Stockmayer, Otto - Der Blick auf Jesum
Der Blick auf Jesum.
„Lasst uns alles ablegen, was uns beschwert, auch die Sünde, die uns ständig umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns bestimmt ist, und dabei auf Jesus sehen, den Begründer und Vollender des Glaubens“ (Heb. 12, 1-2).
Wegblickend (nach dem Grundtexte1)) auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr. 12, 2).
Dadurch, dass wir einen Gegenstand anschauen, setzen wir uns in Beziehung zu ihm, stellen uns unter seinen Einfluss, geben ihm Macht über unser Herz.
Der Blick auf die verbotene Frucht hat die sündige Lust im Herzen unsrer Stammmutter entzündet und den Fall der Menschheit nach sich gezogen. Der Blick auf die befestigten Städte Kanaans und auf die Stärke ihrer Einwohner hat Verzagtheit ins Herz der Kundschafter gebracht. Diese steckten damit das Volk Israel an, verleiteten es zur Empörung und riefen so über dasselbe das furchtbare Gericht herab, infolgedessen das ganze Geschlecht in der Wüste verfaulen musste (4 Mose 13; 14). Der Blick auf ein Weib hat David und manchen andern zu Fall gebracht. Als Petrus auf dem galiläischen Meere wandelte, war es der Blick auf den sich erhebenden Wind und die drohenden Wellen, der Verzagtheit, Furcht und Unglauben in sein Herz gebracht hat, dass er sank.
Ebenso kann uns aber auch ein Blick neu beleben. Ein Blick auf ihren Feldherrn und eine Begegnung seines Blicks entflammte die Truppen Napoleons I. und erfüllte ihr Herz mit Heldenmut und Todesverachtung. - Der Glaubensblick auf den HErrn hatte den Fuß Petri über den Wassern gehalten.
Je nach der Natur und dem Charakter des Gegenstandes, auf den wir schauen, öffnen wir unser Herz dem Leben oder dem Tode, dem Segen oder dem Fluche, dem Lichte oder der Finsternis, der Wahrheit oder der Lüge.
Da nun die Welt im argen liegt und unter dem Fluche, da unser eigenes Wesen von der Sünde zerfressen und dem Verderben verfallen ist, so kann es ja nicht anders sein, als dass wir immer tiefer in Finsternis, Tod und Sünde versinken, sobald wir auf die Welt um uns her, auf Geschöpfe und Verhältnisse, oder auf unsre eigene Innenwelt hoffend oder fürchtend den Blick richten. Der Blick nach außen, sowie der Blick auf uns selbst, kann nur Befleckung, Entmutigung und Unzufriedenheit, Stolz und Eitelkeit, Lust, Neid oder Sorge in uns wecken und nähren. Deshalb sagt der Apostel: Lasst uns wegblicken!
Gott hat den Menschen nicht in die Welt hineingestellt, um sich mit seinem Blicke darin zu verlieren, um vom Spiele seiner inneren Eindrücke und Seelenstimmungen oder vom Wechsel der äußeren Umstände und Erfahrungen sich umhertreiben und beherrschen zu lassen. Der Mensch sollte herrschen. Seine Herrscherwürde hat er verloren durch Hochmut, dadurch, dass er sein wollte wie Gott und sein eigenes Ich zum Mittelpunkte seines Lebens und Liebens erhob; er hat sie verloren durch sinnliche Lust, dadurch, dass er seinen Blick an die Welt um sich her hing. Wer aber Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Mit dem Verluste seiner Herrscherkrone ist der Mensch dem Einfluss seiner Mitgeschöpfe verfallen, dem Drucke der ihn umgebenden Verhältnisse und Umstände, wenn nicht gar sein Blick gefangen liegt in den Banden seiner eigenen Phantasiewelt, in dem Dichten und Trachten, Sorgen, Fürchten und Hoffen seines ruhelosen Herzens.
In dieser seiner Gebundenheit wäre der Mensch rettungslos verloren gewesen, wenn ihm Gott nicht die Hand gereicht hätte. Damit, dass Gott Seinen Sohn in die Welt sandte, hat Er in dessen Person dem Gesichtskreise des gefallenen Menschen einen neuen Mittelpunkt geboten, um sich darin zu sammeln und zurecht zu finden, einen Weinstock, aus dem er aufs Neue Leben und Lebenssaft schöpfen kann. Jesus Christus ist der Fels, aus dem schon im Alten Bunde das Volk Gottes getrunken hat.
Da es aber Gott mit einem Gefangenen zu tun hatte, so musste Er ihm vor allem den Weg öffnen zu diesen Lebensbeziehungen mit Jesu; Er musste ihm den Austritt aus der Welt der Sünde und des Todes, den Eintritt in Jesum wieder möglich machen. Gott hat es getan, indem Er unsre Übertretungen auf Jesum Christum warf, unsern Abfall und unsern Ungehorsam, unsern Hochmut und unsre Sinnenlust im Fleische Christi am Kreuzesstamme richtete. Dadurch, dass Jesus Christus unsre Sünde auf sich genommen, gebüßt und gesühnt hat, hat Er uns von der Macht und der Knechtschaft der Sünde frei gemacht. Die Zauberbande, in denen unser Herz und unser Blick gebunden lag, sind gelöst, und auf Grund der von Jesu vollbrachten Versöhnung führt uns der Heilige Geist aus dem nunmehr geöffneten Gefängnis heraus und in Christum ein. Er ist es, der uns fähig macht, dem in unserm Textesworte enthaltenen göttlichen Gebote nachzukommen und wegzublicken auf Jesum. Er macht dazu fähig auch die, denen das Reich Gottes bis dahin eine verschlossene Welt gewesen war. Wer dem Geiste gehorcht, wenn Er ihm das Lamm Gottes zeigt, das für ihn gerichtet worden ist, und vertrauend zu Jesu ausschaut, d. h. an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben (Joh. 3, 14-17. 36).
Nicht mit dem fleischlichen Auge sollen wir auf Jesum schauen. Er zeigt sich uns nicht so, wie Seine Zeitgenossen Ihn geschaut und gekannt haben; nur der Glaubensblick vermag Ihn zu erkennen. Es handelt sich auch nicht um einen Gefühls- oder Phantasie-Christus, sondern um den Christus der Evangelien, wie Er auf Erden gelebt und gelitten hat, gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren ist. Für unsern Glaubensblick macht der Heilige Geist Christi Bild lebendig, wenn wir auf den Knien treu und gewissenhaft in der einzigen untrüglichen Quelle der Heiligen Schrift forschen, um von Seiner Person und Seinem Werke uns Rechenschaft zu geben. Nur im Evangelium finden wir den wahren Christus mit allem, was Er für uns ist, mit allem, was Er für uns getan hat. Wenn eine Seele über die heilige Urkunde des Schriftwortes sich neigt, so kommt ihr Jesus selbst von Seinem Himmelsthron herab entgegen, um sie in die Gemeinschaft Seines Todes und in die Gemeinschaft Seines Lebens hereinzuziehen (Joh. 12, 32. 33).
Angesichts des Heilands, den die Heilige Schrift uns bietet, angesichts des gekreuzigten und auferstandenen Christus ist die Sünde, von der der Heilige Geist die Welt überzeugt, weder die Sünde der Lust noch die des Hochmuts; es ist weder Mord noch Ehebruch; es ist eine Sünde ganz andrer Natur und schrecklicheren Charakters: Es ist die Sünde des Unglaubens an Christum, die Sünde dessen, der sich weigert, zu Christo aufzuschauen, um in Ihm sein Leben zu finden.
Es ist deine Sünde, armer, verblendeter Bruder, der du dich im Kampfe mit dir selbst müde arbeitest, und nicht erkennen willst, dass du dich dadurch immer tiefer in die Bande deines eigenen Selbsts verstrickst, Finsternis über dich bringst und deiner natürlichen Selbstgerechtigkeit Nahrung gibst; der du, um zu Christo zu gehen, erst auf innere Erfahrungen und bessere Herzenszustände, auf Reue, Sündenschmerz und Zerknirschung wartest, in dir selbst irgend einen Anknüpfungspunkt für neues Leben suchst, anstatt dass du Gott die Ehre gibst, aufschaust auf Jesum und alles von Seiner Gnade erwartest. Es ist deine Sünde, arme Seele, die du nicht lassen magst von deinen eigenen Gedanken, deinen eigenen Wegen und deinem eigenen Ich, von deinem Eigensinne, deinem Eigenwillen und dem Suchen deiner eigenen Ehre. Du siehst nicht ein, dass die alte Schlange, dein Mörder, dir das unerträgliche Foch kostbar, die schwersten Sündenketten teuer, das trostloseste und verkommenste Leben lieb zu machen sucht, nur damit du ja nicht deinen Blick zu Jesu erhebst und lebst.
Seele, so lass dich doch nicht länger berücken, belügen und betrügen; gehorche deinem Gott und schaue auf Jesum! (Joh. 6, 402).) Er wird deine Bande sprengen und dein Gefängnis öffnen. Freue dich, dass dein Erlöser einen Namen hat, der über alle Namen ist; freue dich, dass Ihm alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, in der sichtbaren und unsichtbaren Welt, und dass Er stark genug ist, alle Fäden deines äußeren Lebens sowohl, als deines verborgensten Innenlebens in der Hand zu halten und zu leiten! Er ist größer als dein Herz und größer als deine Feinde. Er kommt mit Seiner alles lösenden Macht deinem gebundenen Blicke zu Hilfe und stellt dich über alle Einflüsse, die dich von Seiner Lebensgemeinschaft fern halten möchten.
Christus hat Macht über deine Vergangenheit. Gott hat eine Welt aus dem Nichts gerufen; Christus kann eine Welt ins Nichts zurückwerfen. Er macht deine Vergangenheit zunichte damit, dass Er deine Sünden tilgt. Was Er vergibt, das ist ausgetilgt. Und hättest du dich der Vergehungen eines ganzen Menschengeschlechts schuldig gemacht, was auch der Wurm sein möge, der an deinem Gewissen nagt - schaue auf Jesum! Er nimmt es alles hinweg. Warum willst du dich länger mit Sünden schleppen, die Er getragen hat? Gönne dem heiligen Lamme Gottes den Lohn Seiner Schmerzen und danke Ihm, dass Er die Last getragen hat, die dich erdrücken würde.
Christus hat Macht über deine Zukunft. Er hat Bahn gebrochen, hat alles geebnet und zurecht gebracht. Wo du keinen Weg siehst und keine Kraft spürst, da lass dich von Ihm führen; gehe vorwärts ohne Licht und ohne Kraft, im Blicke auf Ihn. Sein Auge sieht klar; Schritt für Schritt schafft Er die nötige Kraft. Wenn du nur im Glauben auf Jesum blickst, so bist du gewiss, dass du nie einer Verlegenheit, einer Trübsal oder einer Versuchung begegnen wirst, die der HErr nicht nach deinem jeweiligen Vermögen auf der Wage des Heiligtums gewogen und der Er nicht ein solches Ziel gesetzt hätte, dass du sie nicht nur ertragen, sondern darin weit überwinden kannst (1 Kor. 10, 13. 14; Röm. 8, 37).
Alles ist Christo untertan; du brauchst dich Ihm nur zu überlassen. Anstatt in eigenen Anstrengungen dich zu erschöpfen und Luftstreiche zu tun, richte deinen Blick auf Ihn. Er ist lebendig und übt ein lebendiges Priestertum. Als Hoherpriester steht Er für jede geängstete und beladene Seele ein und hält rechtzeitige Hilfe für sie bereit (Hebr. 4, 14-16). Mögen die Wasser der Trübsal noch so hoch gehen: Sie werden nur das hinwegschwemmen, und die Flammen werden nur das verzehren, was vom Menschen stammt, d. h. was fleischlich und sündlich ist; was von Christo ist, können sie nicht antasten. Du hast nichts für deine Seele zu fürchten; sie gehört Christo; dein Heil hängt an Ihm und ist Seine Sache. Ach, wenn es deine Sache wäre, so gingst du ewig verloren. Willst du denn deine Seele nicht Jesu anvertrauen?
Vielleicht wird es dem Anscheine nach rückwärts gehen. Lass es dir nur gefallen. Es kommt dir nicht zu, über deine Fortschritte zu urteilen; du hast nur eins zu tun: Jesum anschauen! Vielleicht wird es von Demütigung zu Demütigung gehen; vielleicht wird es dir immer elender zu Mute werden: Lass es geschehen; es ist der Weg Christi. Lass Ihn Sein Werk in dir treiben; und ob es auch ganz anders ginge, als du dir geträumt hattest: Wenn nur Er am Ruder steht! Schaue auf Jesum als auf den, in dem alles Leben wohnt und von dem allein Leben kommt! Die Quelle wahren geistlichen Lebens findet sich nur in Christo und ein Christ, ein wirklich lebendiger Christ bist du darum auch nur, solang und soweit du Seines Lebens lebst; du lebst als Heide, soweit du deines eigenen Lebens lebst. Und zu deinem eigenen Leben wendest du dich zurück, sobald dein Blick auf die Welt sich richtet, die du in dir trägst.
Neigt eure Ohren her und kommet zu mir! Höret, so wird eure Seele leben. Dem Aufblicken geht ein Aufmerken voran. Dem Blicke Evas auf die verbotene Frucht, der die Sünde zum Ausbruch und zur Vollendung gebracht hat, war ein Abfall von Gott vorausgegangen. Er lag darin, dass sie auf die Stimme des Teufels gemerkt hatte. In gleicher Weise besteht der erste Schritt zum Aufstehen im Merken auf die Stimme Gottes. In diesem Merken oder nicht Merken offenbaren sich Licht- und Finsterniskinder. Wer dem Geisteszuge gehorcht, indem er treu das Ausblicken auf Jesum übt, sich stützend auf Sein Wort und auf Sein Werk, der bekommt das volle in Jesu Christo erschienene Heil zu erfahren. Er verliert sich aus dem Auge; er wird los von sich selbst.
Darum merke auf den Heiligen Geist und nicht auf dich, auf deine Gefühle, Stimmungen und Seelenzustände. Wer seinen Herzenszustand belauscht, giebt seinem eigenen natürlichen Leben Raum und Nahrung. Und wiederum, um unbeirrt und frei zu bleiben von allem, was der Heilige Geist nicht selbst in dir wirkt, senke deinen Anker ein in Jesum; flüchte dich in Ihn! Er ist Anfänger und Vollender des Glaubens. Lass dich weder von Stimmungen noch von Umständen hemmen und aushalten! Widerstehe ihrem Drucke und beherrsche sie durch einen entschiedenen, beharrlichen Blick auf Jesum!
Bei diesem Merken auf die Stimme des göttlichen Geistes und bei diesem Blicken auf Jesum musst du dich aber auch wieder führen und erleuchten lassen vom Worte Gottes, damit du hinter der trüglichen Stimme deines Gewissens die untrügliche Stimme deines Gottes erkennen lernest, und nicht auf Abwege geratest. Wenn dich dann dein Herz verklagt und straft, so kannst du, ohne dich unter seinen Richterspruch zu stellen, an Gott selbst appellieren; Gott ist größer, denn unser Herz und erkennt alle Dinge. Was wirklich zu strafen und zu richten ist, das wird Gott richten; und was Er gerichtet hat, das nimmt Er weg, um dich den Blick Seiner Liebe wieder fühlen lassen zu können. Stellst du dich so einerseits auf den Boden des Wortes Gottes, andrerseits unter die Zucht und das Gericht Seines Geistes, so darfst du jederzeit zu Jesu kommen und auf Ihn blicken, ohne erst mit dir selbst im klaren zu sein. Wenn du, irre an dir selbst, dich Ihm nur unbedingt und rückhaltslos auslieferst, so wird Er all das verworrene Zeug zurecht bringen. Was in deiner Frömmigkeit nicht Werk des Heiligen Geistes ist, deckt Er dir dann auf und scheidet es aus. Jede Rebe, die da Frucht bringt, reinigt Er, auf dass sie mehr Frucht bringe.
Warte auch nicht, bis du dich stark genug fühlst, deinem HErrn nachzufolgen; gehe zu Ihm in all deiner Schwäche, Menschenfurcht und Fleischesträgheit! Unbekümmert um äußerste Ohnmacht in dir selbst, zähle auf Ihn und auf Seine Kraft zum Überwinden, Zeugen, Leiden und Dienen, und es wird dir geschehen über Bitten und Verstehen. Von Augenblick zu Augenblick lass dir an Seiner Gnade genügen, sei es um, Seines Winks gewärtig, zu tun, was Er dich heißt; sei es um das Kreuz zu tragen, das Er dir auferlegt! Sei darin treu und beharrlich, so wird Sein Leben in dir Gestalt gewinnen, ohne dass du dir davon Rechenschaft zu geben brauchst; so wird dein Christentum gesund und lebendig, dein Gang frei und gewiss werden.
In den guten Stunden deines Lebens schaue zu Ihm auf, um dich nicht zu verirren und zu erheben; in den bösen, um nicht zu verzagen. Er bewahrt, stützt und bricht Bahn. Alles von Christo erwarten von dem ersten bis zum letzten Schritte unsrer Laufbahn, den Blick von allem abwenden, was zwischen uns und Ihn sich eindrängen möchte, um auf Ihn zu schauen und Ihm still zu halten - das bringt Erlösung und Leben. Wir bleiben fest, wenn wir den Löwen Judas anschauen, der überwunden hat und Urheber eines ewigen Heils für alle geworden ist, die Ihm gehorsam sind (vgl. Joh. 16, 33 mit 1 Joh. 5, 4).
Ist es nicht unverantwortlich, einen Heiland zu kennen, den Sohn Gottes, die Fülle alles Lebens und aller Kraft, einen Heiland, vom Vater uns geschenkt und für uns dahingegeben - und nicht auf Ihn zu blicken unverwandt und in allen Verhältnissen? Ist es nicht unverantwortlich, wenn man einmal das Zorngericht geschaut hat, das Gott am Kreuze in der Person Seines Sohns an uns vollzogen, das Verdammungsurteil, das Er damit ausgesprochen hat über alles, was wir getan haben, was wir sind und was wir vermögen
ist es da nicht unverantwortlich, noch etwas tun zu wollen, was der HErr nicht selbst in uns schafft (Hebr. 13, 21), einen Schritt vorwärts zu gehen ohne Ihn? - So stehe es denn fortan bei dir fest, dass Er, der Herr Jesus, dein Leben, dein Ein und Alles ist, dass es Ihm zukommt, alles zu vollenden, was dich angeht, dass es ganz und gar Seine Sache ist, die Seele, die Er erworben, in den Hafen einzuführen! Was dir zukommt, das ist: Deinen Retter und Heiland über dich verfügen lassen, zu Ihm ausblicken und dich an Ihn hingeben in kindlichem Vertrauen und unbedingtem Gehorsam.
Ihm aber, dem Barmherzigen, dem Treuen, und Wahrhaftigen, sei Lob, Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen.
Auf Dich, mein Vater, will ich bauen,
In Angst empor zu Dir nur schauen,
So bin ich ruhig immerdar;
Wenn meine Freunde mich verließen,
Wenn auf mich tausend Feinde stießen,
Auch in der schrecklichsten Gefahr.
Nie, nie soll mein Vertrauen wanken,
Im tiefsten Elend will ich danken;
Das tiefste Elend kommt von Dir.
Von Herzen kannst Du nicht betrüben ;
Du kannst, o Liebe, nichts als lieben;
Du sorgest für uns mehr als wir.
Drum will ich aus den tiefsten Nöten
Zu Dir, mein Helfer, freudig beten ;
Du bist, mein Vater, stets bei mir.
Wenn ich vergnügt bin, wenn ich leide,
Bist Du mein Trost und meine Freude,
Hängt meine Scele nur an Dir.
Und wenn ich keinen Ausgang merke,
So bet' ich an und fleh' um Stärke,
Dir auch im Dunkeln zu vertrau'n.
Bin ich gleich blind, den Weg zu sehen,
Genug, Du führst mich, ich will gehen;
Ich weiß, mein Glaube wird zum Schau'n.
Lavater. Der Blick auf Jesum
Von
Otto Stockmayer
Sechste Auflage
Basel.
P. Kober C. S. Spittlers Nachfolger.
1897
Vergl. im Grundtexte 11, 26: Denn er blickte weg (von den Schätzen Ägyptens) auf die Belohnung.