MacDuff, John - Abendopfer - 26ter Abend. Um den Trieb des Geistes.
„Am Abend will ich beten.“
„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“
Röm. 8, 14.
Herr, Du bist der Gott meines Lebens und die Kraft meiner Tage. Kein Glück, das nicht von Dir käme. Deine Gnade ist Leben. Vergeblich würde ich meine Genüge suchen in dieser ungenügenden Welt. Deiner beraubt bin ich wahrhaft verarmt. Aber unter Deinem leuchtenden Antlitz bin ich geborgen, bin ich glücklich.
Gieße herab auf mich die Gaben und Gnaden Deines Heiligen Geistes. Lass ihn Wohnung machen in meinem Herzen. Lass ihn über seine blutbesprengte Schwelle die Inschrift setzen: „Heiligtum des Herrn!“ Lass diese meine Seele einen lebendigen Tempel, eine Wohnung Gottes im Geiste werden. Behüte mich vor aller Tändelei mit den Regungen des Geistes, bewahre meine Seele, dass sie nicht durch Unbußfertigkeit oder Herzenshärtigkeit den heiligen Tröster betrübe, durch den sie versiegelt ist auf den Tag der Erlösung. Lehre mich alle meine Gefühle und Gedanken unterordnen dem heiligen Richtmaß Deines Geistes. Seine allmächtige Kraft nehme alle meine hohen Gedanken und eitlen Einbildungen gefangen unter den Gehorsam Christi. Seine Kraft sei meine Stütze in Schwachheit. Erfülle mich mit Freude und Frieden im Glauben, dass ich selig sei in der Hoffnung durch den Heiligen Geist, wohl geschickt zu Deinem Dienste hienieden, vollbereitet zum Genusse Deiner Herrlichkeit im Jenseits. Ich bitte auch um Ausgießung desselben Heiligen Geistes auf die ganze Kirche. Lasse ihn als erquickenden Res gen niederrieseln auf das welke Gras, als eine Gewitterschauer strömen auf das dürre Erdreich. „Komm von den vier Winden, du Wind des Herrn, und wehe an die Erschlagenen im Tale!“ Beschleunige das Kommen der herrlichen Zeit, wo das Jahr der Erlösten anbrechen, wo die Erde voll sein wird von Hütten der Gerechtigkeit, in denen unablässig das Jauchzen der Freude und der Lobgesang des Friedens erschallt.
O dass doch von Jesu Sinn, auf den der Geist ausgegossen war ohne Maß, mehr in mir wäre! dass ich mehr wie Er wäre, demütig und sanftmütig, lind und still, geduldig und langmütig, friedlich und versöhnlich, Böses mit Gutem überwindend. Gestalte mich in dieses Bild von Klarheit zu Klarheit, durch den Heiligen Geist.
Birg alle meine Freunde unter den Schatten Deiner Flügel. Senke Deinen guten Geist auch in ihre Herzen. Lass durch ihn sie in alle Wahrheiten geleitet und der reichen Gnadenschätze in Christo immer mehr teilhaftig werden.
Alle armen Betrübten lasse sich erfreuen der Erquickungen des verheißenen Trösters. Der Heilige Geist gieße Öl und Wein in ihre Wunden, stärke sie inmitten ihrer Anfechtungen, und lehre sie in voller Ergebung sprechen: Herr. Dein Wille geschehe! In diesem Deinen Willen, als den besten, lass uns Alle Ruhe finden! Und unser Ringen sei, unsern Willen diesem guten Gotteswillen in Allem gleichförmig zu machen.
So lege ich mich, Du Hüter Israels, in Deine treue Gotteshut nieder, Deine Gnadengegenwart bleibe mir im Schlafen wie im Wachen und durchgehe auch heiligend meine Träume.
Schütze mich vors Teufels Netzen, Vor der Macht der Finsternis, Die mir manche Nacht zusetzen Und erzeigen viel Verdrieß. Lass mich Dich, o wahres Licht! Nimmermehr verlieren nicht; Wenn ich Dich nur hab im Herzen, Fühl ich nicht der Seelen Schmerzen.
Du großer Gott! erhöre, Was Dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, Du werter Geist, Der Du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich's Flehen; Amen, ja, das soll geschehen.
Amen.
Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer!