Spurgeon, Charles Haddon - Der Seelengewinner - Erfordernisse für das Seelengewinnen mit Beziehung auf Gott.

Unser Hauptgeschäft, Brüder, ist das, Seelen zu gewinnen. Gleich den Hufschmieden tut es uns not, sehr vieles zu wissen; aber gerade wie der Schmied von Pferden etwas wissen muss, und wie Hufeisen für sie zu machen sind, so müssen wir von Seelen etwas wissen, und wie sie für Gott zu gewinnen sind. Der Teil des Themas, über den ich heute Nachmittag zu Ihnen reden will, ist die Befähigungen zum Seelen-Gewinnen, und zwar werde ich nur über eine Reihe dieser Befähigungen reden, nämlich die, welche in der Richtung nach Gott zu, Gottwärts, liegen, und ich will versuchen, den Gegenstand in einer dem gesunden Verstand entsprechenden Weise zu behandeln, indem ich Sie bitte, selbst zu urteilen, welche Befähigungen Gott natürlicherweise in seinen Knechten suchen, welche er am ehesten billigen und am wahrscheinlichsten gebrauchen würde. Sie müssen wissen, dass jeder Arbeiter, wenn er weise ist, ein Werkzeug gebraucht, das für den Zweck, den er im Auge hat, dienlich ist. Es gibt einige Künstler, die niemals im Stande gewesen sind, auf einer andern, als ihrer eigenen Violine zu spielen, oder mit etwas anderem als ihrem eigenen Pinsel und Farbenbrett zu malen; und gewiss, der große Gott, der mächtigste aller Arbeiter, liebt es, in seinem großen Kunstwerke des Seelengewinnens seine eigenen, besonderen Werkzeuge zu gebrauchen. Bei der alten Schöpfung gebrauchte er nichts als seine eigenen Instrumente: „Er sprach und es geschah,“ und in der neuen Schöpfung ist das wirksame Mittel immer noch sein mächtiges Wort. Er spricht durch die Predigt seiner Knechte und deshalb müssen sie Posaunen sein, die sich dazu eignen, dass er durch sie spricht, Werkzeuge, die tauglich sind, sein Wort zu den Ohren und den Herzen der Menschen zu bringen. Urteilen Sie also, meine Brüder, ob Gott Sie gebrauchen wird; versetzen Sie sich an seine Stelle und denken Sie daran, welche Art Menschen Sie am ehesten gebrauchen würden, wenn Sie an der Stelle des höchsten Gottes wären.

Ich bin gewiss, Sie würden zu allererst sagen, dass ein Mann, der ein Seelengewinner sein soll, heilig sein muss. Ach! Wie wenige, die zu predigen versuchen, denken hieran genügend! Wenn sie es täten, würde es ihnen sofort in die Augen springen, dass der Ewige niemals unreine Werkzeuge gebraucht, dass der dreimalheilige Jehova nur heilige Werkzeuge zur Vollbringung seines Werkes wählt. Kein verständiger Mann würde seinen Wein in schmutzige Flaschen gießen; kein freundlicher und guter Vater würde seinen Kindern erlauben, ein unsittliches Theaterstück zu sehen; und Gott will nicht ans Werk gehen mit Werkzeugen, die ihm Unehre bringen würden. Gesetzt, es wäre ganz bekannt, dass Gott, wenn Menschen nur gescheit wären, sie gebrauchte, wie auch ihr Charakter und ihr Wandel beschaffen sein möge; gesetzt, man wüsste, dass man in dem Werk Gottes ebenso wohl durch Ränke und Unwahrheit wie durch Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit guten Fortgang erzielen könne, welcher Mann in der Welt, der ein richtiges Gefühl hätte, würde sich nicht eines solchen Standes der Sachen schämen? Aber, Brüder, es ist nicht so. Es gibt gegenwärtig viele, die uns sagen, dass das Theater eine große Schule für die Sittlichkeit sei. Das muss eine seltsame Schule sein, in welcher die Lehrer nie ihre eigenen Lehren lernen. In Gottes Schule müssen die Lehrer Meister in der Kunst der Heiligkeit sein. Wenn wir ein Ding mit unsern Lippen lehren und ein anderes mit unserm Leben, so werden unsere Zuhörer sagen: „Arzt, hilf dir selber!“ „Du sagst: Tut Buße. Wo ist deine Buße? Du sagst: Dient Gott und seid seinem Willen gehorsam. Bist du seinem Willen gehorsam?“ Ein unheiliger Prediger würde ein Spott der Welt und eine Unehre für Gott sein. „Reinigt euch, die ihr des Herrn Geräte tragt.“ Er wird durch einen Toren reden, wenn dieser nur ein heiliger Mann ist. Ich meine natürlich nicht, dass Gott Toren zu seinen Predigern wählt; aber lassen Sie einen Mann nur wirklich heilig werden, und wenn er auch nur die allergeringste Fähigkeit besitzt, wird er doch ein tauglicheres Werkzeug in Gottes Hand sein, als der Mann von gigantischem Talent, der dem göttlichen Willen nicht gehorsam ist und nicht rein und lauter vor den Augen Gottes, des allmächtigen Herrn.

Liebe Brüder, ich bitte Sie, Ihre eigene persönliche Heiligkeit als etwas höchst Wichtiges anzusehen. Leben Sie vor Gott. Wenn Sie es nicht tun, wird der Herr nicht mit Ihnen sein; er wird von Ihnen sprechen, wie von den falschen Propheten der alten Zeit: „So ich sie doch nicht gesandt, und ihnen nichts befohlen habe, und sie auch diesem Volk nichts nütze sind, spricht der Herr.“ Sie mögen sehr schöne Predigten halten, aber wenn Sie selber nicht heilig sind, werden keine Seelen errettet werden. Wahrscheinlich werden Sie selbst nicht zu dem Schlusse gelangen, dass Ihr Mangel an Heiligkeit der Grund Ihres Nichterfolges sei; Sie werden die Hörer tadeln, Sie werden die Zeit tadeln, in der Sie leben, Sie werden alles tadeln, ausgenommen sich selber; aber da wird die Wurzel des ganzen Unheils liegen. Kenne ich nicht selber Männer von beträchtlicher Fähigkeit und Arbeitsamkeit, die Jahr auf Jahr weitergehen ohne Zuwachs ihrer Gemeinden? Der Grund ist der, dass sie nicht vor Gott leben, wie sie es sollten. Zuweilen liegt das Übel in der Familie des Predigers, seine Söhne und Töchter sind Empörer wider Gott, schlechte Reden werden sogar unter seinen eigenen Kindern gestattet und seine Rügen sind einfach wie Elis milde Frage an seine bösen Söhne: „Warum tut ihr solches?“ Zuweilen ist der Prediger weltlich, gewinnsüchtig, nachlässig in seinem Werk. Das ist nicht nach Gottes Sinn, und er wird einen solchen Mann nicht segnen. Als George Müller in Mentone predigte, war es grade eine solche Ansprache, wie ein gewöhnlicher Lehrer sie vor einer Sonntagsschule halten könnte, doch hörte ich nie eine Predigt, die mir so gut tat und meiner Seele reicheren Gewinn brachte. Was sie so nützlich machte, war der George Müller darin. Es war kein George Müller darin in einem Sinne, denn er predigte nicht sich selbst, sondern Christum Jesum, den Herrn; Müller war nur da als Zeuge für die Wahrheit, aber er legte dies Zeugnis in einer solchen Weise ab, dass man nicht umhin konnte, zu sagen: „Dieser Mann predigt nicht nur, was er glaubt, sondern auch, was er lebt.“ In jedem Worte, was er aussprach, schien sein herrliches Glaubensleben sowohl auf das Ohr wie auf das Herz zu fallen. Es war mir eine Wonne, dazusitzen und ihm zuzuhören; doch, von neuen oder kräftigen Gedanken war keine Spur in der ganzen Rede. Heiligkeit war die Macht des Predigers, und Sie mögen sich darauf verlassen, wenn Gott uns segnen soll, muss unsere Stärke eben da liegen.

Diese Heiligkeit sollte sich zeigen in Gemeinschaft mit Gott. Wenn ein Mann seine eigene Botschaft ausrichtet, wird sie so viel Kraft haben, wie sein eigener Charakter ihr gibt; aber wenn er seines Herrn Botschaft ausrichtet, die er von den Lippen seines Herrn gehört hat, so wird das ein ganz anderes sein; und wenn er etwas in sich aufnehmen kann von dem Geist des Herrn, als dieser ihn anblickte und ihm die Botschaft gab, wenn er den Ausdruck von dem Antlitz seines Herrn und den Ton seiner Stimme wiedergeben kann, das wird auch etwas ganz anders sein. Lesen Sie Mc. Cheynes Denkwürdigkeiten, lesen Sie das Ganze, ich kann Ihnen keinen besseren Dienst tun, als Ihnen empfehlen, es zu lesen; es ist keine große Frische des Gedankens darin, es ist nichts sehr Neues oder Schlagendes darin, aber wenn Sie es lesen, muss es Ihnen gut tun, denn Sie fühlen, dass es die Lebensgeschichte eines Mannes ist, der mit Gott wandelte. Moody würde nie mit der Kraft gesprochen haben, mit der er es tat, wenn er nicht ein Leben der Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne, Jesus Christus führte. Die größte Kraft der Predigt liegt in dem, was der Predigt vorher gegangen ist. Sie müssen für den ganzen Gottesdienst sich bereiten durch Gemeinschaft mit Gott und wirkliche Heiligkeit.

Sie werden alle bekennen, dass ein Mann, wenn er als Gewinner von Seelen gebraucht werden soll, geistliches Leben in hohem Grade haben muss. Sie sehen, Brüder, unser Werk ist, durch Gottes Hilfe andern Leben mitzuteilen. Es würde gut sein, Elisa nachzuahmen, der sich über das tote Kind legte und es ins Leben zurückbrachte. Des Propheten Stab war nicht genügend, weil kein Leben darin war, das Leben muss durch ein lebendiges Werkzeug mitgeteilt werden, und der Mann, welcher das Leben mitteilen soll, muss selber sehr viel davon haben. Sie erinnern sich der Worte Christi: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen“, d. h. der Heilige Geist, wenn er in einem lebendigen Kinde Gottes wohnt, steigt nachher aus der Mitte desselben auf wie ein Quell oder ein Fluss, so dass andere kommen und an des Geistes gnadenvollen Einflüssen teilnehmen. Ich denke nicht, dass einer unter Ihnen ist, der wünscht, ein toter Prediger zu sein. Gott will keine toten Werkzeuge gebrauchen, um lebendige Wunder zu wirken; er muss lebendige Menschen haben, und Menschen, die ganz lebendig sind. Es gibt viele, die lebendig sind, aber nicht ganz und gar lebendig. Ich habe einmal ein Gemälde der Auferstehung gesehen, eins der sonderbarsten Bilder, die ich je gesehen. Der Künstler hatte versucht, den Augenblick zu malen, wo das Werk erst halb fertig ist; da waren einige, die bis an den Leib hinunter lebendig waren, bei einigen war ein Arm lebendig, bei andern ein Teil ihres Kopfes. Es gibt einige Menschen, die nur ungefähr zur Hälfte lebendig sind; sie haben lebendige Kinnbacken, aber kein lebendiges Herz; andere haben ein lebendiges Herz, aber kein lebendiges Gehirn; andere haben ein lebendiges Auge, sie können die Dinge ziemlich deutlich sehen, aber ihre Herzen sind nicht lebendig, sie vermögen gute Beschreibungen zu geben von dem, was sie sehen, aber die Wärme der Liebe fehlt dabei. Es gibt einige Prediger, die zur Hälfte Engel sind, und zur Hälfte - nun, lasst uns sagen, Maden. Es ist ein furchtbarer Gegensatz; aber es gibt viele Beispiele davon. Sind solche hier? Sie predigen gut, und Sie sagen, wenn sie einen von ihnen hören: „Das ist ein guter Mann.“ Sie fühlen, dass er ein guter Mann ist; Sie erfahren, dass er nach dem und dem Hause zum Abendessen geht, und Sie denken, dass Sie auch dahin gehen wollen, um die gottseligen Worte zu hören, die von seinen Lippen fallen werden; und wie Sie da sitzen und beobachten, heraus kommen die Maden! Es war ein Engel auf der Kanzel, nun kommen die Würmer! Es ist oft so, aber es sollte nie so sein; wenn wir wahre Zeugen Gottes sein wollen, so müssen wir ganz Engel sein und keine Würmer. Gott erlöse uns von diesem Zustand des Halbtodes! Mögen wir ganz lebendig sein vom Scheitel bis zur Sohle! Ich kenne einige solche Prediger; man kann nicht in Berührung mit ihnen kommen, ohne die Macht des geistlichen Lebens zu fühlen, das in ihnen ist, und zwar nicht bloß, während sie von religiösen Gegenständen reden, sondern sogar in den gewöhnlichen Dingen der Welt fühlt man es diesen Männern an, dass sie ganz für Gott leben. Solche Männer werden von Gott zur Lebendigmachung von anderen gebraucht.

Gesetzt, es wäre möglich für Sie, an die Stelle Gottes erhoben zu werden, meinen Sie nicht ferner, dass Sie einen Menschen gebrauchen würden, der wenig von sich selbst hielte, einen Mann von demütigem Geiste? Wenn Sie einen sehr stolzen Mann sehen, würden Sie ihn zu Ihrem Diener nehmen? Gewiss, der große Gott hat eine Vorliebe für die, welche demütig sind. „Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, des Name heilig ist, der ich in der Höhe und im Heiligtum wohne, und bei denen, so zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Er verabscheut die Stolzen, und wenn er die Hohen und Mächtigen sieht, so geht er an ihnen vorüber; aber wenn er die Demütigen sieht, hat er Gefallen daran, sie zu erhöhen. Besonders hat er Wohlgefallen an der Demut bei seinen Predigern. Es ist ein furchtbarer Anblick, einen stolzen Prediger zu sehen. Wenige Dinge können dem Teufel, wenn er das Land umher durchzieht, mehr Freude gewähren als dieses. Das ist etwas, was ihn froh macht, und er spricht zu sich selber: „Hier sind alle Vorbereitungen für einen baldigen großen Fall.“ Einige Prediger zeigen ihren Stolz durch ihre Redeweise auf der Kanzel; man kann nie die Art vergessen, in der sie ihren Text verkündigten: „Ich bin es, fürchtet euch nicht.“ Andre tun ihn kund in ihrem Anzug, in der albernen Eitelkeit ihrer Kleider, oder sonst in ihrem gewöhnlichen Gespräch, in welchem sie beständig die Mängel anderer vergrößern und sich über ihre eigenen außerordentlichen Vorzüge verbreiten. Es gibt zwei Arten von stolzen Leuten und zuweilen ist es schwer zu sagen, welche von den zweien die schlimmere ist. Da sind zuerst die, welche voller Eitelkeit sind, die von sich selber sprechen und andere Leute auffordern, das Gleiche zu tun, sie auf den Rücken zu pätscheln und ihnen die Federn glatt zu streichen. Sie sind ganz voll von ihrem kleinen Stückchen Ich und stolzieren umher, sprechend: „Lobt mich, bitte, lobt mich, ich wünsche es,“ wie ein kleines Kind, das zu jedem im Zimmer geht und sagt: „Sieh mein neues Kleid, ist es nicht hübsch?“ Sie mögen einige von diesen hübschen Kindern gesehen haben, ich habe viele angetroffen. Die andre Art Stolz ist zu groß für dergleichen. Sie kümmert sich nicht darum; sie verachtet die Leute so sehr, dass sie sich nicht herablässt, ihr Lob zu wünschen. Sie ist so ungemein zufrieden mit sich selbst, dass sie sich nicht herunterbeugt, um zu erwägen, was andere von ihr denken. Ich habe zuweilen gedacht, dass diese für das geistliche Leben die gefährlichere Art des Stolzes sei, aber es ist die respektablere von den beiden. Es ist im Grunde etwas sehr Edles darin, wenn man zu stolz ist, um stolz zu sein. Gesetzt, jene großen Esel yahnen dich an, sei nicht ein solcher Esel, sie zu beachten. Aber jene andere, arme, kleine Seele sagt: „Nun, jedermanns Lob ist etwas wert,“ und so legt sie den Speck in ihre Mausefallen und versucht, kleine Mäuse von Lob zu fangen, um sie zum Frühstück zu kochen. Sie hat mächtigen Appetit für solche Dinge. Brüder, befreien Sie sich von beiden Arten des Stolzes, falls Sie irgendetwas von einer derselben an sich haben.

Der Zwerg-Stolz und der Werwolf-Stolz sind beide ein Gräuel vor den Augen des Herrn. Vergessen Sie nie, dass Sie Jünger dessen sind, der sprach: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“

Demut heißt nicht, eine niedrige Meinung von sich selbst haben. Wenn ein Mann eine niedrige Meinung von sich selbst hat, ist es sehr möglich, dass seine Schätzung eine richtige ist. Ich habe einige Leute gekannt, deren Meinung von sich, nach dem, was sie sagten, allerdings sehr niedrig war. Sie dachten so gering von ihren Kräften, dass sie niemals den Versuch wagten, etwas Gutes zu tun; sie sagten, sie hätten kein Selbstvertrauen. Mir sind einige bekannt, die so wundervoll demütig waren, dass sie stets gern einen leichten Platz für sich aussuchten; sie waren zu demütig, etwas zu tun, das ihnen Tadel zuziehen könnte; sie nannten es Demut, aber ich dachte, „sündhafte Liebe zur Bequemlichkeit“ wäre ein besserer Name dafür gewesen. Wahre Demut wird Sie dahin führen, richtig von sich selber zu denken, die Wahrheit über sich zu denken.

In der Sache des Seelengewinners macht die Demut Sie fühlen, dass Sie gar nichts sind, und dass Sie, wenn Gott Ihnen Erfolg in dem Werke gibt, ihm alle Ehre zuschreiben müssen, weil Ihnen kein Verdienst dabei mit Recht zukommen kann. Wenn Sie keinen Erfolg haben, wird die Demut Sie dahin leiten, Ihre eigene Torheit und Schwäche zu tadeln, nicht Gottes unumschränkte Herrschaft. Warum sollte Gott Segen geben, und Sie dann mit der Ehre dafür weglaufen lassen? Die Ehre der Errettung von Seelen gehört ihm, und ihm allein. Warum sollten Sie denn versuchen, dieselbe zu stehlen? Sie wissen, wie viele diesen Diebstahl versuchen: „Als ich an dem und dem Orte predigte, kamen am Schluss des Gottesdienstes fünfzehn Personen zu mir in die Sakristei und dankten mir für die Predigt, die ich gehalten.“ Du und deine schöne Predigt seien gehangen - ich hätte ein stärkeres Wort brauchen können, wenn ich gewollt, denn wirklich, du bist der Verdammung würdig, wenn du die Ehre für dich nimmst, die Gott allein gebührt. Sie erinnern sich der Geschichte von dem jungen Prinzen, der in das Zimmer kam, wo sein sterbender Vater, wie er meinte, schlafend lag, und des Königs Krone auf den Kopf setzte, um zu sehen, wie sie ihm passen würde. Der König, der ihn beobachtete, sagte: „Warte eine kleine Weile, mein Sohn, warte bis ich tot bin.“ So, wenn Sie Neigung fühlen, die Krone der Ehre auf Ihr Haupt zu setzen, denken Sie, dass Sie Gott sagen hören: „Warte, bis ich tot bin, ehe du meine Krone aufprobierst.“ Da dieses nie der Fall sein wird, täten Sie besser, die Krone nicht anzurühren und ihn sie tragen zu lassen, dem sie von Rechtswegen gehört. Unser Lied muss immer sein; „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deine Gnade und Wahrheit.“

Einige Männer, die keine Demut besaßen, sind aus dem Predigtamt heraus getrieben, denn der Herr will die nicht gebrauchen, die nicht ihm ganz allein die Ehre zuschreiben wollen. Demut ist eins der Haupterfordernisse für nützliche Wirksamkeit; viele sind aus der Liste der nützlichen Prediger verschwunden, weil sie sich im Stolz erhoben und dadurch in die Schlinge des Satans fielen. Vielleicht meinen Sie, da Sie nur arme Studenten seien, so wäre nicht zu fürchten, dass Sie in diese Sünde fallen würden; aber es ist sehr möglich, dass gerade aus diesem Grunde bei einigen umso mehr Gefahr da ist, wenn Gott Sie segnen und Sie in eine hervorragende Stellung setzen sollte. Ein Mann, der sein ganzes Leben lang in Kreisen der guten Gesellschaft sich bewegt hat, fühlt die Veränderung nicht so sehr, wenn er eine Stellung erreicht, die für andere eine Erhöhung sein würde. Ich habe immer das Gefühl, dass bei einigen Männern, die ich nennen könnte, ein großes Versehen gemacht worden ist. Sobald sie bekehrt waren, wurden sie ganz aus ihren früheren Verbindungen herausgerissen und als beliebte Prediger in die Öffentlichkeit hineingestellt. Es war sehr schade, dass viele Leute kleine Könige aus ihnen machten und so den Weg für ihren Fall bahnten, denn sie konnten den plötzlichen Wechsel nicht ertragen. Es wäre gut gewesen, wenn jedermann sie gezwackt und geschmäht hätte die ersten zehn oder zwanzig Jahre lang; denn das hätte ihnen wahrscheinlich sehr viel nachheriges Elend erspart. Ich bin immer sehr dankbar für die raue Behandlung, die ich in meinen früheren Tagen von Leuten aller Art erlitt. In dem Augenblick, wo ich nur irgendetwas Gutes tat, waren sie wie eine Koppel Hunde hinter mir her. Ich hatte keine Zeit, niederzusitzen und mit dem zu prahlen, was ich getan, denn sie brüllten und wüteten beständig gegen mich. Wenn ich ganz plötzlich aufgehoben wäre und dahin gestellt, wo ich jetzt bin, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ich ebenso rasch wieder hinuntergesunken wäre. Wenn Sie das College verlassen, wird es gut für Sie sein, wenn Sie behandelt werden, wie ich es wurde. Falls Sie großen Erfolg haben, wird es Ihnen den Kopf verdrehen, wenn Gott nicht zulässt, dass Sie in der einen oder andern Weise zu leiden haben. Kommen Sie je in Versuchung zu sprechen: „Das ist die große Babel, die ich erbaut habe“, so denken Sie an Nebukadnezar; er ward von den Leuten verstoßen und er aß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels, und ward nackt „bis sein Haar wuchs, so groß als Adlersfedern und seine Nägel wie Vogelklauen wurden.“ Gott hat viele Mittel, stolze Nebukadnezare herunter zu bringen, und er kann auch Sie sehr leicht demütigen, wenn Sie sich je in ihrem Dünkel erheben. Dieser Punkt, dass tiefe Demut einem Seelengewinner nötig ist, bedarf keines Beweises; jeder kann mit einem halben Auge sehen, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass Gott einen Mann segnen wird, wenn er nicht wahrhaft demütig ist.

Das Nächste, was zum Erfolg im Werke des Herrn nötig ist, und es ist etwas Hochwichtiges, ist ein lebendiger Glaube. Sie wissen, Brüder, wie der Herr Jesus Christus nicht viele Zeichen in seinem Vaterlande tun konnte, um ihres Unglaubens willen; und es ist ebenso wahr, dass durch einige Männer Gott nicht viele Zeichen tun kann um ihres Unglaubens willen. Wenn wir nicht glauben wollen, so werden wir auch nicht von Gott gebraucht werden. „Euch geschehe nach eurem Glauben“ ist eins der unabänderlichen Gesetze seines Reiches. „So ihr Glauben habt als ein Senfkorn, so mögt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! so wird er sich heben und euch wird nichts unmöglich sein“; aber wenn gefragt werden muss: „Wo ist euer Glaube?“ werden die Berge sich nicht für euch bewegen, nicht einmal ein armer Maulbeerbaum wird sich vom Platze rühren.

Sie müssen Glauben haben, Brüder, an Ihren Beruf zum Predigtamt; Sie müssen ohne einen Zweifel glauben, dass Sie wirklich von Gott zu Predigern des Evangeliums Christi erwählt sind. Wenn Sie fest glauben, dass Gott Sie berufen hat, das Evangelium zu predigen, so werden Sie es mit Mut und Zuversicht verkünden, und werden fühlen, dass Sie an Ihr Werk gehen, weil Sie ein Recht haben, es zu tun. Haben Sie eine Vermutung, dass Sie möglicherweise nur ein Eindringling seien, so werden Sie nichts Bedeutendes tun; Sie werden nur ein armer, hinkender, schüchterner, halb sich entschuldigender Prediger sein, um dessen Botschaft sich niemand kümmern wird. Sie täten besser, nicht mit Predigen anzufangen, ehe Sie ganz gewiss sind, dass Gott Sie zu dem Werk berufen hat. Einmal schrieb jemand an mich, um zu fragen, ob er predigen solle oder nicht. Wenn ich nicht weiß, was für eine Erwiderung ich jemanden schicken soll, so versuche ich stets, eine so weise Antwort zu geben, wie mir nur möglich ist. Also schrieb ich diesem Mann: „Lieber Freund! Wenn der Herr Ihren Mund aufgetan hat, so kann der Teufel ihn nicht schließen; aber wenn der Teufel ihn aufgetan hat, so möge der Herr ihn schließen!“ Sechs Monate später traf ich diesen Mann und er dankte mir für meinen Brief, der ihn sehr ermutigt hätte, mit Predigen fortzufahren. „Wieso?“ fragte ich. Er erwiderte: „Sie sagten, wenn der Herr Ihren Mund aufgetan hat, so kann der Teufel ihn nicht schließen.“

„Ja, das tat ich, aber ich gab auch die andere Seite der Sache.“ „O,“ sagte er sogleich, „die bezog sich nicht auf mich.“ Wir können immer Orakel haben, die unsern eignen Ideen entsprechen, wenn wir sie auszulegen wissen. Wenn Sie echten Glauben an Ihren Beruf zum Predigtamt haben, so werden Sie mit Luther bereit sein, das Evangelium zu predigen, selbst wenn Sie im Maule des Leviathan zwischen seinen großen Zähnen ständen.

Sie müssen auch glauben, dass die Botschaft, die Sie zu verkünden haben, Gottes Wort ist. Ich wollte lieber, Sie glaubten ein halbes Dutzend Wahrheiten kräftig, als hundert nur schwach. Wenn Ihre Hand nicht groß genug ist, viel zu halten, so halten Sie das fest, was Sie können; denn wenn uns allen erlaubt wäre, so viel Gold, wie wir könnten, von einem Haufen wegzutragen, und es zu einem wirklichen Stoßen und Schieben käme, so möchte es nicht viel nützen, eine sehr große Börse zu haben; am besten würde derjenige in dem Gedränge wegkommen, der, so viel er könnte, in seiner Hand fest hielte und es nicht fahren ließe. Wir mögen zuweilen gut tun, dem Knaben in der alten Fabel nachzuahmen. Als er seine Hand in einen enghalsigen Krug steckte und so viele Nüsse ergriff, wie er halten konnte, vermochte er nicht eine von ihnen herauszubringen; aber als er die Hälfte fahren ließ, zog er die andern mit Leichtigkeit heraus. So müssen wir es machen; wir können nicht alles halten, es ist unmöglich, unsere Hand ist nicht groß genug; aber wenn wir etwas hinein bekommen, wollen wir es fest halten und es eng umklammern. Glauben Sie, was Sie glauben, sonst werden Sie niemals einen Andern überreden, es zu glauben. Wenn Sie anfangen: „Ich denke, dies ist eine Wahrheit, und als ein junger Mann, möchte ich euch um eine freundliche Aufmerksamkeit bitten für das, was ich sagen werde; ich spreche nur die Vermutung aus“ usw.; wenn dies Ihre Predigtweise ist, so ist das die leichteste Art, Zweifler zu bilden. Ich möchte Sie lieber sagen hören: „Jung wie ich bin, was ich zu sagen habe, kommt von Gott, und Gottes Wort sagt so und so, hier ist es, und ihr müsst glauben, was Gott sagt, sonst werdet ihr verloren sein.“ Die Leute, welche Sie hören, werden sagen: „Dieser junge Mensch glaubt sicherlich etwas“; und wahrscheinlich werden einige von ihnen auch zum Glauben gebracht werden. Gott gebraucht den Glauben seiner Prediger, um Glauben in andern Menschen zu erzeugen. Sie können sich darauf verlassen, dass Seelen nicht errettet werden durch einen Prediger, der zweifelt; und das Predigen Ihrer Zweifel und Ihrer Fragen kann unmöglich eine Seele für Christum entscheiden. Sie müssen großen Glauben an das Wort Gottes haben, wenn Sie die Seelen derer gewinnen sollen, die es hören.

Sie müssen auch glauben an die Macht dieser Botschaft, die Menschen zu erretten. Sie mögen die Geschichte von einem unserer ersten Studenten gehört haben, welcher zu mir kam und sagte: „Ich habe nun mehrere Monate lang gepredigt, und glaube nicht, dass ich eine einzige Bekehrung gehabt habe.“ Ich sagte zu ihm: „Und erwarten Sie, dass der Herr Sie segnen wird und Seelen erretten jedes Mal, wenn Sie Ihren Mund öffnen?“ „Nein, mein Herr“, erwiderte er. „Nun wohl,“ antwortete ich, „das ists, warum die Seelen nicht errettet werden. Wenn Sie geglaubt hätten, so würde der Herr Ihnen den Segen gegeben haben.“ Ich hatte ihn sehr nett gefangen; aber viele andere würden mir in derselben Weise geantwortet haben. Sie glauben zitternd, es sei möglich durch irgendeine seltsame, geheimnisvolle Methode, dass einmal in hundert Predigten Gott eine Viertelseele gewinnen könnte. Sie haben kaum so viel Glauben, dass sie aufrecht in ihren Stiefeln stehen können; wie können sie erwarten, dass Gott sie segnet? Ich mag gern auf die Kanzel gehen und fühlen: „Dies ist Gottes Wort, das ich in seinem Namen verkündigen werde; es kann nicht leer zu ihm zurück kommen; ich habe um seinen Segen dazu gebetet, und er ist verbunden, ihn zu geben, und seine Absichten werden erreicht werden, ob meine Botschaft ein Geruch des Lebens zum Leben oder des Todes zum Tode ist für die, welche sie hören.“

Nun, wenn Sie so fühlen, was wird das Ergebnis sein, wenn Seelen nicht errettet werden? Sie werden besondere Gebetsversammlungen ansetzen und zu erfahren suchen, weshalb die Leute nicht zu Christo kommen; sie werden für die Suchenden spezielle Versammlungen halten; Sie werden den Leuten mit fröhlichem Gesicht entgegenkommen, damit sie sehen, dass Sie einen Segen erwarten, aber zu gleicher Zeit werden Sie ihnen sagen, dass Sie bitter enttäuscht sein würden, wenn der Herr Ihnen keine Bekehrungen gäbe. Doch, wie ist es an vielen Orten? Niemand betet viel in dieser Sache, es sind keine Versammlungen da, um Gott anzurufen um seinen Segen, der Prediger fordert nie die Leute auf, zu kommen und ihm von dem Gnadenwerk in ihren Seelen zu erzählen; wahrlich, wahrlich, ich sage Ihnen, er hat seinen Lohn; er erhält das, warum er gebeten; er empfängt, was er erwartet; sein Meister gibt ihm seinen Groschen, aber sonst nichts. Das Gebot lautet: „Tue deinen Mund weit auf, lass mich ihn füllen“; und hier sitzen wir, mit geschlossenen Lippen und warten auf den Segen. Tun Sie Ihren Mund auf, Bruder, mit voller Erwartung, festem Glauben, und nach Ihrem Glauben wird Ihnen geschehen.

Das ist der wesentliche Punkt, Sie müssen an Gott glauben und an sein Evangelium, wenn Sie Seelengewinner sein sollen; einiges andere. darf fehlen, aber der Glaube nie. Es ist wahr, dass Gott nicht immer seine Barmherzigkeit nach unserem Unglauben misst, denn er hat an andere Leute zu denken, ebenso wohl wie an uns, aber wenn man die Sache mit gesundem Verstand betrachtet, so scheint es, dass das geeignetste Werkzeug für das Werk des Herrn der Mann ist, der erwartet, dass Gott ihn brauchen wird und der in der Kraft dieser Überzeugung an seine Arbeit geht. Wenn Erfolg kommt, ist er nicht überrascht, denn er hat danach ausgesehen. Er säte lebendigen Samen, und er erwartete eine Ernte davon; er „ließ sein Boot über das Wasser fahren,“ und beabsichtigt zu suchen und zu harren, bis er es wieder findet.

Noch eins, wenn ein Mann in seinem Predigtamt Erfolg haben und viele Seelen gewinnen soll, so muss es ihm gründlicher Ernst damit sein. Kennen wir nicht manche, die in einer so leblosen Art predigen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass jemals einer durch das berührt werden wird, was sie sagen? Ich war zugegen, als ein guter Mann den Herrn bat, die Predigt, die er zu halten im Begriff wäre, zur Bekehrung von Sündern zu segnen. Ich wünsche nicht, die Allmacht einzuschränken, aber ich glaube nicht, dass Gott an irgendeinem Sünder die Predigt hätte segnen können, ausgenommen wenn er den Hörer das missverstehen ließ, was der Prediger sagte. Es war eine von jenen schön „polierten Schürhaken-Predigten“, wie ich sie nenne. Sie wissen, es gibt Schürhaken im Salon, die nur zum Ansehen, aber nicht zum Gebrauch sind. Wenn Sie je versuchten, das Feuer damit zu schüren, würde die Dame des Hauses es Sie nicht fühlen lassen? Diese Predigten sind gerade wie solche Schürhaken, poliert, glänzend und kalt; es scheint, als wenn sie in irgendeiner Beziehung zu den Leuten in den Fixsternen stehen könnten, jedenfalls haben sie keinen Zusammenhang mit irgendjemand in dieser Welt. Was für Gutes aus solchen Reden entstehen könnte, kann niemand sagen; aber ich bin gewiss, es ist nicht Kraft genug in ihnen, eine Schabe oder eine Spinne zu töten; sicherlich ist keine Kraft in ihnen, eine tote Seele zum Leben zu bringen. Es gibt einige Predigten, von denen es ganz wahr ist: je mehr Sie daran denken, desto geringer denken Sie davon; und wenn irgendein armer Sünder hingeht, solche zu hören in der Hoffnung, errettet zu werden, so kann man nur sagen, dass der Prediger ihm wahrscheinlich mehr im Wege steht, wenn er zum Himmel gehen will, als dass er ihm die rechte Straße weist.

Sie können ganz gewiss sein, Sie werden den Leuten die Wahrheit verständlich machen, wenn Sie wirklich wünschen, es zu tun; aber wenn es Ihnen kein Ernst damit ist, so erreichen Sie es wahrscheinlich nicht. Wenn ein Mann mitten in der Nacht an meine Tür klopfte, und mir, wenn ich den Kopf aus dem Fenster steckte, um zu wissen, was es gäbe, in sehr ruhigem, gleichgültigem Tone sagte: „Es brennt hinten in Ihrem Hause,“ so würde ich wenig an Feuer denken und geneigt sein, ihm einen Krug Wasser über den Kopf zu gießen. Wenn ich auf der Straße gehe und ein Mann zu mir tritt und in heiterem Ton sagt: „Guten Tag, mein Herr, wissen. Sie, dass ich Hungers sterbe? Ich habe seit langer Zeit nichts zu essen gehabt, ganz gewiss nicht“; so würde ich erwidern: „Mein guter Mann, Sie scheinen es sehr leicht zu nehmen; ich glaube nicht, dass Sie viel Mangel leiden, sonst würden Sie nicht so unbekümmert dabei sein.“ Manche Leute scheinen in dieser Art zu predigen: „Meine lieben Freunde, es ist Sonntag, darum bin ich hier; ich bin die ganze Woche über in meinem Studierzimmer gewesen, und nun, hoffe ich, werdet ihr auf das hören, was ich euch zu sagen habe. Ich weiß nicht eben, dass etwas darin ist, was euch besonders angeht, es mag etwas Bezug haben auf den Mann im Mond; aber ich habe gehört, dass einige von euch in Gefahr sind, an einen Ort zu gehen, den ich nicht zu nennen wünsche, der aber kein angenehmer Platz, selbst für einen zeitweiligen Aufenthalt sein soll. Ich habe euch besonders zu predigen, dass Jesus das eine oder das andere tat, was in der einen oder andern Weise mit der Seligkeit zu tun hat, und wenn ihr darauf achtet, was ihr tut usw. so werdet ihr möglicherweise usw. usw.“ Das ist in einer Nussschale der volle Inhalt mancher Predigt. Es ist nichts in solchem Gerede, wovon irgendjemand Nutzen haben kann; und nachdem der Mann in dieser Weise dreiviertel Stunden fortgefahren, schließt er damit, dass er sagt: „Jetzt ist es Zeit, nach Hause zu gehen,“ und er hofft, dass die Gemeindevorsteher ihm ein paar Guineen für seine Dienste geben werden. Nun, Brüder, dergleichen darf nicht sein. Wir sind nicht in die Welt gekommen, unsere eigene und anderer Leute Zeit in dieser Weise zu verschwenden.

Ich hoffe, wir sind zu etwas Besserem geboren, als bloße Späne in der Suppe, völlig nutzlos, zu sein, wie der Mann, den ich eben beschrieben habe. Stellen Sie sich nur vor, Gott sendet einen Mann in die Welt, der suchen soll, Seelen zu gewinnen, und dies ist seine Sinnesart und der Geist, der sein ganzes Leben durchdringt. Es gibt einige Prediger, die beständig erschöpft sind vom Nichtstun; sie halten zwei Predigten einer gewissen Art am Sonntag und sagen, dass die Anstrengung fast ihr Leben verzehrt; und sie gehen hin und machen kleine Pastoralbesuche, die darin bestehen, dass sie eine Tasse Tee trinken und über gewöhnliche Dinge schwatzen; aber es ist keine gewaltige Angst um Seelen da, kein „Wehe! Wehe!“ auf ihren Herzen und Lippen, keine vollkommene Hingebung, kein Eifer im Dienste Gottes. Nun, wenn der Herr sie hinwegfegt, wenn er sie abhaut als Bäume, die das Land hindern, wird es nicht überraschend sein. Der Herr Jesus Christus weinte über Jerusalem, und Sie werden über Sünder zu weinen haben, wenn diese durch Sie gerettet werden sollen. Liebe Brüder, nehmen Sie es ernst, legen Sie Ihre ganze Seele in das Werk, sonst geben Sie es auf.

Ein anderes Erfordernis, das fürs Seelengewinnen wesentlich ist, ist große Herzenseinfalt. Ich weiß nicht, ob ich gründlich erklären kann, was ich damit meine, aber ich will versuchen, es klar zu machen, indem ich es etwas anderem gegenüberstelle. Sie kennen einige, die zu weise sind, um einfache Gläubige zu sein; sie wissen so sehr viel, dass sie nichts glauben, was einfach und deutlich ist. Ihre Seelen sind mit solchen Leckerbissen gespeist, dass sie von nichts leben können, als von indianischen Vogelnestern und dergleichen Luxusartikeln. Es gibt keine Milch, frisch von der Kuh gekommen, die gut genug für sie ist, sie sind viel zu superfein, ein solches Getränk zu trinken. Alles, was sie haben, muss unvergleichlich sein. Gott segnet aber nicht diese auserlesenen himmlischen Stutzer, diese geistlichen Aristokraten. Nein, nein; sobald Sie dieselben sehen, fühlen Sie sich geneigt zu sagen: „Sie mögen gut genug als Diener des Grafen N. N. sein, aber sie sind nicht die Männer, Gottes Werk zu tun. Es ist nicht wahrscheinlich, dass er solche große Herren wie sie sind, gebraucht.“ Wenn sie einen Text auswählen, so erklären sie nie seinen wahren Sinn; sondern gehen um ihn herum und machen etwas ausfindig, was der Heilige Geist niemals damit sagen wollte, und wenn sie einen ihrer kostbaren „neuen Gedanken“ ergriffen haben - o! was für ein Wesen machen sie davon! Hier ist ein Mann, der einen alten Hering gefunden hat! Was für ein Traktament! Er ist so wohlriechend! Nun werden wir von diesem alten Hering die nächsten sechs Monate hören, bis jemand anders einen andern findet. Was für ein Freudengeschrei erheben sie! „Herrlich! Herrlich! Herrlich! hier ist ein neuer Gedanke!“ Ein neues Buch kommt darüber heraus, und alle diese großen Männer gehen schnüffelnd darum herum, damit sie beweisen, welche tiefe Denker und wundervolle Menschen sie sind. Gott segnet nicht diese Art Weisheit.

Unter Herzenseinfalt verstehe ich, dass ein Mann ins Predigtamt eintritt augenscheinlich zur Ehre Gottes und um Seelen zu gewinnen, und zu keinem andern Zwecke. Es gibt einige, die gerne Seelen gewinnen und Gott verherrlichen würden, wenn es mit gebührender Rücksicht auf ihr eigenes Interesse geschehen könnte. Sie würden hoch erfreut sein, o ja, gewiss, sehr froh in der Tat, das Reich Christi auszubreiten, wenn das Reich Christi ihren erstaunlichen Kräften vollen Spielraum gewähren wollte. Sie würden sich mit Seelengewinnen befassen, wenn es die Leute bewegen würde, die Pferde von ihrem Wagen abzuspannen und sie im Triumph durch die Straße zu ziehen; sie müssen etwas sein; sie müssen bekannt werden, man muss von ihnen sprechen, sie müssen die Leute sagen. hören: „Was für ein herrlicher Mann ist dies!“ Natürlich, sie geben Gott die Ehre, nachdem sie den Saft herausgesogen haben, aber sie selbst müssen die Apfelsine zuerst haben. Nun, Sie wissen, dieser Geist findet sich sogar unter Predigern und Gott kann ihn nicht ertragen. Er will nicht das haben, was ein Mensch übrig lässt; er will alle Ehre haben oder gar keine. Wenn ein Mann strebt, sich selber zu dienen, Ehre für sich zu erlangen, statt zu suchen, Gott zu dienen und ihn allein zu ehren, so will Jehova, der Herr, ihn nicht gebrauchen. Ein Mann, der von Gott gebraucht werden soll, muss glauben, dass das Werk, was er beginnt, zur Ehre Gottes ist und er muss aus keinem andern Beweggrunde arbeiten. Wenn Leute hingehen, um gewisse Prediger zu hören, so ist alles, dessen sie sich nachher erinnern, dass sie treffliche Schauspieler gesehen; aber hier ist ein ganz anderer Mann: Wenn sie den gehört haben, so denken sie nicht daran, wie er aussah oder wie er sprach, sondern an die ernsten Wahrheiten, die er verkündete. Ein anderer dehnt das, was er zu sagen hat, so lange aus, dass die Hörer zu einander sagen: „Seht ihr nicht, dass er von seinem Predigen lebt? Er predigt für sein Brot.“ Ich möchte lieber, dass man sage: „Dieser Mann sagte etwas in seiner Predigt, was viele veranlasste, geringer von ihm zu denken, er sprach höchst unangenehme Ansichten aus und tat während der ganzen Predigt nichts, als uns das Wort Gottes einschärfen; sein einziges Ziel war, uns zur Buße und zum Glauben an Christum zu bringen.“ Das ist die Art von Männern, welche der Herr gerne segnet.

Ich freue mich, wenn ich Männer sehe, wie einige, die hier vor mir sind. Ich sagte zu ihnen: „Sie haben ein gutes Gehalt jetzt und werden wahrscheinlich eine einflussreiche Stellung in der Welt erlangen; wenn Sie Ihr Geschäft aufgeben und ins College eintreten, so werden Sie sehr wahrscheinlich Ihr ganzes Leben lang ein armer Baptistenprediger sein“, und sie blickten mich an und sprachen: „Ich will lieber hungern und Seelen gewinnen, als mein Leben in einem andern Berufe zubringen.“ Die meisten von Ihnen sind solche Art Männer, ich glaube, Sie alle sind es. Es muss nie ein Auge da sein für Gottes Ehre und das fette Schaf; es muss nie Gottes Ehre sein und Ihre eigene Ehre und Achtung bei den Menschen. Es geht nicht; nein, nicht einmal, wenn Sie predigen, um Gott zu gefallen und Jemima: es muss Gottes Ehre allein sein, nichts weniger und nichts anders, nicht einmal Jemima. Wie die Felsmuschel am Felsen, so hängt sie am Prediger; aber er darf nicht einmal daran denken, ihr zu gefallen. Mit wahrer Einfalt des Herzens muss er suchen, Gott zu gefallen, ob es Männern und Weibern gefällt oder nicht. Schließlich, es muss eine vollständige Übergabe Ihrer selbst an Gott da sein, in dem Sinne, dass Sie von dieser Zeit an nicht wünschen, Ihre eignen Gedanken zu denken, sondern Gottes; und dass Sie beschließen, nichts von eigner Erfindung zu predigen, sondern Gottes Wort; und ferner, dass Sie sich vornehmen, diese Wahrheit nicht in Ihrer eignen Weise zu verkünden, sondern in Gottes Weise. Gesetzt, Sie läsen Ihre Predigten vor, was nicht sehr wahrscheinlich, so wünschen Sie nichts zu schreiben, was nicht ganz nach dem Willen Gottes ist. Wenn Ihnen ein schönes, langes Wort einfällt, so fragen Sie sich, ob es wohl ein geistlicher Segen für Ihre Hörer sein werde; und wenn Sie das nicht glauben, so lassen Sie es weg. Dann ist da dies großartige Stück Poesie, welches Sie zwar nicht verstehen konnten, aber doch fühlten, dass Sie es nicht weglassen könnten; indes als Sie sich fragten, ob es wohl lehrreich sein würde für die große Mehrzahl Ihrer Hörer, waren Sie genötigt, es zu verwerfen. Sie müssen jene Edelsteine, die Sie auf einem literarischen Staubhaufen fanden, in die Krone Ihrer Rede hineinstecken, wenn Sie den Leuten zeigen wollen, wie fleißig Sie gewesen sind; aber wenn Sie wünschen, sich ganz Gottes Händen zu überlassen, so ist es wahrscheinlich, dass Sie dahin geleitet werden, einige sehr einfache Behauptungen aufzustellen, eine alltägliche Bemerkung zu machen, etwas zu sagen, was jedem bekannt ist. Wenn Sie sich angeregt fühlen, das in Ihre Predigt hineinzulegen, so tun Sie es jedenfalls, selbst wenn Sie die langen Worte und die Verse und die Edelsteine auszulassen haben, denn es mag sein, dass der Herr diese einfache Darlegung des Evangeliums einem armen Sünder, der den Heiland sucht, zum Segen dienen lässt.

Wenn Sie sich so rückhaltlos dem Geiste und dem Willen Gottes hingeben, werden Sie später, wenn Sie ins Predigtamt eintreten, zuweilen angetrieben werden, einen seltsamen Ausdruck zu gebrauchen oder ein sonderbares Gebet vor Gott zu bringen, das Ihnen selber wunderlich erscheint; aber es wird Ihnen nachher alles erklärt werden, wenn jemand zu Ihnen kommt und sagt, dass er nie die Wahrheit verstanden habe, bis Sie dieselbe an jenem Tage in so ungewöhnlicher Weise ausdrückten. Sie werden wahrscheinlich einen solchen Einfluss mehr fühlen, wenn Sie sich durch Studium und Gebet gründlich für Ihre Arbeit auf der Kanzel vorbereitet haben, und ich dringe stets in Sie, jede gebührende Vorbereitung zu machen und selbst alles aufzuschreiben, was Sie zu sagen beabsichtigen; aber nicht hinzugehen und es memoriter zu halten, wie ein Papagei, der wiederholt, was man ihn gelehrt hat, denn wenn Sie das tun, so werden Sie sich sicherlich nicht der Führung des Heiligen Geistes überlassen.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie zuweilen das Gefühl haben werden, Sie müssten einige hübsche Verse von einem unserer Dichter oder ein treffliches Zitat von einem klassischen Schriftsteller in die Predigt hineinlegen. Ich glaube, Sie wünschen nicht, dass es bekannt werde, aber Sie lasen es einem Freunde aus dem College vor. Natürlich baten Sie ihn nicht, es zu loben, weil Sie so sicher waren, dass er nicht umhin könne, dies zu tun. Es war eine besondere Stelle darin, wie Sie selten ihres gleichen gehört hatten, Sie waren gewiss, dass Mr. Punshon oder Dr. Parker1) nichts Besseres hätten geben können. Sie waren ganz sicher, dass die Leute, wenn sie diese Predigt hörten, fühlen müssten, dass etwas darin sei. Es mag indes sein, dass der Herr sie als zu gut betrachtet, um gesegnet zu werden, es ist zu viel darin; sie ist wie das Heer der Männer, das bei Gideon war, es waren zu viele für den Herrn, er konnte die Midianiter nicht in ihre Hände geben, Israel möchte sich rühmen und sagen: Meine Hand hat mich erlöst. Als zweiundzwanzigtausend weggeschickt waren, sprach der Herr zu Gideon: „Des Volks ist noch zu viel“, und alle mussten fortgeschickt werden, ausgenommen die dreihundert Mann, die das Wasser geleckt hatten, und darauf sprach der Herr zu Gideon: „Stehe auf und gehe hinab zum Lager, denn ich habe es in deine Hände gegeben.“ So spricht der Herr von einigen Ihrer Predigten: „Ich kann nichts Gutes damit tun; sie sind zu großartig.“ Da ist die eine mit den vierzehn Unterabteilungen; lassen Sie sieben davon weg, dann wird der Herr sie vielleicht segnen. Eines Tages mag es geschehen, gerade wenn Sie mitten in Ihrer Rede sind, dass Ihnen ein Gedanke kommen wird, und Sie werden zu sich sagen: „Wenn ich den ausspreche, wird der alte Gemeindevorsteher sehr böse werden; und da ist soeben ein Herr hereingekommen, der eine Schule hält, er ist ein Kritiker, und es wird ihm sicher nicht gefallen, wenn ich dies sage; und außerdem, hier sind „diese Übergebliebenen nach der Wahl der Gnaden“, und die Hypercalvinisten oben in der Galerie werden. mir einen jener himmlischen Blicke zuwerfen, die so bedeutungsvoll sind. Nun, Bruder, seien Sie bereit, alles zu sagen, was Gott Ihnen zu sagen gibt, ohne Rücksicht auf alle Folgen und ganz unbekümmert um das, was die „Hyper“ oder irgendwelche andre Leute denken oder tun werden.

Eins der Haupterfordernisse bei dem Pinsel eines großen Künstlers ist, dass derselbe so nachgiebig ist, dass der Künstler mit ihm tun kann, was er will. Ein Harfenspieler spielt gern auf einer besonderen Harfe, weil er das Instrument kennt und das Instrument ihn beinahe zu kennen scheint. Ebenso, wenn Gott seine Hand auf die Saiten Ihrer Seele legt, und jede Kraft in Ihrem Innern den Bewegungen seiner Hand zu antworten scheint, so sind Sie ein Instrument, was er gebrauchen kann. Es ist nicht leicht, in dieser Stimmung zu bleiben, in einem so empfindungsfähigen Zustande zu sein, dass Sie den Eindruck, den der Heilige Geist beabsichtigt, aufnehmen und sogleich von ihm beeinflusst werden. Wenn ein großes Schiff auf der See ist, und ein kleines Kräuseln des Wassers kommt, so wird es davon nicht im geringsten bewegt. Hier kommt eine mäßig große Welle, aber das gewaltige Kriegsschiff fühlt es nicht, es sitzt still auf dem Busen der Tiefe. Aber blicken Sie eben über den Rand hinaus; sehen Sie jene Korke drunten, wenn nur eine Fliege ins Wasser fällt, so fühlen sie die Bewegung und tanzen auf der kleinen Welle. Mögen Sie von der Kraft Gottes ebenso leicht bewegt werden. wie der Kork auf der Oberfläche des Meeres! Ich bin gewiss, dass diese Selbst-Hingabe eins der wesentlichen Erfordernisse ist für einen Prediger, der ein Seelengewinner sein soll. Es gibt ein Etwas, was gesagt werden muss, wenn Sie das Mittel sein sollen, jenen Mann in der Ecke zu erretten; wehe Ihnen, wenn Sie nicht bereit sind, es zu sagen; wehe Ihnen, wenn Sie bange sind, es zu sagen; wehe Ihnen, wenn Sie sich schämen, es zu sagen; wehe Ihnen, wenn Sie nicht wagen, es zu sagen, weil jemand oben in dem Kirchenstuhl sagen könnte, Sie wären zu ernst, zu enthusiastisch, zu eifrig! Diese sieben Dinge, denke ich, sind die Erfordernisse nach Gottes Seite hin, die sich jedem von Ihnen aufdrängen würden, wenn Sie versuchten, sich in die Stelle des Höchsten zu versetzen und darüber nachdächten, was Sie von denen wünschen würden, die Sie zum Seelengewinnen gebrauchten. Möge Gott uns allen diese Erfordernisse geben um Christi willen! Amen.

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Zwei bedeutende Prediger der Dissidenten. A. d. Üb.
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