Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Einundachtzigste Predigt (Bileam).
Eingang.
Eine der merkwürdigsten Geschichten, welche uns die Bibel erzählt, ist die, welche von Gideon und den Midianitern handelt, und die wir im Buch der Richter 6 und 7 lesen.
Die Midianiter drückten Israel ungemein hart, und Gott hatte dies zur Strafe für ihre Abgötterei über sie verhängt. Der Druck wurde ungemein groß. Endlich wurde ihr Herz erweicht und sie bewogen, ihre Zuflucht zum Herrn zu nehmen und zu ihm zu schreien. Und wohl denen, bei welchen die Trübsal eine solche Wirkung hat. Der Herr sandte nun zunächst einen Propheten zu ihnen, der ihnen. ihre Sünde vorhielt, als die Ursache alles ihres Elendes und als das höchste Übel selbst, denn die Sündenerkenntnis ist das Erste, was zum Christentum gehört, sowohl im Anfang als Fortgang. Dies war ein Vorzeichen der sich wieder nähernden Gnade; denn, fängt der Sünder an, über seine Sünden zu weinen, so fängt der Himmel an, sich über ihn zu freuen. Gott tat noch mehr. Statt des Propheten, sandte er einen Engel des Herrn. Dies aber war nicht ein erschaffener Engel, sondern der Sohn Gottes; deswegen ändert sich die Rede bald, und er bekommt den ihm eigentlich gebührenden Namen. Es heißt: Der Herr sprach. Zu wem sprach er denn? Zu einem jungen kräftigen Manne, Namens Gideon, der gerade Weizen drosch. Zu dem sagte er: Der Herr mit dir, du streitbarer Held. Gideon macht dem also mit ihm Redenden, den er noch nicht kannte, Einwendungen: Ist der Herr mit uns, warum ist uns denn solches alles wiederfahren. Der Herr hat uns verlassen und in der Midianiter Hände gegeben. Er war also kleinmütig und zaghaft. Aber der Herr wandte sich zu ihm, wie er sich später zum Petrus wandte, und Gideon spürte sich in seinem Innern gehoben und gestärkt, und so sprach der Herr weiter zu ihm: Gehe hin in dieser deiner Kraft. Nochmals bekannte Gideon seinen Kummer, denn er sprach: Womit soll ich geringer, unbedeutender Mann Israel erlösen? worauf ihm der Herr erwiderte: Ich will mit dir sein, dass du die Midianiter schlagen sollst wie einen einzelnen Mann. Jetzt war Gideon völlig beruhigt. Im Ganzen erscheint er aber als ein Schwachgläubiger, der leicht ans Wanken zu bringen ist und immer neuer Aufmunterung bedarf. So zeigte es sich auch alsbald. Mit einem Mal erkannte er, wer es sei, der mit ihm redete, welcher plötzlich verschwand. Da schrie Gideon: Ach! Herr, Herr, so habe ich also einen Engel des Herrn von Angesicht gesehen! und meinte ohne Zweifel, wie später Manoah, er müsse deswegen sterben. Alsbald wurde er aber wieder getröstet, denn der Herr sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben, Friede sei mit dir. Jetzt wurde er wieder sehr munter und gab Gott den köstlichen Namen: Jehova Schalom, Gott des Friedens. Der Geist des Herrn zog Gideon an mit Mut und Kraft, als die Midianiter in großer Menge wider Israel heranzogen. Er ließ die Posaunen blasen überall und es sammelten sich 32.000 Mann um ihn. Jetzt entfällt ihm wieder der Mut. Neue Zweifel beunruhigen ihn. Er fragt Gott wiederum, ob das wirklich sein Ernst sei mit dem, was er gesagt habe, er wolle Israel durch ihn erlösen. Er bittet um ein neues und aber um ein neues Zeichen mit dem Fell, wiewohl er selbst besorgt, Gott damit zu beleidigen. Es geschieht, so wie er's gefleht hat. Aber nun wendet sich das Blatt. Hat er Gott so oft auf die Probe gestellt, so stellt Gott ihn nun wieder auf die Probe. Er sagt, des Volkes sei zu viel, und Gott könne die Midianiter nicht in ihre Hände geben, Israel möchte anders sagen: Meine Hand hat mich erlöst. Er musste ausrufen lassen: wer blöde und verzagt sei, was Gideon eigentlich selbst auch war der könne nach Hause gehen. Und siehe, deren waren 22,000. Gideon aber musste bleiben. Gott wiederholte noch einmal, des Volks ist noch zu viel und so blieben am Ende nur 300 Mann übrig. Wie mochte dem Gideon zu Mute sein, dem 30,000 nicht genug schienen, was mussten denn die 300 sein. Gott stärkte ihn abermals, nicht durch einen Engel, nicht durch einen Traum, nicht durch einen Propheten, sondern durch ein Paar Midianiter. Er musste in der Nacht zu dem midianitischen Lager gehen und Gott war so herablassend, ihm zu sagen: Fürchtest du dich allein zu gehen, so nimm deinen Knaben mit. Er sollte hören, was im Lager gesprochen wurde. Und siehe, es musste sich so treffen, dass gerade Ein Midianiter dem Andern einen Traum erzählte, den der Andere erklärte und ihn dahin deutete, dass Gott die Midianiter in Gideons Hände gegeben habe, samt dem ganzen Heer. Gideon, als er das gehört, betete an. Er wurde voll Zuversicht und sprach zu dem Heer Israels: Machet euch auf, denn der Herr hat das Heer der Midianiter in eure Hände gegeben. So geschah es denn auch auf wunderbare Weise.
Lasst uns aber jetzt zurückkehren in die Wüste und sehen, welch' einen bösen Streich Bileam durch Midian Israel spielt, und wie Gott sie rächt.
Text: 4. Buch Mosis 25, 1-9. Kap. 31, 1-13.
Und Israel wohnte in Sittim. Und das Volk hob an zu huren mit der Moabiter Töchter, welche luden das Volk zum Opfer ihrer Götter. Und das Volk aß, und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal Peor. Da ergrimmte der Zorn des Herrn über Israel, und sprach zu Mose: Nimm alle Obersten des Volks, und hänge sie dem Herr an die Sonne, auf dass der grimmige Zorn des Herrn von Israel gewandt werde. Und Mose sprach zu den Richtern Israels: Erwürge ein jeglicher seine Leute, die sich an den Baal Peor gehängt haben. Und siehe, ein Mann aus den Kindern Israel kam, und brachte unter seine Brüder eine Midianitin, und ließ Mose zusehen und die ganze Gemeine der Kinder Israel, die da weinten vor der Tür der Hütte des Stifts. Da das sah Pinehas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters, stand er auf aus der Gemeine, und nahm einen Spieß in seine Hand, und ging dem israelitischen Manne nach hinein in den Hurenwinkel, und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und das Weib, durch ihren Bauch. Da hörte die Plage auf von den Kindern Israel. Und es wurden getötet in der Plage vier und zwanzig tausend.
Und der Herr redete mit Mose, und sprach: Räche die Kinder Israel an den Midianitern, dass du danach dich sammelst zu deinem Volk. Da redete Mose mit dem Volk, und sprach: Rüstet unter euch Leute zum Heer wider die Midianiter, dass sie den Herrn rächen an den Midianitern; aus jeglichem Stamm tausend, dass ihr aus allen Stämmen Israels in das Heer schickt. Und sie nahmen aus den Tausenden Israels, je tausend eines Stamms, zwölf tausend gerüstet zum Heer. Und Mose schickte sie mit Pinehas, dem Sohne Eleasars, des Priesters, ins Heer, und die heiligen Kleider, und die Halltrompeten in seine Hand. Und sie führten das Heer wider die Midianiter, wie der Herr Mose geboten hatte, und erwürgten alles, was männlich war. Dazu die Könige der Midianiter erwürgten sie samt ihren Erschlagenen, nämlich Evi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die fünf Könige der Midianiter. Bileam, den Sohn Beors, erwürgten sie auch mit dem Schwert. Und die Kinder Israel nahmen gefangen die Weiber der Midianiter und ihre Kinder; alles ihr Vieh, alle ihre Habe, und alle ihre Güter raubten sie; und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte ihrer Wohnung, und alle Burgen; und nahmen allen Raub, und alles, was zu nehmen war, beides, Menschen und Vieh. Und brachten es zu Mose und zu Eleasar, dem Priester, und zu der Gemeine der Kinder Israel, nämlich die Gefangenen, und das genommene Vieh, und das geraubte Gut ins Lager, auf der Moabiter Gefilde, das am Jordan liegt gegen Jericho. Und Mose und Eleasar, der Priester, und alle Fürsten der Gemeine, gingen ihnen entgegen hinaus in das Lager.
Die letzte Weissagung des Bileam schlage ich über, weil es mir an den dazu erforderlichen Kenntnissen mangelt, nachzuweisen, wie dieselbe erfüllt ist, will geschweigen, erfüllt werden wird, bis zu dem Punkte, wovon Bileam ausruft: Ach! wer wird leben, wenn Gott solches tun wird.
Dieser gottlose Mensch wollte Israel gern verfluchen, musste es aber wider seinen Willen segnen. Sein gottloses Herz ersann aber einen teuflischen Rat, dessen Ausführung und Ausgang hier gemeldet wird, und hoffte durch dasselbe den Zweck zu erreichen, den er mit seinen Verwünschungen nicht erreichen konnte, was ihm auch, so zu reden, nur all zu gut gelang.
Der erschreckliche Rat Bileams war der, dass Balak Israel zum Götzendienst versuchte, welcher mit Hurerei und Unzucht verknüpft war, also eine gefährliche Lockspeise abgab. Die midianitischen Weiber spielten dabei eine Hauptrolle. So war ehemals und ist noch der Götzendienst bei den Heiden, wo die Unzucht durch die Bosheit des Satans zu einem Kultus, d. i. Gottesdienst gestempelt wird. Und was ist es nicht mit ein großes Verdienst um die Einführung des Christentums, dass durch dasselbe dieser Gräuel ganz ausgerottet ist, von dem sich vermuten lässt, dass er Anhänger genug finden würde, da er das Laster rechtfertigt, ja zum Kultus macht, wie sich auch eine gewisse neuere Philosophie, die doch von sogenannten Christen herrührt, so etwas hat zu Schulden kommen lassen. Man sieht auch daraus, wo der Zeitgeist hinaus will. Es ist den Menschen nicht genug, Böses zu tun, sie wollen es nicht nur nicht getadelt, sie wollen es nicht nur entschuldigt, sie wollen es sogar gerechtfertigt wissen und keiner Vergebung der Sünden bedürfen.
Dieser schändliche Rat Bileams, der Hölle entsprossen, tat eine bejammernswürdige Wirkung, denn das Volk hub an zu huren mit den Töchtern der Moabiter, welche luden das Volk zum Opfer ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Schon dass sie von den Opfern aßen, war eine höchst bedenkliche Sache, denn sie kamen dadurch in die verderbliche Gemeinschaft der Teufel. Sie bewiesen bei ihrer Gottlosigkeit eine empörende Frechheit gegen Mosen selbst und die ganze Gemeine, denen sie frech Trotz boten, indem sie ihren Unfug schamlos vor deren Augen trieben. Aber es war jemand, der ließ sich nicht Trotz bieten, und das war Gott selber. Sein Zorn ergrimmte über Israel. Seine Strafe folgte der Gottlosigkeit. Bei den Obersten des Volkes hub die Strafe an. Sie wurden aufgehängt und so auch äußerlich der Fluch des Gesetzes an ihnen vollzogen. Den Richtern wurde befohlen, alle diejenigen, welche sich an die garstigen Götzen gehängt hatten, zu töten, und der Oberste, der die größte Frechheit in seinem Laster bewiesen hatte, wurde von dem Hohenpriester Pinehas selbst gestraft, der einen Spieß ergriff und ihn damit erstach. Die midianitische Fürstin, die Haupturheberin des ganzen Ärgernisses, hatte gleiches Los. Im Ganzen wurden 24.000 getötet, der übrige Teil der Gemeine aber lag vor der Tür der Stiftshütte, und weinte und demütigte sich vor Gott, obschon sie nicht in gleicher Weise gesündigt hatten. Die Gottlosen aber trotzten ihnen und verspotteten sie. Gott aber bewies seine Heiligkeit und Herrlichkeit durch die Strafe, die er über sie verhängte, dass eine so große Menge Menschen ihr Verbrechen mit einem gewaltsamen Tode büßen mussten, ohne dass ihnen länger Raum zur Buße gestellt wurde. Denn wenn der Zorn Gottes erwacht, so ist kein Retten mehr.
Paulus aber sagt 1. Korinther 10, 6: Dies ist zum Vorbilde als ein warnendes Exempel geschehen. Werdet also nicht Abgöttische, wie deren etliche wurden, wie geschrieben steht: das Volk setzte sich nieder um zu essen und zu trinken und stand auf zu spielen. Auch lasst uns nicht Hurerei treiben, wie jener etliche, und fielen auf einen Tag 23.000. Hurerei und Unzucht jeder Art ist ein besonders abscheuliches und von Gott vermaledeites Laster. Es wird als ein Verderben des Tempels Gottes betrachtet, und wer das tut, dem wird gedroht, dass Gott ihn wieder verderben werde. Hurer und Ehebrecher werden insbesondere als solche dargestellt, die Gott richten werde, obschon es sonstige Gerichte nicht tun. Diese Sünden ziehen deswegen auch die scheußlichste Krankheit nach sich, so dass Menschen bei lebendigem Leibe verwesen und dem scheußlichsten Aas gleich werden. Dennoch ist es ein sehr weit verbreitetes Laster, nicht nur damals, sondern besonders in dieser leichtfertigen Zeit. Ja, ein Laster, das kaum für Sünde geachtet, worüber gescherzt, wozu die Menschen auf allerlei Weise gereizt, das von Obrigkeitswegen nirgend und auf keinerlei Weise gehemmt wird. Vielmehr werden ja schändliche Häuser geduldet und es den schändlich frechen Weibsleuten gestattet, die Straßen zu durchschleichen, um in ihre Netze zu ziehen, was sie können. Wo fände sich ein Pinehas, der einen Spieß ergriffe und sie damit durchstäche? Wie viel Gelegenheit würde ein solcher leider auch in unserer Stadt dazu finden! O! Gott, man sucht Heiden zu bekehren, und tut wohl daran - und die Christenheit versinkt immer mehr in heidnische Blindheit und Laster. Endlich aber wird die Strafe denen nicht ausbleiben, die nicht Buße tun und wohl gar der Buße spotten. Das sind Wege zur Hölle, wo sie herunter fahren in des Todes Kammern. Weg, o! weg mit allem Leichtsinn, der dem jetzigen Weltgeist so angemessen ist, mit aller Leichtfertigkeit in Worten, in Werken, in Betragen; geht aus von ihnen und sondert euch ab und rührt kein Unreines an, so will ich euch annehmen. Dieweil wir nun solche Verheißungen haben, so lasst uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes.
Merkwürdig ist es auch, dass der Apostel als eine Einleitung, vor Hurerei zu warnen, sagt: Sie setzten sich nieder, zu essen und zu trinken und stunden auf zu spielen. Eins steht in Beziehung auf das Andere. Hier wird nur des Spießes gedacht. Zu demselben gehören die Schmausereien und Trinkgelage, welche eine Hurerei mit der Zunge sind, so wie Anleitung zu Ausschweifungen aller Art. Und was ist das für ein Geist, der in allen Lustbarkeiten herrscht, mögen sie einen Namen führen, wie sie wollen, anders als der Welt- und Hurerei-Geist. Es ist bekannt, wie allgemein und mit welchem Eifer die Welt ihre sinnlichen Belustigungen verteidigt. Sie streitet dafür, als etwas Unsündliches, als erlaubte Vergnügungen. Sie tadelt, ja schilt jede Ansicht des Christentums, die diesem Sinne widerspricht, als irrig, ja schädlich. Sie verschreit es als den Trübsinn fördernd, als nur traurige Leute bildend, die ihre Tage mit Ächzen und Seufzen sich verkümmern, was ja Gott nicht gefallen könne, der uns gerne Freude gönne. So sind Tanz und Spiel, Schauspiel und wie es alles heißen mag, samt den mehr pöbelhaften Saufgelagen mit ihren wüsten Folgen, bei der blinden Welt erlaubte Dinge, die sie sich nicht nehmen lässt. Es ist aber der nämliche Hurengeist, der in allen diesen Dingen, wie beim Götzendienste des Baal Peor, herrscht, es sind fleischliche Lüste, die wider den Geist streiten, es ist das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und wer unter der Gnade steht, den züchtigt sie auch zur Verleugnung derselben. Zwar kann man nicht sagen, dass derjenige schon in Christo sei, der sich dieser Dinge enthält; aber jeder wahre Christ wird sich dieser Dinge enthalten, muss er sich auch deswegen bespötteln lassen. Wehe aber den Irdisch gesinnten. Ist der Bauch ihr Gott, so ist ihr Ende die Verdammnis.
Es gibt auch eine geistliche Hurerei, die nicht weniger böse ist. Die Abgöttischen bei dem Volke Israel werden von den Propheten häufig Hurer und Ehebrecher genannt, weil sie dadurch von Gott, ihrem Manne, abfielen und sich andern Lügengötzen hingaben. Solche geistliche Hurerei wird nicht so sehr auf die Weise begangen, wie Christus sagt: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen, sondern es ist geistliche Hurerei und Ehebruch, wenn man außer und neben Gott und seinem Sohn und Geist, irgendetwas sich erdichtet oder hat, worauf man sein Vertrauen ganz oder teilweise setzt, seien es irdische, seien es geistliche Dinge, sei es etwas außer uns, sei es in uns selbst, seien es natürliche, seien es geistliche und Gnaden-Gaben. Und wer ist, der in dieser subtilen aber gräulichen Abgötterei nicht befangen, der ganz und gar von aller Eigenliebe, Selbsterhebung, Wohlgefallen an sich selbst und eigener Anmaßung los und ledig wäre. Ach! ja, wer nur meint, er sei etwas da er doch nichts ist der betrügt sich selbst. Ach! dies ist ein Gift, was nur wenige erkennen und merken, dies ist eine Fliege, welche die ganze Salbe verdirbt. Willst du dich rühmen, so lass dir Paulum ein Vorbild sein, der sich am liebsten seiner Schwachheit rühmte, lieber als seiner hohen Offenbarung und Vorzüge, der sich nichts nannte, der da bekannte: Nicht ich, sondern die Gnade, die mit mir ist. Kannst du glauben, lieben, hoffen, kannst du getrost sein und guten Mutes, kannst du sehr heilig handeln, sehr geduldig leiden, freudig sterben es ist der Herr, der solches alles tut. Wäre Er es nicht, so würde sich das Gegenteil von diesem allen bei dir finden. Verlasst euch deswegen auf den Herrn ewig, denn Gott der Herr ist ein Fels ewig. Es ist ferner eine geistliche Hurerei, wenn die heilsame Lehre zum Missbrauch verkehrt wird, so dass Menschen dadurch frech, statt demütig werden, leichtsinnig, statt vorsichtig wandeln, wie die Weisen, und nicht wie die Unweisen, das hohe Gut der evangelischen Freiheit verkehren zum Deckmantel der Bosheit, da uns doch die wahre Gnade züchtiget, dass wir verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, da die wahre Gnade das Gegenteil von diesem allen wirkt und uns stark macht, weshalb auch Paulus zum Timotheus sagt: Sei stark, mein Sohn, durch Gnade.
Dazu gehört auch insbesondere die Mengelei, das Durcheinander, die Mischung des Gesetzes und des Evangeliums, wo keines von beiden bleibt, was es ist, des freien Willens mit der Gnade, wo weder das Eine noch das Andere gilt, und es nicht nach dem Spruch geht: Ist es aus den Werken, so ist es die nicht aus Gnaden, sonst wären die Werke nicht Werke, ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus den Werken, sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Man will auch im Geistlichen eine rechte Mitte einschlagen, dass es weder ganz aus der Gnade fließe, sondern die selbsteigenen Bemühungen, der eigene Fleiß hinzukommen müsse, dass es dann aber auch nicht ganz allein von den eigenen Bemühungen, dem eigenen Fleiß abhänge, sondern dass die Mitwirkung Gottes auch nötig sei, die man sich fleißig erbitten müsse. Das ist der Meisten ganze christliche Weisheit. Weiter reicht ihr Verständnis nicht. Sie sehen Menschen wie Bäume wandeln. Was darüber hinausreicht, ist ihnen unverständlich, ja ärgerlich, sie stoßen sich daran, sie eifern dagegen, sie verlästern es. Als natürliche Menschen vernehmen wir freilich nichts vom Geiste Gottes. Soll der fleischliche Verstand in geistlichen Dingen Richter sein, so wissen wir freilich wohl, wie das Urteil ausfallen wird. Übrigens steht es fest, die lebendige Erkenntnis Christi lässt den, der sie besitzt, nicht unfruchtbar, nicht unwirksam, nicht untätig sein. Es sind keine Worte, sondern Sachen, keine Einbildungen und Phantasien, sondern Realitäten und Wesen. Christus selbst lebt in den Gläubigen. Sie wirken durch ihn oder er in ihnen und durch sie. So wirken sie Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die da bleibt in das ewige Leben, die ihnen der Sohn Gottes darreicht. So wirken sie nicht und wirken doch, denn sie sind nicht ohne Gesetz, sondern im Gesetz Christi. Wer es fassen kann, der fasse es.
Bei dieser Andeutung will ich es denn diesmal bewenden lassen, da ich schon früher beim Anfang der Betrachtung der Geschichte Bileams darüber geredet habe. Aber, möchte man sagen, es gelang also dem Bileam doch mit seinem Fluchen wider das Volk Gottes? es gelang ihm doch, Israel vor Gott stinkend und sie zum Gegenstande seines Zornes zu machen, so dass 24,000 an Einem Tag getötet wurden? Aber nennt das kein Gelingen, nennt es Züchtigung. Meinet ihr etwa, Gott ließe seine Kinder so machen, so irrt ihr sehr. Nein, hat er jemand lieb, so beweist er sich auch dadurch als Vater gegen ihn, dass er ihn züchtigt, und das wohl scharf züchtigt und stäupet. Auch das, was wir Psalm 89, 31 lesen, gehört zu den Verheißungen des Volkes Gottes. Es heißt aber daselbst also: Ich habe einen Helden erwecket, der helfen soll. Ihm will ich Samen geben. Wo aber seine Kinder mein Gesetz verlassen und in meinen Rechten nicht wandeln, so sie meine Ordnungen entheiligen und meine Gebote nicht halten: so will ich ihre Sünde mit der Rute heimsuchen und ihre Missetat mit Plagen; aber meine Gnade will ich nicht von ihm wenden und meine Wahrheit nicht lassen fehlen und nicht ändern, was aus meinem Munde gegangen ist. Sein Same soll ewig sein und sein Stuhl wie die Sonne. Wie der Mond soll er ewig erhalten sein, und gleich wie der Zeuge in den Wolken gewiss sein. Da kann es wohl gehen, wie es Psalm 80 heißt: Herr Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen über dem Gebete deines Volkes? Du speist sie mit Tränenbrot und tränkst sie mit großem Maß voll Tränen. Deine Hand schütze das Volk deiner Rechten und die Leute, die du dir fest erwählt hast, so wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen. Herr Gott Zebaoth, lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.
Sehen wir nicht an denen, die bußfertig um die Stiftshütte liegen und weinen, eine gesegnete Frucht der scharfen Zucht. Und durch die Hand des Priesters wird alles wieder gut. Gott befahl seinem Knechte, dem Moses, und sprach: Räche die Kinder Israel an den Midianitern. Er gebot also dem Volke, sich zu rüsten und stellte ein Heer von 12.000 Mann ins Feld. Das Übrige wisst ihr, wie wir es so eben vorgelesen haben. Die Nation der Midianiter wurde aus gerottet. Auch Bileam selbst wurde erstochen. Doch war das Volk der Midianiter nicht so ganz vertilgt, dass es sich nicht mit der Zeit wieder erholt hätte, und zwar so, dass Israel ganzer sieben Jahre unter ihrer Hand war, und grausam von ihnen geplagt wurde, bis ihnen Gott den Gideon erweckte, der sie auf wunderbare Weise errettete, wovon wir die merkwürdige Anfangs-Geschichte aus Richter 7 berührt haben. Merkwürdig ist die Abwechslung in der Redeform, da Gott zu Mose sagt: Räche die Kinder Israel an den Midianitern, er selbst aber, Moses, spricht zum Volke: Rächet den Herrn an den Midianitern, damit nämlich kund werde, dass Gott sein Volk nicht stecken lässt.
Fliehet denn die Hurerei und alles, was in dieser leichtfertigen Zeit Bezug darauf hat. Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außer seinem Leibe, wer aber huret, sündigt an seinem eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott; denn ihr seid teuer erkauft. Darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes. Wer aber dem Herrn anhängt, der ist Ein Geist mit ihm. Amen.