Grünschlag, Fritz - Sterben in Frieden.

Grünschlag, Fritz - Sterben in Frieden.

Sonntag nach Christtag.

Luk. 2, 25-32: Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon, und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war in ihm; und ihm war eine Antwort geworden von dem Heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, dass sie für ihn täten, wie man pflegt nach dem Gesetz; da nahm er ihn auf seine Arme, und lobte Gott, und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.

Der heutige Tag mahnt uns in besonders eindringlicher Weise an unsre Vergänglichkeit. Er ist der letzte Sonntag des Jahres. Rasch, wie dieses Jahr mit seinen Monden, Wochen, Tagen, Stunden entflohen, schwinden alle unsre Jahre und unaufhaltsam naht für jeden die Stunde, da es heißt: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben. Wie Viele sind, die vor uns und mit uns auf dieser Erde gewandelt, aber bereits von hier abberufen wurden! Wir erinnern uns besonders derer, die in dem ablaufenden Jahre aus unsrer Mitte geschieden sind. Ihrer ist eine große Zahl. Da ist auch kein Alter, kein Stand und kein Geschlecht, das der Tod verschont. Lebensmüde Greise und zarte Säuglinge, Jünglinge und Jungfrauen, Väter und Mütter, Reiche und Arme sind hinweggerafft worden. Wie viele Tränen sind da geflossen, wie viele Herzen von Gram und Leid gebeugt worden, wie viele Freude und Hoffnungen mit den geliebten Toten für immer zu Grabe getragen! Und heute weckt die Erinnerung den Schmerz von neuem auf und die alten Wunden fangen frisch zu bluten an. Wer aber, Geliebte, kann der Verstorbenen gedenken, ohne zugleich mächtig an den eigenen Tod erinnert zu werden? Was wir sind, waren jene, deren Leiber draußen auf dem Gottesacker modern; was sie sind, werden wir bald sein. „Alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume.“ Und ob du auch noch jung an Jahren, ob auch die Wange blüht, ob das Blut rasch in deinen Adern rollt: zwischen dir und dem Tode ist doch nur ein Schritt.

„Die auf der Erde wallen,
Die Sterblichen, sind Staub.
Sie blühen auf und fallen
Wie ein verwelkend Laub.
Verborgen ist die Stunde,
Da Gottes Stimme ruft,
Doch jede, jede Stunde
Bringt näher uns zur Gruft.“

Wenn aber irgendetwas in der Welt, so müssen die Gedanken an Tod, Grab und Verwesung unsere Seele in ihrem tiefsten Innern erschüttern und uns antreiben, die Hilfe zu suchen, die auch wider diese finsteren Mächte uns Trost geben kann. Und, Gott Lob, es gibt eine solche Hilfe. Wir haben vor wenigen Tagen Weihnachten gefeiert. In jener Nacht ist der Welt das Licht des Lebens aufgegangen, dessen Strahlen unsre Todesnacht erhellen. „Jesus Christus ist die Auferstehung und das Leben.“ „Er hat dem Tode die Macht genommen, und Leben und unvergängliches Wesen an das Licht gebracht.“ Die in dem Glauben an diesen Herrn gestorben sind, denen ist Sterben Gewinn gewesen; sie sind durch den Tod näher zum Herrn gekommen, sie ruhen von ihrer Arbeit und keine Qual rührt sie an. Um sie dürfen wir daher auch nicht klagen. Ob es uns auch schmerzt, dass wir ihrer Gegenwart beraubt sind, so müssen wir uns doch freuen um ihretwillen. Und wenn wir an Christum von Herzen glauben, so kann auch der Gedanke an den eigenen Tod uns nicht mehr ängstigen; er hat seine Schrecken für uns verloren und ist uns verklärt zu einer Heimfahrt im Frieden. Das zeigt uns Simeon, dessen Bild das vorgelesene Texteswort uns vor Augen stellt. An ihm lasst uns lernen:

Wer Christum hat, der stirbt im Frieden. Ein solcher hat nämlich beides in Christo:

1) Die Vergebung seiner Sünden und
2) die Gewissheit des ewigen Lebens.

I.

Simeon ist ein hochbetagter Greis. Jugendkraft und Jugendschöne sind längst geschwunden. Das Haar auf dem Haupte ist weiß, der Gang ist zitternd geworden. Und was vor ihm liegt, ist Tod und Grab. Wer wollte sich wundern, wenn bei dem Verfall des leiblichen Lebens auch die Seele des Simeon in eine düstere Stimmung geraten wäre und in Seufzen und Klagen sich ergossen hätte? Aber wir finden es anders bei ihm. „Herr,“ spricht er, „nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren.“ Er sieht mit großer Ruhe, ja mit einer zuversichtlichen Freude seinem Tode entgegen.

Woher dieser Friede? Ist Simeon so zufrieden mit sich selber? Hat er im Blick auf sein langes Leben sich nichts vorzuwerfen? Drücken ihn keine Mängel, Fehler und Übertretungen? Ist er der Pharisäer, der da meint, alle Gerechtigkeit erfüllt zu haben und unsträflich zu sein auch vor dem Gott, der Augen hat wie Feuerflammen? nein, Simeon weiß recht wohl, dass er ein großer Sünder ist, dem nur durch die göttliche Barmherzigkeit geholfen werden kann. Denn ob er auch nicht zu den Zöllnern und Sündern gehörte, sondern fromm und gottesfürchtig als ein Diener Gottes auf Erden gewandelt hat, so ist doch ihm, wie allen Frommen, das Gesetz der Spiegel gewesen, in dem er seine tiefe Unreinigkeit vor Gott und die Notwendigkeit einer Abwaschung und Erneuerung erkannt hat. Aber er hat auch die Reinigung seiner Sünden erlangt. Er hat sie gefunden in dem Kindlein, das er im Tempel auf seine Arme nahm und über dem er anbetend ausrief: „Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“ Simeon hat Glauben. Mit den leiblichen Augen sieht er nur ein kleines, schwaches Kind in Niedrigkeit und Knechtsgestalt vor sich. Geringe Leute stellen es im Tempel Gott dar und bringen das Opfer der Armut, es zu lösen. Kein Priester oder Schriftgelehrter kommt, ihm zu huldigen, auch geschieht kein Zeichen vom Himmel, um die Aufmerksamkeit auf dasselbe zu lenken. Aber Simeon schaut dies Kind im Glauben an, mit den Augen, die der Geist Gottes ihm geöffnet. Er glaubt, dass in ihm der Heiland der Welt erschienen, den Gott zu senden verheißen, auf den auch er sehnsüchtig gehofft und den in diesem Leben noch zu schauen ihm auf sein Gebet hin verheißen war. Er glaubt, dass dies Kind auch sein Heiland sei, durch den auch ihm Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben aus lauter Gnade von Gott geschenkt werde. Mag nun auch manches in seinem Leben versehen und unrecht gewesen sein: er ist gewiss, dass um des Heilandes willen keine Sünde mehr vor Gott ihn verklagt, dass er nicht in das Gericht kommt, sondern völlige Vergebung hat. Im Glauben an den Heiland, der die Sünde von ihm genommen, hat Simeon den Frieden erlangt.

Und auch du, liebe Seele, kannst nur dann im Frieden scheiden, wenn du durch den Glauben an Christum der Vergebung deiner Sünden gewiss geworden bist. Woher kommt doch die Furcht vor dem Tode, die allen natürlichen Menschen eigen ist? Rührt sie daher, dass im Tode diese unsre Leibeshütte abgebrochen wird und dass dieser Abbruch sich in der Regel unter schmerzlichen Leiden vollzieht? Oder ist es der Gedanke an das, was wir im Tode verlassen müssen, an die Lieben, von denen wir scheiden, oder an die Güter, die hier zurückbleiben? Der eigentliche Grund ist dies nicht. Der liegt tiefer, in jener Gewissheit, welche der Schöpfer mit Flammenzügen in eines jeden Menschen Brust eingegraben hat, die darum auch kein Leichtsinn und kein Spott der Welt auszutilgen vermag, dass das Land, in welches wir im Tode gehen, die Welt der Vergeltung ist. „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht.“ „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeglicher empfange nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.“ Wenn wir aber vor diesen Thron treten müssen und vor dem Flammenauge des Richters auf demselben alle unsre Werke zum Vorschein kommen, nicht bloß die, welche die Welt gesehen, sondern auch die im Verborgenen geschehen, und nicht nur unsre Werke, sondern auch die Gesinnung, der Kat unsres Herzens, wenn wir nun offen und bloß dastehen und hinter keine Larve des Truges und Scheines uns mehr bergen können: dann muss eine jede Seele erbeben, die ihren Trost in ihren eigenen Werken gesucht, selbst wenn sie vor der Welt gerecht dagestanden hat. „Der Stachel des Todes ist die Sünde.“ Willst du darum von der Todesfurcht befreit werden, dann musst du vor allem Vergebung deiner Sünden haben. Vergebung aber findest du nur in Christo. „An Christo Jesu haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden.“ „Von diesem zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.“ „So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.“ Der Glaube bringt uns in die innigste Gemeinschaft mit Christo; er macht aus ihm und uns gleichsam eine Person, so dass Christus alles auf sich nimmt, was unser ist, das ist unsre Sünde und Ungerechtigkeit und uns das schenkt, was sein ist, nämlich seine Unschuld, Gerechtigkeit und Seligkeit. In Christo gibt es für uns keine Verdammnis und kein Gericht, darum auch keine Furcht des Todes mehr; durch ihn sind wir Gott wieder angenehm; sein Wohlgefallen ruht auf uns, als den Kindern seiner Liebe, und niemand kann uns von seinem Herzen reißen.

Stehest du in diesem Glauben? Hast du Christum und bist du gewiss, dass auch du durch ihn Vergebung deiner Sünden hast? Mit den leiblichen Augen kannst du ihn nicht schauen, in deine Arme ihn nicht wie Simeon schließen. Aber das allein würde dir auch nichts nützen. So haben ihn viele in den Tagen seines Fleisches geschaut, ohne doch durch ihn von Sünde und Tod erlöst zu werden. Dennoch kannst du den Heiland sehen und haben. Er ist dir nahe, er ist dir vor Augen gemalt in seinem heiligen Worte. Da suche ihn, da betrachte ihn mit den Augen des Geistes, schaue ihn an in seiner Liebe und in allem, was er aus Liebe für uns getan, gelitten und uns erworben hat. Stoße dich auch nicht daran, dass er keine Gestalt und Schöne für den natürlichen Sinn hat, sondern lass dich, wie Simeon, den Geist Gottes erleuchten. So wirst du seine verborgene Herrlichkeit schauen, du siehst, wie nötig du ihn hast, aber du trauest ihm auch, dass er auch um deinetwillen gekommen ist und auch dir Vergebung, Gerechtigkeit und ewige Seligkeit erworben hat. Christus ist dann dein Heiland, seine Gnade ist dein, sein Friede ist dein. Und weil er dein, so kannst du dem Tode ohne Furcht ins Auge sehen und sprechen:

„Auf meinen Jesum will ich sterben,
In seinen Wunden stirbt sichs gut.
Er lässt mich nimmermehr verderben:
Ich bin erkauft mit seinem Blut.
Mein Jesus ist mein Trost allein,
Auf Jesum schlaf ich selig ein.“

II.

Wer Jesum hat, stirbt im Frieden auch darum, weil er in ihm des ewigen Lebens gewiss ist. „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,“ spricht Simeon. „Nun,“ sagt er, wie einer, der ein großes längst ersehntes Ziel erreicht hat. Er redet nicht von dem Tode wie jene, die singen: „Das Grab ist tief und stille und schauerlich sein Rand; es deckt mit tiefer Hülle ein unbekanntes Land,“ nein, der Tod ist ihm vielmehr eine Heimfahrt in Frieden. Wie der Schiffer, der in den Hafen einläuft und vor sich das Land seiner Sehnsucht erblickt, freut sich Simeon der zukünftigen Herrlichkeit. Der Gedanke an sein Sterben ist ihm ein Gruß aus der Heimat.

Seht, so hoffnungsfroh stirbt ein Mensch, der den Heiland hat. So starb Stephanus, der, als er von seinen Feinden gesteinigt ward, ausrief: „Ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen.“ So starb Paulus. „Ich habe Lust,“ sprach er, „abzuscheiden und bei Christo zu sein. Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“ So starb auch jener Schächer am Kreuze, dem der Herr zurief: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Und wer von uns schon an Sterbebetten wahrer Kinder Gottes gestanden, der ist auch Zeuge gewesen von der lebendigen Hoffnung, die den Gläubigen in Christo beigelegt ist. Welch ein hoher Friede umweht eine solche Sterbestätte und wäre sie äußerlich auch die elendeste in der Welt, und welche getroste Zuversicht leuchtet noch aus den brechenden Augen uns entgegen! Das ist ein Eindruck, dem auch die Weltkinder sich nicht entziehen können. Daher einer gesagt hat: „Wenn ich auch nicht leben möchte wie die Christen, so möchte ich doch sterben wie sie.“ Es ist schrecklich zu sterben ohne Christum. Der Ungläubige verliert im Tode Alles, worin er hier seinen Frieden gesucht. Die Güter, die er hier gesammelt, muss er zurücklassen, die Freuden, denen er nachjagt, gehen am Grabe zu Ende; die Genossen, unter denen er sich bewegt, folgen ihm nicht nach; der Leib, den er vor allem gepflegt, fällt der Verwesung anheim. Die Seele aber ist ohne Hoffnung. Sie hat hier schon den Vorschmack der Hölle und fährt in die Trübsal und Angst, die denen bereitet ist, die sich nicht durch Christum haben reinigen und erneuern lassen. Dem Kinde Gottes dagegen wird Sterben Gewinn, Gewinn für Seele und Leib. Die Seele geht zum Herrn, um bei ihm zu sein allezeit; sie kommt in das Vaterhaus, da Christus ihr die Stätte bereitet, aus der Arbeit zur Ruhe, aus dem Kampf zum Frieden, aus dem Leid zur Freude, aus dem Stückwerk zur Vollkommenheit. „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rührt sie an.“ Aber auch für den Leib der Gläubigen ist Sterben Gewinn. Der Leib, den sie hier getragen und der im Grabe der Verwesung anheimfällt, ist der Leib der Sünde und des Todes. Aber Christus wird ihren sterblichen Leib auferwecken und ähnlich machen seinem verklärten Leib. Was wir säen verweslich, wird auferstehen unverweslich; was wir säen in Schwachheit, wird auferstehen in Kraft; was wir säen in Unehre, wird auferstehen in Herrlichkeit und das Wort wird seine völlige Erfüllung finden: „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum.“ Ist es da nicht begreiflich, dass ein Mensch, der solche Hoffnung hat, getrost von hinnen scheidet?

Und solche Hoffnung ist kein leerer Wahn, sondern hat einen festen Grund. Sie hat nichts gemein mit der eitlen Hoffnung der Weltkinder, die wohl auch davon reden, dass sie nach dem Tode in den Himmel kommen und es dort besser als hier haben würden. In ihrem Munde sind solche Worte leere Redensarten. Man will dadurch die Angst vor dem Tode vertreiben, man will das Gewissen mit seinen lästigen Mahnungen zur Buße beschwichtigen. Der Gläubige aber hat eine lebendige Hoffnung. Sie beruht auf dem göttlichen Leben, das ihm in der Wiedergeburt ist eingepflanzt worden. Er ist hier bereits aus dem Tode in das Leben versetzt; er ist mit Christo auferstanden und mit ihm in das himmlische Wesen aufgenommen. Und ob er auch äußerlich in den nämlichen Verhältnissen steht, wie alle andere Menschen, und hierin zwischen beiden kein Unterschied ist, so führt er doch innerlich ein mit Gott in Christo verborgenes Lebens. Dieses Leben bewährt seine Art darin, dass es nicht abnimmt mit den Jahren. Es altert nicht nur nicht, sondern gewinnt immer größere Fülle in dem Menschen, dem Strome gleich, dessen Wasser in seinem Laufe breiter und tiefer werden. „Wir werden,“ sagt Paulus, „verklärt von einer Klarheit zur andern, und ob auch unser äußerer Mensch verweset, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ Es gibt Kinder Gottes, bei deren Anblick wir schon etwas wahrnehmen von der Verklärung, welcher ihr innerer Mensch entgegenreist. Das mit Gott in Christo verborgene Leben schimmert durch die Hülle ihres Leibes, wie zur Lenzeszeit im Walde das junge Grün aus dem abgestorbenen Laube. Diese Erfahrung des ewigen Lebens in der Zeit ist ein fester Grund unserer Hoffnung für die Ewigkeit. Wir wissen, dass wir aus dem Tode zum Leben hindurchgedrungen sind. Und der das gute Werk in uns angefangen hat, der wird es auch vollführen; der uns hier zu seinen Kindern gemacht, wird uns auch zu dem Erbe führen, das er uns bereitet; der uns hier die Erstlinge seines Geistes gegeben, wird uns dort die Fülle desselben ernten lassen; der uns tagtäglich mit den Tropfen seiner Gnade erquickt, wird einst den vollen Strom derselben auf uns ergießen. Und sind wir Christo einverleibt, so wird er, das Haupt, seine Glieder auch im Tode nicht lassen, sondern sie zu sich ziehen, dass sie dahin kommen, wo er ist und seine Herrlichkeit schauen. Das wird geschehen, so gewiss, als der sprossende Lenz eine sichere Anzeige ist des Sommers und seiner Fülle, und als durch den Vorhof der Weg ins Heiligtum führt. Selig der Mensch, der eine solche Hoffnung des ewigen Lebens hat!

Willst nicht auch du ein solch seliger Mensch werden? Willst du nicht lernen, in Frieden sterben wie der alte Simeon? Willst du nicht lernen, wie Paulus, dich der lebendigen Hoffnung getrösten, die uns in dem Heiland gegeben ist? nimm ihn auf in dein Herz, wie Simeon, dann wird es auch zu dir heißen: ich lebe und du sollst auch leben, dann wirst du sprechen Lernen:

„Ich bin ein Glied an deinem Leib,
Des tröst' ich mich von Herzen.
Von dir ich ungeschieden bleib'
In Not und Todesschmerzen.
Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir,
Ein ewig Leben hast du mir
Durch deinen Tod erworben.

Weil du vom Tod erstanden bist,
Werd ich im Grab nicht bleiben.
Mein höchster Trost dein Auffahrt ist,
Kann Todesfurcht vertreiben.
Denn wo du bist, da komm' ich hin,
Dass ich stets bei dir leb' und bin.
Drum fahr' ich hin mit Freuden.“

Amen.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/g/gruenschlag/gruenschlag_-_sterben_in_frieden.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain