Stöckicht, Wilhelm Damian - Ruth - XI. Die Erlösung.

Stöckicht, Wilhelm Damian - Ruth - XI. Die Erlösung.

K. 4, 1-12. Der du uns erlöst hast von Schuld und Strafe, Herr Jesu, göttlicher Mittler! erlöse uns auch von allem Übel, und hilf uns aus zu deinem herrlichen Reiche. Amen!

Wir eilen zur Auslegung des letzten Kapitels im Büchlein Ruth und damit zur Betrachtung des Ziels der christlichen Lebensentwicklung. Die Anwendung des Textes führt uns vorwiegend in noch nicht Erlebtes, in die geweissagte Zukunft. Leite uns der Geist Gottes in alle Wahrheit!

Im Anschluss an die vorige Betrachtung tritt unserm Glaubensblicke zunächst die Erlösung aus der Anfechtung entgegen, damit zusammenhängend die Erlösung von Schuld und vom Übel. Von dieser haben alle Propheten geweissagt, und zwar merkwürdiger Weise in der Art, dass sie in der Regel die zeitlich auseinanderfallende Erlösung von Sünden und die vom Übel in eine Weissagung zusammenfassten. Das ganze A. T. ist eine großartige Weissagung auf diese vollständige Erlösung durch den Gottmenschen, Jesum Christum. Auch die im Texte mitgeteilten Verhandlungen werden wir jetzt daraufhin ansehen.

Boas hatte der Ruth versprochen, die Angelegenheit mit dem näheren „Erben“ zu ordnen. Er tut's jetzt. Des Morgens nach jener nächtlichen Besprechung begab er sich in das Tor der Stadt Bethlehem und wartete daselbst, bis er den „Erben“, mit welchem er jetzt vor den Richtern der Stadt verhandeln wollte, vorbeigehen sähe. Denn die gerichtlichen Verhandlungen wurden öffentlich unter den Toren der Stadt geführt von den Ältesten. Der nähere „Erbe“ ging gerade vorüber. Boas rief ihm zu: weiche ab von deinem Wege und setze dich hier oder da hin, wo dir's beliebt. Derselbe setzte sich nieder. Boas bat zehn Älteste der Stadt zu Schiedsrichtern und Zeugen und brachte seine Sache vor. Zum Verständnis derselben wisst, dass es nach jüdischem Gesetze dem unverehelichten Schwager oder andern Blutsverwandten einer Witwe anheimgegeben war, die Äcker, welche dieselbe etwa aus Not verkauft hatte, zu lösen, käuflich an sich zu bringen. Der Lösende musste dann auch die kinderlose Witwe heiraten, damit das Geschlecht des verstorbenen ersten Ehemanns der Witwe erhalten würde, denn der älteste Sohn aus solcher zweiten Ehe ward als Sohn und Erbe des verstorbenen ersten Mannes betrachtet. Wollte Einer sich zu solcher Heirat nicht verstehen, so sollte er auch die verkauften Äcker nicht an sich bringen dürfen; es ging in solchem Falle das Lösungsrecht auf den folgenden nächsten Verwandten über.

Hier handelte es sich nun darum, ob der schon erwähnte nächste Verwandte des verstorbenen Mahlon, des ersten Mannes der Ruth, das Lösungsrecht ausüben wollte. In diesem Falle konnte Boas die Ruth nicht zum Weibe bekommen. Er stellte dem „Erben“ die Sache vor, sprechend nach dem Grundtexte: „Naemi, die aus dem Lande der Moabiter wiedergekommen ist, hat das Stück Feldes verkauft, das unserm Blutsfreunde, dem Elimelech, gehörte.“ Dann sprach er zu ihm weiter: „Willst du nun das Stück Feldes einlösen, so kaufe es vor den Ältesten, die hier sitzen als Zeugen“, und dann, zu diesen Ältesten sich wendend, erklärt er: „Will er es aber nicht lösen, so sage er mir es, dass ich es wisse;“ dann fuhr er, zu dem „Erben“ gewendet, fort: „es ist Niemand außer dir da, es zu lösen, als du, und danach ich.“ Der „Erbe“ erklärte sich bereit, das Feld Elimelechs zu kaufen. Boas machte ihn aber darauf aufmerksam, dass nicht anders, als durch Heirat der kinderlosen Witwe Ruth das Feld von ihm gekauft werden könne, und dass das Erbrecht an das anzukaufende Feld auf den ersten Sohn übergehen müsse, den er etwa mit der Ruth zeugen werde. Auf diese Bedingung will der Erbe nicht eingehen. Sei es, dass ihm die Ruth nicht gefiel, oder dass er eigennützig dachte, er bekäme vielleicht mit der Ruth nur einen Sohn, müsse denselben ernähren und doch habe derselbe den Namen und das Erbrecht von Ruths erstem Manne Mahlon, kurz, er lehnt die Ausübung des Lösungsrechts ab. Im Falle solcher Ablehnung war es bei den Juden im Anschluss an eine gesetzliche Bestimmung Gebrauch, dass der Ablehnende zur Bestätigung der Übertragung seines Rechtes an den nächsten Verwandten demselben einen ausgezogenen Schuh gab. Das tat der „Erbe“, er übertrug damit feierlich sein Recht auf Boas, welcher die Ältesten und das anwesende Volk zu Zeugen rief. Nun erklärte sich Boas öffentlich zum Bräutigam der Ruth, mit der zugleich das Erbe Elimelechs ihm zufiel, denn nach dem Tode der Söhne Chiljon und Mahlon waren andere Erben nicht mehr da. Das Volk und die Ältesten gratulierten dem Boas und wünschten ihm reichen Kindersegen.

Das sind die Verhandlungen, deren Anwendung auf das christliche Leben uns heute beschäftigt. Die Hauptperson in den Verhandlungen ist Boas, das Schattenbild unseres Herrn Jesu Christi, der uns teuer erkauft hat. Dennoch kann das von Ihm vollbrachte Werk der Erlösung von Sünden nicht der eigentliche Betrachtungsgegenstand für uns sein. In den bisherigen Zusammenhang würde derselbe nicht wohl sich einfügen. Das Heilswerk haben wir schon in der zweiten Betrachtung als vollbrachtes voraussetzen müssen. Denn wie wäre die Bekehrung und das Leben im Gnadenstande möglich ohne den Opfertod unseres Mittlers? Nur die tatsächliche Erlösung von Sünden kann die Grundlage unserer Begnadigung sein. Ohne das vollbrachte Erlösungswerk nützte uns alle Buße, aller Glaube nichts. Auch war in dieser Beziehung vorbildlich Ruth schon vor den heute zu erwägenden Verhandlungen aus Moab aus- und in Bethlehem eingewandert.

Aber sie hatte darum doch das Ziel ihres Strebens noch nicht erreicht. - So steht es auch gegenwärtig mit den Gläubigen. Sie leben Ähren lesend im Gnadenstand, besitzen Vergebung der Sünden, aber die Bitte: „erlöse uns von dem Übel“ ist noch nicht erfüllt. Sie leben im christlichen Brautstand, in Hoffnung selig, noch nicht in der unauflöslich geschlossenen, gleichsam ehelichen Verbindung mit Christo, dem Haupte, welche zu erstreben in der Natur des christlichen Lebens liegt. Der letzten Erlösung harren wir noch. Die vorausgehenden Verhandlungen, welche sie zu Stande bringen, sind noch nicht beendigt. Darum weiset uns unser Text in die geweissagte Zukunft, über welche uns die Offenbarung Joh. das meiste Licht und zu der uns die vollbrachte Erlösung von Sünden einen sicheren Vergleich gibt.

Also über diese Erlösung lassen wir uns unterweisen; wir betrachten nach Anleitung unseres biblischen Abschnitts die Verhandlungen, die Ausführung, den Glückwunsch.

Die Verhandlungen zwischen Boas und dem näheren „Erben“ hörten wir. Sie bilden uns jetzt ab, wie auch Christus uns gerichtlich erlöst und losgekauft hat, wie Er auch schließlich alles noch vorhandene Böse rechtlos erklären, von allem Übel erlösen wird. Mit seinem Opfertode, mit der Zahlung des teuersten Lösegelds, seines heiligen Lebens, hat er das Gnadenreich gegründet. Als der Lebendige, der die Schlüssel der Hölle und des Todes hat, wird Er es vollenden, umbilden zum Reiche der Herrlichkeit.

Kennt ihr den Gemarterten und Zerschlagenen, der wie ein Missetäter hinausgeführt ward aus der heiligen Stadt Jerusalem auf den Richtplatz, Ihn, der in Gethsemane gerungen, Ihn, den von den Juden Angespienen, von den Hohenpriestern Verklagten, von Pilatus Preisgegebenen, vom Volke und den rohen Kriegsknechten Misshandelten? Er trägt sein Kreuz und unterliegt unter der Last. Ja, ihr kennt euren Heiland, das Lamm Gottes. Das waren andere Gerichtsverhandlungen, als die hier zwischen Boas und dem „Erben“ unter den Toren Bethlehems. Da hat Christus mit dem Tode gerungen, als Er die Schuld unserer Sünden büßte, und sterbend uns Sünder loskaufte von der verdienten Verdammnis, dem Fluch der Sünde; da hat Er uns Gottes Gerechtigkeit und Gnade um den teuersten Preis erworben. Doch Er hat im schwersten Kampfe unterliegend gesiegt. Er, der tot war, lebt nun von Ewigkeit zu Ewigkeit. -

Doch noch eine Gerichtsverhandlung steht bevor am Ende der Tage, wenn die Zeit der Gnade abgelaufen sein wird. Dann wird Er nicht vor dem Richterstuhl stehen, sondern als Richter zu Gericht sitzen in seiner Herrlichkeit, alle Völker werden vor Ihm versammelt stehen, und Er wird sie von einander scheiden, gleichwie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; dann wird die innere Entscheidung Aller, welche die Predigt des Evangeliums geweckt hat, auch äußerlich hervortreten auf einmal und gerichtlich bestätigt werden für ewige Zeiten. Alsdann, meine Andächtigen! ist Christus der wahrhaftige Boas, der „Starke“, der zu Gericht sitzt.

Sein Schattenbild, der Bethlehemiter Boas, nahm zur Verhandlung zehn Älteste der Stadt zu Zeugen. An den Zeugen seiner Leiden fehlte es unserem Blutbräutigam, dem Gerichteten, auch nicht. Alles Volk war Zeuge seiner tiefsten Erniedrigung. Auch am Ende, in der letzten Gerichtsverhandlung, in der Er auf dem Richterstuhle thronen wird, werden genug Zeugen da sein, alle seine heiligen Engel werden gegenwärtig sein.

Die Ursache der Gerichtsverhandlung zwischen Boas und dem näheren „Erben“ ist uns bekannt. Das ererbte Eigentum Elimelechs war wahrscheinlich bei dem Auszug desselben nach Moab mit seiner Familie verkauft worden. Nun bestand aber im heiligen Lande ein Gesetz, wonach jedenfalls nach einem gewissen Zeitraum, wäre es auch erst im Jubeljahr, das verkaufte Gut an das verarmte Geschlecht der ursprünglichen Besitzer zurückfallen sollte. Kein anderes Volk besitzt ein solches Gesetz, welches auch wiederum ein Vorbild, oder eine Tatweissagung auf den ewigen Gottesratschluss der Erlösung der Sünder ist. Gott will in seiner grundlosen Barmherzigkeit, dass die uns anerschaffene, aber im Sündendienste verloren gegangene Gerechtigkeit und Heiligkeit uns wieder zufalle. Ach, wir waren Alle unter die Sünde verkauft, unser himmlisches Erbteil war durchgebracht, Gottes Bild in uns Sündern schmählich besudelt. Wer kann es herstellen, wer will das verlorene Gut wieder einlösen, wer? Ein Bruder kann den andern nicht erlösen, es kostet zu viel, er muss es anstehen lassen ewiglich. Christus aber ist unser Goël; Er hat uns erlöst, Er bringt das Verlorene uns wieder. Wir sind frei erklärt von der Herrschaft der Sünde durch unsern Mittler, der uns seine Gerechtigkeit schenkt, uns wieder zu Gottes Kindern und Erben machte. Das ist geschehen; wir rühmen uns seiner Gnade, der vollbrachten Erlösung. Und doch, klebt uns die Sünde nicht immer noch an? sind wir nicht noch versuchbar und den Anfechtungen unterworfen? leben wir nicht noch in diesem sterblichen Leibe und in dieser sündigen Welt? Sind sie Alle gläubig, für die Christus gestorben ist? O nein. Haben sie Alle Vergebung der Sünden, sind sie Alle gerecht geworden? O nein. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, auf dass die Welt durch Ihn selig werde. Das Ziel ist noch nicht erreicht, die Welt ist noch nicht selig, zum neuen Himmel, zur neuen Erde ist sie noch nicht erneuet. Noch leidet in dieser Welt das auserwählte Volk des Herrn unter dem Druck des Widerchristentums, noch herrscht das in der Offenbarung Joh. beschriebene falsche Propheten-, Priester- und Königtum, noch seufzet die Kreatur und sehnt sich nach der Freiheit der Gotteskinder, in der sie auch frei werden soll vom Dienste des vergänglichen Wesens, noch steht die völlige Erlösung vom Übel, von allem Bösen bevor. Auch diese Erlösung wird Christus vollbringen dann, wann die Zeit der freien Wahl geschlossen wird, aber nicht durch wiederholtes Sterben, sondern als wahrhaftiger Boas, als der Allgewaltige durch seine herrliche Erscheinung. Wir leben noch in der Zwischenzeit zwischen der Erlösung von Sünden und der Erlösung vom Übel, und die freie Gnade wird uns dargeboten, damit wir erlöst von Sünden auch Erlösung dereinst finden können vom Übel. Lasst uns diese Zeit wohl benutzen; wehe dem, der die Gnade nicht annimmt!

Doch da fand sich ein Anderer, der Ruths Äcker einlösen wollte, und der war der Ruth näher, als Boas. Arme Ruth, wenn es dem gelingen sollte! Es ist eine traurige Wahrheit, die wir uns schon früher sagen mussten, dass nach unserer natürlichen Angehörigkeit an diese sündige Welt diese uns zunächst steht, und dass der Fürst dieser Welt, der Lügner von Anfang an, Rechte an uns geltend macht und sagt: die Menschen gehören mir an, denn sie sind Sünder, in meinem Reiche leben sie, mir dienen sie unbewusst. Ihr wisst's, dass Jesus, der auch vom Satan versucht ward, aber Sieger blieb, uns von seiner Gewalt erlöst hat durch seine Liebe, die das Opfer für unsere Sünden an seinem eigenen Leibe vollzog. Nun darf uns Satan nicht mehr verklagen, das Blut Christi macht ihn verstummen, aus dem Himmel ist er herausgeworfen. (Offenb. Joh. 12, 9.) Aber wisst, dass er nun umso größeren Zorn hat, mit aller Gewalt und List gegen das Reich Gottes ankämpft durch seine Werkzeuge, die Kinder des Unglaubens, und dass er, nachdem er den Vernichtungskampf aufgegeben hat gegen die Kirche, die ihm zu mächtig geworden, um so verführerischer, täuschender, blendender herantritt, versuchend an die einzelnen Seelen, die im Glauben stehen. (Offenb. Joh. 12, 17.) Wird er nicht neue Rechte gewinnen? Seid wachsam! Hütet euch, dass er nicht frohlocke und Jesu entgegne: wie, diese oder jene Seele wäre dein? ja, gar fromm kann sie sprechen, auch betet sie täglich und macht der Worte viele, aber siehe nur, wie sie heimlich der Sünde dient, wie sie voll Wollust, Ehrsucht und Geiz ist, stehe von ihr ab, mir gehört sie. Wie ein brüllender Löwe hungrig auf Raub ausgeht, so sucht der böse Geist die Frommen vom Wege der Gerechtigkeit abzulenken und zur Beute zu haben. O, seid wachsam! Achtet nur, wie fein der Arge sich stellen kann. Alles Angenehme verspricht er. In jeder Not weiß er schnell bequeme Mittel zur Hilfe, die ganze Herrlichkeit der Welt offeriert er im Notfall. Denket euch, auch er möchte in seiner Art ein Erlöser sein, nämlich ein Erlöser vom Übel, so er doch nur ein Verderber ist. - Jener nächste „Erbe“ der Ruth, ein rechter Repräsentant fleischlicher Denkungsart, mochte wohl gern das Feld der armen Ruth haben, sie selbst aber wollte er nicht heiraten, um nicht ihrem verstorbenen Manne einen Sohn und Erben zeugen zu müssen. So ist die Welt und ihr Fürst. Nur von Rechten will sie wissen, aber nichts von Pflichten. Sie ist selbstsüchtig durch und durch. Hoffet von ihr nichts. Der ist übel daran, der ihr trauet. Spöttisch sprach der nächste „Erbe“ zu Boas: „Beerbe du, ich mag nicht.“ Habt ihr noch nicht gehört, wie auch die Welt spöttisch urteilt über die Frommen, als über den Abschaum der Menschheit? Kennt ihr ihre Schimpfwörter nicht? o wie abscheulich schmäht sie, und wenn sie es auch nicht sagt, so denkt sie doch: ei, wenn es dem Herrn Jesus um arme Sünder zu tun ist, die mag er haben, die mögen ihm zulaufen, die Welt kann doch nichts mit ihnen anfangen; lasst sie sich sammeln in ein Armensünderreich. Was dünkt euch, wollen wir in dieses Armensünderreich gehören? Ja wohl; was liegt uns an der Welt; der Herr Jesus wird uns schon zu Ehren bringen und uns von dieser schmähsüchtigen Welt erlösen. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit nun der Ausführung des Werkes der Erlösung zu, von der wir reden. Die Lösung der Ruth durch Boas war eigentlich schon geschehen durch die Verzichtsleistung des näheren „Erben.“ Zur Bestätigung seines Verzichtes vor den anwesenden Zeugen zog er nach damaligem Gebrauche einen Schuh aus, und statt ihn der Ruth zu reichen, wie es eigentlich Vorschrift war, reichte er ihn dem Boas; denn Ruth war bei der Verhandlung nicht gegenwärtig. Streng genommen hätte Ruth ihm den Schuh ausziehen und ihn anspeien müssen. Doch diese alte, strenge Sitte war bereits außer Übung gekommen, man machte es glimpflicher, wie auch heutzutage die Christen gar fein, glimpflich, manierlich mit der Welt umzugehen wissen. Übrigens das Zeichen, der ausgezogene Schuh, war da. Feierlich hatte der nähere „Erbe“ sein Lösungsrecht auf Boas übertragen, die Sache war abgemacht. -

Wir haben ein viel besseres Zeugnis und Zeichen, als einen ausgezogenen Schuh, unser Zeichen ist das Kreuz Christi, an dem Er sterbend geredet hat: „es ist vollbracht“, unser Zeichen ist Er selber, der Auferstandene, den der Tod nicht halten konnte. Auch haben wir ein Zeichen der vollbrachten Erlösung, der Gnade des versöhnten Gottes in der heiligen Taufe und im heiligen Abendmahl, welche beiden Sakramente uns den Gewinn der Leiden Jesu zusprechen. Nun soll der Versucher uns nichts mehr anhaben, er ziehe seinen Schuh aus, er komme uns nicht mehr nahe, er begebe sich seines Rechtes. Wir sind gerechtfertigt von der Sünde. „Auch ihr - schreibt St. Paulus euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und Gott lebt in Christo Jesu, unserem Herrn; denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte der Gerechtigkeit.“ Das danken wir unserem Erlöser. Aber ja, wir haben es nicht mit einem ehrlichen Teufel zu tun. Wir haben gehört, dass er großen Zorn hat und mit Versuchungen allerlei Art nicht nachlässt, um die Frommen dem Heiland abwendig zu machen und sein verlorenes Recht wieder zu erobern. Gewiss, das Evangelium ist eine selig machende Gotteskraft, es wirkt wie ein Sauerteig in der Welt, es gewinnt dem Herrn mehr und mehr Seelen. Gewiss, das Reich Gottes wächst auch äußerlich wie ein Senfkorn, es breitet sich durch die Mission immer rascher aus über den ganzen Erdkreis. Aber der böse Feind ist auch nicht faul, auch er sammelt, und je mehr das Reich Gottes wächst, desto eiliger sammelt er sein widerchristliches Heer und rüstet sich mit Macht, denn er weiß, es gilt noch den letzten Entscheidungskampf. Und dem gehen wir entgegen. Es wird noch eine schwere Zeit der Prüfung, der Sichtung, des Märtyrertums kommen. Nur getrost! der Herr verkürzt diese Tage um der Auserwählten willen. Der Herr bleibt Sieger. Er wird erscheinen, ein König der Könige, viele Kronen auf seinem Haupte, angetan mit weißem, blutbesprengtem Kleide, und aus seinem Munde geht ein scharfes Schwert. Er wird den Widerchristen schlagen mit dem Hauche seines Mundes und dessen Heerscharen erwürgen. Er wird die alte Schlange, den Satan, in den Abgrund werfen und verschließen tausend Jahre lang. Zwar wird Er danach ihn noch einmal loslassen müssen, denn auch im tausendjährigen Friedensreiche ist die Sünde noch nicht tot und der Tod herrscht auch noch. Doch danach wird im allerletzten Kampfe Jesus vollends Sieger sein und den Teufel hinabwerfen in den feurigen Pfuhl. In Offenb. Joh. 20 könnt ihr es lesen. Wie wird es dann dem Volke des Herrn so wohl sein! Freut euch in Hoffnung. Der am Kreuze sterbend sprach: „es ist vollbracht“, der von Schuld und Verdammnis erlöst hat, wird auch endlich die Seinigen erlösen von allem Übel.

Nach der Verzichtleistung des nächsten „Erben“ rief nun Boas die Ältesten und das Volk zu Zeugen, dass das fragliche Feld ihm zufalle, und dass die Ruth seine Braut sei. Schon jetzt darf die neutestamentliche Ruth, die Schar der Gläubigen, rühmen: der Herr ist mein; Er ist mein Gott und Tröster, und ich bin sein Erlöster. Schon jetzt werfen die Seligen, die seinen Thron umstehen, ihre Kronen vor Ihm nieder, und rühmen: „Du hast uns Gott erkauft mit deinem Blute aus allerlei Volk und Zungen, Geschlechtern und Heiden.“ - Wie wird es erst am Ende dieser Weltzeit sein? dann wird es vollends Allen offenbar sein, dass der Vater Ihm alles in seine Hände gegeben hat, dass Er alle Gewalt besitzet im Himmel und auf Erden; dann werden alle Kniee im weiten Weltall vor Ihm sich beugen müssen. Dann tönt durch alle Himmel der Lobgesang wieder: „Nun ist das Heil und die Kraft, das Reich und die Macht unseres Gottes und seines Christus geworden;“ - „Lasst uns freuen und fröhlich sein, und Ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet.“

Boas erklärte feierlich: „Ruth, die Moabitin, Mahlons Weib (Witwe), nehm‘ ich zum Weibe.“ Mit ihr will er das Geschlecht Elimelechs und Mahlons fortsetzen, das sonst ausgestorben wäre. Kennt ihr noch die Namensbedeutung der Verstorbenen? An den Seligen des Himmels wird sie wieder lebendig. Alle Gläubigen sind des Herrn Jesu Christi Braut. Nach Überwindung des Antichristen nimmt Er sie zu sich in den Himmel, und vereinigt sie ganz mit sich, dem Haupte. Sie werden mit Ihm leben und herrschen, teilhaftig seiner Verklärung. Die verlorene Gottes-Kindschaft, das Erbe ist wieder da; ihre königliche Priesterwürde wird ihnen wieder beigelegt; die Vollkommenheit wird erreicht, und nie verstummet in den himmlischen Räumen der preisende Lobgesang. Doch davon hören wir in der letzten Betrachtung mehr. Es bleibt uns heute nur noch zu betrachten der Glückwunsch.

Alle, die unter dem Tore Bethlehems anwesend waren, er klärten sich zu Zeugen der geführten Verhandlungen, und beglückwünschten den Boas als Bräutigam. In frommer Weise erinnernd an patriarchalischen Wohlstand, wünschten sie den Verlobten den Kindersegen der Stammmütter Rahel und Lea, und noch besonders den häuslichen Segen des Perez; denn diesen, von dem die Bethlehemiter abstammten, hielten sie hoch in Ehren.

Beglückwünschen sich nicht auch einander die Erlösten darüber, dass sie in Jesu Frieden haben? Seht sie nur z. B. auf Missionsfesten zusammenströmen, unbekannt und doch bekannt sich die Hände reichen; wie bekunden ihre freundlichen Angesichter ihre gemeinsame Freude an dem Herrn! Sie ermuntern sich auch einander, fruchtbar zu sein in guten Werken und zu wachsen an dem, der das Haupt ist, Christus. Sie rühmen miteinander den Namen des Herrn, des Geliebten. Auch die guten Engel beglückwünschen die bekehrten Sünder als Mitgenossen der zukünftigen Herrlichkeit, und die Seligen, dort wiedervereinigt um den Herrn, werden sich Glück wünschen dazu, dass sie den schmalen Lebensweg wandelten und ausgeharrt haben geduldig in Hoffnung. Was macht sie so glücklich? was macht ihren Mund so fröhlich? was anders, als der Genuss der Seligkeit. Des Herrn freuen sie sich, der sie erlöst hat.

Selig der Mensch, der sich von Jesus erlöst weiß; aus dem Glauben gelangt er zum Schauen, aus dem Stückwerk zur Vollkommenheit. Amen!

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