2. Könige, Kapitel 6
6:1 Die Kinder der Propheten sprachen zu Elisa: Siehe, der Raum, da wir vor dir wohnen, ist uns zu enge.
6:2 Laß uns an den Jordan gehen und einen jeglichen daselbst Holz holen, daß wir uns daselbst eine Stätte bauen, da wir wohnen. Er sprach: Gehet hin!
6:3 Und einer sprach: Gehe lieber mit deinen Knechten! Er sprach: Ich will mitgehen.
6:4 Und er kam mit ihnen. Und da sie an den Jordan kamen hieben sie Holz ab.
6:5 Und da einer sein Holz fällte, fiel das Eisen ins Wasser. Und er schrie und sprach: O weh, mein Herr! dazu ist's entlehnt.
6:6 Aber der Mann Gottes sprach: Wo ist's entfallen? Und da er ihm den Ort zeigte, schnitt er ein Holz ab und stieß es dahin. Da schwamm das Eisen.
Das Eisenwerkzeug schien unwiederbringlich verloren, und da es auch noch entlehnt war, so konnten leichtlich die Kinder der Propheten an ihrer Ehre gefährdet und der Name ihres Gottes bloßgestellt werden. Da geschah es, dass das Eisen, gegen alle denkbare Erwartung, aus der Tiefe des Stromes auftauchte und schwamm; denn was den Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich. Ich kannte einen Menschen in Christo, der erst vor wenigen Jahren zu einem Werk berufen wurde, das weit über seine Kräfte ging. Es erschien so unausführbar, dass schon der bloße Gedanke, so etwas zu unternehmen, gegen alle Vernunft zu streiten schien. Dennoch wurde er dazu berufen, und sein Glaube wuchs mit der Größe der Aufgabe; Gott bekannte sich zu seinem Glauben, unerwartete Hilfe bot sich dar, - und da schwamm das Eisen. Ein andres Kind Gottes war in drückenden Geldverlegenheiten; er wäre imstande gewesen, allen Anforderungen zu genügen und noch größern als diesen, wenn es ihm nur möglich gewesen wäre, einen gewissen Teil seiner Besitzungen zu veräußern; aber er wurde allzu plötzlich und allzu hart bedrängt; umsonst suchte er Freundeshilfe. Da führt ihn sein Glaube zu dem unfehlbaren Helfer aus allen Nöten, und siehe, die Trübsal wurde abgewendet, ihm wurde Raum geschafft, - und das Eisen schwamm. Einem dritten verursachte ein schmerzlicher Fall der Verkommenheit eines nahen Angehörigen schwere Leidensstunden. Er hatte ermahnt, gewarnt, gestraft, zu Herzen geredet, und war in den Riss gestanden auf jede Weise; alles umsonst. Der alte Adam war dem jugendlichen Melanchthon zu mächtig; der irdisch gesinnte Geist wollte sich unter keine Zucht beugen. Da kam ein gewaltiges Ringen des Gebetkampfes über ihn, und bald darauf wurde ihm vom Himmel gnädige Erhörung zuteil. Das harte Herz war gebrochen, - das Eisen schwamm.
Lieber Leser, in welcher verzweiflungsvollen Lage steckst du? Was liegt diesen Abend mit Zentnerlast auf deinem Gemüt? Bring alles hierher. Der Gott der Propheten lebt noch, und lebt, um seinen Auserwählten zu helfen. Er gestattet nicht, dass es dir an irgendeinem Guten mangle. Glaube an den Herrn der Heerscharen! Nahe dich zu Ihm im Namen deines Herrn Jesu, so wird das Eisen schwimmen. (Charles Haddon Spurgeon)
6:7 Und er sprach: Heb's auf! da reckte er seine Hand aus und nahm's.
6:8 Und der König von Syrien führte einen Krieg wider Israel und beratschlagte sich mit seinen Knechten und sprach: Wir wollen uns lagern da und da.
6:9 Aber der Mann Gottes sandte zum König Israels und ließ ihm sagen: Hüte dich, daß du nicht an dem Ort vorüberziehst; denn die Syrer ruhen daselbst.
6:10 So sandte denn der König Israels hin an den Ort, den ihm der Mann Gottes gesagt und vor dem er ihn gewarnt hatte, und war daselbst auf der Hut; und tat das nicht einmal oder zweimal allein.
6:11 Da ward das Herz des Königs von Syrien voll Unmuts darüber, und er rief seine Knechte und sprach zu ihnen: Wollt ihr mir denn nicht ansagen: Wer von den Unsern hält es mit dem König Israels?
6:12 Da sprach seiner Knechte einer: Nicht also, mein Herr König; sondern Elisa, der Prophet in Israel, sagt alles dem König Israels, was du in der Kammer redest, da dein Lager ist.
6:13 Er sprach: So gehet hin und sehet, wo er ist, daß ich hinsende und lasse ihn holen. Und sie zeigten ihm an und sprachen: Siehe, er ist zu Dothan.
6:14 Da sandte er hin Rosse und Wagen und eine große Macht. Und da sie bei der Nacht hinkamen, umgaben sie die Stadt.
6:15 Und der Diener des Mannes Gottes stand früh auf, daß er sich aufmachte und auszöge; und siehe, da lag eine Macht um die Stadt mit Rossen und Wagen. Da sprach sein Diener zu ihm: O weh, mein Herr! wie wollen wir nun tun?
6:16 Er sprach: Fürchte dich nicht! denn derer ist mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind.
Rosse und Wagen und ein großes Heer schlossen den Propheten in Dothan ein. Sein junger Diener war voll Schrecken. Wie konnten sie einer solchen Macht Bewaffneter entgehen? Aber der Prophet hatte Augen, die sein Diener nicht hatte, und er konnte ein größeres Heer mit weit besseren Waffen sehen, das ihn vor allem Schaden bewahrte. Rosse von Feuer sind mächtiger, als Rosse von Fleisch, und feurige Wagen sind den eisernen weit vorzuziehen.
Ebenso ist es zu dieser Stunde. Die Gegner der Wahrheit sind zahlreich, einflußreich, gelehrt und listig; und der Wahrheit ergeht es schlecht in ihren Händen; und doch hat der Mann Gottes keine Ursache zum Zittern. Sichtbare und unsichtbare Kräfte der gewaltigsten Art sind auf Seiten der Gerechtigkeit. Gott hat Heere im Hinterhalt, die sich in der Stunde der Not zeigen werden. Die Mächte, die auf Seiten des Wahren und Guten sind, übertreffen weit die Mächte des Bösen. Laßt uns deshalb den Mut aufrecht halten und mit dem Schritt derjenigen wandeln, die ein fröhliches Geheimnis besitzen, das sie über alle Furcht hinausgehoben. Wir sind auf der gewinnenden Seite. Der Kampf mag schwer sein, aber wir wissen, wie er enden wird. Der Glaube ist, da er Gott mit sich hat, klar in der Majorität: Derer ist mehr, die bei uns sind, denn derer, die bei ihnen sind. (Charles Haddon Spurgeon)
6:17 Und Elisa betete und sprach: HERR, öffne ihm die Augen, daß er sehe! Da öffnete der HERR dem Diener die Augen, daß er sah; und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her.
6:18 Und da sie zu ihm hinabkamen, bat Elisa und sprach: HERR, schlage dies Volk mit Blindheit! Und er schlug sie mit Blindheit nach dem Wort Elisas.
6:19 Und Elisa sprach zu Ihnen: Dies ist nicht der Weg noch die Stadt. Folget mir nach! ich will euch führen zu dem Mann, den ihr sucht. Und er führte sie gen Samaria.
6:20 Und da sie gen Samaria kamen, sprach Elisa: HERR, öffne diesen die Augen, daß sie sehen! Und der HERR öffnete ihnen die Augen, daß sie sahen; und siehe, da waren sie mitten in Samaria.
6:21 Und der König Israels, da er sie sah, sprach er zu Elisa: Mein Vater, soll ich sie schlagen?
6:22 Er sprach: Du sollst sie nicht schlagen. Schlägst du denn die, welche du mit deinem Schwert und Bogen gefangen hast? Setze ihnen Brot und Wasser vor, daß sie essen und trinken, und laß sie zu ihrem Herrn ziehen!
6:23 Da ward ein großes Mahl zugerichtet. Und da sie gegessen und getrunken hatten, ließ er sie gehen, daß sie zu ihrem Herrn zogen. Seit dem kamen streifende Rotten der Syrer nicht mehr ins Land Israel.
Ein Mann, der Gefahren sieht, wo sie andere nicht sehen,
der darum warnen kann, wo andere nicht warnen;
und so vor Gefahren bewahren kann, wo es andere nicht können,
aber auch in Gefahren kommt, in die andere nicht kommen.
Ein Mann, der Rettung sieht, wo sie andere nicht sehen,
der darum trösten kann, wo andere keinen Trost haben,
der darum keine Gefahr sieht, wo andere nicht leben können,
und der Siege erficht, wo niemand solche mehr erwartet.
Er hat eine andere Bedeutung als die Feinde, deshalb ziehen viele gegen ihn;
er hat ein anderes Kampfmittel als die Feinde, deshalb sind ihre Waffen den seinen nicht gewachsen;
er hat eine andere Art, die Feinde zu behandeln, deshalb ist sein Sieg herrlicher als jeder Sieg mit Waffen.
Und der Schlüssel zu allem: er ist ein Mann Gottes!
Und die Frucht von allem: die Verherrlichung Gottes!
Und der Segen für uns: der Zug zum Gott dieses Mannes! (Otto Schopf)
6:24 Nach diesem begab sich's, daß Benhadad, der König von Syrien all sein Heer versammelte und zog herauf und belagerte Samaria.
6:25 Und es ward eine große Teuerung zu Samaria. Sie aber belagerten die Stadt, bis daß ein Eselskopf achtzig Silberlinge und ein viertel Kab Taubenmist fünf Silberlinge galt.
6:26 Und da der König Israels an der Mauer einherging, schrie ihn ein Weib an und sprach: Hilf mir, Mein König!
6:27 Er sprach: Hilft dir der HERR nicht, woher soll ich dir helfen? von der Tenne oder der Kelter?
6:28 Und der König sprach zu Ihr: Was ist dir? Sie sprach: Dies Weib sprach zu mir: Gib deinen Sohn her, daß wir heute essen; morgen wollen wir meinen Sohn essen.
6:29 So haben wir meinen Sohn gekocht und gegessen. Und ich sprach zu ihr am andern Tage: Gib deinen Sohn her und laß uns essen! Aber sie hat ihren Sohn versteckt.
6:30 Da der König die Worte des Weibes hörte, zerriß er seine Kleider, indem er auf der Mauer ging. Da sah alles Volk, daß er darunter einen Sack am Leibe anhatte.
6:31 Und er sprach: Gott tue mir dies und das, wo das Haupt Elisas, des Sohnes Saphats, heute auf ihm stehen wird!
6:32 Elisa aber saß in seinem Hause, und alle Ältesten saßen bei ihm. Und der König sandte einen Mann vor sich her. Aber ehe der Bote zu ihm kam, sprach er zu den Ältesten: Habt ihr gesehen, wie dies Mordkind hat hergesandt, daß er mein Haupt abreiße? Sehet zu, wenn der Bote kommt, daß ihr die Tür zuschließt und stoßt ihn mit der Tür weg! Siehe, das Rauschen der Füße seines Herrn folgt ihm nach.
6:33 Da er noch also mit ihnen redete, siehe, da kam der Bote zu ihm hinab; und er sprach: Siehe, solches Übel kommt von dem HERRN! was soll ich mehr von dem HERRN erwarten?