Hoerschelmann, Ferdinand - Halte, was Du hast - Am Sonntag nach Neujahr.

Hoerschelmann, Ferdinand - Halte, was Du hast - Am Sonntag nach Neujahr.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesu Christo. Amen.

Am Sonntag nach Neujahr. 1 Petri 4, 12-19.

Ihr Lieben, lasst euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden (die euch widerfährt, dass ihr versucht werdet), als widerführe euch etwas Seltsames. Sondern freut euch, dass ihr mit Christo leidet, auf dass ihr auch, zu der Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepriesen. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder, oder Dieb, oder Übeltäter, oder der in ein fremdes Amt greift. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, dass anfange das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was will es für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken.

Gleich nach dem Neujahrsgruß, mitten hinein in die Glück- und Segenswünsche, mit denen wir einander begegnet, bringt uns der heutige Sonntag ein Wort vom Leiden! Von dem ersten Leiden Christi, der heiligen Familie und der ersten Märtyrer redet das Evangelium, von dem Leiden der Christen redet die Epistel und weist uns damit auf die Leiden hin, die auch uns bevorstehen. Sollte uns das befremden, seltsam dünken? Können wir nach unsern bisherigen Christen- und Lebenserfahrungen, zumal in der gegenwärtigen ernsten Zeit, etwas Anderes erwarten, auf etwas Anderes gefasst sein, als dass der Weg, der vor uns liegt, auch ein Leidensweg sein wird? Und damit wir wirklich gefasst, innerlich gefasst, gerüstet und bereitet seien, das Leiden recht zu tragen und zu bestehen, also dass es uns nicht niederwerfe, der Seele nicht schade, sie nicht in Trotz oder Verzagen treibe, sondern die friedsame Frucht der Gerechtigkeit uns bringe und die Gnadenabsicht des Herrn an uns erfülle, dazu kommt uns dieses Wort des Herrn gleich am Anfang unseres Weges entgegen. In ihm reicht uns unser treuer Hirte den Stecken und Stab, auf den wir uns stützen im finsteren Tal. Er lehrt uns in diesem Worte unser Leiden recht ansehen und uns in der rechten Weise zu ihm stellen.

Die rechte Stellung zu dem uns beschiedenen Leiden gewinnen wir aber, wenn wir beherzigen,

1) woher es uns kommt,
2) wozu es uns dienen soll.

I.

Woher das Leiden uns kommt, ist das Erste, was unser Text uns vorhält. Von den Leiden der Christen redet der Apostel, von den Leiden, die die Gemeinde des Herrn und ihre Glieder treffen. Da soll denn zunächst ausgeschlossen sein das Strafleiden, wie es über die groben Übertreter der göttlichen Gebote verhängt wird. „Niemand unter euch leide als Mörder, oder Dieb, oder Übeltäter oder als der in ein fremdes Amt greift“. Neben die groben Übertretungen stellt der Apostel das Eingreifen in ein fremdes Amt. Zu den Gütern und Gaben, die Gott unter seinen Schuh gestellt und will heilig gehalten wissen, gehört auch das Amt und Berufsgebiet des Einzelnen in der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinschaft. Wer da hineingreift mit unberufen richtendem Wort, mit vorwitzig sich dreinmengendem Tun, wer die Grenzen verwischt, die Schranken durchbricht und die Ordnungen verletzt, die Gott unter uns aufgerichtet hat, den stellt der Apostel denen gleich, die sich an Gut und Leben des Nächsten vergreifen. Dieses Wort gibt uns was zu denken. Es ist uns zur Lehre, zur Mahnung und Warnung gesagt. So lasst es uns beherzigen und darnach ringen, dass wir diesem Worte gegenüber ein unverletztes Gewissen uns bewahren. Also vom Strafleiden um offenbarer Verletzung göttlicher und menschlicher Ordnungen willen soll und darf unter Christen nicht die Rede sein.

Und doch leiden wir und leiden nicht ohne Schuld. „Es ist Zeit“, spricht der Apostel, „dass das Gericht anfange am Hause Gottes“. Solche Zeit war damals und ist noch heute. Willst du die Leiden der Zeit, auch unserer Zeit, recht verstehen, so darfst du an diesem ernsten Wort nicht vorübergehen und als Christ am wenigsten. Denn du weißt, dass wem viel gegeben ist, von dem auch viel gefordert werden soll, und wem viel vertrauet ist, von dem auch strenge Rechenschaft verlangt: wird. Das Gericht fängt an am Hause Gottes. Das ist eine Wahrheit, die wir in dieser unserer Zeit so recht vor Augen sehen und mit Händen greifen können.

Denn die Stürme, die über uns ergehen, die Schläge, die uns treffen, sie sind ja vor Allem auf das Haus Gottes gerichtet, das Gott in seiner evangelischen Kirche unter uns erbaut. Dieses Haus haben sie getroffen, dass seine Mauern bis in den Grund hinein erzittern. Seine Geißel hat der Herr in der Hand und treibt aus diesem Hause hinaus, die es durch ihre Verleugnung zum Kaufhaus, durch ihren Hader und Zwist zur Mördergrube gemacht. Solche Gerichte Gottes reden eine erschütternde Sprache. Sie rufen zur Buße. Zur Buße rufen sie die untreuen Hirten, die sich selbst und nicht die Herde geweidet, die Verleugner des Glaubens nicht nur im abtrünnigen Volk, sondern auch unter den Vornehmen und Gebildeten, welche das Volk durch ihren Abfall vom Glauben solche Untreue gelehrt, die ganze Gemeinde, der in den Wunden an ihrem Leibe die Gesamtschuld offenbar werden muss. So ruft das Gericht, das die Gesamtheit trifft, uns zur Buße. Und wie steht's nun im Einzelleben? Auch hier gilt es sich beugen unter Gottes gewaltiges Wort, das im Leiden uns zur Buße ruft.

O, achte darauf, wenn die Leiden dich treffen, - was ist's da, das in dir schmerzt und brennt, das in Furcht und Schrecken in dir erzittert? Ist's dein Fleisch und Blut, dein Leib und deine Seele? Gewiss, die sind es auch. Aber was eigentlich getroffen wird, dass wir aufzucken und aufschreien unter Gottes Schlägen, es ist das Gewissen, das von Gottes Zornesruten getroffene Gewissen. Was sonst über uns kommt, es ist Weh ohne Bitterkeit, es ist Schmerz ohne verwundenden Wiederhaken, es lässt sich Alles leichter ertragen und verwinden, als die Schläge, bei denen es uns sonnenklar wird: Mit dieser und jener Sünde habe ich sie verschuldet, diese und jene böse Aussaat trägt nun ihre bittere Frucht.

Im Lichte der Heiligkeit, des strafenden Ernstes unseres Gottes gilt es Allem zuvor unsere Leiden ansehen, erst dann kann der Blick sich öffnen dem Wort der Gnade und des Trostes. Der Trost des Wortes kann erst dann in die Tiefe dringen, wenn zuvor die Spitzen und Stacheln des Wortes in die Tiefe unserer Seele gedrungen sind.

„Leidet Einer als ein Christ“, in diesen Worten liegt der Übergang von dem, was uns beugt, zu dem, was uns tröstet und erhebt. Als ein Christ leiden, was heißt das? Der Ausdruck, den der Apostel hier braucht, ist der, mit welchem die Jünger des Herrn zuerst in Antiochien, nachher überall genannt wurden. Vor Gott der höchste Ehrenname galt er vor Juden und Griechen als Schmähung. „Leidet Einer als Christ, so schäme er sich nicht, er ehre aber Gott in solchem Fall“. Wie aber dann, wenn wir als Christen geschmäht werden, nicht darum, weil wir's sind und sein wollen, sondern weil wir nicht sind, was wir zu sein vorgeben, wenn man zu uns sagen kann: „Du bist ein Christ, du willst dafür gehalten sein. Du denkst, du redest und handelst aber nicht, wie es einem Christen ziemt“. O, die Welt urteilt scharf und das mit Recht. Denn wer Christum bekennt, der soll ihn auch ganz und voll bekennen. Und wehe uns, wenn in solchem Falle Gott durch uns nicht geehrt, sondern der Christenname durch uns verunehrt, der Name des Herrn verlästert wird! O, so sehen wir wohl zu und prüfen wir uns recht, ehe wir das Wort des Apostels von dem Leiden mit Christo und dem Geschmähtwerden um seines Namens willen auf uns anwenden. Es ist ja wahr: Bei allem oft nur zu berechtigten Richten über die, welche sich Christen nennen und zu Christo bekennen, mischt sich bei solchem Richten der Welt in dasselbe der Hass und die Feindschaft gegen Christum 'und die Seinen, und wir müssten noch vielmehr von diesem Widerspruch erfahren, wenn wir ganze Christen wären. Ja, es muss uns sehr bedenklich erscheinen, dass bei dem schroffen Gegensatz gegen den Herrn und sein Reich, wie er zu unserer Zeit und in unsern Gesellschaftskreisen besteht, wir doch im Ganzen so wenig von der Feindschaft und dem flammendem Hass verspüren, mit denen der Name Christi an uns gehasst werden muss von denen, welchen er der Verachtete, der Ärgerliche, der Stein des Anstoßens und. Widersprechens ist.

In dem Maß, als er von uns gepriesen wird, muss er von dem Unglauben verlästert werden. Hier im Gotteshause wird er wohl von uns gepriesen. Hier aber steht er unter dem Schutz des heiligen Ortes, der heiligen Feier, der Sitte und der Zucht. Aber in unsern Häusern und Gesellschaftskreisen da hat Beides Raum: Rede und Gegenrede, Spruch und Widerspruch, Bekennen und Schmähen, Preisen und Lästern. Nun wie steht es mit dem Bekennen des Namens unseres Gottes in unseren Kreisen? Es kann ein Zeichen der Zartheit und Keuschheit unseres geistlichen Lebens sein, wenn wir in das innerste Heiligtum unseres Christenlebens nur die schauen lassen, denen der Glaube den Blick für dieses Heiligtum geöffnet hat. Es kann ein Zeichen gewinnender und suchender Liebe sein, wenn wir beim Reden mit anders Gesinnten nicht zunächst den Gegensatz, sondern das Gemeinsame betonen, um von der noch vorhandenen gemeinsamen Grundlage aus dann die Halben weiterzuführen. Die Weisheit und die Liebe lehrt die Art und das Maß des Bekennens. Das Reden hat seine Zeit, aber auch das Schweigen hat seine Zeit. Es hat dann seine Zeit, wenn das Wort des Herrn gilt: „Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und die Perlen nicht vor die Säue werfen“. Aber auch das Reden hat seine Zeit, nicht nur da, wo wir auf Verständnis und Zustimmung rechnen dürfen und für die Sache des Herrn zu gewinnen hoffen, sondern auch da, wo wir auf den vollen Widerspruch gefasst sein müssen, wo aber des Herrn Wort uns gilt: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer aber mich verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem himmlischen Vater“. Und nun prüft euch im Lichte dieses Wortes und seht zu, ob das Gericht desselben euch nicht oft getroffen, wo ihr Christum verleugnen gehört und zum Bekenntnis herausgefordert seid, aber feige dazu geschwiegen und stumme Hunde gewesen oder gar durch Einstimmen den Herrn mit verlästert habt.

Wie oft hat es an solchem abgenötigten Bekenntnis uns gefehlt, aber wie Vieles ist auch unterblieben, was unbeabsichtigt den Widerspruch des Unglauben auf uns zieht! Sehen wir auf unsere Häuser, auf das Leben derselben und das Bekenntnis, das in ihnen vom Herrn abgelegt werden sollte. Bekennen wir frei und offen mit Lesen und Brauchen des göttlichen Wortes, mit Singen und Beten, mit Morgen- und Abend- und Tischgebet? Und wo es geschieht, und auch Andere unter solcher Übung des Gebetes dich treffen, lebst du da, mein Mitchrist, nach dem Wort: „So schäme dich nicht“, ob man dich auch einen Frommen, dein Haus ein Bethaus schilt. Wahrlich, wo du schlicht und einfältig für dich und mit deinen Hausgenossen den Namen des Herrn bekennst, da gilt dir das Wort: „Selig seid ihr, wenn ihr um des Namens Christi willen geschmäht werdet“ und: „Freut euch, dass ihr mit Christo leidet“. Welch' unsäglich geringes Maß des wirklichen Mitleidens mit Christo ist es, das uns um unseres Bekenntnisses willen trifft! Wir schämen uns fast, davon zu reden. Aber sei es klein oder groß, es gilt uns doch dieses Trostwort und es soll uns aufrecht halten, wo wir in unsern Tagen als Glieder der Gemeinde, der von allen Seiten widersprochen wird, etwas um unseres Bekenntnisses willen zu tragen haben.

Aber weiter noch erstreckt sich der Trost, den das Wort des Apostels uns bringt. Nicht nur bei der Schmach, die um des Herrn willen uns trifft, sondern bei allen Leiden, die über uns ergehen, gilt uns Christen das Wort unseres Textes: „Der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch“. Der Geist, der über uns ausgegossen ist, findet eine Stätte, wo er ruhen kann, da, wo eine Seele in Demut und Glauben seinem Zeugnis Raum gibt. Dieses Zeugnis des Geistes ergeht an uns in den Heimsuchungen des Gerichts und der Gnade unseres Gottes. Er zeugt gewaltig in den Strafgerichten des Herrn von der Heiligkeit Gottes. Wo wir uns aber in Demut gebeugt, da redet er gar tröstlich von dem unaussprechlichen Erbarmen unseres Herrn. Ja! nie sonst ist uns sein Wort so reich an Gnade und Trost, als wo Kreuz und Leiden ihm den Zugang zu uns geöffnet. „Dein Geist spricht meinem Geiste manch' süßes Trostwort zu“. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“. „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich helfe dir auch und stärke dich mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit“. „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, er stäupt aber einen jeglichen Sohn, den er annimmt“. Solche Worte, den Reichen und Satten eine abgegriffene Münze, kaum wert, dass sie sie ansehen, wie köstlich sind sie uns in den Tagen der Anfechtung und Trübsal, hell leuchtend im Licht der Gottesgnade, triefend von dem Balsam seines Trostes, dahinrauschend wie die erquickenden Wasser, die in das ewige Leben quellen!

Woher das Leiden uns kommt, hat der Apostel uns in unsern Textesworten gelehrt. Und wir werden uns recht zum Leiden stellen, wenn wir Beides, den Ernst und den Trost dieses Wortes ins Herz gefasst haben. Weiter aber tut uns Not, um die rechte Stellung zum Leiden zu gewinnen, dass wir zu Herzen nehmen,

II.

Wozu das Leiden uns dienen soll.

„Die da leiden nach Gottes Willen, sollen ihre Seelen Gott, dem treuen Schöpfer, befehlen“. Wem sollten wir wohl unsere Seelen und unsere Wege freudiger befehlen, als Gott, dem treuen Schöpfer, von dem wir das Leben, auch das neue Leben, haben, das sein Geist in uns gewirkt? Weil er nun ein treuer Schöpfer ist, so will er dieses Leben in uns auch erhalten, pflegen und groß ziehen. Dazu nimmt er uns treulich in die Schule seiner Zucht. Dass wir versucht und geprüft werden, dazu soll uns seine Schule dienen. Es soll an den Tag kommen, uns selbst offenbar werden, was in uns wohnt. Da flammt es wohl oft in uns auf in Widerspruch und Zorn, da schäumt es über in Murren und Klagen. Es ist uns sehr schmerzlich, aber auch gar heilsam, wenn uns so recht offenbar wird die Schande unserer Blöße. Denn auf diese Weise wird uns unser altes Wesen verleidet und vergällt, werden wir mit Schmerz und Abscheu vor ihm erfüllt. Und wo Gott Gnade gibt, kann es wirksam bekämpft und abgetan werden. Wo das Feuer der Trübsal die Schlacken ausschmilzt, da kommt geläutert und gereinigt zu Tage, was an edlem Gold des göttlichen Wesens in uns vorhanden ist. So soll die friedsame Frucht der Gerechtigkeit uns aus der Trübsal erwachsen, dass wir's nicht nur dem Apostel nachsprechen, sondern selbst erleben: „Wir rühmen uns der Trübsal, dieweil wir wissen, dass Trübsal Geduld bringet, Geduld aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung, und Hoffnung lässt nicht zu Schanden werden“.

Das sind köstliche Früchte, die tausend Mal die Drangsal aufwiegen, aus der sie geboren sind. Oder wolltet ihr die Trübsal um irgendeinen Preis weggeben, die solche Früchte euch gebracht? Ich frage euch, ihr lieben Kreuzträger, die ihr jahrelang unter schwerem Leiden dahingegangen. Gedenkt dessen, wie ihr euch anfangs gegen euer Kreuz gesträubt, wie ihr zum Herrn gerufen, nach allen Seiten um Hilfe ausgeschaut, wie es euch unerträglich, unmöglich schien, auf das zu verzichten, was euch so lieb und wert, so unentbehrlich gewesen, wie ihr euch oft noch aufgebäumt habt oder gebrochen am Boden gelegen; - wie aber Gott Gnade gegeben, dass allmählig Geduld und Ergebung - bei euch eingezogen. Und als ihr euch nun willig unter das Kreuz beugtet, es auf euch nahmt, um es dem Herrn nachzutragen, siehe, da war das Joch sanft und die Last leicht geworden. Ihr lerntet immer mehr aus Erfahrung, wie grade dieses Kreuz euch Not getan, wie der Herr das Messer seiner Zucht grade dahin gelenkt, wo die wilden Triebe aus eurem natürlichen Wesen am üppigsten empor zu wuchern drohten, wie er euren Weg grade mit solch' stechenden Dornen euch abstecken musste, um euch vor Ausschreitungen zu bewahren. Solche Erfahrungen lehren uns Gottes Schickungen vertrauen, gründen unsern Glauben, läutern unsere Liebe und beleben die Hoffnung, die nicht zu Schanden werden lässt.

Und ihr, die ihr durch große Drangsalshitze gegangen, da ihr eure Kraft euch brechen, eure Stützen weichen fühltet, ihr, die ihr in großer Gefahr schwebtet, da der Tod schon in euren Gebeinen war und ihr vor die Tore der Ewigkeit euch gestellt saht; gedenkt dessen, wie ihr da lebendiger denn je zu eurer Stärkung inne geworden, dass euer Glauben nicht in leeren Worten bestanden, sondern in Gotteskraft, wie da grade großer Trost und wunderbarer Friede in euer Herz einzog, wo alle Kraft von euch zu weichen schien.

Solche Erfahrungen lehren uns verstehen das Geheimnis des Christenlebens, „als die Traurigen allezeit fröhlich zu sein, der Trübsal uns zu rühmen und uns zu freuen, dass wir mit Christo leiden, auf dass wir auch zu der Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben mögen“.

Wir brauchen auch nicht erst zu warten auf die volle Offenbarung seiner Herrlichkeit, wenn der Geist der Herrlichkeit Gottes schon hier auf uns ruht, denn dieser Geist tut uns die Augen auf, dass uns in dem, was dem natürlichen Menschen als eitel Trübsal und Herzeleid erscheint, das Siegel der Gotteskindschaft, das Ehrenzeichen der Jünger Christi entgegenleuchtet. Er tut uns die Augen auf, in den dunklen Wolken den Friedensbogen zu schauen, den der Herr über unsern Häuptern ausspannt, und lässt uns in den Stürmen, die über uns ergehen, das Frühlingswehen spüren, das den nahen Sommer verkündet. Solchen Bogen schauen wir über dem Einzelleben der heimgesuchten Christen, ihn schauen wir über der Gemeinde Gottes in den Tagen, da die Wogen hoch gehen, die Wasser der Trübsal steigen und die Stürme über sie dahinfahren. Da vernehmen wir die Worte des Trostes: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Denn so du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht anzünden. Denn ich bin der Herr, dein Gott und dein Heiland“.

Das sind köstliche Trostworte des Herrn, offene Quellen der Erquickung, aus denen wir schöpfen können, wo uns Trost und Stärkung Not tut. Ausbleiben werden solche Leidenszeiten nicht. Worin sie für den Einzelnen bestehen und in welchem Maß die Gesamtheit von ihnen betroffen werden wird, das wissen wir nicht. Aber wie wir sie ansehen und uns zu denselben stellen sollen, damit sie uns die rechte Frucht tragen, das hat uns das Wort des Apostels gelehrt.

So helfe uns der gnädige, barmherzige Herr, gerüstet dazustehen, wenn das Leiden uns kommt, und aus dem Quell des Trostes zu schöpfen, wenn es da ist, damit der Gnadenwille unseres Gottes sich an uns erfülle und der Geist der Herrlichkeit uns vollbereite zu dem Erbe der Heiligen im Licht.

Er segne das Kreuz an uns und uns durch das Kreuz, dass wir die Früchte desselben ernten mögen in Zeit und Ewigkeit. Amen.

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