Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Achtzigste Predigt (Bileam).
Israel, du bringst dich ins Unglück, denn dein Heil steht allein bei mir. So spricht der Herr bei dem Propheten Hosea 13, 9. Zwei Wahrheiten werden hier zugleich gelehrt: zuerst, was wir von uns selbst, sodann, was wir von dem Herrn zu erwarten haben. Beides reimt sich ungemein wohl zu einander, und indem es uns von dem Einen abweist, führt es uns desto mehr zu dem Andern; das Eine demütigt, das Andere erhebt uns.
Du bringst dich ins Unglück, das ist es, was wir von uns selbst zu erwarten haben. Nichts als Unglück, zeitliches und ewiges Unglück. Zu dem Ende ist gerade nicht erforderlich, dass jemand irgend besondere Übeltaten begehe. Es ist nicht erforderlich, dass jemand besondere Unarten an sich habe, z. B. dem Trunk, dem Spiel, der Liederlichkeit, dem Leichtsinn ergeben sei, so dass man ihm leicht vorhersagen kann, er werde sich mit der Zeit ins Unglück stürzen, wie die Erfahrung dies durch so häufige Exempel bestätigt. Dass es so viel arme, so viel elende Leute gibt, ist nicht zu verwundern; sie machen es auch danach. Aber ins Unglück zu bringen, dazu ist nur erforderlich, dass wir uns selbst überlassen bleiben, welches der Wahrheit gemäß das höchste Übel, und dagegen nicht sein selbst, sondern Jesu Christi eigen zu sein, das größte Glück ist. Führen wir uns selbst, so sind wir verloren, vertrauen wir uns selbst, so gleichen wir den Leuten, die auf dünnem Eise übers Wasser wollen gehen. Es bricht unter ihren Füßen. Sie wollen ihre Vernunft brauchen wo haben wir die? da Christus Unvernunft alles dasjenige nennt, was aus unserm Herzen geht. Die Vernunft im besten Falle leitet den Menschen an, die Gebote zu halten. Aber was nun? Entweder tut er sich selbst ein Genüge, und wehe ihm dann, denn er betrügt sich selbst; er wird ein Selbstgerechter, ein Pharisäer, ein Heuchler, ein getünchtes Grab; er kommt nicht auf die eigentliche Sache, und statt aus dem Gesetz seine Sünde zu erkennen, entnimmt er seine eigene Gerechtigkeit daraus und wird so schlimmer als die Schlimmsten; oder er tut sich umso weniger Genüge, je ernstlicher er's meint, und tut sich je länger je weniger Genüge. Wo denn nun hin? Jawohl, wohin? Er will sich nicht selbst ins Unglück bringen und sieht doch, dass er nichts anderes tut, ja kann, als das. Ach, ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Nun, das ist ein gutes Zeichen. Wenn deine Kraft nun ganz und gar zunichte worden ist, so steht dein Heil allein bei dem Herrn.
Text: 4. Buch Mosis 24, 17. 18.
Ich werde ihn sehen, aber jetzt nicht, ich werde ihn schauen, aber nicht von nahen. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen, und ein Zepter aus Israel aufkommen, und wird zerschmettern die Fürsten der Moabiter, und verstören alle Kinder Seths. Edom wird er einnehmen, und Seir wird seinen Feinden unterworfen sein; Israel aber wird Sieg haben.
Der durch die Aussprüche Bileams aufs heftigste erbitterte Balak jagt ihn weg. Bileam geht, verspricht aber, einen Rat zu geben, wie er auch tat, indem er den Balak anreizte, Israel in eine schwere Sünde zu verwickeln, indem er das Volk versuchte, die midianitische Abgötterei zu begehen und Hurerei zu treiben, welcher schreckliche Rat nur allzu wohl geriet und Gottes Zorn über sie reizte. Er bringt nun noch seine vierte und letzte Weissagung vor. Überschauen wir sie im Ganzen, so betrifft sie nicht nur die damalige Zukunft, sondern ist auch bis jetzt noch nicht in ihre vollkommene Erfüllung gegangen. In eine vollständige Erläuterung dieser ganzen Weissagung darf und kann ich mich nicht einlassen. Wir richten denn unser Haupt-Augenmerk auf die vorgelesenen merkwürdigen Worte.
Er redet von einem Einzelnen; den nennt er teils geradezu einen Herrscher, derselbe werde aus Jakob kommen; teils schreibt er ihm ein Zepter zu, das aus Israel aufkomme, und meldet den Nachteil, den die Feinde, und den Vorteil, den Israel davon haben wird; teils endlich stellt er ihn dar unter dem Bilde eines Sterns.
Wir finden hier also eine deutliche Weissagung von Christo. Denselben nennt er als den Einen, der aus Jakob kommen werde, und zwar als ein Herrscher. Hier finden wir drei Stücke von ihm gemeldet. Er erscheint erstens als „der Eine“, zweitens „aus Jakob kommend,“ und drittens „als der Herrscher“.
Wohl mag Christus als der Eine angemerkt werden, der in keiner Beziehung seines Gleichen hat, keinen, den man ihm an die Seite stellen könnte und dürfte. Dies einigermaßen auseinander zu setzen, bemerken wir: Kein Mensch war und ist wie dieser Mensch Jesus Christus; z. B. er ist der einzige Mensch ohne Sünde, und der einzige, der als Mensch keinen Vater, wenn gleich wohl eine Mutter hatte. Er war rein von aller angeborenen, und deswegen auch rein von aller tätlichen Sünde, wiewohl in allem versucht wie wir, wodurch aber recht offenbar wurde, wie rein er sei, so dass es leichter wäre, aus einem Kieselstein Öl zu pressen, als aus der menschlichen Natur dieses Einen irgendeinen Tropfen eines sündlichen Gedankens heraus zu bringen, welches sonst bei der Heftigkeit der Versuchungen notwendig hätte der Fall sein müssen. Die Frage Hiobs: Wer will einen Reinen finden? findet hier also ihre Antwort. Dennoch können wir sagen: er war zugleich der eine Sünder, der seines Gleichen nicht hat. Man denke sich, welch' eine ungeheure Menge von Sünden auf ihm liegen musste, nachdem der Herr unser aller Missetat auf ihn geworfen hatte, so dass er wohl durch den Mund Davids sagen mochte: Meine Sünden haben mich ergriffen, dass ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr, denn Haare auf meinem Haupt, als Sand am Meer. Was für ein unermesslicher Haufe von Sünden musste auf ihm liegen, da er als das Lamm Gottes der Welt Sünde trug! Wo ist Einer, von dem gesagt würde, was von ihm gesagt wurde: Gott habe ihn zur Sünde gemacht? Er heißt auch der andere Adam, wenn gleich in umgekehrtem Verhältnis. Welche Sündenschuld war da zu bezahlen! Er ist der einzige Mensch in Gnaden. Alle andere, die auch in Gnaden sind, sind es nur durch ihn und um seinetwillen. Bei seiner Geburt sangen die himmlischen Heerscharen: Und den Menschen ein Wohlgefallen; Gott selbst rief etliche. mal: An diesem habe ich Wohlgefallen; und er hat uns angenehm gemacht in dem Geliebten. Er, Jesus Christus, ist der einige Mittler zwischen Gott und uns, und beiden gleich nahe verwandt, Gott von Gott, ein Mensch von den Menschen. Er hat die Feindschaft weggetan, die nicht nur zwischen Juden und Heiden, sondern vielmehr die Feindschaft, die zwischen Gott und uns stattfand. Er hat sich selbst zwischen Gott und uns gestellt, dass uns nicht die Blitze seines Zorns treffen, sondern unter dem Schatten seiner Flügel die Strahlen seiner Liebe erquicken. Er ist unser Fürsprecher bei dem Vater, der uns vertritt, und dadurch das Heil und alles Gute bewirkt. Ja auch wir sollen in seinem Namen beten, als ob er und nicht wir selbst es wären, die da beten, Er ist das einzige Opfer unserer Sünden, das einzige Opfer, was gilt und zwar ewig gilt. Von allen andern Opfern, die ehedem gebracht wurden oder noch aus eigener Macht gebracht werden möchten, heißt es: Sie gefallen mir nicht. Dies einzige Opfer hat aber in Ewigkeit alle vollendet, die geheiligt werden. Es ist ewig und vollkommen. Wegen seiner Vortrefflichkeit ist es nun einmal in der Fülle der Zeit gebracht worden, da dies wunderbare Opferlamm sich selbst ohne allen Wandel Gott durch den Heiligen Geist geopfert hat. Es ist gleichsam die Achse und der Mittelpunkt, um welchen sich Alles dreht, das einzige, aber vollkommene Fundament, worauf unsere ganze Seligkeit ruht. Er ist der einzige Name, und ist in keinem andern Heil, auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir können selig werden, als der Name Jesu; der einzige Seligmacher, und außer ihm keiner und in keiner Weise. Würde man sich in eigener Kraft noch so sehr abmühen, man würde doch nichts dadurch erwirken, als nur erfahren, wie groß unsere Sünde und Ohnmacht und Elend sei, und dass wir geistlicher Weise kein Haar schwarz oder weiß machen können. Erfahren können und sollen wir aber auch, dass ihm kein Elend und Jammer zu groß ist, dass er nicht durch ein einziges Wort daraus helfen könnte, wie in einem Augenblick. Er macht allein selig, und sind wir an ihn verwiesen, auf ihn geworfen. Weder bei uns selbst noch bei irgendeiner andern Kreatur ist einige Seligkeit zu finden. Darum nehmen wir zu ihm unsere einige Zuflucht, darum steht unsere Herzenslust zu seinem Namen, darum begehren wir sein auch des Nachts. Wes sollen wir uns trösten? Ich hoffe auf dich. In uns ist keine Kraft; aber unsere Augen sehen auf dich. Er macht selig, und zwar ganz nach Leib und Seele und im jeglichem Betracht. Er befreit von allem Zorn Gottes, er vergibt alle Sünden, er errettet aus aller Gewalt des Teufels, mag er auch heftige Anfälle wagen, wie ein brüllender Löwe; er heiligt und erneuert unsere Natur zu seinem Ebenbilde. Er wird's tun. Durch ihn geht des Herrn Vornehmen glücklich von statten.
Nun braucht es unsers Tuns nicht dazu;
Denn was erfordert wird, das tust du.
Wollen und Vertrauen musst du uns schenken,
Und unsere Herzen selbst zu dir lenken;
Wo blieb man sonst?
Darum setzen wir unser Vertrauen ganz auf die Gnade, und nehmen ihn ganz an als unsern Lehrer, Hohenpriester und König. Denn alles, was ihm ist, ist ganz begehrlich, wie ganz unentbehrlich, und wird es der Seele je länger je mehr. Er macht vollkommen selig, so dass nichts zu wünschen übrig bleibt. Daher heißt es nicht nur: Er wird uns erlösen aus aller Trübsal, er wird uns erlösen von aller Sünde, sondern auch: Er hat uns erlöst, er hat uns selig gemacht, wir sind selig, aus Gnaden seid ihr selig geworden, und der Mann wird nicht ruhen, bis er alles ausgeführt hat, wie Naemi von seinem Großvater Loas rühmt. Jedoch macht er die Seinigen nicht im Besitz und Genuss auf einmal so vollkommen und selig, wie sie werden können und sollen, sondern nach und nach. Sie werden aber aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit. Sie werden bei Leibes Leben freilich manchmal oder zuweilen auch den Empfindungen nach in einen Stand versetzt, dass es von ihnen heißen kann, was Paulus von den Galatern sagt: Wie wart ihr so selig. Sie fahren, wie der 107. Psalm sagt, gen Himmel. Aber es ereignet sich auch wohl der Zusatz: und in den Abgrund. Wer der Tröstung in Christo viel hat, hat auch gemeiniglich der Leiden in Christo viel. Es ist allgemeine Regel: Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich. Es geht durch mancherlei Proben, die schweren wechseln mit leichteren. Es kommen gute Augenblicke, Stunden, Tage, Wochen. Es folgen solche, von denen man sagen muss: sie gefallen mir nicht. Es wird Abend, es wird Morgen ein ganzer Tag. Die Seele fühlt und findet sich zu allen Zeiten so geheiligt, dass sich das sündliche Verderben kaum noch regt: der alte Feind zu meinen Füßen liegt; Zeiten, wo nichts leichter von statten geht, als durch den Geist des Fleisches Geschäfte zu töten, zu glauben, zu lieben, zu hoffen, und es gibt Zeiten, wo dies alles nicht fort will, sondern die Erfahrung gemacht werden muss, dass in mir, das ist, in meinem Fleische nichts Gutes wohnt. Doch rückt das Ziel der Herrlichkeit immer näher, die Wahrheiten werden immer mehr und mehr aufgeschlossen, wir selbst und Christus werden mehr und mehr offenbart. Er macht selig ohne alles eigene Verdienst, das wir nicht aufbringen können noch sollen, denn aus Gnaden seid ihr selig worden, durch den Glauben und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Freilich müssen wir sehr abgenommen haben und gedemütigt worden sein, ehe uns das recht ist. Unserer eigenliebigen Natur wäre es wohl entsprechender, wenn irgend verschiedene Werke gefordert und daran die Begnadigung geknüpft würde. Wenn es hieße: tue, was du kannst, so wirst du selig, wie würde es gefallen. Wenn es aber heißt: allein erkenne deine Missetat, so mag man weiter nichts hören. Wie? will man es darum nicht, weil man es nicht kaufen kann, wenigstens nur umsonst und ohne Geld? Jesus macht gern selig. Es ist sein Amt und Geschäft. Er ist eben deswegen gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Er hat sein Leben deswegen in den Tod gegeben, er wagt noch seinen Geist daran, wie sein Blut. Wohl uns dieses Einen; dieser Eine ist not und ist genug. Sollen wir ihn in noch mehreren Beziehungen als den Einen betrachten: so ist der Eine Weg, und außer und neben ihm ist kein Mittel, das Ziel zu erreichen. Er, und er allein ist der Weg und das Mittel, aus der Sünde selbst, so wie aus aller Strafe derselben heraus zu kommen, der Weg, alles Friedens und aller Herrlichkeit teilhaftig zu werden, Er allein. Er ist nicht bloß ein Wegweiser, der uns nur zuriefe: das ist der Weg, den geht, sonst weder zur Rechten noch zur Linken; das würde Leuten, wie wir nun einmal sind, wenig oder gar nicht helfen. Freilich ist das Gebot heilig, recht und gut, Gott selbst gebietet es uns. Es ist unsere Pflicht - das ist gar keine Frage. Menschen, die noch was für ihre Seligkeit übrig haben, suchen es auf diesem Wege, dass sie einige Pflichten zu erfüllen meinen, und denken, sie machten es so ganz recht. Auch solche Seelen, die erweckt sind, um ihre Seligkeit mit großem Ernst, mit Furcht und Zittern zu schaffen, pflegen das nicht aus dem Grundsatz zu betreiben, dass Gott es ist, der das Wollen und Vollbringen schafft nach seinem Wohlgefallen, sondern hoffen es durch ihren Ernst, durch ihren Fleiß zu erwirken. So wie aber die ersteren auf ihrem Wege immer selbstgefälliger werden, immer eigengerechter, immer geneigter werden zu fragen: was fehlt mir noch? so werden die andern immer ärmer, immer ratloser und schwächer, bis ihre Kraft nun ganz und gar nicht mehr kann. Das ist dann bis dahin der rechte Weg; das ich elender Mensch kommt heraus. Endlich spricht Christus zu der Seele: Ich bin der Weg, der Weg, auf welchem dir Leben und volle Genüge zufließt, worauf zwar kein Unreiner wandeln kann, der noch ein Einverständnis mit der Sünde zu unterhalten gedenkt, der Jesum Christum nicht eben so gern zur Heiligung als zur Rechtfertigung aufnimmt, worauf aber auch kein reißendes Tier ist und worauf kein Tor irrt. Jes. 35. Hier lernt man einen Weg, worauf dein Gang dir nicht sauer wird. Spr. 4, 12. Den Weg wisst ihr. Nun mach' ihn uns du bekannt, wie können wir anders den Weg wissen.
Doch was wollen wir von diesem Einen mehr sagen. Wir würden ja nie, niemals damit fertig werden. Wer will seines Lebens Länge ausreden? Er ist die Weide seiner Schafe.
Sein Fleisch gibt wahre Seelenspeis;
Sein Blut wäscht rote Sünden weiß;
Sein Kreuzholz ist mein Stecken.
Je weiter unser Bedürfnis reicht, desto weiter reicht auch seine Gnade. Anders haben wir nichts als ihn, doch haben wir an ihm auch genug. Daher wird er uns auch vorgehalten als der einzige Gegenstand unseres Vertrauens, als der höchste Gegenstand unserer Hochschätzung und Liebe, und das kann nicht anders sein; euch, die ihr glaubt, ist er köstlich, bleibt er köstlich, wird er immer köstlicher. An ihn sind wir gänzlich verwiesen. Jesus Christus ist unsere Hoffnung.
Von diesem Einen nun sagt der Prophet: Er wird aus Jakob, er wird aus Israel kommen, denn das Heil kommt von den Juden. Jakob, welcher nach jenem merkwürdigen Ringen mit Gott den Namen Israel bekam, war derjenige, von dem durch Juda und David das Heil der Welt abstammen sollte und abgestammt ist. Er war es, worauf die ganze Haushaltung mit dem Judenvolk abzielte, so wie der ganze Gottesdienst auf ihn zielte und ihn abbildete, so wie viele Personen, Sachen und Gebräuche.
Er nennt ihn einen Herrscher und stellt ihn unter dem Bilde eines Zepters vor, dieser Insignie der königlichen Macht und Herrschaft. Er redet von seinen Taten, die teils darin bestehen, dass er zerschmettern, zerstören, einnehmen werde, was seine und seines Volkes Feinde betrifft, teils darin, dass seine Freunde Sieg haben werden. Beides ist nicht natürlich zu verstehen, sondern von geistlichem Krieg und Sieg. Christus der Herrscher ließ sich für sein Volk in den wichtigsten, folgenreichsten Krieg ein, worin er seine Feinde zerschmetterte und zerstörte. Sollen wir diese Feinde einigermaßen andeuten: so steht der Satan an ihrer Spitze, dieser Fürst der Finsternis, dieser Gewaltige, dieser brüllende Löwe, ja dieser Gott dieser Welt, der die ganze Welt verführt und sie gefangen hält. Aber dieser Stärkere machte sich über ihn her, band und überwand ihn, so dass Gottes Volk Sieg hat, ja in allem weit überwindet. Er hat uns erlöst aus der Obrigkeit der Finsternis, und die an ihn glauben, erlangen einen Sieg nach dem andern, bis sie endlich alles überwinden. Der andere, nicht minder furchtbare, unsern eignen Kräften tausendmal überlegene Feind ist das schrecklichste Ungeheuer, die Sünde. Er, der Allerheiligste, nahm sie auf sich und trug sie an seinem Leibe aufs Holz des Kreuzes. Er versöhnte, bedeckte, tilgte sie, und fette ihr sein Blut und seinen lebendig machenden Geist entgegen, wodurch er ihnen einen vollkommenen Sieg erwarb, so dass die Sünde sie weder verdammen noch beherrschen kann. Und nachdem er diese Kapital-Feinde überwunden hat, ist damit zugleich jede andere Schwierigkeit weggeräumt. Köstliches Zepter! Wohl dem, zu welchen er dies Zepter wendet, das rettet die zitternde Esther; sie kommt nicht um, sondern lebt in Ewigkeit. Nach seinem Siege opfert ihm sein Volk im heiligen Schmuck. Er setzet seine Siege auch in ihnen fort, bis er sie zur vollkommenen Herrlichkeit durchgebracht hat. Israel wird Sieg haben.
Er ist der Stern aus Jakob. Er ist der Aufgang aus der Höhe, zu erscheinen denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, er ist der helle Morgenstern, und welche Lieblichkeiten gehen da auf, wo er im Herzen aufgeht. Je finsterer die Nacht der Sündennot und Angst, je düsterer die Nacht der Anfechtung war, die vorherging, desto lieblicher ist der Schein dieses Sterns, voll Gnade und Wahrheit. Sehen wir mit Vergnügen das Funkeln und Flimmern der Sterne des natürlichen Firmaments, ach! was ist dagegen das Leuchten dieses ewigen Sterns in seinem entzückenden mannichfachen Schimmer. Lauter Leben und Friede, lauter Kraft und Licht des Lebens. Wer ihn je sah, begehrt ihn stets zu sehen und kann nicht anders. Die Sterne sehen wir nur in ihrem eigenem Lichte, und es würde nicht helfen, wenn wir, um sie zu sehen, viele Feuer und Kerzen anzündeten. Auch diesen Stern sehen wir nur in seinem eigentümlichen Licht.
Lass mich deine Lieb' bestrahlen,
Bis zumalen
Ich dich, Herr, erkennen kann.
Er leuchtet nicht immer gleich lieblich, ja er scheint nicht immer, auch fallen seine beleuchtenden Strahlen nicht immer auf angenehme Gegenstände, denn auch unsere Ohnmacht, Elend, Unglaube und sonstige Sünden gehören zu den Gegenständen, worüber wir erleuchtet werden müssen.
Erschreckt und verzagt nicht, wenn das geschieht; freut euch vielmehr und danket dafür, und wenn ihr es etwa nicht könnt was wohl Last haben wird; so werden Andere es tun, die es können. Die Reihe der Freude wird auch an euch kommen, denn zu seiner Zeit wird er euer Auge von Tränen, und euren Fuß vom Gleiten und eure Seele aus dem Tode reißen. Ihr seid Sterne in seiner Hand, leuchtet mit unterschiedlicher Klarheit, bis ihr endlich leuchten werdet wie die Sonne in eures Vaters Reich. Amen.