Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Vierundsiebzigste Predigt (Bileam).
Text: 4. Buch Mosis 24, 6.
Wie die Aloe, die Gott pflanzt.
Bileam vergleicht die Gemeine Gottes den Bächen oder Tälern zwischen den Bergen, den Gärten an den Wasserbächen. Diese Bilder genügen ihm noch nicht. Er nimmt deren noch zwei aus dem Pflanzenreiche und zwar das Edelste, was ihm daraus bekannt ist, nämlich die Aloe und die Zeder. Wir bleiben jetzt bei dem Bilde der Aloe stehen.
Die Aloepflanze muss ihm zum Bilde des Volkes Gottes dienen, und zwar eine Aloepflanze, welche Gott selbst pflanzt. In unserer Übersetzung heißt es zwar: „wie die Hütten“; dieser kleine Irrtum rührt aber von der Ähnlichkeit der Namen her. Psalm 45, 9 wird das Wort aber richtig durch Aloe übersetzt. Es wird daselbst von Christo gesagt: Myrrhen, Aloe und Kezia duften alle deine Kleider, wenn du aus den elfenbeinernen Palästen einher trittst in deiner schönen Pracht. In deinem Schmuck gehen der Könige Töchter. Die Braut steht zu deiner Rechten in lauter köstlichem Golde. Siehe da die Wurzel alles Ruhms, der der Gemeine gespendet wird: „In deinem Schmuck!“
Von da aus angesehen, werden sie einer Aloe verglichen. Von dieser Pflanze gibt es sehr viele Arten, die zum Teil klein, aber niedlich sind. Bileam meint ohne Zweifel die eigentliche, große Aloepflanze. Mit ihrer Geschichte nicht genau bekannt, will ich nur einige ihrer Eigenschaften, als Vergleichungspunkte mit den Eigenschaften wahrer Kinder Gottes, nennen. Sie ist in unsern Ländern nicht ein heimisch, sondern fordert ein orientalisches heißes Klima und Erdreich. Der Glaube ist nicht Jedermanns Ding. Sie sind nicht von der Welt, sagt Christus, gleich wie auch ich nicht von der Welt bin. Sie sind Kinder eines Reiches, das nicht von dieser Welt ist. Sie sind nicht von dem Geblüt oder Willen eines Mannes, sondern von oben herab, von Gott geboren. Die Welt kennt weder mich, noch meinen Vater. Der natürliche Boden unsers Herzens ist ungeeignet, ist viel zu kalt, zu hart, zu steinig, als dass die himmlischen Pflanzen des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung darin von selbst fortkommen und gedeihen sollten. Wir müssen daher von Neuem geboren werden, müssen ein neues Herz und einen neuen Geist bekommen. Das Alte muss vergehen, es muss alles neu werden. Die Welt merkt es selbst wohl, dass wahre Christen gleichsam ausländische Erzeugnisse sind, staunt sie an, weiß nicht, wohin sie sie rechnen soll, zu Phantasten und Schwärmern, zu Narren und Heuchlern, zu den Überspannten; weiß nicht, was sie von ihnen sagen soll, fürchtet sich vor ihnen, scheut sie, argwöhnt allerlei Böses, verlacht, verspottet sie, stößt sie aus, hasst sie; sie kommen ihr vor, wie Sachen, die aus der Mode sind. Sie versteht ihre Sprache nicht, obschon sie deutsch reden. Es dünkt ihnen kauderwelsch, und wenn sie sind bekehrt worden, kommen sie sich selbst wie ein Wunder vor. Wie kann es sein? ich sage es noch, Herr, ist es auch Betrug? Ja, sie selbst, in welchen diese himmlische Pflanze ist, werden gewahr, dass sie kein einheimisches Gewächs ist, sondern viel und mancherlei Widerstand findet, und eigentlich einen andern Boden und ein anderes Klima erfordert.
Jedoch, obschon die Aloe ein ausländisches, orientalisches Gewächs ist, findet man sie doch wohl in den Gartenanlagen der Reichen, Wunders halber. Aber sie bedarf dann einer genauen Pflege, die Kenntnis und Genauigkeit erfordert, und gerät dann auch zuweilen ziemlich wohl, indem man durch Kunst eine Erde mischt und eine Wärme erzwingt, die ihrem Vaterlande entspricht.
Das eigentliche Vaterland der Gottseligkeit ist der Himmel, da findet sie keinerlei Hindernis; da ist kein Fleisch mehr, das durch seine Lüste und Begierden, mit seiner Klugheit und Torheit wider den Geist streitet, sondern lauter Geist; da ist keine Welt, welche lockt und geniert, kein Ärgernis, kein Irrtum, keine Probe, keine Versuchung mehr, und kein Feind, der Unkraut sät; da ist kein Streit, weil kein Feind mehr ist, keine Träne, weil kein Leid mehr ist; da ist keine Geduld mehr nötig, ja kein Hoffen und kein Glauben, denn es ist lauter Besitz, Genuss und Schauen bis in Ewigkeit. Der Himmel ist das eigentliche Vaterland der Gottseligkeit, denn da vereinigt sich alles im vollkommensten Maße, was sie begünstigt und fördert. Da fließt der Geist nicht tropf-, sondern stromweise, nicht dann und wann, sondern stets. Da ist der Schatz nicht mehr in einem irdenen Gefäße sondern vollkommen, sintemal das Stückwerk aufhört. Wir sehen da nicht mehr wie durch einen Spiegel in ein dunkles Wort, sondern werden ihn sehen von Angesicht zu Angesicht und erkennen, wie wir erkannt sind. Die herrlichste, lieblichste Gesellschaft umgibt uns da von allen Seiten, und es gilt da keine Eigenheit mehr, kein Unterschied der Stände, des Alters, des Geschlechts, lauter Aufmunterung und Trost. Auch das, was die Sinne, die wir ja mit unserm Leibe in der Auferstehung wiederbekommen, auf die angenehmste und heiligste Weise beschäftigt, vereinigt sich da. Was wird das für ein liebliches Getöne sein, wenn jene 144.000 ihre Gottesharfen rühren und die himmlischen Heerscharen das Lied Mosis und des Lammes anstimmen. Wie gut wird sich's da aus neuen Kehlen mitsingen und jubeln und loben und danken. Was wird das sein, mit verklärten Augen den zu sehen, an den wir hier glaubten, der uns geliebt und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut. Was wird das für eine Freiheit sein, wenn wir alles tun können, was wir wollen, weil wir nichts wollen, als was Gott will, alles bekommen, was wir begehren, sei es, was es wolle, weil wir nichts begehren, als in und durch und zu Gott. Kurz, dort ist das eigentliche Vaterland, wo die Aloepflanze der Gottseligkeit vollkommen gedeiht. Doch hat der, welchen Maria nicht mit Unrecht für einen Gärtner hielt, auf Erden, in diesem ungünstigen, ja, widerwärtigen Klima auch seine Pflanzen, die er gesetzt hat, dass sie Frucht bringen, und ihre Frucht bleibe. Sie kommen von oben herab, denn alles rechtschaffene Wesen ist in Christo Jesu, und kann also nur aus ihm in uns kommen, da sonst das Dichten und Trachten ihres Herzens böse ist von Jugend auf und immerdar. Aber diese himmlischen Pflanzen erweisen es reichlich, dass sie hier ihren eigentlichen Boden nicht haben, und man merkt es ihnen leicht an. Ja, man sollte sagen, wie sie - ich will nicht sagen: nur einigermaßen gedeihen sondern wie sie nur bleiben könnten und nicht gar bald wieder umkämen. Da ist ein bitterer Feind dieser Aloe, Satan, Widersacher genannt, der jedes Plätzchen, wo allenfalls eine möchte hingepflanzt werden können, ganz untauglich zu machen, oder, wenn sie eben ein Würzelchen geschossen hat, zu verderben und gleich in der Geburt wieder zu ersticken sucht. Zu dem Ende bietet er alles auf, was Macht, Bosheit und List vermag, und hört nie auf, wenn er auch seine Methode ändert, und das Ziel allenfalls durch einen Heiligenschein zu erreichen strebt, was er durch Sündenreiz verfehlte. Armes Pflänzlein, was soll aus dir werden! Ja, der Boden selbst, worin du stehst - das Herz, ist dir nicht nur ungünstig, sondern feind, indem es ganz andere Pflanzen begünstigt, welche dir den Garaus machen sollen. Geist und Fleisch sind wider einander, wie Wasser und Feuer. Bist du Feuer! - das Wasser will dich auslöschen; Wasser? das Feuer will dich vertrocknen. O, arme Pflanze! das Gute, was du so ernstlich willst, das tust du nicht, sondern das Böse, das du nicht willst, das tust du, wiewohl du dasselbe nicht tust, sondern der Boden, worin du noch stehen musst, ist die Mutter des Unkrauts. Kein Wunder, wenn du bisweilen weinst und mit einem geknickten Blatt stöhnst: Ach! ich Elender, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes! da du nur mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes dienen kannst, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde dienen musst. Soll hier eine Aloe gedeihen, so sind große Kosten, Kunst, Geschick und Kenntnis, so wie unablässige Aufsicht und Pflege erforderlich. Ein eigenes Gebäude muss dazu errichtet werden, die künstliche Wärme muss ihre Grade und Staffeln haben, groß genug und nicht zu groß sein; sie darf nicht zu feucht, auch nicht zu trocken sein, und man muss wissen, wann sie das Eine oder das Andere bedarf. Es darf ihr an Licht und Luft nicht fehlen, und was des mehr ist, das ein Gärtner hier zu Lande zu beobachten hat. Versieht er irgendwas, so wird sie faul und erstirbt. Das musste und muss ein reicher Herr sein, der in diesem fremden Lande, das der Herr verflucht hat und das nur Dornen und Disteln bringt, solche Aloen ziehen wollte, wovon Bileam redet. Er wollte es, und so musste es geschehen, denn was er will, das muss werden, denn er trachtet und jagt ihm nach. Sein Wille ist eure Heilung. Das ist euer Glück. Euer eigner Wille ist es so wenig, als unser Land irgend von selbst Aloes erzeugt. Nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott. Wenn er aber will, so geschieht's, und Jesus, der Herr, welcher die Aloes haben will, war und ist auch reich genug, die Kosten zu bestreiten und bereitwillig genug, sie anzuwenden. Er war beides. Er hatte den Himmel und gab ihn dran; er hatte alle Hoheit, und erniedrigte sich selbst; er hatte einen Leib und gab ihn hin; er vergoss sein Blut zur Tilgung der Sünden. Er besitzt das Himmelreich und verschenkt es an Arme, die ihm nichts wiedergeben können. Er hat den Heiligen Geist, und gießt ihn aus, wohin er will, und in einem Maße, wie es ihm gefällt, und wirkt durch denselben, was ihm gut dünkt. Er ist die Weisheit, die Kraft, die Auferstehung und das Leben selbst, und macht die Törichten weise, die Schwachen stark, Tote lebendig. Aber dieser reiche Herr vertraut seine Aloes nicht der Fürsorge und Pflege Anderer an, sondern besorgt sie selbst mit ebenso großer Weisheit als Liebe. Ja, im Grunde ist er seinen Pflanzen Alles, das Erdreich, worin sie wurzeln, das angemessene Haus, worin sie stehen, die Wärme, die sie belebt, das Wasser, das sie erfrischt, das Licht, das sie bescheint, die Luft, die sie umspült, und die Hand, die alles aufs Zweckmäßigste ordnet. Wer es nicht versteht, sollte wohl meinen, manches sei verkehrt, was doch in der Wahrheit das Zweckmäßigste ist, und sich in seinen Wirkungen so ausweist. Das eine Mal scheint die Hitze zu groß und langwierig, als wollte sie alles verbrennen, und dann des Wassers zu viel, als sollte die Pflanze ersäuft werden. Aber die weise Hand des himmlischen Gärtners ordnet alles aufs weiseste, und du wirst ihm noch danken, wenn du ihn von hintennach siehst, wie er stets deines Angesichts Hilfe und dein Gott war. Vertraue ihm, und lass ihn machen, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.
Von den Aloes gibt es mancherlei Gattungen, kleine, niedliche, wie die Perlen geschmückte, bis hinauf zu der größten, die aber auch klein anfängt. Ist das nicht auch ein Bild von den Gliedern der Gemeine Jesu Christi, sowohl droben, wo eine andere Klarheit hat die Sonne; eine andere Klarheit der Mond, eine andere Klarheit die Sterne, als auch hienieden, wo sich das Christentum in mancherlei Abstufungen und Abwechslungen offenbart. Es zeigen sich mancherlei Abstufungen, sowohl unter den Christen, als auch in ihrem eigenen Leben Stufen in der Erkenntnis. Wie sehr sind die Jünger nach der Ausgießung des Heiligen Geistes von den Jüngern vor derselben unter schieden. Aus jungen Kindern sind sie Männer geworden, wie auch Paulus von sich sagt: Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. Die christlichen Korinther tadelt er, dass sie noch immer nur fleischlich und junge Kinder in Christo seien, denen man Milch und nicht kräftige Speisen vorsetzen müsse, und die Hebräer, dass sie, welche schon längst Meister sein sollten, es bedürften, dass man sie die ersten Buchstaben der göttlichen Worte lehre, ermahnt sie, Kinder an Weisheit, Männer an Verstand zu werden, so wie die Kolosser, ganz erfüllt zu werden mit Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Verstand, und zu wachsen in der Erkenntnis Gottes und gestärkt zu werden mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht. So zeigt es sich ja auch in der Laufbahn der Christen, dass es ihnen geht wie dem Apollo, Apostelgeschichte 18, der auch wohl unterwiesen war in dem Weg des Herrn, und mit Fleiß von dem Herrn lehrte, denn er war beredt und mächtig in der Schrift, der aber später Mittel fand, den Weg Gottes noch genauer einzusehen. Wie viel Abstufungen sind nicht ebenfalls im Glauben, vom Gras bis zur Ähre, vom glimmenden Tocht bis zur brennenden Fackel, von der Weide bis zum Eichenbaum! Glaube, wo man sieht, Glaube, wo man nicht sieht, Glaube auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen ist, Glaube, wo man voll lieblicher Empfindung ist, Glaube, wenn nichts da ist, Glaube, wo lauter Gegenteil ist, wenn Gott sein Angesicht leuchten lässt, wenn er's verbirgt, wenn er zürnet. Glauben, dass Gott wahrhaftig sei, wenn Isaak nun wirklich auf dem Schoße seiner 90jährigen Mutter spielt, aber es auch dann glauben, wenn er als ein 18jähriger Jüngling auf dem Altar liegt, und des Vaters Hand ihn opfern soll. Doch gehören auch die kleinen Aloes mit dazu, und es war wohl nie mehr Freude im Hause, als in dem Augenblick, als der Groschen gefunden und noch wohl voll Staub war, als das Schaf gefunden und wohl ganz müde, schwach und hungrig, halb tot war, als der Sohn sich eingefunden hatte, wenn gleich barfuß und zerlumpt. Die kleinsten Kinder sind wohl die liebsten, und wenn die Küchlein groß werden, beißt die Glucke sie weg, die sie sonst so pflegte, dass sie sich selbst vergaß. Ein Kindlein ist sowohl ein Mensch, wie seine Eltern. Ein jeder sei der Kleinste, und auch wohl gern der Reinste. Übrigens meint der Prophet hier die Größte unter den Aloes, die auch klein anfängt.
Die Entstehung derselben ist auch ein lehrreiches Bild von der Gemeine. Die natürliche Aloe gewinnt man aus den Sprösslingen, die unten an derselben ausschlagen. So verhält es sich auch mit der Gottseligkeit. Der Grund ihres Daseins liegt in dem gerechten Gewächs, das Gott erwecket hat, Christo, ohne welchen sie nichts sind, nichts haben, nichts können, weshalb sie mit vollem Nachdruck Christen heißen. Jedoch werden die Sprösslinge der natürlichen Aloe von der Mutterpflanze getrennt, und in ihr eigenes Erdreich verpflanzt, um selbstständig zu bestehen. So im Geistlichen nicht. Bleibet in mir. So ihr in mir bleibt, sagt Christus. In dieser Beziehung ist das vom Herrn selbst gebrauchte Bild von den Reben des Weinstocks bezeichnet, die nur dann Frucht bringen, wenn sie am Weinstock bleiben. Es gibt für uns kein gedeihliches Erdreich, als Christus. Seid gewurzelt in ihm; wandelt in ihm.
Aloes sind starke, saftvolle Pflanzen. Ihre Stärke macht sie tüchtig, Schweres zu tragen, wenn sie gleich nicht jeder Witterung widerstehen können. Christen werden ermahnt, stark zu sein, jedoch nicht in sich selbst, sondern in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke, die er in dem Schwachen mächtig sein lässt. Jeglichen Wind der Lehre können sie nicht vertragen, und wenn sie von der Art ist, dass sie ihnen den Herrn wegträgt, so stehen sie trostlos und weinen, denn eines Fremden Stimme kennen Christi Schafe nicht, und folgen ihr nicht. Nimmt die Irrlehre überhand, so gleichen sie einer Flur ohne Regen. Sie sind aber auch stark und wenn eine Dürre kommt, fürchten sie sich doch nicht, denn sie sind Bäume am Wasser gepflanzt. Die Aloes, von welchen wir reden, müssen und können manchen Puff ertragen und überwinden am Ende in allem weit, denn ihr Gärtner versorgt sie treulich und lässt die Versuchung ein solches Ende gewinnen, dass sie's ertragen können.
Die Aloepflanze ist wehrhaft. Ihre starken Blätter enden sich in scharfe, spitze Stacheln, die wie gezückte Lanzen das Herz des Gewächses umringen, und den verlegen, der es verlegen will. Findet ihr nicht auch in diesem Bilde den Christen abgemalt? Sie machen allerdings ein friedliches Volk aus, das nicht aufs Verwunden, sondern Heilen, und wie sein König, nicht aufs Verderben, sondern aufs Erhalten bedacht ist. Aber lieblich wie der Mond, ist es auch schrecklich wie Heeresspitzen. Schon seit 6000 Jahren gedrückt, gleicht es dem Palmbaum, der desto mehr in gerader Richtung emporwächst, je mehr man seinen Wipfel beschwert. Auch unsichtbar mit unzähligen Feinden und Gefahren umgeben, heißt es doch am Ende: Gott sei Dank, der uns allezeit Sieg gibt. Haben wir auch den Schatz in irdenen Gefäßen, so ist doch Gottes Kraft überschwänglich. Werden wir unterdrückt, so kommen wir nicht um. Ja, die Aloepflanze ist so wehrhaft, dass damit umpflanzt und dagegen den verwüstenden Einbruch wilder Tiere, wie böser Menschen sichert. Hätte Sodom 10 solcher Aloes gehabt, es stände wohl noch.
Ist die Aloe an sich schon eine höchst ansehnliche Pflanze, so stellt sie sich zur Zeit ihrer Blüte in ihrer höchsten Pracht dar, Sie blüht aber nur einmal, und nachdem sie geblüht hat, stirbt sie ab. Hier zu Lande kann sie selten und nur mit vieler und langwieriger Kunst und Pflege bis zur Blüte gebracht werden, und darüber gehen wohl hundert Jahre hin, so dass niemand, der eine Aloe setzt, hoffen darf, er werde sie auch in der Blüte sehen. Blüht irgendwo eine, so verbreitet sich das Gerücht davon weit und breit, und es werden Reisen gemacht, sie zu sehen. So selten ist das, aber auch der Mühe wert. Ein starker Blumenstängel, an welchem man bequem hinaufklettern kann, erhebt sich aus dem Herzen bis zu einer Höhe von dreißig Schuh und darüber. In der Gestalt von Kronleuchtern sprießen die purpurfarbenen Blumen an zierlich geschweiften Stängeln, in Abteilungen rings um den Stängel her, wie ein Kranz über den andern hervor. Dieser Blumen sind an einem Stängel wohl 8-10.000. Welche Pracht muss das sein! Dabei entquillt denselben ein süßer Saft. Ist aber auch das Gewächs zu seiner höchsten Vollkommenheit gediehen, so stirbt es nun ab, und kehrt in sein ehemaliges Nichts zurück. Diese Pracht ist ein Bild des Herrn Christi, wozu die Gottseligen in der zukünftigen Welt gelangen. Das, was hier noch Stückwerk war, erhebt sich zur Vollkommenheit, was nur noch Keim war, entwickelt sich zum üppigen Baum, was nur noch innerlich war, tritt auch in die äußere Erscheinung; jedoch nicht, wie die Aloe, vernichtet zu werden, sondern in dieser Pracht zur Verherrlichung Gottes, zum Preise des auf ihn verwandten kostbaren Lösegeldes, des Blutes Jesu Christi, zur Freude und Frohlocken aller Kinder Gottes fortzublühen von Ewigkeit zu Ewigkeit, und ewig Lob und Dank zu sagen. Alsdann werdet ihr euch verwundern und entsetzen über all dem Guten und all dem Frieden, den ich euch geben will, spricht der Herr, Jeremias 33.
Die Gott pflanzt setzt Bileam hinzu. Das müssen denn freilich Pflanzen sein, die Gott selbst zu ihrem Gärtner haben, die er lieb hat und ihrer pflegt. Er wird auch Geistessaft zur Nahrung geben der Pflanzung seiner Hand. Schon zu Hiobs Zeiten musste der Gerechte und Fromme verlacht sein, und war ein verachtetes Lichtlein in den Augen der Stolzen, steht da, dass sie sich daran ärgern. Hiob 12, 4. Häufig kennen sie auch sich selbst in ihrer Schönheit nicht.
Es schwebt uns unser Leid nur vor,
Wir heben uns nicht g'nug empor
Zum süßen Heiland unsrer Schmerzen.
Sie haben aber den erhabensten Ursprung und das glänzendste Ziel. Christus Jesus ist ihr Erdreich, worin sie durch den Glauben gepflanzt und gewurzelt sind, aus welchem sie Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung saugen. Er ist ihre Sonne, die ihnen leuchtet, und der Heilige Geist der Tau und Regen, der sie fruchtbar macht.
Hütet euch denn, dass ihr die Gottseligen nicht verachtet. Ihr spottet damit die Pflanzung Gottes, und das wird er nicht leiden. Kommen sie euch unansehnlich vor, wartet nur ein wenig, so werdet ihr sie leuchten sehen, wie des Himmels Glanz, und leuchten sehen, wie die Sonne in ihres Vaters Reich, dass ihre Herrlichkeit euch verblenden wird, dass ihr den Anblick derselben nicht werdet ertragen können. Seht zu, dass euch nicht ewige Schmach und Schande bedecke und ihr hinausgestoßen werdet. Hütet euch, dass der Jesus, zu dem ihr jetzt nicht kommen wollet, nicht dann euch als Verfluchte von sich ins ewige Feuer verweise und spreche: Bringt sie her, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, und erwürgt sie vor meinen Augen. Noch, noch ist die Gnadenzeit, nun ist der Tag des Heils. Versäumt ihr sie, so bleibt euch nichts übrig als ein schrecklich Warten des Gerichts und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird.
Oder habt ihr Grund, von euch zu denken, ihr wäret auch Pflanzungen Gottes? Täuscht und betrügt euch selbst nicht, sondern seht zu, dass euer Haus nicht auf Sand, sondern auf dem Felsen gegründet sei, welcher Jesus Christus ist.
Heil euch! die ihr von Gott gepflanzt seid; er wird euch warten und pflegen; euch, die ihr seinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit, mit Heil unter ihren Flügeln. Mit Jauchzen werdet ihr gen Zion kommen. Amen.