Kähler, Carl Nikolaus - Auslegung der Epistel Pauli an die Epheser in 34 Predigten - Fünfundzwanzigste Predigt.

Wie leuchtet uns der Morgenstern
Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn,
Der Sohn, des ich mich tröste!
In seinem Lichte seh' ich dich,
O Vater, weil dein Sohn auch mich
Vom Fluch und Tod erlös'te.
Treuer Gott, dir
Will ich leben,
mich bestreben,
dir in allen
Meinen Werken zu gefallen. 1)

Als die Weisen aus Morgenland kamen, um den neugeborenen König der Welt ihre Huldigung darzubringen: wer führte sie und zeigte ihnen den Weg? Ein Stern, der vor ihnen herging, sagt die Schrift. Christen, wir wollen ja auch nach Kanaan, die wir Fremdlinge und Pilgrime auf Erden sind, und wissen, dass wir hier keine bleibende Stätte haben. Aber wo ist der Stern, der uns den Weg nach dem gelobten Lande zeigt? O, unser Leitstern ist Christus selbst, durch das Vorbild, das er uns gelassen hat, dass wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen (1 Petri 2, 21). Tut das, so werdet ihr nicht irre gehen, sondern werdet Kanaan finden und in Kanaan den, der euch vorangegangen ist, euch die Stätte zu bereiten. Zur Nachfolge Gottes, wie er in Christo ist und in Christo uns vorleuchtet, fordert der heutige Text uns auf.

Ephes. 5, V. 1 bis 2: So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleich wie Christus uns hat geliebt, und sich selbst hingegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch.

Schon kurz vorher hatte der Apostel uns Gott, wie er nach seiner Milde und Barmherzigkeit uns in Christo die Sünden vergibt, als Vorbild hingestellt. Nun folgt die ausdrückliche Aufforderung zur Nachfolge Gottes. Aber ist Gott denn ein Mensch, dass er uns zum Vorbilde dienen könnte? Wie kann man zu der Fackel sagen: leuchte wie die Sonne? oder zu dem Funken, der sich von der Kohle lös't: strahle wie der Blitz, der aus der Wolke fährt? Werden doch kaum die Engel als unsere Vorbilder hingestellt, wie kann es denn vollends heißen: Seid Nachahmer Gottes? Ja, wenn Gott gemeint wäre als der Unendliche und Verborgene, der in einem Lichte wohnt, zu dem kein sterblich Auge dringt, dann freilich könnte es nicht heißen: folget ihm nach! Aber wir Christen haben es gar nicht mit diesem verborgenen Gott zu tun, sondern mit ihm, wie er uns in Christo Jesu erschienen ist. Ihr wisst ja: Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selbst. Darauf nun eben werden wir hingewiesen von dem Apostel, wie Gott in Christo den Schmerzensweg nach Golgatha geht und dort den Opfertod für uns leidet. Denn dass in unserem Texte nicht bloß im Allgemeinen von der liebevollen Hingebung Christi die Rede ist, sondern von seinem Versöhnungstode, das lehren ja nicht bloß die Worte: er hat sich hingegeben als Gabe und Opfer, wo „Opfer“ den allgemeinen Ausdruck „Gabe“ näher bestimmt, und auf das Blut hinweist, das der Herr am Kreuze vergossen hat; sondern vor Allem zeigen das auch die Worte: für uns für uns, als unser göttlicher Stellvertreter, hat er das getan. Und darin sollen wir nun seine und Gottes Nachahmer sein? Wie ist das möglich? Kann doch ein Bruder Niemanden erlösen, noch Gott Jemanden versöhnen; denn es kostet zu viel ihre Seelen zu erlösen, dass er es muss lassen anstehen ewiglich (Psalm 49, 8). Aber das soll nun eben unsere Betrachtung sein:

In wiefern der Opfertod Christi uns zum Vorbilde dienen soll.

Das soll er, indem er

1. uns den Weg zeigt, den wir wandeln sollen,
2. uns tüchtig macht, diesen Weg zu wandeln, und
3. uns auf diesem Wege das Wohlgefallen Gottes verheißt.

Ach, lieber Heiland, führe uns ein in das Geheimnis deines Todes, dass wir erkennen, wie darin der Weg uns vorgezeichnet ist, auf dem wir dir nachfolgen sollen bis zum Sterben.

1.

Das ist ja offenbar, liebe Christen, dass der Opfertod des Erlösers nicht in allem und jedem Betracht ein Vorbild heißen kann, dem wir nachfolgen sollen. Sind wir, was unser sterbender Erlöser war, in welchem die ganze Fülle der Gottheit wesentlich wohnte? Und selbst abgesehen davon, dass Gott in Christo war: lebt Jemand auf Erden, der rein und unschuldig wäre, wie unser Heiland es war, der ohne alle Sünde des Herzens und Lebens in den Tod gegangen ist? Und von welchem Menschen, ob er sich gleich wollte für die Brüder kreuzigen lassen, könnte man sagen und singen: O Lamm Gottes, unschuldig, für uns am Kreuze geschlachtet?! In dem Allen ist Christus der Einzige und der Unnachahmliche, den unter den Milliarden, die gelebt haben und leben werden, Keiner erreichen kann und wird. Aber wie die Sonne zwar kein zweites ihr gleiches Licht unter sich auf Erden und neben sich am Himmel hat, dennoch aber unsere Erde und andere Sterne Licht von ihr empfangen und mit diesem Lichte leuchten: so fällt auch von Christo, dem Gekreuzigten, ein helles, warmes Licht auf uns, die wir an ihn glauben, und in diesem Lichte wandeln wir und leuchten damit, wie er geleuchtet hat. Was ist das für ein Licht? Anderswo in der Schrift werden wir hingewiesen auf die Demut, womit der Herr auf seinem Leidensgange in die Welt und durch die Welt und aus der Welt leuchtete, und wird gesagt (Phil. 2): Seid .gesinnt wie Jesus Christus auch war! Paulus hält uns heute die Liebe in dem Sterben unsers Seelenfreundes vor: Wandelt in Liebe, wie denn auch Christus uns geliebt hat. Die sich selbst verleugnende, die sich aufopfernde Liebe, welche in dem Sterben des Herrn leuchtet, die eben ist der Weg, auf dem wir ihm nachwandeln sollen. O, errötet doch, blickt nieder auf die Erde, schlagt an eure Brust, wenn ihr mit eurem Herzen, das so voll Trägheit und Eigennutz und Selbstsucht ist, von dem Apostel hingestellt werdet vor das Bild des sterbenden Erlösers. Wenn es gilt, von ganzem Herzen die Brüder zu lieben: wie manches Böse tritt da zwischen uns und sie, das zwischen Christum und die Welt nicht getreten ist! Da kommt die Trägheit unseres Fleisches, die immer ihre Pferde hinter den Wagen der Liebe spannt; da kommt der Hochmut und flüstert uns ein, wir seien viel zu gut, die Menschen viel zu schlecht, als dass wir um ihretwillen uns sollten eitel Mühe und Arbeit machen. Legen wir nun dennoch die Hand an das Werk der Liebe, so ziehen wir sie bald genug zurück, wenn uns die Liebe mit Kälte, Unlieb und Undank vergolten wird. An die Stelle der Liebe tritt dann die Bitterkeit, der Zorn, der nicht den Dornenkranz auf unserem Haupte leiden will, sondern ihn herunterreißt und dem Widersacher ins Angesicht schleudert. Gilt's nun gar Opfer zu bringen, Opfer des Guts und des Bluts, wie ziehen sich die Mehrsten zurück, auch wenn die Liebe weiter nichts forderte als dies: Brich dein Brot mit dem Hungrigen! teile dein Kleid mit dem Nackenden! Sieh nun aber die Selbstverleugnung des Erlösers an: als ob wir alle rein wären, er aber allein der Schuldbeladene, den seine Sünden zum Tode verdammten, so geht er hin statt Aller, trinkt den bitteren Leidenskelch, stirbt den Tod der Missetäter. Die Freunde verlassen ihn, die Feinde hassen ihn, fassen ihn, speien ihn an, bekränzen ihn mit Dornen, häufen alle Schmach und Schande über ihn und schlagen ihn ans Kreuz: wo ist da Bitterkeit, wo Aufwallung und Zorn, wo Rache und Geschrei? Er duldet's Alles mit stillem, versöhnlichem Herzen, und tut seinen Mund nicht auf! Was opfert er, was gibt er hin? In Knechtsgestalt siehst du den, vor dem die Engel ihre Kronen nieder werfen. Ärmer als ein Vogel unter dem Himmel ist, siehst du den, von dem der Berg sein Gold, von dem der Himmel seine leuchtenden Sterne hat! In Todesbetrübnis siehst du den, der Freude die Fülle hatte von Ewigkeit her, und der auch Freude hätte haben können in der Welt! Sein Haupt neigend und sterbend siehst du den, durch den der Wurm im Staube und der Engel im Himmel lebt! Was ist es doch, das aus dem Größten das Kleinste, aus dem Herrlichsten das Verachtetste, aus dem Reinsten ein mit Fluch Beladenes macht, und das Seligste in den tiefsten Abgrund des Leidens stürzt? Das ist die Liebe, die den verlorenen Feind retten will; die Liebe, die von Zorn, Hass und Rache nichts weiß, auch wenn sie mit einer ganzen Welt voll Undank kämpft; die Liebe, die das Teuerste, das sie hat, und wenn's das Leben, wenn's ein Himmel voll Herrlichkeit wäre, nicht zu teuer erachtet, um es für die Verlorenen hinzugeben; die Liebe, die von einer Leidensstufe auf die andere bis auf die letzte Stufe hinuntersteigt, wo nichts als Nacht und Grauen ist! - Siehe, mein Christ, das ist das Vorbild, wozu dir der Opfertod Christi dienen soll. O, tritt auf diesen Weg! Lege das Kleid der Selbstsucht ab, verleugne dich selbst, und lass die Liebe einziehen in dein Herz, die sich zum Opfer darbringt für die Brüder!

2.

Aber ist diese Forderung nicht zu groß für uns? Wie ist's doch anzufangen, dass das unreine Herz rein werde und die Liebe Christi einziehe in das Herz? Nun, es wäre nicht möglich, wenn das Opfer Christi bloß als ein äußeres Beispiel vor uns stünde. Aber es zeigt uns nicht bloß den Weg, den wir wandeln sollen, sondern macht uns auch tüchtig, ihn zu wandeln. Wie das? So könntest du noch fragen? Weißt du denn nicht, dass wir durch dies Opfer geliebte Kinder Gottes werden? Der sich hingegeben hat, der hat sich ja für uns hingegeben! Dies „Für uns“ ist ein Feuer, welches Schuld und Sünde in uns verbrennt, und ist ein Band, das uns an Gott als an unsern himmlischen Vater knüpft. Was scheidet dich von Gott? Nicht die Nebel, nicht die Wolken, nicht die Sterne machen die Scheidewand, denn Gott ist nicht ferne von einem Jeglichen unter uns, in ihm leben, weben und sind wir. Und doch bist du ihm fern und entfremdet? Doch kennst du ihn nicht, liebst ihn nicht, sondern fliehst vor ihm, wie Adam floh, als er die Stimme Gottes im Garten hörte? Siehe, das tut die Sünde, die in dir ist! Entweder wird sie nicht erkannt: dann ist sie in dir wie der Wurm im Apfel, der im Verborgenen von ihm angefressen wird, bis er herunterfällt und verwelkt und verdorrt. Was hilft's, lieber Mensch, dass du wie dieser Apfel mit äußerlicher Gestalt und Schönheit ausgestattet bist, dass du Geld, Ehre, Ansehen und gute Tage hast, da in der verborgenen Werkstätte deines Herzens der höllische Meister Tag für Tag an deinem Sarge arbeitet, und die Sünde wie ein Totengräber eine tiefe Gruft des Verderbens für dich gräbt, in die du bald genug hinuntersinken wirst? Oder du erkennst deine Sünde, erkennst sie in ihrer ganzen Größe und gottfeindlichen Natur: da erregt sie in dir einen Sturm der Gewissensunruh' und Pein; da richtet sie Zorn und Hader in dir an; da macht sie in dir die Glut der bösen Luft nur noch glühender, treibt dich von Sünde zu Sünde, von Schuld zu Schuld; da zeigt sie dir die tiefe Grube, in der du liegst, und reicht dir doch nicht die Hand, um dich herauszuziehen; da verfeindet sie dir Gott, verkümmert dir das Leben, verbittert dir den Tod, und setzt dich zuletzt als einen Verlorenen an den Strand der Ewigkeit. Wer soll dich doch erlösen von dieser Sünde? O Teurer, tritt vor die Liebe hin, womit Christus dich geliebt hat, da er sich als Gabe und Opfer für dich hingegeben hat. Das ist die rettende Hand, die Gott aus den Wolfen streckt, die einzige rettende Hand, die dich erlösen kann. Ein Kind, wie tief auch gefallen, ist noch nicht verloren, solange es noch an die persönliche Liebe des Vaters glaubt. Die weckt das Gefühl der Scham und Reue in des Kindes Seele; die überwindet des Kindes Furcht und Angst und treibt es, dass es weinend in die Arme des treuen Vaters sinkt. Und wenn nun der Vater das holdselige Wort spricht: Dir ist vergeben! o, wie herzlich froh ist dann das Kind! wie verabscheut es dann seine bisherigen Übertretungen! welche Luft hat es dann an des Vaters Willen, und welchen Eifer zeigt es diesen Willen zu vollbringen! - Nun aber sage mir, mein Christ: wo ist ein so barmherziger Vater wie der himmlische? Tue doch deine Augen auf und schaue, in welcher Gestalt diese Barmherzigkeit vor dir steht! Sie, die göttliche hat Knechtsgestalt angenommen; sie, die selige, ist betrübt bis in den Tod; sie, die herrliche, trägt eine Dornenkrone; sie, die alle Welt richtende, wird von der Welt gerichtet; sie, die gerechte, trägt den Fluch der Sünde; sie, die lebendige, neigt ihr Haupt am Kreuz und stirbt! Und das alles für dich, für dich, mein Christ. O lass diese unaussprechliche Liebe doch dein Herz ergreifen! Schlage in dich, kehre um, gehe hin und lass dich durch diese Liebe versöhnen mit Gott. Ist irgendetwas, das eines Sünders Herz gewinnen und mit Dankbarkeit und Liebe gegen Gott erfüllen kann, so ist es diese als Gabe und Opfer sich hingebende Liebe Christi.

Ist's nicht also wahr, dass das Opfer Christi uns zu Kindern Gottes macht? Und eben dadurch werden wir tüchtig, den Weg zu wandeln, den es uns zeigt, wie Paulus spricht: Werdet Nachfolger Gottes als geliebte Kinder. Man könnte fragen: ist es nicht zu viel und geht weit über unser Vermögen, zu sein wie Gott ist? Freilich, wenn wir uns betrachten, wie wir sind von Natur, so ist's zu viel für uns; da sind wir ja mit Schuld beladene, von der Sünde gefesselte Kinder der Welt. Aber lasst das heilige Feuer des Opfers Christi unser Herz ergreifen, und verzehren, was an Sünde und Schuld in unserem Herzen ist; lasst die Liebe Gottes Scham, Reue, Leid, Vertrauen, Dankbarkeit, kindlichen Sinn in uns erzeugen, Summa, lasst uns Kinder Gottes werden, die als die geliebten zugleich die Liebenden sind, so ist Alles an und in uns verwandelt, so können wir nicht anders, wir müssen sein und tun, wie unser lieber Vater ist und tut. Ist nicht, was im Vater ist, auch im Sohn? ist der Sohn nicht ein Spiegel, worin man das Bild des Vaters sieht? Darum auch wir, als geliebte Kinder des liebenden und als liebende Kinder des geliebten Vaters, haben sein Herz, seinen Sinn, führen sein Wort in unserem Munde, und tun dieselben Werke, die unser Vater tut. Es ist unmöglich, dass wir die Sünde lieben können, die er hasst, und dass wir die Barmherzigkeit hassen können, die er liebt. Wo nun finden wir sein Vorbild und den Weg, auf dem er uns vorangegangen ist? In Christo, der sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer. So lasst uns denn gesinnt sein, wie Er gesinnt war, und tun, was Er getan! Er verleugnete sich selbst: tun auch wir es! Er gab sich uns, geben wir uns wiederum Ihm und unsern Brüdern. Seht, Christen, eben dadurch, dass das Opfer Christi etwas Übermenschliches ist, wird es etwas recht Menschliches; eben dadurch dass in diesem Opfer etwas getan wird, das wir nicht nachtun können, wird es ein göttlich Feuer, das uns durchglüht, und wird ein Weg, auf dem auch wir wandeln sollen und können.

3.

Und wo anders als auf diesem Wege könnten wir des Wohlgefallens Gottes teilhaftig werden? Auch dadurch wird das Opfer Christi ein Vorbild für uns, dass es uns den Weg bezeichnet, auf dem allein wir Gottes Wohlgefallen erlangen können. Was wird von unserem Erlöser gesagt? Er hat sich für uns als Gabe und Opfer hingegeben, Gott zum lieblichen Geruch. Ähnlich redeten freilich auch die Heiden von ihren Opfern. „Die Götter sagten sie schlürfen am liebsten den Rauch von Brandopfern und den warmen Dunst vom Blute der Opfertiere ein, womit die Altäre begossen werden.“ Da war es also die Selbstsucht der beleidigten Götter, die in der Qual und in dem Blute des sterbenden Opfers ihre Sättigung fand. Ist nun so auch unser Text zu deuten, als ob Gott ein zorniges, rachedurstiges Wesen wäre, das nur durch die Marter und das Blut Christi versöhnt werden konnte? O Schande über die, welche durch solche Deutung unsern lieben, treuen Gott zu lästern oder das Zeugnis* der Schrift zu verunstalten wagen! Das könnte die Meinung des Apostels sein, Gott habe in seinem Grimm an der Marter und Qual Christi, an seiner Herzensangst, an seinem Blutschweiß, an den Wunden seines Angesichts, seiner Hände und Füße, an dem von ihm vergossenen Blut, an dem Hohn seiner Feinde, an seinem schmerzvollen Hinsterben Lust und Freude gehabt? Nein, Teure, nicht das Opfer der Liebe, sondern die Liebe des Opfers Christi ist Gott ein Wohlgefallen gewesen. War doch auch Gott selbst in Christo und dies Opfer nicht ein von uns, sondern von Gott selbst dargebrachtes. Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selbst. Warum denn ruhte das Wohlgefallen Gottes auf dem sich für uns hingebenden Sohn? Um der Liebe willen, wonach Gott uns Verlorene retten wollte. Weil nun Christus vollbrachte, wozu die Liebe des Vaters ihn trieb, weil er sich gänzlich selbst verleugnete, und selbst die härtesten Leiden nicht scheute, um uns nach des liebenden Vaters Rat zu erlösen, zu erwerben und zu gewinnen, darum ist das Opfer Christi ihm ein lieblicher Geruch gewesen. Denn dadurch sind wir gerettet, um deren Rettung es dem treuen Gotte allein zu tun war.

Warum fügt nun der Apostel jene Worte in unserem Texte hinzu? Um uns zu erinnern, dass Gott bloß um unsertwillen an der sich für uns in den blutigen Tod hingebenden Liebe Christi ein Wohlgefallen gehabt habe, und zugleich uns zu lehren, dass das Wohlgefallen Gottes auf allen denen ruhe, die Christo nachfolgen auf dieser Bahn. Sollen wir uns denn Qual und Marter auflegen, um Gott wohlzugefallen? O nein, die Marter als Marter tut es nicht. Es hat verblendete Christen gegeben, die ihrem Leibe die Nahrung entzogen, die sich Tag für Tag blutig gegeißelt, die sich durch Wachen, durch Hunger, durch Schläge bis zum Sterben abgemartert haben, um sich des Wohlgefallens Gottes zu versichern. Toren, glaubt ihr, dass Gott solche Opfer liebe? Aber verleugnet euch selbst und entsagt auch der liebsten Freuden dieser Welt, wenn es nottut, um den alten Adam in euch zu kreuzigen samt den Lüften und Begierden. Wandelt in der Liebe, wie der Herr es tat, und nehmt auf euer Herz die Not der Unglücklichen, leidet mit den Leidenden, weinet mit den Weinenden, seht, was ihr habt an Gut und Kraft, als eine Gabe an, die ihr darbringen sollt für eure Brüder; achtet selbst die Gesundheit, selbst das Leben nicht zu teuer, um es für andere aufzuopfern, wenn die Liebe es fordert: das sind die Opfer von lieblichem Geruch. Denken die Väter und Mütter, die Lehrer, die Prediger, die Kranken- und Armenpfleger, denken die Menschen überhaupt mehr an sich, als an die, auf welche sie hingewiesen sind in der Liebe, schonen sie sich, wo sie leiden, sitzen sie still, wo sie sich aufmachen, verschließen sie die Hand, wo sie sie auftun. Lachen sie, wo sie weinen, fliehen sie vor dem Wolf, wo sie sich von ihm fressen lassen sollten, so sind sie weder Christi noch Gottes wert. Aber gebt ihr euch hin und opfert euch, wie die Liebe Christi getan, so spricht Gott: das sind meine geliebten Kinder und ihr Tun ist mir ein lieblicher Geruch.

möchte denn von Stund. an das teure Opfer Christi uns ein Vorbild sein, dem wir mit aller Lust und Freude nachfolgen bis an unser Grab! Wie Er, so wir! Die sich selbstverleugnende, sich hingebende Liebe Christi sei der Stern, der uns den Weg durchs Leben zeigt; sei die göttliche Macht, die uns immer mehr umschafft zu geliebten Kindern Gottes, die Lust und Trieb haben, ihres himmlischen Vaters Nachfolger zu sein.

Dann ruht auf uns allen
Des Vaters Wohlgefallen,
Ist unser Schild und Stab,
Und geht mit uns ins Grab.

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