Passavant, Theophil - Naeman, oder Altes und Neues - 22. Beruf der Gerechten.

Passavant, Theophil - Naeman, oder Altes und Neues - 22. Beruf der Gerechten.

Ich bin noch nicht fertig, wollte nur an diesem Grabsteine ein wenig ausruhen. Was wir eben sprachen, erinnerte mich an jene Verse des lieben Hiller:

Gleiches Kreuz drückt Christi Glieder
Hier auf kurze Zeiten nieder,
Und das Leiden geht zuvor;
Nur Geduld! Es folgen Freuden,
Nichts kann sie von Jesu scheiden,
Und ihr Haupt zieht sie empor.

Gehen Ehr' und Gut verloren,
Wird auch gar der Tod geschworen,
Schmach und Sterben ist Gewinn.
Droht mit Schanden! Schreckt mit Beilen!
Die nach jenem Kleinod eilen,
Sehen über Alles hin.

So die Freunde Gottes, die Gerechten, die vor Christus gelebet; so Seine Freunde und Gerechten, Seine Propheten und Apostel, die nach Ihm lebten. Ihr Haupt hat es nicht anders gehabt auf dieser Erde, dürften sie es besser haben? Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Er hat es ihnen auch nicht anders verkündigt, anders wollen sie es auch nicht haben. Matth. 10. Joh. 15.

Die Gerechten müssen leuchten lassen Sein Licht in der Welt (Matth. 5,16.), und dies nicht sowohl in aller guten Ruh, im Wohlsein des Lebens, sondert in vielen Trübsalen und Mühseligkeiten, in der Sanftmuth, der Demuth, der Geduld, in Kreuzigung ihres Fleisches, im Verläugnen der eigenen Lust, des eigenen Lebens, im Verlieren dessen, was ihnen schöner und süßer denn das Leben selbst war, auf daß sie geübet werden und bewähret in aller himmlischen Tugend und Schöne, und die Leute sehen, wie sie Christo nachwandeln, und wie die Gerechten ihres Glaubens leben in der Welt (Röm. 1,17.); auf daß ihr bewährter Glaube viel köstlicher erfunden werde, denn das Vergängliche Gold, das durch's Feuer bewähret wird, zu Lob und Preis und Ehre, bei der Offenbarung Jesu Christi, 1. Pet. 1,7. f.

Die Gerechten müssen unter solchem Kreuz, in ihren vielen Leiden des Gehorsams zu Gott, es allen Leuten vor die Augen stellen, was das für eine elende Welt sei, in welcher die Freunde des HErrn, Seine Engel und Zierden auf der Erd', solches Loos und solchen Dank ernten, wo sie nur Segen geben möchten, und Frieden; - welch eine elende Erde, die da von ihrem Schweiß, von ihren Thränen und ihrem Blute so reichlich benetzt wird; wie es unmöglich also bleiben kann immerdar, sondern nur so lange die Prüfungs-Zeit dauert, welche Gott zur Läuterung und Bewährung der Seinigen bestimmt. Sie wollen keine bleibende Stätte hienieden haben, sondern die zukünftige suchen sie; sie warten eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach Seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Ebr. 13,14. 2. Pet. 3,13.

Die Gerechten aller Zeiten, Geschlechter und Völker müssen, in ihrem Theil, wenn sie ihr Kreuz in der Welt tragen, an die Worte jenes so viel größeren Kreuzes-Trägers erinnern, als Er Seinen letzten Leidens-Gang in der Welt ging: Weinet nicht über Mich, sondern weinet über euch selbst und eure Kinder, …. denn so man das thut am grünen Holz, Was will am dürren werden? Luc. 23,31. O wie gerne leiden sie, wie möchten sie sich freuen, für die Gemeinen, ja, für die Welt zu leiden, und zu erstatten an ihrem Fleisch, Was noch mangelt an Christi Trübsalen (Col. 1,24.), wenn ihre Trübsal eine mächtige Stimme sein könnte an die Welt: Wir bitten, wir leiden, wir dulden, wir bluten an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! 2. Cor. 5,20.

Leiden, Zeiten der Geduld Gottes und der Geduld der Seinigen, Wer hat euch verstanden?

Etliche haben Spott und Geißeln erlitten, dazu Bande und Gefängniß; sie sind gesteiniget, zersäget, zerstochen, durch's Schwert getödtet; sie sind umher gegangen in Schafpelzen und Ziegenfellen, mit Mangel, mit Trübsal, mit Ungemach; sie, deren die Welt nicht werth war, und sind umhergeirret in Wüsten, auf Bergen, und in den Klüften und Löchern der Erde. Ebr. 11

Darnach sah ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen kann, aus allen Heiden, und Geschlechtern, und Völkern, und Sprachen, vor dem Stuhl stehen und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen; sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei Dem, Der auf dem Stuhl sitzt, unserem Gott, und dem Lamm! . . . Wer sind diese, mit weißen Kleidern angethan, und woher sind sie gekommen? . . . Diese sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes, und dienen Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel. Und Der auf dem Stuhl sitzt, wird wohnen über ihnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht fallen auf sie die Sonne, oder irgend eine Hitze; denn das Lamm, das in der Mitte des Stuhls ist, wird sie weiden, und wird sie leiten zu den lebendigen Wasser-Quellen; und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. Offenb. 7.

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