Johannes vom Kreuz - Fünfter Brief
An eine Untergebene.
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So bald Gott uns Vieles und Mehreres schenken will, so entzündet Er in uns eine dringende Sehnsucht nach Seinen Gaben; soll Er uns aber mit Seinen himmlischen Gütern erfüllen, so muss unser Herz jedes andern Gutes leer sein, es darf nichts verlangen, nichts haben wollen, denn Gott, Er muss des Herzens einzige Genüge, die einzige Liebe sein, dann nur finden wir auch in Ihm alles und allein; denn nur die Liebe macht uns selig, wären wir ohne sie im Himmel, er wäre keine Seligkeit für uns. So ist Gott allzeit uns gegenwärtig; hängt aber unser Herz an einem anderen Ding, außer Ihm, und lebt in Zerstreuung dahin, dann wird uns Seine Gegenwart weder heilsam noch erfreulich sein.