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Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Vorrede.
Wir wollen nun den Psalter und die Summarien vornehmen, denen Einfältigen, und so weniger können, denn wir, anzeigen, was ein jeglicher Psalm will und vermag. Und ist zu merken, dass der ganze Psalter fünferlei handelt, darum wir ihn teilen in fünf Teile.
- Erstlich, etliche Psalmen weissagen, als: von Christo und der Kirche, oder den Heiligen, wie es ihnen geben soll rc. Und hier herein gehören alle Psalmen, da promissiones et Minae, Verheißungen denen Frommen, und Dräuungen1) über die Gottlosen, innen sind.
- Zum anderen, sind etliche Lehrpsalmen, die uns lehren, was wir tun und lassen sollen, nach dem Gesetz Gottes. Und hierher gehören alle Psalmen, so Menschenlehre verdammen, und Gottes Wort preisen.
- Zum dritten, sind etliche Trostpsalmen, welche die betrübten und leidenden Heiligen stärken und trösten; wiederum, die Tyrannen schelten und schrecken. Und hier gehören her alle Psalmen, so da trösten, vermahnen, zur Geduld reizen, und die Tyrannen schelten.
- Zum vierten, sind etliche Betpsalmen, darinnen man Gott anruft und bittet in allerlei Not. Und hierher gehören alle Psalmen, so da klagen und trauern, und über die Feinde schreien.
- Zum fünften, sind etliche Dankpsalmen, darinnen man Gott lobt und preist für allerlei Wohltat und Hilfe. Daher gehören alle Psalmen, so Gott loben in seinen Werken, und dies sind die fürnehmsten, und um derselbigen willen ist der Psalter gemacht, darum er auch im Ebräischen heißt, Sepher Tehillim, das ist, ein Lobbuch, oder Dankbuch.
- Doch soll man wissen, dass die Psalmen nicht so eben und genau in solche Stücke mit allen Versen zu teilen sein sollten, denn zuweilen in einem Psalm dieser Stücke zwei, drei, oder wohl alle fünf gefunden werden, und ein Psalm in alle fünf Teile gehört, dass man beide, Weissagung, Lehre, Trost, Gebet und Dank neben einander hat; sondern das ist die Meinung, dass man wisse, wie der Psalter solche fünf Stücke treibt. Das dient dazu, dass man den Psalter desto leichter verstehe, und sich drein schicken, auch desto bas2) lernen und behalten mag.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 1. Psalm.
Hier ist ein Trostpsalm, der vermahnt uns, dass wir Gottes Wort gerne sollen hören und lernen; und tröstet uns, dass wir groß und viel Gutes davon haben, nämlich, dass alle unsere Worte und Werke sollen glückselig sein, wider alle Feinde, gleichwie ein Palmbaum am Wasser grünt und Frucht bringt, wider alle Hitze und Frost rc., welches Menschenlehre nicht tut; sondern wie der Wind die Spreu verweht, also vergehen sie auch. Denn Gott hat auch Gefallen an solchen Schülern seines Worts, spricht er, aber die anderen lässt er untergeben. Und dieser Psalm fleußt3) aus dem dritten Gebot, ja, gehört auch hierein. Denn daselbst wird geboten, den Sabbat zu feiern, das ist, Gottes Wort gerne zu hören und zu lernen, und wird begriffen im Vater Unser, in der anderen und dritten Bitte, da wir um das Reich Gottes und seinen Willen bitten, welches beides durch sein Wort gefördert wird.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 2. Psalm.
Das ist eine Weissagung von Christo, wie er leiden soll, und dadurch ein König und Herr der ganzen Welt werden. Und stehen auch drinne Dräuungen4) wider die weltlichen Könige und Herren, wie sie sollen zu Grunde gehen, wo sie diesem König nicht huldigen und dienen, sondern verfolgen und tilgen wollen; und Verheißung, dass selig sein sollen, so an ihn glauben. Und dieser Psalm fleußt aus dem ersten Gebot, da sich Gott verheißet, unser Gott zu sein, der uns aus aller Not helfen und alles Gute tun will; wie er denn durch Christum uns von Sünden, Tod und Hölle erlöst und zum ewigen Leben gebracht hat. (Nach dem Leiden und Verfolgung Christi ist seine Herrlichkeit und sein Reich gefolgt, nicht allein unter die Juden, sondern auch unter die Heiden, bis an das Ende der Welt. Und wird allhier in diesem Psalm gespottet der Widersacher Christi, die der Prophet vermahnt, dass sie wollten die Wahrheit verstehen; es sei denn, dass sie viel lieber wollten unter Christo, dem zornigen Richter, verderben und jämmerlich umkommen. Solches bitten wir im Vater Unser in der anderen Bitte, dass sein Reich komme.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 3. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm, darinnen uns das Exempel Davids vorgebildet wird, wie derselbige gebetet hat in seiner Not, und erhört ist, da er von seinem Sohn Absalom verjagt ward, und preist am Ende Gott, dass er sei ein treuer Helfer und Behalter aller der Seinen, so ihn anrufen in allen Nöten. Er gehört ins erste Gebot, da Gott will unser Gott sein, und helfen, und wird in der siebten Bitte im Vater Unser begriffen, da wir von allem Übel Erlösung bitten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 4. Psalm.
Es ist ein Trostpsalm, und daneben betet und lehrt er auch: denn er lehrt auf Gott trauen, wenn es übel geht, und schilt die Gottlosen, die sich kehren zu den unnützen Göttern und fleischlichen Trost, und nichts leiden, noch auf Gott mit Geduld harren wollen, so er doch der höchste Trost ist. Wiewohl er solches wunderlich tut bei seinen Heiligen, dass er sie zuvor lässt, und ihren Glauben und Geduld damit versucht. Aber die Gottlosen wollen den Bauch voll und sicher haben; wer ihnen vom Glauben und Geduld sagt, den spotten und verachten sie, und sagen: Wie sollte uns der Narr sagen, was gut ist: ja, harre, bis dir ein gebratenes Huhn ins Maul fliege, verlasse dich darauf und backe nicht. Er gehört auch in das erste Gebot; denn er lehrt und vermahnt auf Gott zu hoffen und zu vertrauen mit Geduld, wo es an etwas mangelt, und straft die Ungläubigen und Ungeduldigen, und wird in der dritten und siebten Bitte begriffen, da wir bitten, dass Gottes Wille geschehe, und wir des Übels los werden; mag auch wohl in der vierten Bitte sein, da wir ums täglich Brot bitten, das ist, um Friede und alle Notdurft5) dieses Lebens, wider allerlei Mangel auf Erden.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 5. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, wider die falschen Lehrer und Rottengeister, darinnen er beide, ihre gleißende Lehre und Werke, damit sie, unter dem Namen Gottes, großen Schaden tun dem reinen Wort Gottes und dem rechten Gottesdienst, härtiglich verklagt; und bittet für die Frommen, das ist, für das reine Wort Gottes und rechten Gottesdienst, und verheißt im letzten Vers solches Gebets Erhörung und der Rottengeister Verwerfung. Er gehört in das andere und dritte Gebot, darinnen Gottes Namen und Wort geboten wird zu heiligen, und in die erste und andere Bitte im Vater Unser, da auch Gottes Name, Ehre und seines Reichs Besserung gebeten wird.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 6. Psalm.
Ist ein Betpsalm, und klagt über das hohe und recht heimliche Leiden des Gewissens, so um seiner Sünde willen im Glauben und Hoffnung, mit dem Gesetz und Zorn Gottes gemartert, und zur Verzweiflung und Missglauben getrieben wird: welches heißen sonst im Psalter hin und wieder, des Todes Bande und der Höllen Stricke, oder Todesnot und Höllenangst. Aber am Ende zeigt er an, dass solches Gebet erhört werde, zum tröstlichen Exempel allen, die in solcher Anfechtung sind, dass sie nicht drinnen sollen bleiben, und straft die Übeltäter, das ist, die falschen Heiligen, die gemeiniglich6) solche betrübte Leute hassen und verfolgen. Denn ihr Trost steht auf ihre eigene Heiligkeit, wissen auch nichts von solcher Anfechtung, darum sie des reinen Glaubens ärgste Feinde sind. Er gehört aber in das erste und andere Gebot; denn er preist den Kampf des Glaubens an Gott, und betet wider die Sünde und Tod, und ist in der ersten Bitte des Vater Unsers, wie alle andere Betpsalmen; denn beten ist, Gottes Namen anrufen und ehren.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 7. Psalm.
Ist auch ein Betpsalm, und klagt wider die Lästermäuler, die den Heiligen und ihrer Lehre Schuld geben, dass sie aufrührerisch und Verstörer der Obrigkeit und des Friedens sein sollen; wie Simei, der Jeminiter, den frommen David in seinem Elend lästerte, als hätte er dem König Saul sein Reich eingenommen; wie die Juden Christum vor Pilato auch beschuldigten, und jetzt die Lästerer das Evangelium auch schelten. Wider solche Anfechtung ficht er hier mit Beten, und klagt Gott seine Unschuld, und zeigt hernach an sein eigenes Exempel, wie solches Gebet erhört sei, uns zum Trost; und dräut denen Lästerern und Tyrannen gräulich, und hält ihnen das Exempel Absaloms vor, wie derselbe umkam, ehe er das Böse ausrichtete, so er im Sinn und angefangen hatte. Er gehört aber auch in das andere Gebot, und in die erste Bitte, wie der nächste droben.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 8. Psalm.
Hier ist eine Weissagung von Christo, seinem Leiden, Auferstehen, und Königreich über alle Kreaturen. und solches Reich solle gestiftet werden durch den Mund der Unmündigen, das ist, ohne Schwert und Harnisch, allein durchs Wort und Glauben. Er gehört in das erste Gebot, dass Gott unser Gott will sein, und ist in der anderen Bitte, wie droben im anderen Psalm gesagt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 9. Psalm.
Es ist auch eine Weissagung von der Jugend, das ist, von den neuen Kindern und von dem Volk Christi, welches ist die heilige Christenheit, wie dieselbige auch, dem Exempel Christi nach, leiden muss, und immerdar ihr Blut vergießen. Er handelt aber solche Weissagung danksweise, und trostsweise, dass es auch wohl ein Dankpsalm und Trostpsalm heißen mag. Denn die Christen, und sonderlich die heiligen Märtyrer, danken hier Gott, und trösten sich, dass sie Gott nicht verlässt, sondern mehrt sie immer fort, je mehr sie verfolgt werden, bis der Verfolger etliche bekehrt, und Christen werden, und die anderen untergehen. Er gehört aber in das erste Gebot, und in die andere Bitte; wie droben im nächsten Psalm gesagt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 10. Psalm.
Ist ein Betpsalm, und klagt über den Erzfeind solches Reichs Christi, das ist, über den Antichrist, der die Christenheit beide mit Gewalt und List verstört, um seines Geizes und Pracht willen: er führt beide, das Schwert weltlicher Tyrannei, über den Leib, und das Netz falscher Lehre, über die Seelen, und kann nicht mehr, denn (wie er hier sagt, sein Mund ist voll Fluchens, Falsches und Trugs,) fluchen, das ist, bannen und verdammen, item lügen, das ist, falsche Lehre und Gottesdienst stiften; und trügen, das ist, alle Welt um Gut, Ehre, Gewalt, Leib und Seele täuschen und narren. Aber in dem Ende zeigt er den Trost, dass solcher Gräuel solle mit der Welt Ende ausgerottet werden. Er gehört aber in das andere Gebot, und in die erste Bitte, wie alle Betpsalmen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 11. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, der klagt über die Ketzer und falsche Deuter der Schrift, so die Leute vom rechten Grund des Glaubens auf ihre Berge, das ist, auf ihre hohe, große Heiligkeit der Werke führen, und spotten dazu der rechten Lehrer, und sprechen: Was sollte der Gerechte tun? Aber er tröstet zuletzt, dass Gott gewisslich drein leben werde, damit die falschen Lehrer verdammt und die rechten bleiben sollen, und dass also das Gebet, uns zum Exempel, erhört sei. Er gehört in das andere Gebot und in die erste Bitte rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 12. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, und klagt über die Menschenlehre, die immer nette Fündlein erdenken, und das Reich Gottes mit solchen Gottesdiensten allenthalben erfüllen, wie der letzte Vers klagt. Denn wo Menschenlehre einmal angehet, da ist kein Aufhören, noch Ende, noch Maß, schmeißet immer mehr und mehr, und beschweren über alle Maß die armen Gewissen, und machen, dass wenig rechter Heiligen bleiben. Dagegen tröstet er, dass Gott sein Heil, das ist, sein Wort will erwecken, welches gar getrost unter solche Strohwerke menschlicher Lehre stürmet, und die gefangene Gewissen frei machet. Wiewohl es ohne Kreuz und Marter nicht zugeht, sondern wie Silber im Feuer geläutert wird: also müssen sie auch drüber leiden, und dadurch je lauterer werden, und die Wahrheit desto klärlicher erkennen. Er gehört in das andere und dritte Gebot, und in die erste und andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 13. Psalm.
Das ist ein Betpsalm wider die Traurigkeit oder Schwermut des Geistes, welches zuweilen kommt vom Teufel selbst, zuweilen auch von Menschen, so wider uns handeln mit bösen Tücken und Praktiken, dass wir müssen betrübt werden, wenn wir solche große Bosheit wider uns sehen: aber das Gebet ist stärker denn alles Unglück; wie dieser Psalm hier ein Exempel gibt. Damit wir ja sollen getrost sein und lernen in allerlei Unfall, nicht sich bekümmern und betrüben, noch damit sich im Herzen heißen und fressen, sondern zum Gebet uns halten und Gott solches alles klagen, gewiss, dass wir erhört und endlich erlöst werden; wie St. Jakobus C. 5,13. auch sagt: Ist jemand betrübt, der bete. Er gehört in das andere Gebot, und in die erste und letzte Bitte, da wir vom Übel los zu werden bitten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 14. Psalm.
Hier ist eine Weissagung und Lehrpsalm, der lehrt, wie aller Menschen Lehren und Leben, ohne Glauben, sei vor Gott eitel Gräuel, und ihr bester Gottesdienst sei ein lauter Bauchdienst, den sie das mit mästen, und der Leute Güter fressen; aber keiner weiß noch verstehet den rechten Gottesdienst, wiewohl sie das Gesetz Gottes lehren und rühmen; ja, sie schänden und lästern das Wort Gottes, wenn man sie straft, wollen von der Zuversicht oder Glauben auf Gott nichts hören. Da muss auch mit Beten Widerstand geschehen, welches erhört sein soll, sagt der letzte Vers, und das Evangelium Christi kommen. Denn dieser Psalm straft sonderlich die Juden vor Christi Geburt, so mit dem Gesetz die Leute marterten, und verheißet oder weissaget von Christi Zukunft, da er sagte von der Hilfe aus Zion; denn aus Zion ist das Evangelium und der Geist gekommen. Er gehört in das erste und dritte Gebot, denn er preist Gottes Wort und verheißet Christum, straft auch die Heuchler und Fresslehrer oder Bauchlehrer, und ist in der ersten und anderen Bitte, da wir um Heiligung seines Namens und Mehrung seines Reichs bitten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 15. Psalm.
Hier ist ein Lehrpsalm, und lehrt das Gesetz recht verstehen, und ein recht gut Leben, und rechte gute Werke, als die Früchte des Geistes und Glaubens; nämlich, vor Gott ohne Wandel sein durch rechten Glauben, und recht Tun gegen dem Nächsten, und meiden der Gottlosen böses Wesen und ihre Heuchelei, da sie mit Gaukelwerken Gott dienen, und die rechten Werke lassen. Er gehört in das dritte Gebot, vom Sabbat, darinnen man Gottes Wort hören und lernen soll, und ist in der dritten Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 16. Psalm.
Ist eine Weissagung von Christi.
Ist leiden und Auferstehen; wie die Apostel denselbigen gewaltiglich geführt haben, Ap. Gesch. 2,25. ff. und 13,35. Und zeuget klärlich, dass er das alte Gesetz mit ihren Opfern und Gottesdienst verwerfen wolle, als eine Abgötterei rc. und ein ander heilig Volk erwählen zum schönen Erbe. Er gehört in das erste, andere und dritte Gebot; denn er Gottes neue Ehre, Werk, Wort und Dienst verkündigt, so in Christo nach dem alten Gottesdienste in die Welt kommen sollte, und ist in der ersten und anderen Bitte rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 17. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, und klagt über die falschen Lehrer und zarten Heiligen, so mit Menschenlehren und Werken vom Wort Gottes führen, und verfolgen die rechten Lehrer, hassen auch das Kreuz Christi, suchen mit ihren Lehren und Werken, wie sie hier nur auf Erden Gut, Ehre und Friede haben mögen, und ja nicht leiden noch mangeln dürfen. Er gehört in das andere und dritte Gebot, und in die erste Bitte, dass sein Wort und Name geheiligt werde.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 18. Psalm.
Dies ist ein Dankpsalm, darinnen David Gott dankt, (wie der Titel anzeigt,) dass er von allen seinen Feinden erlöst ist. Und teile ihn in vier Teile, nach seinen vielerlei Feinden, als Saul, die Heiden, Absalom und die Anführer. Vorher, in den ersten sechs Versen, erzählt er, wie ihm sei so wehe gewesen in seinen Nöten, daraus ihm Gott geholfen habe: darauf, im siebten Vers, führt er das Exempel ein, (nach der Propheten Weise) wie Gott pflegt zu helfen, als er in Ägypten getan hat. Danach, im sechzehnten Vers, fähet7) er an vom ersten Feinde, nämlich Saul, der ihm viel Leides tat um Gottes Worts willen, dass er zum König erwählt war. Im sechsundzwanzigsten Vers lobt er Gott, der anderen Feinde halben, als, des hoffärtigen Goliaths, Philister, Amalech und anderer Heiden. Im vierunddreißigsten rührt er den dritten Feind, seinen Sohn Absalom, mit seinem Anhang. Und zuletzt, im zweiundvierzigsten Vers, dankt er wider die Ungehorsamen und Aufrührer, als Juda und fast das ganze Israel war (2 Sam. 20.1.2.); denn er hatte viel neidischer und hässiger Untertanen, dass auch die fremden Heiden (wie er hier sagt,) gehorsamer waren, denn sein eigenes Volk. Also mag ein jeglicher diesen Psalm zum Exempel brauchen, Gott zu danken für die Hilfe, wenn ihn Gott errettet hat aus seinen Nöten. Wer es aber geistlich deuten will, mag aus David Christum machen, aus Saul die Juden, aus den Heiden die Tyrannen, aus Absalom die Ketzer, aus den Ungehorsamen die falschen Christen, aus welchen allen Christus und die Seinen endlich doch erlöst werden. Er gehört in das andere Gebot und in die erste Bitte; denn er dankt Gott und preist seinen heiligen Namen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 19. Psalm.
Dies ist eine Weissagung vom Evangelio, wie das sollte ausgeben in alle Welt, so weit der Himmel ist, und alle Tage und Nächte getrieben werden; dazu nicht allein in der jüdischen, sondern in allen Sprachen. Gleichwie die Sonne (die er zum Gleichnis einführt) an alle Orte scheint, und wärmet um und um: ebenso solle auch das neue Gesetz des Evangelii leuchten, alles allerlei lehren, erleuchten, trösten, reinigen rc. Und damit bebt er zugleich auf das alte Gesetz, welches nicht so rein, helle, lieblich und unvergänglich war rc. Er gehört in das dritte Gebot; denn er den rechten Sabbat verkündigt, darinnen Gottes Wort sollte gelehrt und geglaubt werden.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 20. Psalm.
Es ist ein Betpsalm, und betet eigentlich für Kaiser, Könige, Fürsten, Herren und alle, so in weltlicher Obrigkeit sitzen, dass ihnen Gott wollte Gnade verleihen, friedlich und wohl zu regieren, und Glück und Sieg haben wider ihre Feinde. Denn, wo gut weltlich Regiment stünde in der Fürsten und Herren Vernunft und Macht, dürfte man nicht so ernstlich und herzlich für sie bitten: dass man aber so muss für sie bitten, zeigt an, dass es die größten Narren und gar blind sind, die sich vermessen, Land und Leute aus ihrem eigenen Kopf zu regieren. Er gehört in das andere Gebot, wie alle Betpsalmen; denn da ruft man Gottes Namen an, und ist in der dritten Bitte, dass Gottes Wille und nicht des Teufels geschehen solle.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 21. Psalm.
Oft eine Weissagung von Christi Königreich, das da ewiglich und geistlich vor Gott sein sollte und bleiben: daneben auch verkündigt, dass der Juden Reich verstört sollte werden, darum, dass sie solchem Willen Gottes widerstrebten, und den König kreuzigten. Daher sie nun zur Schultern sind gemacht, die immer leiden, und nichts damit gewinnen. Er gehört in das erste Gebot, und in die andere Bitte; denn er einen neuen Gottesdienst und Reich verkündigt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 22. Psalm.
Dies ist eine Weissagung vom Leiden, Auferstehen Christi, und vom Evangelio, das die ganze Welt sollte hören und annehmen, und vor aller anderen Schrift, deutet er klärlich Christi Marter am Kreuz, wie ihm Hände und Füße durchgraben, und seine Glieder gereckt sind, dass man sie hätte mögen zählen. Solches gleichen findet man so klar nirgend in anderen Propheten, und ist auch der Hauptpsalmen einer. Er gehört in das erste Gebot; denn er neuen Gottesdienst verkündigt, und ist in der ersten und anderen Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 23. Psalm.
Hier ist ein Dankpsalm, darinnen ein christlich Herz Gott lobt und dankt, dass er ihn lehrt und erhält auf rechtem Wege, und tröstet und schützt in aller Not durch sein heiliges Wort, und vergleicht sich einem Schaf, das ein treuer Hirte wohl weidet in frischem Gras und am kühlen Wasser. Item: zeucht den Tisch, Kelch und Öl auch zur Gleichnis aus dem alten Testament und Gottesdienst, und heißt es alles Gottes Wort; wie er es auch Stecken, Stab, Gras, Wasser und rechten Weg heißt. Er gehört in das dritte Gebot, und in die andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 24. Psalm.
Hier ist eine Weissagung vom Reich Christi, in aller Welt zukünftig, und vermahnt die Pforten der Welt, das ist, Könige und Fürsten, dass sie sollen dem Reich Christi Raum geben; denn sie sind es, die am meisten dawider toben sprechen, wer ist dieser König der Ehren? Als sollten sie sagen: Der Bettler, ja, der Schächer, sollte der ein König sein, und wir sollten ihm weiden und gehorchen? wir wollen es nicht tun, rc. Also verkündigt er neben mit, das Gottes Wort müsse verdammt und verfolgt sein. Er gehört in das erste Gebot, und wohl in alle drei Gebote und Bitten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 25. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, darinnen bittet der Gerechte, dass ihn Gott wollte fromm machen, alle Sünden vergeben, und für Sünden und Schanden behüten, und auch von allen Feinden und Übeln endlich erlösen. Und sticht auch daneben auf die falschen sichern Geister und Lehrer. Er gehört in das andere Gebot, und in die andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 26. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm, und klagt über die falschen Heiligen, die durchs Gesetzes Werk fromm sein wollen, und die Heiligen, so allein durch Gottes Güte und Gnade fromm werden, verachten; und schuldigt sie daneben, dass sie gerne Geschenke nehmen. Denn solche Heiligen sind gewisslich alle eitel Geizhalle, und ihr Bauch ist ihr Gott, wie St. Paulus (Phil. 3,19.) sagt; sie sind aber schädlich mit ihrem geistlichen Gleißen und weltlicher Ehre, darum ist wohl zu bitten, dass sie uns nicht betrügen. Er gehört in das dritte Gebot, und in die erste und andere Bitte, denn er von Gottes Dienst und Reich redet.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 27. Psalm.
Hier ist ein Dankpsalm, doch daneben auch viel betet und tröstet wider die falschen Lehrer, welche er nennt falsche Zeugen, die ohne alle Scheu freveln. Denn es sind gar tolle kühne Heiligen, zeugen gar sicher und frech von Gott, des sie doch keinen Befehl haben; wie wir täglich sehen, dass, je toller und ungelehrter die Leute sind, je kühner und frecher sie sind zu predigen, und lehren alle Welt; und niemand kann etwas, sie allein wissen alles; richten auch wohl Krieg und Aufruhr an, wider die rechten Heiligen und Gottesfürchtigen. Er gehört in das erste und andere Gebot, und in die erste und andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 28. Psalm.
Ist ein Betpsalm, welchen David zu seiner Zeit mag wider Saul und dergleichen gebetet haben, sonderlich wider die Untugend, da sie ihm gute Worte zuweilen gaben, und sich freundlich stellten, und ihm doch nach dem Leben stunden; wie hernach Absalom auch tat, und Joab gegen Amasa und Abner: dass sich David besorgte, Gott möchte es ihm zurechnen, und darum betete, dass er ihn nicht mit hinraffe mit den Gottlosen. Wir mögen ihn beten, beide wider Tyrannen und Rottengeister. Denn die Tyrannen stellen sich freundlich, und praktizieren doch täglich, wie sie morden und schaden wollen. Die Rottengeister rühmen Gottes Ehre, Wort und Dienst, aus der Maßen hoch, wollen aller Welt helfen, und sind trefflich demütig: aber suchen gleichwohl Verderbung der Seelen, und sind die reißenden Wölfe unter den Schafskleidern. Er gehört in das andere und dritte Gebot, und in die erste und andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 29. Psalm.
Hier ist eine Weissagung von dem Evangelio, wie das sollte in aller Welt mit Gewalt erschallen, und aller Könige, Fürsten, Herren, Völker, Weisheit, Heiligkeit und Ruhm zu Schanden machen, und allein Christus sollte der einige König sein, dem man mit rechter Weisheit und Heiligkeit dienen und ehren müsste: dazu er auch die Sintflut der Taufe anrichtet, darinnen der alte Adam ersäuft und der neue Mensch ersteht. Die Wüsten, die Wälder, die Hinden, heißt er die Länder in der Welt, so unter Juden und Heiden waren, die hat er alle geöffnet, und zum Evangelio bekehrt. Er gehört in das dritte Gebot, und in die andere Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 30. Psalm.
Das ist ein Dankpsalm, darinnen er danket, dass Gott ihn von der hohen geistlichen Anfechtung des Teufels erlöst, welche ist Traurigkeit, Schwermut, Erschrecken, Verzagen, Zweifeln, Todesnot, und dergleichen vergifte feurige Pfeile des Teufels: und tröstet daneben zumal sein, wie dass Gott einen Augenblick zürne und nicht Lust noch Willen hat an unserm Tod noch Trübsal, sondern lieber uns lebendig und fröhlich sieht, rc. Er gehört in das dritte Gebot, und in die erste Bitte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 31. Psalm.
Es ist ein gemeiner Dankpsalm, Betpsalm und Trostpsalm unter einander, und wird in der Person Christi und seiner Heiligen gesprochen, welche ihr Lebenlang, inwendig mit Zagen und Schrecken, auswendig mit Verfolgung, Lästerung und Verachtung um des Wortes Gottes Willen, geplagt sind, und doch von Gott aus dem allen erlöst und getröstet werden. Er gehört in das andere und dritte Gebot, und in die erste und dritte Bitte.
Und hier wollen wir aufhören mit Anzeigen, in welch Gebot und Bitte ein jeglicher Psalm gehört; denn aus denselbigen hat man Exempel genug, daran ein jeglicher hinfort selbst mag leichtlich erkennen, wohin ein jeglicher Psalm gehört. Als, die Betpsalmen gehören in das andere Gebot, und in die erste Bitte; denn sie ehren und rufen an Gottes Namen. Die Lehrpsalmen, Trostpsalmen, Dankpsalmen gehören alle in das dritte Gebot und auch wohl in das andere, und in die erste und dritte Bitte; denn sie heiligen den rechten Sabbat mit rechtem Opfer und Gottesdienst. Und oft gehören viel Psalmen in alle drei Gebote und Bitten. Wir aber haben solches angezeigt, dass wir lernen sollen, die Gebote Gottes und Vater Unser wohl üben und verstehen, wenn wir sehen, wie die lieben Heiligen und Propheten so reichlich und mannichfältig haben geredet und getrieben die ersten drei Gebote und Bitten, und immer aufs neue davon gehandelt, und doch nichts Neues gelehrt, und aus den Tafeln Mosis und Vater Unser nicht geschritten sind; dass man greifen muss, wie alle Schrift und heiliges Leben der Propheten aus den Geboten Gottes geflossen sind, und auch darinnen blieben, und gar keine neue andere Lehre aufbringen; wie die falschen Geister und Menschenlehrer tun, wider welche sie am härtesten klagen und auch streiten, und wollen die Leute bei den Gebote und Worte Gottes lauter und rein behalten, und den Nebenlehrern und anderen neuen Beiwegen allezeit wehren.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 32. Psalm.
Ist ein ausbündiger Lehrpsalm, der uns lehrt, was Sünde sei, wie man derselbigen los werde, und vor Gott gerecht sein möge. Denn die Vernunft weiß nicht, was Sünde sei, und meint, mit Werken dafür genug zu tun; aber hier sagt er, dass auch alle Heiligen Sünder sind, und nicht anders heilig noch selig sein können, denn dass sie sich vor Gott für Sünder erkennen, und wissen, dass sie ohne Verdienst und Werk, allein aus Gnaden, gerecht von Gott geachtet werden. Summa, unsere Gerechtigkeit heißt auf deutsch, Vergebung der Sünde, oder, wie er hier sagt, Sünde nicht zurechnen, Sünde bedecken, Sünde nicht sehen wollen. Da stehen die hellen dürren Worte, dass alle Heiligen sind Sünder, leben und bleiben Sünder; aber davon sind sie heilig, dass Gott aus Gnaden solche Sünde nicht ansehen noch rächen, sondern vergessen, vergeben und bedeckt haben will. Dass also kein Unterschied zwischen Heiligen und Unheiligen sei, sie sind alle gleich Sünder, und sündigen alle täglich; ohne dass derer Heiligen Sünde nicht gerechnet, sondern zugedeckt, der Unheiligen aber gerechnet und aufgedeckt stehen. Jener Wunden haben Pflaster, und sind verbunden; aber dieser stehen offen, und sind unverbunden. Dennoch sind sie beiderseits wahrhaftig wund, wahrhaftig Sünder, davon wir in unsern Büchern anderswo reichlich gezeigt haben.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 33. Psalm.
Hier ist ein Dankpsalm, der insgemein Gott dankt für die Wohltat, dass er seinen Gläubigen hilft in aller Not, und sie nicht lässt stecken. Denn er kann helfen, sintemal er alles schafft mit einem Wort, als dem nichts unmöglich ist: So ist er auch gütig und treu, dass er helfen will, und gerne hilft; wie er verheißen hat im ersten Gebot: Ich will dein Gott sein, das ist, ich will dein Trost, Hilfe, Heil, Leben und alles Gutes sein, wider alles, das dir böse sein will; denn das heißt, Gott sein. Insonderheit aber dankt und rühmt er die gewaltige Wohltat Gottes, dass er aller Welt, auch der Könige, Fürsten rc. Herzen, Gedanken, Fürnehmen, Zürnen und Toben, lenkt, nicht wie sie wollen, sondern wie er will, und macht auch ihre Anschläge endlich zunichte, das sie nicht ausführen können, was sie gerne wollten; und was sie vorhaben, wider die Gerechten zu tun, das kehret er stracks um, und macht sie zu Schanden. Welches ist eine sonderliche Freude und Trost seiner Heiligen, wider das hochmütige und unmäßige Dräuen, Trotzen und Pochen der zornigen Junkherrn und wütigen Tyrannen, die da meinen, sie wollen wohl allein mit Dräuen alle Heiligen Gottes auffressen, und Gott selbst vom Himmel stürzen. Aber ehe sie es zur Hälfte bringen, so liegen sie im Kot. Siebe an die Sodomiter wider Lot, den König Sennacherib, und jetzt unsere Tyrannen, wie gar unzählig viel Anschläge sie bisher haben verloren.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 34. Psalm.
Ist auch ein Dankpsalm, fast desselbigen Schlages mit dem nächsten, und zeucht, (wie der Titel und nächste Vers meldet) die Geschichte Davids ein, zum gemeinen Exempel für alle Gerechte, dass sie an ihm lernen sollen, wie Gott seiner Heiligen Rufen nicht verachtet. Er lehrt auch daneben, wie wir sollen Gott fürchten, und sonst niemand: danach auch, uns hüten vor falscher Lehre, vor Fluchen, Murren und Lästern, sondern sollen Geduld haben, und die Feinde vielmehr segnen, denn fluchen; ihnen alles Gutes wünschen und tun, für das Böse; und also friedlich leben mit allen Leuten, (so viel an uns liegt,) sie sein böse oder fromm. Denn es ist beschlossen (spricht er), dass der Gerechte muss viel leiden: da wird nichts anders aus, willst du gerecht sein, so schicke dich auch zum Kreuz und Leiden; so muss es sein. Aber wiederum ist auch beschlossen, dass der Herr aus dem allen hilft, (spricht er,) also treulich, dass auch nicht ein Beinlein verloren noch ausbleiben muss, ja, auch die Haare auf dem Haupt sind alle gezählt. (Matth. 10,30.) Denn ob wohl der Heiligen Gebeine viel in der Marter zerbrochen sind, etliche auch zu Aschen verbrannt, viel auch in den Gräbern verwesen, so doch müssen sie wieder kommen, und nicht ewiglich zerbrochen sein oder heißen; sondern eine Zeit zerbrochen werden, und hernach alle wieder ganz und schöner werden, denn sie gewesen sind. Und merke, dass dies der erste Psalm ist, der von den Engeln sagt, wie sie derer Gerechten pflegen und warten, dass sie nicht schlecht bei und um uns sind, sondern wie ein Heer und gerüstete Krieger sich um uns lagern (spricht er), ihr Gezelt aufschlagen, wachen und streiten für uns, wider den Teufel und seine Glieder. Welches ein großer herrlicher Trost ist, allen, die es glauben; wie der Prophet Eli aus diesen Vers hernach mit seinem Exempel wahr und klar macht, 2 Kön. 6,17. Aber dieser Vers ist genommen aus dem 32. Kapitel des 1. B. Mosis V. 2. da die Engel dem Erzvater Jakob begegneten, davon er die Stätte nennte, Heer oder Lager; denn sie waren seine Geleitsleute, und lagerten sich um ihn her zum Schutz; wie hier der Psalm sagt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 35. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, darinnen David klagt wider und über das schändliche Volk, die zu Hofe den grauen Rock verdienen, nämlich, die Heuchler, so um ihres Genusses und Nutzens willen heucheln, und reden was die Herren gerne hören, verunglimpfen die Unschuldigen, verhetzen die Herren, und verbittern sie aufs heftigste, verdrücken aber die Wahrheit, und haben also das Herzleid auszurichten; gleichwie David geschah bei seinem König Saul, auch durch die, denen er alles Gutes getan hatte, und um ihr Übel sich oft hoch bekümmerte; wie er hier anzeigt. Solches mögen wir jetzt zum Exempel brauchen zu unsrer Zeit, da man unser Evangelium bei den Fürsten und allenthalben so schändlich verunglimpft, mit ungeschwungenen Lügen, dass es überaus ist, beide in Büchern und Predigten. Und tun es wohl die am meisten, an denen wir billig alle Ehre und liebe verdient haben, auf dass sie zu Ehren und hoch kommen, wir aber unterliegen und zu Boden gehen. Solcher schändlicher, undankbarer, böser Unflat ist der leidige Bauch mit seinen Dienern. Summa, es geht, (wie Christus von seinem Verräter sagt, der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen; und tut es dazu um dreißig Silberlinge. Das sind die Heuchler, so um Fressens willen die Gerechten auffressen; wie er hier klagt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 36. Psalm.
Das ist ein Lehrpsalm, der warnt und lehrt, uns zu hüten vor den falschen Lehrern, Ketzern und Rottengeistern, dafür er auch bittet am Ende, und mitten im Psalm daneben tröstet, dass dennoch Gottes Wort und Reich durch ihre Rotterei nicht solle umgestoßen, sondern in aller Welt fest stehen bleiben, wie die Berge, so Gott selbst setzt, und wie die tiefen Abgründe, die unerschöpflich sind, und solle doch im Haus Gottes bleiben das lebendige und trostreiche Wort. Er malt sie aber fast meisterlich, spricht: Es sind böse, giftige Leute, die erstlich Gottes Wort ganz verächtlich halten, und gar keine Scheu vor Gott haben, sind stolz, frech und sicher, zu lehren was sie gut dünkt. Zum anderen, loben und rühmen sie nichts, denn sich selbst, alle andere Lehrer schänden und verunglimpfen sie aufs bitterste; und in dem Stück sind sie Meister, schmücken sich selbst allein, und muss sonst nirgend sein Geist, kein Gott, keine Kirche sein. Zum dritten, ist ihre Lehre schädlich und eitel Lügen; denn sie wider den Glauben und Lehre von der Gnade streiten, und betrügen die Leute mit ihrem falschen Schein und lügen. Zum vierten, sind sie steif und halsstarrig, leiden keine Unterweisung noch Vermahnung; härter denn kein Ambos ist ihr Kopf. Ja, wenn sie fühlen, dass man sie strafen und nicht loben will, so entbrennen sie, und werden wütig, wie der Teufel. Zum fünften, fahren sie immer fort, und nehmen zu, breiten ihr Ding aus und wachsen, wie der Krebs (spricht St. Paulus 2 Tim. 2,17.). Denn sie treiben ihr Ding zehnmal heftiger und fleißiger, weder die reinen Lehrer tun, als wollten sie alles gerne in einem Tag umkehren; und ist da kein Feiern noch Aufhören. Zum letzten, verfolgen und plagen sie, wo sie nur können, alle, die es nicht wollen mit ihnen halten; und tun solches Übel (sagt er) ohne Scheu, mit aller Sicherheit, als täten sie Gott einen Dienst daran.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 37. Psalm.
Das ist ein Trostpsalm, der uns lehrt und vermahnt, Geduld zu haben in der Welt, und warnt uns sonderlich wider den Neid; denn es ist ja zumal ärgerlich, und tut Schwachgläubigen weh, wenn es den Gottlosen so wohl geht, und den Gottesfürchtigen alles widersinnig ist. Es ist eine geistliche große Tugend, wenn einer sieht den großen Mutwillen, so Bauer, Bürger, Adel, Fürsten, und jedermann, der etwas vermag, übt, dass er nicht soll fluchen und wünschen im Herzen, dies und jenes; sondern muss dazu noch leiden, und sehen, dass ihnen alles glücklich ausgeht, ungestraft bleiben, ia, gelobt und geehrt werden; über das auch die Gottesfürchtigen von ihnen so jämmerlich verachtet, gehasst, geneidet, gehindert, geplagt und verfolgt werden. Das heißt: Hier lerne Geduld haben, hier halte dein Herz zu Gott, und lass dichs nicht verdrießen: lass dich den Neid nicht bewegen zu fluchen, Böses wünschen, murren und schellig sehen: lass immer gehen, besieht es Gott, der wird sie wohl finden. Das lehrt dieser Psalm, und tröstet mit allerlei Weise, mit reichem Verheißen, mit Exempeln, mit Dräuen; denn es ist eine schwere große Kunst, solche Geduld zu erzeigen, so doch die Vernunft und alle Heiden solchen Neid für Tugend rechnen. Denn es sieht, als sei es billig, neiden und vergönnen denen Gottlosen ihren Mutwillen, Glück und Reichtum.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 38. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, darinnen er klagt über seine Sünden, die ihm sein Gewissen verzagt und betrübt machen, und nichts, denn Gottes Pfeile, das ist, Zorn, Dränen, Tod und Hölle sehen lassen: welche Traurigkeit verzehret Mark, Beine, Kraft und Saft, und verstellt Gesicht, Farbe, alle Sinne und Gebärde. Denn recht Sünde fühlen, und vor bösem Gewissen verzagen, ist Marter über alle Marter. Dazu helfen getrost die äußerliche Verfolger: denn sie jagen den Menschen ins Gewissen, rühmen, wie Gott bei ihnen stehe, wider die Gerechten: und weil denn Gott hier den Trost verzeucht, muss solch Schrecken folgen im Herzen, als zürne Gott wider sie um ihrer Sünde willen. Aber doch lehrt er fest halten, und nicht verzweifeln, und wehrt sich mit Beten wider ihr Rühmen, und erhebt sich in Gottes Verheißung, und ergreift seine Sache bei dem rechten Hefte; nämlich, dass sie göttlich und recht sei vor Gott; da folgt denn wieder Trost im Glauben, rc. Also sollen wir auch beten, und in keiner Angst verzweifeln, ob wir gleich Sünder sind, und der Sünden Last und Sturm heftiglich fühlen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 39. Psalm.
Ist ein Trostpsalm, und betet auch daneben, dass ihn Gott nicht lasse murren und ungeduldig werden über die Gottlosen, die so sicher leben und Güter sammeln, als würden sie nicht sterben, dagegen aber die Frommen immer geplagt und um ihre Sünde gestraft werden: und begehrt viel lieber, dass ihm Gott verleihe, zu denken, wie kurz und unsicher dies Leben sei, denn dass er mit den Gottlosen so sicher, ohne Sorge des Todes geizen und prangen sollte. Denn es ein groß Ärgernis ist, und viel Herzen beweget, dass die Bösen im Saus und so sicher leben, und die Frommen betrübt und elend sein müssen. Aber am Ende findet sich, wie das allerbeste sei, Vergebung der Sünden, und einen gnädigen Gott haben, der aus allem Elend hilft; wie er hier sagt und bittet.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 40. Psalm.
Das ist ein schöner Betpsalm, darinnen Christus selbst sein Leiden klagt, und um Hilfe ruft vom Tod. Er weissagt auch klärlich, dass er allein Gottes Willen tue, und das Gesetz erfülle, und solches von ihm geschrieben sei im Buch Mosis; und verwirft und hebt auf das alte Gesetz mit seinen Opfern und Heiligkeit, als damit Gottes Wille nicht erfüllt sei; und nicht unser Werk und Opfer, sondern er selbst und alleine müsse es für uns alle tun. Verheißt also und stiftet das Neue Testament, dass da Gerechtigkeit des Glaubens in großer Gemeine, das ist, in aller Welt soll gepredigt werden, und nicht die Gerechtigkeit der Opfer, oder unserer Werke, welche (spricht er im vierten Vers) nur hoffärtige und falsche Heiligen machen, als die ihre Hoffnung nicht auf Gott, noch auf seine Gnade setzen, sondern auf ihre Lügen und falsche Heiligkeit.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 41. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, darinnen Christus selbst weissagt und klagt über seinen Verräter Judas, mit seinen Gesellen, von denen er gekreuzigt sollte werden, und bittet, dass er vom Tod auferweckt, und vor Gottes Angesicht zur rechten Hand erhöht werde. Aber aus der Maßen ist es tröstlich, dass er sich zum Sünder macht im vierten Vers, so er doch ohne alle Sünde war; denn er steht und redet da in unserer Person und trägt unsre Sünden, als wären sie sein, und als hätte er sie selbst getan. Er preist aber vorne her selig, die, so sich des Elenden annehmen, das ist, die sich am elenden gekreuzigten Sünder Jesu Christo nicht ärgern, sondern fest an ihn bleiben. Denn es ärgerlich ist, zu glauben, dass solcher armer verdammter Sünder sollte so hoch kommen, dass er auch zur Rechten Gottes sitzen müsste: daran sich das ganze Judentum also zerstoßen hat, dass sie noch da liegen zerrissen und zerstreut, oder, wie er im zehnten Vers sagt, von ihm wieder bezahlt sind.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 42. Psalm.
Ist ein Betpsalm, darinnen er klagt über die Traurigkeit des Herzens, als zürne Gott mit ihm und plage ihn, und muss dazu von den Gottlosen gespottet werden: wo ist nun dein Gott? Denn die Gottlosen können es nicht lassen, wenn sie sehen, dass es den Frommen übel geht, so müssen sie dazu pfeifen, lachen und spotten. Ach wie recht geschieht dem, sagen sie, so soll es gehen den Ketzern; und meinen nicht anders, denn wer geplagt wird, das sei ein gewiss Zeichen göttliches Zorns; aber wenn sie geplagt werden, so muss es heißen, um Gottes willen leiden, und heilige Märtyrer werden. Die verkehrten, blinden und giftigen Blindenleiter wollen nicht wissen, dass Gott die Seinen stäupt, doch wiederum auch tröstet und nicht verlässt. Er begehrt aber zum Haus Gottes zu kommen, und von dem Angesicht Gottes Trost zu haben; das ist, er wollte gerne Gottes Wort hören, das ihn tröstet. Denn Gottes Haus heißt, da Gottes Wort ist, und sein Angesicht ist seine Gegenwärtigkeit, da er sich zu erkennen gibt, und durch sein Wort seine Gnade offenbart. Das heißt anderswo in der Schrift, nicht den Rücken, sondern das Angesicht zu uns kehren.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 43. Psalm.
Ist eben des vorigen Psalms Schlag, und fast einerlei Wort mit ihm; denn er will auch durchs Licht und Wahrheit zum Haus Gottes gehen, mit Gottes Wort sich trösten lassen in seiner Traurigkeit.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 44. Psalm.
Dies ist ein gemeiner Betpsalm, darinnen alle Heiligen, sonderlich im neuen Testament, klagen, wie sie von Heiden und Tyrannen verfolgt und erwürgt werden, und Gott sie dahin gibt, als hätte er sie verworfen; so er doch vorzeiten durch große Wunder ihnen geholfen hat zu dem, dass sie keine böse Sache haben; ja, eben um ihrer guten Sache, das ist, um Gottes willen, werden sie also verfolgt, als hätten sie alles Übels getan. Summa, es ist des Geistes Seufzen wider das Fleisch, welches murrt wider Gott, dass er so gar unrecht urteilt und übel regiert; (nach der Vernunft,) lässt die Frommen leiden, denen er helfen sollte, und erhöht die Bösen, die er strafen sollte, rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 45. Psalm.
Ist eine Weissagung vom Evangelio und Königreich Christi, mit herrlichen, prächtigen und gewaltigen Worten geschmückt. Denn er malt Christum daher als einen König, mit aller königlichen Pracht geziert, dass er sehr schön sei, wohlberedt, wohl geschmückt, wohl gerüstet, glückselig im Krieg, gerecht, sanft, gnädig. Item, habe schöne Schlösser, herrliche Frauenzimmer, eine schöne Königin, und Kinder, ewiglich. Welches alles eitel Geist ist, von Christi Evangelio, Geist, Gaben, Kirchen und ewigem Leben, vom Sieg wider die Sünde, Tod, Gesetz, Teufel, Fleisch, Welt und alles Übel, rc. Er verkündigt aber auch klärlich, wie das Alte Testament sollte aufhören; denn er heißt die Tochter vergessen ihres Vaters Haus und Volk (das ist, die Synagoga), und diesen König anbeten für einen Gott, dass außer ihm kein anderer Gott sei. Gibt ihm also die Ehre des ersten Gebots, nämlich, das Anbeten, und nennt ihn deutlich, den rechten Gott, im sechsten und siebten Vers; macht einen ewigen König aus ihm, der in Gerechtigkeit regiere, und die Sünde wegnehme: ewiger König aber muss Gott selbst sein, davon jetzt nicht Zeit ist weiter zu reden.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 46. Psalm.
Das ist ein Dankpsalm, zu der Zeit vom Volk Israel gesungen, für die Wundertaten Gottes, dass er die Stadt Jerusalem, da seine Wohnung war, schützte und bewahrte, wider aller Könige und Heiden Wüten und Toben, und Friede erhielte wider alle Kriege und Waffen. Und nennt, nach der Schrift Weise, das Wesen der Stadt ein Brünnlein, als ein kleines Wässerlein, das nicht versiegen soll, gegen die großen Wasser, Seen und Meer der Heiden, das ist, große Königreiche, Fürstentümer und Herrschaften, die versiegen und vergehen mussten. Wir aber singen ihn Gott zu Lob, dass er bei uns ist, und sein Wort und die Christenheit wunderbar erhält wider die höllischen Pforten, wider das Wüten aller Teufel und Rottengeister, der Welt, des Fleisches, der Sünden, des Todes rc. Dass unser Brünnlein auch bleibt eine lebendige Quelle, da jene Sümpfe, Tümpfel8) und Kölke9) faul und stinkend werden, und versiegen müssen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 47. Psalm.
Das ist eine Weissagung von Christo, wie er sollte auffahren, und ein König werden über alle Welt, ohne alle Schwertschläge, allein durch Jauchzen, Singen und Posaunen, das ist, durch die fröhliche Predigt des Evangelii: gleichwie die Mauern zu Jericho fielen durch Posaunen und Jauchzen, ohne alle Waffen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 48. Psalm.
Ist ein Dankpsalm, fast gleich dem sieben und vierzigsten Psalm; denn er auch Gott lobt für die Stadt Jerusalem, von Gott wider Könige und Fürsten geschützt und verteidigt, welche mit Schanden haben müssen abziehen, und den Tempel und Gottesdienst, und sein Wort (oder Rechte) lassen stehen, damit er seine Verheißung gehalten hat, (wie der achte Vers singt,) nämlich, dass er wolle ihr Gott sein, nach dem ersten Gebot. Wie wir es gehört haben, (spricht er,) und geglaubt, also sehen und erfahren wir es an der Stadt mit der Tat. Wir singen ihn auch für die Christenheit und Evangelium, zu erhalten wider das Toben der Könige und Fürsten, welche auch zuletzt müssen mit Schanden abziehen, und das Wort stehen lassen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 49. Psalm.
Ist ein Lehrpsalm, wider den großen Gott der Welt, der da heißt, Mammon, und straft die als große Narren, so auf Reichtum trotzen, und nicht sehen, dass sie doch damit sich vom Tod nicht können retten. Darum es ja besser ist, auf Gott sich verlassen, der vom Tod erlöst, und ewiges Leben gibt, da jene, wie das Vieh, hinsterben, und alles hinter sich lassen müssen, und nicht wissen, wer es kriegt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 50. Psalm.
Das ist ein Lehrpsalm, und verklärt, welches der rechte Gottesdienst und Opfer sind wider die falschen Heiligen, welche ihre Opfer und Verdienst so köstlich achten, als müsste Gott ihnen dafür danken und schuldig sein; so er doch das umkehrt, und will seine Wohltat und Hilfe so köstlich geachtet haben, dass man ihm danken und schuldig sein solle. Und merke hier wohl, dass dieser Psalm mit hellen Worten schleußt und lehrt, dass Gott in Nöten anrufen und danken, sei der rechte Gottesdienst, das liebste Opfer, und der richtige Weg zur Seligkeit; wie der letzte Vers singt. Item, dass es heiße, Gelübde bezahlen, (im vierzehnten Vers,) nicht die tollen selbst erwählten Gelübde, sondern die geboten sind in den zehn Geboten, sonderlich im ersten und anderen, da wir Gott geloben, dass wir an ihn glauben, ihn anrufen, loben und danken wollen, als unsern einigen Gott, rc. Davon wissen die tollen Heiligen und falschen Gleisner nichts.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 51. Psalm.
Ist der fürnehmsten Lehrpsalmen einer, darinnen David uns recht lehrt, was Sünde sei, wo sie herkomme, was sie schadet, wie man ihr los wird. Denn in diesem Psalm, und sonst nirgend, wird die Sünde so klar angezeigt, dass sie ein Erbfall und uns angeboren sei; darwider kein Wert, sondern alleine Gottes Gnade und Vergebung hilft. Er muss uns durch seinen Geist wieder neu schaffen, und zum neuen Wesen und Kreatur gebären, sonst ist sie so mächtig, dass sie auch die Gebeine (spricht er,) zuschmettert, mit Schrecken, Verzagen, bis uns seine Gnade zu Trost komme. Danach, wenn wir aus Gnaden und Geist wiederum neu worden sind, alsdenn kann man recht lehren, loben, danken, predigen, ja, auch leiden und Kreuz tragen, welches alles er auch die rechten Opfer und Gottesdienst nennt, und verwirft die anderen Opfer alle, so ohne solche Opfer von den tollen Heiligen geschehen; und bittet am Ende, dass er zu solchem Opfer und Gottesdienst die Stadt Jerusalem bauen und erhalten wolle.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 52. Psalm.
Das ist ein Trostpsalm, und der Titel zeigt genug an, wovon er rede, nämlich, vom Doeg, der David verriet, und viel unschuldig Blut vergoss, 1 Sam. 22,9.18. Das sind die Verräter und Bluthunde, die zu Hofe Gottes Wort lästern, und seine Diener verunglimpfen, hetzen Könige und Fürsten, unschuldig Blut zu vergießen, rc. Wider welche Bösewichter tröstet dieser Psalm, und verkündigt ihnen ihren Lohn, dass sie sollen von Leib, Gut, Haus und Land kommen; aber dennoch sollen die Frommen bleiben, und Gottes Haus und Wort behalten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 53. Psalm.
Es ist ein Lehrpsalmen und Weissagung, wie der 14. Psalm; denn sie beide fast einerlei Weise und Worte haben. Summa, sie strafen alle beide die glaublosen Werkheiligen, so da verfolgen die rechte Lehre und Lehrer, und am Ende verkündigt er das Evangelium und Reich, Christi, so aus Zion kommen sollte.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 54. Psalm.
Das ist ein Betpsalm wider die Verfolger, so denen Frommen nach dem Leben stehen, um Gottes Worts willen; wie Saul und die zu Siph David nach dem Leben trachteten, um Gottes Worts willen, damit er zum König berufen und geweiht war. Und bittet um Hilfe und Rache über seine Feinde.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 55. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm; und wiewohl er möchte in der Person Christi geredet werden, wider seinen Verräter Juda, (im 12. und 13. Vers;) so lass ich ihn doch bleiben ein gemein Gebet wider die welsche Kunst: das sind die bösen Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen. Vor Augen sind sie so treue Freunde, Vetter, Brüder, Schwestern, wollen Leib und Leben bei uns setzen, dass wohl ihr Mund glätter ist, denn Butter und Öl: aber hinterwärts ist es eitel Mord, Schwert, Krieg, und alles Verderben; wie er hie sagt. Und das ist es, dass er im 12. Vers klagt, dass sie können mit zu Tische, zur Kirche, in die Kammern, auf der Gassen geben, und die besten Gesellen sein: darum flucht er ihnen auch, dass sie der Teufel oder Tod und Hölle wegführe; denn sie groß Herzeleid und betrübte Leute machen. Solcher Fluch aber ist eine Weissagung, dass es gewisslich ihnen so geben wird, weil sie keine Besserung annehmen; oder, wie der 19. Vers sagt, sie werden nicht anders, und fürchten Gott nicht.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 56. Psalm.
Ist ein Betpsalm, darinnen David klagt über Saul und die Seinen, dass er vor ihnen fliehen musste aus dem Lande zu den Philistern; so harte stunden sie ihm nach, dass er nirgend sicher konnte sein. Er tröstet sich aber, dass er Gottes Wort und Verheissung, und Recht zum Königreich hätte, wiewohl sie es täglich anfochten und verkehrten, oder auch verleugneten, dass er nicht sollte König sein, sondern Saul und seine Erben. Wir mögen ihn beten wider unsere Tyrannen, die ohne Aufhören Gottes Wort und uns verfolgen, und nirgend keinen Friede lassen; aber wir trösten uns auch, dass wir Gottes Wort für uns haben, ob sie wohl dasselbige uns täglich verkehren, anfechten und absprechen, dass wir Rebekka, und sie allein die rechte Kirche sein sollen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 57. Psalm.
Ist ein Betpsalm, darinnen David abermal klagt über Sani und sein Hofgesinde, vor welchem er in die Höhle kroch, und ist fast einerlei Meinung mit dem nächst vorigen Psalmen, darum er auch gleich demselbigen, uns zu brauchen ist wider die Tyrannen und ihre giftige Räte und Ohrenbläser, die uns das Wort Gottes verkehren, und haben zu solchem Werk Zähne und Zungen, die sind (spricht er,) Spieße, Pfeile und scharfe Schwerter. Aber Gott sei Dank, der uns nicht lässt, und stürzt sie in die Gruben, die sie uns bereiten, und ihr Ratschlag geht zuletzt über ihren eigenen Kopf.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 58. Psalm.
Das ist ein Trostpsalm, wider die halsstarrigen Lehrer, so ihren Irrtum mit dem Kopf hindurch führen, stopfen die Ohren zu, und lassen sich nicht weisen, sondern dräuen noch wohl dazu, und wollen die Frommen auffressen; aber er tröstet sie mit fünf Gleichnissen, dass sie es nicht sollen ausführen, ja, nicht zur Hälfte bringen; nämlich: Es kommt zuweilen ein groß Wasser, und rauscht sehr, als wollte es alles umreißen; aber es scheußt fürüber und tut nichts. Ein Armbrust dräuet sehr; aber wenn beide, Pfeil, Sehnen und Bogen zerbrechen, so tut es nichts. Eine Schnecke reckt ihre Hörner aus; aber ehe sie stößt, ist sie verschmachtet, oder zeucht sie ein. Ein unzeitig Kind macht der Mutter Leib groß, als wollte etwas da werden; aber es stirbt, ehe es ans Licht kommt. Ein Dornbusch schlägt aus mit viel Stacheln, und gibt Stechen und Straßen für; aber ehe sie hart und reif werden, kommt ein zornig Beil über sie, und heißt sie in den Ofen kriechen und Aschen werden. Also haben es diese auch groß im Sinn, und ihr Ding soll fortgehen, und wird doch nichts daraus.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 59. Psalm.
Ist ein Betpsalm, und kann sehr fein geredet werden in der Person Christi, dass er über die Juden schreit und weissagt, wie sie nicht vertilgt, sondern zerstreut sollen sein in aller Welt, und eitel Fluchen und Widersprechen lehren; wie sie denn bisher immer tun, und alle ihre Lehre wider Christum richten, ihn zu verfluchen und zu verleugnen. Des haben sie auch ihren Lohn, dass sie des Abends in der Stadt wie die hungrigen Hunde umlaufen, und doch nichts finden; das ist, am Ende der Welt, seit der Apostel Zeit her, werden sie unter denen Heiden gejagt aus einem Land in das andere, suchen begierig und hungrig, wo sie wieder ein Königreich oder Herrschaft könnten anrichten; aber es will nicht werden: sie müssen hungrige Hunde bleiben und umherlaufen, bis sie sich ungegessen legen, und ohne Königreich begraben, und zur Höllen verstoßen werden. Er kann aber auch wohl nach der Historie von David verstanden werden, wider seine Sauliten, die zuletzt auch ohne Königreich, wie hungrige Hunde umberlaufen mussten, bis sie gar ausgerottet worden. Denn Sauls Stamm kam nicht wieder zum Königreich, wiewohl sie fleißig und gierig danach strebten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 60. Psalm.
Ist ein Dankpsalm, darinnen David Gott dankt, dass er ihm ein fein Königreich gegeben hat, darinnen Gottes Wort gelehrt, und gut ordentlich Regiment war; welches wahrlich ein edles Kleinod ist. Denn vor David, zu Sauls Zeiten, war es ein zerrissen wüste Regiment, (wie die ersten drei Verse klagen,) durch die Philister übel zerplagt, dass sie auch der Archen Gottes nicht viel achteten 1 Chron. 13. und es auch sonst übel zuging, mit viel Unrecht; wie es sein und geben muss, wo Gott nicht daheim ist, und Davids Exempel wohl anzeigt, wie Saul böse Buben zu Hofe gehabt hat rc. Doch (spricht er,) ließ Gott ein Zeichen bleiben denen seinen, das sie aufworfen, rühmten und damit sicher und gewiss wären seiner Gnade, nämlich, die Hütte Mosis, und die Lade des Bundes mit dem Gnadenstuhl, welche er auch mit großen Wundern aus der Philister Land brachte, rc. Vor welcher sie beteten und anriefen, und also erlöst wurden aus ihren Nöten. Danach rechnet er sein Land und Volk: Erstlich, das Heiligtum und Gottes Wort; darnach, Sichem, Succoth, Gileath, Manassa, Ephraim, Juda, Moab, Edom, Philistim; und zuletzt bekennt er, es sei nicht Menschen Ding, eine feste Stadt, das ist, gut friedlich Regiment haben, und Edom, das ist, Leute und Land gewinnen, und im Streit Sieg behalten, sondern Gott müsse es geben. Warum er aber nicht mehr Land oder Stämme nennt, denn die obgenannten neune, gehört in einen Kommentar, nicht in Summaria. Wir mögen diesen Psalm singen Gott zu Lobe, dass er die Kirche weit in der Welt ausgebreitet, und in viel Pfarren und Stifte, da Gottes Wort und eine jegliche ihre sonderliche Gabe hat.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 61. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm, wider die Feinde, und sonderlich für die Könige und Obrigkeit, dass sie Gott fürchten und lange wohl regieren, und auf dass gut Regiment durch Feind und Krieg nicht zerstört werde. Denn auch Salomo sagt, dass um des Landes Sünde willen viel und mancherlei Fürsten kommen. Aber wo viel Herren sind, da fehlt es selten; was einer bauet, das zerbricht der andere, nach dem Sprichwort: Novus rex, nova lex, und sind doch Veränderungen der Regimenter allezeit gefährlich und schädlich gewesen; wohl aber, wo es bleibt in einem langen, alten, guten Wesen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 62. Psalm.
Das ist ein Lehrpsalm, von dem falschen Vertrauen auf Menschen, und rechtem Vertrauen auf Gott. Viel sind, wenn sie eines Fürsten oder Herren Gnade, oder eines reichen Gewaltigen Gunst haben, meinen sie, sie dürfen nichts mehr, und üben darauf manchen Mutwillen: sonderlich wo sie eine hangende Wand sehen, das ist, wo sie merken, dass einer, ohne das nicht gute Lust bei Hofe hat, oder sonst dürftig und von anderen verfolgt ist, dass er sich nicht wehren kann: da werben sie alle Ritter an, und hofieren und heucheln den großen Hansen weidlich. Sehen aber nicht, wie gar solcher Trotz auf Menschen eitel nichts ist, und glauben es auch nicht, bis sie erfahren, wie weidlich es fehlet. Darum heißt es: Traue Gott, und tue Niemand leid, das bestehet vor Gott und Menschen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 63. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, darinnen David begehrt, als er in der Wüsten flüchtig sein musste vor Saul, dass er auch möchte im Heiligtum sein und Gottes Wort hören; und klagt über seine Sauliten, die ihm nach seinem Leben stunden, dafür er nicht konnte dazu kommen, und also Gottes Wort beraubt sein musste; wiewohl er sich dennoch König rühmt um Gottes Verheißung und Erwählung willen, damit er sich dieweil tröstet. Nun aber mögen diesen Psalm beten, die unter den Tyrannen Gottes Wort gerne hätten, und müssen es doch beraubt bleiben, doch sich Gottes Kinder und Erben rühmen sollen, weil sie den Glauben und die Liebe zu seinem Wort haben, bis der Saul sein Ende kriege.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 64. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm, darinnen David betet wider seine Verräter und Verleumder, die ihm seine Sache aufs ärgste machten, mit giftigen Worten und bösen Tücken, als, Absalom, Ahitophel und ihres gleichen, und zuvor, am Hofe Saul, der Doeg rc. Aber er tröstet sich, dass es über ihnen selbst ausgeben wird, und ihre Zunge wird nicht ihn, sondern sie selbst fällen, wie Absalom, Ahitophel und Doeg geschah. Also beten wir auch wider unsere Verräter in Fürsten, Bischöfen und Könige Höfen, die allerlei Tücke, Ränke und Praktiken vornehmen. Es soll aber auch (wie hier bereits oft geschehen,) über ihnen selbst ausgehen, dass man sagen muss, Gott habe sie gestraft.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 65. Psalm.
Dies ist ein Dankpsalm, darinnen man Gott lobt, dass er sein Wort und Gottesdienst, dazu auch zeitlichen Frieden gibt, und steuert dem Wüten der Feinde und des Krieges im Lande, welche brausen und toben, wie das Meer, und segnet den Acker, dass alles wohl gerät, wohl trägt, wohl wächst. O wie seltsam ist solcher Dank im Pöbel! der beide des Worts, Friedens und guter Zeit, zu allem Mutwillen missbraucht, wie Sodom und Gomorra taten. Es wird ihnen aber auch gehen zuletzt, wie Sodom und Gomorra.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 66. Psalm.
Dies ist ein Dankpsalm für die gemeine Wohltat, dass er sein Volk aus der Feinde Hände oft erlöst und erhalten hat, wie er im Noten Meer tat. Des sind voll die Geschichte in der Richter und Könige Büchern, welches er uns täglich auch tut, errettet und erhält die Seinen bei rechtem Glauben, wider Teufel, Geister, Sünde rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 67. Psalm.
Es ist eine Weissagung von Christo, wie er sollte König werden, so weit die Welt ist, und die Leute recht richten, (das ist) mit dem Evangelio regieren, dass sie von Sünden los, vor ihm gerecht leben und mit Freuden danken sollten, welches der neue und rechte Gottesdienst ist; wie oft gesagt ist. Denn er sagt nicht, dass die Heiden sich beschneiden und gen Jerusalem laufen sollen, sondern in der Heidenschaft bleiben, und gleichwohl Gott danken, fröhlich sein, und ihn fürchten, das ist, ihm dienen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 68. Psalm.
Hier ist eine schöne gewaltige Weissagung von Christo, wie er auferstehen, gen Himmel fahren, seinen Geist herab geben, Apostel aussenden, das Evangelium predigen lassen, den armen Sündern aus dem Tod helfen, die Betrübten trösten, der Juden Reich und Priestertum zerstören, und sie zerstreuen, und ein neues Reich, darinnen man ihn täglich loben und predigen würde, und nicht das Gesetz Mosis rc. anrichten sollte. Und nennt die Apostel Könige und Heerfürsten oder Feldhauptleute, darum, dass sie kriegen mit dem Evangelio, wider den Tod, Sünde, Teufel, wider der Welt Weisheit und Heiligkeit. Item, er nennt sie hohe fruchtbare Berge, Gottes Erbe, Gottes Wagen mit viel tausenden rc. Wiederum nennt er sie auch Singer und Spielleute unter den Jungfrauen im Singetanz, darum, dass sie Gott fröhlich preisen, loben und danken. Und hat also sein Freudenspiel über dem seligen Reich der Gnaden und des Lebens, und betet am Ende, dass Gott solch Reich, wollte erhalten, und bis in Ewigkeit segnen und bestätigen. Er ist ganz lustig im Geist gewesen, da er diesen schönen reichen Psalm gemacht hat.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 69. Psalm.
Ist ein Betpsalm, in der Person Christi, als am Kreuze und in seinen Leiden gesprochen, darinnen er an unser statt sich einen Sünder bekennt, (im siebten Vers,) und klagt über seine Kreuziger und Lästerer, die ihm Gallen und Essig in seinem großen Durst zu trinken gaben. (So klagt und eben redet er von seinem künftigen Leiden.) Danach weissagt er von der Juden gräulicher Verblendung und Verstockung, und endlicher Zerstörung; wie das alles geschehen ist, als wir sehen und greifen. Am letzten verkündigt er auch den neuen Gottesdienst: Ich will Gott loben, spricht er, und mit Dank hoch ehren. Dieser Gottesdienst sollte jenen alten aufheben, denn er gefällt Gott bas10), weder alle Farren, und was man dort aufs beste opfern konnte, wie er hier singet.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 70. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, wider die Verfolger und Feinde der Frommen, um Gottes Worts willen, welchen sie mit der Faust und Tat, (spricht er,) mit Raten und Wünschen, im Herzen, mit Worten und Schreien, das ist mit Ernst und allem Vermögen nach dem Leben stehen, rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 71. Psalm.
Ist ein Betpsalm, (meines Verstandes,) in der Person der ganzen Christenheit, von Anfang bis ans Ende, gesprochen wider alle Feinde und Anfechtungen. Denn er sonderlich bittet für sein Alter, wenn er schwach und grau wird, das ist, für die letzten Christen, da gefährliche Zeiten sein, und der Glaube mit dem Evangelio niedergeschlagen werden sollten: wie auch Daniel (8,12.) verkündigt, dass die Wahrheit solle niedergeschlagen werden, und die Ungerechtigkeit siegen; welches wir unter dem Mohammed und Papst wohl erfahren haben. Darum preist er (im 15. 16. und 17. Vers) alleine Gottes Gerechtigkeit, die er von Jugend, oder von Anfang gelernt habe von Gott. Und mag uns wohl eine tröstliche Weissagung sein, dass Gottes Wort vor der Welt Ende hat müssen wieder kommen, damit er uns wiederum (sagt er) tief aus der Erden holt und höchlich tröstet; wie denn darauf lautet die gemeine Rede bei den Christen, dass Elias und Henoch sollen kommen, und des Endchrists Lügen offenbaren, und alles wieder zurechte bringen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 72. Psalm.
Ist eine Weissagung, fast herrlich und schön von Christo und seinem Reich in der ganzen Welt, da nicht die Sünde und böse Gewissen (wie unter dem Gesetz), sondern eitel Gerechtigkeit, Friede und Freude des Gewissens blühen und regieren sollte: doch nicht ohne Kreuz, dadurch sie ihr Blut lassen müssten, welches aber gar teuer vor ihm gelten sollte. Und verkündigt auch den neuen Gottesdienst, im 15. Vers, nämlich, Anrufen und Danken. Man wird, sagt er, vor ihm beten, täglich wird man ihn loben. Das ist unser täglich Opfer unter allen Heiden. Hier hören wir von keiner Beschneidung noch Gesetz Mosis, das die Könige und Heiden sollten annehmen; sondern Könige und Heiden bleiben, und diesen König für einen natürlichen Gott halten, ihn anrufen, und für dieselbe Hilfe danken, ist Gottesdienst, und gebührt Gott alleine, der ist allein ein Nothelfer und Heiland, ohne welchen alles andere nichts ist noch hilft.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 73. Psalm.
Dies ist ein Lehrpsalm, wider das große Ärgernis, da die Gottlosen reich sind und ihnen wohl geht, dass sie der armen und betrübten Heiligen gleich spotten, als kennte oder achtete Gott derselben nichts; sie aber und ihre heiligen Werke, was sie lehren und sagen, sei köstlich Ding, und ganz Himmlische, göttliche Weisheit und Heiligkeit. Das tut denn weh, und ich muss, spricht er, ein Narr vor dir sein, das ist, ein gottloser Ketzer und Verächter Gottes heißen. Aber doch halte fest, spricht er, gehe ins Heiligtum, höre Gottes Wort, was das von ihnen sagt. Siehe die alten Exempel an in den Historien, so wirst du finden, dass sie plötzlich zunichte werden; denn es ist kein Fels noch Grund da, sondern eitel schlüpfriger Boden, rc.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 74. Psalm.
Ist ein Betpsalm, wider die Feinde, so Jerusalem, das Heiligtum und alle Schulen Gottes im Lande samt den Städten verwüsteten, und Gott dazu lästerten, als der nichts helfen könnte seinem Volk. Es sieht aber, als sei es ein Gebet wider die zukünftige Verstörung von denen Chaldäern, und hernach durch Antiochum Epiphanem geschehen, sintemal nur zweimal der Tempel zu Jerusalem und das Land so zerstört ist. Demnach beten wir ihn wider den Mohammed und unsern Antiochum, welche die Christenheit zerstört, Gottes Wort, Sakrament und alle Gottes Ordnung zerrissen, und dafür eitel Gräuel und Lästerung gepredigt und gehalten haben an allen Orten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 75. Psalm.
Ist ein Betpsalm, wider die halsstarrigen, stolzen, gottlosen Lehrer, die so sicher sind, und auf ihr Amt pochen, dass sie nichts fürchten noch achten, weder Dräuen noch Strafen; wie droben Psal. 12,5: Wer sollte uns lehren? wir sind die Lehrer, wir sitzen im Amte, wir haben Gewalt, uns soll man gehorchen, oder musst in Bann und ein Ketzer sein, rc. Also sitzen auch jetzt unsere sichere Junkherrn, beide geistliche und weltliche Tyrannen, die Rottengeister auch, dass sie meinen, es könne sie Gott selbst nicht ausheben noch stürzen: aber dieser Psalm sagt anders, und tröstet uns, dass wir des Gerichts erharren sollen, so will er also richten, und das Recht geben lassen, dass die Erde beben und zittern soll, samt ihren Einwohnern. Doch will er die Säulen erhalten, das ist, die Frommen, welche die Welt tragen und erhalten; wie St. Paulus 1 Tim. 2,15. die Kirche nennt einen Pfeiler, und Säule der Wahrheit. Gleichwie er Lot erhielt, da er Sodom versenkte, und die gläubigen Juden mit den Aposteln, da er das jüdische Volk ausrottete; denn er weiß die Seinen wohl zu erhalten, wenn er ein Land verdirbt.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 76. Psalm.
Hier ist ein Dankpsalm, des Schlags wie der 46. Psalm; denn er dankt, dass Gott seine Wohnung, Wort und Dienst zu Jerusalem bat, und gar herrlich daselbst sein Volk schützt wider die Könige und zornigen Krieger, die es fressen wollten, wie Senharib; denn er weiß Fürsten den Mut zu nehmen und sie verzagt zu machen, Solcher Weise streitet er wider unsere Feinde. Es ist aber böse, sich wehren gegen dem, der einem das Herz und Mut nimmt, es sei einer so mächtig und böse als er wolle: der Teufel muss selbst fliehen, wenn ihm der Mut entfällt, was sollten denn Menschen tun? Solchen Krieger und Gott soll man loben, der also mit Königen rumoren, und den Seinen helfen kann, ohne Schwert, alleine mit Schrecken und Blödemachen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 77. Psalm.
Das ist ein Lehrpsalm; denn er gibt sich zum Exempel, wie man sich trösten solle, wenn das Herzleid kommt und das Gewissen betrübt ist, als zürne Gott mit ihm rc. Und spricht im 4. Vers, er sei so betrübt gewesen, dass er dafür nicht habe schlafen und auch nicht reden mögen. Und erzählt dieselben schweren Gedanken daher im 9. 10. 11. Vers. Aber das ist der Trost dagegen, dass man solche Gedanken ausschlage (damit man sich selbst vergeblich kränkt), und fasse dafür ins Herz die Gedanken, die Wunderwerke Gottes in den alten Geschichten, da findet man, dass allezeit sein Werk gewesen ist, den Elenden, Betrübten, Verlassenen zu helfen, und die sicheren, stolzen Verächter zu stürzen, wie er die Kinder Israel aus Ägypten erlöste. Darum heißen seine Wege verborgen, dass er da ist und hilft, da man meint, es sei alles verloren. Das soll man wohl lernen. Und also will uns dieser Psalm Gott zeigen, und seine Weise zu helfen lehren, nämlich, dass wir nicht verzagen an Gott, wenn es übel geht, sondern alsdenn aufs allergewisseste der Hilfe gewarten, und nicht unseren Gedanken glauben.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 78. Psalm.
Ist ein Lehrpsalm, darinnen er und durch die Exempel und Geschichte des ganzen Volks Israel, vom Anfang bis auf David, lehrt Gott vertrauen und glauben, und warnt uns vor Misstrauen und Missglauben, zeigt an die Strafe, so über die Misstrauenden ergangen, und die Gnade, so denen Trauenden wiederfahren ist.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 79. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, wider die zukünftige Zerstörung, von den Chaldäern und Anticho Epiphane geschehen, aller Dinge gleich wie der 74. Psalm, darum ist es einerlei Summarium. Also betet aus Jesaias (Kap. 63.) für die künftige Zerstörung.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 80. Psalm.
Hier ist ein Betpsalm wider die täglichen Feinde, die Nachbarn, so rings umher das Volk Israel zwackten und rissen, als die Philister, Syrer, Moabiter, Edomiter, rc. Wie uns unsere Feinde und Nachbarn jetzt tun, die Rottengeister und geistlichen Väter und Orden, und vorzeiten die Ketzer der Kirchen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 81. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, und ein Lied, gemacht, das man im Herbst aufs Fest der Laubrist gesungen und gepredigt habe, das Volk zu erinnern des ersten Gebots, dass sie allein den Gott, so sie aus Ägyptenland geführt hatte, und keinen anderen ehren noch anrufen sollten. Aber sie hielten es nicht, sondern aller Mund und Lehre war voll von Abgöttern, so doch der rechte Gott sollte ihres Mundes voll sein, und immer von ihm allein reden. Uns lehrt der Psalm, allein an Christo glauben und hangen, und keine Werke preisen zur Gerechtigkeit vor Gott. Wir sollen auch den Mund voll haben allein von Christo; aber wir tun es auch nicht, ein jeglicher folgt seinem Dünkel und Abgott.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 82. Psalm.
Ist ein Trostpsalm, wider die Tyrannen, so die Elenden unterdrücken; aber er hat seine Auslegung, von uns längst ausgegangen.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 83. Psalm.
Ist ein Betpsalm, eben des Schlags mit dem 80. Psalm, wie die Namen der Heiden klärlich anzeigen, darum bleibt er bei desselbigen Summario.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 84. Psalm.
Hier ist ein Trostpsalm, der preist Gottes Wort herrlich über alle Dinge, und reizt uns, dass wir gern alles Gutes, Ehre, Gewalt, Freude und Lust mangeln sollen, damit wir Gottes Wort behalten; und sollten wir gleich der Tür hüten, das ist, die Geringsten sein im Tempel, noch wäre es besser, denn in aller Gottlosen Schlössern sitzen; und ein Tag hier besser, denn tausend fröhliche Tage in der Welt. Denn Gottes Wort (spricht er) gibt Sieg, Segen, Gnade, Ehre und alles Gutes. O selig, die es glauben, und also sich halten. Ja, wo sind sie? Wenn man lästern und verachten sollte, da fünde man die ganze Welt voll und bereit dazu.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 85. Psalm.
Dies ist ein Betpsalm, darinnen er Gottes Zorn abbittet und Gnade sucht; der Zorn aber (meines Achtens,) ist gewesen, dass es gemangelt bat an Gottes Wort und freuen Predigern, dazu auch an gutem Regiment, Frieden und frommer Obrigkeit, und zuletzt, an Früchten und guter Zeit; denn solche Plagen hängen gemeiniglich an einander. Darum bittet er, dass Gott wiederum reden wollte, damit die Seinen nicht in Torheit fallen möchten, und lästern vor Ungeduld, oder andere Götter suchen; und dass unter den Leuten Friede, Einigkeit, Wahrheit und Liebe wüchse, und das Land fruchtbar wäre, auf dass sie in gottseligem Wesen ein fein ehrbar Leben in Stille und Ruhe führen möchten; wie St. Paulus 1 Tim. 2, 1. auch lehrt beten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 86. Psalm.
Ist ein Betpsalm, und der Titel nennt ihn selbst ein Gebet Davids. Er ist leicht und klar zu verstehen, dass David in seiner Not seinen Gott anruft wider seine Feinde, die ihn tot haben wollen, es sei Saul, Absalom, oder wer sie sind. Aber siehe, wie reichlich und meisterlich preist er Gott an seiner Güte, Treue und Macht, auf dass er seinen Glauben wohl erwärme, und sein Gebet erhitze. So sollen wir auch tun. Das Zeichen, so er begehrt, ist, dass ihm Gott zuletzt solle helfen, dass man sagen müsse, Gott habe ihm geholfen, und seine Sache recht gesprochen, wider den Ruhm seiner Feinde, welche ihm sein Recht schändeten.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 87. Psalm.
Dies ist eine Weissagung von der heiligen Christlichen Kirche, dass sie solle eine Stadt werden, so weit die Welt ist, und darinnen sollen geboren werden Mohren, Ägypter, Babylonier, Tyrer, Philister und allerlei Lande und Sprachen Leute. Und das alles durch das Evangelium, welches gar herrlich Ding von Gott predigen sollte, nämlich, Gottes Erkenntnis, das ist, wie man zu Gott kommen, von Sünden los, vom Tode selig werden müsse, nämlich, durch Christum. Und der Gottesdienst in dieser Stadt soll auch sein, singen und springen, das ist, mit Freude Gottes Gnade predigen, loben und danken, und soll kein Mosis darinnen mit seinem Gesetz plagen und martern.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 88. Psalm.
Das ist ein Betpsalm, der in Christi Person und aller anderer großen Heiligen gebetet wird, und, geklagt über das hohe geistliche Leiden, das über alle Leiden ist, nämlich, das Schrecken Gottes, welches er den Tod, das Grab und die Hölle nennt; wie es denn auch in der Wahrheit ist, und macht jämmerliche (und elende) Gestalt, rc. St. Paulus 2 Kor. 12,7. nennt es des Satans Engel, der ihn an Hals schlägt, und ein Pfahl seines Leibes, daran er gespießt sei; wie man in Griechenland die Übeltäter spießt, und die Heiden unseren Herrn lästern, und nannten den Gespießten, und die Juden den Erhängten. Denn Christo und den Seinen gebührt in der Welt der Sport zu seinem Leiden; wie dieser Psalm auch sagt, dass seine Freunde und Verwandten, die ihn klagen und Mitleiden haben sollten, ferne von ihm sind.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 89. Psalm.
Es ist eine Weissagung von Christo und seinem Reich, das er ein himmlisch Reich nennt (wie er es selbst im Evangelio nennt), und nimmt vor sich die Verheißung Davids von Christo geschehen, und streicht sie heraus mit reichem Geist, und sonderlich, dass sie so gewiss sein soll, dass es um keiner Sünde willen solle aufhören oder nachbleiben, auf dass also unsere Seligkeit nicht stehe auf unserer Frömmigkeit; wie der Juden Reich verheißen steht, und aller Welt Reich, nicht länger noch weiter, denn sie fromm sind. Aber im 39. Vers fängt er an und weissagt, wie solch lieblich schön Reich sollte durch den Antichrist zutreten, zerrissen und zerwühlt werden, dass es scheint, als habe Gott der vorigen reichen Verheißungen vergessen, und tue das Widerspiel seines eigenen Worts. Aber uns zu Trost, in dieser letzten Zeit, ist solches alles zuvor verkündigt, auf dass wir nicht verzagen sollen, ob uns dünkt, dass seine Christenheit mehr auf Erden sei. Denn unter den Mohammed und Papsttum ist kein Schein der Kirche mehr geblieben, so man ihr Regiment ansteht, und bat doch unter beiden müssen bleiben, wiewohl jämmerlich zerrissen und verachtet.
Luther, Martin - Summarien über den Psalter - Der 90. Psalm.
Das ist ein Lehrpsalm, darinnen Moses lehrt, wo der Tod herkommt, nämlich, von der Sünde, die allein Gott weiß, und aller Welt verborgen ist, und doch von Adam uns allen angeboren: und zeigt an, wie ein kurz, dazu elend Leben hier ist, dass es wohl mag ein täglich Sterben heißen. Doch, spricht er, ist es dazu gut, dass wir dadurch vermahnt werden, Gottes Gnade und Hilfe zu suchen, der uns von dem allen erlöse. Denn die nicht an den Tod denken, und kein Elend fühlen, bleiben tolle Narren, fragen nichts nach Gottes Gnade oder Hilfe. Und beschleußt11) den Psalm mit der Bitte, dass er uns sein Werk, das ist, Hilfe von Sünde und Tod erzeige, das ist, Christum sende, und weil wir hier leben, unser Werk fördere, das ist, beide geistlich und weltlich Regiment gnädig bestätige und erhalte. Ein kurz, fein, reich und voll Gebetlein.