn wir gefallen sind, so liegt das daran, dass wir uns auf uns selbst verließen. Wenn wir auf den HErrn, auf Sein Blut, auf Sein Wort, auf Seinen Geist, auf Seine Gnade unser Vertrauen setzen, dann werden wir nicht, dann können wir nicht zu Schanden werden.

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 4. Ihre Folgen.

“Welcher auch Seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat Ihn für uns Alle dahin gegeben; wie sollte ER uns mit Ihm nicht Alles schenken?“
(Röm. 8,32.)

Was es heißt, die Gabe Gottes annehmen, haben wir gestern gesehen, meine Brüder, und ich hoffe selbst, dass wir mehr getan haben, als es nur zu sehen. Ich fürchte, das gestehe ich ganz offen, dass wir nur zu leicht, indem wir versuchen, wichtige Wahrheiten klar zu machen, den wichtigsten Punkt aus dem Auge verlieren, und der ist: Christum zu ergreifen, uns wieder mit Ihm zu vereinigen und Ihn mit festerer Hand, mit aufrichtigerem und gläubigerem Herzen zu halten. Wir müssen uns sehr hüten, dass die Anstrengungen, ja selbst die gerechtfertigten Anstrengungen, welche wir machen, um uns zu erleuchten, dem Feinde nicht dazu dienen, uns vom Heiland abzuziehen, und uns ferne von Ihm zu halten. ER allein ist das Licht!

Ich wende mich nun an einen Gläubigen, der das Anerbieten Gottes mit „Ja“ beantwortet, der die Gabe Gottes angenommen hat. Was wird für diesen Gläubigen daraus erfolgen? Der Apostel beantwortet diese Frage mit einer andern: „Wie sollte ER uns mit Ihm nicht Alles schenken?“ Achtet wohl auf die Form dieses Schlusses. „Wenn ER Seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat Ihn für uns Alle dahingegeben, wie sollte ER uns da mit Ihm nicht Alles schenken?“ Die Frage bleibt ohne Antwort; als ob der Apostel sagte: Es ist ganz unvernünftig anzunehmen, Gott würde uns nicht Alles schenken, wenn ER uns doch Jesum gegeben hat. Diese Frage erinnert mich an eine andere, welche ich in unserer vorigen Zusammenkunft vergessen habe, auf die ich aber, ehe wir unsern Gegenstand weiter behandeln, einen Augenblick eure Aufmerksamkeit lenken möchte. Es handelt sich noch um eine Frage ohne Antwort; der HErr richtet sie an die Juden: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt? Und die Ehre, die von Gott allein ist, sucht ihr nicht.“ (Joh. 5,44.)

Diese Stelle ist von der größten Wichtigkeit; denn wir lernen daraus, aus des HErrn eigenem Mund, dass es sittliche Hindernisse gibt, welche die Ausübung des Glaubens, und zwar des wahrhaftigen Glaubens, verhindern, und dass der Glaube an sich eine Handlung ist, welche den ganzen Willen des Menschen, sein ganzes Leben, und sein ganzes Herz in Mitleidenschaft zieht. Jesus sagte zu den Juden: „Wie könnt ihr glauben?“ Und warum können sie es denn nicht? Wäre es darum, weil die Wahrheit nicht klar genug ist, oder weil sie nicht wissen, was Glaube ist, oder weil sie das Bekenntnis des Glaubens nicht ablegen? Nein, darum sagt ER, weil ihr Ehre voneinander nehmt; weil in eurem Herzen etwas ist, nämlich „die Ehre, die von den Menschen ist,“ woran ihr mehr hängt als an der Ehre, die von Gott allein ist. Wie könnt ihr glauben, so lange es mit euch so steht? Und dies lässt sich auf jegliche Sünde anwenden. Wie könnt ihr glauben, so lange ihr noch fest in dieser Sünde beharrt und sie an euer Herz drückt? Die Sache ist rein unmöglich!

Doch lasst uns zu der Seele zurückkehren, die gesagt hat: „Hier bin ich mit all' meinen Sünden, gefesselt mit den Banden der Sünde, Knecht der Sünde; aber ich willige ein, und ich sehne mich danach, erlöst zu werden und Dein zu sein. O HErr, ich verlasse mich allein auf Dich!“ Diese Seele gehört von da an dem HErrn. Ihre Ketten fallen; der Sohn hat sie frei gemacht, sie ist wahrhaftig frei. Hieraus folgen zwei Dinge.

Erstlich, Christus ist euer. Überlegt, was das sagen will. Ein hochgeschätzter Bruder, welcher mit Versammlungen wie dieser nicht ganz übereinstimmt, schrieb kürzlich, dass wir uns in diesen Zusammenkünften einzig und allein darauf beschränkten, darzulegen, dass wir Alles in Christo haben. Ich lasse das gelten; aber ist das nicht viel? Ist es nicht Alles? Könnt ihr noch etwas hinzufügen? Könnt ihr noch irgendetwas mehr ersinnen? Das ganze Leben, die ganze Wahrheit fasst sich kurz darin zusammen, dass in Christo Alles ist für alle Sünder, für euch, für mich, für „jeden, der da will.“ Christus ist euer. Der Sohn Gottes ist euer. Gott ist euer in Christo.

Und sollen wir nun unseren Schatz in seinen Einzelheiten genau betrachten? Sollen wir das Schmuckkästchen öffnen, welches all' unsere Kleinodien birgt? O, wir hätten dann genug zu tun, um unsere Lage, unsere Jahre, und die ganze Ewigkeit auszufüllen. Und doch würden wir dann noch nie völlig erkennen, was es heißt, „Christus ist unser.“

Nehmt darum irgendetwas, was Christo gehört und sprecht: „Das gehört mir.“ Schreibt euren Namen mit dem Seinigen daran. Die Gerechtigkeit Christi ist euer, sie ist ganz euer. Sie ist als die eurige angenommen, sie ist euch zugerechnet, sie ist euch gegeben, sie gehört euch. Gott eröffnet euch, um so zu sagen, eine Rechnung, und schreibt die Gerechtigkeit Christi auf euren Kredit hinein, ohne irgendwelches Verdienst eures Teils.

Aber, bitte, was bedeutet denn dies? Werde ich nun diesen Kreditbrief offen lassen, ohne mich seiner zu bedienen? Wenn in Christo die Gabe Gottes mein ist, soll das etwa so viel heißen, dass sie in Wirklichkeit nur in einer Redefigur mein ist? Ist sie nicht vielmehr in Wahrheit mein eigen, gerade weil sie in Ihm mir gehört, für immer sicher unter Seiner Obhut? Wenn sie mein ist, so ist dies gewisslich, damit ich diesen immer offenen Kreditbrief benutze, damit ich meine Zuflucht zu diesen unerschöpflichen Hilfsquellen nehme. Damit ich im Namen des Gerechten unaufhörlich in völliger Glaubenszuversicht vor den Vater trete; damit ich selbst die Gerechtigkeit Christi nehme, und sie im praktischen Leben zu meiner eigenen mache; damit, so oft ich irgendetwas nötig habe, und ich habe zu jeder Stunde Alles nötig - ich es in Ihm, „dem Gerechten“ finde, und dass das, was ich in Ihm gefunden habe, in Wirklichkeit ebenso mein eigen sei, als ich in Christo Jesu vor Gott Recht und Anspruch darauf habe. Ich möchte doch wissen, wie eine Sache, die Gott für wahr hält, für mich nicht wahr sein sollte? Wenn es für Gott eine Tatsache ist, so ist es doch auch unfehlbar eine Tatsache für mich, und ich habe das Recht, es als solche zu behandeln; ich werde von der Gerechtigkeit Christi Leben, gerade weil sie Ihm gehört, und weil ER mein ist. Ich habe nichts auf der Welt, was mir ganz als Eigentum gehört, darum werde ich zu Ihm gehen und Ihm sagen: „Deine Gerechtigkeit gehört mir, auf dass der Vater mich in Gnaden annehme, und dass ich durch sie, dass ich von ihr lebe alle Tage meines Lebens.“ Denn alles in allem genommen schließt doch Seine Gerechtigkeit Alles in sich.

Um jedoch auf die Einzelheiten näher einzugehen, nehmt z. B. den Frieden, das heißt die Wirkung, welche durch diese Gerechtigkeit, die von Gott kommt, auf unser Gewissen ausgeübt wird. Welchen Frieden? Welche Art von Frieden? Ist es mein Friede? Nein; sondern Sein Friede, welcher der meinige wird. „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ (Joh. 14,27.) Die Welt gibt und nimmt wieder zurück. So gibt Jesus nicht.

Seine Kraft ist unser. Sie ist mächtig, nicht in der Kraft, nicht in einem kleinen Maß von Stärke, nein „Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2 Kor. 12,9.) „ER gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jes. 40,29.) Wie denn? Indem ER ihnen Seine Kraft gibt. Sollen wir von der Reinheit sprechen? Ihr habt Christum, der die Reinheit selber ist; ER kommt durch den Heiligen Geist zu euch, um euch rein zu machen.

Handelt es sich um das Licht, um die Leitung, deren wir bedürfen? „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8,12.) Wie haben wir denn das Licht? Indem wir Christum haben. Man hat sehr oft bemerkt, aber man kann nie zu häufig darauf zurückkommen, dass jede „überschwängliche Gnade“ sich in Christo finde, dass Christus nicht nur alles, was gut ist, besitzt, sondern, dass ER selbst alles Gute ist. Um bestimmt zu sprechen, ER schickt es uns nicht; ER bringt es uns, indem ER sich selbst uns gibt. Jede Gabe Gottes ist eine lebendige Gabe. Sein Brot, ein lebendiges Brot; Sein Weg, ein lebendiger Weg; Sein Licht, ein Licht des Lebens. Ihr könnt euch all' die Unannehmlichkeiten, welche unvermutet über Einen kommen können, all' die schwierigen Lagen, in die man geraten kann, ausmalen. Vielleicht seid ihr heute selbst in solcher Lage? Aber ihr habt Christum, und wenn ihr Christum habt, so habt ihr das Licht. Vielleicht müsst ihr ein wenig warten, um zu sehen, nach welcher Seite hin das Licht vor euch hergehen wird, aber ihr habt das Licht.

Handelt es sich um die Liebe? ER ist die Liebe. Besitzen wir Ihn, so besitzen wir die Liebe; und es gibt kein anderes Mittel, Gott oder die Brüder, oder alle Menschen zu lieben, als in Christo zu bleiben, und Christum also in seinem Herzen zu haben; denn das eine ist unzertrennlich von dem andern: „Bleibt in Mir, und Ich in euch.“ (Joh. 15,4.) Seine Liebe gehört uns. Gottes Gebot ist die Liebe und Gottes Gabe ist Christus. Wir nehmen die Gabe Gottes an, und dann gehorchen wir ungezwungen Seinem Gebot.

Seine Freude ist unser. „Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde.“ (Joh. 15,11.) Wahrlich, unsere Freude muss wohl vollkommen sein, wenn es Seine Freude ist, die in uns bleibt. Soll das heißen, dass wir nun Schmerz und Leiden nicht mehr kennen werden? O, wie könnte man glauben, dass es das Leben Christi sei, wenn es nicht ein Leben voll Schmerz ist? Der Schmerz der Liebe, der Schmerz der Heiligkeit, die überall von Sünde umringt ist; der Schmerz desjenigen, der nicht nur die Sünde in der Welt zu bekämpfen hat, sondern wohl weiß, dass ein Gesetz der Sünde in seinen eigenen Gliedern ist; wahrlich, das ist genug, um einen Menschen aus der Sorglosigkeit heraus zu reißen.

Außerdem werden wir unsere eigenen Leiden haben, die Gott uns gerade darum schicken wird, weil wir Christo angehören, und weil ER uns Seinem Bild ähnlicher machen will. ER wird uns mit der größten Zärtlichkeit behandeln; aber es unterliegt gar keinem Zweifel, dass, wenn wir uns mit Ihm vereinigen wollen, wir mehr und mehr Teil an Seinen Leiden haben werden. Achtet darauf, dass der Apostel die Leiden nach der Auferstehung anführt: „Zu erkennen Ihn und die Kraft Seiner Auferstehung, und die Gemeinschaft Seiner Leiden.“ (Philip. 3,10.) Gott schenkt uns nicht ein Leichtes, träges, selbstsüchtiges Leben, wenn ER uns Christum gibt, Sein Kreuz ist unser. Seine Herrlichkeit ist auch unser. Seine Herrlichkeit? Meine ich damit den Himmel? Ja; aber auch die Anfänge jener Herrlichkeit, von der der HErr selber sagt: „Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast,“ (Joh. 17,22.) und von der der Apostel also spricht: „Wir werden verklärt in Sein Bild und wir nehmen zu von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.“ (2 Kor. 3,18. Kol. 3,4.)

Kurz, ist Christus unser, so ist Alles unser; denn Alles gehört Ihm. Wie einfach ist doch dieser Schluss! Es ist gerade so wie bei einem Kinde, welches auch sagen kann, dass Alles, was sein Vater besitzt, ihm gehöre, in dem Sinne nämlich, dass der Vater ihm Alles gibt, was für es am besten ist. Es gibt in dem Haus nichts, was nicht auch dem Kind wäre, aus dem einfachen Grund, weil es dem Vater gehört.

Seht die irdischen Dinge an, das, was wir die Umstände nennen, und was buchstäblich heißt, die Dinge, welche uns umgeben. Wer hat uns denn mit diesen Umständen umgeben und uns in ihre Mitte gestellt? Gott tat es, der Wille Gottes; und so arbeiten Vorsehung und Gnade zusammen. So lange ihr fortfahrt, gegen Gott zu kämpfen, oder nur für euch zu leben, ist Gott, möchte ich sagen, gerade durch Seine Barmherzigkeit, euch gegenüber genötigt, Seine Vorsehung, wie es euch scheint, gegen euch wirken zu lassen. Aber warum? Um euch Fesseln anzulegen, um euch den Weg zu versperren, bis ihr wieder zu Ihm zurückkehrt. Tut es, und sogleich ist Seine Vorsehung zu euren Diensten. Wenn ein König auf Reisen geht, lässt er einen Kammerherrn vor sich her eilen. Dieser muss sehen, ob Alles zur Durchfahrt fertig ist, er muss die Wege bereiten. Geradeso steht die Vorsehung im Dienst der Gnade, und geht vor ihr her, damit Alles bereit sei für die Kinder Gottes, wohinaus sie auch gehen mögen. Es gibt in unserm Leben keinen Tag, an dem wir dies nicht sähen, an dem wir nicht erkennten, dass die Vorsehung Gottes die Dienerin der Gnade Gottes ist, und dass alle Dinge zusammen für das Wohl derer arbeiten müssen, die Gott lieben. „Mein Gott,“ sagt der Apostel, „wird alle eure Notdurft erfüllen.“ (Philip. 4,19.) Alles, irdisches und Geistliches, Gegenwärtiges und Zukünftiges - Alles ist unser; nicht nur, wie der Apostel an die Römer schreibt, können all diese Dinge uns nicht von der Liebe Christi trennen, sondern mehr noch, wie er an die Korinther schreibt, sie gehören uns in Christo. (Röm. 8,38.39. 1 Kor. 3,21-23.)

Die Engel z. B. gehören uns. Sie sind Diener derjenigen, die ererben sollen die Seligkeit. (Hebr. 1, 14.) Wir sehen sie nicht, daran liegt nichts; Gott sagt uns, dass sie unsere Diener sind. Selbst unsere Feinde, wenn wir deren haben - die größten Schwierigkeiten, die wir kennen mögen - bis zu „den Gewaltigen und den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Eph. 6,12.), müssen, wohl oder übel, Alle zu unserm Besten dienen, sie haben die Aufgabe, uns in der Wachsamkeit zu erhalten, unsern Glauben zu prüfen und ihn zu stärken, wenn wir in Christo bleiben.

Wenn der „böse Tag“ (Eph. 6, 13.) kommen wird - und er wird notwendigerweise kommen - ist kein Grund vorhanden, dass er uns von Christo abbringe. Der böse Tag soll vielmehr gerade erzielen, dass wir Christum mit noch größerer Energie ergreifen. Lasst uns darum keine Angst davor haben. Christus ist unser und in Ihm sind alle Dinge unser.

Alle Dinge, außer eines einzigen: wir selbst. „Ihr seid nicht euer selbst.“ (1 Kor. 6,19.) Das ist unser zweiter Punkt. Christus ist mein und ich bin sein. In demselben Augenblick, wo der Apostel sagt: „Alles ist euer“, beeilt er sich hinzuzufügen: „Ihr aber seid Christi.“ Ihr könnt diese beiden Worte nicht trennen. Wenn ihr nicht Christi seid, wenn ihr Ihm nicht gehört, wenn ihr Seine Diener nicht seid, dann ist nichts euer. Wenn ihr Ihm gehört, gehört Ales euch.

„Da haben wir's!“ ruft Einer; „das ist die neue Lehre, das ist, was man Hingabe nennt!“ Ich sage nicht nein. Euch Gott hingeben, heißt ganz einfach, diese Tatsache unterschreiben, dass ihr nicht euer selbst seid, gerade wie ihr diese erste Tatsache unterschrieben habt, dass Christus für euch Sünder gestorben ist. Wenn ihr aufrichtig wart, indem ihr bekanntet, an diesen Tod zu glauben, so habt ihr hierdurch selbst Zeugnis abgelegt, dass ihr Dem angehört, Der euch so teuer erkauft hat, und dass, „so Einer für Alle gestorben ist, so sind sie Alle gestorben; und dass ER darum für Alle gestorben ist, auf dass die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst Leben, sondern Dem, Der für sie gestorben und auferstanden ist.“ (2 Kor. 5,14.15.)

Es ist nicht der Sünder, welcher zu seiner Hingabe an Gott den ersten Anstoß (Initiative) gibt; er beschränkt sich nur darauf, durch Gottes Gnade die Stellung anzunehmen, welche Gott ihm in Christo gegeben hat, indem ER ihn in Ihm von dieser gegenwärtigen argen Welt“ trennte.

Ein sehr aufrichtiger und treuer Diener Gottes sagte mir vor einiger Zeit: „Warum sprechen Sie den Leuten von einem höheren christlichen Leben?“ „Ich glaube nicht,“ antwortete ich, „dass ich oft von einem höheren christlichen Leben gesprochen habe; ich bemühe mich vielmehr, diesen Ausdruck, der nicht biblisch ist und zu schlimmen Missverständnissen Anlass geben könnte, zu vermeiden.“ „Gut; aber Sie lehren doch, dass es eine Hingabe an Gott gebe, die von der Bekehrung verschieden sei. Als ich bekehrt wurde, habe ich mich Gott hingegeben; ich habe das nie anders verstanden.“

Das ist das Beste; so ist die normale christliche Erfahrung. Aber ist es nicht wahr, dass es Tausende von Christen gibt, die sich bekehrt nennen, und doch nicht zu sagen wagen - vielleicht haben Sie Recht, es nicht zu sagen - dass sie sich Gott hingegeben haben, was nichts anders heißt, als ganz einfach für den Dienst Gottes ausgesondert, bei Seite getan; die nicht zu sagen wagen, dass sie wirklich Gott und nicht sich selber gehören; dass sie nicht das Recht haben, ihren eigenen Willen zu tun, dass sie die Diener Desjenigen sind, der sie erkauft hat, und dem sie folglich auch gehören?“

„Sie werden übrigens sehen, wohin wir kommen, wenn Sie Ihren Beweisgrund noch weiter durchführen wollen. Sie sagen: „Wenn ein Mensch bekehrt ist, so hat er sich Gott hingegeben.“ Nun wohl; dann heißt es aber andererseits, wenn sich ein Mensch Gott nicht hingegeben hat, so ist er auch nicht bekehrt. Dies ist die Frage, welche in diesem Augenblick in unseren Kirchen laut wird, eine scharfe, eingreifende Frage, welche jeden Christen zwingt, sich auf die Knie zu werfen und sich vor Gott zu prüfen; und wenn er dann trotz alledem entdeckt, dass er seither ein Leben gelebt, dessen Herr er selbst war, so muss er das Wort Gottes und den Geist Gottes fragen, ob er jemals wiedergeboren war.“

Ich habe hierüber einen sehr treffenden Beweis in einem kürzlich von einem Missionsprediger, Herrn Aitken, veröffentlichten Brief, gefunden. Er drückt sich folgendermaßen aus: „Der Glaube ist, von allen geistlichen Gewohnheiten, diejenige, welche uns am tiefsten in unser eigenes Herz eindringen lässt; denn wir können nicht auf Jemand unser Vertrauen setzen, der die innersten Falten unseres Herzens kennt, solange wir noch suchen, etwas vor ihm zu verbergen.“ Dies ist eine außerordentlich tiefe und richtige Bemerkung. Es ist klar, dass ihr einem Solchen nicht sagen könnt: „Ich bin Dein; ich verlasse mich auf Dich,“ während ihr doch etwas vor ihm versteckt, und er sieht, was ihr vor ihm verbergt, und ihr wisst, dass er es sieht. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer aufrichtigen, gänzlichen Hingabe unserer selbst an Gott.

Wenn dann die zweite Folge der Tatsache, dass wir die Gabe Gottes angenommen haben, die ist, dass wir nicht mehr unser selbst sind, so ist auch nichts, von Allem, was wir haben, unser. Das ist ganz augenscheinlich. Eure Zeit ist nicht euer; euer Geld ist nicht euer; eure Glieder sind nicht euer; selbst nicht dieses kleine Glied, wie der Apostel Jakobus es nennt, welches „große Dinge anrichtet“ und so viel Unglück in die Welt und in die Kirche bringt, Eure Zunge ist nicht euer; ihr habt nicht das Recht zu sagen, „was euch gefällt.“

Eure Gedanken sind nicht euer; ihr habt nicht das Recht zu denken, was euch gut dünkt, euren Träumereien und eurer herumschweifenden Einbildungskraft zu folgen; ihr müsst eure Gedanken unter die Herrschaft Christi stellen; sie gehören Christo, und überdies ist das gerade der Kernpunkt in der praktischen Heiligung; wir laufen nicht Gefahr, uns sehr weit von Christo zu verirren, so lange ER der Mittelpunkt unserer Gedanken ist; so lange wir fest glauben, dass „wir nicht tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als ob wir es aus unserm eigenen Vermögen täten“ (als von uns selber), sondern, „dass wir tüchtig sind, ist von Gott.“ (2 Kor. 3,5.)

Eure Neigungen sind nicht euer. Ihr habt nicht das Recht, Jemand zu hassen, und euch darin gehen zu lassen, Widerwillen gegen Jemand zu empfinden; ihr habt nicht das Recht, in eurem Herzen irgendein bitteres Gefühl zu nähren, gegen wen es auch immer sei. Jesus hat für Seine Feinde gebetet; ER hat sie geliebt, und den Vater gebeten, ihnen zu vergeben. Wenn wir Ihm gehören, dann ist Sein Geist auch unser, und unser fleischlicher Geist muss aufhören, uns zu beherrschen. Wir müssen dem HErrn des Hauses erlauben, das ganze Haus zu regieren, jedes Zimmer, jedes verborgene Winkelchen inne zu haben. O, meine Brüder, das ist die wahre Freiheit, wenn man in keinem Ding, in keiner Weise, in keinem Augenblick sich selbst mehr angehört! Jedes Mal, wenn wir wieder irgendetwas ergreifen, sei es nun ein Stückchen unserer Zeit, ein Pfennig unseres Geldes, ein Gedanke, oder ein Gefühl, und zu uns sagen: „Das gehört mir, ganz unabhängig von Gott“, sind wir in der Sünde und wir geraten immer tiefer hinein. Es bleibt uns nur ein Rettungsmittel übrig; zu dem Heiland zurückzukehren, Seine Vergebung zu erflehen, und Ihm das, was Ihm von Rechtswegen immer gehörte, auch in der Tat wiederzugeben. Wir sind in keiner Weise, zu keiner Zeit unsere eigenen Herren.

Und unser Wille? fragt ihr. Er ist nicht unser, er gehört von nun an Gott. Will das sagen, dass wir uns derart selbst verlieren, dass wir aufhören, wir selbst zu sein, und nicht mehr eine unterschiedliche Persönlichkeit sind? Weit entfernt.

Glaubt ihr, der Apostel Paulus habe nicht seine eigene Individualität gehabt? Wenn je ein Charakter den Stempel des Besonderen trug, so war es der seinige. Man kann dasselbe von den Aposteln Petrus und Johannes, und von jedem Menschen, der sich Gott wirklich übergibt, sagen. In dem Augenblick, wo ihr von eurem Willen sagt: „Er gehört nicht mir, sondern Dir; nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“, werdet ihr euren Willen wieder finden. Ihr findet ihn erneuert, rein und mächtig in dem Willen Gottes. Ihr findet eure Gedanken wieder, aber es sind nun neue gute Gedanken. Mit einem Wort, ihr seid ein neuer Mensch; und dieser Mensch ist der wahre Mensch, eure eigentümliche Persönlichkeit, so wie Gott sie wollte, und sie sich gedacht hat, und so wie, trotz aller Flecken und Makel der Sünde, Christus sie erkauft hat.

Ein Mensch kennt nie seine wahre Natur, und weiß nicht, was Gott mit ihm in der Welt anfangen will, bis er sich aufrichtig Christo übergeben hat. Wisst ihr, warum es so viele Christen gibt, die sich dergestalt gleichen, dass man den einen für den andern nehmen könnte, gerade wie die Eier in einem Korb? Darum, weil einer den andern nachmacht. Sie haben ein gewisses Ideal, man müsste besser sagen, ein gewisses Muster im Sinn, von dem, was „ein guter Christ“ sein muss; und sie bemühen sich, sich demselben anzupassen. Allein jeder muss sich selbst Gott übergeben, und Ihm sagen: „HErr, was willst Du, das ich tun soll?“ (Apostelg. 9,6.) und dann werden wir die Verschiedenheit in der Einheit haben, was der charakteristische Zug eines jeden Werkes Gottes ist.

Dann wird auch die Kirche eine große, eine schöne Kirche sein, in welcher sich eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gaben offenbart, jedes Glied seinen besonderen Platz einnimmt, und keines zum andern sagt: „Du hast Unrecht, weil du nicht genau dasselbe tust, was ich tue.“ Alle werden vielmehr zu dem göttlichen Meister, der einem Jeden seine Aufgabe zuerteilt, sagen: „Lob und Dank sei Dir, dass Du ihm sein Teil gabst, wie Du mir das meinige gegeben hast, und dass wir zusammen zu Deiner Ehre arbeiten dürfen.“

Lasst mich zum Schluss eure Aufmerksamkeit noch auf ein Wort des Kapitels richten, welches wir gestern gelesen haben. Christus ist mein, und ich bin Christi. Ist das Alles? Habe ich weiter nichts zu tun, als nur immer zu wiederholen, dass ER mein ist, und dass ich Sein bin? Wenn Gott mir Alles gegeben hat, so wäre es logisch, daraus zu schließen, dass ich nun nichts mehr zu bitten habe. Allein die Bibel hat nie Anspruch darauf gemacht, ein logisches Buch zu sein; sie ist ein Buch der Wahrheit, ein Buch des Lebens. Hört, was der Apostel Johannes sagt: „Wie Viele Ihn aber aufnahmen, denen gab ER Macht, Gottes Kinder zu sein, die an Seinen Namen glauben. Und von Seiner Fülle haben wir Alle genommen Gnade um Gnade.“ (Joh. 1,12.16.)

Es gibt zwei Arten anzunehmen, von welchen die eine auf die andere folgt. Ihr nehmt zuerst Ihn an, und dann, wenn ihr Ihn in Seiner Fülle besitzt, nehmt ihr von Seiner Fülle Gnade um Gnade. Wenn ich diese Stelle recht verstehe, so bedeutet sie: Gott gewährt euch eine Gnade; ihr gebt sie Ihm in eurem Gehorsam und in eurer Dankbarkeit zurück, und ER gibt euch dafür eine neue, noch größere als die erste. Das heißt annehmen in der Praxis des täglichen Lebens. Und das gerade ist das Amt des Heiligen Geistes. Er schöpft aus der unendlichen Fülle Christi, der unser ist, und gibt uns Tag für Tag, Stunde für Stunde, was wir bedürfen; und von uns ergießt sich diese Fülle, nach der Verheißung Christi, auf andere „wie ein Strom lebendigen Wassers.“ (Joh. 7,38.) Eine Frage noch. Wir haben bewiesen, dass, wenn ihr Christum angenommen habt, hieraus folgt, dass ER euer ist und dass ihr Sein seid; dass Alles euer ist, weil Alles Ihm gehört. Welche Folge wird es denn haben, Christ um nicht anzunehmen? O, meine Brüder, wenn in Ihm Alles ist, so gibt es außer Ihm nichts! Wenn ein Mensch außerhalb des Schiffes ist, so ist er in dem Meer; wenn ein Mensch außer Christo ist, so steht er unter dem Zorn Gottes. Es kann nicht anders sein. Glaubt nicht, dass Gott einen andern Weg eröffnen werde. Er hat Alles getan, was Er für die Sünder tun konnte, als Er ihnen Seinen Sohn gegeben hat. Wenn ihr diesen Christum nicht annehmen wollt, dann habt ihr nichts, schlechterdings nichts.

O, wollt ihr Ihn nicht ergreifen, und in Ihm Alles besitzen? Wollt ihr Ihn nicht ergreifen, ihr unbekehrten Sünder? Wollt ihr Ihn nicht ergreifen, ihr unfruchtbaren Christen? Ihr kennt euer Elend, und ihr könnt es gewisslich nie zu sehr erkennen, aber genügt das? Vor nicht langer Zeit las ich in einem religiösen Blatt, dass ein Christ sich immer an diese Worte Jesu erinnern müsse: „Du sprichst: Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf nichts; und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm blind und bloß?“ (Offenb. 3,17.) Hier war die Schriftstelle zu Ende, und doch ist dies nur der Anfang derselben. Wer würde sich denn die Ohren zuhalten, wenn der Heiland folgendermaßen fortfährt: „Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, dass du reich werdest.“ Das will Christus; nicht, dass wir uns immerfort wiederholen: „Ich bin reich,“ oder: „Ich bin elend,“ sondern, dass wir zu Ihm gehen, um reich zu werden, und verkündigen, dass Er reich ist; Er will, dass wir uns freuen „als die nichts inne haben, und doch Alles haben,“ (2 Kor. 6,10.) und von Seinen Reichtümern wie Königskinder leben.

Der Gegenstand, welcher uns heute beschäftigte, lässt sich in drei praktische Fragen, die dem Worte Gottes entnommen sind, kurz zusammen fassen: „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt?“ „Wie sollte Er uns mit Ihm nicht Alles schenken?“ „Wie sollen wir entfliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten?“ (Ebr. 2,3.)

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 5. Ihre Anwendung 1. „Festhalten.“

Siehe, ich komme bald. Halte, was du hast, dass Niemand deine Krone nehme.“
(Offenb. 3,11.)

Wir kommen nun zu der praktischen Seite unseres Gegenstandes; ich will sagen - denn ich bin weit entfernt zu denken, dass das Übrige nicht praktisch anwendbar sei - zu dem Teil unseres Gegenstandes, der den Augen der Menschen sichtbar ist, obgleich er auch, was sich von selbst versteht, eine unsichtbare Seite hat. Der Wandel des Christen ist nur die äußere Offenbarung dessen, was in seinem Innern vorgeht; und seien wir versichert, dies ist auch der Probierstein für alles Übrige. Der Erfinder einer neuen, künstlich erdachten Maschine erklärt deren Mechanismus mit großer Klarheit und Genauigkeit; vielleicht zeigt er sogar ein verkleinertes Modell, das sehr hübsch anzusehen und sehr interessant zu studieren ist, und das ganz vortrefflich geht. Aber lasst einen praktischen Mann es untersuchen, seine erste Frage wird sein: „Kann die Maschine die gewünschte Arbeit tun?“ Man macht den Versuch in dem Hüttenwerk, und wenn sie nicht praktisch erfunden wird, taugt sie zu nichts. Nun wisst ihr aber, dass es nicht an Weltleuten fehlt, welche meinen, unser ganzes Christentum sei weiter nichts als ein Satz beredter Worte, sie halten es für äußerst interessant; im Stande, die Seele zu erheben, für erbaulich, gut für eine Besprechung oder Predigt, für tief, erhaben und Alles, was ihr wollt; aber einen Fehler hat es nach ihrer Meinung - es ist nicht praktisch. Unsere Frage ist darum die: Ist das Christentum praktisch? Kann es die gewünschte Arbeit tun? Soll es dies tun? Hat Gott gesagt, dass es dieselbe tun werde? Hat Er uns das Christentum gerade für diese Arbeit gegeben?

Wir haben heute zu suchen, wie wir dahin gelangen können, dass diese Gabe Gottes in und durch uns wirke, in unserem Leben, ich will sagen, in unseren Worten und unseren Handlungen, in unseren Gedanken und unseren Neigungen, auf dass die Welt nicht nötig habe, zu unserm Nachbar, oder zu uns selbst zu laufen, und zu fragen, ob wir Christen seien, weil sie es mit eigenen Augen sehen wird.

Ich habe als Ausgangspunkt das Wort Christi in der Offenbarung gewählt: „Siehe, Ich komme bald. Halte, was du hast, dass Niemand deine Krone nehme.“ Diese Worte sind an eine Kirche, oder an den Pastor einer Kirche gerichtet, und in seiner Person richten sie sich an diese ganze Kirche, und sicher auch an jedes Glied der christlichen Kirche, an uns selbst: „Halte, was du hast.“ - Dies ist die kurze Zusammenfassung unseres Gegenstandes. Zuerst müssen wir von der Gabe Gottes reden hören; „der Glaube kommt aus der Predigt“ (Röm. 10,17.); wie sollen wir etwas glauben, von dem wir nichts gehört haben? Aber wenn wir davon gehört, wenn wir sie angenommen, und dafür gedankt haben, dann bleibt immer noch etwas zu tun: wir müssen das, was wir haben, auch festhalten, nicht dahin und dorthin laufen und etwas suchen, was wir noch nicht haben, sondern das, was wir haben, was uns Gott gegeben und als unser Eigentum erklärt hat, festhalten.

Was haben wir denn? Das müssen wir uns zu allererst fragen. Sehr oft, fürchte ich, bleiben Ermahnungen über den Gebrauch, welchen man von der Gabe Gottes machen soll, ohne Wirkung auf die, an welche sie gerichtet sind, aus dem einfachen Grund, weil sie diese Gabe nicht angenommen haben. Wie können wir etwas gebrauchen, was wir nicht besitzen? Man bittet heutzutage von allen Seiten um Belehrung über den Fortschritt im geistlichen Leben; nichts ist gerechter und billiger als dieser Wunsch, aber eine Vorfrage muss gestellt werden: „Habt ihr geistliches Leben?“ Wir müssen es zuerst suchen, finden, besitzen, und dann, wenn wir es besitzen, es festhalten. Um zu wissen, was wir festzuhalten haben, müssen wir doch zuerst wissen, was wir besitzen.

Nun gut, was besitzen wir denn, wenn wir die Gabe Gottes angenommen haben? Lasst mich es euch nochmals wiederholen: wir besitzen Jesum Christum; ja, ihr besitzt Ihn; merkt wohl, Er ist wirklich euer. Ihr habt das Recht, Alles, was euch der Vater in Jesu Christo geoffenbart und gegeben hat, von Ihm zu erwarten, oder besser gesagt, Ihr habt das Recht, in Ihm darüber zu verfügen.

Gott war in Christo und Gott ist in Christo. Wer Ihn gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Ihr habt einen Erlöser, einen Bruder, Einen, der Mensch geworden und euch allerdinge gleich ist, während Gott selbst Ihn zu gleicher Zeit nennt: „den Mann, der Ihm der nächste ist.“ (Sach. 13,7.) Er kommt zu euch, und ihr könnt eure Hand in Seine Hand, in Seine, für euch durchgrabene Heilandshand legen. Ihr habt Den, „durch dessen Wunden ihr geheilt seid.“ (Jes. 53,5.) Ihr habt Den, der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde; der voll Mitleiden ist und zugleich alle Macht besitzt, der vollkommen im Stande ist, euch vor jedem Fall zu bewahren, und der auch vollkommen bereit ist, es zu tun. Ihr besitzt Den, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, als unser Hoherpriester, der da Mitleiden hat mit unserer Schwachheit und für uns bittet. Ihr habt Den, der euch eine Stätte bereitet, und der euch befohlen hat, Seine Rückkehr zu erwarten. Mit einem Wort, ihr habt einen Heiland, und durch diesen Heiland habt ihr einen Vater, und wenn der Vater und der Sohn euch geoffenbart sind, so habt ihr auch den Heiligen Geist; denn diese innere Offenbarung ist Sein Werk. Gott selbst ist in eure Herzen gekommen und hat euch zu Seiner Wohnung, zu Seinem Tempel gemacht. „Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist?“ (1 Kor. 6,19.) Ihr seid für Gott ausgesondert, bei Seite getan. Ihr seid in Ihm und ihr gehört Ihm; Er ist in euch und Er ist euer. Ihr habt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Und was besitzt ihr noch mehr? Ihr besitzt das Wort Gottes. Gott hat geredet, und Er hat nicht nur geredet, sondern, da Er wohl wusste, dass Worte verloren gehen, verändert werden, und oft mit der Zeit ganz ihren ursprünglichen Sinn verlieren, hat Er gewollt, dass Sein Wort niedergeschrieben würde, so dass wir das geschriebene Wort Gottes besitzen. Und bei jeder Frage können und sollen wir forschen: „Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?“ (Luk. 10,26.) Ihr habt das Wort Gottes.

Nun wohl, mein Bruder, halte fest, was du hast, wer du auch immer seist, halte den Vater, halte den Sohn, halte den Heiligen Geist, halte das Wort Gottes. Auf diese Weise gebraucht man die Gabe Gottes. Halte sie fest; denn es gibt deren genug, die deine Krone rauben möchten. Es ist leider nur zu wahr. Wenn Jemand sich einem irdischen Unternehmen hingibt, wenn er nach den Dingen trachtet, die die Welt ehrgeizig sucht, so werden sich Leute genug finden, die ihn ermutigen und ihm Beifall zollen. Seht, z. B. diesen Mann, welcher seine Zeit und Kräfte, seinen Verstand, seine Tage und Nächte aufopfert für wissenschaftliche Forschungen, für Verbesserungen des Handels und der Gewerbe, für literarische Arbeiten; seine Mitbürger sind, wenn er Erfolg hat, gern bereit, ihn zu belohnen, sie werden nicht geizen mit ihrem Beifall, mit ihren Ehrenbezeugungen. Fängt jedoch Jemand an, die Krone des Lebens zu suchen, gibt er sich ganz hin für das Werk Christi, für die Ehre seines Heilandes, gleich nennt ihn die Welt einen Überspannten, einen Schwärmer. Die Welt beruhigt sich auch nicht über diese Dinge, sie kann nicht darüber schweigen; sie wird Alles tun, was in ihren Kräften steht, um einem solchen Menschen durch Verfolgungen, Spöttereien, Schmeicheleien, und durch Versuchungen aller Art seine Krone zu rauben. Und wenn schon die Menschen sich so bemühen, uns zu Fall zu bringen, wie viel mehr werden dies erst „die Fürsten und Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen,“ tun! Darum lasst uns festhalten, was wir haben.

Aber was müssen wir hierzu tun? Wie können wir festhalten?

Zu allererst müssen wir daran denken, dass, wenn wir nicht nur in Worten, sondern in der Tat und in der Wahrheit unsere Hand in die Hand unseres Heilandes gelegt haben, Er selbst uns fester und inniger umfangen hält, als wir Ihn halten können, und das eben ist unsere Sicherheit, unser Glück, unsere Herrlichkeit. So lasst denn unser beständiges Gebet sein: „Halte mich fest, auf dass auch ich Dich festhalten könne.“

Außerdem ist die Heilige Schrift voll von vollkommen klaren und oft bis ins Einzelne gehenden Anleitungen über die Praxis des christlichen Lebens. Was für ein wunderbares Buch ist doch dieses Wort Gottes! Dieselbe Seite, welche uns sagt, wie sicher die Stellung ist, die Gott uns in Christo bereitet hat, welche von unserem Tod und von unserer Auferstehung in Ihm redet (Kol. 2 und 3.), enthält auch die umständlichsten Vorschriften über unser tägliches Leben, als Männer, Frauen, Kinder, Eltern, Knechte und Herren.

Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so sucht, was droben ist.“ Achtet wohl auf diesen Schluss. Wir hätten höchst wahrscheinlich gesagt: Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so braucht ihr euch nicht mehr zu beunruhigen; es versteht sich von selbst, dass ihr von nun an nur noch an das, was droben ist, denken werdet. Der Apostel sagt im Gegenteil: „Sucht, was droben ist.“ Ihr werdet es immer finden, aber ihr müsst es suchen. „Trachtet nach dem, das droben ist, und nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und unser Leben ist verborgen mit Christo in Gott.“ Hier geht durch die Trennung der Kapitel etwas von der Kraft der Stelle verloren. In dem 20. Vers des 2. Kapitels lesen wir diese merkwürdigen Worte: „So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Satzungen der Welt; was lasst ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren! Welches doch nur Menschen-Gebote sind.“ Die Menschen wollen durch eigene Lehren und Satzungen heilig werden. Das geht aber nicht, sagt der Apostel, und er fügt hinzu: „Was lasst ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?“ Als lebten wir noch in der Welt - es scheint doch, dass sich dies ganz von selbst versteht. Aber nein, sagt der Apostel, ihr lebt nicht darin; ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott; eure Glieder allein sind in der Welt; ihr habt das Werk Gottes dort zu treiben, ihr seid Himmelsbürger, und nur auf Erden, um für den HErrn zu wirken. So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust.

Hier könnt ihr wieder sehen, wie verschieden das Wort Gottes von der Weisheit der Menschen ist. Die Menschen sagen: Wenn ihr nur euer eigenes Wesen genügend tötet, so kommt ihr schließlich in den Zustand des Todes. Gott sagt: Ihr seid gestorben, darum so tötet nun eure Glieder. Um lebendig zu machen, ist das Leben nötig: um zu sterben, ist der Tod nötig. Wenn ihr in Christo gestorben seid, so wird es euch gewissermaßen leicht sein, euch zu töten; in der Gemeinschaft mit Ihm, und in der Kraft Seines Heiligen Geistes wird es eine Freude sein, die Unreinigkeit, die bösen Lüste und Begierden, den Neid und jede Befleckung der Sünde in uns zu ertöten.

Vor Allem, meine Brüder, müssen wir aber, um die Gabe Gottes gebrauchen zu können, damit anfangen, zu wissen, und das scheint uns gerade so schwer zu sein welches die Gabe ist und welches die Stellung ist, die wir selbst einnehmen.

Man wiederholt heutzutage gern, dass es sehr darauf ankomme, unsere Stellung in Christo nicht mit unserm Wandel zu verwechseln. Das ist ganz richtig. Aber es kommt nicht weniger darauf an, dass wir, indem wir beide sorgfältig unterscheiden, sie doch nicht trennen. Unsere Stellung ist in Christo, auf Christo. Wir haben keine andere Stütze, keinen andern Halt. Aber wenn wir so wahrhaftig in Christo, unserm Stellvertreter, vor Gott stehen, in Ihm, der selbst unsere Stelle am Kreuz eingenommen hat, und nun unseren Platz vor dem Angesicht Gottes einnimmt, soll das heißen, dass wir aufgehört haben, zu existieren? Keineswegs. Das heißt vielmehr, dass wir da sind, in Ihm. Der Apostel sagt: „Wie ihr nun angenommen habt den HErrn Christum Jesum, so wandelt in Ihm.“ (Kol. 2,6.) Die Frage kann darum hierauf zurückgeführt werden: Wie habt ihr Ihn angenommen? Als ich an mir selbst verzweifelte. So wandelt in Ihm. Ich habe Ihn angenommen, als ich Alles von Ihm annahm. So wandelt in Ihm. Ich habe Ihn angenommen, als ich einwilligte, Ihm zu gehorchen; als ich zu Ihm sagte: „Was willst Du, dass ich tun soll?“

So wandelt in Ihm. Geht vorwärts, verzweifelt so an euch selbst, setzt so auf Christum euer ganzes Vertrauen, seid bereit zu tun, was Er befiehlt; dann werdet ihr Gebrauch von der Gabe Gottes machen. Ihr werdet sehen, dass, in dem Maße ihr so Gebrauch davon macht, die Gabe selbst euch mit jedem Tage kostbarer werden wird; nicht als ob ihr eigener Wert erhöht werden könnte, aber ihr werdet sie mehr zu schätzen wissen. Ihr werdet sie besser kennen, mehr lieben und treuer gebrauchen, ihr werdet sehen, wie sie euch unter den Händen größer wird. Wer da hat, dem wird gegeben werden. Wer die Gabe Gottes nicht gebraucht, der wird sie unfehlbar verlieren. Gott gibt uns Seinen Sohn nicht, damit wir Ihn bei Seite tun, oder uns begnügen, Ihn am Sonntag einen Augenblick zu betrachten, oder auch abends und morgens, wenn wir beten! Er gibt uns Seinen Sohn nicht als eins der feinen Gerichte, die man nur bei besonderen Gelegenheiten auf der Tafel sieht, nein, Er gibt Ihn uns als das Brot des Lebens reichlicher als ein Festmahl und dennoch unser tägliches Brot; nicht die Würze des Lebens, sondern die Nahrung des Lebens, oder besser gesagt, das Lebens-Element, das, was das Leben ist, was das Leben gibt, und außerhalb dessen kein Leben existiert. (Ich glaube, dass ich von dem, was ich euch eigentlich sagen wollte, abgekommen bin; aber oft ist das, was wir sagen möchten, nicht das Beste, und Gott gibt uns dann etwas Anderes.) Lasst uns zu unserem Gegenstand zurückkommen. Wenn wir durch den Glauben genommen haben, was Gott uns gegeben hat, so müssen wir auch durch den Glauben gebrauchen, was uns in Christo gehört, und die erste Bedingung, um dies zu können, ist, dass wir festhalten. Welche Mittel gibt es, um festhalten zu können? Sie sind wohl bekannt. Es gibt 4 Hauptmittel, die uns beständig anempfohlen werden: Die Wachsamkeit, das Gebet, die Nüchternheit, das Lesen des Wortes Gottes mit Gebet.

Lasst uns mit der Wachsamkeit beginnen. Was heißt denn wachen? Gerade das Gegenteil von schlafen; es heißt, seine Augen offen haben; es heißt, wie der Apostel sagt, „vorsichtig wandeln“ (Kol. 4,5.), was so viel bedeutet als, indem man stets um sich herum sieht. Um zu wachen, muss man in dem Licht sein; das Wachen nützt euch nicht viel, wenn ihr in der Finsternis seid, und der Feind langsam und leise herankommen und die Hand auf euch legen kann, ehe ihr auch nur eine Ahnung davon habt. Seid in dem Licht, dann könnt ihr schon von Weitem sehen, ihr könnt auf eurer Hut sein und werdet den Feind zur rechten Zeit entdecken. Wacht, indem ihr ohne Aufhören aufseht auf Jesum; so allein wacht man recht.

Fürchtet ihr, indem ihr dies tut, die Schwierigkeiten, die Feinde, Gefahren und Verführungen eures eigenen Herzens aus dem Gesicht zu verlieren? Nicht im Geringsten. Jesus wird euch das Alles in Seinem eigenen Licht zeigen, dann werdet ihr es gut sehen. Wenn ihr euch aber einbildet, eure eigene Wache sein zu müssen, dann wird der Schlaf euch unfehlbar überfallen, und ihr werdet die Dinge nicht sehen, wie sie sind. Ihr werdet einen Feind von der linken Seite ankündigen, und ehe ihr's euch verseht, wird er von der rechten Seite gekommen sein. Wir wollen unsere Augen auf den HErrn gerichtet halten, Er wird uns Alles zu unterscheiden lehren.

Mit der Wachsamkeit verbindet das Gebet. Beide gehen in dem Wort Gottes immer Hand in Hand; aber es ist beachtenswert, dass die Wachsamkeit oft vor dem Gebet genannt ist. Warum das?

Vielleicht aus dem Grund, weil es möglich ist, in gewisser Weise zu beten, ohne zu wachen. Es ist möglich, dass man betet, und dann zu sich sagt: „Ich habe dem HErrn meine Bedürfnisse vorgetragen, ich bin für heute in Sicherheit;“ und das hieße in einen schweren Irrtum fallen. Wenn jedoch ein Mensch wachsam ist, so wird er wachsam zum Gebet sein (1 Petr. 4,8.), wie der Apostel sagt. Wenn er wacht, wird er vor Allem die Notwendigkeit des Gebetes einsehen: wenn er wacht, wird er die Gelegenheiten zum Gebet, zum Gebet für irgendeinen bestimmten Gegenstand erkennen; er wird Augenblicke finden, um mit seinem Gott allein zu sein, oder mit einem oder zwei Brüdern zusammen zu beten. Wenn er wacht, wird er Acht haben auf die Antworten, die Gott auf seine Gebete gibt; er wird dankbar dafür sein, und ermutigt noch mehr zu beten, und noch besser zu wachen. Lasst uns darum nie die Wachsamkeit vom Gebet trennen. Lasst uns beten zur Wachsamkeit, und wachsam sein zum Gebet.

Lasst uns aber auch die Nüchternheit nicht vergessen. Weil wir denn Kinder des Tages sind, sagt der Apostel, sollen wir wachen und nüchtern sein. (1 Thess. 5, 8.) Gebraucht Alles mäßig; seien es nun Neigungen oder Gedanken, sei es Liebe oder die Vergnügungen der Welt, selbst die edelsten, wie z. B. die häuslichen Freuden, die Literatur, die Wissenschaften, die schönen Künste. Selbst die besten Dinge dürfen wir nur gebrauchen, als ob wir sie direkt aus Jesu Hand empfingen. Tun wir das nicht, so werden sie uns gefährlich, und führen uns sicher auf Abwege.

Darum lasst uns wachen und beten und nüchtern sein. Lasst uns Alles besitzen, aber außer der Liebe unseres Heilandes soll uns nichts gefangen nehmen. Jesus allein soll uns ganz besitzen; dann werden wir auch Alles in Ihm und für Ihn besitzen. Wer dahin gekommen ist, wird vorwärts gehen und Nutzen aus der Gabe Gottes ziehen. Es ist für ihn unmöglich, sie nicht zu gebrauchen, für ihn ist es eine moralische Notwendigkeit, und ebenso eine Freude, in dem Wort Gottes Alles aufzusuchen, was Gott ihm gegeben hat.

Das Lesen des Wortes Gottes. Dies ist das Hauptmittel, die Gabe Gottes zu gebrauchen. In der Heiligen Schrift haben wir, um so zu sagen, das Inventar der verschiedenen Gaben, die in Christo enthalten sind. Jede Verheißung ist eine Gabe, jedes Beispiel, jedes Gebot ist eine Gabe, jede Ermahnung, und ich möchte sagen, jede Drohung ist eine Gabe. Alles hat den Zweck, uns auf den geraden Weg zu führen, und zu verhindern, dass wir uns bald nach rechts, bald nach links umkehren; Alles soll uns mit Christo verbinden, und uns in der Gnade und Erkenntnis unseres HErrn und Heilandes wachsen lassen. Das ist das Endziel des ganzen Wortes Gottes, jeder Gnade, und der ganzen Vorsehung Gottes! O, lasst uns zu jeder Zeit dieses Wort zu unserm Studium machen!

Mit dem Wort Gottes ist uns der Heilige Geist gegeben. Wir dürfen beide nicht trennen. Jesus sagte zu den Sadduzäern: „Ihr irrt und wisst die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes.“ (Matth. 22,29.) Die Kraft Gottes zu kennen, oder uns wenigstens einbilden, sie zu kennen, und dabei die Heilige Schrift bei Seite zu lassen, ist das Gefährlichste, was man tun kann; dies führt uns geraden Weges in Fanatismus und alle Art Schwärmerei. Wenn wir auf der andern Seite aber das Wort Gottes kennen, oder uns einbilden, es zu kennen, und doch nichts wissen von der Kraft Gottes, die Sein Heiliger Geist ist, nicht wissen, was Er tun kann, was Er versprochen hat, zu tun, und was Er in Wirklichkeit tut, so haben wir nichts anders als einen toten, unfruchtbaren Kopfglauben, der uns vielleicht viele Wahrheiten in den Kopf, aber kein Leben ins Herz bringt. Darum lasst uns zu unserer Bibel zurückkehren, lasst sie uns auf den Knien lesen und Gott bitten, uns zu leiten, und uns selbst zu zeigen, welche Stellen wir darin lesen sollen, uns Ausdauer beim Lesen zu geben und uns Sein Licht und Seine Kraft zu verleihen. Es ist tausendmal besser, nur zwei Verse zu Lesen und darüber zu beten und nachzudenken, als in der Eile zwei Kapitel durchzulesen, und dann nur eine verworrene Vorstellung davon zu haben.

Wenn wir mit Hilfe des Heiligen Geistes die Bibel lesen, „werden wir wissen, was uns umsonst von Gott gegeben ist“ (1 Kor. 2,12.); denn wir werden es besitzen. Der Heilige Geist nimmt, um so zu sagen, diese Gaben aus der Bibel, und legt sie in unsere Herzen. Er allein kann dieses Werk vollbringen; Er allein ist im Stande, aus der Bibel für uns das Lebensbuch zu machen. Er allein kann das reine Gold nehmen, welches sich für uns darin findet, wie das edle Metall in der Mine, und es in unsere Hand legen in Form von geprägten Münzen, die nun auf all' unsere Bedürfnisse, je nachdem sie hervortreten, anwendbar sind.

Ich ende damit, womit ich angefangen habe, Alles, was wir über die Gabe Gottes sagen können, wird uns für uns selbst wenig, und für unseren Einfluss auf die Welt gar nichts nützen, wenn wir diese Gabe nicht aus der Theorie in die Praxis herübernehmen; und wenn dieses Leben, welches in dem himmlischen Wesen, mit Christo in Gott verborgen ist (Kol. 3,3.; Eph. 2,6.), sich nicht auch den Menschen auf Erden zeigt.

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 6. Ihre Anwendung. „2. Bleiben in Christo.“

“Bleibt in Mir, und Ich in euch.“
(Joh. 15,4.)

Habt ihr von der Überraschung reden hören, welche die Freunde Herrn Moodys diesem vor einigen Jahren bereiteten? Ein reicher Mann hatte eine ganze Reihe Häuser in Chicago bauen Lassen und beschloss, ohne Herrn Moody etwas davon zu sagen, diesem eins davon zu geben. Er teilte seinen Beschluss mehreren Freunden mit und fügte hinzu: „Sagt ihm nichts davon; ich gebe das Haus, und ihr werdet es einrichten.“ Und so geschah es.

Als der Neujahrstag herankam, nahmen einige Freunde einen Wagen und holten Herrn Moody und seine Frau darin ab, ohne ihnen aber ein Wort von dem, was ihrer wartete, zu sagen. Der Wagen hielt vor einem hübschen Haus, und als sie den Fuß auf die Erde gesetzt hatten, fragten sie sich, zu welchem unbekannten Freund man sie wohl geführt habe. Ihr Erstaunen wurde noch größer, als sie eintraten; denn sie wurden von Niemand empfangen, der wie der Herr des Hauses ausgesehen hätte, und eine gute Anzahl ihrer besten Freunde waren da wie sie. Der Eigentümer trat hierauf vor, ein Papier in der Hand haltend und sagte: „Hier ist eine Urkunde, welche Sie in Besitz dieses Hauses setzt; Sie sind daheim, lieber Freund.“

Herr Moody war zuerst wie erstarrt. Dann fing er an, das Haus von oben bis unten zu durchwandern, jedes Zimmer gehörte ihm; Alles war zu seinem Empfang fertig, selbst die Schränke hatte man nicht leer gelassen.

Als ihre Freunde sich zurückgezogen hatten, und Herr Moody mit seiner Frau allein war, wird vermutlich ihr erster Gedanke gewesen sein, sich zu fragen: „Wie werden wir uns jetzt in unserem neuen Haus einrichten?“ Es verstand sich von selbst, dass die Mahlzeiten in der Küche bereitet und dann im Speisezimmer serviert würden; und so hatte jedes Zimmer seine Bestimmung. Aber glaubt ihr wohl, dass ihnen auch nur der Gedanke gekommen ist, dass sie wieder zurückkehren und in dem alten Haus, der kleinen, unbequemen Wohnung, die sie verlassen hatten, wohnen müssten, um dann dort täglich darüber zu verhandeln, welches wohl die beste Art sei, in dem neuen Haus zu leben?

Das aber tun Viele unter uns. Wir fahren fort, im alten Haus zu leben, und dort halten wir Versammlungen und unterhalten uns, wie wir es eigentlich im neuen Haus tun sollten. Das Erste, was wir zu tun haben, ist, darin zu bleiben. Und wenn wir wirklich auf den Grund der Dinge gehen, ist das nicht die Hauptfrage, welche wir einander vorlegen sollten? Ja ich weiß wohl, dass Gott mir Jesum gegeben hat; ich nehme Jesum an, ich besitze Ihn, wie kann ich aber in Ihm bleiben?

Wir haben in Ihm Alles. Sucht in dem neuen Testament, wie oft sich darin das Wort findet „in Ihm“ oder „in Christo“; das Aufsuchen all' dieser Stellen würde euch mehr als einen Tag kosten. Wir haben Alles in Ihm; die Hauptsache ist darum, Ihn nicht zu verlassen. Was müssen wir hierzu tun? Lasst uns die Antwort auf diese Frage in dem Wort Gottes suchen.

1 Joh. 2,24. finde ich die Worte: “Was ihr nun gehört habt von Anfang, das bleibe in euch. So in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch in dem Sohn und Vater bleiben.“ Das ist ganz klar und stimmt vollkommen mit Jesu eigenen Worten überein Joh. 15,7.: “So ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben…“ Die Wahrheit muss in uns und wir müssen in der Wahrheit bleiben. Wir müssen Alles, was wir gehört haben, bewahren. Hier handelt es sich nicht um Rührungen, Aufregungen, oder besondere Erfahrungen. Glaubt das, was ihr aus dem Wort Gottes gehört habt; vergesst es nicht, und lasst es euch nicht entschlüpfen. Beharrt darin, das Wort selbst zu lesen, damit ihr die Wahrheit nicht aus dem Auge verliert, sondern vielmehr immer tiefer darin gegründet werdet, und immer besser einsehen lernt, wie reich es ist.

Es steht geschrieben, dass der neue Mensch „erneuert ist zu der Erkenntnis.“ (Kol. 3,10.) Die Bibel betont überall die Erkenntnis. Wir müssen wissen, was Gott gesagt hat, was Er getan hat, und was Er für uns ist. Wenn wir das tun, wenn das, was wir gehört haben, in uns bleibt, dann werden wir in dem Sohn und in dem Vater bleiben und verharren. Das ist ein erster Punkt.

Einen andern finden wir in demselben Buch. “Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns unter einander lieben, so bleibt Gott in uns, und Seine Liebe ist völlig in uns.“ (1 Joh. 4,12.) Und im 16. Vers: “Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Wenn ihr in Gott bleiben wollt, dann bleibt in der Liebe.

Vielleicht sagt ihr, dass ich einen fehlerhaften Kreis mache, indem ich diesen Schluss ziehe. Ich frage mich, ob diese Art von Einwendungen nicht schuld ist, dass wir den wahren Sinn von vielen Bibelstellen verlieren. Es ist Tatsache, dass Gott uns oft dieselbe Wahrheit unter zwei verschiedenen Formen offenbart, oder uns vielmehr zwei Mittel an die Hand gibt, um ein und desselben Segens teilhaftig zu werden. Ihr sagt zu einem Menschen: „Bleibe in Gott“; wenn er's tut, wenn er durch den Glauben in Gott bleibt, so wird er ganz natürlicherweise auch in der Liebe und im Gehorsam bleiben. Aber Gott hat noch eine andere Lehrart. Er sagt: Tue dies, oder tue das. Da handelt es sich nun nicht darum, Ihm zu antworten: „Ich kann es nicht tun, wenn ich nicht in Dir bleibe.“ Tut es, dann werdet ihr sicher entdecken, dass ihr es nur in dem Maße tun könnt, als ihr in Ihm bleibt. Ihr werdet dann ein genau gestecktes Ziel vor Augen haben, nämlich, einem bestimmten Befehl Gottes zu gehorchen, und wenn ihr dies tut, werdet ihr beweisen, dass euer Gehorsam die Frucht der Gnade Gottes in euch, und zugleich ein mächtiges Gnadenmittel ist. Um meine Idee besser zu verstehen, denkt euch, einer eurer Freunde sei krank gewesen, und ihr erkundigt euch nun nach seiner Gesundheit. Jemand antwortet euch: „Ich habe ihn gestern gesehen; er war bei Tisch und aß mit gutem Appetit.“ Nun gut, diese Mahlzeit war die Folge und der Beweis davon, dass es dem Kranken besser gehe; zugleich aber trug sie sicher zu seiner weiteren Genesung bei. Hätte er diese kräftige Mahlzeit nicht genommen, so wäre er wieder schwach und leidend geworden. Ebenso beweist jeder Gehorsamsakt, jede Ausführung eines Befehles Gottes nicht nur, dass geistliches Leben in uns ist, sondern nährt auch zugleich dieses Leben und macht uns stärker. Der HErr Jesus sagt: “Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen Dessen, der mich gesandt hat.“ (Joh. 4,34.) Seid ihr z. B. versucht, irgendetwas gegen die Liebe zu tun möge es sich nun handeln um die Liebe gegen einen Gottlosen, einen Feind, um die Liebe gegen die, welche euch hassen, oder was noch schwerer ist, um die Liebe gegen die, welche euch beständig „reizen und verletzen“, denkt daran, dass ihr gehalten seid, in der Liebe zu bleiben. Ihr habt da gar keine Wahl. Es ist ein Gebot Gottes; folglich ist Gott auch bereit, euch die Kraft zum Gehorsam zu geben. Das gerade ist ja Sein Wunsch, Sein Wille. Sagt: „Mein Gott, ich will ihn lieben, ich liebe ihn…“ und der Geist Gottes wird euch die Kraft dazu geben. Das wird der beste Beweis für euch sein, dass der Geist Gottes Sein Werk in euch hat. Erlaubt euch weder Bitterkeit noch Neid noch Mangel an Liebe, nichts derart. Nun haben wir also zwei Mittel, in Christo zu bleiben: zuerst die Wahrheit, dann die Liebe.

Es gibt aber noch ein drittes. 1 Joh. 3,24. steht geschrieben: „Wer Seine Gebote hält, der bleibt in Ihm und Er in ihm.“ Achtet wohl darauf, das gilt von allen Geboten. Wenn ein Mensch sein Herz dem Gehorsam aufschließt, und er lebt im einfachen Gehorsam der Gebote Gottes, so wird er in Gott bleiben. Jedes Gebot wird ihn inniger mit Gott verbinden, und er wird immer besser einsehen lernen, was die Gebote Gottes sind. Der natürliche Mensch weiß nicht, was die Gebote Gottes sind. Er hält sie für sehr schwer, obwohl Gottes Wort sagt, dass Seine Gebote nicht schwer (1 Joh. 5,3.) sind. Und der Apostel Paulus sagt: „Verändert euch durch Erneuerung eueres Sinnes, auf dass ihr prüfen mögt, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille.“ (Röm. 12,2.) Wir lernen dann, dass ein jedes Gebot Gottes, wie man mit Recht gesagt hat, eine Verheißung enthält. Wenn Gott sagt: „Stehe auf,“ so heißt das: „Ich heile dich, ich gebe dir die Kraft, aufzustehen.“ Wenn Er sagt: Tue das,“ so heißt dies so viel als: „Ich mache dich tüchtig, dieses zu tun.“ Das ist auch der Sinn eines merkwürdigen Verses des langen, herrlichen 119. Psalms, der nur ein Lobgesang zum Preis des Gesetzes Gottes ist: „Lehre mich heilsame Sitten und Erkenntnis; denn ich glaube deinen Geboten.“ (Ps. 119,66.) Nicht, - ich habe sie gehört, ich liebe sie, oder ich habe ihnen gehorcht, sondern ich glaube ihnen. Ich glaube, dass sie weise und gut sind; ich glaube, dass sie die nötige Kraft zu ihrer Erfüllung in sich tragen, denn jedes Gotteswort ist ein mächtiges Wort.

Wenn wir also Seine Gebote halten, dann werden wir auch in Ihm bleiben. Aber wenn wir sie nicht halten, sondern uns einbilden, in Sorglosigkeit dahinwandeln und in Selbstsucht dahinleben zu können, und dabei dennoch in Christo zu bleiben, in irgendeiner schwärmerischen Weise, vielleicht indem wir durch Lesen, Singen, Versammlungsbesuch, und andere Mittel dieser Art uns die Nerven überreizen, so täuschen wir uns selbst. Wollten wir nicht gehorchen, so können wir auch nicht in Christo bleiben. Außerdem laufen wir große Gefahr, weil es nicht an Leuten fehlt, die uns zu überzeugen suchen, dass wir in Sicherheit sind. Wir sind es aber ganz und gar nicht, wenn wir nicht im Gehorsam leben. In Christo haben wir jederzeit Zutritt zum Vater, und Ob Jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater. Lasst uns doch zu Ihm gehen und unser Herz vor Ihm ausschütten, und Ihm unsere Missetat bekennen. „So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.“ (1 Joh. 1,9.)

Dann lasst uns unseren Weg fortsetzen und „nicht mehr sündigen“ (Ps. 4,5. franz. Übers.), lasst uns vor der Sünde uns fürchten und sie verabscheuen; lasst uns ohne Unterlass zu Gott gehen, weniger um uns zu trösten und zu erfreuen als im einfachen Gehorsam; dann wird Trost und Freude uns außerdem noch geschenkt werden.

Kürzlich empfing ich eine gute Lehre. Als ich nämlich durch die Straßen Londons schritt, bemerkte ich, dass an den meisten Türen sich zwei Schellen befinden, die eine ist die „Schelle für die Besucher“, die andere die „Schelle für die Diener.“ In dem Haus unseres Vaters, in welches wir im Namen Jesu immerdar eintreten dürfen, gibt es nur eine Schelle; die für die Diener. Dennoch aber hat Satan am Eingang noch eine zweite Schelle angebracht; sie ist über der andern, ist hübscher als diese und vergoldet, und trägt die Überschrift: „Schelle der Besucher.“ Mag man sie aber auch noch so sehr ziehen, die Tür bleibt verschlossen; denn kein Eisendraht steht mit dem Kupferknopf in Verbindung, es ist keine wirkliche Schelle, und kein Ton lässt sich im Haus vernehmen.

Geradeso geht es zu, dass so viele Leute vergeblich beten. Alle Sonntage gehen sie hin und ziehen an der Schelle für die Besucher, in der Absicht, dem lieben Gott einen guten kleinen Besuch zu machen, und dann so schnell als möglich wieder heimzukehren. Vielleicht gehen sie auch jeden Tag, abends und morgens hin und ziehen an dieser Schelle, aber sie bekommen keine Antwort. Gott hört solche Gebete gar nicht einmal, es sind auch keine Gebete, sondern nur ein leerer Schall, ein bloßes Geschwätz; Gott kann darin nur Sünde und Spott sehen. Wenn aber ein armer Sünder sich nähert und an der Schwelle für die Diener schellt, dann antwortet Gott. Wenn wir nun im Namen Jesu kommen, könnte das wohl anders wie als Diener sein? Warum wäre Jesus wohl gekommen, wenn es nicht wäre, um zu dienen? Wie Er, haben auch wir zu dienen; wir haben nichts anderes zu tun, als zu dienen; Gott zu dienen, uns unter einander zu dienen. Dieser zweifache Dienst lässt sich nicht trennen! Was wir umsonst empfangen haben, müssen wir auch umsonst geben; denn das gerade ist das Wesen der Gabe Gottes, dass wir sie verlieren, wenn wir sie für uns allein behalten, und dass wir sie nur bewahren können, und sie nur zunehmen kann, wenn wir sie Andern mitteilen. Tut das, dann habt ihr nicht mehr nötig, euch darüber zu beunruhigen, wie ihr in Christo bleiben könnt.

In derselben Epistel ist noch eine andere Stelle über denselben Gegenstand. „Welcher nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott, und er in Gott.“ (1 Joh. 4,15.) „So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.“ (Röm. 10,10.)

Wir müssen Zeugnis von Christo ablegen, und dürfen uns Seiner nicht schämen. Hiermit will ich nicht sagen, dass wir beständig von Ihm reden müssen; nein, gerade wie sich die Gelegenheit dazu bietet, und wie der Stern, welcher uns führt, es uns zeigt. Haben wir uns ganz in Jesu Hand gelegt, und sehen wir, dass es unsere Pflicht ist, zu reden, dann lasst uns reden. Es wird nicht so schwer sein, wie wir fürchten. Er wird unserm Herzen, unserm Geist und unseren Lippen innig nahe sein. Natürlich ist es sehr leicht, in einer Versammlung, wie diese hier, von Christo zu zeugen; aber es handelt sich auch darum, dies den Gleichgültigen und Ungläubigen gegenüber zu tun. Wählt eure Zeit, oder besser, die Zeit Gottes. Bittet Ihn, dass Er euch den günstigen Augenblick, das rechte Wort finden lasse, und dann schämt euch nicht eures Heilandes Jesu Christi, denn sich schämen, Seinen Namen zu bekennen, heißt, Seine Sache verleugnen und verlassen. Dies wäre also noch ein Mittel, und zwar ein sehr wirksames, um in Ihm zu bleiben.

Gestern hörte ich ein sehr einfaches, aber sehr lehrreiches Wort anführen über das Zeugnisablegen. Der Mann, welcher es gesagt hat, wird wahrscheinlich nie erfahren, dass es wiederholt wurde und Andern zum Segen geworden ist. Jemand, der den Dammarbeitern das Evangelium bringt, hat mir eine Unterredung mitgeteilt, die zwischen zwei dieser Arbeiter stattgefunden hat. Der eine war ein Christ, und hatte einiges von den letzten Besprechungen über die Heiligung gehört. Sein Freund fragte ihn: „Was will man uns nur eigentlich mit dem Allen sagen?“ „Ich verstehe nicht viel davon,“ antwortete Ersterer, „ich für mein Teil bin ganz einfach zum HErrn Jesu gekommen, und darauf habe ich Ihm nie wieder „Lebe wohl“ gesagt.“

Mit diesen Worten ist Alles gesagt. Geht ihr hin und tut dasselbe. Ihr seid zu Christo gekommen, und ihr habt Ihm vielleicht „Lebe wohl“ gesagt. In diesem Augenblick erinnert Er uns an Seine Verheißung: „Wer zu Mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Joh. 6,37.) Lasst uns aufs Neue zu Ihm gehen und nie wieder Abschied von Ihm nehmen. Denn an der Wurzel jedes geistlichen Lebens. findet sich diese unaussprechlich innige Gemeinschaft mit dem Heiland, von der Er selbst also spricht: Wer Mein Fleisch isst, und trinkt Mein Blut, der bleibt in Mir, und Ich in ihm.“ (Joh. 6,56.)

Monod, Theodor - Die Gabe Gottes. - 7. Ihr Zweck.

“Auf dass wir etwas seien zu Lobe Seiner Herrlichkeit, die wir zuerst auf Christum hoffen.“
(Ephes. 1,12.)

Die Frage, welche uns heute beschäftigen soll, ist der Zweck, oder das Endziel der Gabe Gottes. Ihr erinnert euch wohl, dass wir nach einander betrachtet haben, die Quelle dieser Gabe, die Liebe Gottes; ihr Wesen, nämlich: das ewige Leben in Christo Jesu; ihre Annahme, einfach durch den Glauben; ihre Folgen, nämlich: Alles ist unser; ihre Anwendung, in dem Glauben, in dem Gebet des Glaubens, in der Wachsamkeit des Glaubens, in dem gläubigen Lesen des Wortes Gottes, in dem Gehorsam des Glaubens, in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Nun kommen wir an ihren Zweck.

Und das, meine teuren Brüder, ist noch herrlicher als alles Andere. Ihr Zweck! Wozu ist sie bestimmt? Was soll sie bewirken? Ist sie zu unserer Befriedigung da? Gewiss nicht. Soll sie uns rein und heilig machen? Ohne Zweifel, aber mehr noch als das. Ihr vornehmster Zweck ist, dass Gott selbst verherrlicht werde durch unsere Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist.

In den ersten Zeilen der Bibel lesen wir: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde;“ und im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veste verkündigt Seiner Hände Werk.“ In dem letzten Buch der Bibel finden wir diese Worte: „HErr, Du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn Du hast alle Dinge geschaffen, und durch Deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen.“ (Offenb. 4,11.)

Das ganze Schöpfungswerk hat nur den Zweck, Gott zu verherrlichen; es ist dazu bestimmt, das Werk Seiner Hände zu verkündigen, und jedem vernünftigen Geschöpf begreiflich zu machen, was für ein bewunderungswürdiger Arbeiter, und wunderbarer Künstler der HErr ist; es soll offenbaren, dass alle Kraft, alles Schöne und Herrliche nur von Ihm kommt. Meine Brüder, diese erste Lehre ist gerade diejenige, welche unsere Generation nicht annehmen will. Was würdet ihr wohl von einem Mann sagen, welcher ein prachtvolles Gemälde betrachtet und es leidenschaftlich bewundert, indem er die Zeichnung, die Farben, das Einzelne und das Ganze lobt, dann aber anfängt, die Unterschrift des Malers auszuwischen, damit, wenn man das Werk betrachte, man den Meister nicht erkennen könne. Ist es nicht recht und billig, dass das Werk eines großen Künstlers nicht nur zum Vergnügen derer, welche es betrachten, noch zur Ehre des Werkes an und für sich diene, sondern auch zum Ruhme dessen, der es erdacht und ausgeführt hat?

Dennoch aber bemühen sich unsere Zeitgenossen, oder wenigstens die unter ihnen, welche den Ruf haben, die Weisesten zu sein, den Namen Gottes an allen Seinen Werken auszulöschen; und je mehr sie diese Werke ergründen, je mehr sie dieselben erkennen, und im Stande sind, sie zu erklären, vermittelst der Vernunft, die sie doch von Gott erhalten haben und die auch zeigt, dass sie Gottes Ebenbild an sich tragen, desto mehr weigern sie sich, Gott darin zu sehen.

Wir wollen der Welt zeigen, dass es einen Gott gibt. Wie vermögen wir das? Wir können es nicht, indem wir die Aufmerksamkeit lenken auf die wunderbare Ordnung des Weltalls, oder auf den Körper des Menschen, auf seine Hände, seine Augen, die doch alle „wunderbarlich bereitet“ sind; denn die Menschen erkennen Gott nicht, weil ihre Vernunft verdunkelt ist. Wir müssen ihnen das Werk und die Gegenwart Gottes in anderer Weise zeigen. Gott hat Sich in der Schöpfung herrlich bewiesen, aber Er hat eine noch viel größere Herrlichkeit; in dem Erlösungswerk hat Er Sich der Welt noch viel vollkommener offenbart. Wie ein christlicher Prediger so treffend gesagt hat: „In der Schöpfung zeigt Gott Seine Hand; in der Erlösung öffnet Er Sein Herz.“

Welches war der Lobgesang der Engel und der Menge der himmlischen Heerscharen, als der Heiland in Bethlehem geboren wurde? „Ehre sei Gott in der Höhe.“ Und was sagte das Kindlein zu Maria und Joseph, als es zunahm an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, und nun Sein zwölftes Jahr erreicht hatte? „Wisst ihr nicht, dass ich tun muss die Werke meines Vaters.“ (franz. Übers.) Die Werke Seines Vaters, darum war Er ja gekommen. Er sagte zu den Juden: „Ich suche nicht Meine Ehre.“ (Joh. 8,50.) Achtet wohl darauf; selbst Christus ist nicht in die Welt gekommen, um Seine Ehre zu suchen. Was tat Er, als die Schatten des Todes anfingen, Ihn zu umgeben? Ihr erinnert euch daran, nicht wahr? Seine Seele war betrübt; es ist keine Sünde, betrübt in der Seele zu sein, wenn uns Leiden bevorsteht: „Jetzt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen?… Vater, hilf mir aus dieser Stunde!“ Wollte Er das bitten? Nein; „doch um dieser Stunde willen bin ich gekommen. Vater, verkläre Deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe Ihn verklärt, und will Ihn abermals verklären.“ (Joh. 12,28.) Und als Er der Todesstunde ganz nahe, Sein Leben auf Erden, ehe es völlig beendigt war, noch einmal kurz zusammenfasste, sagte Er: „Ich habe Dich verklärt auf Erden, und vollendet das Werk, das Du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ (Joh. 17,4.) Dieses Werk war, Gott zu verherrlichen. Darum ist Christus gekommen; Er wollte die Menschen mit Sich vereinigen, um sie fähig zu machen, Gott zu verherrlichen, dass ihre Sünden nun durch Ihn versöhnt und ausgetilgt sind vor dem Angesicht Gottes, und Sein Auferstehungsleben das Leben der Sünder geworden ist, zur Ehre Seines Vaters.

Was sagt der Apostel Paulus von diesem ganzen Heilswerk? Warum ist es vollbracht worden? Welchen Zweck hat es? „Auf dass wir etwas seien zu Lobe Seiner Herrlichkeit.“ Seid ihr willig, die Gabe Gottes in dieser Weise anzunehmen, sie von diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten, weniger an euch zu denken, und euch zu fragen, ob ihr wirklich entschlossen seid, sie anzunehmen, und was ihr mit ihr machen sollt, als vielmehr euch diese Frage vorzulegen: „Hier ist mein Gott, mein treuer Schöpfer, mein Erlöser, werde ich zu Seiner Ehre leben oder nicht?“ Nicht wahr, ihr könnt doch nicht aus eigener Kraft zu Seiner Ehre Leben? Habt ihr es versucht? Kann eure Kraft Gott verherrlichen? Ganz gewiss nicht. Vielleicht verherrlicht sie euch, oder wenigstens scheint es euch so. Aber um Gott verherrlichen zu können, müsst ihr das Leben Gottes haben, muss Christus in euch wohnen; dazu bedarf es des Werkes Gottes. Wenn Gott durch ein Werk verherrlicht werden soll, so muss dieses Werk von Gott sein. O meine Brüder, lasst uns dies recht verstehen und darin unsere Freude finden! Wir machen sicher einen großen, einen seligen Schritt vorwärts im Leben, wenn wir, vielleicht auch noch undeutlich, wie der Schein eines fernen Lichtes, zu erkennen anfangen, dass es unsere Pflicht, oder besser gesagt unser Vorrecht ist, zur Ehre Gottes zu leben; und dass Gott so gut ist, dass Er sich herablässt, sich durch Geschöpfe, wie wir sind, verherrlichen zu lassen, wenn wir nur uns Seinen Händen übergeben, und Sein Werk werden wollen, zum Preis und Ruhm Seines Namens.

Darum lasst uns aus diesen Versammlungen zu unserer Arbeit zurückkehren, und zur Ehre Gottes leben. Zu den Knechten spricht der Apostel, um sie in ihrem schlichten und schweren Tagewerk zu ermutigen: „Tut Alles dem HErrn, und nicht den Menschen.“ (Kol. 3,23.) Arbeitet für Gott; besorgt für Ihn euren Haushalt, kehrt für Ihn die Zimmer, tut Alles für Gott. Ihr habt das Recht, es für Gott zu tun; es ist eure Pflicht, nein, euer Glück und eure Ehre, es ist euer Ruhm Alles für Gott tun zu dürfen. Sind euch Leiden auferlegt? Leidet zu Gottes Ehre; dann werdet ihr auch aufhören zu fragen, warum und wozu ihr solches leiden müsst. Wo fände ich den Schlüssel zu dem Buch Hiob, wenn nicht darin, dass es möglich ist, dass ein Mensch leiden muss, nicht um einer bestimmten Sünde willen, sondern, auf dass Gott an ihm gepriesen werde? Was sagte doch Jesus, als Lazarus krank war? „Die Krankheit ist nicht zum Tod, sondern zur Ehre Gottes“ (Joh. 11,4.); und war sie nicht wirklich zur Ehre Gottes? In all' euren Krankheiten und Leiden, in Trübsal und Schmerz, in all' den Schwierigkeiten, die ihr vielleicht selbst im Schoß eurer Familie überwinden müsst, bei jeder Gelegenheit, wo ihr zu leiden habt, sagt eurem Gott: „Mein Gott! ich weiß nicht warum, ich verstehe es nicht, ich will auch gar nicht versuchen, es zu verstehen. Ziehe Du selbst nur Deine Ehre daraus.“

Wenn wir Alles von diesem Gesichtspunkt aus betrachten, so wird die Frage, ob das Leben eine Glaubenssache sei oder nicht, sich von selbst lösen; dieses Leben muss ein Glaubensleben sein, weil es das Leben Gottes sein muss. Der Apostel schreibt den Römern: „Durch den Glauben, auf dass es sei aus Gnaden.“ (Röm. 4,16.) Wenn es aus Gnaden ist, so muss es auch beständig durch den Glauben sein; denn es gibt kein anderes Mittel, die Gnade zu empfangen, als der Glaube. Seht doch, was Abraham tat, der Vater der Gläubigen, der uns das größte Beispiel des Glaubens gegeben hat: „Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern ward stark im Glauben, und gab Gott die Ehre.“ (Röm. 4,20.) Darin liegt Alles: „er gab Gott die Ehre“; jedes Mal wenn ihr glaubt, gebt ihr Gott die Ehre und nicht euch selber. Wollt ihr in Allem Gott die Ehre geben, so könnt ihr es nur tun, indem ihr Alles von Ihm erwartet, und Ihn um Alles bittet. Dann werdet ihr aber auch beständig Alles von Ihm empfangen, ihr werdet wahre Kinder Abrahams sein, die stark im Glauben sind und Gott die Ehre geben.

Ist das nicht die große Sünde von uns Christen, dass wir Gott nicht die Ehre geben, dass wir so weit entfernt sind, es recht zu tun? Vorhin sagte ich, dass die Welt sich weigere, Gott die Ehre in dem Schöpfungswerk zu geben, und ich sah, dass der bloße Gedanke daran euch unwillig machte, aber sagt, geben wir Gott die Ehre in dem Erlösungswerk? was soll ich sagen?

Wie viele suchen, ihre eigene, ihre persönliche Ehre, oder vielleicht auch die Ehre ihrer Kirche! O, meine Freunde, es ist etwas Großes, seine Kirche zu lieben, in seiner Kirche und für seine Kirche zu arbeiten; aber merkt, wenn ihr die Ehre eurer Kirche, welche es auch immer sein mag, über die Ehre Gottes stellt, so werdet ihr gar nichts erreichen. Wenn ihr jedoch die Ehre Gottes im Auge habt, dann seid versichert, dass Er für eure Kirche sorgen und euch zu einem tätigen und treuen Glied derselben machen wird. Wenn alle Kirchen diesen Standpunkt erreicht haben, werden sie auch untereinander innig verbunden sein.

Lasst uns aber auch nicht die Ehre unseres Systems suchen. Dies bezieht sich in diesem Augenblick ganz besonders auf uns. Ohne Zweifel sind wir versucht gewesen zu sagen, dass andere Christen die Ehre ihrer Lehren suchen, gleichwohl könnten wir selbst uns der wohl verdienten Beschuldigung aussehen, dass wir die Ehre unserer eigenen Lehre suchen; wenn es sich hier überhaupt um eine Lehre handelt. Ob ein Mensch mit unseren Ansichten übereinstimmt, ob sie nach seinem Herzen sind, daran liegt wenig. Gott wird Niemand fragen, ob er an der Bewegung Teil genommen hat, oder ob er nicht davon berührt worden ist; aber einen Jeden wird Er fragen, ob er in Christo, oder außer Christo ist. Ich würde gar nicht erstaunen, wenn unser großer Widersacher selbst in diesem Augenblick sehr geschäftig wäre, uns zu der Verteidigung unserer eigenen Sache zu reizen, und uns anzutreiben, nicht das Banner des HErrn, sondern unsere besondere Fahne aufzupflanzen, was unfehlbar ein schlechtes Licht auf die Bewegung werfen würde, und das hätten wir wohl verdient. Lasst uns aber auch nicht die Ehre unserer Frömmigkeit suchen. Es ist der Triumph des Feindes, einen Christen dahin zu bringen, dass er in dem Wahn lebt: „Ich bin ein rechtschaffener Mensch; ich stehe selbst in dem Ruf, ein frommer Mensch zu sein; auf jeden Fall bin ich nicht wie der erste, beste.“ Das war auch, denke ich, die große Sünde Satans. Satan war ein Engel, und zwar ein einsichtsvoller, reich begabter Engel; aber die Lust kam ihn an, sich von Gott unabhängig zu machen, und seine Fähigkeiten zu seiner eigenen Ehre zu verwerten. Er stellte sich darum an die Spitze einer Partei; die, welche diese Partei bildeten, nannten sich damals Engel, jetzt nennt man sie Teufel.

Hüten wir uns vor solch' hässlicher Sünde; und lasst uns für die beten, welche besonders in Gefahr stehen, in diese Sünde zu fallen. Wer berufen ist, viel zu reden, oder zu schreiben, hat sehr nötig, dass man für ihn bete. So lasst uns denn „für alle Heiligen“ beten, und besonders für die, welche der Versuchung am meisten ausgesetzt sind. Neulich zeigte Jemand in einigen herrlichen Gebetsworten, wie man für einen christlichen Prediger beten kann: „HErr, bewahre ihn, dass er nicht falle! HErr, bewahre ihn, dass er sich nicht erhebe!“

Wenn wir das tun, dann werden wir nicht nur am eigenen Herzen, in unserer Kirche und Familie, und in Allem, woran wir die Hand legen, gesegnet werden, sondern wir werden auch Anderen zum Segen sein und Andere werden Gott über uns preisen. Überlegt, was das sagen will, welches Vorrecht, welche Freude! - Das ist das Gebot unseres Heilandes Jesu Christi. Er hat gesagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matth. 5,16.) In dem Leben eines wahren Christen muss auch etwas sein, was man sieht; es klänge fast wie Hohn, wenn man behaupten wollte, dieses Leben sei so tief verborgen, dass Niemand es sehen könne. Ja, ganz gewiss, es ist mit Christo in Gott verborgen“; aber es offenbart sich auch den Augen der Menschen, und es kann gar nicht anders sein; das Licht, wenn es wirklich Licht ist, gibt sich durch seine eigene Klarheit kund. Darum ist es nötig, dass die Menschen unsere guten Werke sehen, und unseren Vater im Himmel preisen.

In dem Evangelium St. Lukas finden sich zwei oder drei interessante Stellen über diesen Gegenstand. „Die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott.“ (Luk. 2,20.) Der Mensch, zu welchem Jesus sagte: „Stehe auf und wandele,“ stand alsbald auf vor ihren Augen… und pries Gott.“ (Kap. 5,25.) Außerdem sehen wir, dass der arme Blinde, sobald seine Augen aufgetan waren, „Ihm nachfolgte und Gott pries. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.“ (Kap. 18,43.) Und als der Apostel Paulus den Galatern seine Bekehrung erzählt, fügt er hinzu: „Und die christlichen Gemeinen priesen Gott über mir.“ (Wörtlich: priesen Gott in mir.) Wie herrlich ist das! Sie dachten gar nicht daran, ihn selbst zu preisen; sie priesen Gott in ihm. Darauf müssen wir ganz besonders unsere Aufmerksamkeit richten, das müssen wir zum Gegenstand unseres Gebetes machen; wir wollen Gott preisen für jede Gabe, welche Er unseren Brüdern und Schwestern verleiht, aber wir wollen sie nicht selbst preisen. Unsere religiösen Blätter täten wohl, das zu beherzigen, sie sind voll von dem Lob der Menschen. Lasst uns mit dieser Gewohnheit brechen, sie tut Niemand gut, kann aber viel Unheil stiften, und gibt der Welt Gelegenheit, sich über die Christen lustig zu machen.

Was tun wir aber, während die Anderen Gott über uns preisen? Wir rühmen uns Gottes. Es liegt in der Natur des Menschen, sich irgendeiner Sache zu rühmen; wir haben eine Stimme in uns, welche das Bedürfnis hat, zu loben. Die Menschen geben diesem Bedürfnis nach, indem sie ihr Lob an recht elende, jämmerliche Dinge hängen, sie Loben das eitle Entfalten von Macht und Pracht, das Vergießen des Blutes, die Unreinigkeit, ihre eigene Erniedrigung, ihr Verderben. Im geringsten Fall machen sie unsere allgemeine Menschlichkeit zum Gegenstand ihres Lobes. Wir aber haben das Recht, Gott zu loben.

Der Apostel sagt: „Wer sich rühmt, der rühme sich des HErrn.“ (1 Kor. 1,31.) Und eine andere Stelle, welche wir alle kennen, lautet: „Ihr esst nun, oder trinkt, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre.“ (1 Kor. 10,31.) Lasst uns alles unterstützen, was zur Ehre Gottes geschieht, und lasst uns unsere Kräfte nicht für andere Dinge verbrauchen. „Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt, die werden ausgereutet.“ (Matth. 15,13.) Es müssen „Pflanzen des HErrn, zum Preise,“ sein. (Jes. 61,3.) Erinnert ihr euch der schönen Stelle, Jer. 9,23.? „So spricht der HErr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich des, dass er Mich wisse und kenne, dass Ich der HErr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt Mir, spricht der HErr.“ Diese Worte erinnern uns an das, was Moses zu dem HErrn sagte: „Lass mich Deine Herrlichkeit sehen.“ Und Er sprach: „Ich will vor deinem Angesicht her alle Meine Güte gehen lassen.“ (2 Mose 33,18.19.) Ist das nicht ein wunderbares Zwiegespräch? ES zeigt uns klar und deutlich, dass Gott Seine Herrlichkeit nicht von Seiner Güte trennt. Seine größte Herrlichkeit wohnt in Seiner Liebe, sie ist folglich mit unserm Wohl, unseren höchsten Interessen und unserm wahren Glück verbunden. Ihm selbst liegt dieses Glück mehr am Herzen als uns.

Wir schließen damit, womit wir anfingen: Gott ist die Liebe, und die Herrlichkeit Gottes ist Seine Gnade. „Der überschwängliche Reichtum Seiner Gnade“ (Eph. 2,7.), ist zugleich auch „der Reichtum Seiner Herrlichkeit.“ (Eph. 3,16.) Lasst mich diese Versammlungen beschließen, indem ich mit euch einige Stellen der Heiligen Schrift lese, die das Lob Gottes zum Gegenstand haben.

Psalm 115,1. „Nicht uns, HErr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre, um Deine Gnade und Wahrheit.“

Jesajas 6,1-3. „Des Jahres, da der König Usia starb, sah ich den HErrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und Sein Saum füllte den Tempel. Seraphim standen über Ihm, ein jeglicher hatte sechs Flügel; mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth, alle Lande sind Seiner Ehre voll!“

Römer 11,35-36. „Wer hat Ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von Ihm, durch Ihn, und zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.“

Ebräer 13,20.21. „Gott aber des Friedens, der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments, unseren HErrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu tun Seinen Willen, und schaffe in euch, was vor Ihm gefällig ist, durch Jesum Christ, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

1 Petri 5,10.11. - „Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Offenbarung Johannis 7,9-12. „Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrien mit großer Stimme und sprachen: Heil sei Dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserem Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen um den Stuhl, und um die Ältesten, und um die vier Tiere, und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht, und beteten Gott an, und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank, und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!“

Bis wir einst selbst in den Lobgesang einstimmen, den unsere Lippen und Herzen, unser Geist und unser ganzes Leben schon jetzt mit der allgemeinen Kirche aller Zeiten singt: Ehre sei dem Vater und dem Sohne, und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, hochgelobt in Ewigkeit! Amen.

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