MacDuff, John - Abendopfer - 25ter Abend. Um tätige Pflichterfüllung.
„Am Abend will ich beten“
„Seid nicht träge, was ihr tun sollt. Seid brünstig im Geist. Schickt euch in die Zeit.“
Röm. 12, 11.
Herr, zu Dir nahe ich mich an diesem Abend in dem freudigen Gefühl, dass Du nicht schläfst noch schlummerst, nicht müde noch matt wirst, dass Du immer gut bist und immer Gutes tust. Dein Arm ist nimmer zu kurz geworden, Dein Ohr niemals verschlossen. Deine Pforten stehen allezeit offen. Der Thron Deiner Gnade ist immer zugänglich; keins Deiner Kinder kann verderben im Elend.
Der Schatten der Nacht, welcher jetzt mich umfängt, sei mir der Schatten Deiner majestätischen Gegenwart. Das allezeit wache Auge des großen Hüters Israels wacht auch über mir. Sein Licht erleuchtet meinen Pfad. Seine Hand bewahrt meinen Fuß und mein Herz vor dem Straucheln.
Herr, wie groß ist doch der Gegensatz zwischen Deiner unendlich tätigen Wachsamkeit und meiner Nachlässigkeit und Trägheit in Deinem Dienste! - Wie lau war ich, wo es galt, Deinen Namen zu verklären! Wie wenig empfand ich von der heiligen Verantwortung Deines Haushalters! Wie träge mein Tun, wie lässig mein Arbeiten! Herr, hilf, dass ich inskünftige eifriger werde zu Deiner Ehre! Lehre mich mehr tun, als ich bisher getan, redlicher schaffen meine Seligkeit, treuer ringen, einzugehen in die enge Pforte, unermüdlicher arbeiten in Deinem Dienst! Lass mich wenigstens immer wieder fragen: „Herr, was willst Du, dass ich tun soll?“ und wenn Du mir einen Liebesdienst anweist, so lass mich denselben angreifen mit allem Eifer und darin nicht müde oder träge werden. Lass mich jede Arbeit in Deinem Dienste nicht als Last, sondern als Lust empfinden und immer freudiger werden zu tun, was Dir wohlgefällig ist. Ferne von mir sei es, Deine Geduld auf die Probe zu stellen durch die Scheindienste unechter Liebe; ferne von mir, mein Herz zu teilen zwischen Dir und der Welt und zwei Herren zu dienen, Dir, dem Vater des Lichts, und dem Fürsten der Finsternis oder dem Mammon, Leib und Seele werde ganz Dein eigen, Dir zum Opfer geweiht, Dir völlig zu Dienste gestellt und gänzlich ergeben zu Lobe Deines heiligen Namens!
Groß ist das Werk, das Du mir anvertraut hast, und kurz die Zeit, heilig die Ausgabe und kostbar die Stunde. Herr, lehre die Zeit mich auskaufen für die Ewigkeit, und die Stunden mich ausnutzen für mein ewiges Heil! Lehre mich wirken, so lange es Tag ist, ehe denn die Nacht kommt, da niemand wirken kann. Wie bald kann sie hereinbrechen! Wie bald kann ich vor Deinen Richterstuhl gestellt werden! hilf mir, dass ich dann nicht unter den trägen Knechten erfunden werde, die das anvertraute Pfund ins Schweißtuch verborgen und vergraben haben, statt es auszuteilen und damit zu wuchern und zu handeln zu Deines Namens Ehre!
Gieß aus den Geist über die erstarrten Totengebeine der im Argen liegenden Welt. Verscheuche die Schatten des Todes, darin die Völker sitzen. Segne alle Boten des Friedens, alle Diener des Worts! Rüste sie aus mit Kraft und Weisheit, mit Mut und Demut! Sende ihnen Deine Engel zu Hilfe, dass sie siegreich auskämpfen den großen Kampf wider deine Feinde! - Segne meine Lieben und gib ihnen mit mir zu schaffen ihre Seligkeit mit heiligem Eifer, dass sie unsträflich erfunden werden auf die Zukunft Jesu Christi.
Lass mich diese Nacht empfinden,
Eine sanft und süße Ruh,
Alles Übel lass verschwinden,
Decke mich mit Segen zu.
Leib und Seele, Mut und Blut,
Weib und Kinder, Hab und Gut,
Freunde, Feind' und Hausgenossen,
Sind in Deinen Schutz geschlossen.
Gib, dass ich einschlafe in Deinem Frieden und erwache in Deiner Liebe, ausgerüstet durch Deine Gnade mit neuer Kraft zu tätiger Pflichterfüllung an dem neuen Tage; das alles um Jesu willen! Amen.
Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer!