Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Sechsundachtzigste Predigt. - Haniel

Text: 4. Buch Mosis 34, 23.

Der Name des mit Austeilung des Landes Kanaan beauftragten siebenten Fürsten ist Haniel. Dieser Name hat eine teure Bedeutung, die ihm die Tüchtigkeit zu dem ihm aufgetragenen Werk gänzlich zuerkennt. Haniel heißt aber auf Deutsch: die Gnade Gottes, die mit mir ist. Und kann dem wohl das Erbteil im himmlischen Kanaan fehlen, mit dem die Gnade Gottes ist? Gibt's irgendein anderes Mittel? Nein, keins. Sie ist das einzige Mittel, wodurch der Sünder zur Seligkeit geleitet wird. Lasst uns denn auch bei Betrachtung dieses werten Namens verweilen.

Was ist denn die Gnade Gottes? Was verstehen wir darunter? Was für eine Vorstellung haben wir uns von derselben zu machen? Um uns anzuleiten, um uns einen richtigen Begriff von Gnade zu machen, lasst uns zuvörderst einige Sprüche aus dem Neuen Testament uns vergegenwärtigen.

Von Jesu Christo heißt es: voller Gnade und Wahrheit. Im Römerbrief heißt es Kap. 3: wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade; Kap. 4: die Gerechtigkeit muss aus dem Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden. Kap. 5: Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden. Diejenigen, so da empfahen die Fülle der Gabe und Gnade, werden herrschen im Leben, durch den Einen Jesum Christ. Kap. 6: Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto mächtiger werde? Kap. 9: Nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnaden des Berufers. Kap. 11: Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Epheser 1, 6: Zu Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Kap. 2: Aus Gnaden seid ihr selig geworden, durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Auf dass er erzeigte den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade und seiner Güte über uns in Jesu Christo. 2. Thessalonicher: Er hat uns gegeben einen ewigen Trost und gute Hoffnung durch die Gnade. 1. Timotheum 1, 14: Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unsers Herrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist. 1. Petri 1: Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade. Hebräer 12: Habt Gnade. Und so dann schließt die ganze Heilige Schrift mit den Worten: Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen! Amen.

Sammeln wir nun die Begriffe, welche die angeführten Sprüche in uns erwecken, in eines zusammen, so sagen wir: Gnade ist der Inbegriff aller Güter und Kräfte, welche erforderlich sind, das Heil des Sünders von dem ersten Anfang bis zu seiner Vollendung zu bewirken. Alle diese Güter und Kräfte sind in der Person Jesu Christi zusammengefasst. Er ist die persönliche Gnade, das Haupt, woraus der ganze Leib zusammengefügt ist. Sünde und Gnade stehen einander gegenüber wie Arznei und Krankheit, Gnade ist kein leerer Begriff, keine bloße Vorstellung, sondern etwas Wirkliches, eine Sache, etwas Wirksames, eine überschwängliche Kraft. Sie lässt den Menschen nicht untätig, sondern macht ihn, da er tot war, lebendig, nach der Kraft, womit sie sich kann alle Dinge untertänig machen. Sie wirkt auf den Verstand, den sie erleuchtet, auf den Willen, den sie beugt und heiligt, auf das Gewissen - dass sie tröstet und beruhigt, auf das Herz, das sie stillt, stärkt und mit göttlichen Bewegungen erfüllt, auf die ganze Person, die sie rechtfertigt, schützt und bewahrt und endlich zum Ziel der ewigen Herrlichkeit führt. Wenn also etwas, das solche Wirkung nicht hat, Gnade genannt würde, so wäre das nicht die rechte Gnade, wie Petrus redet; wenn aber jemand der Gnade diese Wirkungen abspräche, oder gar ihr die entgegengesetzte zuschriebe, so redet er wie ein Blinder von Farben und gottlos, und lästert, da er nicht von weiß. Unter Gnade also verstehen wir den Inbegriff aller Güter und Kräfte, welche erforderlich sind, das Heil des Sünders von dem ersten Anfang bis zu seiner Vollendung zu bewirken und alle diese Güter und Kräfte sind in der Person Jesu Christi zusammengefasst. Gnade und Christus ist also eins und dasselbe. Denn Er ist voller Gnade und Wahrheit.

Lasst uns jetzt einige Eigenschaften dieses Haniel erwägen, die es deutlich beweisen, dass er es ist, der Israel einzig und vollkommen zum Besitz des himmlischen Kanaans führt, außer ihm aber nichts. Bemerkt denn zuvörderst die Alleinheit und Einzigheit der Gnade zum Heil. Darum sagt Paulus: aus Gnade seid ihr selig geworden, durch den Glauben und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Er sagt: nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist die Gnade Gottes ist nicht vergeblich an mir gewesen. Durch Gnade bin ich, was ich bin. Sie ist die einzige Arznei wider die Krankheit der Sünde, worin wir alle von Natur darnieder liegen, ja gestorben sind, sie ist das einzige Mittel, wodurch wir genesen zum göttlichen ewigen Leben, durchaus das einzige. Nie wird es der gepriesenen Klugheit der Menschen gelingen, anstatt der Gnade ein sich bewährendes Mittel zu erfinden, das von Sünde befreit und Heiligkeit gibt, oder es müsste denn unter diesen Namen Sünde und Heiligkeit Kleinigkeit gemeint sein, denen natürliche Kräfte gewachsen sind, Je mehr Weisheit und Klugheit jemand zu besitzen glaubt, desto mehr freut sich der Herr Jesus, und dankt seinem Vater, dem Herrn, dass Er's ihm verborgen hat. Diesen klugen Leuten widerfährt alles in Gleichnissen, dass sie's nicht sehen, obschon sie's sehen, und nicht verstehen, obschon sie's hören, und da sie sich ihrer Weisheit rühmen, sind sie geschlagene Narren. Sie wollen statt des gekreuzigten Jesu von Nazareth etwas anders erfinden, und setzen ein Götzenbild an die Stelle. Lass sie. Sie sind blind, und die sich leiten lassen, sind verloren. Sie stoßen sich daran, wozu sie auch gesetzt sind, 1. Petri 2, 8. Sie, die Gnade, ist das einzige Rettungsmittel im Gegensatz gegen alle eigene Bemühung und Anstrengung, und wenn sie auch noch so ernstlich wäre. Es gibt Menschen, und zwar die Meisten, die haben sehr vieles und oft Erbittertes und Feindseliges gegen die Gnade einzuwenden, und wollen lieber von Geboten hören. Gewissermaßen kann der Prediger ihnen nicht zu streng sein, wenn er gegen allerhand grobe Laster zu Felde zieht. Gewissermaßen, sag' ich, denn wenn er das Gesetz also predigt, wie es auch die Rechtschaffensten und Ehrbarsten, ja diejenigen, bei denen sich nur die geringste verkehrte Neigung regt, ja sogar solche, die sich nur damit abgeben, in Ewigkeit verflucht und verdammt, so wollen sie das auch nicht billigen. Sodann findet sich Christi Wort, sie sagen es wohl, aber sie tun es nicht. Es werden aber nicht diejenigen, die Herr Herr sagen, ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters tun; diejenigen aber, die sich ernstlich aufs Tun legen, die befinden sich in einer guten Vorbereitungsschule, wenn Gott es nicht anders über sie beschlossen hat. Summa, befreit die Gnade dich nicht, so wirst du in Ewigkeit nicht frei. Selbst die unleidlichen Qualen der Hölle und ihre Flammen werden dich nicht reinigen. Jeder von den Schlangen gebissener Israelit musste sterben, wenn er sich nicht entschloss, die erhöhte Schlange anzusehen. Und sterben muss du unfehlbar, wenn die Gnade dich nicht rettet und aus Gnade die Hand nach dir ausstreckt. Außer der Gnade kein Heil in keiner Weise. 1. Petri 1, 13. Aber wie? Sind wir denn so elend, so desperat, so verzweifelt böse, und unsere Wunde so unheilbar? ich finde das weder bei mir, noch bei andern. Ich erstaune über den Heidelberger Katechismus, dass er die menschliche Natur als eine solche beschreibt, die geneigt sei, Gott und den Nächsten zu hassen. Ich verwunderte mich über die Maßen, dass er sie so beschreibt, dass sie ganz und gar untüchtig sei zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen. Ich gestehe frei, mag es solche schlechte Subjekte geben, ich bin der keines. Ich bin unsträflich nach dem Gesetz. Gott sei Dank, so bin ich nicht, mag es auch niederträchtige Seelen geben, die alle Ursache haben, so wegwerfend von sich zu sprechen, und die sich eben damit weiß brennen wollen, dass sie's auch über andere, ja über alle ausdehnen, während sie selbst wiedergeboren sein wollen und sich so eine Sache anmaßen, die sie selbst für unbegreiflich erklären. Jawohl, das ist eben der Punkt. Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Die Menschen wollen ebenfalls wohl fromm werden, aber nicht vorher ihre Sünden und Elend anerkennen, sondern, wie sie da sind, Hand ans Werk Legen, sie wollen wohl gelobt, aber nicht getadelt werden, gerühmt, nicht gescholten sein. Daran liegt es aber.

Die Gnade ist das Notwendigste. Dies eine war's, was dem reichen Jüngling fehlte und mit diesem Einen alles. Dies Eine war es, was Jesus selbst dem Vielen der Martha entgegensetzte. Habt Gnade, sagt der Apostel, Hebräer 12, 28. In Gnade oder nicht in Gnade sein, das sind die beiden großen Sachen. Sie wird mit den unentbehrlichsten Dingen verglichen. Was ist unentbehrlicher als Wasser? und die Schrift stellt dasselbe und den Durst als ein Bild der Gnade dahin. Das Manna, das die Kinder Israel in der Wüste als die einzige Speise ernährte, der Fels, der sie tränkte, war eine Versinnlichung derselben und die Sonne einer und der beleuchtete Mond anderseits ist ein Bild davon. Redete übrigens jemand mit Engel- und Menschenzungen und hätte der Liebe nicht, so wäre er ein tönend Erz und eine klingende Schelle. Dies ist der verborgene Schatz im Acker, dies die eine Perle, die es wahrlich wert sind, dass man hingehe und, wenn man noch so begütert wäre, alles verkaufte. Dagegen hilft es dem Menschen gar im Geringsten nichts, wenn er die ganze Welt gewönne. Notwendig ist die Gnade zum Anfang der Gottseligkeit. Sie, sie ist die Urheberin des ersten Gedankens, sich aufzumachen und zum Vater zu gehen. Notwendig ist sie zum Durchbruch, hiermit der Welt und was der Welt gefällt, abzusagen, sonst heißt es: ihr lieft fein, wer hat euch aufgehalten?

Sie verdorren, wie schön der Anschein war. Notwendig ist sie zum Beharren. Denn nur wer bis ans Ende beharrt, wird selig. Ohne sie fallen auch diejenigen ab, die nach Hebräer 6 teilhaftig worden sind des Heiligen Geistes. Ein Durchbrecher muss vor ihnen hergehen, dass auch sie durchbrechen. Notwendig ist sie zum Streiten. Denn obschon jemand kämpft, so wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Notwendig ist die Gnade zu jedem einzelnen, auch kleinem Stück der Gottseligkeit. Ohne sie könnt ihr nichts tun, wie Jesus, und wie Josua sagt, dem Herrn nicht dienen. Wachen, beten, ja nur Gutes wollen und denken muss uns aus dieser Heilsquelle zufließen, oder es ist nur Schein, nicht echt. Ephraim, was sollen mir denn weiter die Götzen? Aus mir soll man deine Frucht finden. Wer ist weise, der dies verstehe, und klug, der dies merke? Denn die Wege des Herrn sind richtig; und die Gerechten wandeln darinnen, aber die Übertreter fallen darinnen. Hosea 14, 9. Siehe, wir kommen zu dir, denn du bist der Herr unser Gott. Wahrlich, es ist lauter Betrug mit allen Hügeln und Bergen, wahrlich, es hat Israel keine Hilfe, als an den Herrn unsern Gott. Jer. 3.

Sei so beherzt und gut du willt;
Bleibst du nicht stets zur Quell gekehrt,
Da stets was Frisches in dich quillt,
Dein Mut und Gut nicht lange währt.

Die Gnade ist drittens etwas wirksames und sehr kräftiges. Sie wird dem Winde verglichen, und wie kräftig ist der; den Wasserströmen, wer und was kann denen widerstehen; dem Donner, und was richtet der nicht aus; der Sonne, und was erleuchtet und erwärmet die nicht? Sie wird verglichen mit Schutz- und Trutzwaffen, mit Helm, Brustharnisch und Schild, so wie einem scharfen Schwert, womit man haut. Sie wird verglichen mit Schmucksachen, mit einem Reif am Finger, mit gestickten Kleidern, mit Geschmeide an dem Hals und Kettlein an dem Hals, Haarband an der Stirn, und Ohrringe in den Ohren, und einer Krone auf dem Haupt. Ezechiel 16, 10; so dass der Bräutigam von der Braut sagt: Du bist allerdings schön, meine Freundin, und ist kein Flecken an dir.

Doch lasst uns einiger Wirkungen der Gnade insbesondere gedenken. Sie erleuchtet den bisher verfinsterten Menschen, und gewährt ihm eine ganz andere Einsicht von geistlichen Dingen, als er bisher gehabt hat, so dass er sagen kann: sonst war ich blind, nun aber sehe ich. Sie betrübt ihn wegen seiner Sünde und seines Elends, und gleicht darin einem scharfen Nordwinde. Sie wirkt die Trauer, die nach Gott ist, die da schafft eine Reue zur Seligkeit. Sie erhält unter diesen Umständen den nötigen Mut, dass man nicht ganz und gar verzage, sondern einen Schimmer von Hoffnung übrig behalte. Sie erweist sich als eine tröstende Gnade, welche die Tröstungen spendet, die alles Zagen verdrängt, als eine züchtigende und leitende Gnade, dass die Seele Verirrung zurückkehre oder davor gesichert werde, als eine heiligende, bewahrende und endlich vollendende Gnade. So, so führt Haniel die Gnade Gottes zum endlichen Besitz des himmlischen Kanaans. Denn die Gnade ist viertens etwas sehr kräftiges. Also hat sie sich an viel Tausenden erwiesen, so erweist sie sich auch noch auf eine stille oder auffallende Art. Die Macht der Gnade erweist sich bald in der großen Menge derer, welche von derselben ergriffen, ganz andere Menschen werden, wie wenig Anschein auch dazu vorhanden war. Erinnert euch nur an das erste christliche Pfingstfest; bedenkt, was es für Leute waren, nämlich solche, die gleichsam noch von dem Blute des Herrn der Herrlichkeit trieften, den sie ermordet hatten, und noch vor Gewinn und Bosheit kochten, noch über die Apostel als über Trunkene spotteten, bedenkt die einfache Predigt, die Petrus diesen Leuten hielt und seht den erstaunlichen Erfolg, den die Gnade dieser Predigt gibt, da 3000 Menschen auf einmal durch dieselbe bekehrt und gläubig an den Jesum wurden, den sie verworfen hatten. Erkennt und preist die Macht der Gnade, die das Christum bei den ungeheuersten Verfolgungen nicht nur erhält, sondern es so ausbreitet, dass schon im zweiten Jahrhundert ein vornehmer heidnischer Staatsbeamter an den Kaiser schreibt: die Tempel der Götzen stehen leer und es ist fast niemand mehr, der ihnen opfert; und fragt, was ist zu tun? Erkennt und preist die Macht der Gnade in der Freudigkeit, die sie den Märtyrern in Erduldung der Qualen verlieh, welche erst die Juden, dann die Heiden und endlich die Papisten über sie wegen des Namens Christi verhängten. Erkennt und preist die Macht der Gnade in der rohen Beschaffenheit der Völker, unter welchen sie dem Reiche Gottes Bahn und Eingang verschaffte. Und zu denselben gehörten auch namentlich wir Deutsche, von denen Hieronymus, der im 4ten Jahrhundert nach Christo lebte, sagt: Wer sollte es glauben, dass selbst Deutschland die Aussprüche der Heiligen Schrift erforscht!

Wie durfte Paulus es wagen, mit seiner törichten Predigt in das kluge Korinth zu gehen, als im Vertrauen auf die Macht der Gnade, welche daselbst ein großes Volk hatte, so dass alle gläubig wurden, wieviel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren. Wie durfte er sich in die der Venus geweihten Insel Zypern, und in die Hurenstadt Paphos wagen, als weil die mächtige Gnade wenigstens Einen, nämlich den Obersten des Landes, Namens Sergius Paulus, aus dem Kloack der Sünde retten wollte. Welche ansehnliche Menge hat sich diese mächtige Gnade nicht schon aus unserm lieben Elberfeld gesammelt, und sammelt noch zu ihrem Preise. Wie viele Garben sind schon in die himmlische Scheune abgeliefert. Seit wie lange ist dies Gnadenfeuer unter uns am brennen! Es greife immer mehr um sich. Als eine kräftige Gnade erweist sie sich auch an einzelnen Personen insbesondere. Wäre sie nicht so kräftig, so würde es ihr bei keinem gelingen. Dies zeigt sich aber bei Einzelnen auffallender, wie bei Andern. Je weiter jemand von Gott, von der Wahrheit und der Gottseligkeit abgekommen ist, je weiter er in der Gottlosigkeit und in dem Irrtum vorgedrungen ist: desto mehr erweist sich in seiner Herumholung die Macht der Gnade. Davon sind Manasse unter dem Alten und Paulus unter dem Neuen Testament in die Augen fallende Exempel. Und es fehlt noch immer nicht an lebendigen Beweisen, dass da, wo die Sünde mächtig worden ist, die Gnade noch viel mächtiger geworden ist.

Haniel - die Gnade Gottes ist mit mir. Darfst auch du das sagen? Hast du die mächtige Wirkung derselben in dir selbst verspürt, und erfährst du sie noch von Tag zu Tage an dir? findest du dies wirklich bei dir, wie reich, wie glücklich bist du, wenn du dich auch gerade jetzt nicht so fühltest, wie reich, wie glückselig wirst du noch werden. Ist die Gnade Gottes deine Leiterin, deine Führerin o! wie gewiss ist dir dann die Erreichung des allerherrlichsten Ziels.

Aber wie elend bist du, und wie über allen Begriff elend wirst du noch werden, und wer weiß wie bald, wenn die Gnade nicht mit dir ist. Was sind Kronen und Thronen, was ist Reichtum und Ehre, was Glück und Glanz und fröhliche Tage? Höchstens Blumen, womit der Eingang in den Abgrund vor deinen Augen verdeckt wird, in welchen du unfehlbar rettungslos hinabstürzen und verloren werden wirst. Und wie groß ist die Zahl der Unglücklichen, der Geplagten auf Erden, die also, ohne die Gnade, zweimal in die Hölle kommen, erst hier und dann dort. Schrecklicher Zustand.

Ach! ja. Die Nachfrage, die Untersuchung: ist die Gnade Gottes mit mir, ist sie es, die mich zum himmlischen Kanaan leitet? kann nicht zu ernst, zu genau, zu nachdenkend angestellt werden. Und wie viele bekümmern sich ganz und gar nicht darum, schlafen am Rande des Abgrundes und erwachen erst, wann sie schon in denselben hinabfahren. O! wehe, wehe! Wache auf, der du schläfst. Warte keinen Augenblick mehr. Denn in die Hölle wohin du fährst, ist kein Werk mehr.

Glückseliges Hänslein, das dem Haniel anvertraut ist, dem der Auftrag gegeben ist, dass er dich nach Kanaan führen soll, denn es ist des Vaters Wille; dir das Reich zu bescheiden.

zuletzt geht's wohl.

Geht's dir denn auch wunderlich
Bald durch Kreuz und bald durch Freude,
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit uns. Amen!

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