MacDuff, John - Abendopfer - 31ter Abend. Um Tüchtigkeit für den Himmel.
„Am Abend will ich beten“
„Tüchtig gemacht zu dem Erbteil der Heiligen im Licht.“
Kol. 1, 12.
Mein Herr und mein Gott! Deiner heiligen Gegenwart nahe ich mich an diesem letzten Abend eines Monats, nimm es freundlich auf. das Abendopfer meiner Lippen. Lass mein schwaches Gebet aussteigen zu Deinem goldenen Throne, getragen von der Fürbitte meines himmlischen Hohenpriesters Das ist meine gewisse Zuversicht, dass Du mein heiliger Mittler und himmlischer Fürsprecher, der Du den Eingang gefunden und eröffnet in das Allerheiligste droben, auch mich in diesem Augenblick vertrittst, da ja die Namen Deines Bundesvolks eingegraben stehen in Deinem Brustschildlein, und wir, obwohl unwürdig in uns selber, doch angenehm sind in dem Geliebten!
Meine besondere Bitte an diesem Abend ist, dass Du auch mich tüchtig machen wollest zu Deinem bluterkauften Erbteil im Lichte. Gestalte mich in Dein Bild durch Einwohnung Deines Geistes, lehre mich sterben der Sünde, leben der Gerechtigkeit. Mach mich täglich himmlischer gesinnt. Gib mir täglich mehr Pilgersinn und Pilgerart. Lass mich nie vergessen, dass mein rechtes Daheim droben ist, dass ich hienieden nichts anderes bin als ein Beisasse und Pilgrim, wie alle meine Väter. Je näher ich dem Himmel komme, desto mehr lass mich anlegen das Kleid der Heiligung, desto sicherer versiegle mir, dass ich, von oben geboren, für das droben bestimmt bin und hienieden zu suchen habe die bessere Heimat.
Lass mich nicht murren wider die Weisheit Deiner Wege, sondern vielmehr in Geduld warten auf die Offenbarung Deines Tages. Behüte mich vor jedem voreiligen Urteil über die Dunkelheit Deiner Führungen. Wie könnte endliches Erkennen fassen die Gedanken unendlicher Liebe! Lass mich aus jeder Trübsal die Botschaft heraushören: Mache dich auf! Es kommt die Zeit, oder vielmehr die Ewigkeit, wo kein Leid mehr sein wird und kein Streit, keine Not und kein Tod, wo alle Tränen werden abgewischt sein von unsern Augen und alle Trübsal überwunden und verschlungen sein von ewiger Freude. Hienieden gilt es Kreuzigung des alten Menschen, Brechung des Willens, der wider Gott ist, darum muss es Stürme geben im Meere dieses Lebens. Aber droben wird ein ruhiges, sturmloses, kristallenes Meer ewigen Friedens sein.
Gib mir, dass ich täglich mich bade in diesem Meer der Ewigkeit, täglich von neuem schöpfe aus dieser kristallhellen Quelle, damit auch täglich mehr die Leiden dieser Zeit unter meinen Füßen liegen können.
Herr, tilge Du alle meine Sünden, alle Sünden des verflossenen Tages, des vergangenen Monats, um Deiner Barmherzigkeit willen! Lass mich hören, wenn ich einschlafe, meines Heilands Stimme: Alle Deine Sünden, so viel ihrer sind, sind Dir vergeben!
Herr, mache Dich auf und erbarme Dich Deines Zions! Lass Deine Gnadenströme herniederfließen auf Deine heilige Stadt! Baue ihre zerrissenen Mauern, stelle her ihre zerbrochenen Türme! Gib Wächter auf ihre Türme, die nicht schweigen, sondern rufen laut. und hell, bis dass Er kommt, der Herr und sein großer Tag! Wachet aus! ruft uns die Stimme der Wächter, sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Wohlauf, der Bräutigam kommt, steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit. Ihr müsst Ihm entgegengehen.
Herr, segne meine Freunde. Lass uns immer fröhlicher werden in dem Gefühle, dass ewige Bande uns ewig verknüpfen, und immer getroster hinausblicken auf die selige Stunde, wo wir alle ohne Sünd und Flecken stehen werden vor Deinem Throne. Bereite uns alle, alle vor für den Morgen ohne Wolken, wo wir in Deinem Lichte sehen werden das Licht, wo die Liebe Christi thronen wird in jedem Herzen und die Ehre Christi die Seligkeit sein wird aller Seelen! Dahin himmelan, in Jesu Namen! Amen.
Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer.
Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist, lasst uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenflusse, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden.
Hebr. 4, 14 u. 16.