Spurgeon, Charles Haddon - Ein Brunnen lebendigen Wassers - Gottes Wille betreffs der Zukunft.
Gehalten am Donnerstag den 16. Oktober 1890.
Bestimmt zum Lesen für Sonntag den 7. Februar 18921).
“Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt, und wollen ein Jahr da liegen und Handel treiben und gewinnen; die ihr nicht wisst, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist's, der eine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet er. Dafür ihr sagen solltet: So der Herr will, und wir leben, wollen wir dies oder das tun. Nun aber rühmt ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist es Sünde.“
Jak. 4, 13-17.
Die Menschen sind heute noch gerade ebenso, als da diese Worte zuerst geschrieben wurden. Wir finden immer noch Leute, die sagen, was sie heute tun wollen, morgen oder nach sechs Monaten, am Ende eines andern Jahres und vielleicht noch weiter hinaus. Ich habe keinen Zweifel, dass hier Personen sind, die sich ihre eigene Laufbahn ziemlich deutlich vorgezeichnet haben und beinahe gewiss sind, dass sie alles so ausführen werden, wie sie sich vorgenommen. Wir gleichen den Menschen der Vergangenheit, und dieses Buch, obwohl vor so langer Zeit geschrieben, könnte gestern geschrieben sein, so genau zeichnet es die menschliche Natur, wie sie am Ende dieses neunzehnten Jahrhunderts ist.
Der Text spricht mit ganz besonderer Kraft zu uns, wenn unsere Freunde und Mitarbeiter von uns scheiden. Krankheit und Tod sind sehr geschäftig in unserer Mitte gewesen. Vielleicht haben wir bei unsern vielen Arbeiten auf das gerechnet, was dieser Bruder diese Woche tun würde und jene Schwester in der nächsten und so weiter. Sogar für Gottes Werk haben wir unsere Pläne gehabt, die zum großen Teil von dem Beistande einiger lieben Helfer abhingen. Diese waren so kräftig und gesund, dass wir es kaum für möglich hielten, sie würden in einem Augenblicke dahinsinken. Dennoch ist das häufig der Fall gewesen. Die Ungewissheit des Lebens macht sich uns recht fühlbar, wenn solche Dinge sich ereignen, und wir beginnen, uns zu wundern, dass wir auf irgendetwas als sicher oder auch nur als wahrscheinlich gerechnet haben in einer so veränderlichen, wechselvollen Welt, wie die unsere es ist. In vollem Hinblick darauf will ich davon reden, wie wir uns hinsichtlich der Zukunft verhalten sollten und will versuchen, einige Lehren zu unserer eigenen Besserung und Unterweisung aus den vorliegenden Versen zu entnehmen.
Wenn wir dem Text folgen und uns so nahe wie möglich daran halten, so nehmen wir zuerst wahr, dass das Rechnen auf die Zukunft Torheit ist. Dann wollen wir bemerken, was uns allen klar genug, dass unsere Unkenntnis der Zukunft Tatsache ist. Drittens werde ich euch die Hauptwahrheit dieser Stelle vor Augen bringen, dass die Anerkennung der Abhängigkeit der Zukunft von Gott weise ist; unser vierter Punkt soll sein, dass das Prahlen mit der Zukunft Sünde ist; und unser Schlussgedanke, dass die Benutzung der Gegenwart Pflicht ist.
I.
Nur weniger Worte wird es bedürfen, euch zu überzeugen, dass das Rechnen auf die Zukunft Torheit ist. Der Apostel sagt: „Geht nun!“ (n. d. engl. Übs.) Als wenn er sagen wollte: „ihr handelt abgeschmackt. Seht, wie lächerlich euer Betragen ist.“ „Geht nun, die ihr sagt: heute oder morgen wollen wir dies oder das tun.“ Es ist fast ein Anflug von Spott in den Worten. Dass der schwache, gebrechliche Mensch so stolz sein eigenes Leben anordnet und Gottes vergisst, scheint dem Apostel Jakobus so lächerlich, dass er es kaum der Mühe wert hält, über diesen Punkt zu streiten, er sagt bloß: „Geht nun!“
Lasst uns zuerst auf die Form dieser Torheit sehen und beachten, was es war, das diese Leute sagten, als sie auf die Zukunft rechneten. Der Text ist voll von Winken über diese Sache.
Sie dachten augenscheinlich, dass alles zu ihrer Verfügung stünde. Sie sprachen: „Wir wollen gehen, wir wollen dableiben, wir wollen kaufen, wir wollen verkaufen, wir wollen gewinnen.“ Aber ist es nicht töricht, wenn ein Mensch fühlt, dass er tun kann, was ihm gefällt, und dass alles so ausfallen wird, wie er es wünscht, dass er sowohl denken, wie lenken kann und durchaus nicht um Gottes Einwilligung zu bitten hat? Er nimmt sich etwas vor und beschließt, gerade das zu tun, was er sich vorgenommen hat. Ist es so, o Mensch, dass dein Leben ein selbstregiertes ist? Ist nicht noch einer da, größer als du selber? Gibt es nicht eine höhere Macht, die dich fördern kann oder hindern? Wenn du dies nicht weißt, so hast du noch nicht den ersten Buchstaben des Alphabets der Weisheit gelernt. Möge Gott dich lehren, dass nicht alles zu deiner. Verfügung steht, sondern, dass der Herr regiert, dass der Herr ein König bleibt in Ewigkeit!
Beachtet, dass diese Leute, während sie meinten, dass alles zu ihrer Verfügung stünde, alles für weltliche Zwecke gebrauchten. Was sagten sie? Beschlossen sie miteinander: „Wir wollen heute oder morgen dies und das tun zur Ehre Gottes und für die Ausbreitung seines Reiches?“ nein, es war kein Wort von Gott darin von Anfang bis zu Ende! Darin sind sie nur zu sehr das Vorbild der meisten Menschen unserer Tage. Sie sagten: „Wir wollen kaufen, dann wollen wir unsere Güter auf einen anderen, etwas weiter entlegenen Markt tragen; wir wollen mit Profit verkaufen und so einen Gewinn machen.“ Ihre ersten und ihre letzten Gedanken waren von der Erde und irdisch, und ihre einzige Idee schien die zu sein, genug zu bekommen, um zu fühlen, dass sie „reich und gar satt“ seien. Das war der höchste Ehrgeiz ihrer Seelen. Gibt es nicht viele, die jetzt in derselben Weise leben? Sie denken, dass sie den Plan zu ihrem eigenen Leben machen können; und der einzige Zweck ihrer Anstrengungen scheint das Kaufen und Verkaufen und Gewinnen zu sein, oder sonst Ehre zu erlangen oder Vergnügen zu genießen. Ihr Herz steigt nicht hinauf in die klare Luft des Himmels, sie kriechen nur hier unten.
Alles, wovon diese Menschen vor so langer Zeit redeten, sollte ganz in ihrer eigenen Kraft getan werden. Sie sprachen: „Wir wollen, wir wollen.“ Sie hatten keinen Gedanken daran, um den göttlichen Segen zu bitten oder die Hilfe des Höchsten anzuflehen. Sie kümmerten sich darum gar nicht, sie waren sich selbst genug, sie nannten sich „selbstgemachte Männer“, und sie beabsichtigten, Geld zu machen. Wie sollte einer nicht Geld machen können, der sich selbst gemacht hat? Wie sollte einer nicht Erfolg im Geschäft haben, der seinen eigenen Charakter und seine gegenwärtige Stellung ganz seinen eigenen Bemühungen und seinem eigenen Kopfe verdankt? So waren sie voll Selbstvertrauen und begannen auf die Zukunft zu rechnen ohne einen Schatten von Zweifel an ihrer eigenen Fähigkeit? Ach, dass die Menschen heute noch das Gleiche tun, dass sie, ohne Gott um Rat zu fragen, vorwärts gehen in stolzer Verachtung oder in völligem Vergessen „der Pfeile, die des Tages fliegen und der Pestilenz, die im Finsteren schleicht“, bis plötzlich das ewige Verderben über sie kommt!
Es ist klar, dass diesen Menschen alles gewiss schien. „Wir wollen in die und die Stadt gehen.“ Wie wussten sie, dass sie je dahin kommen würden? „Wir wollen Handel treiben und gewinnen.“ Regulierten sie den Markt? Konnte nicht ein Fallen der Preise stattfinden? nein! sie betrachteten die Zukunft als etwas völlig Gewisses und sich selber als Leute, die sicher wären zu gewinnen, wie es anderen auch ergehen möge.
Sie hatten daneben die törichte Vorstellung, dass sie unsterblich seien. Wenn sie gefragt wären, ob Menschen nicht vielleicht sterben könnten, hätten sie geantwortet: „Ja, natürlich müssen alle zu der einen oder andern Zeit sterben“, denn alle Menschen halten alle Menschen für sterblich; aber in ihrem Herzen würden sie für sich selber eine Ausnahme gemacht haben, wenn wir sie nach dem beurteilen dürfen, wie wir selber ohne die göttliche Gnade waren. Alle Menschen halten alle Menschen für sterblich, nur sich selber nicht. Ohne irgendeine einschränkende Klausel sagten sie: „Wir wollen ein Jahr da liegen.“ Wie wussten sie, dass sie ein einziges Viertel dieses Jahres durchleben würden? Aber man muss solche Leute nicht zu sehr mit unangenehmen Fragen drängen. Wenn man das getan hätte, würden sie geantwortet haben: „Sprecht nicht vom Tode, es macht einen melancholisch.“
Nachdem wir die Form dieser Torheit betrachtet haben, lasst uns ein wenig von der Torheit selber sprechen. Es ist eine große Torheit, Hoffnungen auf das zu bauen, was vielleicht niemals kommt. Es ist unweise, unsere Küchlein zu zählen, ehe sie ausgebrütet sind; es ist Wahnwitz, alles auf die ungewisse Zukunft zu wagen.
Wie wissen wir, was morgen sein wird? Es ist sprichwörtlich geworden, dass wir das Unerwartete erwarten sollten; denn oft geschieht gerade das, wovon wir dachten, dass es nicht geschehen würde. Wir werden beständig durch die Ereignisse überrascht, die um uns her geschehen. In der großen Rede Gottes, die er in seiner Vorsehung hält, sind Stellen von wunderbarer Beredsamkeit, durch die Macht der Überraschung, welche in ihnen ist. Sie kommen unvermutet und überwältigen uns. Wie können wir auf irgendetwas in dieser Welt rechnen, wo nichts gewiss ist als Ungewissheit?
Außerdem wird die Torheit gesehen in der Schwäche unseres Lebens und der Kürze desselben. „Was ist euer Leben? Ein Dampf ist es, der eine kleine Zeit währt.“ Jene Wolke auf dem Berge - ihr seht sie, wenn ihr am Morgen aufsteht; ihr habt euch kaum angekleidet, so ist jede Spur von ihr dahin. Neulich kamen wir abends hierher durch einen dicken Nebel in den Straßen und fanden ihn selbst hier im Gebetshause. Aber während unseres Gottesdienstes kam ein Wind, und auf dem Heimwege würde ein Fremder nicht gedacht haben, dass London nur ein paar Stunden. vorher so dunkel von schmutzigem Nebel gewesen wäre; er war ganz verschwunden. Das Leben ist wie ein Dampf. Zuweilen, besonders zur Zeit des Sonnenuntergangs sind diese Dämpfe außerordentlich glänzend. Sie scheinen die Pracht selber zu sein, wenn die Sonne sie mit himmlischen Farben malt; aber in einer kleinen Weile sind sie alle dahin, und das ganze Panorama des Sonnenuntergangs ist verschwunden. So ist unser Leben. Es mag zuweilen sehr glänzend und herrlich sein; aber doch ist es nur wie eine gemalte Wolke, und sehr bald ist die Wolke samt der Farbe darauf vergangen. Wir können nicht auf die Wolken rechnen, ihre Gesetze sind so veränderlich und ihre Zustände so unbekannt. So ist auch unser Leben.
Worin liegt der Grund, dass wir immer auf das rechnen, was wir tun wollen? Wie kommt es, dass wir, anstatt in der ewigen Zukunft zu leben, wo wir es mit Gewissheiten zu tun hätten, fortfahren in der näheren Zukunft zu leben, wo nichts als Ungewissheiten sein können? Warum erwählen wir es, auf Wolken zu bauen. und unsere Paläste auf Dampf zu errichten, um sie dahinschmelzen zu sehen, wie sie früher oft dahingeschmolzen sind, statt durch den Glauben dahin zu gelangen, wo kein Fehlschlagen ist, wo Gott alles in allem ist und seine sicheren Verheißungen die Grundlagen ewiger Wohnungen bilden? O! ich möchte mit dem stärksten Nachdruck sagen: Rechnet nicht auf die Zukunft. Junge Leute, ich möchte euch dies ins Ohr flüstern: Zählt nicht auf die künftigen Tage. Ihr Alten, Flüstern ist nicht genug für euch, ich möchte mit einer Donnerstimme sagen: Rechnet nicht auf ferne Jahre, im Laufe der Natur müssen eurer Tage wenige sein. Lebt in der Gegenwart, lebt für Gott, traut ihm jetzt und dient ihm jetzt, denn sehr bald wird euer Leben auf Erden vorüber sein.
Wir sehen so, dass Rechnen auf die Zukunft Torheit ist.
II.
Zweitens, unsere Unkenntnis der Zukunft ist eine Tatsache. Was wir auch sagen über das, was wir tun wollen, wir wissen nichts von der Zukunft. Der Apostel spricht durch den heiligen Geist die Wahrheit, wenn er sagt: „Die ihr nicht wisst, was morgen sein wird.“ Ob das „morgen“ zu uns kommen wird mit Krankheit oder Gesundheit, Glück oder Unglück, können wir nicht sagen. Morgen mag das Ende unseres Lebens sein, möglicherweise sogar das Ende des Zeitalters. Unsere Unkenntnis der Zukunft ist sicherlich Tatsache.
Nur Gott kennt die Zukunft. Alle Dinge sind für ihn gegenwärtig, es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft für sein allsehendes Auge. Er weilt in der Gegenwart immerdar als der große „Ich bin“. Er weiß, was morgen sein wird, und er allein weiß es. Der ganze Lauf des Weltalls liegt vor ihm wie eine aufgeschlagene Landkarte da. Menschen wissen nicht, was ein Tag bringen mag, aber Jehovah kennt das Ende vom Anfang. Es gibt zwei große Gewissheiten über Dinge, die geschehen sollen eine ist, dass Gott sie weiß und die andere ist, dass wir sie nicht wissen.
Da die Kenntnis der Zukunft vor uns verborgen ist, sollten wir nicht in sie hineinspähen. Es ist gefährlich, es ist gottlos, zu versuchen, auch nur einen Zipfel des Schleiers aufzuheben, der die künftigen Dinge vor uns verbirgt. Forscht in den Dingen, die in der Heiligen Schrift offenbart sind und macht euch damit bekannt, soweit ihr vermögt, aber seid nicht so töricht, zu denken, dass irgendein Mann oder Weib euch sagen kann, was geschehen wird und haltet nicht so viel von eurem eigenen Urteil und Vorausblick, dass ihr sprecht: „Dies ist klar, ich kann dies vorhersagen.“ Prophezeit nie, bis nach dem Ereignisse, und dann natürlich könnt ihr nicht prophezeien, deshalb versucht überhaupt nie zu prophezeien. Ihr wisst nicht, was morgen sein wird, und ihr solltet keinen unheiligen Versuch machen, Kenntnis davon zu erlangen. Lasst das Geschick des Königs Saul auf Gilboa euch vor einem so schrecklichen Wege warnen.
Ferner, unsere Unkenntnis der Zukunft ist gut für uns. Gesetzt, ein Mann soll nach einiger Zeit sehr glücklich sein. Wenn er es weiß, wird er unglücklich sein bis die glückliche Stunde eintritt. Gesetzt, ein anderer soll sehr bald ein großes Leid haben. Es ist gut, dass er es nicht weiß, denn nun kann er das gegenwärtige Gute genießen. Wenn unser ganzes Leben in ein Buch geschrieben und darin alles verzeichnet wäre, was uns begegnen soll, und die Hand des Schicksals würde uns dies Buch geben, so würden wir weise sein, es nicht zu lesen, sondern es wegzulegen und zu sprechen: „Mein Gott, ich wünsche nicht mit neugierigem Auge mein Schicksal zu sehen, was für düstere Zeilen da geschrieben stehen oder was für helle es sind.“ Es ist genügend, dass unser himmlischer Vater es weiß, und sein Wissen mag uns wohl zufrieden stellen. Kenntnis ist nicht Weisheit. Der ist der Weiseste, der nicht zu wissen wünscht, was Gott nicht offenbart hat. Hier sicherlich ist Unwissenheit Segen; es wäre Torheit, weise zu sein.
Weil wir nicht wissen, was morgen sein wird, sollte unsere Unwissenheit uns sehr demütigen. Wir halten uns für so weise, nicht wahr? Und wir machen eine Berechnung, von der wir sicher sind, dass sie richtig ist! Wir ordnen an, dass dies getan werden soll und jenes; aber Gott streckt seinen kleinen Finger aus und nimmt einen Freund hinweg oder ändert irgendeinen Umstand und all unsere Entwürfe fallen zu Boden. Es ist besser für uns, demütig vor Gottes Thron zu liegen, als aufzustehen und uns zu brüsten, weil wir glauben, dass wir sagen können: „O, ich wusste, es würde so sein! Seht, wie gut ich gerechnet habe! Mit was für wunderbarem Vorbedacht habe ich für alles gesorgt!“ Hätte Gott unsere Pläne in die Luft gesprengt, so wäre nichts daraus geworden. Wir wissen nichts gewiss. Lasst diesen Gedanken uns sehr demütigen.
Da die Sachen so stehen, sollten wir an die Kürze, die Schwachheit und das Ende unseres Lebens gedenken. Wir können hier nicht lange sein. Wenn wir auch bis zum äußersten Alter des Menschen leben, wie kurz ist unsere Zeit! Aber die meisten von uns werden nie eine Periode erreichen, worin wir einer zum andern sagen können: „Meine Zeit ist abgelaufen.“ Mit wie schwachem Griff halten wir diese Welt! In einem Augenblick sind wir dahin, dahin wie die Motte; ihr legt den Finger auf sie und sie ist zerdrückt. Der Mensch ist nicht groß, der Mensch ist weniger als klein. Er ist wie nichts, er ist nur ein Traum. Kaum vermag er zu sagen, dass er hier ist, so müssen wir schon sagen, dass er dahingegangen ist.
Wir sind froh, dass wir nicht wissen, wann unsere Freunde sterben werden, und wir fühlen uns dankbar, dass wir nicht vorhersagen können, wann wir selber aus diesem Leben scheiden werden. Was für Nutzen würde uns das bringen? Einige, die durch Furcht des Todes in Knechtschaft sind, möchten in noch größerer Knechtschaft sein, während die, welche jetzt unbekümmert darum sind, wahrscheinlich noch zufriedener in ihrer Sorglosigkeit sein würden. Wenn sie noch zwanzig Jahre zu leben hätten, so würden sie sagen: „Jedenfalls können wir neunzehn davon vertändeln.“ Und diejenigen unter uns, für die diese Welt eine Wüste ist und die sich nur als Pilger betrachten, welche durch dieselbe hindurcheilen, wissen genug, wenn sie wissen, dass dieselbe nicht unsere Ruhe ist, „um ihrer Unreinigkeit willen“ (Micha 2, 10) und dass der Tag bald kommen wird, wo wir in das Kanaan unseres Erbteils eingehen und allezeit bei dem Herrn sein werden. Mittlerweile macht die Gegenwart des Herrn einen Himmel selbst aus der Wüste. Da er mit uns ist, sind wir es zufrieden, die Anordnung unseres Lebens seiner niemals irrenden Weisheit zu überlassen. Wir sollten aus jedem Grunde dankbar sein, dass wir die Zukunft nicht kennen; aber jedenfalls können wir klar sehen, dass es Torheit ist, darauf zu rechnen und dass unsere Unkenntnis derselben eine Tatsache ist.
III.
Drittens, die Anerkennung, dass die Zukunft von Gott abhängt, ist wahre Weisheit. Was sagt unser Text? „Dafür ihr sagen solltet: So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun.“ Ich meine nicht, dass wir immer in jedem Briefe und auf jedem Zettel schreiben sollten: „So der Herr will“; doch wünschte ich, dass wir häufiger gerade diese Worte gebrauchten. Die moderne Weise ist, es auf lateinisch auszudrücken und auch dann es abzukürzen und nur die zwei Konsonanten „D. V.“2) zu gebrauchen. Ihr wisst, es ist eine schöne Sache, wenn ihr eure Religion in Latein geben und sie sehr kurz machen könnt. Dann weiß niemand, was ihr damit meint; oder wenn er es weiß, kann er eure Gelehrsamkeit preisen und eure Demut bewundern. Ich gebe nichts um diese Buchstaben „D. V.“ Ich liebe mehr das, was Fuller sagt, wenn er davon spricht, dass in seinen Briefen solche Ausdrücke vorkommen, wie „So Gott will“ oder „Wenn Gott mir Leben verleiht.“ Er sagt: „Ich bemerke, Herr, dass ich kaum meine Hand davon zurückhalten kann, diese Worte einzuklammern, als wenn sie nicht notwendig zu dem Sage gehörten und ebenso wohl ausgelassen werden könnten, während sie in der Tat nicht nur im Allgemeinen dazu gehören, sondern so wesentlich sind, dass ohne sie das Übrige nichts ist; deshalb will ich künftig diese Worte frei schreiben ohne irgendein Zeichen dabei. Mögen die Kritiker es als schlechte Grammatik tadeln, ich bin gewiss, es ist gute Theologie.“ Doch, ob ihr schreibt: „So der Herr will“ oder nicht, gebt es immer klar zu verstehen, und lasst aus euren Anordnungen herausleuchten, dass ihr anerkennt, dass Gott über allem ist und dass ihr unter seiner Herrschaft seid. Wenn ihr sagt: „Ich will dies oder das tun“, so fügt stets in Gedanken, wenn nicht in Worten hinzu: „So der Herr will“. Es kann euch keinen Schaden tun, wenn ihr euch vor Gottes unumschränkter Herrschaft beugt.
Wir sollten Gott bei allen Angelegenheiten der Zukunft anerkennen, zuerst, weil es einen göttlichen Willen gibt, der alle Dinge regiert. Ich glaube, dass nichts geschieht ohne göttliche Bestimmung und Verordnung; sogar die kleinen Dinge des Lebens werden von dem allsehenden Auge nicht übersehen. „Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt.“ Der Standpunkt eines Schilfs am Fluss ist ebenso bestimmt und vorhergewusst wie der Standpunkt eines Königs, und die Spreu von der Hand des Sichtenden wird gelenkt, ebenso sehr wie die Sterne in ihrem Lauf. Alle Dinge sind geregelt und haben in Gottes Plan einen bestimmten Platz und im Grunde geschieht nichts, als was er erlaubt und verordnet. In dieser Erkenntnis wollen wir nicht immer sprechen: So der Herr will“, aber wir wollen es immer fühlen. Was auch unsere Vorsätze sein mögen, es gibt eine höhere Macht, die wir immer anerkennen müssen, und es gibt einen allmächtigen Vorsatz, vor dem wir in tiefster Ehrfurcht uns beugen müssen und sprechen: „So der Herr will“.
Aber während viele von Gottes Ratschlägen uns verborgen sind, gibt es einen offenbarten Willen, gegen den wir nicht handeln dürfen. Hauptsächlich im Blick auf diesen sollte ein Christ stets sagen: „Ich will dies oder das tun, falls ich, wenn die Zeit kommt, sehe, dass es dem Gesetze Gottes und den Vorschriften des Evangeliums gemäß ist.“ Ich sage jetzt: „Ich will dies oder das tun“, aber es mögen sich Dinge ereignen, die es unpassend für mich machen würden, es zu tun. Deshalb, um stets mit dem Worte, das ich so tief verehre, im Einklang zu sein, muss ich immer diese Klausel hinzufügen, zuweilen in Worten, aber allezeit in Gedanken: „Ich will das und das tun, wenn es recht ist, es zu tun; ich will gehen oder ich will bleiben, wenn es der Wille Gottes ist.“
Außer diesem gibt es einen Willen Gottes, der sich in der Vorsehung kundtut und den wir immer um Rat fragen sollten. Mit dieser Leitung, die von den Umständen kommt, welche uns umgeben, sind Gläubige sehr bekannt. Zuweilen mag uns etwas moralisch durchaus recht erscheinen, und doch mögen wir nicht wissen, ob wir es tun sollen oder nicht. Oder vielleicht sind zwei Wege gleichmäßig recht, wenn sie nach dem Worte Gottes beurteilt werden, und ihr seid ungewiss, welchem ihr folgen sollt. Die höchste Weisheit ist in solchem Falle zu warten, bis Gott durch irgendeine Fügung den Pfad klar macht. Wenn ihr an einen Kreuzweg kommt, so haltet in eurer Verlegenheit still, kniet nieder und erhebt euer Herz zum Himmel, indem ihr euren Vater um den Weg fragt. Und wenn immer wir uns vornehmen, was wir tun wollen und wir sollten Vorsätze fassen, denn Gottes Kinder dürfen nicht ohne Vorbedacht und Klugheit sein sollten wir stets sagen oder meinen, ohne es zu sagen: „Alle meine Pläne müssen warten, bis der Herr mir eine Tür auftut. Wenn Gott es erlaubt, will ich dies tun, aber wenn der Herr es verlangt, so will ich innehalten. und gar nichts tun. Meine Stärke soll sein, stille zu sitzen bis der Meister wünscht, dass ich vorwärts gehe.“ Darf ich in das Ohr einiger sehr rascher, ungestümer und hastiger Leute flüstern, dass es sehr zum Besten ihrer Seele dienen würde, wenn sie still zu sitzen vermöchten? Vielen von uns scheint es, als wenn wir immer alles sogleich tun müssten und daher stürzen wir uns in endlose Verwirrungen. Es ist oft eine gesegnete Zucht im Aufschieben. Es ist ein großes Wort, das Wort „harren“; besonders in diesem Zusammenhang. Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt und harre des Herrn.“ Seid geduldig! Zuweilen wird es unsere Stärke sein, ganz untätig in der Hand des Herrn zu liegen; stille zu stehen bis die feurige Wolkensäule vor uns hergeht, wird unsere höchste Weisheit sein.
Doch ist noch ein anderer Sinn da, den ich diesem Ausdruck geben möchte: es gibt einen königlichen Willen, den wir zu erfüllen suchen sollten. Dieser Wille ist, dass das Volk des Herrn errettet werde und zur Erkenntnis der Wahrheit komme. So gehen wir als die Knechte des Höchsten aus, um dies und das zu tun, „So der Herr will“, d. h. wenn wir dadurch den großen Willen Gottes in der Errettung der Menschen erfüllen können. Ich wünschte, dies wäre die Haupttriebfeder bei allen Christen, dass jeder willig wäre, zu sagen: „Ich will hingehen und an jenem Orte leben, wenn Seelen dort zu erretten sind. Ich will ein Haus in der und der Straße nehmen, wenn ich dadurch meinem Herrn und Meister dienen kann. Ich will nach China oder Afrika gehen oder an die Enden der Erde, wenn der Herr will, d. h. wenn ich dadurch helfen kann, dass das Gebet erhört werde: Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.“ Liebe christliche Freunde, stellt ihr euch ganz und gar zu Gottes Verfügung? Seid ihr wirklich sein eigen oder habt ihr ein wenig von euch selber bei der Übergabe zurückbehalten? Wenn ihr einen Teil für euch selber behaltet, so wird dies die offene Stelle sein, durch die euer Leben hinwegbluten wird. Ihr sprecht: „Wir sind nicht unser eigen, wir sind teuer erkauft“; aber meint ihr das wirklich? Mir ist bange, dass auf manchen Christen eine Art Hypothek ist. Sie haben etwas, was sie, wie sie sich einbilden, zu ihrer eigenen Vergrößerung geben müssen. Sie leben nicht ganz für Christum. Möge der Herr uns alle in völliger Hingabe zu seinen Füßen bringen, bis wir sagen können: „Wir wollen nicht in diese Stadt gehen, wenn wir nicht Gott da dienen können. Wir wollen nicht kaufen und wir wollen nicht verkaufen, wenn wir nicht Gott durch Kaufen und Verkaufen verherrlichen können, und wir wollen nicht einmal den ehrlichen Gewinn, der aus dem Handel kommt, wenn wir nicht den Willen Gottes dadurch fördern können. Unser bester Gewinn soll darin bestehen, dass wir Gottes Willen tun.“ Ein Mann kann Gott ebenso sehr dadurch dienen, dass er Kattun abmisst oder Kolonialwaren abwiegt, wenn er dazu berufen ist und es im rechten Geiste tut, als durch Predigen des Evangeliums. Es sollte stets unser einziges Ziel sein und wir sollten es voranstellen in unserem Leben: „Ich gehe oder bleibe, ich steige hinauf oder herab, wenn der Herr will; des Herrn Wille soll in meinem sterblichen Leibe getan werden, ob ich lebe oder ob ich sterbe.“
Möge dies denn unser Entschluss sein! Lasst dieses Wort „So der Herr will“ über unserem Leben geschrieben stehen und lasst uns alle unsere Abhängigkeit von Gott betreffs der Zukunft anerkennen. Es ist etwas Großes, wenn wir zu sagen vermögen: „Wohin ich gehe und was mir auch geschieht, ich gehöre Gott an und ich kann sagen, dass Gott meinen Weg ebenso wohl bereiten wird, nun ich alt und grauhaarig bin, als er es tat, da ich ein Knabe war. Er soll mich den ganzen Weg zu meiner ewigen Wohnung in der Herrlichkeit leiten; er war der Führer meiner Jugend, er soll der Führer meines Alters sein. Ich will ihm alles überlassen, den ganzen Weg von der Erde bis zum Himmel und ich will zufrieden sein, nur einen Tag zurzeit zu leben und will fröhlich singen:
„Das Gestern und das Morgen
Lass fahren immerhin
Und richte alle Sorgen
Nur auf das Heute hin.“
IV.
Und nun viertens, Prahlereien mit der Zukunft sind böse. „Nun aber rühmt ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse.“ Ich will nicht viel über diesen Punkt sagen, sondern euch nur in der Kürze bitten, die verschiedenen Weisen zu beachten, in denen die Menschen mit der Zukunft prahlen.
Der eine Mann sagt von einer gewissen Sache: „Ich will. es tun, ich habe es mir vorgenommen“, und er denkt: „Ihr könnt mich nicht davon abbringen. Ich bin ein Mann, der wenn er einmal seinen Fuß niedergesetzt hat, nicht vom Platze zu bringen ist.“ Dann lacht er und ist stolz auf die Stärke seines Willens; aber sein Prahlen ist schier Anmaßung. Doch, er freut sich darin und das Wort Gottes ist wahr von einem solchen: „Alle solche Freude ist böse.“ („Aber nun freut ihr euch in euren Prahlereien. All solche Freude ist böse.“ N. d. engl. Üb.)
Ein anderer sagt: „Ich werde es tun, die Sache ist gewiss“, und wenn man ihm eine Schwierigkeit vorhält, antwortet er: „Pah! redet mir nicht davon, dass ich denke und Gott lenke, ich will denken und ich will auch lenken, ich sehe keine Schwierigkeit. Ich werde es ausführen, das sage ich euch. Es wird mir gelingen.“ Dann lacht er in seinem törichten Hochmut und freut sich in seiner hochmütigen Torheit. All solche Freude ist böse. Sie ist töricht, aber was noch schlimmer, sie ist böse. Spreche ich zu einigen, die weder an den Himmel noch an die künftige Welt denken, sondern sich vollkommen als Herren dieser Welt fühlen und deshalb in der angedeuteten Art reden und sich freuen bei dem Gedanken, wie groß sie sind. Solchen möchte ich mit Ernst sagen: „All solche Freude ist böse“.
Ich höre einen Dritten sagen: „Ich kann es tun. Ich fühle mich ganz dazu fähig.“ Für ihn ist die Botschaft dieselbe, sein Prahlen ist böse. Obwohl er bei sich selbst denkt: „Was mir auch zu Händen kommt, ich bin stets dazu bereit“, so täuscht er sich doch gewaltig und irrt sich schwer. Ich bin oft in Gesellschaft eines Herrn von dieser Art gewesen, aber nur auf kurze Zeit, denn ich habe mich gewöhnlich so schnell von ihm losgemacht, wie ich nur konnte. Er weiß etwas. Er hat das große Geheimnis, das so viele vergeblich suchen. All ihr gewöhnlichen Leute, über euch rümpft er die Nase. Wenn ihr mehr Verstand hättet und tun könntet, wie er tut - nun dann würdet ihr ebenso wohlhabend sein wie, er es ist. Ein armer Mann! „Niemand braucht arm zu sein“, sagt er, „niemand braucht arm zu sein. Ich war eine Zeitlang arm, aber ich nahm mir vor, dass ich nicht arm bleiben wollte. Ich kämpfte mich durch, und ich konnte mit einer Brotrinde beginnen und mich hinaufarbeiten.“ Ihr werdet seine häufige Anführung des „Ich“ bemerken, aber, Mann, Gott hat Donnerkeile für solche große „Ich“! Sie beleidigen ihn, sie sind „ein Dampf in seiner Nase“. Stolz ist eins von den Dingen, die seine Seele hasst. Kein Mensch sollte in solchem Tone sprechen. „Alle solche Freude ist böse“.
Aber jener junge Mann drüben redet in einer andern Weise. Er hat geplant, was er tun will, wenn er Erfolg hat; denn natürlich wird er Erfolg haben. Nun, ich hoffe, er wird es. Er will kaufen und verkaufen und gewinnen, und er spricht: „Ich will dies und das tun, wenn ich reich bin“. Er beabsichtigt dann sein Leben zu. genießen; er lacht, wenn er daran denkt, was er tun will, wenn seine mühsamen Anfänge vorüber sind und er seinen eigenen Willen haben kann. Ich möchte ihn bitten, inne zu halten und sein Leben in einer ernsthafteren Weise zu betrachten: „All solche Freude ist böse.“
Es gibt natürlich eine Zukunft, deren ihr sicher sein könnt. Es gibt eine Zukunft, auf welche ihr euch freuen könnt. Gott hat für die, welche ihm dienen, eine Krone des Lebens bereitet und in demütiger Hoffnung dürft ihr diese Krone schon jetzt tragen. Ihr könnt bei dem Gedanken an solche erstaunliche Seligkeit beginnen, an der Freude des Himmels teilzunehmen, und dies wird euch keinen Schaden tun. Im Gegenteil, es wird euer Herz beruhigen über euren kurzen Aufenthalt auf der Erde, denn was wird es euch ausmachen, ob euer Leben wolkig oder hell, kurz oder lang ist, wenn die Ewigkeit sicher ist? Aber wenn ihr beginnt, euch über die unsicheren Dinge dieses flüchtigen Lebens zu freuen, „All solche Freude ist böse“.
V.
Dies bringt mich zu meinem letzten und sehr praktischen Punkt, welcher dies ist: Die Benutzung der Gegenwart ist unsere Pflicht. „Denn wer da weiß, Gutes zu tun und tut's nicht, dem ist es Sünde.“ Ich nehme diesen Spruch in seinem Zusammenhange. Er bedeutet: der, welcher weiß, was er tun sollte und es nicht sogleich tut, dem ist es Sünde. Der Spruch bezieht sich nicht auf Menschen, die in sündlicher Kenntnis ihrer Pflicht leben und sie doch versäumen; seine Botschaft ist für Menschen, welche die gegenwärtige Pflicht kennen und denken, dass sie dieselbe später tun wollen.
Zuerst ist es sündlich, den Gehorsam gegen das Evangelium aufzuschieben. „Wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde.“ Sagst du „Ich werde Buße tun?“ Deine Pflicht ist, jetzt Buße zu tun. „Ich werde glauben“, sagst du? Das Gebot Christi ist: „Glaube jetzt“. „Nachdem ich gläubig geworden bin“, sagt einer, „werde ich lange Zeit warten, bis ich ein Bekenntnis ablege.“ Ein anderer sagt: „Ich bin ein Gläubiger, und ich werde mich eines Tages taufen lassen.“ Aber da die Taufe dem Willen des Herrn gemäß ist, hast du nicht mehr Recht sie aufzuschieben, als du hast, es aufzuschieben, ehrlich oder mäßig zu sein. Alle Gebote Gottes kommen zu denen, welchen sie gegeben werden, als eine gegenwärtige Forderung. Gehorche ihnen jetzt. Und wenn irgendjemand unter uns, der weiß, dass Gott ihn glauben heißt, sich weigert zu glauben, aber sagt, er hoffe, eines Tages Christo zu vertrauen, so lasst mich ihm dies vorlesen: „Wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht“ (das Wort ist in der gegenwärtigen Zeit) „dem ist es Sünde.“
Ferner, es ist sündlich, die gewöhnlichen Pflichten des Lebens zu versäumen, in dem Gedanken, dass wir später etwas mehr tun wollen. Du gehorchst nicht deinen Eltern, junger Mann und doch willst du ein Prediger werden, nicht wahr? Einen schönen Prediger wirst du abgeben! Als Lehrling bist du sehr säumig und nachlässig, und dein Meister sähe gern deinen Rücken; er wünscht, dass er deinen Lehrbrief verbrennen könnte, und doch hast du die Idee, Missionar zu werden, glaube ich? Ein schöner Missionar würdest du sein! Da ist eine Mutter, deren Kinder vernachlässigt werden, während sie mit ihren Nachbarn schwatzt; aber wenn ihre Kinder erst groß sind, so will sie eine wahre Mutter in Israel werden und nach den Seelen anderer sehen. Solches Verhalten ist Sünde. Sorge für die Kinder, stopfe die Strümpfe und erfülle deine häuslichen Pflichten, und wenn du das getan hast, so sprich davon, dass du an andern Orten etwas tun willst. Wenn die gegenwärtigen Pflichten versäumt werden, so könnt ihr deren Unterlassung nicht gut machen, durch irgendein zukünftiges Stück Don-Quixotischen Unternehmens, etwas zu tun, wozu ihr niemals berufen wurdet. Wenn wir alle ruhig genug sein könnten, um diese Uhr ticken zu hören, so würden wir sie sagen hören: „Nun! nun! nun! nun!“ Die Uhr gleicht darin dem Ruf Gottes in den täglichen Pflichten der Stunde. „Wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde“, selbst wenn er davon träumt, wie er in künftigen Jahren sein gegenwärtiges Versäumnis gut machen will.
Ferner, liebe Freunde, ist es sündlich, die Ausführung guter Vorsätze hinauszuschieben. Wenn ihr einen großen Plan und einen heiligen Vorsatz habet, so möchte ich euch bitten, ihn nicht zu verschieben. Mein lieber Freund, William Olney, über dessen Abwesenheit wir heute Abend alle trauern, war ein sehr prompter, energischer Mann. Er war hier, er war dort, er war überall im Dienste seines Herrn und Meisters; und nun er plötzlich danieder geworfen ist, kann sein Leben in keinem Sinne unvollendet genannt werden; es ist nichts in seinem Geschäft zu tun; es ist nichts in seinen Beziehungen zu dieser Gemeinde zu tun. Es ist nichts ungetan mit Rücksicht auf irgendjemand. Es ist alles beendet, als wenn er gewusst hätte, dass er abberufen werden würde. Und ich glaube, das ist die Weise, wie wir alle leben sollten. Whitefield sagte, er ginge nicht zu Bett, ohne sogar seine Handschuhe an den rechten Platz gelegt zu haben. Wenn er in der Nacht sterben sollte, so möchte er nicht, dass jemand fragte: „Wo hat er seine Handschuhe gelassen?“ Das ist die Weise, wie ein Christ immer leben sollte; habt alles in Ordnung, selbst bis zu den Handschuhen. Vollendet euer Werk jeden Abend; nein, vollendet jede Minute. Ich habe Wesleys Tagebuch gesehen, es ist freilich nicht genau ein „Tagebuch“; es gibt nicht einen Bericht über das, was er an einem Tag tat, nicht einmal über das, was er in einer Stunde tat. Er teilte seine Zeit ein in je zwanzig Minuten: und ich habe das Buch gesehen, worin ein Bericht ist von dem, was er für seinen Herrn und Meister getan hat jede zwanzig Minuten des Tages. So pünktlich lebte er, dass keine einzige halbe Minute je vergeudet schien. Ich wünschte, wir alle lebten auf diese Art, so dass wir nicht auf Pläne in einer fernen Zukunft blickten, die vielleicht nie verwirklicht werden, sondern auf etwas, das jetzt zu tun ist.
Am letzten Donnerstag sagte ich, dass einige Christen niemals die Geschichte vom Kreuze andern erzählt hätten, und drang in sie, es sogleich zu tun. Ein junger Freund der dort saß, lehnte sich. über den Stuhl und sagte zu einer, die vor ihm saß: „Ich möchte darüber mit Ihnen sprechen.“ Er hatte nie vorher mit ihr gesprochen, kannte sie nicht einmal, aber er sagte dies zu ihr während des Gottesdienstes. Eine Frau, ein Mitglied der Gemeinde, die dabei saß, hörte, was der junge Mann sagte, und sein promptes Handeln gefiel ihr so, dass sie nach dem Gottesdienste da blieb, ihm zu helfen, während er den Weg des Heils auslegte. Die junge Person, mit der er gesprochen, kam letzten Dienstag, um mir zu sagen, dass sie den Heiland gefunden durch diese zur rechten Zeit angebrachte Bemühung. Liebe Freunde, das ist die Weise, dem Herrn zu dienen. Wenn wir die Dinge täten in dem Augenblicke, wo sie uns in den Sinn kämen, so würden wir sie zweckgemäß tun. Aber, o, wie viele schöne Dinge hast du immer tun wollen und hast nicht einmal den Versuch dazu gemacht! Du hast die Pläne, die in deinem Geist geboren wurden, schon als Kindlein erstickt. Du hast sie nicht leben und zur Mannheit des wirklichen Handelns erwachsen lassen. Die ersten Gedanken sind im Dienste Gottes die besten, und ihre Ausführung würde viel Gutes für andere und viel Frucht für uns selber bringen. „Wer da weiß Gutes zu tun, und tat's nicht, dem ist es Sünde.“ Gott helfe uns, wenn wir errettet sind, an dieses heilige Geschäft zu gehen, dem Herrn Christo zu dienen, was ebenso weit über dem Kaufen, Verkaufen und Gewinnen ist, wie der Himmel über der Erde. Lasst uns sogleich etwas für Christum tun. Ihr jungen Neubekehrten, wenn ihr nicht sehr bald anfangt, für Christum zu arbeiten, so werdet ihr zu trägen Christen erwachsen, die kaum Christen zu nennen sind; aber ich glaube, wenn ihr fast sogleich nach Gottes Anleitung etwas eurer Fähigkeit Angemessenes versucht, so wird das die Laufbahn eines nützlichen Wirkens für euch eröffnen. Gott wird euch segnen und euch in Stand setzen, in künftigen Jahren mehr zu tun.
Ich habe noch dieses letzte Wort: „Wer da weiß Gutes zu tun, und tat es nicht, dem ist es Sünde“ d. h. es ist sündlich im Verhältnis zu unserem Wissen. Wenn hier ein Bruder ist, dem Gott etwas Frisches, etwas Gutes in den Sinn gegeben hat, so bitte ich ihn, es sogleich zur Tat zu machen. „O, aber niemand hat es noch getan!“ Einer muss der erste sein, und warum sollst du nicht der erste sein, wenn du gewiss bist, dass es etwas Gutes ist und durch Gott den heiligen Geist in dein Herz gekommen ist? Aber, wenn du weißt Gutes zu tun, und tust es nicht, so wird es Sünde sein jede Minute, die du es ungetan lässt. Deshalb geh sogleich daran. Und du, meine Schwester, die du heute Abend, während du hier saßest, an etwas gedacht hast, was du hättest tun können, aber noch nicht versucht hast, versuche es sogleich. Lass nicht erst die Sonne wiederum aufgehen, ehe du, wenn es dir möglich ist, den freudigen und gesegneten Dienst begonnen hast. „Die Zeit ist kurz.“ Unsere Gelegenheiten zum Gutes tun fliehen rasch dahin. Denn was ist euer Leben?
Ein Dampf ist es, der eine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet er.“ Auf und handle! Bald werden wir dahin sein. Mögen wir nie den Befehl hören, heimzugehen, so lange noch etwas ungetan ist, das wir für unsern Herrn und Meister hätten tun sollen!
Ich bin mir bewusst, nur sehr schwach und unvollkommen gesprochen zu haben; aber ihr wisst, mir ist das Herz schwer wegen dieses großen Leides, das über uns gekommen durch die Krankheit unseres teuren Diakonen, William Olney; und wenn das Herz so traurig ist, kann der Kopf nicht sehr lebhaft denken. Möge Gott das Wort segnen um Jesu willen. Amen.