Pischon, Friedrich August - Zeugnisse der Jünger Jesu von ihrem Herrn - Das Zeugnis des Evangelisten Johannes als ein Zeugnis unsrer evangelischen Kirche.

Pischon, Friedrich August - Zeugnisse der Jünger Jesu von ihrem Herrn - Das Zeugnis des Evangelisten Johannes als ein Zeugnis unsrer evangelischen Kirche.

Am Reformationsfeste.

Über Joh. 20, 31.

Zu dir, Geist Schöpfer, flehen wir
Der neue Herzen in uns schafft,
Des Segens Fülle kommt von dir,
Durchdring' uns ganz mit deiner Kraft.

Erleucht' uns mit der Wahrheit Licht,
Entzünd' in uns der Liebe Glut,
Schenk' uns in Schwachheit Zuversicht
Und stärk' im Kampfe unsern Mut. Amen.

Text. Joh. 20, 31.

Diese aber sind geschrieben, dass ihr glauben sollt, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben das ewige Leben habt in seinem Namen.

Wir feiern heut, meine in Christo Geliebten, das Fest der Reformation unsrer Kirche, das Fest heiliger Erinnerung an jene Zeit, wo der Herr seine Zeugen ausgerüstet hatte mit seinem Geist, gegen Menschendünkel und Menschenwahn aufzutreten und sein heiliges Evangelium wieder hervorziehen aus dem Staube, in welchen es die Zeiten des Unglaubens und der weltlichen Herrschaft in der Kirche vergraben hatten; das Fest, worin wir mit heiligem Danke vor Jesu Christo uns beugen und in der Seele Tiefen jauchzen sollen, dass er die Fesseln des Irrtums gebrochen und uns befreit hat aus den Gefängnissen irdischer Meinungen. Aber mit diesem Tage, meine Teuren, kommt uns schon das Ende unsres kirchlichen Jahres und bald singen wir Dankeslieder zur erneuten Ankunft unsres Herrn und rüsten uns ihn würdig zu empfangen im nahenden Feste seiner Geburt. Unter den christlichen Kämpfen aber, in welche der Herr in dem scheidenden Jahre seine Kirche geführt hat, haben wir uns in diesem Heiligtum zu sammeln und zu erheben gesucht über das Gewirr der Meinungen, welches uns von allen Seiten umdrängte. Da waren es denn oft die frommen Bekenntnisse der treuen Jünger Jesu Christi von ihrem Herrn, welche uns sagten, woran auch wir uns kräftigen sollten, welch fester Glaube auch uns unter allen Stürmen aufrecht erhalten, beruhigen und trösten müsse. So haben wir Nathanaels und Petrus, Philippus und Thomas Zeugnis gehört und zugleich vernommen, wie der Herr ihren Glauben gestärkt und sie auf immer an sich gekettet hat. Auch unsers Textes Worte führen uns zu solchem Zeugnis, zu dem Zeugnisse des Jüngers, welchen der Herr lieb hatte, und da sein Zeugnis dasselbe ist, was die großen Glaubenshelden unsrer Kirche angenommen und dem sie treu geblieben sind bis ans Ende; so lasst uns zur Feier des heutigen Festes gläubig betrachten:

das Zeugnis des Evangelisten Johannes als ein Zeugnis unsrer evangelischen Kirche.

Es teilt sich aber dieses Zeugnis in einen zwiefachen Ausspruch des Evangelisten:

I. diese sind geschrieben, dass ihr glauben sollt, Jesus sei der Christ, der Sohn Gottes und
II. dass ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

I.

Diese sind geschrieben, spricht der Evangelist. Er hatte zuletzt von der Auferstehung des Herrn geredet. Er hatte uns erzählt von dem Zeugnisse seines Mitapostels Thomas, welches uns neulich erbaut hat, und gesagt: „noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, welche nicht geschrieben sind in diesem Buche;“ und darauf fährt er mit unseres Textes Worten fort: „diese aber sind geschrieben.“ So schaut er zurück auf den ganzen Inhalt und Zusammenhang seines köstlichen Evangeliums von dem großen Worte an: „Im Anfang war das Wort!“ bis zu des Erlösers segensvollem Ausspruch: „selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ und weist so auf Alles hin was er in seinem Evangelium, durch den göttlichen Geist getrieben, geredet hat zum Heil der Menschen. - Er hatte die Sammlung des Neuen Testamentes noch nicht vor sich; er wusste noch nicht, dass in dem Kranze dieses heiligen Buches sein Evangelium die köstlichste Perle sein würde; aber er ahnte, er glaubte es, dass sein Buch zu dem Glauben führen müsse: Jesus sei der Christ, der Sohn Gottes, und darum müsste es auch ihm selbst als hoch und herrlich gelten.

So, meine geliebten Mitchristen, so ist es nun auch mit den Helden unsers Glaubens gewesen, an welche der heutige Tag uns erinnert. Sie haben die Heilige Schrift als den wahren und alleinigen Führer zu Christo dem Herrn erkannt.

Von jeder menschlichen Weisheit - und wie oft hat die Welt sie damit schrecken und ihren freudigen Glaubensmut dadurch hemmen wollen - von jeder menschlichen Weisheit, welche nicht aus dem Gottesworte geschöpft war und mit ihm übereinstimmt, haben sie sich in Sachen des Glaubens losgemacht. Dies teure Wort allein ist ihres Glaubens heilige Regel geworden und darauf haben sie die Kirche des Herrn neu und glänzend erbaut. Und wie sie für jedes Wort der Schrift, für der Evangelien fromme Erzählung von Christo, für Paulus tiefe Ergründung der Heilswahrheiten, für Petrus freudiges Zeugnis vom Worte des Herrn, das in Ewigkeit bleibet, für der Propheten und Apostel begeisterte Lehren Gott dankten; o, mit wie inniger Liebe und frommem Danke hat auch Luther vor allem auf dies Buch des Evangelisten, auf dies einig zarte Hauptevangelium, wie er es glaubensvoll nennt, hingeblickt, wie tief und innig die Wahrheit des Texteswortes gefühlt: diese sind geschrieben, dass ihr glauben sollt, Jesus sei der Christ!

Das aber, meine Geliebten, soll nun auch an jedem erneuten Feste der Reformation, unser tiefgefühlter Dank zu Gott sein, dass er uns sein heiliges Wort gegeben, dass er es uns durch der Reformatoren, vor allen durch Luthers rastloses Bemühen neu geschenkt und nach seiner Gnade bis zu dieser Stunde erhalten hat. Ja, lasst uns dem Herrn danken, dass er auch dieses heilige Evangelienbuch des treuen Jüngers des Herrn zur Begründung unseres Glaubens, zum immer tieferen Erkennen seiner unendlichen Liebe uns geschenkt hat. Lasst uns oft zu diesem Buche hinzugehen, aber mit frommem gläubigen Sinne, wie zu einem stillen beseligenden Paradiese, wo die Blumen des Heils wachsen, welche die müde matte Seele mit ihrem Dufte erquicken und stärken und welch reicher erhebender Trost wird dann immer unser Anteil werden. Jedes unzarte, unheilige Wort, das auch in unsrer bewegten stürmischen Zeit von den heiligen Büchern gesagt worden ist, wird uns dann wehe tun und wir werden, um es aus unserm Gedächtnis zu verwischen, von ihm uns hinwegwendend zu diesem Quell des Heiles zurückkehren, um für unsre dürstenden Seelen zu schöpfen von dem Wasser des Lebens, das in uns ein Brunn des lebendigen Wassers wird, das in das ewige Leben quillt.

Diese sind geschrieben, dass ihr glauben sollt Jesus sei Christ, der Sohn Gottes! Das also ist Inhalt und Zweck des heiligen Buches: Jesus der Christ, der Sohn Gottes. - Aber das, meine Geliebten, das war auch das Zeugnis aller Jünger, das wir früher vernommen haben, wie es, und das soll ja jedes wahre Bekenntnis, lebendig aus der gläubigen Brust hervorging. So sprach Nathanael zum Herrn: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! so rief Petrus: du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! so bekannte Thomas: mein Herr und mein Gott! so sprach der Herr selbst zu dem nach Gemeinschaft mit dem Vater sich sehnenden Philippus: wer mich sieht, der sieht den Vater! Geliebte in dem Herrn, welch eine Reihe von Zeugen ist das! Stellet sie auf die eine Seite und alle Weisen der Welt, alle Fürsten und Könige, alle Millionen sterblicher Menschen auf die andere: was kann der Menschen Zeugnis gegen das Zeugnis des Gottessohnes und das Zeugnis derer, welche von seiner Herrlichkeit ergriffen begeistert gesprochen haben: ja das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen!1) So soll dies auch unser Zeugnis sein, so wollen auch wir von Herzen glauben an Jesum den Christ, den längst verheißenen, in der Fülle der Zeit erschienenen Gesalbten, Propheten, Hohenpriester und König seiner Gemeine.

Der Evangelist sagt aber: diese sind geschrieben, dass ihr glaubt, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes. Da fragen wir: was ist Gottes Sohn? und können es nicht fassen mit dem schwachen menschlichen Verstande, mit der eingeschränkten blöden Vernunft. Aber wir fragen ja auch: was ist Gott? und sinken im Glauben anbetend nieder, ohne ihn zu fassen und zu begreifen. - Dass Gottes Sohn der Eingeborene, der in des Vaters Schoß war, das fleischgewordene Wort, angetan mit der Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, unter uns gewandelt, - der menschliche Sinn, der Alles sehen und tasten will, nicht glauben kann ohne zu schauen, er versteht es nicht. Des Sohnes Kommen vom Vater, seiner Gottheit hohes Wesen, sein Sitzen zur Rechten der Majestät: es sind heilige Geheimnisse, aber auch ein unendlicher Trost. Wenn wir glauben können und er unserm Unglauben hilft: o welche Seligkeit ihn zu haben, den Reinen, Unbefleckten, Heiligen, auf welchem kein Schimmer irdischer Schwachheit ruht als das Leiden und die Schmach, welche er für uns in ewiger Liebe trug. Er, Gottes Sohn! Das hebt ihn, den die Menschen verachtet und ausgestoßen haben über alle Erdenhoheit hoch empor, dass wir vor ihm niederfallen und anbeten, wie seine ersten Jünger und was ist alle Liebe und alle Ehrfurcht, mit welcher wir zum treusten, verehrtesten, geliebtesten Lehrer blicken gegen das Gefühl, in welchem sein Apostel von ihm reden konnte als vom Worte des Lebens, das er mit seinen Augen gesehen, das er beschaut, das seine Hände betastet hatten. Zu solchem seligen Glaubensgefühl allen zu helfen, für welche er schreibt, sie alle für ihn und seine Gnade zu gewinnen, dazu hat der Jünger, welcher an des Herren Brust gelegen, sein Evangelium geschrieben, es geschrieben: dass ihr glaubt, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes!

Und sie, meine evangelischen Brüder und Schwestern, sie, an welche dies hohe Fest uns erinnert, die großen Glaubenshelden unsrer Kirche, Luther, Zwingli, Melanchthon, Calvin: sie haben an ihn geglaubt, Jesum, den Sohn Gottes. Gegen ihn ist nie ein Zweifel in ihre Seele gekommen, er ist ihres Herzens alleiniger Trost, er ihrer Seelen himmlische Speise gewesen in Not und Tod. Sie haben das Wort der Heiligen Schrift, sie haben Johannis zartes Hauptevangelium treu im Herzen getragen und auf das ewige Gotteswort alle Hoffnung im Leben und im Sterben gebaut. Darum sind sie auch selig gewesen in aller Trübsal, darum ist auch ihr Werk nicht untergegangen und hat allen Stürmen seiner Verfolger schon dreihundert Jahre lang unerschüttert getrotzt. Darum, weil sie unverrückt glaubten an Jesum den Christ, den Sohn Gottes, hat auch der Herr die Gnade verliehen, welche, so oft sie auch ihre Hände nach einander ausstreckten, ihnen in ihrem irdischen Wandel zu schauen noch nicht vergönnt war, die Gnade, dass, nachdem dreihundert Jahre der durch sie gewirkten Glaubensbesserung verflossen waren, ihre gemeinsamen Glaubensgenossen, nicht mehr getrennt neben einander wandeln wollten, sondern zu Einer Kirche, zu Einer Gottesgemeine und zu Einem Genusse seines heiligen Mahles in Liebe sich verbanden.

Wir, meine Geliebten, wir gehören zu dieser Gottesgemeine, wir fragen in dem Sinne unsrer Glaubenshelden nicht mehr: ist Luther oder Calvin unser Meister? wir erkennen in reinem Danke gegen Gott, was sie Großes getan haben, was sie uns geworden sind. Wir staunen die Gotteskraft an, in welcher sie so unermüdet gewirkt haben und fühlen uns arm und schwach gegen die Herrlichen. - Aber nur Einer ist unser Meister, Christus!2) Und das ist unser Dank gegen sie, das der schönste Lohn, den wir ihnen geben können, dass wir durch ihr Bemühen glauben an den Sohn Gottes und mit dem schönen Liede, das wir gesungen haben, sprechen:

Der Glaubensgrund, auf dem wir stehen
Ist Christus und sein teures Blut;
Das einz'ge Ziel, worauf wir sehen,
Ist Christus, unser höchstes Gut;
Die einz'ge Regel, die wir kennen,
Ist sein lebendig kräft'ges Wort:
Nach keinem Mann, nach keinem Ort
Soll je sich die Gemeine nennen.

Das aber können wir nur befolgen, wenn das Evangelium von Jesu Christo unsers, Lebens Leitstern ist, wenn wir des Herrn Wort mit gläubiger Seele uns aneignen und vor allen auch auf Johannis Evangelium beziehen, das Wort: sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin und sie ist's, die von mir zeugt!

II.

Johannes beschließt unsern Text mit den Worten: „und dass ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ und das ist es, was wir noch unsrer ferneren Betrachtung zum Grunde legen wollen.

Ein Ziel, meine Geliebten, liegt uns allen gemeinsam vor, nur dass der Mensch in seinem Irrwahn es oft verkennt, - nämlich das Ziel der Seligkeit. - „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ so fragen wir alle, sobald wir uns herausgerungen aus der Kindeshülle der Sinnlichkeit, sobald das erste Ahnen höherer Herrlichkeit, die erste Sehnsucht nach oben, das erste leise Kommen des göttlichen Geistes in der Kindesbrust sich ankündigt und über die sinnliche Welt uns erhebt. - Was soll ich tun, dass ich selig werde? das sprechen wir, wenn wir einhergehen im Jammer der Welt, wenn wir nirgend Trost zu finden wissen und die zertrümmerten Hoffnungen, die vereitelten Wünsche uns Zeugnis geben von der Nichtigkeit alles weltlichen Wesens. - Was soll ich tun, dass ich selig werde? so sprechen wir in der Angst und dem Ringen der sündigen Brust, unter den Anklagen des Gewissens und dem bangen Gefühle, dass der Friede der Seele entflohen ist. Habt ihr nicht alle so gesprochen, meine christlichen Brüder und Schwestern, und wird es nicht eure stete tiefe Sehnsucht bleiben?

O, kommt von der Sehnsucht zur heiligen Befriedigung. Setzt euch zu Johannis Füßen, hört sein großes Zeugnis. Es führt zur Seligkeit. Seligkeit ist Leben, ewiges wahrhaftiges Leben, das kein Schmerz bedrängt, keine Sünde stört, kein Tod vernichtet und Johannes spricht: diese sind geschrieben, dass ihr durch den Glauben das Leben habt in Jesu Christi Namen. Der Evangelist war ja auch in jener Sehnsucht nach Seligkeit gewandelt, hatte auch einst nach solchem Trost gerungen. Da war des Täufers Wort ertönt und er war dem strengen Lehrer nachgegangen und sein Jünger geworden; aber er konnte ihm die rechte Befriedigung nicht geben, sondern wies ihn auf das Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt: da kam er zu ihm, sah und glaubte und ist dann nimmermehr von ihm geschieden, weil Gnade und Wahrheit ihm durch Jesum Christum geworden ist. In solcher Erfahrung schrieb er dann voll von dem Herrn und seiner Seligkeit sein teures Evangelium.

Die frommen Helden aber, an die das heutige Fest uns mahnend erinnert, sie haben auch gefragt: was soll ich tun, dass ich selig werde? Da kam ihnen die römische Kirche entgegen mit ihren Satzungen und Büßungen, sie fasteten und kasteiten ihren Leib und wollten durch Werke genug tun. Luther floh in des Klosters Zelle aus dem Geräusch der Welt dort das ersehnte Kleinod zu finden und in Wachen und Mühen, Entbehrungen und Erniedrigungen aller Art es zu erringen: aber Seligkeit kam nicht in seine Brust. Es rief der Ablasshändler unheilige Stimme in die Welt hinein: kauft Ablass, so sind euch eure Sünden vergeben! doch sie konnten der frevelnden Stimme nicht glauben, Gottes Frieden, Sündenvergebung, Seligkeit konnte für schnödes Geld nicht feil sein. Da gingen sie zum heiligen Bibelbuch, und Paulus sprach zu ihnen: „wir wissen, dass der Mensch nicht gerecht wird durch des Gesetzes Werke, sondern durch den Glauben an Jesum Christum! - wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist!“3) und Johannes sprach: „diese sind geschrieben, dass ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen!“ Diesen Stimmen folgten sie, aus diesem Brunnen der Gnade tranken sie, hier fanden sie Leben und Seligkeit; denn aus seiner Fülle nehmen wir alle Gnade um Gnade und auf diesen Grund haben sie des Herren Kirche gebaut, denn darauf hatte er sie selbst gegründet und sein Heiliger Geist.

Wir aber, meine Geliebten, wir sind ihre Nachfolger. Wir haben dieselbe Sehnsucht wie sie und wollen auch alle selig werden, lasst denn auch uns diese Sehnsucht stillen, wie sie; in den frommen Glauben an Jesum Christum und sein heiliges Wort folgen der Stimme des Apostels, welcher sein Evangelium uns darreicht, dass wir durch das, was er geschrieben hat, glauben sollen: Jesus sei der Christ und durch diesen Glauben das Leben haben in seinem Namen. Sehnen wir uns nun in der Nacht unsers Herzens, in der Finsternis der Welt nach himmlischem Licht, dann führt uns Johannes zu dem Worte, das von Anfang war und bei Gott war und Gott war, das Fleisch geworden und unter uns gewohnt und wir sehen seine Herrlichkeit. Treten wir in heilige Verbindungen auf Erden, dann laden wir, wie Johannes von jenem Brautpaar zu Cana erzählt, den Herren zu uns und er wird uns bis zum Ende des Lebensmahls das Wasser der Trübsal verwandeln zum stärkenden Wein der Freude. Verlieren wir uns in die Zweifel des Gemütes, dann gehen wir mit Nikodemus zum Herrn, suchen bei ihm die höhere Weisheit und geben uns seinem Geiste hin, in dem wir neu geboren werden und des Vaters ewige Liebe erkennen in dem Sohne. Dürstet uns nach dem Wasser des Lebens auf unsrer Pilgerreise, wir bitten den Herrn, dass er des Wassers uns gibt, das in uns ein Brunnen des Wassers wird, das in das ewige Leben fließt. Weinen wir an den Gräbern der Geliebten, wir gehen wie Martha zu ihm, der da spricht: ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe! In aller Not der Sünden und ihres Elendes treten wir zu seinem Kreuze und er ruft auch für uns: es ist vollbracht! und graut uns vor der letzten Stunde, wir knien zu seinen Füßen und er spricht: ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten und will euch zu mir nehmen, dass ihr seid wo ich bin und im Ringen mit des Todes Gewalt hören wir seine Heilandsstimme: ich gebe dir das ewige Leben, du sollst nimmermehr umkommen und niemand soll dich aus meiner Hand reißen! So haben wir das Leben in seinem Namen und werden dann auch durch ihn gerüstet sein heiliges neues Gebot zu erfüllen, dass wir die Brüder und Schwestern lieben, wie er uns geliebt hat und jedermann erkenne, dass wir seine Jünger sind.

Dann, teure Gemeine, dann werden wir auch freudig und getrost in seinem Frieden durch alle Stürme der Kirche in unsrer Zeit hindurchgehen, dann ihm in wahrem Glauben verbunden, wie die Nebe mit dem Weinstock, wird kein Unglaube und kein Aberglaube, keine Menschenweisheit und kein toter Buchstabe uns reißen von unserm Herrn und seiner Seligkeit und seine Liebe in unsrer Brust werden wir mit unserm Liede freudig singen:

So wallen die verbundnen Herzen
Durchs Tränental ins Vaterland,
Versüßen sich der Erde Schmerzen,
Eins reicht dem Andern seine Hand;
Und wollen sie einander dienen,
So sehn sie mit des Glaubens Blick
Auf Jesum und ihr wahres Glück:
Sie sind in ihm, er ist in ihnen!

1)
1. Joh. 1,2
2)
Matth. 23, 8.
3)
Gal. 2, 16. Röm. 3, 24.
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